Ein „Trick“, damit die neue (oder alte) Beziehung „gelingt“…

gemalt von Dörte Müller

Gibt es das? Einen solchen „Trick“?

Wenn sich ein Paar kennenlernt, könne man rasch ziemlich genau vorhersagen, ob es eine langjährige gelingende Partnerschaft werden wird, – sagt Martin Seligman* in seinen Büchern.

Wenn es eine solche Vorhersagemöglichkeit gibt, müsste man sich ja eigentlich nur so verhalten, wie die „guten“ Paare – und schon klappt`s, oder? Also zumindest rein abstrakt. Wie praxistauglich das dann tatsächlich ist, müsst ihr für euch selbst beurteilen…. :

Die o.g. Vorhersage erfolgt anhand der sogenannten „Losada-Rate“ (benannt nach ihrem Erforscher, wobei mir bei anderen Autoren teilweise andere Namen für dasselbe Phänomen begegnet sind).

Wenn die Losada-Rate eines Paares bei 1:5 liegt, sagt Seligman (bzw. Losada), dann werde die Beziehung langjährig gut und glücklich. Diese Rate von 1:5 sei dabei nicht nur für Partnerschaften, sondern auch für Freundschaften oder Eltern-Kind-Beziehungen optimal.
Im beruflichen Kontext läge die Rate bei 1:3. Wenn diese erreicht werde, empfänden die Mitarbeitenden das Betriebsklima als angenehm und arbeiteten gerne in dem betreffenden Betrieb.

Was heißt das nun?

Die Rate bezieht sich auf das optimale Verhältnis von Kritik und Wertschätzung in einer Beziehung.
Eine Losada-Rate von 1:5 bedeutet daher: Auf eine kritische Bemerkung gegenüber der anderen Person müssen insgesamt jeweils mindestens fünf aufbauende wertschätzende Bemerkungen bzw. Kommentare dieser Person gegenüber kommen.
Fünf… . Das könnte erklären, warum es so wenig langjährig glückliche Paare gibt… .

Denn die meisten Paare schaffen wohl nur eine Rate von 1:2. Spontan hätte ich gedacht, das wäre ja auch schon irgendwie gut, immerhin doppelt so viel Wertschätzung wie Kritik …, – aber es hält eine Beziehung auf Dauer offenbar nicht, jedenfalls nicht glücklich.
Im beruflichen Umfeld fehlen die wertschätzenden Kommentare nicht selten sogar ganz. Nach dem Motto „Nicht kritisiert ist genug gelobt.“. Manch Chef wundert sich dabei sogar noch, dass seine Mitarbeitenden nicht so engagiert sind, wie sie seiner Meinung nach sein könnten… .

Den meisten Menschen, die sich mit Kommunikation beschäftigen, ist bekannt, dass Bemerkungen als umso wertschätzender empfunden werden, je konkreter sie sind. Ein einfaches „Das hast du schön gemacht.“ zählt lange nicht so viel wie „Ich habe mich total gefreut, dass du das gestern … so und so … gemacht hast, denn damit hast du mir in … der und der … Hinsicht Arbeit abgenommen, was mich gerade gestern echt entlastet hat.“ Die wenigsten Menschen, auch die, die sich mit Kommunikation beschäftigen, setzen dieses Wissen allerdings wirklich um. Es ist nämlich in der Praxis gar nicht so einfach. Aber bei Menschen, die sich mit der Annahme von Anerkennung und Lob eher schwer tun (und das sind sehr viele), kommt meist nur konkretes Lob überhaupt an.

Zurück zu den Paarbeziehungen. Was mir besonders spannend erschien, und euch vielleicht auch: Anders, als man oft denkt, sei für eine gelungene Beziehung insgesamt weniger entscheidend, dem oder der anderen in einer schlechten Phase Trost zu spenden, als ihn oder ihr bei positiven Erlebnissen oder Vorhaben aktiv Zuspruch zu schenken.

Wenn also „Schatz“ kommt, und begeistert von einer Idee zu einem neuen Projekt erzählt, was mache ich dann?
Seligman beschreibt vier verschiedene Reaktionsmöglichkeiten, die ich im Folgenden kurz darstelle und mit möglichen Beispielen unterlege:

  • aktiv destruktiv (Blickkontakt, wütend; aktives Zerstören der Motivation, Beschimpfen); Beispielreaktion – „Schon wieder so eine spinnerte Idee von dir! Du hast doch noch nie was wirklich fertig bekommen, oder nur was Hässliches, was keiner brauchen kann. Richtest nur Chaos an, und ICH muss dann alles wieder aufräumen.“ (NICHT gut für die Beziehung…!;-))
  • passiv destruktiv (kein Blickkontakt; Nicht Zuhören, mit den Gedanken bei sich und eigenen Problemen); Beispielspielreaktion – „Ich hatte einen sauanstrengenden Tag. Und dann kam im Büro auch noch so ein blöder Anruf.“ (Im „Akutfall“ aus meiner Sicht okay, das Nichtzuhören und nur bei sich sein sollte aber nicht zur Regel werden … .)
  • passiv konstruktiv (kein Blickkontakt; nur mit halbem Ohr Zuhören, ohne wirkliches Interesse); Beispielreaktion – „Das klingt gut. Mach das.“ (Nimmt „Schatz“ zuverlässig einen Teil des Elans und wird nach meiner Erfahrung von vielen Menschen sogar als unangenehmer empfunden, als die beiden anderen Varianten.)
  • aktiv konstruktiv (Blickkontakt, Lächeln, Freude und Interesse); Beispielreaktion – „Hey, das klingt super! Erzähl Näheres, was stellst du dir genau vor? Wie weit bist du schon? Kann ich irgendwo unterstützen?“ (JAAA, das klingt nach einer glücklichen Beziehung … .)

Also, das ist schon der ganze „Trick“:
– Insgesamt fünfmal so viele aufbauende wertschätzende Kommentare wie kritische Bemerkungen gegenüber der anderen Person.
– Konkrete Wertschätzung dieser Person gegenüber ausdrücken.
– Und Begeisterung und Elan dieser Person, wann immer möglich, aktiv konstruktiv unterstützen.
Dann klappt es auch mit dem Nachbarn … ;-).

Klingt eigentlich ganz einfach, oder?

Tja, aber wie die meisten „Tricks“ sieht es nur für die Zuschauenden einfach aus – und bedarf von den Handelnden in Wahrheit in aller Regel sehr viel Übung und Achtsamkeit.
So jedenfalls meine Erfahrung. …

Vielleicht kann ja trotzdem – oder gerade deshalb – jemand von euch einen Nutzen aus diesem Beitrag für sich ziehen. Ich würde mich freuen!

*P.S.: Martin Seligman gilt als Pionier der „positiven Psychologie“. Das oben Stehende bezieht sich zu einem großen Teil auf Inhalte aus seinen Büchern „Der Glücksfaktor – Warum Optimisten länger leben“ und „Flourish – Wie wir aufblühen“.

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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10 Kommentare

  1. Dem Prinzip, das du in dem Beitrag ansprichst, begegne ich nicht zum ersten Mal, aber wie du auch selbst schon sagst, ist es gar nicht so einfach es umzusetzen. So wie ich gestrickt bin, fällt mir in erster Linie auf, was alles schief läuft. Das Positive bemerke ich oft gar nicht, vermutlich weil es mir selbstverständlich erscheint. Dieses „kein Tadel ist doch schon ein Lob“ ist bei mir unterbewusst fest verankert. Umgekehrt fiel es mir als Kind schon nicht einfach, Lob anzunehmen. Wenn jemand mich lobte bekam ich einen Wutanfall. Für das wohlmeinende Gegenüber war das völlig unverständlich. Als Folge erhielt ich dann auch nur noch selten Lob. Ich glaube, ich fühlte schon damals das Manipulative eines Lobes und wehrte mich dagegen.
    Anders ist es mit der Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit finde ich sehr wichtig. Nur im Anteilnehmen kann eine Entwicklung in die gleiche oder eine ähnliche Richtung stattfinden. Ich denke, je mehr Verbindendes wächst oder neu entdeckt wird umso interessanter und tiefer gestaltet sich auch die Beziehung. Ob hierfür ein bestimmtes Verhältnis (1/5) notwendig ist, möchte ich bezweifeln. Wenn ich versuchen würde, hier abzuzählen, dann käme ich mir berechnend und falsch vor. Beziehung und Mathematik passt für mich nicht zusammen außer es soll ein mathematisches Problem gemeinsam gelöst werden.
    Mit Achtsamkeit und Respekt kann ich herausfinden was den anderen bewegt? Bewegt es mich auch? Können wir hier gemeinsam etwas entwickeln oder uns gegenseitig unterstützen.
    Umgekehrt kann es sehr gut sein, dass nach einer längeren Zeit der Gemeinsamkeit die Interessenlage und auch die Persönlichkeitsentwicklung in völlig andere, vielleicht sogar entgegengesetzte Richtungen verläuft und dann ist es, finde ich besser, sich für die gemeinsame Zeit zu bedanken und anschließend dem eigenen Weg zu folgen.

