Ein kleiner Pieks. Zuallererst nicht schaden?

Künstlerin: Dörte Müller

Wir Menschen sind sterblich. Wir werden aber nicht gerne daran erinnert. Die Bilder, die uns bei Verbreitung eines Virus wie Ebola oder jetzt Corona regelmäßig erreichen, tun genau das: Menschen in Schutzanzügen, die den Menschen darin nur noch erahnen lassen. Bilder von überfüllten Krankenhäusern. Gräber. Trauernde Angehörige. Zwar war Corona in den meisten Verläufen längst nicht so dramatisch wie Ebola, aber plötzlich auch hier bei uns „heimisch“ und nicht „nur“ in Afrika oder Asien. Also herrschten ebenso plötzlich Panik und Hysterie hier bei uns.

Infektionskrankheiten lösen bei vielen Menschen ganz offensichtlich besondere Ängste aus. Anders als andere „vorzeitige Todesarten“ wie z.B. durch Krieg, über mit Pestiziden verseuchtes Trinkwasser, Luft- und Bodenverschmutzung, Medikamentenfehlgebrauch, denaturierte Industrienahrung, Verkehrstote usw. erscheinen Infektionen nicht Menschengemacht. Menschengemachte Tote akzeptieren wir.

Aber Viren?! Die scheinen aus der Natur zu kommen und nicht von uns. Heimtückisch und gemein. Viren sind böse. Die bekämpfen wir mit allem, was wir haben. Denen erklären wir den „Krieg“, denn Kriege mögen wir. Kriege finden wir zumindest völlig normal.

Tatsächlich sind Viren nicht per se böse. Und auch bei potentiell schädlichen Viren kommt es auf viele verschiedene Ursachen an, ob man sich ansteckt, und wie schwer man ggfs. daran erkrankt. Diese anderen Ursachen interessieren aber niemanden, denn dann müsste sich an unserem Lebensstil vieles grundlegend ändern. Außerdem sind solche Überlegungen den meisten Menschen viel zu komplex.

Und wozu haben wir schließlich die Wissenschaftler? Wir leben in einem Wissenschaftsstaat. Die Wissenschaft hat bei uns den höchsten Status, den es zu vergeben gibt. Wissenschaftlern glaubt man, Wissenschaftlern vertraut man. Das sind schließlich Experten. Die werden es richten!

Unsere Medizin unterliegt schon lange einem Machbarkeitswahn, der gar nicht so selten dazu führt, dass Menschen mit Behandlungen zu Tode gebracht werden, obwohl sie ganz ohne medizinische Behandlung oder mit minimalen Interventionen deutlich bessere Chancen gehabt hätten. Auch bei einigen der „Corona-Toten“ dürfte das eine Rolle gespielt haben. Unsere Medizin sieht es als Versagen an, einen Menschen nicht zu behandeln. Man macht daher im Zweifelsfall eher Unsinniges, als gar nichts. Tatsächlich erwarten die meisten Menschen auch eine Behandlung und Medikamente, wenn sie zum Arzt oder gar in die Klinik gehen. „Zuallererst nicht schaden“ gilt daher in der heutigen Medizin nicht mehr viel. „Machen“, das ist die Devise in unserer Yang-dominierten Welt (Yang aus dem chinesischen Yin-/ Yang-Symbol).

Die Wissenschaft sieht es (verständlicherweise) als Ansporn an, einen Impfstoff und Medikamente gegen Covid 19 zu entwickeln. Der Politik erscheint es (für mich deutlich weniger verständlicherweise) als selbstverständlich, dass dies gelingt. Es werden viele Milliarden Steuergelder dafür zur Verfügung gestellt (was hätte man damit alles Sinnvolleres machen können…, seufz). Schließlich wollen wir endlich zurück zur „Normalität“. „Normalität“, das bedeutet, alles so weiter machen, wie bisher. Lehren aus der Anfälligkeit für so einen Virus? Sich anschauen, was genau die Ursache für eine erhöhte Sterblichkeit an dem Virus in bestimmten Ländern war? Eher nicht. Wir werden ja die Impfung bekommen. Und wenn der Virus mutiert oder in zwei Jahren der nächste um die Ecke kommt, dann sind wir ja in der Impfstoffforschung schon viel weiter und bestimmt noch viel schneller, als jetzt.

