Meermann (Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt)

Dieser Beitrag knüpft an an Myriades Beitrag Impulswerkstatt – Müssen es Menschen sein ? – MYRIADE – La parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée (wordpress.com) , in der wir von der Meerfrau, ihrer Sicht auf diese Welt, und ihrer kurzen Affäre mit dem Meermann erfahren haben. Hier folgt jetzt die Sicht des „Meermannes“ ;-):

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Gedankenversunken schwamm der Meermann vor sich hin. Dann und wann mal eine Robbe erschreckend oder einen Fischschwarm verwirrend.
Einfach nur so. Weil er es konnte. Aber wirklich Spaß machte es ihm eigentlich schon lange nicht mehr. Es war mehr so eine Angewohnheit geworden. Eine klitzekleine Machtdemonstration.

Vor einigen Tagen war er an der Südwestküste eines Landes gewesen, das die Menschen England nannten und manchmal auch irgendwas mit „Groß“. Er hatte vernommen, dass sich dort die mächtigsten Menschen der Welt treffen würden aus den wichtigsten Ländern. Die Wörter „Macht“ und „wichtig“ hatten große Anziehungskraft auf ihn – und so war er voller Erwartungen hingeschwommen … .

Es war eine Riesenenttäuschung ….
Bei seinen Ausflügen zu den Menschen hatte er ein Spiel kennengelernt, das sie „Schach“ nannten. Da standen so Figuren auf einem Brett. – Und die da an dieser Küste, diese „Mächtigsten“: Wie die da standen und posierten, sahen sie genauso aus wie solche Schachfiguren, fand er.

Vielleicht verstanden diese Menschen nicht, dass die Spieler beim Schach wichtiger sind, als die Figuren …? Na, egal. War ja nicht sein Problem. Aber wenigstens einige hübsche junge Frauen hätten dabei sein können, dachte er. Dann wäre der Ausflug für ihn nicht ganz so fad gewesen. Denn so was Nettes fürs Auge, da war er durchaus empfänglich für. Auch noch nach den vielen Jahrmillionen seines Lebens. Der Meermann.

Letztens da in der Türkei, da hatte es diese Demonstrationen gegeben mit ganz vielen jungen Frauen. Das hatte ihm gefallen. Und das mit den Wasserwerfern auch… .

Na ja, wenn er ganz ganz ehrlich war, war er eigentlich nur dort gewesen, weil SIE sich diese Demonstrationen angeschaut hatte.

Er seufzte. SIE …!

Damals, als er sie vor Jahrmillionen das allererste Mal gesehen hatte, da war es sofort um ihn geschehen gewesen. All sein Denken hatte sich fortan um sie gedreht. Diese Schönheit! Diese Anmut! Diese Vollkommenheit! Ach, wenn er IHR doch nahe sein könnte. Ach, wenn sie IHN doch lieben würde, so wie er sie!

Aber sie hatte ihn überhaupt nicht beachtet. Schien seine Anwesenheit nicht einmal wahrzunehmen. Sie spielte mit den Bewohnern der Meere und dem glitzernden Wasser, Wind und Wellen, und wirkte zufrieden und glücklich. Einfach so.

Ohne ihn … .

Er versuchte alles, um ihre Aufmerksamkeit zu erzielen: Brachte Unruhe in die Tierbewohner des Meeres. Buddelte im Sand, zerstörte Korallen, machte Lärm.

Sie sah ihn nicht.

Irgendwann war er auf die geniale Idee gekommen, sich selbst zur Gottheit zu erklären.

Und: Sie wurde aufmerksam!!!

Und – Sie wurde „Seine“… . 💖💖

Haaach, waren das tolle Jahrtausende! Er hatte sich so sehr gewünscht, sie würden niiiie vergehen.
Um das möglichst sicherzustellen, hatte er seine eigene Göttlichkeit immer weiter ausgebaut. Schließlich war es ja das, was sie überhaupt erst aufmerksam auf ihn gemacht hatte. Es musste ihr also gefallen. Dachte er.

Und plötzlich war ihm der Gedanke gekommen, den er damals für den besten seines langen Lebens gehalten hatte: Um sie für immer nur für sich allein zu haben, musste sie selbst ihn anbeten in seiner Göttlichkeit.

Viertausend Jahre etwa arbeitete er darauf hin … .

…..

Es wurde ein Fiasko.

Sie hatte laut gelacht, ob seines Ansinnens, ihn anzubeten. Und dann war sie auf und davon. Und fortan hatte sie ihn wieder vollkommen ignoriert,- so wie damals.

