abc-Etüde 25./26.21 – Zahn um Zahn …

Es gab sehr selten Pralinen zuhause. Was für eine Freude daher, als der Besuch ihm Karamellbonbons mitbrachte. So lecker!

Und dann solche Zahnschmerzen … . Wie unfair!

Mama nahm ihn mit zum Zahnarzt. Und jetzt lag Carl auf dieser großen Liege. Vor ihm dieser Mann. Carls Blick wanderte über dessen bedrohlich aussehende Werkzeuge. Er fühlte sich gar nicht wohl hier.

Als dieser Mann dann sagte, „Der Zahn muss raus.“, wollte Carl auch raus dort. Sofort. Aber der Mann sagte ganz freundlich „Du brauchst keine Angst zu haben. Das geht ganz schnell. Das merkst du kaum.“ Carlchen entspannte sich etwas.

Und dann ging es los. Der Mann fing an, an dem Zahn zu zerren.

Es tat weh. Sehr sogar.

Der Mann lächelte ihn an: „Gleich ist er draußen.“

Carl entspannte sich wieder. Mama hatte ihm beigebracht, immer die Wahrheit zu sagen. „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht…“, pflegte sie zu sagen. Und er dachte, Erwachsene dürften noch weniger lügen, als Kinder. Denn Erwachsene sind ja Vorbilder. Und der Mann schaute ja auch freundlich. Also vertraute er.

Der Mann fing wieder an, an dem Zahn zu ziehen. Und er zog und zog. Und es tat sehr weh.

Und wieder sagte er, „Der Zahn ist gleich draußen.“ Aber jetzt war Carlchen skeptischer. Das hatte der doch schon die ganze Zeit versprochen!

Als der Mann nach fünf Minuten immer noch an dem Zahn zog und seine Worte wiederholte, glaubte er ihm nichts mehr. Und bei jedem weiteren „Der Zahn ist gleich draußen.“ wurde er wütender. Was für ein Lügner! Wieso darf der das?!

Nach insgesamt rund zehn Minuten war der Zahn endlich draußen. Der Mann fühlte noch einmal mit seinem Finger nach in Carlchens Mund.

Dieser nutzte seine Chance und biss zu. Herzhaft!

Auch Erwachsene dürfen nicht ungestraft lügen, fand er … .

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Mit herzlichem Glückwunsch zum Geburtstag für eine besondere Person, deren lang zurück liegende Kindheitserinnerung an den „lügenden Zahnarzt“ ich hier in dichterischer Freiheit verarbeitet habe. (Und für alle Lesenden: keine Sorge, der Biss fällt auch unter diese „dichterische Freiheit“ … ;-).)

Wie immer mit Dank an Christiane für ihre liebevolle Betreuung der Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 25.26.21 | Wortspende von Allerlei Gedanken | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind und an Monika von Allerlei Gedanken für diese anregende Wortspende!

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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17 Kommentare

  1. Ach, was für Horrorgeschichten, diese Besuche beim Zahnarzt, gerade für Kinder. Ich wünschte mir heute, dass ich meinen Zahnarzt jemals gebissen hätte, der hatte nämlich SEHR merkwürdige Ansichten zu Schmerzmitteln … vielleicht wäre mir viel Kummer erspart geblieben. 🧐🤔😟
    Und dir danke ich für die Etüde!
    Vormittagskaffeegrüße und bald ein schönes Wochenende! 😁⛅🌼🌳☕🍪👍

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    1. Den Biss habe ich auch eher aus therapeutischen Gründen hinzugedichtet … lach😃😇. Für meinen Protagonisten war ja erstaunlicherweise gar nicht der Schmerz das Eindrückliche, sondern dass der Zahnarzt „gelogen “ hatte. Das hat er oft sehr empört erzählt: „Der hat mich angelogen.“ Wahrscheinlich meinte der Zahnarzt das ja gut, aber er hat dem Kind das Vertrauen genommen.
      Vormittagskaffeegrüße zurück ☕☕☕🍫 und ebenfalls ein schönes Wochenende für dich!!!💞🦋🌳

