Von Mainstream, Masken und Moral

Kein „Mainstram“; Künstlerin: Dörte Müller

Ich war schon immer etwas sonderbar. Schon als Kind wusste ich nicht, welches Spielzeug „man“ zu haben hatte, welche Klamotten „man“ zu tragen hatte. Später dann auch nicht, welche Musik „man“ zu hören, welche Bücher zu lesen oder welche Filme zu schauen hatte. Um „in“ zu sein. Ich weiß all das bis heute nicht.

Stephen King war hip? Nachdem ein Mitschüler mal ein Buch von ihm im Deutschunterricht vorgestellt hatte, wusste ich nur, dass ich ganz sicher nie nie niemals freiwillig auch nur ein Augenzwinkern in eines der Bücher von diesem Herrn stecken würde. Hingegen war ich völlig fasziniert, als wir in der Oberstufe Goethes Faust lasen. Schon damals war ich offensichtlich esoterisch angehaucht.

Mainstream? Ich hätte gar nicht gewusst, was das sein sollte. Und – es interessierte mich auch nicht. Noch heute schaue ich nur groß, wenn jemand mit einem Zitat aus irgendeinem Film kommt, den absolut jede*r gesehen hat. So was wie Star Trek oder Star Wars zum Beispiel. Jede*r, außer mir eben.

Trotzdem war ich nie unbeliebt. Auch in meinen Jobs nicht. Ich war und bin sehr politisch interessiert. In meinen Jobs ein Muss. Aber auch da stellte ich fest, dass ich irgendwann begann, mir mehr und mehr Fragen zu stellen. Fragen, die sich andere nicht zu stellen schienen.

Nachdem ich nicht mehr in diesen Jobs arbeite, wurden die Fragen mehr, schon alleine weil ich mehr Zeit habe, mir vertiefte Gedanken zu machen. Und ich stelle plötzlich fest, mit Fragen erregt man Anstoß. Wenn ich Mainstreammeinungen in Frage stelle, ziehen Menschen, die in diesem Strom schwimmen, sich von mir zurück. Reagieren verärgert. Wie kann ich etwas in Frage stellen, was doch jede*r denkt?

Da regt sich jemand auf über Menschen, die bei Demonstrationen im Freien keine Maske tragen, und erwartet meine Bestätigung für seine Entrüstung. Und ich sage, „Ich sehe das ganz anders, als Sie.“ Ups. Versteinerung. Da brauche ich mit einem Vortrag über den CO2-Gehalt unter diesen Masken, den Bakterien-, Viren- und Hefepopulationen, die man sich da züchtet – und einatmet, nicht zu kommen. Natürlich nicht. Ich habe bereits mit meinem „anders sehen“ längst verschissen. Schließlich hört man in den Medien jeden Tag nur Leute mit gegenteiligen Meinungen. Also ist klar, wo die Wahrheit ist.

Und, was mich wirklich umtreibt: Ich gelte plötzlich als moralisch verachtenswert mit meiner gegenteiligen Meinung. So wird es mir jeden Tag in den öffentlich rechtlichen Medien präsentiert.

Mein Leben lang war mir egal, was Mainstream war, und was nicht. Und es hat niemanden gestört, dass mir das egal war. Zwar darf ich auch heute noch Goethe einem Stephen King vorziehen. Aber mit meinen Meinungsäußerungen, da habe ich vorsichtig zu sein.

Denn heutzutage hat sich „der Mainstreammeinungsmensch“ zum moralisch besseren Menschen erkoren, so scheint es mir. Sich eine Maske des moralischen Anstands aufgesetzt, sich zur moralischen Instanz erhoben, an der sich jede*r zu messen habe. Wer das nicht tut, wird erbarmungslos gemobbt.

Das ist nicht erst seit Corona so, aber seitdem ist es sogar äußerlich erkennbar. Die Maske ist zum sichtbaren Symbol der „Anständigen“ geworden. Wie wissenschaftlich, objektiv, zahlen- und faktenbasiert das ist, das ist weniger entscheidend. Wer will das schon wirklich beurteilen? Wissenschaftler / Ärzte sind da durchaus unterschiedlicher Meinung. Aber die, die anderer Ansicht sind, sind damit nicht mehr „anständig“ und werden dementsprechend „selbstverständlich“ normalerweise nicht zitiert in den Medien.

Es ist nicht ganz neu, das Ganze: Bereits bei der Frage der Einführung der Masernimpfpflicht hatte ich laut offizieller medialer Version nicht etwa nur eine andere Meinung, sondern ich „gefährdete Menschenleben“.

Eine aus meiner Sicht äußerst gefährliche gesellschaftliche Entwicklung so ein Hauptstrom, der keine Nebenströme mehr zulässt. Und Menschen, die gegen den Strom schwimmen, der Hetze zum Fraß vorwirft.

Wie moralisch hochstehend ist jemand, der sich für moralisch „besser“ hält als andere, nur weil er tut, was ihm „von oben“ gesagt wird? Wie moralisch hochstehend sind Medien, die keine andere Ansicht mehr zulassen, als die von ihnen vorgegebene, die sie für „moralisch gut“ halten?