    Gefällt 4 Personen

    1. Vielen Dank dir für den ausführlichen Kommentar!! Anteilnahme, Aufmerksamkeit für den anderen und Verbindendes wachsen lassen zu können, sind sicher die wichtigsten Komponenten für eine gute Beziehung. Das war mit dem „aktiv konstruktiv“ auch in etwa so gemeint, denke ich. „Mitzählen“ ist aus meiner Sicht nicht wörtlich zu nehmen, sondern bezieht sich eher auf den achtsamen Umgang miteinander: Ich z.B. habe auch so ein „ja, aber“-Ding in mir … . Und ich versuche inzwischen darauf zu achten, nicht immer sofort mit diesem „ja, aber“ zu kommen. Denn, wenn ICH ganz enthusiastisch mit irgendwas komme, und mir schlägt sofort ein „ja, aber“ entgegen, bin ich tatsächlich immer total enttäuscht und die ganze Freude ist weg. Also versuche ich, meine Wahrnehmung dafür zu schärfen, wann ich wie reagiere … .
      Positives überhaupt zu bemerken (und eben nicht für selbstverständlich zu nehmen), ist auch ein Teil meiner Übung. Und es dann noch auszusprechen … :-).
      Aber ich gebe dir Recht, dass Lob auch etwas Manipulatives haben kann – und das ist dann natürlich überhaupt nicht gut für die Beziehung. Und auch nicht für das Vertrauen eines Kindes in die Ehrlichkeit von Lob.
      Und der letzte Punkt deines Kommentars: Klar, sowieso!

      Gefällt 3 Personen

    1. Klar, ein Lob, das der Manipulation dient, hat ja eigentlich nicht wirklich etwas Wertschätzendes. Aber im Einzelfall kann die Grenze wahrscheinlich fließend sein – bzw. kommt auch auf den Empfängerhorizont an (die Kindheitserfahrungen des Empfängers mit Lob …). Die Rate von 1:5 auf Teufel komm raus erreichen zu wollen, macht sicher keinen Sinn, denn dann wird es mit der Ehrlichkeit schnell schwierig…

      Gefällt 3 Personen

  2. Es ist natürlich hilfreich, wenn der Partner aktives Interesse an dem zeigt, was man selbst tut. Mir wäre es freiich nicht wichtig zu hören: ja mach das, klingt toll etc, das brauche ich eigentlich nicht, ich bin ja kein Kleinkind mehr, das zur Mama rennt und sagt. schau mal was ich gemacht habe. Spontanes Lob ist angenehm und Unterstützung bei schwierigen Entscheidungen ist mir wichtig, bekomme ich aber selten. Was ich wirklich möchte, ist, mich inhaltlich mit dem Partner über das austauschen zu können, was mich bewegt – und umgekehrt: dass ich mich für das interessiere, was der Partner treibt. – Dieses Wechselspiel aber sollte doch nicht zu viel Raum einnehmen, denn dann entsteht leicht eine Symbiose, die sich gegen alles abschließt, was nicht hineinpasst. Für mein Gefühl ist es besser, wenn beide Partner einen Großteil ihres Austausches und auch der Bestätigung unabhängig voneinander und außerhalb der Beziehung finden.

    Gefällt 5 Personen

  3. Allen Ideen meiner Frau mag ich nicht zuhören ich habe ja ein eigenes Leben.
    Wenn man ab und an ehrlich aufmerksam ist, ist das schon viel.
    Manche vertragen auch keine kritik. Ein Mensch ist ja geprägt.
    Einem Menschen grundsätzlich zugeneigt, das ist schon viel und wenn das der Fall ist, ist schon alles gut. Bei sonstiger Nachlässigkeit.

    Gefällt 1 Person

  4. Ein Thema, mit dem ich mich aus gegebenem Anlaß auch gerade befasse. 🙂
    Und ich komme drauf, um mich mit jemandem verbinden zu wollen, braucht es den Wind unter den Flügeln, den auch ich denen unter die Flügel puste, die ich liebe – mittels konkretem Lob und Wertschätzung, mittels Mutmachungen für die Abenteuer, denen der Andre sich so stellt. Die Leidenschaften meiner Lieben, das, wofür der Andre brennt, das halte auch ich hoch; ich puste in dieselbe Glut. Ich bin kritikfähig, aber ich freue mich auch, wenn der Typ, mit dem ich mich verbinde, bereit ist, mich toll zu finden. Ich zähle nicht, aber die Mischung von 1:5, die hört sich schlüssig an für mich.

    Gefällt 2 Personen

    1. Das klingt super! Ich wünsche dir von Herzen, dass es gelingt mit dem „gegebenen Anlass“ 🙂 !!! Den Wind unter den Flügeln, das Pusten in dieselbe Glut, das sind wunderschöne Wortbilder, mit denen du den Text genial kurz zusammenfasst ;-).

      Gefällt 1 Person

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