geirrt

Es begab sich einmal in einem Dorf mit einem Bürgermeister, der als weise galt, dass dieser sich mit seinem Freund Hans unterhielt, welche die beste Art der Wasserversorgung des Dorfes sei.

Hans hatte viele innovative Ideen.

Doch der Bürgermeister legte die Zeitlupe darüber: Ein Schritt nach dem anderen, das erschien ihm sicherer.

Hans wurde darüber sehr wütend. Er schimpfte den Bürgermeister einen „behäbigen Nichtsnutz, der das Vertrauen der Dorfbewohner verprasst“. Schließlich schrie er: „Ich werde dir beweisen, dass ich recht habe!“ und verließ das Dorf.

Als er nach einem Jahr zurückkehrte, präsentierte er dem Bürgermeister stolz eine Apparatur zur Wasseraufbereitung nach seinen Ideen. Renommierte Chemiker hatten die Inhaltsstoffe des so aufbereiteten Wassers gemessen und die hohe Qualität zertifiziert. Etliche Menschen hatten den hervorragenden Geschmack des Wassers bestätigt. Dokumente belegten Heilerfolge durch Trinken dieses Wassers.

Der Bürgermeister sah sich alles an. Dann sagte er: „Ich habe mich geirrt, als ich so skeptisch war und erstmal beim Langerprobten bleiben wollte. Du hast eine wundervolle Methode gefunden. Ich danke dir! Heute Abend feiern wir deine Innovation mit dem ganzen Dorf. Du bist Ehrengast.“

Alle Dorfbewohner waren voller Freude auf dem großen Fest.

Nur Hans nicht.

Als jemand ihn fragte, warum er denn so griesgrämig sei, platzte es aus ihm heraus: „Ich wollte, dass ihr dem Bürgermeister vorhaltet, dass er unfähig ist! Ich wollte, dass er sich schämt über seinen Irrtum! Ich wollte, dass ihr ihm sagt, ihr vertraut ihm nicht mehr, weil er Innovation verzögert hat.“

Da lachte das ganze Dorf über die Dummheit von Hans.

Die Dorfbewohner sagten:
„Niemand kann alles wissen. Unfähig ist, wer so kleingeistig ist, zu versuchen, einen eigenen Irrtum womöglich zu vertuschen.
Wahre Größe ist es, offen zuzugeben, wenn man falsch lag –

Und gemeinsam zu feiern, dass man es nun besser weiß. 😀😃😃💃🕺💃🕺💃🕺“

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Ein Beitrag zu den abc-Etüden, deren aktuelle Schreibeinladung hier https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/10/02/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-40-41-22-wortspende-von-werner-kastens/ zu finden ist.

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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19 Kommentare

  1. Der Bürgermeister handelte gar nicht so verkehrt, als er seinen Freund ausbremsen, schließlich hatte der ja mehrere Ideen, erst nach einem Jahr eine gut durchprobte. Schade, dass er das Lob und die Entschuldigung nicht so hinnahm. Sicher wollte er als Genie glänzen…
    Eine Geschichte, wie sie wohl vielerorts sein wird, immer mal wieder…
    Ein gutes WE dir, mit herzlichen Grüßen… ❤

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    1. Ich denke mir manchmal, vieles könnte einfacher sein, wenn die einen sich einfach freuen würden, mit guten Ideen etwas zum Besseren für alle beizutragen (statt zu versuchen, andere auszustechen) – und die anderen sich problemlos von guten Ideen überzeugen ließen, statt Angst davor zu haben, dann „eingestehen“ zu müssen, vorher eventuell „falsch“ gelegen zu haben.
      Dir auch ein gutes Wochenende, liebe Edith und vielen Dank für deinen lieben Kommentar! 💖💕

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      1. Das Leben zeigt uns immer wieder, dass es kein Wunschkonzert ist. Vielleicht sollte man nicht gleich losreden, immer erst überlegen.. Ach, wie auch immer. Manchmal geht’s gut, manchmal nicht…
        Ich danke DIR…

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      2. Wenn man sich die Menschheit als eine Art „Gesamtorganismus“ vorstellt, jeder einzelne ein winzig kleiner Teil, kommen mir persönlich schon die von mir wahrnehmbaren Wünsche als ein ziemliches Durcheinander vor: Ich persönlich möchte eine Art Paradies, in dem ich in Liebe, Freude, Wohlbefinden, Gesundheit, Harmonie, Schönheit und Glückseligkeit mit anderen lebe 😊. Anderen wäre das vermutlich zu langweilig. Sie finden schon Filme mit Happy-End zu „kitschig“ und vorhersehbar.
        Ich will Schmerzfreiheit. Andere sehen eigene Schmerzen als Weg, auf dem die eigene Seele reifen kann.
        Die meisten Menschen möchten irgendwie was „bewirken“. Wie geht das, wenn schon alles perfekt ist in einem Paradies?
        Egoismus und Machtgehabe haben in „meinem“ Paradies natürlich keinen Platz. 😉😊. In „meinem“ Paradies weiß jeder Mensch, dass sie oder er jeweils etwas ganz Besonderes Einzigartiges ist, ohne dieses ständig von anderen bestätigt haben zu müssen (letzteres erscheint mir als wesentliche Ursache für Machtgehabe).

