Auf ein Wort, liebe Mediziner*innen

Nebel auf dem Weg; Künstlerin: Dörte Müller

Dieser Beitrag ist inspiriert durch einen Bericht, in dem eine Ärztin ihr Buch vorstellte, mit dem sie eine bessere Arzt-Patient*innen- Kommunikation anregen wollte. Ich habe das Buch nicht gelesen, mich aber direkt gefragt, ob es nicht an der Zeit wäre, dass Patient*innen darlegen, was SIE sich wünschen von ihrem Arzt / ihrer Ärztin. Denn bisher wird mir zu oft eher das beschrieben, von dem Ärzt*innen DENKEN, dass Patient*innen es sich wünschten. Daher nunmehr meine ganz persönlichen Gedanken dazu (ohne Anspruch auf Verallgemeinerung):

Liebe Mediziner*innen, ich habe kein Problem mit dem, was Ihr so gern als Euer „Fachchinesisch“ bezeichnet. Ich habe „meine“ Autoimmunerkrankung seit gut über 30 Jahren und kenne die meisten der medizinischen Fachbegriffe zu meinem Krankheitsbild recht gut. Ich kenne auch die meisten Eurer Therapievorstellungen zu meiner Erkrankung recht gut. Ich habe (heute würde ich sagen: leider) sehr viele davon ausprobiert. – Und sie als nicht wirklich hilfreich empfunden, ganz im Gegenteil. Ich habe in all diesen Jahren viele Erfahrungen gesammelt. Und ich möchte, dass Ihr meine Erfahrungen und meine Wünsche respektiert!

Denn genau da liegt mein Problem mit Euch: Ich verstehe etwas Anderes unter KOOPERATION, als Ihr. Für Euch heißt Kooperation: Ich habe brav genau das zu tun, was Ihr mir „vorschlagt“ (Medikamenteneinnahme in vorgeschriebener Dosis zum vorgeschriebenen Zeitpunkt) und Euch möglichst dankbar zu sein. Für mich heißt Kooperation: Wir überlegen gemeinsam, was für mich hilfreich sein könnte. Ihr beratet mich nach bestem Wissen – und ich entscheide.

Liebe Mediziner*innen, ich würde mir wünschen, dass Ihr nicht so oft so furchtbar beleidigt reagiert, wenn ich Euch sage, dass ICH die Therapieentscheidung treffe, nicht IHR, denn es geht um MEINEN Körper. Mein Leben. Und dafür bin ICH die Expertin, nicht Ihr. Ich bin ein Mensch, liebe Mediziner*innen, und kein zu behandelndes Objekt, oder irgendwie dumm, nur weil ich zufällig eine Erkrankung habe.

„Sie sind hier in einer renommierten Klinik …“

Ich würde mir wünschen, dass Ihr meine Fragen ehrlich beantwortet, also zugebt, was Ihr wisst – und was nicht. Dass Ihr aufhören würdet, zu versuchen, Nichtwissen mit Arroganz zu kaschieren. Ich reagiere nicht ehrerbietig, sondern äußerst ungehalten, wenn Ihr mir auf meine Frage nach möglichen Nebenwirkungen der von Euch empfohlenen medikamentösen Therapie antwortet: „Sie sind hier in einer renommierten Klinik, also verlassen Sie sich auf das, was Ihnen gesagt wird.“

Gut, diese Aussage ist jetzt ein Vierteljahrhundert her. Aber die Haltung, die dahinter steht, die begegnet mir immer noch. Die eine sagt mir, all ihre anderen Patient*innen wären dankbar für das, was sie ihnen anbiete, und mein Wunsch nach einer anderen Herangehensweise sei anmaßend und undankbar. Was ich überhaupt bei ihr wolle. Der andere unterstellt mir, ich WOLLE ja gar nicht gesund werden, wenn ich „die Schulmedizin ablehne“, weil ich etwas anderes wünsche, als Medikamente. Und nimmt sich erstaunliche 45 Minuten Zeit (die ihm niemand bezahlt) – … nur um mir alles Mögliche an den Kopf zu werfen und sich mit mir zu streiten.

Liebe Mediziner*innen, Ihr kennt den Nocebo-Effekt. Und Menschen wie ich, die mit Medikamenten und Operationen in ihrem bisherigen Leben eher schlechte Erfahrungen gemacht haben, reagieren auf diesen Effekt besonders stark. Warum also meint Ihr, Druck ausüben zu müssen, damit wir trotzdem unbedingt ein bestimmtes Medikament einnehmen? Und / oder uns operieren lassen?

