Ab jetzt macht ihr euren Dreck alleine (weg)!

Sie öffnete die Tür. „Das wäre nicht nötig gewesen“, dachte sie. „Ihr hättet es so viel einfacher haben können.“

Sie hatte es immer gemocht, wenn alles überall schön war. Wenn alles glänzte und strahlte. Das war der Grund gewesen, warum sie Putzfrau geworden war. Es machte ihr Freude, anderen ihr Wohnumfeld zu verschönern. Sie freute sich an der Vorstellung, damit deren Lebensqualität zu verbessern und so etwas für alle Sinnvolles zu tun.

Ausschlaggebend dafür, dass sie sich entschieden hatte, gerade in diesem Haus zu arbeiten, war, dass man sie bei der Anwerbung überzeugt hatte, in diesem Haus würde man ihre Arbeit auch wirklich zu schätzen wissen. Und man hatte ihr eine Entlohnung zugesichert, die sie zu dem Zeitpunkt durchaus noch für großzügig gehalten hatte.

Gerne hatten die Bewohner des Hauses ihren Besuchern gegenüber die von ihr blitzblank geputzten Zimmer zur Schau gestellt.

Doch sie hatte man behandelt, als wäre sie Dreck. Wehe, irgendwo stand noch ein Putzeimer herum, oder sie war gar selber zu sehen, wenn Besuch kam. Dann gab es Ärger. So, als schämten sich die Bewohner, mit ihr gesehen zu werden, als hätte sie irgendetwas Hässliches an sich.

Keiner der Bewohner hatte sich Mühe gegeben, sie wenigstens insofern zu unterstützen, als sie darauf achteten, nicht gleich wieder schmutzig zu machen, was sie gerade gesäubert hatte. Diesen Bewohnern schien es völlig selbstverständlich, dass sie ja dazu da wäre, den erneuten Schmutz wieder wegzuputzen.

Als man ihr dann auch noch über Monate den Lohn vorenthielt, den man bei Vertragsabschluss mit ihr vereinbart hatte, – sie mit Almosen und ab und zu mal einem kleinen Blumenstrauß als „Geschenk“ abzuspeisen suchte -, da reichte es ihr.
Endgültig.

Sie hatte um die ihr zugesagte Entlohnung höflich gebeten. Sie hatte gebettelt. Sie hatte gemahnt. Sie hatte eingefordert. Erst leise, dann lauter.
Manche Bewohner hatten sich einfach weggedreht, als ginge es sie nichts an; andere hatten ihr gar noch höhnisch ins Gesicht gelacht.

Offenbar in der Annahme, sie könne sich nicht wehren. Die Frau hat keine Lobby… .

„Wer das Hören beharrlich verweigert, der muss irgendwann das Fühlen lernen … .“ Sie erinnerte sich an diesen Spruch, den sie eigentlich nie so besonders gemocht hatte. Während all die Seidentücher und sämtlicher teure Schmuck der Dame des Hauses in ihrer Tasche verschwanden. Während sie all die Wertpapiere und Goldbarren aus dem Tresor des Herrn räumte. Hatten die im Ernst gedacht, sie würde die Nummer nicht kennen?!

So viel Reichtum, wie sie jetzt in ihrer Tasche trug, würde sie für sich wohl gar nicht brauchen. Aber es war ihr wichtig, sicherzustellen, dass Leute wie diese „Arbeitgeber“ nie wieder jemanden mit falschen Versprechungen anlocken konnten.

Die würden in Zukunft ihren eigenen Dreck ausschließlich selber wegputzen! Spüren, wie man sich fühlt als „Putzfrau“. Selber fühlen, wieviel Mühe es macht, Dinge schön und glänzend zu machen.

Unübersehbar und mit Reinigungsmitteln unentfernbar prangte von nun an das Wort „AUSBEUTER“ außen an der Haustür des hochherrschaftlichen Hauses.

Am Gartentor drehte sie sich noch einmal um. Warf einen letzten Blick auf das Gebäude, in dem sie so lange gedient hatte. Man ihr den vereinbarten Lohn vorenthalten hatte. Sie stattdessen Undankbarkeit und Verachtung erfahren hatte.

Dann ging sie.



Ein Beitrag zur Impulswerkstatt.

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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6 Kommentare

  1. An Begebenheiten dieser Art liebe Maren – wenn auch in völlig anderen Bereichen, doch „übertragbar“ auch in jede Andere wie ich es sehe – erinnere ich mich nur allzugut…

    Mögen wir Menschen – egal aus welcher Tätigkeits-Branche wir auch immer kommen mögen – einander wieder achten, wertschätzen, auf Augenhöhe und in bedingungsloser LIEBE im Herzen begegnen…

    Ob Arzt, Reinigungspersonal oder sonst wer… jede Tätigkeit ist gleichermaßen von Wichtigkeit…

    ALLE SIND wir miteinander verbunden, sind EINS…

    Danke, liebe Maren… deine „Geschichten“ bewirken wahrlich vieles… Manchmal „muss“ Staub aufgewirbelt werden, erst so kann die Schönheit die darunter verborgen ist, wieder zum Leuchten gebracht werden…

    Alles LIEBE,
    Elke

    Gefällt 1 Person

  2. Ei, ei, da haben sich die Ausbeuter verrechnet ! Ich kenne allerdings niemanden, der/die sich trauen würde, eine gute, verlässliche, ehrliche Putzfrau schlecht zu behandeln. Das wäre ein totales Eigentor. Wie es sich auch in deiner Geschichte erweist. Der Text ist ja fast eine Gebrauchsanleitung wie man auch einen friedlichen Menschen zur Weißglut bringen kann. Schade fast, dass die zur Diebin mutierte Putzfrau ihren neuen Reichtum wohl nicht wird genießen können, weil sie höchstwahrscheinlich im Gefängnis landen wird.
    Ich habe als Ergebnis unserer kürzlichen Debatte darüber nachgedacht, welche Aspekte, du hier angesprochen hast: das Arbeitgeber-Arbeitnehmerverhältnis in einem relativ rechtsfreien Raum, Gerechtigkeit im allgemeinen, Dummheit und Arroganz im Doppelpack ….
    Vielen Dank für deinen Beitrag !

    Gefällt 2 Personen

  3. Sie wird nicht im Gefängnis landen, ist längst über die Grenze gelangt und
    für „Ordnungskräfte“ nicht mehr erreichbar…Danke für die Anregung!

    Gefällt 1 Person

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