Er war maßlos wütend und verletzt. Er entfachte Erdbeben und Tsunamis in seiner wütenden Enttäuschung. Stachelte Menschen und Tiere zu Kriegen und Gemetzeln auf. Er konnte es einfach nicht ertragen, glückliche Wesen zu sehen. Wenn er keine Liebe erhielt, sollten auch alle anderen unglücklich sein!

Irgendwann über die Jahrtausende begann er dann aber doch, sich einzugestehen, dass das Unglück anderer ihn nicht glücklicher machte. Seinen Schmerz nicht linderte und die Leere in seinem Innern nicht füllte.

Manchmal, ganz selten, hörte er deshalb auf mit seinen hektischen Aktivitäten. Und erlaubte sich, ein ganz klein wenig von seinem Schmerz zu spüren.

Komischerweise war das gar nicht so furchtbar, wie er all die Jahrtausende gedacht hatte. Einmal, da hatte er sogar geweint. Heimlich natürlich. Im Wasser. Es hatte sich fast wie eine Erleichterung angefühlt. Aber natürlich war es ihm äußerst peinlich. Und er war froh, dass es niemand gesehen hatte: Er hatte zwar keinen Gottstatus mehr, aber Angst hatten die übrigen Wesen immer noch vor ihm. Und das sollte natürlich auch so bleiben.

Es kam ihm entgegen, dass an Angst in dieser komischen Welt ohnehin kein Mangel herrschte. Dafür hatte ja nicht zuletzt er über Jahrtausende gesorgt, dachte er mit einem gewissen Stolz. Derzeit schienen die Menschenwesen sogar besonders viel Angst zu haben, fast überall, wo er vorbeischaute. Das allerdings irritierte ihn diesmal sehr, denn er verstand gar nicht, wovor. Er hatte keinen Krieg entfacht und war diesmal überhaupt ganz unschuldig.

Merkwürdigerweise war auch überhaupt nichts Gefährliches zu sehen. Nirgendwo. Es passierte gar nichts. Er hatte überall geschaut, aber da war NICHTS. Dennoch verbarrikadierten die Menschen sich in ihren Häusern und verhielten sich seltsam. So, als hätten sie ein Gespenst gesehen. Dabei hatten sie ihm seit 200 Jahren erzählt, an so etwas wie Gespenster würden sie nicht glauben. Er fragte sich, ob er vielleicht langsam alt würde, weil er dieses Menschenverhalten gar nicht mehr verstehen konnte.
Jetzt im Sommer krochen sie langsam wieder hervor aus ihren Bauten. Aber es verwirrte ihn immer noch.

Er hätte gerne mit jemandem gesprochen über diese merkwürdigen Menschen. Mit dem einzigen Wesen, das ihn verstehen könnte. Mit seinem Gegenpol. Seinem Ruhepol. Er brauchte SIE. Und so schwamm er sehnsuchtsvoll in den Bosporus, wo sie so oft war, um SIE zu sehen. Aber SIE war nicht da. Verschwunden.

Er hörte ein leises Wispern um sich herum: „Abgetaucht, um sich zu erholen.“

Aber WOHIN???    

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Mit Dank an Myriade für Eröffnung und Betreuung der Impulswerkstatt, deren Juni-Einladung hier Impulswerkstatt – Einladung für Juni – MYRIADE – La parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée (wordpress.com) zu finden ist – und natürlich für die Meerfrau-Geschichte :-).

abc-Etüde 23./24.21 – Paradies

Sie lagen auf der Picknickdecke und philosophierten verwegen vor sich hin:

„Wenn du das Paradies erschaffen könntest, Anna, wie würde es aussehen?“

„Definitiv eine Wiese mit ganz vielen verschiedenen Blumenwundern. In unterschiedlichsten Formen und Farben zum Nichtsattsehenkönnen.“

„Umschwirrt von summenden Bienen und Hummeln.“

„Jaa! Sonne, kleine Wolken am Himmel. Und – ich will eine sanfte Windbrise.“

„Lach! Ich auch! Und schattenspendende Bäume in der Nähe, falls es in der Sonne irgendwann zu warm werden sollte.“

„Duftende Rosensträucher.“

„Bunte Schmetterlinge in der Luft.“

„Und Vogelgezwitscher.“

„Unbedingt! Ein kleiner Springbrunnen nahebei und schillernde Libellen überm Wasser würden mir auch gefallen.“

„Und das Ganze, lieber Tom, zusammen mit dem wundervollsten Menschen der Welt!“

„Also eigentlich …“, freute er sich … .