Warum wollt Ihr alle, egal wo ich hingehe, mir immer unbedingt irgendetwas verschreiben? „Wenigstens ein Schmerzmittel! Ich verschreibe Ihnen alles. ALLES!“ Das war ein Zitat. Bei jeder Krankschreibung wegen eines Infekts hieß es: „Wollen Sie nicht doch ein Antibiotikum?“ NEIN! WILL ICH NICHT! Und ich will auch nicht, dass Ihr mir mit irgendeiner Impfung, „etwas Gutes tut“. Auch, wenn Ihr mir damit pflichtgemäß immer wieder kommt. Tatsächlich finde ich nämlich nicht, dass Ihr mir und meinem ja ohnehin aufgeputschten Immunsystem damit „etwas Gutes“ tätet.

Eine andere Herangehensweise?

Ich will eine andere Herangehensweise. Eine ganz andere. Und damit beiße ich bei Euch leider immer noch auf Granit. Und werde in Euren Augen zur „Querulantin“ und „Feindin“. Und das lasst Ihr mich durchaus auch spüren.

Ich will nicht Symptome unterdrücken, Schmerzen wegdrücken, mein Immunsystem supprimieren, um „zu funktionieren“. Ich sehe mein Immunsystem nicht als zu bekämpfenden Gegner an, wie Ihr es tut. Für mich sind meine Immunzellen keine Aufständischen, die ich unterdrücken muss, indem ich ihre Boten ausschalte. Das ist Euer Bild des Immunsystems: Beim Tumor schwingt sich eine „bösartige“ Zelle sozusagen zum Diktator des Gesamtsystems auf. Sie muss daher mit allen Waffen, die uns zur Verfügung stehen, aggressiv bekämpft werden. So wie man einen Diktator eben bekämpft: Mit Stahl und mit Chemie oder Strahlen. Bei der Autoimmunerkrankung sind es „aufständische Immunkrieger“, die plötzlich körpereigenes Gewebe angreifen. Die werden ebenfalls mit chemischen Waffen unterdrückt. Als „modern“ gilt es heutzutage, mit sogenannten Biologicals (gentechnisch hergestellte Medikamente mit „lebendem“ Zellmaterial) die Botenstoffe auszuschalten. Da es eine Menge Entzündungsbotenstoffe gibt, gibt es auch immer neue Medikamente in diesem finanziell sehr lukrativen Bereich.

Kollateralschäden sind bei all diesen „Kriegen“ selbstverständlich in Kauf zu nehmen. Das empfindet Ihr als normal. So geht Ihr immer vor. Für Euch ist alles Krieg. Ob gegen Viren (wie zur Zeit weltweit), gegen Bakterien oder gegen körpereigene Zellen. Ihr habt immer noch das darwinistische Bild von Konkurrenz und Kampf und dem Recht des Stärkeren im Kopf. Und dieses Bild prägt Eure Medizin immer noch ebenso, wie es die weltweite Wirtschaft prägt.

Für mich hingegen war diese darwinistische Theorie noch nie logisch. Für mich ist der menschliche Körper ein Gesamtkunstwerk, das gerade bei Krankheit immer in seiner Gesamtheit betrachtet werden muss. Meinen Körper zu einem „Schlachtfeld“ zu machen, halte ich nicht (mehr) für eine gute Idee. Wie soll ich so „heil“ werden? Ganz werden?

Ich halte es für weise, mir vor einer Maßnahme zu überlegen, ob ich damit Kollateralschäden anrichte – und ob diese nicht vielleicht in ihren Auswirkungen das Ganze viel schlimmer machen.

Weisheit

Weisheit, liebe Mediziner*innen, ist etwas, was ich mir bei Eurer Vorgehensweise in deutlich größerem Ausmaß wünschen würde. Ihr habt so unglaublich viel Wissen angehäuft über irgendwelche Details, dass Ihr vor lauter Stolz über all die kleinsten Komponenten, die Ihr jetzt „kennt“, oft nicht mehr merkt, dass das ganze Wesen ein MENSCH ist. Ihr spezialisiert und spezialisiert Euch. Haltet Euch dann für hervorragende Expert*innen auf Eurem Gebiet und merkt nicht, dass Ihr zu eindimensional unterwegs seid und den Blick aufs Ganze verloren habt.

