abc-Etüde; Textwochen 47.48.20

Ich stöbere in alten Erinnerungen und spüre den Schmerz. 
Fühle die Quelle der Trauer – und mir schmerzt das Herz. 

Warum habe ich ihr nicht mehr Dankbarkeit und Liebe gegeben?
Damals, als sie noch weilte in diesem Leben?

Warum war ich so oft griesgrämig und urteilte hart? 
Fühlte mich nicht ausreichend geliebt, war wenig zart?

Habe ihr heimlich Vorwürfe gemacht
und dabei doch nur an mich gedacht?

Ihr Bemühen gar nicht gesehen? 
Nicht wirklich versucht, sie zu verstehen?

Ich konnte nicht anders. Das weiß ich genau. 
Bin weder Übermensch noch Überfrau.

Was geschehen ist, ist geschehen. 
Und doch fällt es mir so schwer, es einzusehen. 

Es ist nicht meine Schuld, ich konnte nichts dafür. 
Warum nur klopfen diese Schuldgefühle an meine Tür? 

Ich will sie nicht. Ich weiß, dass sie unberechtigt sind:
Sie kommen von meinem – sich zu oft schuldig fühlenden – inneren Kind.

Dank wie immer an Christiane für die Schreibeinladung (https://wordpress.com/read/feeds/23737740/posts/3023061134) und an Cafe Weltenall für die Wortspende!

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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18 Kommentare

  1. Warum? Weil … wir alle Fehler machen. Mütter ebenso wie Töchter. Weil wir sind, wer/wie wir sind, geht das manchmal auch schief. Und manchmal hat man keine Gelegenheit mehr, die Dinge zu klären, weil etwas dazwischenkommt oder die andere die Notwendigkeit nicht sieht.
    Manchmal hilft es, sich klarzumachen, dass die andere (vermutlich (ja, ich weiß)) das Beste für einen wollte, und „nur“ andere Vorstellungen davon hatte, was dieses Beste ist. Manchmal hilft Vergebung …
    Danke dir. 😉
    (Das erste Jahr danach ist das schwerste, aber das haben dir vermutlich schon viele gesagt.)
    Herzliche Grüße in deinen Abend 😀

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    1. Vielen lieben Dank für deine mitfühlenden Worte! Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich die Trauer und alle damit zusammenhängenden Gefühle inzwischen spüren und ausdrücken kann. Zu Beginn schien das alles einfach nur festzusitzen… . Herzliche Grüße zurück!

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  2. Mir fehlen gerade die Worte.

    Schon beim Lesen war (mir) irgendwie klar – es dreht sich um die Mutter … und es kommt mir alles so vertraut vor und bekannt, auch wenn meine Mutter noch lebt.
    Dann kommt hinzu, obwohl ich WEISS, was Du inhaltlich schreibst – kann ich mein Verhalten (trotzdem) ändern…? Ich fürchte „Nein“…

    Ich wünsche Dir viel Kraft und einen inneren Raum, in dem Du Trost und Verständnis Dir selbst gegenüber findest.

    Grüße von Herzen, Lilli

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    1. Liebe Lilli! Vielen herzlichen Dank für deine lieben Worte!!! Ich glaube, die Menschen, denen so viele von uns (ich zumindest…) am strengsten im Urteil gegenüber sind, sind – man selbst – und oft auch die eigenen Eltern…. . Tatsächlich HABE ich meiner Mutter letztes Jahr sogar noch vieles gesagt, wofür ich ihr dankbar war. Worüber sie sich wahnsinnig gefreut hatte.
      Aber meine Eltern haben als Kinder / Teenager noch den Krieg erlebt – und das hat natürlich etwas mit ihnen gemacht. Was dazu führte, dass Vieles in MEINER Kindheit / Jugend dann auch alles andere als einfach war. So dass ich schon zu ihren Lebzeiten stets zwischen verschiedenen Empfindungen hin- und hergerissen war. Diese Empfindungen wurden noch verstärkt durch ihren aufgrund des Lockdowns recht einsamen Tod (es war immer ihre größte Angst gewesen, im Alter einsam und unbesucht irgendwo im Pflegeheim oder Krankenhaus „dahinsiechen“ zu müssen., das hatte sie uns sehr oft gesagt..) . Viele liebe Grüße Maren

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      1. Liebe Maren,
        ich danke Dir für diese ausführliche Antwort auf meinen Kommentar. Ja, es spielen häufig so viele Faktoren eine Rolle und das mit diesem Einsperren der älteren Herrschaften in Senioren- und Pflegeheimen und deren daraus resultierenden Schicksale treibt mir immer wieder Tränen in die Augen … Ich fühle mir Dir.
        Trotzdem … ja trotzdem, bin ich davon überzeugt, dass sowohl Du, als auch ich, einfach auch das Beste tun, was wir eben tun können. Wir tragen ja auch unser Päckchen mit uns herum und haben die „Erleuchtung“ sicherlich (noch) nicht erreicht.
        Auf jeden Fall finde ich Deine Umsetzung der drei Wörter in so ein Thema einfach wunderbar umgesetzt, selbst, wenn es sich doch um so ein emotionales Thema handelt.
        Für Dich ganz viele liebe Grüße
        Lilli

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  3. Liebe Maren,
    zunächst einmal hast du die vorgegebenen Worte für das Schreibprojekt wunderbar in deine Zeilen einfließen lassen und deinem Beitrag einen tiefen Sinn und Verstand gegeben.
    Spätestens nach dem lesen der Kommentare und deinen Antworten war mir klar, was ich vorher beim Lesen schon ahnte, dass es sich dabei um dein eigenes Empfinden und Erfahrung handelt.
    Ich glaube, es ist der Jahreszeit geschuldet, dass wir uns zu diesen Zeiten öfter mit Abschieden beschäftigen und deren Aufarbeitung. Es fällt immer schwer, einen Menschen gehen zu lassen und der Umstand/ Verlauf wird nie den Wünschen gerecht, die man sich als Erfüllung erträumt. Es ist nie zu früh, es wird immer zu spät sein für alles mögliche nicht Gesagte und die Zeit reicht einfach, egal wie man es dreht und wendet nicht aus, um alles zu tun um zufrieden zu sein.

    Das Rad der Zeit kann man leider nie zurückdrehen und daher wird der einzige Weg der sein, nachsichtig mit dir und deinem inneren Kind umgehst. Du hast getan, was du tun konntest. Ich wünsche dir von Herzen den Frieden, um irgendwann mit einem Lächeln zurückblicken zu können und den Gedanken die schönen Erinnerungen vor Augen zu erlauben. Denn niemand ist so wirklich weg… In unseren Erinnerungen und Herzen werden sie uns immer begleiten ❤
    Alles Liebe für dich!
    Heike

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    1. Liebe Heike, herzlichen Dank für deine wundervoll lieben Worte!!! Ich glaube auch, im November liegt das Thema „Tod und Abschied und Aufarbeitung“ in der Luft. Ich habe vorhin auch gerade deinen heutigen Beitrag dazu gelesen, der mich ebenfalls berührt hat, daher danke auch dafür! Mir hat es einfach auch irgendwie gut getan, meine Gedanken und Empfindungen auszudrücken und aufzuschreiben. Für mein inneres Kind ein großer Schritt, früher hätte ich so etwas für mich behalten … . Und so bin ich tatsächlich auch gerade ein wenig stolz auf mich und mein inneres Kind :).
      Herzensgrüße
      Maren

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