abc-Etüden 06.07.21 Hinter Glas

„Nächste Woche Mittwoch machen wir einen Klassenausflug. Wir werden den Banana-Zoo besuchen. Man hat uns eingeladen, dort etwas mehr über Gorillas zu erfahren.
Ja, Keira?“

„Ich mag Zoo`s nicht. Die Tiere kommen mir so eingesperrt vor auf viel zu engem Raum.“

„Aber der Banana-Zoo ist berühmt für seine Gorillazucht. Affen wie Gorillas sind vom Aussterben bedroht, und der Zoo leistet hier einen wichtigen Beitrag zur Arterhaltung.“

„Warum sterben sie aus?“

„Weil der Mensch immer tiefer in ihren Lebensraum eingreift. Durch Rodungen für Straßenbau, Bergbau, Plantagen usw. gibt es immer weniger von den Wäldern für sie, in denen sie normalerweise leben. Durch die größere Nähe zu menschlichen Siedlungen, springen zudem menschliche Krankheiten auf sie über und töten sie. Und zusätzlich gibt es Wilderei. Leider alles nicht neu.“

„Aber, wenn man das weiß, kann man denn da nichts dran ändern?“

„Nein, es ist ein Preis der Globalisierung. Globalisierung verringert die weltweite Armut, heißt es. Wirtschaftswachstum komme allen zugute, das sagen nicht nur mächtige Lobbyverbände. Und letztlich dienen die Infrastrukturprojekte ja auch dem Fortschritt. Kein Politiker der Welt würde sich trauen, hier zu blockieren.“

„Warum will man denn die Art erhalten, wenn man den natürlichen Lebensraum zerstört hat?“

„Damit auch deine Kinder später noch sehen können, wie ein lebender Gorilla aussieht. Zumindest hinter Glas.“

„Und das ist Fortschritt?“

„Tja, vielleicht ist es auch eine Art Nostalgie. Sich die Erinnerung an etwas zu bewahren, was es eigentlich nicht mehr gibt.“

„Aber ich finde immer noch, dass es besser wäre, jetzt die Zerstörung der natürlichen Lebensräume zu stoppen. Damit es auch in Zukunft noch echte frei lebende Gorillas geben kann.“

„Ja, das klingt schön. Aber das geht leider nicht. Wirtschaft funktioniert anders. Das verstehst du noch nicht, Keira.“

*************************

Wie immer mit Dank an Christiane für ihre Mühe mit den Etüden (hier die Regeln: Schreibeinladung für die Textwochen 06.07.21 | Wortspende von Wortman ‹ Irgendwas ist immer ‹ Reader — WordPress.com) und diesmal an Torsten von Wortman für die Wortspende.

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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17 Kommentare

  1. Das versteht so mancher bereits Erwachsene und sogar alt Gewordene auch nicht, liebe Keira. Ich mag Zoos ebenso wenig wie du und finde, dass du Recht hast; die natürlichen Lebensräume der Gorillas zu verteidigen wäre weit besser, als teure Zoos zu bauen und den Kindern vorzuführen, wie ein Affe in Gefangenschaft aussieht. Ich hoffe, wenn du groß bist, dass es dann noch was zu schützen gibt und du es nach Kräften schützt.

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  2. Ja, genau das erzähle ich (ich bin ja seit Jahren ehrenamtliche Zoohelferin, jetzt in Coronablockade) ständig den Leuten, wenn sie sagen: Ich mag keine Zoos, kein artgerechter Raum für sie…. dass die Kinder sonst gar nicht mehr wissen wie solche Tiere aussehen und ich füge hinzu und wie sollten sie den Artenschutz befördern können, wenn sie gar nicht wissen wie sie aussehen, leben, und wie toll die Tiere sind, wenn sie sie gar nicht mehr kennen. Indirekt tun so die Zoos auch etwas für den Artenschutz und natürlich züchten sie auch und wildern sie aus.

    Gefällt 3 Personen

    1. Ja, Zoo`s tun Einiges für den Artenschutz. Aber der natürliche Lebensraum der Tiere wird aus meiner Sicht leider oft wenig geschützt. So dass sich mir die Frage stellt, ob man nicht beim Thema Artenschutz (auch wieder) nur an Symptomen herumdoktert, statt sich näher mit den Ursachen für das drohende Aussterben zu befassen.
      Ich selber bin beim Zoobesuch schon immer zwiegespalten gewesen: Einerseits finde ich es durchaus spannend, mir Tiere anzusehen, die ich sonst niemals zu sehen bekommen würde. Andererseits empfinde ich es irgendwie auch immer als traurig, wenn wilde Tiere, die in Freiheit meist viele Kilometer am Tag zurücklegen würden, auf mehr oder weniger viele Quadratmeter beschränkt werden. Aber für die meisten Kinder ist ein Zoobesuch ein High-Light. Und die meisten Zootiere leben ja auch länger, als sie es in Freiheit tun würden. Es gibt ganz sicher sehr viel traurigere Tierschicksale, als im Zoo zu leben…. . Es ging mir daher weniger darum, den Zoo zu kritisieren (ich hoffe, du hast das nicht so aufgefasst), als um die Frage, wie man mit dem natürlichen Lebensraum dieser Tiere umgeht. Liebe Grüße an dich!

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      1. Nein ich stimme Dir da völlig zu… man müsste ja den Lebensraum der Tiere schützen – zuallererst – aber Du siehst ja was die Regierungen der Welt machen, sie holzen unsere Grüne Lunge ab, sie bauen Autobahnen mittendurch durch die Tierreviere und machen auch noch die Tiere verantwortlich für die Seuchen, wenn sie durch Zierverzehr entstehen. Ich finde es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, was wir da mit den Zoos machen, aber man tut halt was man kann. Ich kann mal einen Blogbeitrag schreiben zu der Arbeit, die ich da im Zoo vorwiegend mache, da kann ich dann auch Bilder davon einfügen, wenn es Dich interessiert.
        Eins möchte ich noch sagen, diese Züchtungen die wir im Zoo haben, sind kein wilden Türe, ich meine sie werden nicht wild gefangen und müssen dann im Zoo leben. Sie kennen es nicht anders und leiden so weniger. Im Heidelberger Zoo sind sie ständig dabei die Areale zu erweitern, aber das ist auch ein Kampf mit Konzernen, die die Ländereien rund um den Zoo nicht freigeben wollen. Aber ein anderes Kapitel. Wir tun alles damit es den Tieren in der Gefangenschaft gut geht, was eben geht.

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  3. Ich habe die gleiche Frage wie Keira schon gestellt, als ich jung war, und das ist allmählich auch ein Weilchen her. Auch wenn ich inzwischen anerkenne, dass viele Zoos sich wirklich größte Mühe geben, im Rahmen dessen, was ihnen möglich ist, den Tieren gute Lebensbedingungen zu bieten: Die Existenz von Zoos zur Arterhaltung (dass es überhaupt so weit gekommen ist, dass die Lebensräume so zerstört werden) ist in meinen Augen eine Schande.
    Danke dir! 🙂
    Abendgrüße … 😀

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    1. Wie der Lehrer schon sagte, das ist alles nicht neu…😉. Vielleicht schafft die Menschheit es ja, hinsichtlich der Lebensräume nochmal umzusteuern…. Vielleicht könnte Corona zumindest da sogar eine Chance bieten?
      Vielen lieben Dank dir und herzliche Grüße!
      Maren

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