Ihr macht Euch lustig über Medizinsysteme, die Ihr für „primitiv“ oder „unwissenschaftlich“ haltet. Ob Schamanismus, TCM, Ayurveda, Homöopathie, Anthroposophie, Reiki, „Geistheilung“, biophysikalische Methoden usw., Ihr neigt dazu, all das zu belächeln. Als nicht belegt oder Humbug abzutun. Ihr merkt dabei nicht, dass Ihr mit dem, was Ihr für „wissenschaftlich“ haltet, bei Descartes und Darwin hängen geblieben seid. Dass Ihr grundlegende physikalische Erkenntnisse der letzten hundert Jahre vollständig ignoriert, weil sie nicht in Euer Weltbild passen. Ihr geht immer noch davon aus, dass Euer materialistisches, mechanistisches Weltbild die „Wirklichkeit“ widerspiegele. Und weigert Euch beharrlich, alle Evidenz dagegen auch nur zur Kenntnis zu nehmen.

Ihr seid fasziniert von Genetik und gebt Milliarden aus für Biotechnologie und die Erforschung von Antitumormitteln sowie von Impfstoffen, die an den Genen ansetzen. M-RNA, das ist gerade das Zauberwort für Eure Corona-Impfung. Ihr ignoriert dabei, dass die Epigenetik seit längerem zeigt, dass es die Umgebung ist, die über die Genexpression bestimmt – und nicht umgekehrt. Zytoplasma, wohl auch Darmflora und natürlich die Psyche. Es ist das „Milieu“, das in den meisten Fällen über Gesundheit oder Krankheit entscheidet. Die von Euch so verlachten medizinischen System wussten / wissen das alle.

All diese System bezogen Weisheit und Beobachtung in ihr Wissen ein. Ihr hingegen lehnt alles ab, was mit Bewusstsein, Weisheit, innerem Wissen zu tun hat, mit der Begründung, es sei nicht wissenschaftlich, weil man es nicht messen könne.

Ehrlich gesagt kommt mir Eure Wissenschaft so vor, als würdet Ihr ein Buch lesen, indem Ihr gewissenhaft jeden Buchstaben auf jeder Seite zählt und vermesst. So dass Ihr am Ende des Buches haargenau sagen könnt, wie oft welcher Buchstabe vorkam. Wie groß die Buchstaben jeweils waren, wie breit, welche Schriftart und wie viel Druckerschwärze welcher Qualität sie enthielten. Und vielleicht würdet Ihr noch eine Schätzung abgeben, wie lange es etwa brauchen werde, bis die Buchstaben auf dem Papier verblassten – und was man ggfs. dagegen tun könne.

Nur den Inhalt des Buches und die enthaltenen Gedanken, die hättet Ihr nicht bemerkt oder für irrelevant gehalten … . Schließlich konntet Ihr die nicht messen.

Wäre es nicht an der Zeit, das System wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen?

Liebe Mediziner*innen für Patient*innen wie mich ist es nicht so wichtig, ob „das Kind einen Namen hat“, wie Ihr mit Eurer ausgeklügelten Diagnostik oft zu glauben scheint. Denn diese Diagnostik dient selten der Ursachensuche, sondern der Auswahl der für diese Diagnose vorgesehenen Medikamente. Ich pfeife auf „leitliniengerechte“ Medizin (ich weiß, dass dürft Ihr nicht einfach tun, sonst bekommt Ihr erhebliche Unannehmlichkeiten). Diese „Leitlinien“ finde ich im Gegenteil sehr problematisch, weil sie im Prinzip vorschreiben, dass jeder Mensch mit gleichen Symptomen gleich behandelt werden müsse. Die bei Descartes und seiner Maschinenvorstellung des Menschen hängen gebliebene Medizin…. .

Liebe Mediziner*innen, Ihr könnt natürlich fragen, warum ich Euch überhaupt aufsuche, wenn ich das, was Ihr zu bieten habt, nicht will. Tatsächlich suche ich Euch inzwischen auch normalerweise nicht mehr auf, weil mir Euer Angebot eben so begrenzt erscheint.

