abc-Etüden; Textwochen 43.44.20; Fortsetzung

Hinweis: Es handelt sich um die Fortsetzung zu meiner Geschichte Textwochen 43.44.20 vom 19.10.20. Es empfiehlt sich, diese vorab gelesen zu haben.

„Darf ich in die Pfütze vor deiner Bank hüpfen, Onkel?“ Die Stimme des kleinen Jungen weckte ihn. „Mama sagt immer „Schmutzfink“, wenn ich in Pfützen hüpfe. Aber es macht sooo Spaß!“ „Wo ist denn deine Mama?“ „Da drüben! Bei den Polizisten. Weißt du, jemand hat unser Geld gemopst. Deshalb kam Polizei. Erst wars aufregend. Aber jetzt reden die so lang, und da hat Mama gesagt, ich darf zu dir rüber gehen. Sie hat gesagt, du bist ein guter Mensch. Du weißt, wie das ist, wenn einem alles weggenommen wird. Stimmt das?“

Er schluckte. Der Jutebeutel brannte wie Feuer in seinen Händen.

„Haben Sie etwas Verdächtiges bemerkt?“ Die beiden Polizisten und die Mutter waren zu ihnen getreten. „Nein.“ „Darf ich mal einen Blick in Ihren Jutebeutel werfen?“ Wie aus weiter Ferne hörte er diese Frage des Polizisten. In seinem Kopf begann eine Art Karussell. Ihm wurde heiß und kalt. Es wäre nicht schlimm, ins Gefängnis zu müssen, aber die Beschämung vor dem Kind und seiner Mutter! Er wollte versinken.

„Nein“, erklang scharf die Stimme der Frau. „Sehen Sie nicht, wie unangenehm es dem armen Mann ist, wenn Sie ihm das letzte Stück Privatsphäre nehmen, das er noch hat, und in seinen wenigen Habseligkeiten herumstöbern? Lassen Sie ihn in Ruhe!“ „Wie Sie meinen, junge Dame.“ Die vier gingen weiter.

PUH! Es gab noch Wunder!!! Und mit dieser Erkenntnis durchfluteten ihn plötzlich wieder lange vergessene Zuversicht und Energie: Er würde einen Weg finden, der jungen Mutter die Börse unauffällig wieder zukommen zu lassen. Schließlich war er immer berühmt gewesen für seine fabelhaft verrückten Ideen.

Zwei Leben bisher. Sein drittes Leben würde er dafür nutzen, andere -und damit auch sich-, glücklich zu machen. Das schwor er sich, während er Mutter und Sohn nachblickte. Und sein drittes Leben begann JETZT.

abc-Etüden; Textwochen 43.44.20

Lieben Dank an Christiane für die Schreibeinladung (https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/10/18/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-43-44-20-wortspende-von-mutiger-leben/) und an Mutiger leben für die Textspende: Schmutzfink, fabelhaft, mopsen

„Du spielst ja schon wieder in der Pfütze, mein süßer kleiner Schmutzfink.“ hörte er die Mutter auf dem Spielplatz dahinten liebevoll zu ihrem kleinen Sohn sagen. „Schmutzfink“ dachte er, während er mit seinem Jutebeutel auf die Parkbank mit dem zerschlissenen Schlafsack zuging, „der Begriff passt zu MIR.“. Es war lange her, dass er in seiner Penthousewohnung unter der Farblicht-Regendusche gestanden hatte. Damals. Als erfolgreicher Werbetexter hatte er ein Leben auf der Überholspur geführt. Tolle Wohnung, jede Menge Geld, superschöne Frau, großer Freundeskreis. „Freunde“, dachte er bitter.

Eine Routineuntersuchung beim Arzt. Die Diagnose dort hatte ihn wie ein Fallbeil getroffen. Ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. IHM konnte so etwas doch nicht passieren! Allen anderen, aber ihm nicht! Er war doch unangreifbar! Top in Form. Eigentlich unsterblich. Das Fallbeil zerschmetterte sein Innerstes. Seine Gewissheit.

Sein Körper wurde mit den modernen Medikamenten geheilt. Um seine Seele kümmerte sich niemand. Sein Leben zerbröselte vor seinen Füßen. Seine Kreativität war ihm ebenso abhanden gekommen, wie sein Job. Seine Frau war noch schneller weg gewesen, als sein gesamtes Erspartes. Er konnte die Wohnung nicht mehr bezahlen und bekam auch keine andere. Die wenigen „Freunde“, die während der Krankheit noch zu ihm gehalten hatten, hatten ihm längst den Rücken gekehrt. Mit einem auf der Verliererstraße wollte niemand etwas zu tun haben. Erfolg war das, was in seinen Kreisen gezählt hatte.

„Das Leben kann hart sein.“ dachte er, während er sich auf die Bank setzte. Er warf einen verstohlenen Blick in seinen Jutebeutel. Na ja, immerhin war der Tag fabelhaft gelaufen: Gleich fünf Geldbörsen hatte er mopsen können. Die letzte hatte der Mutter dahinten auf dem Spielplatz gehört. „War er deshalb ein schlechter Mensch?“ fragte er sich. Von irgendetwas musste er leben … .

Mit der Natur …

Künstlerin: Dörte Müller

Ich habe die Schmetterlinge vermisst dieses Jahr. Unser Schmetterlingsflieder, der Salbeistrauch und manch anderes wirkten dieses Jahr so seltsam leer. Sonst tummelten sich da viele bunte Schönheiten. Doch diesen Sommer glänzten sie weitgehend durch Abwesenheit.

Wenigstens bekommen wir noch Besuch von verhältnismäßig vielen Vögel. „Unsere“ Vögel, wie ich sie zu nennen pflege, weil sie uns oft schon lange treu sind: Das Starenpaar, das bereits seit mehreren Jahren regelmäßig zum Brüten wieder kommt. Die verschiedenen Meisenarten, die sich auch gerade jetzt wieder in unseren Vögelbädern putzen und dabei auch richtig putzig aussehen. Die Rotkehlchen; die Buntspechte, die sich immer mal wieder laut bemerkbar machen. Der oder die Kleiber. Die klugen Elstern und einige mehr. Nachdem ich bei dem informativen Blog von Linsenfutter gesehen habe, wie ein Grünspecht aussieht, bin ich mir ziemlich sicher, sogar ein solches Exemplar schon einmal hier gesehen zu haben.

Eine „unserer“ Tauben muss im Frühsommer gerissen worden sein, die Federn inklusive all der inneren Flaumfedern lagen verteilt auf unserer kleinen Wiese. Ich war erst ein wenig traurig ob des Dramas, das sich abgespielt haben musste. Aber dann rückte „unsere“ gut zehnköpfige Spatzenbrigade an … – und fein säuberlich wurde Feder für Feder in kleinen Schnäbeln abtransportiert. Wohl, um damit die eigenen Nester schön zu polstern. Süß sah das aus und ich war wieder versöhnt :-). Ja, und jetzt ist die Spatzenbrigade noch etwas größer und unsere Vogelfutterstellen sind noch schneller leer gefressen … .