        Vielleicht sollte wirklich jede*r nach der eigenen Façon glücklich werden, aber eben niemandem, der oder die das nicht freiwillig gewählt hat, auf irgendeine Art Schaden / Schmerzen zufügen können … .

        Na ja, wie du schon sagst, zur Zeit sieht es nicht so aus, als lebten wir im Paradies … . 😥

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      3. Lächel, liebe Maren, deine Wünsche stehen und werden immer in den Sternen stehen. Diese perfekten Menschen, diese perfekte Welt gibt es nicht. Dabei wäre alles sooo einfach. Doch jeder Mensch ist eben doch anders ausgerichtet.
        Aber träumen darf man von diesem perfekten Paradies, in dem alles stimmig ist. Ich ziehe mich gedanklich oft dorthin zurück. Vielleicht geschieht es irgendwann…..
        Mit dir zu Plaudern ist einfach gut. Danke für deine Antworten. Sie sind wegweisend und öffnen immer wieder in mir selbst ein Türchen. DANKE.
        Dir ein feines Wochenende, ein paradiesisches… ❤

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  2. Wer sich seiner Verantwortung wirklich bewusst ist, tut oft gut daran, in kleinen Schritten vorwärtszueilen. Schön finde ich, dass in deiner Geschichte der Bürgermeister den Mut findet, sich überzeugen zu lassen. Schön finde ich, dass Hans mit seiner Entwicklung offenbar erfolgreich ist, auch wenn mir die „Heilerfolge“ bisschen dick aufgetragen vorkommen.
    Schade finde ich, dass Hans sein verletztes Ego kultiviert hat und eigentlich über den Bürgermeister triumphieren wollte. Aber das geschieht (viel zu) oft, dass Egoismen sich vor die eigentliche Sache schieben.
    Danke, dass du noch einmal mitgeschrieben hast, ich freue mich, dass du offenbar wieder Schreiblust hast.
    Mittagskaffeegrüße ⛅🍃🌻☕👍

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    1. Ja, große Schritte können immer die Gefahr bergen, etwas Wichtiges zu übersehen. Vorheriges gründliches Abwägen ist sicher oft die bessere Idee. Danke für deinen schönen Kommentar, liebe Christiane, der genau die Punkte hervorhebt, die mir beim Schreiben durch den Kopf gingen. 🙏💌🦋☕☕☕

      Gefällt 3 Personen

  3. Da muss ich mich voll Christiane anschließen, in allen Belangen, d.h. was den Inhalt Deiner Etüde angeht und dass noch ein Beitrag von Dir gekommen ist.

    Und gerade habe ich gedacht: Nur 3 vorgegebene Worte und so eine große Vielfalt ist daraus entstanden. Vielleicht sollten wir den Politikern auch mal drei Worte vorgeben??

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    1. Lach…., ja, manchmal können drei Worte die Kreativität ganz schön anregen … . 😊. Und eine Wortbegrenzung kann auch eine gute Idee sein … .😉. Und eine Bitte um Vielfalt…, also keine Politiker-Etüden ständig gleichen Inhalts ..😉. Da würden die ein oder anderen vielleicht ziemlich ins Schwitzen kommen … .

      Gefällt 3 Personen

  4. Mir gefällt deine Etüde, die recht vielschichtig ist. Da ist zum einen der ausbremsende Bürgermeister. Recht so! Kann man denn das Hergebrachte und Erprobte einfach wegwerfen, weil einer mit „neuen Ideen“ kommt? Da ist der Innovator, der zunächst nichts als „neue Ideen“ und vermutlich eine Menge Kritik am Herkömmlichen hat. Er scheint einer von denen zu sein, die nicht um einer guten Sache willen in ihre volle Kraft kommen, sondern erst, wenn ihr Egoismus herausgefordert wird. Der Widerstand des Bürgermeistes treibt in an, seine Käfte anzuspannen.
    Dieser Teil der Erzählung ist geradezu klassisch.

    Nun kommt der zweite Teil, der nicht so leicht voraussehbar ist. Der Triumphator kommt heim – der Bürgermeister gratuliert – der Sieger ist frustriert, weil es ihm eben nicht um die Sache ging, sondern er eine „bedingungslose Kapitulation“ seines „Widersachers“ wollte. Eine ebenfalls denkbare Variante dreht den Spieß um: der Bürgermeister ist frustriert, weil der andere Recht behielt. und das, obgleich die Erfindung wirklich gut ist.
    Die Dorfgemeinschaft aber feiert: denn ihr geht es nur um die nützliche Neuerung, um die Sache also.
    Man lernt daraus: Was auf der sachlichen Ebene nützlich und hilfreich ist, wird oft aus den falschen persönlichen Motiven heraus realisiert bzw behindert.

    Gefällt 1 Person

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