Aber der Punkt ist: Ich HÄTTE ja durchaus gerne Hilfe. Denn ich habe natürlich auch sehr sehr viele „alternative“ Heilmethoden ausprobiert, arbeite viel an meinem Bewusstsein, mit Ernährung ohnehin schon seit sehr vielen Jahren, habe Ausbildungen mit verschiedenen gesundheitlichen Ansätzen selbst absolviert – und habe dennoch DEN Schlüssel, mit dem ich die vor vielen Jahren erfolgte „Fehlprogrammierung“ in meinem System rückgängig gemacht bekomme, (noch) nicht gefunden. Entgegen der schulmedizinischen Prognosen bin ich immer noch überzeugt, dass ein solches Rückgängigmachen prinzipiell möglich ist. Und ich würde mir von Euch, liebe Mediziner*innen eben auch immer noch wünschen, dass Ihr genau in diese Richtung Eure künftigen Forschungsbemühungen lenkt.

Ja genau: In Richtung Bewusstsein, Energiekörper, Chakren, Frequenzen, Wasserstrukturen in lebenden Systemen, Energiequalitäten, Zusammenwirken von Psyche und Körper usw. Warum nur sind viele von Euch immer noch so verbohrt und ignorant, all das so pauschal abzulehnen?

„Eine psychosomatisch wirkende Therapie? Das ist doch nichts für Sie! Sie sind doch RICHTIG krank.“

Auch das ist ein wörtliches Zitat eines Arztes, der diese Aussage mit einem Gesichtsausdruck verband, als habe er mir ein Kompliment gemacht. Wenn ich der Meinung bin, dass meine Erkrankung auch etwas mit meiner Psyche zu tun hat, bin ich FALSCH krank??

Warum denkt Ihr immer noch, dass Psyche und Körper voneinander getrennt zu behandelnde Gebilde und alles, was mit der Psyche zu tun hat, irgendwie peinlich sei???

Und mit so etwas wie Chakren brauche ich Euch in aller Regel natürlich schon mal gar nicht zu kommen.

Liebe Mediziner*innen, merkt Ihr nicht, dass Ihr Euch mit dieser mauernden Einstellung von Teilen der Bevölkerung immer weiter weg bewegt? Ihr habt bei chronischen Erkrankungen wenig zu bieten. Und Ihr weigert Euch, das zu ändern? WARUM?

Ursachen?

Ja, es stimmt, Ihr habt in der Tumortherapie in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte erzielt und Ihr seid – zu Recht – stolz darauf. Aber der eigentlichen Frage, WARUM Tumorerkrankungen und Autoimmunerkrankungen seit Jahren so dramatisch zunehmen, der geht Ihr aus dem Weg. Stattdessen tut Ihr so, als sei Euer (Entschuldigung!) blödes Corona die Seuche des Jahrtausends, in deren Bekämpfung jetzt alle Anstrengungen gerichtet werden müssten. Haltet Ihr Tumor- oder Autoimmunerkrankungen für harmloser und weniger belastend als eine COViD-19-Erkrankung??? Was soll dieses Theater?

Müsstet Ihr Eure Anstrengungen und Forschungsbemühungen nicht viel mehr auf die Suche der möglichen Ursachen von Krebs und sonstigen schwerwiegenden Erkrankungen des Immunsystems richten, wenn Ihr der Menschheit wirklich einen großen Dienst erweisen wollt? Ihr behauptet zu wissen, was zumindest NICHT für die Zunahme dieser Erkrankungen verantwortlich sein könne: z.B. Impfungen, Zunahme elektromagnetischer Strahlung, 5G. Aber es sind Behauptungen, die mit „Wissenschaft“ nichts zu tun haben. Sie halten Euren eigenen wissenschaftlichen Standards nicht stand. Wieso wundert Ihr Euch, dass Menschen wie ich Euch diese Behauptungen nicht einfach so glauben?

Ja, ich weiß, Ihr seid eingebunden in die Zwänge von Pharmaindustrie, Gesundheitspolitik (die in Wahrheit Wirtschaftspolitik ist), und sonstigen wirtschaftlichen Vorgaben. Und dennoch: IST ES NICHT OFT AUCH EUER DENKEN, das Euch begrenzt? Und das eine echte Kommunikation mit Menschen wie mir nahezu unmöglich macht?

Liebe Mediziner*innen, die meisten von Euch WOLLEN doch helfen. Wieso weigert Ihr Euch dann so sehr, Euch in eine Richtung zu öffnen, die Euch bisher noch fremd ist? Wieso weigert Ihr Euch, wenigstens in Erwägung zu ziehen, dass genau dort vielleicht das wahre Potential für die Medizin der Zukunft liegen könnte???