Bereits bei Covid 19 werden die Impfstoffstudien in geradezu beängstigender Geschwindigkeit durchgepeitscht. Sicherheit? Aber natürlich! Ich persönlich halte es für höchstwahrscheinlich, dass das Paul-Ehrlich-Institut irgendeinen Impfstoff in nicht allzu ferner Zeit für „sicher“ erklären wird. Der Druck ist einfach zu groß … .

Wann gilt eine Impfung als „sicher“? Wenn das Immunsystem der Geimpften ausreichend (wie auch immer man das definiert) Antikörper gegen den Virus produziert. [Für die Impfstoffforschung scheint man 100 % funktionierende Antikörpertests zu haben, die ja ansonsten (für all die Personen, die die Erkrankung bereits hatten) irgendwie nicht zur Verfügung stehen.] Und: Wenn die Geimpften keine schweren Nebenwirkungen aufweisen. Gemeint sind Nebenwirkungen, die unmittelbar im Zusammenhang mit der Impfung auftreten. Unerwünschte Wirkungen, die später kommen, werden nicht einbezogen, denn sie können ja nicht zwingend kausal ausschließlich auf die Impfung zurück geführt werden.

Das ist die Praxis bei jeder „sicheren“ Impfung bisher. Ich höre das immer wieder: „Machen Sie sich keine Sorgen. Die Impfung ist sicher, und gerade Sie mit Ihrem problematischen Immunsystem würden davon besonders profitieren.“ Aha.

WIRKLICH???

Tatsächlich bin ich natürlich jahrelang vorschriftsmäßig geimpft worden und auch als Erwachsene war ich durchaus froh, vor einer Fernreise noch eine Impfung gegen auf mich dort möglicherweise zukommende Erreger zu erhalten. Ich hatte direkt nach einer Impfung nie Probleme. Nicht einmal die berühmte „Rötung an der Einstichstelle“. Impfungen erschienen mir sinnvoll und segensreich. Ich sah gar keinen Grund, die entsprechenden Behauptungen der „Experten“ zu hinterfragen und hatte zudem auch keine Zeit, mich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Ich „glaubte“. Und das trotz eines aufgrund meiner schweren Autoimmunerkrankung mit Medikamenten unterdrückten Immunsystems. Denn auch bezüglich dieser Medikamente vertraute ich damals der Medizin.

Leider haben diese Medikamente keine heilende Wirkung, … aber eine Reihe schwerer Nebenwirkungen. Heilende Wirkung können die verfügbaren Medikamente nicht haben, und seien sie noch so „modern“, denn man kennt die Ursache der Autoimmunerkrankungen nicht.

Niemand. Kein einziger Experte auf dieser Welt.

Man weiß nicht, warum diese Erkrankungen zunehmen. Ebenso wie Tumorerkrankungen und teilweise Allergien. Es sind alles Erkrankungen, die mit dem Immunsystem zusammenhängen.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Ursachen aller dieser Erkrankungen und die Ursachen ihrer Zunahme sind keinem einzigen Experten dieser Welt bekannt!

Was weiß „die Wissenschaft“ heutzutage über das Immunsystem? Sie weiß eine Menge über bestimmte Stoffe und Faktoren im Blut, die mit dem Immunsystem zusammenhängen – und wie man früher dachte, dieses ausmachen. Man weiß inzwischen, dass das zu kurz gesprungen ist. Erheblich zu kurz. Man weiß, dass die Darmflora eine wichtige Rolle für das Immunsystem spielt. Man weiß nur nicht so genau, welche. Man weiß, dass das Nervensystem eine wichtige Rolle spielt. Man weiß nur nicht genau, welche. Man weiß, dass Stress ein entscheidender Faktor ist. Man weiß, dass das Knochensystem auf das Immunsystem wirkt und umgekehrt. Um genau zu sein, hängt bei unseren körperlichen Systemen jedes mit jedem zusammen. Irgendwie. Nur wie, weiß niemand bisher.

Unsere Wissenschaftler sind gut darin, sich Details anzuschauen – und oft erschreckend schlecht darin, das Große Ganze zu sehen. Das Zusammenwirken. Die Kooperation innerhalb unseres Körpers. Also genau das, was man mit einem Eingreifen von außen oftmals eher behindert oder gar zerstört.