„Genau! Eigentlich haargenau so, wie wir es gerade haben!“

Die zwei strahlten sich an und versanken in einem langen und innigen Kuss.

💋💋💋

Aus dem sie plötzlich aufschraken, als eine schrille Stimme in der Nähe erklang:

„HIER willst du picknicken, Karlo? Hast du wenigstens vorher recherchiert, was hier alles blüht? Ich bin Hochallergikerin! Ist das dahinten etwa eine Eiche?! Wohlmöglich ist die von diesen furchtbaren Eichenprozessionsspinnern befallen. Das wäre der Supergau für mich!
Dieses Gesumme hier macht mich wahnsinnig! Da soll ich ein Picknick genießen?! Spinnst du? Und bestimmt gibt es auf dieser Wiese auch noch Zecken?!
Ich will hier weg! Ganz schnell…!“

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Wie immer mit Dank an Christiane für ihre liebevolle Betreuung der Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 23.24.21 | Wortspende von nellindreams | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind, und an Ellen von Nellindreams für die diesmalige Wortspende.

Westliche Werte

gemalt von Dörte Müller

Amerika ist zurück auf der Weltbühne! Freuten sich die NATO-Staaten. Man werde jetzt wieder offensiv die westlichen Werte vertreten gegenüber Staaten wie Russland und China.

Westliche Werte … .

Was genau ist denn das? Machtpolitik? Die Annahme, dass eine Mehrheit, die sich für stärker hält, einer Minderheit vorschreiben dürfe, wie diese zu leben habe, woran sie zu glauben habe und woran nicht? „Offensiv“ die eigenen Werte vertreten, notfalls mit Gewalt(androhung) … ?

Ist das nicht genau das, was „der Westen“ immer den Han-Chinesen (also der chinesischen Mehrheitsbevölkerung) vorgeworfen hat? Dass sie ihren vielfältigen Minderheiten mehr oder weniger rigide Vorschriften zur Anpassung machen, notfalls mit Gewalt(androhung)?

Oder habe ich da was falsch verstanden …?

Natürlich ist es ein sehr amerikanisches Vorgehen, dieses „offensiv“. Man hält sich für die mächtigste und stärkste Nation der Welt, die daher allen anderen Nationen vorschreiben dürfe, was diese zu tun und zu lassen hätten.

Dieser „westliche Wert“, wonach Mehrheiten Minderheiten vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen und zu glauben haben, hat auch in Deutschland wieder erheblich an Einfluss gewonnen.

Was heißt „wieder“? Wahrscheinlich war es nie anders, nur dass die Mehrheiten plötzlich „wieder“ deutlich offensichtlicher „offensivgeneriert wurden und werden… .

Wenn es um „amerikanische Werte“ geht, lese ich erstaunlich oft, dass diese von amerikanischen Unternehmen verkörpert werden. Die amerikanische „Kultur“ wäre demnach eine „unternehmerische Kultur“: Es ist der Wunsch, „etwas Großes zu erschaffen“. Besser zu sein, als „die Konkurrenz“. Eine „Vision“ umzusetzen. Reich und bedeutend zu werden / sein.

Wenn „die Konkurrenz“ blöderweise dieselben „Werte“ hat, muss man eben zur Not zu unfairen Mitteln greifen, um zu zeigen, dass man „besser“ ist. „Ellbogen“ gelten in der amerikanischen „Kultur“ ja nicht als verwerflich, sondern als durchsetzungsstark. Zimperlichkeit ist hinderlich. Wenn die Führungen in Russland und China ähnlich denken, ist das allerdings unverschämt.

Damit die „Zuschauer“ dann nicht etwa verwirrt werden, muss man natürlich sicherstellen, dass sie eindeutig unterscheiden können, wer die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind.

Dafür muss man die Berichterstattung „beherrschen“, also weitgehend kontrollieren, was berichtet wird, und was nicht. Welche Fragen gestellt werden, und welche nicht. Welche Bilder gezeigt werden, und welche nicht.

Wer den deutschen und internationalen Nachrichtenagenturen ihre Nachrichten „serviert“, hat da den entscheidenden Fuß in der Tür. Denn alle sogenannten „Qualitäts“- Medien (eleganter Begriff, oder …?) übernehmen die Nachrichten aus diesen Agenturen. Zeit, andere Quellen zu recherchieren, fehlt meist – und wer würde den betreffenden Journalisten und Redakteuren dann auch „grünes Licht“ geben, dass diese selbst recherchierten Quellen „das Richtige“ aussagen? Dann doch lieber dpa etc. Da weiß man, die Nachrichten sind von „den Richtigen“ serviert. Von denen mit den „westlichen Werten“ … .