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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7 Kommentare

  1. Halli hallo, Mediziner in Ausbildung hier. Ich wage also mal die andere Seite einzunehmen und einen Kommentar aus diesem Blickwinkel dazulassen.

    Zumindest für meine Uniklinik kann ich bestätigen, dass das, was Sie unter Kooperation verstehen exakt das ist, was Jungmedizinern beigebracht wird. Der Körper ist der Körper des Patienten und dieser entscheidet über Therapie und so weiter. Uns wird beigebracht, dass wir fachlich kompetente Berater des Patienten sein sollen, die mit ihrer Expertise einen (schul-)medizinisch fundierten Rat aussprechen sollen. Was der Patient damit am Ende macht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Schade, dass Sie den Eindruck gewonnen haben, es sei anders… aber ja.

    Einen weiteren Aspekt, den ich hier exponieren möchte ist der folgende: natürlich wäre die Welt für uns Mediziner schön und einfach, wenn wir unser Programm abspulen könnten und davon ausgehen könnten, dass unser Gegenüber auf jeden Fall dankbar für unsere Hilfe sei. Die Realität sieht de facto aber anders aus. Es GIBT schlicht nicht diesen einen einzigen Weg, wie man einen Patienten behandeln sollte und wie man zum Erfolg in der Behandlung/Arzt-Patienten-Beziehung kommt. Jeder Arzt ist anders. Jeder Patient ist unterschiedlich. Die einen sind verzweifelt und dankbar um jeden Strohhalm, den man ihnen bietet (und damit dann leider auch oftmals offen für Scharlatanerie), die anderen sind kritischer und empfinden es als anmaßend, wenn sie vom Kardiologen ein Vitaminpräparat mit bekommen, weil dieser (fälschlicher Weise) antizipierte, dass der Patient sich so etwas wünscht…
    Das ist etwas, womit ich in meiner Ausbildung schon zu gewaltig zu kämpfen hatte. Ich komme aus der Informatik. Dort gibt es Einsen und Nullen… das ist in der Medizin aber nicht der Fall. Von daher ist es in jedem Fall ein Balanceakt mit jedem Patienten möglichst auf eine fruchtbare Basis zu kommen, mit der man gemeinsam arbeiten kann. Das macht das Leben als Arzt nicht unbedingt einfacher, aber den Job definitiv interessanter.

    Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, würde ich unterstellen, dass auch die Ärzte, die in Ihrem Fall Antibiotika verschreiben wollten schlichtweg auf Nummer sicher gehen wollten… eine Patientin mit einer Autoimmunkrankheit, (vermutlich) Immunsupprimiert mit einem bakteriellen Infekt… so etwas kann potenziell schnell(er) eskalieren als bei einem gesunden Menschen… warum also unnötig ein Risiko eingehen? Ich halte es für nicht verwerflich das zumindest zu versuchen… wenn Sie Sich dagegen entscheiden ist das Ihr gutes Recht. Meine eigene Mutter ist Beispielsweise ebenfalls seit einigen Jahrzehnten autoimmun erkrankt und hat sich gegen eine ganze Reihe „üblicher“ Eingriffe entschieden. Ob ich das gut finde: ich weiß es nicht… aber ich habe Verständnis dafür, dass man nicht Monate und Jahre seines Lebens in Kliniken verbringen möchte oder man schlichtweg die Nase voll hat von der Medizin und ihren Querelen.

    Was ich so nicht unterschreiben würde ist, dass in den Köpfen der Mediziner alles Krieg ist. Ein Tumor ist schlichtweg eine Ansammlung von Zellen, die nicht mehr sich nicht mehr an physiologische Grenzen halten sondern immer weiter proliferiert und dabei im schlimmsten Fall lebenswichtigen Organen den Blutsauerstoff und/oder den Platz zum weiterleben nimmt. Dass man so etwas möglichst entfernen oder zumindest eindämmen sollte ist für mich nur logisch. Ich sehe nicht, wo der Vorteil wäre, wenn das Hirn eines Menschen plötzlich keinen Platz mehr im Schädel hätte und er somit elendig daran zugrunde ginge. Also warum nicht mit Schwerionen therapieren? Dafür muss weder der Kopf aufgesägt werden, noch sonst irgendetwas martialisches geschehen. Eine wirklich tolle Therapieoption, die es so nur drei mal auf der Welt bisher gibt. Bei anderen Krankheiten habe ich eine andere subjektive Krankheitstheorie: so könnte ich mir etwa bei meiner Mutter durchaus vorstellen, dass ihre Autoimmunerkrankung eine psychogene Ursache hat, die ihr sagen will: „jetzt mach mal endlich langsam. Schalt mal einen Gang runter und kümmere dich um dich selbst, statt immer um andere.“ Zugegeben, dafür gibt es kein codierbares Syndrom laut ICD-10 oder DSM-V, aber ich halte es durchaus für möglich, dass es so ist. Bin ich deshalb ein Scharlatan? Nein. Arbeite ich deshalb unwissenschaftlich? Auch nein. Es ist eine reine Hypothese – eine Theorie. Sie selbst hat mittlerweile kein Interesse mehr daran zu erkunden, woher ihre Krankheit kommt. Von daher ist bei ihr leider schon einiges verloren gegangen. Vielleicht ist an mir ein Hausarzt mit psychosomatischem Hintergrund verlorgen gegangen, dass ich so denke, aber ja.