Die Natur gab mir in diesem Jahr noch mehr Gelegenheiten, ihr Recyclingkonzept zu bewundern: Vermutlich war es ein Fuchs, der nachts recht dicht bei der Terassentür eine nicht gerade hübsch anzusehende Hinterlassenschaft abgelegt hatte. Reste von einer Maus waren noch in dem Haufen zu erkennen. Ich war wenig begeistert. Aber: Wie aus dem Nichts kam der Entsorgungstrupp angeflogen. Schmeißfliegen, die den Haufen innerhalb von zwei Tagen restlos beseitigten. Seitdem sehe ich diese Art Fliegen mit ganz anderen Augen ;-). Was für arbeitsame Tierchen! :-).

Es gab Verluste. Das Nest der Drosseln mit den vier Eiern darin war zu sichtbar, zu gut zu erreichen für Eichhörnchen oder „unsere“ Eichelhäherfamilie. Auch der Nachwuchs der Rotschwänzchen vor einigen Jahren, von den Eltern damals treu umsorgt, hat es möglicherweise nicht geschafft. Denn die Eichelhäher, die auch damals selbst Nachwuchs zu versorgen hatten, hatten den Nistkasten entdeckt…. . Nun ja, auch das ist Natur.

Wir füttern bisher nicht das ganze Jahr zu für die Vögel. Aber wir versuchen, den Vögeln ansonsten viel zu bieten: Es gibt eine Wildbeerenhecke und einige andere Leckereien an Strauch, Baum und Busch. Wir haben keinen Rasen, sondern eine kleine Wiese, in der alles wachsen darf, was will (und teilweise auf unserem Speiseplan landet). Verblühte Blumen von Rosen etc. schneiden wir nicht ab. Sie werden gerne von Insekten besucht und damit auch von den Vögeln. Und auch unsere Ecken mit Totholz sind alles andere als tot.

Klingt nach viel Natur? Ist es aber nicht … . Das Grundstück ist klein. Und vollständig umgeben von Nachbarn, die alle sehr viel Wert legen auf einen gepflegten grünen Rasen als Garten. Sie betreiben viel Aufwand dafür. Da wird vertikutiert und ab Blätterfall den gesamten Herbst laubgepustet und – gesaugt. In den immer regenärmeren Sommern jeden Abend gewässert. Fast jede Woche gemäht, immer mal wieder gedüngt und wohl leider manchmal auch gespritzt. Und keine Ahnung, was sonst noch alles. Irgendwas scheint für so einen grünen Rasen immer zu tun zu sein. Komischerweise macht ihnen das gar keinen Spaß, aber es ist ihnen wichtig.

Während mir völlig unverständlich ist, warum man sich so viel ungeliebte Arbeit macht und so viel Aufwand betreibt, um die Natur vor seiner Tür „zu bekämpfen“, ist den Nachbarn völlig unverständlich, wie man sich in unserem Chaos wohl fühlen kann. Zum Glück sind sie tolerant genug, sich nicht über unser „Unkraut“ zu beschweren. Jedenfalls nicht uns gegenüber … .

Wo sind nur die schönen bunten Schmetterlinge geblieben?!

Von Mainstream, Masken und Moral

Kein „Mainstram“; Künstlerin: Dörte Müller

Ich war schon immer etwas sonderbar. Schon als Kind wusste ich nicht, welches Spielzeug „man“ zu haben hatte, welche Klamotten „man“ zu tragen hatte. Später dann auch nicht, welche Musik „man“ zu hören, welche Bücher zu lesen oder welche Filme zu schauen hatte. Um „in“ zu sein. Ich weiß all das bis heute nicht.

Stephen King war hip? Nachdem ein Mitschüler mal ein Buch von ihm im Deutschunterricht vorgestellt hatte, wusste ich nur, dass ich ganz sicher nie nie niemals freiwillig auch nur ein Augenzwinkern in eines der Bücher von diesem Herrn stecken würde. Hingegen war ich völlig fasziniert, als wir in der Oberstufe Goethes Faust lasen. Schon damals war ich offensichtlich esoterisch angehaucht.

Mainstream? Ich hätte gar nicht gewusst, was das sein sollte. Und – es interessierte mich auch nicht. Noch heute schaue ich nur groß, wenn jemand mit einem Zitat aus irgendeinem Film kommt, den absolut jede*r gesehen hat. So was wie Star Trek oder Star Wars zum Beispiel. Jede*r, außer mir eben.

Trotzdem war ich nie unbeliebt. Auch in meinen Jobs nicht. Ich war und bin sehr politisch interessiert. In meinen Jobs ein Muss. Aber auch da stellte ich fest, dass ich irgendwann begann, mir mehr und mehr Fragen zu stellen. Fragen, die sich andere nicht zu stellen schienen.

Nachdem ich nicht mehr in diesen Jobs arbeite, wurden die Fragen mehr, schon alleine weil ich mehr Zeit habe, mir vertiefte Gedanken zu machen. Und ich stelle plötzlich fest, mit Fragen erregt man Anstoß. Wenn ich Mainstreammeinungen in Frage stelle, ziehen Menschen, die in diesem Strom schwimmen, sich von mir zurück. Reagieren verärgert. Wie kann ich etwas in Frage stellen, was doch jede*r denkt?

Da regt sich jemand auf über Menschen, die bei Demonstrationen im Freien keine Maske tragen, und erwartet meine Bestätigung für seine Entrüstung. Und ich sage, „Ich sehe das ganz anders, als Sie.“ Ups. Versteinerung. Da brauche ich mit einem Vortrag über den CO2-Gehalt unter diesen Masken, den Bakterien-, Viren- und Hefepopulationen, die man sich da züchtet – und einatmet, nicht zu kommen. Natürlich nicht. Ich habe bereits mit meinem „anders sehen“ längst verschissen. Schließlich hört man in den Medien jeden Tag nur Leute mit gegenteiligen Meinungen. Also ist klar, wo die Wahrheit ist.

Und, was mich wirklich umtreibt: Ich gelte plötzlich als moralisch verachtenswert mit meiner gegenteiligen Meinung. So wird es mir jeden Tag in den öffentlich rechtlichen Medien präsentiert.

Mein Leben lang war mir egal, was Mainstream war, und was nicht. Und es hat niemanden gestört, dass mir das egal war. Zwar darf ich auch heute noch Goethe einem Stephen King vorziehen. Aber mit meinen Meinungsäußerungen, da habe ich vorsichtig zu sein.