Was bedeutet das für Impfungen?: Man weiß nicht – man kann es gar nicht wissen -, was eine Impfung wirklich im Körper bewirkt auf längere Sicht, über die erwünschte Produktion der Antikörper hinaus!!!

Umso dramatischer erscheint es mir, dass die meisten Impfungen mit „Hilfsstoffen“ gestreckt sind. Dabei handelt es sich um für den menschlichen Körper giftige und schädliche Stoffe, die sicherstellen sollen, dass der Körper auf das mit der Impfung zugeführte abgeschwächte Antigen (das ist jetzt etwas vereinfacht, es gibt verschiedene Formen von Impfungen) wie gewünscht reagiert und möglichst viel Antikörper produziert.

Mit den meisten Impfungen werden dem Körper also Giftstoffe zugeführt (früher gerne Stoffe wie Quecksilber oder Aluminium, heute nimmt man weniger in Verruf geratene), die sich dort anreichern.

Kann es wirklich eine gute und völlig harmlose Idee sein, Giftstoffe ins Blut zu spritzen? Auch schon bei Kleinstkindern, deren Immunsystem noch gar nicht ausgebildet ist? Ein Immunsystem, das von der Natur sehr fein austariert ist und sich zunächst über die Vaginalbakterien der Mutter bei der Geburt, das Stillen und später über das in den Mund nehmen verschiedenster Substanzen durch das Kleinkind langsam aufbaut. Es entwickelt sich also in erster Linie über orale Stimulation. Giftstoffe im Blut dürften das sich entwickelnde System eher irritieren, als wirklich hilfreich zu sein. Zum Glück stecken unsere Körper recht viel weg…

Und all diese Impfungen bei jedem? Nach festgelegten Impfschemata – ohne Ansehen der Person und der individuellen Konstitution? Ist das nicht eigentlich ein Kunstfehler?

Wie ist es mit den Autoimmunerkrankungen? Vielleicht ist das Immunsystem bei empfindlichen Menschen wie mir, nach etlichen Impfungen irgendwann so aufgeputscht, weil es so oft mit Giftstoffen „hochgefahren“ wurde, dass es das „Runterfahren“ verlernt hat. Und nur noch ein kleiner sonstiger Reiz, z.B. Stress ausreicht, damit es sich dann plötzlich gegen alles Mögliche wendet, auch gegen körpereigene Stoffe???

Vielleicht hatte jemand mit einer Birkenpollenallergie das Pech, nach irgendeiner Impfung zufällig an einer blühenden Birke vorbei gegangen zu sein. Und sein gerade mit Giftstoffen aufgeputschtes Immunsystem „wusste“ schlicht nicht, dass es nur gegen den mit der Impfung gemeinten Krankheitserreger Antikörper bilden sollte und nicht gegen die eingeatmeten Birkenpollen, die vom System ebenfalls als „fremd“ erkannt wurden?

Ist das wirklich ausgeschlossen??? Das Paul-Ehrlich-Institut sagt: „Ja, wir haben langjährige Erfahrungen.“ Aha. Aber leider nur rudimentäres Wissen über das Immunsystem als Ganzes. Und keinerlei Erklärung für die Zunahme von Autoimmunerkrankungen.

Ich behaupte nicht, dass Impfungen DIE Ursache für Autoimmunerkrankungen sind. Aber ich halte es für nicht unwahrscheinlich, dass sie EINE Ursache sind. Fast alle Erkrankungen dieser Welt beruhen auf verschiedenen Ursachen. Und ich wünschte mir, dass man hier wirklich unvoreingenommene Forschung und Debatten zulassen würde. Bisher tut man das nicht. Als Arzt eine Impfung kritisch zu hinterfragen, wird vielfach berufsrechtliche Folgen haben, mindestens aber Karriereeinbrüche.

Aus meiner Sicht gibt es durchaus Impfungen, die sinnvoll sind. Zum Beispiel bei Tetanus würde ich das im Grundsatz bejahen. Aber auch dort nicht in standardmäßig festgelegten Abständen, die bei jedem gleich sind. Meine letzte Tetanus-Impfung ist z.B. rund 15 Jahre her. Ich habe mich deshalb mit meiner Ärztin geeinigt, in dem Fall meinen Antikörpertiter bestimmen zu lassen. Er war äußerst hoch. Bei meinem aufgeputschten Immunsystem war ich nicht überrascht. Mit einer erneuten Impfung hätte ich mir und meinem Körper ganz sicher nichts Gutes getan.