    Eine Sache möchte ich noch loswerden: ich habe Verständnis dafür, dass Menschen wie Sie (oder auch meine Mutter) nach Heilung bei alternativen Dienstleistern suchen. Solange diese Sie nicht offensichtlich über den Tisch zu ziehen versuchen oder ihnen gar offensichtlich Schaden zufügen, soll es mir egal sein – wenn sie den Eindruck haben, dass es hilft sei es Ihnen gestattet und schlussendlich: wer heilt hat Recht. Warum nun aber ein Schulmediziner – wenn er beispielsweise nicht von der Wirksamkeit von Homöopathie überzeugt ist – sich dennoch weiter damit auseinander setzen sollte, ist mir ein Rätsel. Genauso, wie Sie es Sich herausnehmen kein Antibiotikum einzunehmen, darf sich der Arzt doch auch herausnehmen nach einem bestimmten Spektrum an Methoden zu behandeln oder eben nicht. Wenn sie dabei auf einen gemeinsamen Nenner kommen: sehr gut! Eine Basis für eine Therapie ist geschaffen. Wenn nicht: dann nicht. Wir tun unser Möglichstes, aber sind leider nicht in der Lage die Welt zu retten. Das gilt übrigens gleichermaßen für die komplexen Gründe, weshalb es heute (anscheinend) mehr Fälle von Krebs und Autoimmunerkrankungen gibt als früher… diese Dinge zu erforschen ist enorm aufwändig und sehr komplex. Das mal eben nebenher zu stemmen ist alles andere als leicht. Vielleicht wäre hier die Verantwortung auch nicht alleine bei der (ohnehin schon unter der Last ächzenden) Ärzteschaft zu suchen, sondern zumindest in Teilen in Politik und Bevölkerung.

    Ich hoffe, ich bin nicht zu persönlich geworden und wünsche Ihnen von Herzen alles Gute.

