Schach

„Das Geheimnis ist, möglichst viele Züge aller potentieller Gegner schon berechnet zu haben, bevor du mit deiner eigenen Kampagne überhaupt an die Öffentlichkeit gehst.

Deine Kampagne hast du natürlich sauber vorbereitet. Je größer deine Kampagne ist, desto mehr Zeit und Geld hast du in die gründliche Vorbereitung gesteckt.

In wiederkehrenden Hintergrundgesprächen hast du allen relevanten Akteuren immer wieder deutlich gemacht, welches „wohlverstandenes Eigeninteresse“ für sie darin liegt, dass sie DEINEN Interessen dienen.

Du hast dir Verstärker deiner Botschaft gesucht. Menschen und Institutionen, die in der Bevölkerung hohes Ansehen genießen, denen vertraut wird, – und du hast sie entsprechend gebrieft.

Du hast der ein oder anderen Institution bei ihrer Gründung oder auch danach ein wenig finanziell unter die Arme gegriffen.

Selbstverständlich hast du dich deinen „Verstärkern“ gegenüber stets ganz besonders gastfreundlich gezeigt. Hast dafür gesorgt, dass ihnen viel Lob und Anerkennung zukommt. Während du selbst dich bescheiden im Hintergrund hältst.

Wenn deine Argumente inhaltlich schwach sind, ist das „Geheimnis“ von Schritt 1 besonders wichtig für dich:
Denn dann kannst du dich nicht auf eine sachliche Diskussion einlassen, ohne zu verlieren.

Du wirst dir also alle potentiellen Gegenargumente vorab überlegen. Und alle deine „Verstärker“ mit Papieren versorgen, in denen du ihnen aufschreibst, wie sie auf die Gegenargumente reagieren sollen.
Sie werden die Arbeitserleichterung, die ihnen das bietet, dankbar annehmen.

Die Gegenargumente, die so gut sind, dass dir keine – auch nur ansatzweise sachliche – Erwiderung einfällt, „framst“ du vorab. Das ist ganz wichtig, wenn du gewinnen willst!
Behaupte einfach, solche Gegenargumente wären „wirr“.

Falls deine Argumentationsbasis ganz ganz schlecht ist, du also mit sehr vielen sachlich gut begründeten Gegenargumenten rechnen musst, denen du auf der Sachebene nichts entgegenzusetzen hast, – dann wählst du die Methode, die in allen Diktaturen immer „das Recht“ zur Verfolgung Andersdenkender gegeben hat:
Du greifst die Menschen persönlich an, die mit diesen Gegenargumenten kommen.
Diskreditierst sie auf jede nur erdenkliche Art. Gießt allen Dreck über ihnen aus, der dir irgendwie einfällt.

Natürlich sollten Menschen auf solche Verleumdungen und Diskreditierungen Andersdenkender in einer gesunden Gesellschaft mit Ekel, Abscheu und Brechreiz reagieren.

Sie sollten die Andersdenkenden unterstützen. Und sie schützen vor dem Dreck – und vor den Menschen, die diesen Dreck über ihnen ausschütten.

Sollten… . Aber, keine Angst, die allermeisten nehmen die Verleumdungen stattdessen zum Anlass, mit draufzuschlagen – auf die oder den Verleumdeten.“
————————————-

Und dann schert einer der „Verstärker“ der Botschaft plötzlich aus. Einer von denen, die den Initiatoren besonders wichtig waren für die Verkündung dieser Botschaft.
Einer von denen, die so aufgebaut worden waren, dass viele Menschen aus seinem Mund das „Wort Gottes“ zu hören vermeinten.

Plötzlich fühlt dieser „Verstärker“ sich nicht mehr wohl mit dem Spiel.
Plötzlich lässt er sich weder von der Aussicht auf Ruhm, von Preisverleihungen, öffentlicher Anerkennung oder gar finanziellen Zuwendungen an ihn selbst oder die ihn beschäftigende Institution weiterhin ködern.
Zeigt sich auch immun gegen die mehr oder weniger subtilen Drohungen gegen ihn, die in diesem Fall zu folgen pflegen.

Er stellt Fragen. Lässt sich nicht mehr mit Behauptungen abspeisen. Verweist auf die zahlreichen Gegenargumente. Möchte die Historie der Geschichte aufgeklärt haben.

Und macht all dies öffentlich.

Und da er zum „Verstärker“ aufgebaut worden war, reagieren Viele:
„Ja, so richtig logisch erschien uns diese ganze Geschichte eigentlich auch nie.“ „Da wurde doch sehr viel ausgeblendet.“ „Und anderes aufgebauscht.“ „So einiges in der Geschichte, die uns ständig aufgetischt wurde, passte nicht zusammen.“ „Irgendwie gab es da eine scheinheilige Doppelmoral.“
„Und warum durften eigentlich keine Fragen gestellt werden?“

Die Lawine ist nicht mehr aufzuhalten.

Und auch die Bauernopfer retten den König nicht mehr.

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

Beteilige dich an der Unterhaltung

15 Kommentare

  1. Verstärker, die aus dem Spiel aussteigen – o ja, auf die hoffen wir immer. Wie kommt es zu solchem Ausstieg? Muss es immer ein Paulus-Erlebnis sein? Manchmal ändert alles, wenn sich das Spiel gegen die am meisten geliebten Menschen oder gegen einen selbst negativ auszuwirken beginnt. Jemand erkrankt, jemand stirbt, jemand geht pleite, jemand wird zum Kriegsdienst einberufen, jemand sieht seine gewohnten Konsumstandards massiv bedroht…

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, es sind viele Möglichkeiten denkbar, warum sich jemand plötzlich weigert, weiter „mitzuspielen“. Und etliche der von dir genannten werden wohl auf gar nicht so wenige Leute mehr und mehr zutreffen, insbesondere was die gewohnten Konsum- und Lebensstandards angeht.

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      1. Ich frage mich seit einiger Zeit, ob ich auch positive Aspekte darin zu sehen vermag, dass der deutschen Wirtschaft, dem deutschen Mittelstand, im Grunde das Rückgrat gebrochen wird mit der derzeitigen Energiepolitik.
        Nach dem Motto: Es war ja auch alles zu viel … . Nur leider wird es weltweit nicht wirklich weniger mit Ressourcenverbrauch und Umweltschäden, wenn man – statt der Interessen der eigenen Wirtschaft – die energiepolitischen Interessen einer gewissen Großmacht bedient … .

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  2. Ein verlorenes Spiel auf dem Brett kann schmerzhaft sein. Dieses Spiel auf die Wirtschaft gerade bezogen hat mit Schmerz nichts mehr zu tun. Es kommt einem so vor, dass das Brett in auswegloser Lage einfach umgekippt wird und darunter die ehrlichen Spieler alle gleich mit begraben werden.
    Doch für jedes Spiel gibt es im Normalfall eine Lösung. Wo nur hat diese sich versteckt?
    Danke, liebe Maren, du öffnest damit ein breites Spielfeld mit mehr Ecken als nur vier…
    Dir einen guten Sonntag
    ganz herzlich, Edith

    Gefällt 1 Person

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