Annehmen

Künstlerin: Dörte Müller

Seit gut 30 Jahren habe ich nun „meine“ chronische Autoimmunerkrankung. Viele Jahre habe ich starke Medikamente genommen, um weiter „zu funktionieren“. – Die Erkrankung wurde schlimmer. Dann habe ich beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Und habe zig Dinge im sogenannten alternativ medizinischen Bereich ausprobiert.

Oft hatte ich in den letzten Jahren das Gefühl: Jetzt! Jetzt habe ich endlich den richtigen Ansatzpunkt! Die Schmerzen gingen deutlich zurück, die Beweglichkeit nahm zu. Das musste gefeiert werden. Ich habe es gleich allen erzählt, mich im Fitnessstudio angemeldet oder sonst irgendwas geplant, was ich jetzt endlich wieder würde machen können.

Tja, und dann kamen jedes Mal nach kurzer Zeit wieder diese „Schmerzschüsse“. Manchmal schon am nächsten Tag. Aus völlig heiterem Himmel. Wieder ging nichts mehr. Wieder der absolute Frust.

Gleichzeitig werde ich ständig kraftloser. Das ständige „gegenan“ gehen kostet mich unglaublich viel Kraft.

Wie oft habe ich gelesen, gehört oder mir auch selber gesagt: „Du musst die Erkrankung annehmen! Es nutzt nichts dagegen anzukämpfen.“ Ich wusste einfach gar nicht, wie. Wie soll man oder frau denn so eine Erkrankung „annehmen“? Mich „in mein Schicksal ergeben“?, sozusagen passives Opfer? Nein, geht gar nicht! Und überhaupt, ich WILL die Erkrankung schließlich weghaben. Was denn sonst?

Vor zwei Tagen kam jemand zu Besuch. Der hatte einen anderen Ansatzpunkt. Einen sanften. Es gehe nicht ums wegmachenwollen. Sondern um einen sanften Impuls, der meinem vor vielen Jahren „aus der Ordnung“ geratenen System helfe, sich wieder in Richtung der ursprünglichen Ordnung auszurichten. Und die Natur brauche nun einmal Zeit. „Ja, stimmt“ dachte ich mir. Ich war an die Behandlung meiner Erkrankung im Prinzip genauso herangegangen wie die von mir für die Behandlung von chronischen Erkrankungen eigentlich als ungeeignet angesehene Schulmedizin das tut: Alles probieren, um nur bloß möglichst schnell diese äußerst unangenehmen und störenden Symptome loszuwerden.

Und dann wurde mir plötzlich auch klar, was das eigentlich heißt: „Annehmen“ statt „bekämpfen“. Denn tatsächlich hilft mir die Erkrankung ja dabei, geistig seelische Themen zu erkennen, die bearbeitet und gelöst werden wollen. Und es ist eben nicht nur ein Thema. Vieles habe ich schon bearbeitet und Einiges gelöst. Das weiß ich. Aber, wenn dann doch wieder heftige Symptome da sind, dann heißt das eben auch: „Da ist noch was, was gelöst werden will“. Wie eine Zwiebel, Schicht für Schicht. Und insofern hat die Erkrankung wirklich auch etwas sehr Positives. Sie ist eine Art Warnmeldesystem, das mir sagt, „hey, nicht zudecken und weiter so, sondern hinschauen und bearbeiten“!

Also eine echte Hilfe für geistig seelisches Wachstum. Und ist es nicht genau das, worum es in dieser Welt geht? Möglichst glücklich zu sein – und geistig-seelisches Wachstum anzustreben?

In diesem Sinne wünsche ich allen Leser*innen meines Blogs ein geistig – be-Sinn-liches Weihnachtsfest.

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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