      Gefällt 2 Personen

      1. Ich verstehe das sehr gut: Lügen sind schlimmer als Schmerzen. Warum sagt der Arzt nicht die Wahrheit? „Es wird weh tun, tut mir leid. Aber der Zahn muss raus, sonst wirst du ständig Schmerzen haben, und das ist viel schlimmer. ich tue mein Bestes und du auch. Du hälltst das aus. Du bist bestimmt tapfer. Und nun entspann dich, so gut du kannst. os gehts!“
        Entsprechend beim Impfen. „Es tut nicht weh, nur ein Piks, und meistens gibt es auch keine üblen Nebenwirkungen. Aber es kommt vor, manche Menschen reagieren nicht gut aufs Impfen, manche werden sehr krank und sterben sogar. Dagegen gibt es keine Versicherung. Wie sich die Impfung langfristig auswirkt, wissen wir leider nicht, wir können es nicht wissen, dafür fehlt noch die Zeit. In zwei-drei Jahren wissen wir mehr. Momentan wissen wir auch nicht, wie lange sie wirkt und ob das Impfen hilft, dass du niemanden mehr anstecken kann. Aber wir nehmen an, dass du weniger ansteckend bist und dass du, falls du erkrankst, nicht so schwer erkrankst wie ohne Impfung. Natürlich können wir das auch nicht sicher wissen, zumal das Virus sich ja ständig anpasst.
        So, und nun impfe ich dich, wenn du es möchtest. Soll ich?“

        Gefällt 4 Personen

      2. Ja, mehr Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit wäre schön!
        Ich habe gerade vorhin bei dir gelesen über Willi mit dem Pokerface und der Sonnenbrille… .und dachte auch daran, wie wenig ich Werte wie Ehrlichkeit mit diesem Jahr verbinden würde, das leider durch ganz andere „Werte?“ geprägt wurde. Vorher las ich noch bei Eliklang, dass jetzt in Bulgarien den Leuten viel Geld geboten wird, um sich impfen zu lassen. Es scheinen andere Interessen zu sein, die das Jahr prägen, als Ehrlichkeit…🤔
        💝💞

        Gefällt 3 Personen

      3. Bulgarien hat, so las ich im Spiegel, ein echtes Problem: sie haben einen Haufen Impfstoffe bereits „entsorgen“ müssen (wie sie das gemacht haben, weiß ich leider nicht) und andere für Millionen eingekaufte Impfstoffe liegen auf Halde und werden im Juli ablaufen. Händeringend suchen sie nach Verwendungsmöglichkeiten, haben sogar ein touristisches Programm aufgelegt. – In Griechenland sollen 18-25Jährige mit 150-E-Gutscheinen für Handynutzung und Urlaubsausgaben geködert werden. So wollen die Spritze nicht, diese Halunken!

        Gefällt 2 Personen

    1. Ich weiß nicht, wie betäubt er war, das ist schon etliche Jahrzehnte her… . Allerdings weiß ich aus eigener leidvoller Erfahrung, dass diese Spritzen längst nicht immer so viel bringen. Obwohl ich einmal fast in die Ohnmacht gespritzt wurde für einen Weisheitszahn,…, die Dinger wirkten einfach nicht …

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  2. Das ist ja das Schlimme daran. Diese Lügen machen es nur noch schlimmer. Daher wächst dann teilweise zurecht die Angst vor dem Zahnarzt. Ich selbst hatte das Glück, dass ich einerseits schon so erzogen wurde, regelmäßig auf meine Zähne zu achten und andererseits in meiner Kindheit einen einfühlsamen Zahnarzt hatte.
    Ich kann durchaus mitfühlen und finde es sehr schlimm, wenn man so behandelt wird – egal ob es nun gegenüber einem Kind oder einem Erwachsenen ist.
    Viele Grüße und hoffentlich nicht mehr zu viele schmerzhafte Erfahrungen an deinen Bekannten
    Monika

    Gefällt 1 Person

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