abc-Etüde 16./17.21 – Praktikum

Juchhuh, sie hatte den Praktikumsplatz bekommen! Das Startup der beiden Brüder galt als megaangesagt. Was sie eigentlich genau machten, wusste sie nicht. Irgendwas Digitales. Es musste saugut laufen. Jeder kannte die beiden. Auch Politiker*innen ließen sich gerne mit ihnen blicken. Man munkelte über raketenartigen Erfolg und einen bevorstehenden Börsengang. 

Nebenbei machten die Brüder Clips für Instagram und andere Kanäle. Und dafür suchten sie immer wieder Praktikanten wie sie.

Heute sollte sie mit ihren beiden Mitpraktikanten verdreckte Grillpfannen schrubben. Jeder mit einem anderen Reinigungsmittel und um die Wette. Dabei wurden sie gefilmt. Sie schrubbte mit Backpulver und war sogar schneller, als der Typ mit dem chemischen Reinigungsmittel.
Zur Belohnung bekam sie einen Händedruck eines der Brüder -und das Foto davon würde zusätzlich online gestellt. Sie war glücklich. Sie würde damit angeben können im Freundeskreis. 

„Feierabend Leute! Morgen machen wir ein Clip, wie man Müll trennen sollte. Einige Sachen hier müssen zum Recyclinghof. Ihr macht euch so gut, das dürft ihr sogar eigenständig drehen. Wir haben vollstes Vertrauen in euch.“ 

Fröhlich verließen die drei das Gebäude.

Die Brüder sahen sich an. „Die Idee mit den Praktikanten war einfach genial: Wir feiern, grillen, lassen es uns gut gehen. – Und die Kids machen die Arbeit und sind noch glücklich dabei! Weil wir sie filmen… .“

„Und wenn bekannt wird, dass unser Startup nur eine Luftnummer ist?“

„Wie Luftnummer?!
Millionen Clicks sind doch keine Luftnummer?!“

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Wie immer mit Dank an Christiane für ihre Mühe mit den Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 16.17.21 | Wortspende von DORO|ART | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind, und an Doro von DoroArt für die diesmalige Wortspende!


Österreichisch

„Österreichisch ist eine merkwürdige Sprache.“

„Wieso?“

„Na, das gibt es Fahrnisse, es gibt so etwas wie Topfen, und sogar Grundbücher, die sich etwas grundbücherlich einverleiben.“

„Topfen, das ist sicher etwas mit einem Topf oder einer Pfanne.“

„Das ist Quark.“

„Du sollst mir nicht immer sagen, dass ich Quark rede, wenn du anderer Meinung bist, das ist nicht nett!“

„Habe ich doch gar nicht! Ich habe doch gesagt, das IST Quark.“

„Eben!“

„Nicht das, was du geredet hast, sondern der Topfen!“

„Häh?“

„Topfen ist Quark. Also, das was du als Quark kennst, ist für die Österreicher Topfen.“

„Ach so. Und Fahrnisse?“

„Das scheinen bewegliche Güter zu sein, also etwas, was nicht untrennbar mit dem Grund und Boden verbunden ist; also, was du von anderen Gütern trennen kannst.“

„Häh?“

„Na ja, egal. Du wirst das Wort nicht brauchen.“

„Und wieso kann sich ein Grundbuch etwas einverleiben? Das klingt doch total spooky. So nach Little Shop of Horrors. Plötzlich hast du ein dickes glückliches Grundbuch, und Angst, dass es dich auffrisst. Oder alles um dich herum oder so.“

„Ja, scheint so eine Art lebendiges Grundbuch zu sein, da in Österreich, ein Grundbuch mit einem Leib. Wer weiß, wie man auf so was kommt.“

„Wie kommst DU überhaupt auf so komische Sachen?“

„Och, eine in Wien lebende Mitbloggerin hatte letztens in ihrem Blog aus ihrem Wohnungskaufvertrag zitiert, und da standen so komische Wörter drin. Juristenösterreichisch.“

„Juristenösterreichisch! Was für ein Topfen!“

„Nee, von Topfen stand da ehrlich gesagt nichts. Nehme ich jedenfalls an. Es sei denn, in der Garage stand ein Eimer mit Topfen – und der gehört jetzt zu den Fahrnissen…?“

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Wie immer mit Dank an Christiane für ihre Arbeit mit den Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 16.17.21 | Wortspende von DORO|ART | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind. Zudem diesmal an Doro von DoroArt für die Wortspende – und natürlich mit herzlichem Gruß und Dank an Myriade für die Erweiterung meines Wortschatzes durch ihren Post: Freitag 16. April 2021 – er ist da ! – MYRIADE – La parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée (wordpress.com) ;-).

abc-Etüde 14./15.21 – Engineering

Eine Wildbiene landet auf meiner Hand. Sie lacht wegen meines Sonnenhuts, eines Strohhuts mit Papierblumen: „Echte Blumen sind mir lieber, da kann ich mich am Nektar laben.“
„Freches Ding! Warte nur, bis irgendjemand findet, dass Bienen mit Sonnenhüten niedlich aussehen, dann werdet ihre alle „behütet“, und landet mit euren Hüten auf Instagram…!“

Wie komme ich auf so einen Quatsch? Weil mir inzwischen nichts mehr absurd genug vorkäme, als dass irgendjemand es nicht wohlmöglich ausprobiert. Meist nicht nur im Kleinen, sondern im ganz Großen: Ein Sonnenhut gleich für die ganze Erde. Geo-Engineering heißt das Stichwort. CO2 in Meerestiefen leiten, Meere „düngen“, damit sie mehr Algen produzieren, oder eben der ganz große Sonnenhut: Stoffe ins All schicken, die das Sonnenlicht reflektieren.

Genial, oder?

Oder doch eher das Bescheuertste, was man sich vorstellen kann?

Um die Klimaerwärmung zu bekämpfen, mit unabsehbaren Folgen für die Welt ins Klima einzugreifen? Noch mehr Dürren zu produzieren? Sonne und Wasser, von denen unser Leben abhängt, mutwillig zu reduzieren? So, als wäre die Sonne etwas Pathologisches und Wasser etwas Unwichtiges?

Wie sehr muss man sein Ego massiert haben, um so etwas als tolle Idee anzusehen, zu finanzieren, und einfach mal auszuprobieren?

Ein „amerikanischer“ Traum: Bedenken als haltlos qualifizieren – und einfach mal machen. So lief es doch bisher gut für die Superreichen dieser Welt. Wenn es schief geht, wird es schon andere treffen. Ein bisschen Schwund ist eben immer… . Wir sind eh ein überbevölkerter Planet… .

Ich glaube, meine Biene würde etwas anders darüber denken. Aber was interessieren Menschen, die Technik anbeten, alles Natürliche, Sonne und Umwelt für etwas Gefährliches – zu Bekämpfendes – halten, einem Machbarkeitswahn unterliegen – und ihre eigene Bedeutsamkeit maßlos überschätzen,- schon Wildbienen…?! Die könnten einen schließlich stechen. Unberechenbare gefährliche Wesen.
Wer braucht denn so was?

WIR Alle!!!!

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Wie immer mit Dank an Christiane für ihre Mühe mit den Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 14.15.21 | Wortspende von Ludwig Zeidler und Irgendwas ist immer | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind. Christiane hat diesmal auch die Wörter gespendet, gemeinsam mit Ludwig Zeidler, dem Etüdenerfinder.