Sind das die Guten, weil sie der Meinung sind, das Gute zu fördern?! Oder sind das vielleicht eher die Anti-Mephistos? Und damit ein Teil jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft?!

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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21 Kommentare

  1. Andererseits ist aber auch nicht alles klug, das nicht dem mainstream entspricht, nur weil es eben nicht dem mainstream entspricht. Da muss man – finde ich – sehr gut aufpassen und sich sehr gut informieren

    Gefällt 4 Personen

    1. Das ist in jedem Fall so! Mir ging es darum, dass dieses Be- / Verurteilen anderer Ansichten aus meiner Sicht zugenommen hat. Und ich frage mich, ob das so sein muss, oder eine Spaltung der Gesellschaft nicht eher noch befördert.

      Gefällt 4 Personen

  2. Hach, Göthes Faust… eine Wohltat davon zu lesen… steht bei mir auch ganz hoch im Kurs der Gute… habe ihn mir extra nochmal in einem schönen antiken Einband angeschafft nachdem meine alte Ausgabe (die wir zu Schulzeiten mal im Deutsch-Leistungskurs bearbeitet hatten) nicht mehr auftauchen wollte…

    Aber zum Thema: ja, das ist in der Tat eine Entwicklung, die ich auch mit Sorge verfolge. Die Frage, die sich heute (scheinbar) immer öfter stellt ist nicht die nach einem offenen und diversen Diskurs, sondern viel zu oft die nach der Political Correctness… was „darf“ gesagt werden? Welche Meinung darf ich vertreten?
    Am Ende komme ich dabei zu einem etwas anderen Schluss als Sie: als angehender Arzt bin ich teils Person des öffentlichen Lebens und habe damit eine Verantwortung, die über meine als Individuum hinaus geht. Ich mag also individuell durchaus meine Zweifel an bestimmten Dingen haben (so habe ich kürzlich ein Video eines Pediaters gesehen, der von einer potenziellen Toxizität von Alltagsmasken bei Kindern redete dank erhöhtem Totraum… durchaus ein denkbarer Ansatz, der leider (noch) nicht ausreichend erforscht wurde, um von der Hypothese zum Faktum zu werden) doch Stand heute ist es wohl unser Ansatz, dass Alltagsmasken Aerosole zumindest ein Stück weit eindämmen können und somit einer massenhaften Ausbreitung von Viren Vorschub leisten können…
    Und selbst wenn es faktisch Probleme mit der Hygiene gibt, so ist der Effekt für die Bevölkerung nicht zu verachten. Jeder, der Angst vor so etwas wie einem Virus hat, das sich durch Tröpfcheninfektion ausbreitet kann somit etwas tun: Selbstwirksamkeit erhöht. Das ist ein nicht zu verachtender Faktor in der Behandlung von Patienten und gilt speziell für medizinische Laien, die die Lage nicht wirklich einschätzen können.

    Ich sehe es also durchaus als probates Mittel der Verantwortungsträger an solche Dinge wie eine Maskenpflicht zu beschließen, selbst wenn sie rein wissenschaftlich gesehen nicht unumstritten ist… sie ist am Ende ein gesellschaftspolitisches Mittel. Das darf natürlich nicht dazu führen, dass einzelnen Wissenschaftlern Maulkörbe verpasst werden, wenn sie abweichende Hypothesen äußern (ein Privatmensch ist ohnehin frei jeglichen Mumpitz von sich zu geben, wenn er es denn möchte… Meinungsfreiheit und so :)).

    Was ich in diesem Kontext jedoch besonders schwierig empfinde ist die Tatsache, dass bei solchen Dingen oftmals Glaubenssätze mitschwingen (die den Betroffenen oftmals nichtmal so wirklich bewusst sind), die eine Vehemenz mit sich bringen, die sich gewaschen hat… und dann ist die Steigerung von einem (womöglich begründeten) Zweifel hin zu wilden Verschwörungstheorien nicht mehr weit. Ich habe hier mal darüber geschrieben: https://theflowide.wordpress.com/2020/08/13/ueber-die-schwierigkeit-von-glaubenssaetzen/
    Es ist aus meiner Sicht enorm schwierig Menschen mit solchen Glaubenssätzen etwas zu erzählen, was gegen diese Glaubenssätze steht und was sie schlussendlich tatsächlich überzeugt… habe es auch mal mit einer Psychologin und angehender Therapeutin davon gehabt und sie konnte mir hier leider auch nicht viel Mut machen 😦

    Wie dem auch sei: spannendes Thema… wir werden sehen, wie es sich in Zukunft entwickelt. Und chapeau bzgl. Ihres Elternhauses… da scheint diesbezüglich einiges richtig gelaufen zu sein, dass Sie sich so entwickeln konnten!