Ich bin froh, dass die Politik eine Impfpflicht gegen Corona bisher vollmundig ausgeschlossen hat – und durchaus dankbar für die Demonstrationen und Proteste, die diese Aussage zur Folge hatten. (Auch wenn ich nicht gerade jeden, der auf diesen Demonstrationen mitlief, in meinem Freundeskreis würde haben wollen.) Ich hoffe sehr, dass man sich an diese Aussage auch dann halten wird, wenn sich wider Erwarten doch nicht genug Freiwillige für eine Impfung finden. Und dass es dann nicht plötzlich eine Impfpflicht durch die Hintertür gibt, indem man nur Geimpfte zu Institutionen, Veranstaltungen usw. zulässt. Die Masernimpfpflicht für Zugang zu Kitas und Schulen gibt da leider ein sehr unrühmliches Beispiel. Diese Impfpflicht war von einer massiven Kampagne in den öffentlichen Medien vorbereitet worden, die mich sprachlos zurück ließ. Impfskeptiker wurden pauschal diffamiert und herabgesetzt, teilweise übel beschimpft. Ein totes Baby, das vermutlich nicht an, sondern mit Masern gestorben war (ähnlich wie bei vielen Menschen mit Corona), wurde genutzt, um Emotionen zu schüren und die Masern zu einer der gefährlichsten Erkrankungen überhaupt zu stilisieren. Dass die Zahlen das nicht wirklich hergeben, war egal. Eine sachliche Diskussion ohnehin nicht möglich.

Es war keine Sternstunde der Demokratie, der Medien und aus meiner Sicht auch nicht der Wissenschaft. Jedenfalls nicht einer Wissenschaft, die dem Motto folgt:

ZUALLERERST NICHT SCHADEN!!!

Annehmen

Künstlerin: Dörte Müller

Seit gut 30 Jahren habe ich nun „meine“ chronische Autoimmunerkrankung. Viele Jahre habe ich starke Medikamente genommen, um weiter „zu funktionieren“. – Die Erkrankung wurde schlimmer. Dann habe ich beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Und habe zig Dinge im sogenannten alternativ medizinischen Bereich ausprobiert.

Oft hatte ich in den letzten Jahren das Gefühl: Jetzt! Jetzt habe ich endlich den richtigen Ansatzpunkt! Die Schmerzen gingen deutlich zurück, die Beweglichkeit nahm zu. Das musste gefeiert werden. Ich habe es gleich allen erzählt, mich im Fitnessstudio angemeldet oder sonst irgendwas geplant, was ich jetzt endlich wieder würde machen können.

Tja, und dann kamen jedes Mal nach kurzer Zeit wieder diese „Schmerzschüsse“. Manchmal schon am nächsten Tag. Aus völlig heiterem Himmel. Wieder ging nichts mehr. Wieder der absolute Frust.

Gleichzeitig werde ich ständig kraftloser. Das ständige „gegenan“ gehen kostet mich unglaublich viel Kraft.

Wie oft habe ich gelesen, gehört oder mir auch selber gesagt: „Du musst die Erkrankung annehmen! Es nutzt nichts dagegen anzukämpfen.“ Ich wusste einfach gar nicht, wie. Wie soll man oder frau denn so eine Erkrankung „annehmen“? Mich „in mein Schicksal ergeben“?, sozusagen passives Opfer? Nein, geht gar nicht! Und überhaupt, ich WILL die Erkrankung schließlich weghaben. Was denn sonst?

Vor zwei Tagen kam jemand zu Besuch. Der hatte einen anderen Ansatzpunkt. Einen sanften. Es gehe nicht ums wegmachenwollen. Sondern um einen sanften Impuls, der meinem vor vielen Jahren „aus der Ordnung“ geratenen System helfe, sich wieder in Richtung der ursprünglichen Ordnung auszurichten. Und die Natur brauche nun einmal Zeit. „Ja, stimmt“ dachte ich mir. Ich war an die Behandlung meiner Erkrankung im Prinzip genauso herangegangen wie die von mir für die Behandlung von chronischen Erkrankungen eigentlich als ungeeignet angesehene Schulmedizin das tut: Alles probieren, um nur bloß möglichst schnell diese äußerst unangenehmen und störenden Symptome loszuwerden.

