„Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“

schrieb jemand in die Kommentarspalten einer meiner letzten Beiträge.

„Wie wahr!“ dachte ich. Oder?!

Ich kann nicht beurteilen, wie der Kommentarschreiber diesen Satz genau meinte. Nur, wie er bei mir ankam: Schon Rosa Luxemburg hatte diesen Satz vermutlich eher als Forderung an „die andere Seite“ verstanden, als dass sie bereit gewesen wäre, der anderen Seite diese Freiheit auch selbst zuzugestehen.

Mir scheint dieser Satz auch heute noch meist einseitig verwendet zu werden. Jede*r möchte für sich die Freiheit, „anders zu denken“. Aber wer möchte dieselbe Freiheit schon jemand zugestehen, der oder die eine andere Meinung hat, als man selbst? Nach meiner Wahrnehmung fällt es dabei den wenigsten Menschen auf, dass ihre Forderung einseitig ist. Denn sie ziehen die Grenze, etwas Anderes denken zu dürfen, als sie, dort, wo sie „nun einmal Recht haben“. Da, wer Anderes denkt, damit automatisch „im Unrecht“ ist, darf er oder sie DAS dann natürlich nicht denken. Denn, was „richtig“ ist, müsse nun einmal jede*r akzeptieren. Dass der Andersdenkende etwas Anderes für „richtig“ hält, wird vielfach nicht als dessen Freiheit, sondern als Zumutung empfunden.

Wenn die Person, die den o.g. Satz zitiert, eine Mehrheitsmeinung vertritt, ist sie sich ihrer Wahrnehmung „richtig“ zu liegen, meist besonders sicher, so scheint es mir. Schließlich sagen das doch alle, die „Ahnung“ haben von der Sache. Alle, außer ein paar „Außenseiter*innen“ eben. Und wie viel Freiheit sollte man Außenseiter*innen, die mit merkwürdigen Ideen und Ansichten kommen, geben? Und warum? Die verunsichern doch im Zweifel nur, oder? Was verunsichert, will man nicht, sagt man mir. Unsicherheit gebe es schon genug. Menschen sehnten sich nach eindeutigen Antworten, alles andere mache Angst. Und wo Angst herrsche, dürfe – nein müsse man sogar – Freiheit beschränken. (Auch wenn es zu den Ursachen dieser Angst verschiedene Sichtweisen geben kann.)

Ich bin in einem Alter, in dem man oder frau genug Lebenserfahrung hat, um gelernt zu haben, dass das mit den „eindeutigen Antworten“, dem „richtig“ und dem „falsch“ selten so „eindeutig“ ist. Mehrheitsmeinungen bilden sich aus meiner Sicht, insbesondere heutzutage, selten dadurch, dass ihre „Richtigkeit“ auf der Hand liegt, sondern dadurch, dass man sie oft genug zu hören bekommt. Man kennt das Phänomen aus der Werbebranche. Aber „Markenware“ ist längst nicht immer qualitativ besser, als das „No-name-Produkt“. Es wurde eben nur mehr Geld in das Marketing gesteckt.

Und wenn man genauer hinschaut, erscheint in dieser Welt auch das Wenigste „schwarz“ oder „weiß“. Sondern zum Glück ist das Meiste sehr bunt. Zumindest aber grau in allen Schattierungen …. Deshalb neige ich persönlich dazu, immer sofort alles zu hinterfragen, was mir jemand als „eindeutig schwarz“ oder „eindeutig weiß“ präsentiert. Wenn ich dann noch das Gefühl habe, dass sozusagen „institutionell vorgegeben“ wird, was „schwarz“ oder „weiß“ ist, dann beginnt meine „rote Lampe“, auf „ALARM“ zu schalten.

Bunt denken zu dürfen, ohne dass mich jemand dafür verurteilt. Und ohne, dass mir jemand sagt, dass ich SO nicht denken DÜRFE. Das ist für mich Freiheit. Die Freiheit der Andersdenkenden.   