    Gefällt 3 Personen

    1. Noch ein Goethe-Fan, wie schön :-)! Das mit den Glaubenssätzen gilt vermutlich in jeder Richtung. Es gibt Menschen, die haben sehr große Angst vor Viren (die eben leider medial auch erheblich geschürt wird), und die fühlen sich mit den Masken wohler. Und es gibt Menschen wie ich, die sagen, Viren gehören zum Leben und alle Risiken dieser Welt werden sich niemals verhindern lassen. Ich bin der Ansicht, man sollte besser an der Gesamtökologie des Menschen und der Erde insgesamt ansetzen, statt in Panik vor Aerosolen zu verfallen. Und im konkreten Fall zumindest in Erwägung ziehen, mehr auf Herdenimmunität statt auf einen alles rettenden Impfstoff zu setzen.

      Ich bin mir nicht so sicher, wie Sie mein Elternhaus gefunden hätten … ;-).

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      1. Ja, das ist wohl so… Glaubenssätze sind deutlich stärker als jegliche Rationalität, die einen womöglich eines Besseren belehren könnte..
        Für eine solche Herdenimmunität bräuchte es halt eine recht große Zahl an Menschen, die die Krankheit überstanden haben… am Ende ist dieses ganze Thema für mich aber ein Politikum und hat wenig mit Wissenschaft zu tun…
        Aber ja, womöglich ist die Aerosol-Aversion dem Missstand geschuldet, dass wir Grenzerfahrungen des Lebens (Geboren werden, Sterben, Krankheit, Tot) in der Regel aus unserer Realität zu verbannen gesuchen… das alles soll nichts mit unserer Realität zu tun haben und wird daher ins Krankenhaus, Pflegeheim und dergleichen abgeschoben (und geistig verdrängt). Ist halt ein unbequemer Gedanke, dass wir alle nur eine begrenzte Zeit auf diesem Planeten haben… würden wir diese Wirklichkeit angemessen in unser Leben integrieren, würde sich wohl so mancher zweimal überlegen, ob er bereit ist sein Leben in einem täglich wiederkehrenden Hamsterrad im Job zu verschwenden oder das beste für sich und seine Liebsten dabei herauszuholen… die Folgen eines solchen Perspektivwechsels en masse wären wohl gravierend… und sie wären wahrscheinlich nichts, was sich unsere Verantwortungsträger herbeiwünschen würden…
        Entschuldigen Sie bitte, wenn ich Ihnen zu nahe getreten sein sollte bzgl. Ihrer Familie. Es war zumindest ein positives Moment das ich erkannte, dass Sie die Freiheit hatten sich nicht um derart profane Dinge wie Mainstream oder nicht zu kümmern als Kind/Jugendliche…

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  3. …gerade, momentan…das kann sich wieder ändern…bin ich der Fakten müde, die mich alle irgendwie ködern wollen, um mich einzugliedern irgendwo…ich kann mich dazu nicht äußern, weil es keine Möglichkeit gibt, selbst zu überprüfen, was nun wirklich Sache ist…jedoch hier, in meiner Gegend, gibt es nach wie vor weder Kranke noch Tote…alles wie immer, nur unter der Maske eben, dazu Berufseinschränkungen ohne Ende, was notwendiger Weise Folgen haben wird…ansonsten habe ich das Bedürfnis, in Ruhe gelassen zu werden mit diesem Zeug…die Natur ist still, die Blätter gilben, Kastanien fallen und Eichelhäher krächzen…so selbstverständlich ohne Aufsehen zu erregen macht jeder, was seine Art ist und das scheint mir noch das Beste…

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  4. Aber auch die, die Maske tragen, machen das mit Verstand und bewusst. Auch das sollte akzeptiert werden.
    Abgrenzen muss gleichzeitig Akzeptanz bedeuten, besonders in einer Demokratie. Da gibt es Mehrheiten, die nicht alle bloß gehorsam sind.
    Mir gefällt Ihr Schreibstil, auch wenn ich nicht alles unterschreibe…..

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    1. Danke schön! Selbstverständlich sollte jede*r eine Maske tragen dürfen, der oder die das möchte! Mir geht es um den Umgang miteinander und insbesondere den Umgang mit Meinungen, die nicht der Mehrheitsmeinung entsprechen (nicht nur bei Corona).

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  5. Ich habe das Gefühl, in letzter Zeit fängt sich das Blatt an zu drehen. In Medien wird immer kritischer zu den Maßnahmen berichtet. Aber es wird immer noch nicht zwischen „Infizierten“ und „Erkrankten“ unterschieden. Als ob symptomfreie positiv Getestete irgendeine Relevanz hätten.

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    1. Ein klein wenig kritischer wird berichtet, den Eindruck habe ich auch. So wird jetzt immerhin gesagt, dass auch Ärzte, darunter Virologen, die jetzt gerade beschlossenen Maßnahmen kritisieren, fragen, wo die Politik eigentlich hin will mit ihren Maßnahmen, und klar sagen, dass das Virus auch durch eine Impfung nicht „ausgerottet “ werden wird. Ich habe nur den Eindruck, dass das noch wenig ankommt bei der Politik und bei der Mehrheit der Bevölkerung. LG

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