YouTube und andere in den USA erdachte „soziale“ Netzwerke verkörpern diese „westlichen Werte“ inzwischen in hohem Maße, stelle ich fest: Die einzigen YouTube-Videos, die ich vergleichsweise „regelmäßig“ angeschaut habe in dieser „Pandemie“ waren die von Gunnar Kaiser. Der hat es geschafft, einfach nur mit guten, intellektuell anspruchsvollen, Gesprächen mit interessanten Gesprächspartnern aus den unterschiedlichsten Bereichen von Naturwissenschaft, Medizin, Philosophie, Psychologie etc. eine Anhängerschaft von weit über 100.000 Nutzern zu erzielen. Die Gespräche hatten größtenteils ein Niveau, das aus meiner Sicht in den „Qualitätsmedien“ nur „seltene Perlen“ erreichen.
YouTube hat ihm nun vor Kurzem mitgeteilt, dass sein Kanal von der Monetarisierung ausgeschlossen wird. Begründet wurde das damit, dass man Verantwortung für die community habe, dass die gesendeten Inhalte „sicher“ seien.
„Sicher“ ist in dem Zusammenhang natürlich ein interessantes Wort. Offensichtlich will man „sicher stellen“, dass möglichst wenige Menschen mit „unerwünschtem Gedankengut“ in Berührung kommen können.

Ich glaube nicht, dass man hier zwischen dem Vorgehen von Staaten – und dem Vorgehen von Unternehmen (mit dem Einfluss von Staaten) – unterscheiden muss.
Warum nur fallen mir insbesondere zwei – andere große Nationen ein, denen man solche Art von Internet-Zensur nachsagt … ? Über die man sich „im Westen“ sehr aufzuregen pflegt? Komisch … .

Menschen mit den „falschen“ Ansichten zu Corona die Möglichkeit zur „finanziellen“ Existenz zu nehmen, scheint ohnehin als „elegante“ Methode entdeckt worden zu sein, diese Menschen zum Schweigen zu bringen. Man kündigt ihnen einfach das Bankkonto und andere Banken verweigern eine Konto-Eröffnung. Nein, eine „Gesinnungsprüfung“ nehme man selbstverständlich nicht vor. Aber man wolle eben auch nicht jede*n als Kunden.
Ohne Konto ist man in Deutschland quasi nicht existent, hat keine Möglichkeit, geschäftlich tätig zu sein.
Es ist die Art von „Sanktionen„, die man auch gerne gegenüber Staaten wie Russland und Weissrussland von Seiten der USA und Europa einsetzt… . Wenn man seiner „westlichen Empörung“ darüber Ausdruck verleihen will, dass diese ihre innenpolitische Opposition gewaltsam unterdrücken. Weil das doch den „westlichen Werten“ widerspreche.

Apropos „innenpolitischer Opposition“. Da gibt es in Deutschland ja noch den Inlandsgeheimdienst („Verfassungsschutz“), der vor Kurzem die Aufgabe bekommen hat, Menschen mit „falschen“ Ansichten zu „westlichen Werten“ genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn die gefährdeten angeblich die „westlichen Werte“ von „Freiheit und Demokratie“.
Weil sie sich für „Freiheit und Demokratie“ einsetzen … .
Was aber natürlich nur scheinheilig sei, … oder so ähnlich… .
Denn in Wirklichkeit sind Menschen, die sich lautstark für Freiheit und Demokratie einsetzen, natürlich GEGEN genau diese Werte. Ja, wenn ich mir meinen Beitrag so durchlese, scheint mir zumindest dieser Schluss nicht so ganz fernliegend … .

Und was hat das Ganze jetzt mit dem zu tun, was man Russland und China „beibringen“ will?

Keine Ahnung! Irgendwie glaube ich, DAS alles, also DIESE „westlichen Werte“ das kennen und können die schon selber … .

P.S.: Mir ist bewusst, dass es in den genannten Staaten gravierende Menschenrechtsverletzungen gibt. Westliche Drohgebärden und Aufrüstung werden allerdings kaum dazu führen, dass diese Staaten geneigt sein werden, ihrer innenpolitischen Opposition mehr Raum zu geben. Und woher „der Westen“ seinen „moralischen Anspruch“ zur „Weltführerschaft“ nimmt, wenn er es nicht einmal schafft, den eigenen Ansprüchen wenigstens selbst gerecht zu werden…, tja … .