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    1. Leider ist der Kommentar aus mir unerfindlichen Gründen in einem Spam-Ordner gelandet, von dem ich nicht einmal wusste, dass es ihn gibt. … . Erst einmal herzlichen Dank für den ausführlichen Kommentar!!!
      Es ging mir mit meinem Beitrag weniger um bestimmte Menschen / Ärzte, als mehr um ein System, mit dem ich nicht wirklich glücklich bin. Einem System, das nach meinem Eindruck die Medikamentenmedizin eindeutig in den Vordergrund stellt – und (zumindest mir) auch nie wirklich großartig etwas anderes angeboten hat. Und eben tendenziell auch verärgert reagierte, wenn ich klar gesagt habe, dass ich etwas anderes möchte. Ich weiß natürlich, welcher Gedanke hinter der Frage nach den Antibiotika bei mir stand. War aber trotzdem erstaunt, dass das immer wieder kam, auch bei Ärzten, die mich lange kannten – und auch dann, wenn alles auf einen viralen Infekt hindeutete (nach dem Motto: Es könnte ja zu einer bakteriellen Superinfektion kommen, also geben wir schon mal „vorsorglich“ ein Antibiotikum. Und das ist für mich die falsche Richtung.)
      Mir ist klar, dass ich nicht gerade DIE typische Patientin bin. Und viele Patient*innen sogar eher empört reagieren, wenn ein Arzt auch psychische Faktoren einbezieht. Genau das ist für mich aber der Punkt. Bei chronischen Erkrankungen kann man aus meiner Sicht Körper und Psyche nicht trennen, wenn man sie irgendwie behandeln will. Aber solange viele Ärzte selber psychische Faktoren als irgendwie „minderwertig“ ansehen, werden die meisten Patient*innen sich brüskiert fühlen, wenn man ihnen „so etwas unterstellt“. Das ist ein Teil dessen, was ich mit einer bestimmten Denkweise meine.
      Dass das Gesundheitssystem so ist, wie es ist, hat sicherlich mehr mit Kostenfaktoren zu tun, als mit den einzelnen Mediziner*innen. Und aus meiner Sicht eben auch mit dem Einfluss der Pharmaindustrie. Was „Scharlatanerie“ ist und was nicht, ist aber immer Ansichtssache. Das ist ja meine eigentliche Kritik an der Ärzteschaft. Sie ist sich ihres Urteils, was „Scharlatanerie“ sei, aus meiner Sicht zu sicher. Und erscheint mir da in einem bestimmten Weltbild gefangen, das ich so nicht teile. Natürlich muss niemand Homöopathie anbieten, der davon nichts hält (und sich auch nicht näher mit den dahinter liegenden Gedanken beschäftigen möchte). Aber er oder sie sollte sein / ihr Urteil nicht verallgemeinern mit der Unterstellung, es sei ja klar, dass das nichts bringe, schließlich hätten die Kügelchen ja kein Wirkstoff. … Denn das hieße eben ein materialistisches Weltbild als gegeben annehmen (schon der Placebo-Effekt zeigt, dass es mehr gibt, als dieses materialistische Weltbild unterstellt).
      Für mich hat das derzeitige medizinische Weltbild durchaus mit „Krieg“ zu tun. Ständig wird irgendetwas bekämpft. Viren, Bakterien und eben manchmal auch eigene Zellen. Ich meine damit nicht, dass die derzeitigen Therapieangebote zwingend schlecht sind, sondern dass ich mir einen anderen Blickwinkel wünschen würde. Einen ganzheitlicheren, der eben auch die Frage einbezieht, WARUM etwas aus der Balance geraten ist.
      Natürlich ist das Thema „Ursachensuche“ bei Autoimmunerkrankungen und Tumoren sehr komplex. Und auch aus meiner Sicht v.a. eine gesamtgesellschaftliche / politische Aufgabe. Aber ich wünschte mir, auch die Mediziner*innen würden hier mehr einfordern.

      Herzliche Grüße und alles Gute für die weitere Ausbildung!!!

      Gefällt 1 Person

      1. Hahaha, wieder was gelernt… es gibt einen Spam-Kommentar-Ordner 🙂
        Wollte grade zu diesem Artikel zurückkehren, um doch nochmal zu kommentieren…
        Für mich schön zu lesen, was Sie zu dem Thema zu sagen haben (trotz all unserer unterschiedlichen Ansichten)… vielleicht schaffen wir es ja irgendwie einmal zu einer ganzheitlicheren Medizin. Es wäre uns allen zu wünschen… dann wäre vielleicht auch mal Schluss mit dem Wahnsinn, der in deutschen Unis im Medizinstudium abgeht (habe ich vor ein paar Stunden einen Blogeintrag zu verfasst… ist vielleicht etwas erhellend für manche, die hier mitlesen: https://theflowide.wordpress.com/2020/10/03/zu-viel-stoff-das-problem-des-medizinstudiums/)… aber ja. Alles Zukunftsmusik. Versuchen wir das Beste daraus zu machen und die Zukunft für möglichst viele Menschen zum Besseren zu ändern! We can do that 🙂

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  2. Seufz – die Länge Deines Beitrags zeigt mir – wieviel ‚ungute‘ Erfahrungen Du mit Medizinern gemacht hast. Und leider hast Du recht, solche Aussagen und Ärzte gibt es zuhauf.
    Ich brauche vor allem Ärzte denen ich Vertrauen kann, das ist schon die halbe Heilung – und Vertrauen habe ich besonders zu meinem Körper – er zeigt/sagt mir was ich noch beachten muss – lernen – auch auf der geistigen Ebene, denn wie Du sagst gehört das zusammen.

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    1. Ich würde es gar nicht einmal ungute Erfahrungen nennen. Ich sehne mich einfach nur nach einer stärkeren Offenheit des medizinischen Systems für andere Ansätze als Medikamente (oder Operationen). Und da laufe ich eben bisher (noch) gegen Wände. Und das frustriert mich manchmal… .

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