Denn heutzutage hat sich „der Mainstreammeinungsmensch“ zum moralisch besseren Menschen erkoren, so scheint es mir. Sich eine Maske des moralischen Anstands aufgesetzt, sich zur moralischen Instanz erhoben, an der sich jede*r zu messen habe. Wer das nicht tut, wird erbarmungslos gemobbt.

Das ist nicht erst seit Corona so, aber seitdem ist es sogar äußerlich erkennbar. Die Maske ist zum sichtbaren Symbol der „Anständigen“ geworden. Wie wissenschaftlich, objektiv, zahlen- und faktenbasiert das ist, das ist weniger entscheidend. Wer will das schon wirklich beurteilen? Wissenschaftler / Ärzte sind da durchaus unterschiedlicher Meinung. Aber die, die anderer Ansicht sind, sind damit nicht mehr „anständig“ und werden dementsprechend „selbstverständlich“ normalerweise nicht zitiert in den Medien.

Es ist nicht ganz neu, das Ganze: Bereits bei der Frage der Einführung der Masernimpfpflicht hatte ich laut offizieller medialer Version nicht etwa nur eine andere Meinung, sondern ich „gefährdete Menschenleben“.

Eine aus meiner Sicht äußerst gefährliche gesellschaftliche Entwicklung so ein Hauptstrom, der keine Nebenströme mehr zulässt. Und Menschen, die gegen den Strom schwimmen, der Hetze zum Fraß vorwirft.

Wie moralisch hochstehend ist jemand, der sich für moralisch „besser“ hält als andere, nur weil er tut, was ihm „von oben“ gesagt wird? Wie moralisch hochstehend sind Medien, die keine andere Ansicht mehr zulassen, als die von ihnen vorgegebene, die sie für „moralisch gut“ halten?

Sind das die Guten, weil sie der Meinung sind, das Gute zu fördern?! Oder sind das vielleicht eher die Anti-Mephistos? Und damit ein Teil jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft?!

abc-Etüden; Textwochen 41.42.20; Nummer 2

Ein zweiter Text zu der Wortspende: Landvermesser, undankbar, aussetzen. Die Regeln zu den Etüden findet Ihr bei Christiane unter https://wordpress.com/read/feeds/23737740/posts/2946695473

Gedankenlos…

Mit äußerster Sorgfalt kam er seiner Aufgabe nach. Es kam auf jeden Zentimeter an, das wusste er. Ansonsten würde etwas Schlimmes passieren. Das musste er um jeden Preis verhindern. Er arbeitete sehr konzentriert. 

‚Louis“ schrie seine Mutter, als sie ins Wohnzimmer trat. ‚Bist du wahnsinnig geworden?!“ Ihre Stimme überschlug sich fast: „Wie kannst du das schöne Parkett mit dem schwarzen Filzstift ruinieren?! Das darf doch nicht wahr sein!“ „Ich habe es für uns alle getan“, sagte er mit dünnen Stimmchen, aber auch ein klein wenig stolz. „Ich bin Landvermesser.“ Das Wort hatte er erst vor Kurzem gelernt. „Ja klar“, antwortete sie bitter. „Und ich bin wahrscheinlich undankbar, weil du es doch für uns alle getan hast. “ Sie hasste sich selbst für diese Reaktion. Wie konnte sie einem kleinen Kind auch noch mit Sarkasmus kommen?! Aber sie würde ihn dringend besser erziehen müssen. Ihm beibringen,  dass man Respekt vor Dingen haben müsse. Nicht einfach aus lauter Gedankenlosigkeit etwas zerstören könne.

„Louis“ setzte sie an. Aber er kam ihr weinend zuvor: „Ich wollte, dass du genug Raum hast für dich!“ Ihr Gesicht war ein Fragezeichen. „Gestern, da, da habe ich zufällig gehört, wie, wie du mit deiner Freundin Ann telefoniert hast.“ schluchzte er weiter. „Jaa?!“, sagte sie gedehnt. „Ja, und da, da hast du gesagt, seit du im Homeoffice bist, würdest du Mila und mich manchmal am liebsten aussetzen, weil du einfach keinen Raum mehr hast für dich.. . und, und deshalb habe ich den Raum jetzt ganz gerecht verteilt, Mama …“

abc-Etüden; Textwoche 41.42.20

Auch ich mache jetzt mit bei Christianes Schreibeinladung. Die Wortspende kommt diesmal von Werner Kastens: Landvermesser, aussetzen, undankbar

https://wordpress.com/read/feeds/23737740/posts/2946695473

Irgendwie fühlte er sich nicht so richtig wohl hier. War er nicht undankbar, fragte er sich? Immerhin hatte man ihn ausgewählt. IHN, Udo Schröders, Landvermesser aus Deutschland. Es hatte Tausende von Bewerbern gegeben aus aller Welt, und ein verdammt hartes Auswahlverfahren. Aber zum Schluss war es eine politische Entscheidung gewesen. Jahrelang hatte man gerungen, in vielen Gremien immer wieder diskutiert. Es hatte Kriegsdrohungen gegeben und Kompromisse, auf die man sich mühsam geeinigt hatte. Und jetzt stand er hier und sollte diese Kompromisse umsetzen. Eine echte Pionierarbeit. Er würde jetzt den Mond vermessen, jedem Land der Erde ein bestimmtes Stück zuteilen. Natürlich nur den „wichtigen“ Ländern. Afrika zum Beispiel hatte nicht viel mitzureden gehabt. Das war nun einmal so auf der Erde.

Wem gehört der Mond, fragte er sich? In seinem Kopf hallte laut die Antwort: „Niemandem!“ Ebenso wie die Erde auch niemandem gehört, dachte er, auch wenn es bisher nur wenig Menschen gab, die das verstanden zu haben schienen.

„Mission aussetzen“ funkte er zur Erde, „ich kann das nicht!“ „Ja“, kam es zu seiner Überraschung zurück. „Mission aussetzen. Wir haben gerade die Nachricht erhalten, dass der amerikanische Präsident eine Neuverhandlung fordert. Er will ein größeres Stück. The greatest for the greatest, he had said.“ Udo fühlte, wie ihm übel wurde … .

Wut, eine schwierige Emotion

Künstlerin: Dörte Müller

Mit dem Thema „Wut“ setze ich mich jetzt schon seit langem vertieft auseinander. Autoimmunerkrankungen werden oft unter anderem mit (unterdrückter) Wut assoziiert. Und das wollte ich natürlich näher ergründen.

Wut und Aggression waren für mich mein Leben lang irgendwie negativ besetzte Emotionen. Sie schienen nicht kontrollierbar und machten mir Angst. Wütende Menschen neigen dazu, andere zu verletzen. So etwas wollte ich nicht. Ich wollte eine Welt der Liebe und Harmonie. Also versuchte ich, mir eine solche zu basteln. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, desto deutlicher wurde mir aber, dass das SO irgendwie nicht funktioniert … .

Vor einigen Monaten dann begegnete ich dem Thema „Kriegsenkel„. Und ich erkannte, wie sehr ich bereits in ein Energiefeld hineingeboren worden war, in dem (unterdrückte) Wut und auch verletzter Stolz omnipräsent waren. Meine Eltern haben beide als Kinder / Teenager den 2. Weltkrieg erleben müssen. Inklusive aller Schrecken von Flucht / Vertreibung (den „Rachegelüsten“ der vormaligen „Feinde“ im Grunde schutzlos ausgeliefert); Verlust der alten Heimat und des Besitzes; Ankunft im Lager; Einquartierung bei Menschen, bei denen sie alles andere als willkommen waren. Was macht so etwas mit einem heranwachsenden Kind?! Später dann Neuanfang bei Null. Ein Beruf, der nach Sicherheit und nicht nach Neigung gewählt wurde. Und insbesondere bei meinem Vater das Gefühl der Verantwortung für die Familie mit der gleichzeitigen ständigen Angst im Nacken, dass ihm wieder plötzlich alles genommen werden könnte. Natürlich war da viel Wut bei ihm und für den Rest der Familie die ständige Gefahr, dass diese Wut explodierte. Meine Mutter hingegen zeigte keinerlei Wut nach außen. Sie schien so etwas gar nicht zu können. Und war damit mein Vorbild im Traum von Harmonie.

Natürlich war Wut bei mir entsprechend negativ besetzt – und gleichzeitig in jeder meiner Zellen präsent.

Wut wird in gewisser Weise vererbt. Und – das ist bei den heutigen Flüchtlingen nicht anders – sie wird viel zu wenig erkannt. Der Gesellschaft reicht es, wenn sich jemand nach außen arrangiert und „integriert“ wirkt. Hilfestellung zur Bewältigung der Traumata wird wenig geboten. Immer noch besteht wenig Verständnis für Traumata und die Vererbung dieser Traumata. Menschen, die nicht klar kommen, gelten als selbst schuld. Sie „sollen sich am Riemen reißen“ oder werden gar bekämpft, was ihre Wut dann nicht gerade reduziert. Für mich sind diese nie bearbeiteten Traumata eine der Ursachen für Radikalisierungen von Menschen, ob nach rechts, links, islamistisch oder was auch immer. In Traumatherapien müsste aus meiner Sicht gesellschaftlich viel mehr investiert werden.

Wut, die aus Traumata entstanden ist, ist eine schwierige Emotion, weil sie sich im Ursprung gegen etwas aus der Vergangenheit richtet, was nicht mehr zu ändern ist. Es ist aber auch leider nicht so, dass man einfach die willentliche Entscheidung treffen könnte, diese Wut loszulassen – und puff, weg ist sie. Meines Erachtens funktioniert es auch nicht mit Kampfsport, auch wenn das oft versucht und propagiert wird. Körperliches Ausagieren kann ein kurzzeitiges Ventil sein, aber keine Heilung. Und es besteht immer die Gefahr, dass sich die Wut gegen völlig Unbeteiligte richtet.

Meine Eltern versuchten es mit der Kirche. Mein Vater zudem mit Aufenthalten in der Natur, die ihn deutlich entspannten. Meine Mutter mit dem Beisammensein mit anderen in geselliger Runde. Im Grunde genommen alles sinnvolle Ansätze. Aber ihre tief liegenden Wunden verheilten damit nicht. Therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen, hätten sie vermutlich lächerlich und absurd gefunden. Eine Haltung, die aus ihrem Leben verständlich war, die aber leider auch heute noch weit verbreitet ist. Das Ansehen von psychisch / seelisch wirkenden Therapien ist immer noch deutlich schlechter, als das von rein körperlich wirkenden. Aus meiner Sicht ein großes gesellschaftliches Problem.

Wut, deren Ursprung erkannt und verarbeitet ist, kann m.E. durchaus auch positive Auswirkungen haben. Wenn sie zum Antrieb wird, sich konstruktiv gegen aktuelle Ungerechtigkeiten /Probleme zu richten, um so die Entstehung neuen Leids möglichst zu verhindern. Klar ist: Krieg, Gewalt (oder auch „Sanktionen“), die aus „unbearbeiteter“ Wut entstehen können, sind kein Mittel zur Problemlösung, sondern führen IMMER zu neuem Leid.

Lösen kann man sich von durch Trauma entstandener Wut wohl nur durch echte Vergebung. Aber das ist ein anderes schwieriges Thema … .

Wut ist machtvoll

Wut hat viele Facetten. Sie ist eine machtvolle Energie. Und sie hat auch nicht immer traumatische Ursprünge. Sie kann durchaus auch das sein, was man früher „heiliger Zorn“ nannte. Fast jede*r ist mal wütend. Auf sich selbst, auf andere oder auch auf „vorgegebene“ Strukturen oder Regeln. Menschen, die zu ihrer Wut stehen, wirken auf mich häufig lebendiger und authentischer als Menschen, die stets versuchen, zu allen nett und freundlich zu sein – und sich dabei zu sehr selber zurücknehmen. So wie ich das auch oft getan habe.

Braucht es nicht Wut, um Veränderungen überhaupt anzustoßen? Wenn Dinge irgendwie „falsch“ laufen, Strukturen sich verhärtet haben, Denkweisen erstarrt sind, „Mächtige“ sich zu bequem eingerichtet haben und meinen, es sei ihr „gottgegebenes“ Recht, sich über ihre Mitmenschen zu stellen. Arroganz und Ignoranz eine Kommunikation verhindern.

Zunächst ist da bei den meisten Menschen Angst. Zwar spürt man tief im Innern, dass etwas in eine ungute Richtung läuft, aber aus Angst vor Repressalien oder der Angst, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden, arrangiert man sich. Um aufzubegehren braucht es Mut. Und der entsteht meist erst, wenn die Wut groß genug geworden ist, um die Angst zu überwinden.

Ich habe mich z.B. mit unserem medizinischen System trotz eines unguten Gefühls auch lange mehr oder weniger arrangiert. Durchaus auch aus Angst, als eine Art Idiotin dazustehen, über die man sich einfach nur lustig machen würde. Was würde es schon bewirken, wenn ICH mich gegen diese reine Medikamentenmedizin stellen würde?

Die von mir in meinem Beitrag „Auf ein Wort liebe Mediziner*innen“ zitierten Ärzt*innen waren ebenfalls ganz offensichtlich nicht glücklich mit dem derzeitigen System. Ganz im Gegenteil wirkten sie gefrustet und desillusioniert. Aber sie hatten sich dennoch arrangiert – und empfanden wahrscheinlich gerade deshalb meine Kritik von außen als besonderes Sakrileg.

Aber wie soll sich etwas Grundlegendes ändern an der Gesundheitspolitik, wenn niemand offensiv Änderungen einfordert? Weder die Patient*innen noch die Mediziner*innen selbst? Aus meiner Sicht sollten Gesundheitssystem und Pharmaindustrie den Patient*innen dienen. Für die ist das System doch eigentlich gemacht! Tatsächlich scheint es aber eher umgekehrt zu sein: Das System wird von der Pharmaindustrie beherrscht und alle anderen Player, inklusive der Patient*innen, dienen dieser Industrie. Für mich ein klarer Missstand!! Und das Ansprechen meines Ärgers darüber tat mir dann auch durchaus gut.

Ob Wut eine „positive“ oder „negative“ Emotion ist, lässt sich aus meiner Sicht nicht beantworten. Sie ist wie Feuer. Hilfreich und nützlich; aber wehe, es gerät außer Kontrolle, oder es schwelt unerkannt unter der Oberfläche.

Die Herausforderung ist es, sich nicht von der Wut beherrschen zu lassen. Ähnlich wie bei Angst.

Das ist keine Kleinigkeit, denn in beide Emotionen kann man ganz schnell immer tiefer hineinrutschen. Beides wird medial gefördert, sowohl durch social media wie durch „seriöse“ Medien. In dieser Corona-Geschichte wird nach meiner Wahrnehmung interessanterweise durch dieselbe Berichterstattung je nach Menschentyp bei den einen die Angst gefördert, bei den anderen die Wut. Die Wütenden fragen sich, wie man so unvernünftig sein könne, auf so unverantwortliche Art permanent Angst und Panik in der Bevölkerung zu schüren. Die Ängstlichen fragen sich, wie man so unvernünftig sein könne, auf so unverantwortliche Art die Expertise „anerkannter“ Fachleute in Frage zu stellen. Ich neige in dieser Frage zu den Wütenden. Allerdings habe ich auch generell ein Problem mit Obrigkeit…. .

Zu viel Wut allerdings kann einen auszehren. Sie macht auch angreifbarer. Nicht nur das. Wut wird für mich immer dann zu einem Problem, wenn sie sich in erster Linie gegen bestimmte Menschen richtet und nicht gegen Strukturen. Und dann, wenn man sich in diese Wut verbeißt und gar nicht mehr loslassen kann. Denn, wer in Wut stecken bleibt und immer tiefer hinein rutscht, tut sich und anderen damit nichts Gutes. Wut kann aufgrund des damit zusammenhängenden Dopamin-Ausstoßes einen gewissen Suchtfaktor auslösen. Und Süchtige gefährden sich und andere.

Über Wut ließe sich noch ganz viel sagen und schreiben. Aber, der Beitrag ist jetzt eh schon viel zu lang geworden… . Und was solls: Auf der derzeitigen Entwicklungsstufe der Menschheit wird es vermutlich ohne Wut nicht gehen. Wut, die dann hoffentlich als Zündfunke für den Mut zu Veränderungen / Verbesserungen fungiert. Knospen einer solchen Veränderung scheinen mir sogar schon sichtbar in der Welt. Und auch in Teilen der Medizin … . Und zum Glück gibt es ja auch noch viele Möglichkeiten außerhalb der etablierten Schulmedizin. 🙂

Auf ein Wort, liebe Mediziner*innen

Nebel auf dem Weg; Künstlerin: Dörte Müller

Dieser Beitrag ist inspiriert durch einen Bericht, in dem eine Ärztin ihr Buch vorstellte, mit dem sie eine bessere Arzt-Patient*innen- Kommunikation anregen wollte. Ich habe das Buch nicht gelesen, mich aber direkt gefragt, ob es nicht an der Zeit wäre, dass Patient*innen darlegen, was SIE sich wünschen von ihrem Arzt / ihrer Ärztin. Denn bisher wird mir zu oft eher das beschrieben, von dem Ärzt*innen DENKEN, dass Patient*innen es sich wünschten. Daher nunmehr meine ganz persönlichen Gedanken dazu (ohne Anspruch auf Verallgemeinerung):

Liebe Mediziner*innen, ich habe kein Problem mit dem, was Ihr so gern als Euer „Fachchinesisch“ bezeichnet. Ich habe „meine“ Autoimmunerkrankung seit gut über 30 Jahren und kenne die meisten der medizinischen Fachbegriffe zu meinem Krankheitsbild recht gut. Ich kenne auch die meisten Eurer Therapievorstellungen zu meiner Erkrankung recht gut. Ich habe (heute würde ich sagen: leider) sehr viele davon ausprobiert. – Und sie als nicht wirklich hilfreich empfunden, ganz im Gegenteil. Ich habe in all diesen Jahren viele Erfahrungen gesammelt. Und ich möchte, dass Ihr meine Erfahrungen und meine Wünsche respektiert!

Denn genau da liegt mein Problem mit Euch: Ich verstehe etwas Anderes unter KOOPERATION, als Ihr. Für Euch heißt Kooperation: Ich habe brav genau das zu tun, was Ihr mir „vorschlagt“ (Medikamenteneinnahme in vorgeschriebener Dosis zum vorgeschriebenen Zeitpunkt) und Euch möglichst dankbar zu sein. Für mich heißt Kooperation: Wir überlegen gemeinsam, was für mich hilfreich sein könnte. Ihr beratet mich nach bestem Wissen – und ich entscheide.

Liebe Mediziner*innen, ich würde mir wünschen, dass Ihr nicht so oft so furchtbar beleidigt reagiert, wenn ich Euch sage, dass ICH die Therapieentscheidung treffe, nicht IHR, denn es geht um MEINEN Körper. Mein Leben. Und dafür bin ICH die Expertin, nicht Ihr. Ich bin ein Mensch, liebe Mediziner*innen, und kein zu behandelndes Objekt, oder irgendwie dumm, nur weil ich zufällig eine Erkrankung habe.

„Sie sind hier in einer renommierten Klinik …“

Ich würde mir wünschen, dass Ihr meine Fragen ehrlich beantwortet, also zugebt, was Ihr wisst – und was nicht. Dass Ihr aufhören würdet, zu versuchen, Nichtwissen mit Arroganz zu kaschieren. Ich reagiere nicht ehrerbietig, sondern äußerst ungehalten, wenn Ihr mir auf meine Frage nach möglichen Nebenwirkungen der von Euch empfohlenen medikamentösen Therapie antwortet: „Sie sind hier in einer renommierten Klinik, also verlassen Sie sich auf das, was Ihnen gesagt wird.“

Gut, diese Aussage ist jetzt ein Vierteljahrhundert her. Aber die Haltung, die dahinter steht, die begegnet mir immer noch. Die eine sagt mir, all ihre anderen Patient*innen wären dankbar für das, was sie ihnen anbiete, und mein Wunsch nach einer anderen Herangehensweise sei anmaßend und undankbar. Was ich überhaupt bei ihr wolle. Der andere unterstellt mir, ich WOLLE ja gar nicht gesund werden, wenn ich „die Schulmedizin ablehne“, weil ich etwas anderes wünsche, als Medikamente. Und nimmt sich erstaunliche 45 Minuten Zeit (die ihm niemand bezahlt) – … nur um mir alles Mögliche an den Kopf zu werfen und sich mit mir zu streiten.

Liebe Mediziner*innen, Ihr kennt den Nocebo-Effekt. Und Menschen wie ich, die mit Medikamenten und Operationen in ihrem bisherigen Leben eher schlechte Erfahrungen gemacht haben, reagieren auf diesen Effekt besonders stark. Warum also meint Ihr, Druck ausüben zu müssen, damit wir trotzdem unbedingt ein bestimmtes Medikament einnehmen? Und / oder uns operieren lassen?

Warum wollt Ihr alle, egal wo ich hingehe, mir immer unbedingt irgendetwas verschreiben? „Wenigstens ein Schmerzmittel! Ich verschreibe Ihnen alles. ALLES!“ Das war ein Zitat. Bei jeder Krankschreibung wegen eines Infekts hieß es: „Wollen Sie nicht doch ein Antibiotikum?“ NEIN! WILL ICH NICHT! Und ich will auch nicht, dass Ihr mir mit irgendeiner Impfung, „etwas Gutes tut“. Auch, wenn Ihr mir damit pflichtgemäß immer wieder kommt. Tatsächlich finde ich nämlich nicht, dass Ihr mir und meinem ja ohnehin aufgeputschten Immunsystem damit „etwas Gutes“ tätet.

Eine andere Herangehensweise?

Ich will eine andere Herangehensweise. Eine ganz andere. Und damit beiße ich bei Euch leider immer noch auf Granit. Und werde in Euren Augen zur „Querulantin“ und „Feindin“. Und das lasst Ihr mich durchaus auch spüren.

Ich will nicht Symptome unterdrücken, Schmerzen wegdrücken, mein Immunsystem supprimieren, um „zu funktionieren“. Ich sehe mein Immunsystem nicht als zu bekämpfenden Gegner an, wie Ihr es tut. Für mich sind meine Immunzellen keine Aufständischen, die ich unterdrücken muss, indem ich ihre Boten ausschalte. Das ist Euer Bild des Immunsystems: Beim Tumor schwingt sich eine „bösartige“ Zelle sozusagen zum Diktator des Gesamtsystems auf. Sie muss daher mit allen Waffen, die uns zur Verfügung stehen, aggressiv bekämpft werden. So wie man einen Diktator eben bekämpft: Mit Stahl und mit Chemie oder Strahlen. Bei der Autoimmunerkrankung sind es „aufständische Immunkrieger“, die plötzlich körpereigenes Gewebe angreifen. Die werden ebenfalls mit chemischen Waffen unterdrückt. Als „modern“ gilt es heutzutage, mit sogenannten Biologicals (gentechnisch hergestellte Medikamente mit „lebendem“ Zellmaterial) die Botenstoffe auszuschalten. Da es eine Menge Entzündungsbotenstoffe gibt, gibt es auch immer neue Medikamente in diesem finanziell sehr lukrativen Bereich.

Kollateralschäden sind bei all diesen „Kriegen“ selbstverständlich in Kauf zu nehmen. Das empfindet Ihr als normal. So geht Ihr immer vor. Für Euch ist alles Krieg. Ob gegen Viren (wie zur Zeit weltweit), gegen Bakterien oder gegen körpereigene Zellen. Ihr habt immer noch das darwinistische Bild von Konkurrenz und Kampf und dem Recht des Stärkeren im Kopf. Und dieses Bild prägt Eure Medizin immer noch ebenso, wie es die weltweite Wirtschaft prägt.

Für mich hingegen war diese darwinistische Theorie noch nie logisch. Für mich ist der menschliche Körper ein Gesamtkunstwerk, das gerade bei Krankheit immer in seiner Gesamtheit betrachtet werden muss. Meinen Körper zu einem „Schlachtfeld“ zu machen, halte ich nicht (mehr) für eine gute Idee. Wie soll ich so „heil“ werden? Ganz werden?

Ich halte es für weise, mir vor einer Maßnahme zu überlegen, ob ich damit Kollateralschäden anrichte – und ob diese nicht vielleicht in ihren Auswirkungen das Ganze viel schlimmer machen.

Weisheit

Weisheit, liebe Mediziner*innen, ist etwas, was ich mir bei Eurer Vorgehensweise in deutlich größerem Ausmaß wünschen würde. Ihr habt so unglaublich viel Wissen angehäuft über irgendwelche Details, dass Ihr vor lauter Stolz über all die kleinsten Komponenten, die Ihr jetzt „kennt“, oft nicht mehr merkt, dass das ganze Wesen ein MENSCH ist. Ihr spezialisiert und spezialisiert Euch. Haltet Euch dann für hervorragende Expert*innen auf Eurem Gebiet und merkt nicht, dass Ihr zu eindimensional unterwegs seid und den Blick aufs Ganze verloren habt.

Ihr macht Euch lustig über Medizinsysteme, die Ihr für „primitiv“ oder „unwissenschaftlich“ haltet. Ob Schamanismus, TCM, Ayurveda, Homöopathie, Anthroposophie, Reiki, „Geistheilung“, biophysikalische Methoden usw., Ihr neigt dazu, all das zu belächeln. Als nicht belegt oder Humbug abzutun. Ihr merkt dabei nicht, dass Ihr mit dem, was Ihr für „wissenschaftlich“ haltet, bei Descartes und Darwin hängen geblieben seid. Dass Ihr grundlegende physikalische Erkenntnisse der letzten hundert Jahre vollständig ignoriert, weil sie nicht in Euer Weltbild passen. Ihr geht immer noch davon aus, dass Euer materialistisches, mechanistisches Weltbild die „Wirklichkeit“ widerspiegele. Und weigert Euch beharrlich, alle Evidenz dagegen auch nur zur Kenntnis zu nehmen.

Ihr seid fasziniert von Genetik und gebt Milliarden aus für Biotechnologie und die Erforschung von Antitumormitteln sowie von Impfstoffen, die an den Genen ansetzen. M-RNA, das ist gerade das Zauberwort für Eure Corona-Impfung. Ihr ignoriert dabei, dass die Epigenetik seit längerem zeigt, dass es die Umgebung ist, die über die Genexpression bestimmt – und nicht umgekehrt. Zytoplasma, wohl auch Darmflora und natürlich die Psyche. Es ist das „Milieu“, das in den meisten Fällen über Gesundheit oder Krankheit entscheidet. Die von Euch so verlachten medizinischen System wussten / wissen das alle.

All diese System bezogen Weisheit und Beobachtung in ihr Wissen ein. Ihr hingegen lehnt alles ab, was mit Bewusstsein, Weisheit, innerem Wissen zu tun hat, mit der Begründung, es sei nicht wissenschaftlich, weil man es nicht messen könne.

Ehrlich gesagt kommt mir Eure Wissenschaft so vor, als würdet Ihr ein Buch lesen, indem Ihr gewissenhaft jeden Buchstaben auf jeder Seite zählt und vermesst. So dass Ihr am Ende des Buches haargenau sagen könnt, wie oft welcher Buchstabe vorkam. Wie groß die Buchstaben jeweils waren, wie breit, welche Schriftart und wie viel Druckerschwärze welcher Qualität sie enthielten. Und vielleicht würdet Ihr noch eine Schätzung abgeben, wie lange es etwa brauchen werde, bis die Buchstaben auf dem Papier verblassten – und was man ggfs. dagegen tun könne.

Nur den Inhalt des Buches und die enthaltenen Gedanken, die hättet Ihr nicht bemerkt oder für irrelevant gehalten … . Schließlich konntet Ihr die nicht messen.

Wäre es nicht an der Zeit, das System wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen?

Liebe Mediziner*innen für Patient*innen wie mich ist es nicht so wichtig, ob „das Kind einen Namen hat“, wie Ihr mit Eurer ausgeklügelten Diagnostik oft zu glauben scheint. Denn diese Diagnostik dient selten der Ursachensuche, sondern der Auswahl der für diese Diagnose vorgesehenen Medikamente. Ich pfeife auf „leitliniengerechte“ Medizin (ich weiß, dass dürft Ihr nicht einfach tun, sonst bekommt Ihr erhebliche Unannehmlichkeiten). Diese „Leitlinien“ finde ich im Gegenteil sehr problematisch, weil sie im Prinzip vorschreiben, dass jeder Mensch mit gleichen Symptomen gleich behandelt werden müsse. Die bei Descartes und seiner Maschinenvorstellung des Menschen hängen gebliebene Medizin…. .

Liebe Mediziner*innen, Ihr könnt natürlich fragen, warum ich Euch überhaupt aufsuche, wenn ich das, was Ihr zu bieten habt, nicht will. Tatsächlich suche ich Euch inzwischen auch normalerweise nicht mehr auf, weil mir Euer Angebot eben so begrenzt erscheint.

Aber der Punkt ist: Ich HÄTTE ja durchaus gerne Hilfe. Denn ich habe natürlich auch sehr sehr viele „alternative“ Heilmethoden ausprobiert, arbeite viel an meinem Bewusstsein, mit Ernährung ohnehin schon seit sehr vielen Jahren, habe Ausbildungen mit verschiedenen gesundheitlichen Ansätzen selbst absolviert – und habe dennoch DEN Schlüssel, mit dem ich die vor vielen Jahren erfolgte „Fehlprogrammierung“ in meinem System rückgängig gemacht bekomme, (noch) nicht gefunden. Entgegen der schulmedizinischen Prognosen bin ich immer noch überzeugt, dass ein solches Rückgängigmachen prinzipiell möglich ist. Und ich würde mir von Euch, liebe Mediziner*innen eben auch immer noch wünschen, dass Ihr genau in diese Richtung Eure künftigen Forschungsbemühungen lenkt.

Ja genau: In Richtung Bewusstsein, Energiekörper, Chakren, Frequenzen, Wasserstrukturen in lebenden Systemen, Energiequalitäten, Zusammenwirken von Psyche und Körper usw. Warum nur sind viele von Euch immer noch so verbohrt und ignorant, all das so pauschal abzulehnen?

„Eine psychosomatisch wirkende Therapie? Das ist doch nichts für Sie! Sie sind doch RICHTIG krank.“

Auch das ist ein wörtliches Zitat eines Arztes, der diese Aussage mit einem Gesichtsausdruck verband, als habe er mir ein Kompliment gemacht. Wenn ich der Meinung bin, dass meine Erkrankung auch etwas mit meiner Psyche zu tun hat, bin ich FALSCH krank??

Warum denkt Ihr immer noch, dass Psyche und Körper voneinander getrennt zu behandelnde Gebilde und alles, was mit der Psyche zu tun hat, irgendwie peinlich sei???

Und mit so etwas wie Chakren brauche ich Euch in aller Regel natürlich schon mal gar nicht zu kommen.

Liebe Mediziner*innen, merkt Ihr nicht, dass Ihr Euch mit dieser mauernden Einstellung von Teilen der Bevölkerung immer weiter weg bewegt? Ihr habt bei chronischen Erkrankungen wenig zu bieten. Und Ihr weigert Euch, das zu ändern? WARUM?

Ursachen?

Ja, es stimmt, Ihr habt in der Tumortherapie in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte erzielt und Ihr seid – zu Recht – stolz darauf. Aber der eigentlichen Frage, WARUM Tumorerkrankungen und Autoimmunerkrankungen seit Jahren so dramatisch zunehmen, der geht Ihr aus dem Weg. Stattdessen tut Ihr so, als sei Euer (Entschuldigung!) blödes Corona die Seuche des Jahrtausends, in deren Bekämpfung jetzt alle Anstrengungen gerichtet werden müssten. Haltet Ihr Tumor- oder Autoimmunerkrankungen für harmloser und weniger belastend als eine COViD-19-Erkrankung??? Was soll dieses Theater?

Müsstet Ihr Eure Anstrengungen und Forschungsbemühungen nicht viel mehr auf die Suche der möglichen Ursachen von Krebs und sonstigen schwerwiegenden Erkrankungen des Immunsystems richten, wenn Ihr der Menschheit wirklich einen großen Dienst erweisen wollt? Ihr behauptet zu wissen, was zumindest NICHT für die Zunahme dieser Erkrankungen verantwortlich sein könne: z.B. Impfungen, Zunahme elektromagnetischer Strahlung, 5G. Aber es sind Behauptungen, die mit „Wissenschaft“ nichts zu tun haben. Sie halten Euren eigenen wissenschaftlichen Standards nicht stand. Wieso wundert Ihr Euch, dass Menschen wie ich Euch diese Behauptungen nicht einfach so glauben?

Ja, ich weiß, Ihr seid eingebunden in die Zwänge von Pharmaindustrie, Gesundheitspolitik (die in Wahrheit Wirtschaftspolitik ist), und sonstigen wirtschaftlichen Vorgaben. Und dennoch: IST ES NICHT OFT AUCH EUER DENKEN, das Euch begrenzt? Und das eine echte Kommunikation mit Menschen wie mir nahezu unmöglich macht?