Und dann wurde mir plötzlich auch klar, was das eigentlich heißt: „Annehmen“ statt „bekämpfen“. Denn tatsächlich hilft mir die Erkrankung ja dabei, geistig seelische Themen zu erkennen, die bearbeitet und gelöst werden wollen. Und es ist eben nicht nur ein Thema. Vieles habe ich schon bearbeitet und Einiges gelöst. Das weiß ich. Aber, wenn dann doch wieder heftige Symptome da sind, dann heißt das eben auch: „Da ist noch was, was gelöst werden will“. Wie eine Zwiebel, Schicht für Schicht. Und insofern hat die Erkrankung wirklich auch etwas sehr Positives. Sie ist eine Art Warnmeldesystem, das mir sagt, „hey, nicht zudecken und weiter so, sondern hinschauen und bearbeiten“!

Also eine echte Hilfe für geistig seelisches Wachstum. Und ist es nicht genau das, worum es in dieser Welt geht? Möglichst glücklich zu sein – und geistig-seelisches Wachstum anzustreben?

In diesem Sinne wünsche ich allen Leser*innen meines Blogs ein geistig – be-Sinn-liches Weihnachtsfest.

Diese Welt ist eine sichere, oder? -Oder nicht?

Künstlerin: Dörte Müller

Während ich mehr oder weniger geduldig warte, dass sich meine Körperstatik wieder verbessert (s. meine Beiträge zum Atlaswirbel), mache ich natürlich auch noch vieles andere für meine Gesundheit. Ich experimentiere mit kleinen Mengen Wasserstoffperoxid und mit Wasserstoffwasser. Ich arbeite mit Phantasiereisen, Familienaufstellung etc., und ich werde nochmal einen neuen Homöopathieversuch machen. Vor allem arbeite ich aber an den geistig seelischen Hintergründen meiner Erkrankung:

Es gibt bei Autoimmunerkrankungen gewissermaßen nahe liegende Themen, wie unterdrückte Wut (oft schon über mehrere Generationen im Familiensystem) und starke – aber ebenfalls unterdrückte – Autonomiebestrebungen. Wenn man die Symbolik der Erkrankung betrachtet, kann man beide Themen herauslesen: Das Immunsystem möchte das „Selbst“ aggressiv schützen, kann aber zwischen „eigen“ und „fremd“ nicht mehr unterscheiden. Man will Autonomie, weiß aber nicht wie. Die Wut richtet sich nicht nach außen, sondern der „Kampf“ spielt sich im eigenen Körper ab.

Aus meiner persönlichen Sicht steht dahinter im Grunde das Thema „Sicherheit“. Und dieses Thema hat aus meiner Sicht nicht nur mit meiner Erkrankung, sondern auch mit der politischen Lage weltweit und damit auch mit dem Zustand unseres Planeten eine Menge zu tun.

Warum? Nun, meine Eltern z.B. gehören zu der Generation, die den zweiten Weltkrieg als Kinder noch erlebt haben, inklusive Flucht / Vertreibung, also Verlust der Heimat und des gesamten Besitzes. Meine Großeltern haben auch den ersten Weltkrieg noch erlebt. Die Welt war für meine Vorfahren von frühester Kindheit an eine zutiefst unsichere und beängstigende. Ähnlich, wie auch heute noch in allen Kriegs- und Krisengebieten. In der Nachkriegszeit galt also alles Bestreben dem Thema Sicherheit: Zuvorderst ein sicherer Arbeitsplatz (ob der den eigenen Neigungen entsprach, war unwichtig), eine bescheidene aber eigene Wohnung. Der Versuch, so viel wie möglich zu sparen, um den Kindern den Start in eine sicherere Zukunft zu ermöglichen.

Was den Kindern vor diesem Hintergrund natürlich nicht vermittelt werden konnte, war das Gefühl von Sicherheit. Urvertrauen. Ein „Du lebst in einer sicheren Welt. Alles ist gut!“. Ganz im Gegenteil, indem die Sicherheit in Schutzmaßnahmen im Außen gesucht wurde, wurde implizit ganz klar vermittelt, dass die Welt an sich furchtbar unsicher und gefährlich ist, und man Angst haben muss, wenn man nicht sehr vorsichtig ist und sich gut schützt. