Casting

Als ich den Vertrag in den Händen hielt, ahnte ich bereits, dass sich die vermeintliche Erfüllung eines Wunschtraumes als Alptraum entpuppen könnte. Hier war alles Fake. Alle Rollen waren vorgeschrieben. Wann eine von uns „rumzicken“ oder in Tränen ausbrechen sollte, war vorab festgelegt. Ich hatte überlegt, mich zu weigern, aber für den Fall waren saftige Vertragsstrafen angedroht. Also spielte ich halbherzig mit.

Jetzt stand ich dieser blonden Frau gegenüber, die in Wahrheit gar nicht blond war. Und noch während ich zuhörte, wie sie mir sagte: „Ich hab heute leider kein Foto für dich.“ entstand ein Plan in meinem Kopf:

Ich würde eine eigene Casting-Show starten. Eine mit echten Frauen. Frauen, die sich und ihren Körper genossen und ihren Wert kannten. Die über das Ansinnen eines Mannes, sich FÜR IHN zu quälen in höchsthackigen Schuhen oder mit ständigen Diäten, nur milde lächelten. Frauen, die Typen in die Wüste schickten, deren Frauenbild vorsah, dass SIE ihm ihre „Liebe“ zeigt, indem sie es sich unbequem macht. Frauen, die niemals auf die Idee kämen, sich von dümmlichen Fotografen mit blöden Sprüchen oder Blicken demütigen zu lassen. Und die es nicht für erstrebenswertes „Diszipliniertsein“ hielten, eine bestimmte Kleidergröße zu tragen.

Ich wusste noch nicht, womit ich solche echten Frauen dafür belohnen könnte, dass sie bereit wären, sich öffentlich zu zeigen. Aber da würde mir schon noch was einfallen.


Ein Beitrag zu den abc-Etüden, deren aktuelle Schreibeinladung hier https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/11/13/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-46-47-22-wortspende-von-blaupause7/ zu finden ist.

Wecker

„Wow, was für eine Ausstrahlung! So megaliebevoll!!! Wer bist denn du???“

„Ich BIN die Liebe.“


„Du bist DIE Liebe?! Ich habe mir deine Figur ganz anders vorgestellt. Nicht sooo dünn, und so richtig gesund sieht dein Körper auch nicht aus.“


„Das liegt an den Vorstellungen, die ihr in eurer Kultur über mich „kultiviert“ habt: Körperlos solle ich sein. Und selbstlos.

Ihr liebt weder eure Körper noch euer Selbst.

Und euren „Nächsten“ wollt ihr lieben, wie euch selbst?!

Erinnerst du dich an diese Geschichte vom „verlorenen Sohn“ aus der Bibel? Wo der eine Sohn ununterbrochen selbstlos für seinen Vater gearbeitet hat, während der andere sein Erbteil „verprasst“ hat – dann irgendwann zurückkehrt, und von seinem Vater für diese Rückkehr großzügig belohnt wird?

Ist dir nicht Ähnliches auch schon passiert, wenn du „selbstlos“ gehandelt hast? Dass das nicht nur nicht wertgeschätzt, sondern stattdessen auch noch auf dir herumgetrampelt wurde? Dass dir ins Gesicht gelacht wurde mit den Worten: „Wenn du dir sowas gefallen lässt, hast du es nicht besser verdient?““


„Was können Selbstlose dann tun? Um Gerechtigkeit flehen? Wütend werden? Ihr Herz unter einem Schildkrötenpanzer zu schützen versuchen? Nur noch vorsichtig mit dem Kopf herausluken?“


„Warum wollt ihr unbedingt selbstlos sein?

Glaub mir, mein wahres Wesen ist weder körperlos noch selbstlos.

Freude, Genuss, Wohlbefinden, Ekstase und Sinnlichkeit gehören genauso zu meinem Wesen wie Mitgefühl. Was haltet ihr davon, mein ganzes Wesen zu leben, so dass ich wieder schön und kraftvoll werde?“


„Heißt das etwa, der „verlorene Sohn“ hatte mehr von deinem wahren Wesen verstanden, als der andere?!“

Der Wecker klingelte.


Ein Beitrag zu den abc-Etüden, für die die aktuelle Schreibeinladung hier https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/10/30/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-44-45-22-wortspende-von-fundevogelnest/ zu finden ist.

Nur für Erwachsene!

Gerade habe ich einen link zu dem Thema „weibliche Sexualität“ zugeschickt bekommen, den ich so wichtig finde, dass ich ihn diesen Beitrag hiermit aktualisiere, um diesen link voranzustellen: https://www.gew-berlin.de/aktuelles/detailseite/weibliche-sexualitaet-sichtbar-machen

—————————————————————–

„Einlochen gehen.“ Nicht jeder meint mit diesen Worten Billard. Ich mag solche Machosprüche eher nicht.

Aber ich mag Sexualität und die darin liegende Kraft. Immer auf der Suche nach der weiblichen Urkraft finde ich aktuell das Buch: „Finde deine sexuelle Kraft. Die Elemente der Ekstase“ von Ilan Stephani empfehlenswert.

Mit Ausnahme ihrer Aussagen zu den „Flügeln der Erde und der Luft“, die ich allerdings nur „überflogen“ habe… . Zwar stimme ich ihr zu, dass in Schuld- und Schamgefühlen über die schmerzerfüllte Seite von Sexualität Energieknoten festsitzen, die sich – wie alle Schuld- und Schamgefühle – über Generationen traumatisierend auswirken. Und dass es wichtig ist, solche Knoten zu lösen.

Ich bezweifle aber, dass die von ihr hierzu propagierten Methoden, „Ekstase“ über BDSM oder über Gewaltfantasien geeignet sind, die energetische Verbindung von sexueller Erregung mit Gewalt / Dominanz / Machtausübung / Erniedrigung – und damit die Ursache vieler Schmerzen – zu beenden.

Sehr lesenswert finde ich hingegen ihre Darstellung der verschiedenen Elemente und deren jeweilige Sexualität.

Natürlich ist niemand ein „reinrassiger“ „Erde-„, „Feuer-„, „Wasser-“ oder „Luftmensch“.

Aber gerade für Männer könnte es interessant sein, zu erfahren, dass eine Frau all das sein kann. Und zwar heute so. Und morgen ganz anders.

Denn einen „guten Liebhaber“ macht keineswegs aus, die Partnerin zum „Höhepunkt“ zu treiben. Ganz im Gegenteil, kann solches Vorgehen sexuelles Erleben nachhaltig verleiden.

Wirklich „gut“ ist er, wenn er spürt, was seine Partnerin gerade spürt.

Das scheint sich im Bereich der Sexualität für Männer besonders schwierig zu gestalten. Sie meinen meist, „performen“ zu müssen. Und nach ihrer „Performance“ beurteilt zu werden.

Statt Ekstase streben fast alle Männer Orgasmen an. Körperliche Energie-Entladungen. Angespannt statt entspannt.

Ekstase schenkt Energie. Sie ist ein beide Partner zutiefst nährendes Erlebnis.

Und der Schlüssel zu Ekstase, da bin ich mir (nicht ganz uneigennützig … 😉) sicher, der liegt in der Frau. 😊

______________________________________________

Ein Beitrag zu den abc-Etüden, deren aktuelle Schreibeinladung hier https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/10/16/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-42-43-22-wortspende-von-allerlei-gedanken/ zu finden ist.

Hinweis:
Die Empfehlung des genannten Buches ist nicht mit irgendeinem finanziellen Interesse verbunden. Mir sind weder die Autorin noch sonstige an der Erstellung des Buches beteiligte Personen persönlich bekannt (jedenfalls nicht wissentlich).
Ich möchte diesen Text auch weder als Rezension noch als Inhaltsbesprechung der Art, wie man sie in der Schule lernt, verstanden wissen.
Der Text beschreibt meine Wahrnehmung des Inhalts des Buches. Und diese Wahrnehmung hat sehr viel damit zu tun, wer ich bin.