Liebe Mediziner*innen, die meisten von Euch WOLLEN doch helfen. Wieso weigert Ihr Euch dann so sehr, Euch in eine Richtung zu öffnen, die Euch bisher noch fremd ist? Wieso weigert Ihr Euch, wenigstens in Erwägung zu ziehen, dass genau dort vielleicht das wahre Potential für die Medizin der Zukunft liegen könnte???

abc-Etüden

Nachdem ich jetzt schon so viele schöne Geschichten unter den „abc-Etüden“ gelesen habe, habe ich Lust bekommen, auch selbst mitzumachen. Hier also mein Debüt zu der Wortspende: „Pilze – traurig – schlafen“

Langsam entspannte er sich, als der moosige Duft des Waldes ihn umfing. Er wusste, wo er finden würde, was er suchte, aber er ließ sich Zeit. Genoss das Geflüster des Waldes und hielt Zwiesprache mit den dortigen Wesenheiten. Entschuldigte sich bei ihnen für das, was er gleich zerstören würde. Er fand, das gehörte dazu. 

Es dämmerte bereits, als er Nachhause zurück kehrte. Seine Frau erwartete ihn schon. Schlecht gelaunt wie immer in den letzten Wochen, seit … . Bald würde er sich darüber keine Sorgen mehr machen müssen, dachte er, während er in die Küche ging. Mit einem kurzen Lächeln zu seiner Frau versuchte er zu kaschieren, wie viel Ekel er empfand, wenn er daran dachte, was er in Kürze mit ihr machen würde. Mit viel Sorgfalt bereitete er das Rezept für sie zu. 

Nach dem Abendessen beobachtete er sie gespannt. Wie würde die Wirkung sein? Würde er eine deutliche Reaktion an ihrer Haut sehen? Würde sie vielleicht ein Kribbeln spüren? 

Drei Stunden später: NICHTS. Keine Reaktion. Sie gingen zu Bett. Traurig spürte er, wie sie neben ihm weinte. Auch er konnte nicht schlafen .

Er hatte sich so viel Mühe gegeben. Aber das mit viel Liebe zubereitete Eichenblättergerbsäurefußbad hatte ebensowenig geholfen wie alles andere, was sie schon gemeinsam probiert hatten. Würde denn nichts helfen gegen diese verdammten Fuß-Pilze, die sie sich vor 4 Wochen im städtischen Schwimmbad zugezogen hatte?!

Bedürfnisse

Künstlerin: Dörte Müller

Es handelt sich hier um einen Nachtrag zu meinem Beitrag: Warum versuchen wir es nicht mal mit Kommunikations-Regeln statt mit Corona-Regeln?“

Es ist mir jetzt doch ein Bedürfnis…, noch einmal meine Bedürfnisse ausdrücklich zu benennen, die meine Haltung in dieser Corona-Geschichte prägen:

  1. Ich hätte das Gefühl haben wollen, zu Dingen, die das (Zusammen)Leben relativ stark beeinflussen, in den öffentlich rechtlichen Medien neutral, sachlich und ausgewogen informiert zu werden. Dazu hätte für mich z.B. gehört, dass man die täglich als „Infektionszahl“ veröffentlichte Zahl positiver Testergebnisse immer ins Verhältnis setzt mit der Anzahl der insgesamt an diesem Tag Getesteten. Die bloße Zahl der positiven Testergebnisse ermöglicht keine Aussage zum Infektionsgeschehen. Dazu hätte für mich auch gehört, dass man nicht pauschal von „Tausenden Toten“ spricht, die an dem Virus gestorben seien, sondern auch hier die Zahlen ins Verhältnis setzt. Also z.B.: In den 6 Monaten mit SARS-CoV2 in Deutschland sind unter den rund 450.000 insgesamt in diesem Zeitraum in Deutschland Verstorbenen rund 9.000 Verstorbene, die das Virus in sich trugen. Ob sie an (und nicht nur „mit“) dem Virus verstorben sind, ist bekannt bei … % Der Altersdurchschnitt verteilt sich wie folgt: …; bei … waren folgende Vorerkrankungen bekannt…. . Bei … % sind Beatmungen erfolgt. Beatmungen erfolgen bei CoVid-19 nach folgenden Kriterien … (Letzte Aussage fände ich deshalb wichtig, weil nach Kritiker*innen bei COVID-19 zu oft und zu schnell und damit auch zu lange beatmet wird, was für die Betroffenen u.U. ein höheres Risiko darstelle, als die Erkrankung an sich.)
  2. Ich hätte das Gefühl haben wollen, dass vor weitreichenden politischen Entscheidungen, die unser aller Leben treffen, verschiedenste Expert*innen aus unterschiedlichen Richtungen angehört werden. Und dass man in diesen Runden in sachlichen unaufgeregten Gesprächen offen diskutiert, welche Maßnahmen in der Situation sinnvoll und gut sein könnten. Und die Ergebnisse entsprechend öffentlich kommuniziert und begründet.
  3. Ich hätte nicht das Gefühl haben wollen, dass in dieser Sache von Beginn an medial in großem Stil Angst geschürt wird, und verbal mit Beschimpfungen und mehr oder weniger passenden Zuschreibungen Stimmung gemacht wird gegen Andersdenkende. So dass sich das Aggressionspotential auf beiden Seiten ständig weiter erhöht hat.
  4. Ein weiteres Bedürfnis von mir ist, meine Sauerstoffzufuhr nicht durch eine Maske vor meinem Gesicht erheblich behindern zu müssen. So etwas bewirkt bei mir leichte Panikanfälle und ist bei meiner ohnehin bestehenden schweren Autoimmunerkrankung für mich ein großes zusätzliches Erschwernis. Auch möchte ich gerne mal wieder das Lächeln meiner Mitmenschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln sehen … ;-).
  5. Ja, und mir ist es auch ein großes Bedürfnis, mein ohnehin überschießendes Immunsystem nicht durch eine Impfung zusätzlich reizen zu müssen – mit für mich unabsehbaren Folgen. (Bei der bisherigen offiziellen Rhetorik zu Corona, halte ich die Einführung der Pflichtimpfung leider für mehr als wahrscheinlich.)
  6. Und schlussendlich ist es mir ein Bedürfnis, dass in dieser Welt auch eine andere Haltung möglich wird: Eine Haltung, die Viren und Bakterien nicht pauschal als „böse“ und zu bekämpfen ansieht, sondern als etwas, was zu unserem Leben dazu gehört. Bakterien ermöglichen uns überhaupt erst unser Leben und auch längst nicht jedes Virus ist einfach nur schädlich. Im übrigen leben wir bekanntermaßen seit langem mit Corona-Viren und auch COVID19 wird uns wohl weiter begleiten.