abc-Etüde 18./19.21 – Gedanken zum Tag der Arbeit / Beltane

Die meisten „heidnischen“ Festtage des Jahreskreises wurden bekanntermaßen von kirchlichen Feiertagen „einverleibt“. Beim 1. Mai aber, meinem „Lieblingsfesttag“, da kommt noch etwas hinzu: Es wurde vor noch gar nicht so langer Zeit zusätzlich ein neuer, ein sogar sehr „heidnischer“ Feiertag auf genau diesen Tag gelegt.

Ausgerechnet der „Tag der Arbeit“.

Beltane, das ist das Fest der Sinnlichkeit, des Lebens, des Tanzes, der Fruchtbarkeit, der Freude und Genüsse. Für mich hat das Fest viel mit Weiblichkeit zu tun. Mit Freiheit und frei gelebter Weiblichkeit. Da gibt es keine Unterdrückung, da lässt sich keine lenken. Wir bestimmen selbst, auf welchen Besen wir durch die Lüfte fliegen ;-).

Der Tag der Arbeit aber, der hat für mich die gegenteilige Energie: Es hat irgendwie was zu tun mit Menschen, die wie Marionetten an Fäden hängen, und deren Eigner bestimmen: „Linksdrehend, rechtsdrehend, jedenfalls nach unserer Pfeife.“ Es hat was zu tun mit Menschen, die in stickigen Fabriken dampfen, in vielen Teilen der Welt auch mit giftigen Dämpfen gedämpft werden. Menschen, die dann zumindest bei uns manchmal am 1. Mai auf die Straße gehen.

Nicht etwa, um sich aus ihrem Korsett zu befreien. Sondern um mehr Geld zu fordern für ihre Arbeit in diesem Korsett – und ab und zu auch mal bessere Arbeitsbedingungen, aber das scheint immer nicht ganz so wichtig.

Dass sie freie Wesen sind, die fliegen können, die auf Besen durch die Lüfte reiten können, das hielten sie für Aberglauben und Kinderphantasie. Und ich versteh´s, denn ohne Geld kommt man in unserer Welt nicht weit. Oft genug ist man daher dankbar, ein Korsett zu haben. Denn es stützt. Dass es auch einengt und die Luft zum Atmen nehmen kann, was macht das schon? Nach kurzer Zeit spürt man es kaum noch.

Beltane ist in unserer Gesellschaft offiziell längst vergessen.

_________________________

Wie immer mit herzlichem Dank an Christiane für ihre Mühe mit den Etüden, deren Regeln hier (Schreibeinladung für die Textwochen 18.19.21 | Wortspende vom Bodenlosz-Archiv | Irgendwas ist immer (wordpress.com)) zu finden sind. Und diesmal an Nina von Bodenlosz-Archiv für die Wortspende!

abc-Etüde 16./17.21 – Redewendungen

Jemanden in die Pfanne hauen, das scheint mir ein beliebter Volkssport zu sein. Niedermachen, was einem nicht passt. Das macht Spaß, das gibt den Kick.  

Warum haut man eigentlich niemanden in den Topf? Der Volksmund trennt da feinsäuberlich: Das siedende Fett in der Pfanne wird als zerstörerischer für das zu Garende angesehen, als das kochende Wasser im Topf. Manche mögen´s heiß? Nee nee.
Vom zerstörerischen Akt des Garens in der Pfanne komme dieser Spruch. 

Beliebt ist es auch noch, jemanden zu grillen. Aber da geht man meist davon aus, dass dieser jemand wieder runter hüpfen darf vom Grill, wenn er nur erst die Wahrheit gesagt hat. Wer hingegen in die Pfanne gehauen wurde, erholt sich nicht mehr so schnell. 

In der Pfanne und auf dem Grill ist also nicht so schön.

Wenn hingegen jemand was auf der Pfanne hat, ist das gut, dachte ich. Aber weit gefehlt. Ich lerne, wer einem solchen Menschen gegenüber stand, konnte sich alles andere als glücklich schätzen, damals: Denn wer Schießpulver auf seiner Gewehrpfanne hatte, der konnte gleich los schießen. Also besser in Deckung gehen, wenn einer was auf der Pfanne hat!

Vom verrückten Hund in der Pfanne haben wir schon gelesen*, wobei eigentlich wohl der Geselle verrückt war – und den armen Hund in die Pfanne gehauen hat. 

Und dann kann man mit dem Ding auch noch jemandem eins überbraten. Oh weh!

So eine Pfanne scheint etwas sehr Gefährliches und Zerstörerisches zu sein.  

Aber vielleicht sollte ich mir da einfach ein Ei drauf backen? Im Sinne von „was interessiert`s mich“:
Ein Hoch auf die Pfanne!

Pfannkuchen machen nämlich glücklich. Jedenfalls mich :-).

_______________________________

*vgl: Etüde bei Christian (Wortverdreher):abc-Etüde, Frisch gehopft – wortverdreher (wordpress.com)

Wie immer mit Dank an Christiane für ihre Mühe mit den Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 16.17.21 | Wortspende von DORO|ART | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind und an Doro von DoroArt für die diesmalige Wortspende.

abc-Etüde 16./17.21 – Praktikum

Juchhuh, sie hatte den Praktikumsplatz bekommen! Das Startup der beiden Brüder galt als megaangesagt. Was sie eigentlich genau machten, wusste sie nicht. Irgendwas Digitales. Es musste saugut laufen. Jeder kannte die beiden. Auch Politiker*innen ließen sich gerne mit ihnen blicken. Man munkelte über raketenartigen Erfolg und einen bevorstehenden Börsengang. 

Nebenbei machten die Brüder Clips für Instagram und andere Kanäle. Und dafür suchten sie immer wieder Praktikanten wie sie.

Heute sollte sie mit ihren beiden Mitpraktikanten verdreckte Grillpfannen schrubben. Jeder mit einem anderen Reinigungsmittel und um die Wette. Dabei wurden sie gefilmt. Sie schrubbte mit Backpulver und war sogar schneller, als der Typ mit dem chemischen Reinigungsmittel.
Zur Belohnung bekam sie einen Händedruck eines der Brüder -und das Foto davon würde zusätzlich online gestellt. Sie war glücklich. Sie würde damit angeben können im Freundeskreis. 

„Feierabend Leute! Morgen machen wir ein Clip, wie man Müll trennen sollte. Einige Sachen hier müssen zum Recyclinghof. Ihr macht euch so gut, das dürft ihr sogar eigenständig drehen. Wir haben vollstes Vertrauen in euch.“ 

Fröhlich verließen die drei das Gebäude.

Die Brüder sahen sich an. „Die Idee mit den Praktikanten war einfach genial: Wir feiern, grillen, lassen es uns gut gehen. – Und die Kids machen die Arbeit und sind noch glücklich dabei! Weil wir sie filmen… .“

„Und wenn bekannt wird, dass unser Startup nur eine Luftnummer ist?“

„Wie Luftnummer?!
Millionen Clicks sind doch keine Luftnummer?!“

***************************************

Wie immer mit Dank an Christiane für ihre Mühe mit den Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 16.17.21 | Wortspende von DORO|ART | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind, und an Doro von DoroArt für die diesmalige Wortspende!