Dieser Freiheit fühle ich mich beraubt, wenn jemand von oben herab festlegt, was ich als „richtig“ zu akzeptieren habe. Wenn mir gar gesagt wird, dass ich das Denken doch bitte „den Experten“ zu überlassen habe, weil MIR für das Denken die formale Ausbildung auf dem betreffenden Gebiet fehle. Dann wähne ich mich in einer Art (die eigene Unfehlbarkeit reklamierenden) Religion gelandet – und nicht in der „Wissenschaft“.

Die Freiheit der Wissenschaft, die Freiheit des Diskurses, bedingen sie nicht gerade, stets offen zu sein für die gegenteilige Ansicht? Immer wieder jede Hypothese zu hinterfragen? Ist ein zuvorderst sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlende*r Wissenschaftler*in nicht vielleicht sogar dankbar für jeden Anstoß, der den eigenen Blick erweitern könnte? Auch am (konstruktiven) „Laienblick“, insbesondere aber am fachübergreifenden Blick zu dem betreffenden Thema interessiert? Gerade, weil diese Blicke aus einer anderen Perspektive kommen? Es vielleicht erleichtern können, den Wald zu sehen, wo man als hochspezialisierte*r Wissenschaftler*in den Blick nur noch auf die Äderchen des einzelnen Blattes eines bestimmten Baumes gerichtet hatte?

Bin ich als Wissenschaftler*in wirklich an einer steten Erweiterung des eigenen und des allgemeinen Wissens interessiert, wenn ich fordere, dass ein Diskurs zu einem Thema, das alle oder viele Menschen betrifft, auf die eigene Zunft beschränkt sein solle? Bin ich wirklich an einer Erweiterung des eigenen und allgemeinen Wissens interessiert, wenn ich dabei offene Diskussionen mit „ketzerischen“ Abweichler*innen aus der eigenen oder benachbarten Zünften nicht führe, weil diese „nur Unruhe schüren“ würden? Oder mir meine Zeit „zu schade ist“?

Bei Themen, die alle Menschen betreffen und in das individuelle Leben jedes Einzelnen eingreifen: Reicht es da, wenn man sagt, dass man „den Laien“ einfach nur gut „erklären“ müsse, was diese dann zu akzeptieren – und in ihrem Leben umzusetzen hätten?

Mir jagt diese durchaus verbreitet erscheinende Ansicht ein Schauer über den Rücken. Es ist für mich eine Wissenschaft, die sich als eine nicht hinterfragbare Elite versteht. Und als solche festlegt, dass „Abweichler*innen“ „nicht ernst zu nehmen“ seien und der breiten Masse keine weitere Mitsprache zukomme als ein: „Ja und Amen, Herr oder Frau Professor*in, und vielen Dank!“… Ist das noch Wissenschaft? Oder doch eher Kirche?

Mit dem Hinweis auf nicht hinterfragbare „Expertenmeinungen“ Politik zu machen, ist aus meiner Sicht ein unmittelbarer Angriff auf die (Meinungs-)Freiheit. Denn auch „Experten“ sind nur Menschen. Und Menschen ist nun einmal zu eigen, dass sie sich irren können. Manchmal gewaltig. Umso unverständlicher erscheint es mir, wenn Politik nicht einmal abweichenden „Expertenmeinungen“ ein Forum geben möchte, aus Angst, dies könne Unsicherheit schüren.

Ich persönlich würde mich hingegen deutlich „sicherer“ fühlen, wenn ich den Eindruck hätte, dass vor der politischen Entscheidung möglichst viele verschiedene Meinungen und Expert*innen aus den unterschiedlichsten Richtungen gehört wurden. – Und wenn ich den Eindruck hätte, dass man bereit wäre, einmal getroffene Entscheidungen auch immer wieder völlig offen zu hinterfragen. Aber vielleicht geschieht all dies auch, und nur mein anderer Eindruck täuscht mich?

 

Die Freiheit der Andersdenkenden zu akzeptieren, heißt für mich selbstverständlich nicht, dass ich die Meinung der andersdenkenden Person für mich übernehmen muss. Es heißt auch nicht, dass ich diese Meinung nicht hinterfragen und der Person sagen darf, dass ich die Sache anders sehe. Aber es heißt für mich, dass ich der Person die Freiheit zugestehen muss, dass auch sie IHRE Meinung behalten darf. Ohne, dass ich die Person für diese von mir für „falsch“ gehaltene Meinung innerlich oder äußerlich verurteile.

Das nimmt leider nach meiner Wahrnehmung sehr zu. Das öffentliche Verunglimpfen und Verurteilen von Personen, die eine Meinung geäußert haben, die einem selbst nicht passt. Wenn dieses Verunglimpfen dann auch noch durch Institutionen geschieht, wie Medien oder Politik, sehe ich es besonders kritisch. Solche Institutionen haben eine besondere Macht und damit auch eine besondere Verantwortung. Selbstverständlich dürfen auch Menschen in Medien und Politik Meinungen haben. Aber wenn aus so einer Position heraus andere Meinungen immer wieder verunglimpft werden, ist das für mich eine äußerst bedenkliche Entwicklung. Aber auch hier sind natürlich letztlich Menschen am Werk mit all ihren Irrungen und Wirrungen.

Andere zu Verurteilen scheint uns allen schon lange zu unserer zweiten Natur geworden zu sein. Das ganz aufzugeben, schaffen meiner Meinung nach nur wahrhaft „erleuchtete“ Menschen, wovon ich persönlich weit entfernt bin. Aber ist es nicht wert, es trotzdem zu üben? Sich zumindest bewusst zu machen, dass man den Anspruch, den man an andere stellt, auch selber erfüllen darf? Insbesondere als Inhaber*in einer Machtposition?

Für die Zunahme von Freiheit und Friede auf dieser Welt?!

Wobei: Kann der Friede wirklich zunehmen, wenn wir mehr Freiheit zulassen? Oder passiert genau das Gegenteil, weil die Menschen nicht „reif genug“ sind für zu viel Freiheit? Müssen sie „geführt“ werden, durch die Kirche, durch wissenschaftliche Expert*innen oder durch Politiker*innen? Nach meiner Wahrnehmung haben diese Institution allesamt eine gewisse Tendenz, sich als „Eltern“ erwachsener Menschen zu verstehen. Was ich nicht leiden kann. Was andere aber möglicherweise sogar erwarten.

Der Mensch, der in meinem Blog kommentiert hat, sagte Toleranz habe Grenzen. Wie ist es mit den Grenzen der Freiheit der Meinungsäußerung, frage ich mich. Darf, oder muss man diese Freiheit begrenzen? Welche Grenze wäre die „richtige“? Hat zum Beispiel Rosa Luxemburg eine solche Grenze überschritten, soweit sie zu Gewalt und Anarchie aufgerufen hat?  

Artikel 5 Grundgesetz sieht die Grenze (von mir etwas vereinfacht ausgedrückt) dort, wo man mit seiner Meinungsäußerung gegen Gesetze (oder das Recht der persönlichen Ehre eines anderen) verstößt. Aber Rosa Luxemburg hat nicht in der Zeit des Grundgesetzes gelebt. Und vielleicht kann es Situationen geben, in denen ein Gesetzesverstoß der Menschheit mehr dienen kann, als die Befolgung? Wer will das beurteilen – und nach welchem Maßstab?

Letztlich muss wohl jede*r mit dem eigenen Gewissen vereinbaren, was er oder sie veröffentlicht. Gedanken Anderer kann man ohnehin nicht beschränken. Nur den öffentlichen Ausdruck dieser Gedanken.

Ich persönlich denke, in einer gut funktionierenden Demokratie sind die Regelungen des Art. 5 GG ein geeigneter Maßstab für eine Schranke der zulässigen Meinungsäußerung.

Aber alle anderen Meinungen sollten sich in all ihrer Vielfalt überall ausdrücken lassen dürfen und sich in den sozialen und den „offiziellen“ Medien in genau dieser Vielfalt auch widerspiegeln. Niemand sollte wegen irgendeiner Meinung, die nicht der „herrschenden“ entspricht, mit unliebsamen Konsequenzen und persönlichen Ausgrenzungen und Angriffen rechnen müssen oder gar öffentlich lächerlich gemacht werden. „Herrschende“ Meinungen sollten der Vergangenheit angehören!

Das ist für mich die „Freiheit der Andersdenkenden“. Und für Euch?

Dank an den Menschen, der mich mit seinen Kommentaren zu meinem Beitrag „Schubladen…“ zu diesen Gedanken angeregt hat!      

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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13 Kommentare

  1. Fast ein wenig ‚ketzerisch‘ (bezogen auf die Wahrnehmung was allgemein als Freiheit betrachtet wird) möchte ich sagen: es gibt keine Freiheit als die, die du in dir hast. Äußeres Freiheit ist eine Illusion. Und Du hast recht, auf das Urteilen zu verzichten können nur die ‚erleuchteten‘ Menschen erreichen, aber wir können uns auf den Weg machen (z.B. mit der Geistesschulung des Kurses in Wundern, es gibt sicher auch noch andere Wege, aber der ist wohl der leichteste) und mehr und mehr das (ver)urteilen hinter uns zu lassen, (das nur dem EGO entspringt, das es nicht anders kennt), je mehr wir es versuchen und bewusster werden.

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  2. Ein wundervoller Artikel… interessanter Weise bin ich aktuell dabei ein Buch zu lesen (zur Abwechslung mal kein medizinisches ;)), das in eine ähnliche Kerbe schlägt. Hier wird ganz anschaulich illustriert, wie Menschen aufgrund von political correctness und Mitteln sprachlicher Zersetzung ihre gesellschaftspolitische Identität verlieren und somit vulnerabel für nationalistischen Populismus werden… bei Interesse einfach mal hier vorbei gucken: https://theflowide.wordpress.com/2020/11/12/wie-meinungen-ausdruck-von-identitat-sind/
    Vor diesem Hintergrund: absolut für die Meinungsfreiheit auch für kontroverse Meinungen… solange wir uns nicht die Termini verbieten, mit denen es uns möglich ist uns adäquat auszudrücken und unsere Identität zu definieren, kann das nur etwas gutes (im Sinne von Demokratie) sein.
    Und was die Wissenschaft angeht: genau das reizt mich am Arztberuf… da gehört noch so mehr zu als wissenschaftliches Elitendenken herumzuposaunen… da geht es um Feinfühligkeit und Fingerspitzengefühl im Umgang mit (teils tragischen) Sachverhalten… das ist es, was für mich den Beruf so attraktiv macht 🙂

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    1. Danke für deine zustimmenden Worte!!! Ich freue mich!
      Auch, wenn das bei meinen Artikeln nicht immer ganz deutlich wird,😉 glaube ich durchaus, dass die meisten Ärzt*innen im täglichen Job eine hervorragende Arbeit machen, insbesondere wenn sie – wie du -sich auch sehr um Feinfühligkeit etc. bemühen! Probleme habe ich immer da, wo jemand als Wissenschaftler empört darauf reagiert, wenn die eigene Meinung vom Gegenüber nicht vorbehaltlos geteilt wird.

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      1. Erstmal freue ich mich über deine Worte. Kann ich komplett mitgehen 🙂 Und ich bin froh, dass du das so siehst mit den Medizinern. Dass Wissenschaftler derart eingeschränkt sind, sollte eigentlich nicht vorkommen (zumindest innerhalb der Ärzteschaft)… wir haben beispielsweise an der Uni explizit verpflichtende Kommunikationstrainings, die uns den empathischen Umgang mit Patienten, Angehörigen, medizinischen Teams, etc. (auch in schwierigen Situationen) beibringen sollen… mag sein, dass das nicht immer perfekt klappt, aber ja… es wird zumindest etwas dafür getan, dass es klappt 🙂
        Gesamtgesellschaftlich halte ich es jedenfalls auch für problematisch, wenn irgendwelches Wissen als Herrschaftsinstrument missbraucht wird. Andererseits sind wir halt auch vulnerabel für derartige Dinge (Sprichwort Halo-Effekt… nur weil einer ne Uniform trägt hat er Autorität, oder weil ein anderer ne Hornbrille trägt ist er intelligent)… und es ist nicht jeder empfänglich für gleichberechtigte Argumentation auf Augenhöhe… von daher wird es womöglich nie ganz zu vermeiden sein, dass es so etwas wie Mainstream-Meinungen gibt… ob wir so etwas bewusst forcieren sollten steht freilich auf einem völlig anderen Blatt!

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  3. Liebe Maren, wie ich sehe, brauche ich selbst nicht mehr viel zu schreiben – du machst das schon prima! Schreibst genau das, was ich so denke 😉
    Zu Rosa Luxemburg: Ein Satz, dessen Kontext schon wichtig wäre, um ihn zu beurteilen und korrekt zu benutzen. Sie hat ihn innerhalb ihrer Partei, die langsam immer mehr zu Denkverboten neigte, in die Debatte geworfen. Andersdenkende wie sie selbst solle man bitte schön nicht mundtot machen, denn kämpften nicht sie und ihre Genossen gleichermaßen für die Freiheit?
    Selbstverständlich war ihre Toleranz auf den ideologischen Rahmen, in dem sie sich bewegte, beschränkt. Die Meinung wirklich Andersdenkender (zB der Unternehmer, der Regierung, der bürgerlichen Presse) bekämpfte sie vehement.

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    1. Liebe Gerda, vielen Dank! Ich habe beim Blick auf deinen Blog auch oft das Gefühl, dass wir gerade dasselbe gedacht haben müssen… 😃. Ein durchaus schönes Gefühl…
      Vielleicht meinte der Kommentarschreiber das Zitat so, dass er mir sagen wollte, wir kämpften doch eigentlich für dieselbe Freiheit? Ich weiß es nicht und bin mir auch nicht so sicher, dass er dasselbe unter „Freiheit “ verstand, wie ich. Mit Zitaten ist es oft schwierig, weil sie ja ursprünglich meist in einem bestimmten Zusammenhang standen, den man selten mit zitiert… Aber letztlich kommt es vielleicht auch weniger darauf an, was die Person ursprünglich damit gemeint hat, als darauf, was man selbst damit sagen will?

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      1. Das ist bei historischen Zitaten manchmal nicht ohne weiteres möglich. Ich habe zB kürzlich ganz naiv „jedem das Seine“ geschrieben und wurde darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Satz über dem Eingang von Buchenwald stand. Da drehte sich mir dann der Magen um.
        Und einen Satz von Rosa Luxemburg kann man viellleicht auch nicht naiv benutzen, weil er im Rahmen einer immer intoleranter werdenden Linken gesprochen wurde. R.L. war ja Mitbegründerin der KPD, nachdem es ihr nicht gelang, ihre Friedenspolitik gegen die Genossen der SPD durchzusetzen. Und wurde umgebracht.

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      2. Ich hab meinen letzten Kommentar eben noch mal angesehen. Er ist missverständlich. könnte so gelesen werden, als wäre sie Opfer kommunistischen Terrors geworden. Das ist natürlich nicht der Fall. Sie wurde bekanntlich 1919 von einem rechts-nationalistischen Freikorps umgebracht. Die KPD machte dafür die SPD-Regierung verantwortlich – weil sie gezögert hatte. die Freikorps aufzulösen, die sie für die Niederschlagung von KPD-geführten Arbeiteraufständen brauchte …Wenig später, 1920. wurde diese Regierung durch den von Freikorps organisierten Kapp-Putsch kurzzeitig aus Berlin verjagt und durch einen Generalstreik (den größten aller Zeiten) gerettet.. Rosa Luxemburg verlor also durch rechten Terror ihr Leben. Und doch sollte man nicht vergessen, dass sie auch den kommunistischen Terror nicht überlebt hätte, hätte sie sich in die SU retten können. Vor diesem Hintergrund wirkt der Satz geradezu idealistisch-naiv, geprägt durch Zeiten und eine Erziehung, als man seine Ansichten noch frei bilden und aussprechen durfte.

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      3. Da scheine ich (oder der Kommentator bei mir) ja bei dir was ausgelöst zu haben mit dem Zitat…😉 Du bist beeindruckend tief drin in der Geschichte Rosa Luxemburgs! Dass sie durch rechte Gewalt umgebracht wurde, war mir natürlich bekannt. Aber die Zusammenhänge innerhalb von KPD und SPD kannte ich so genau nicht. Interessant!
        Ein wenig idealistisch-naiv komme ich mir allerdings auch manchmal vor…

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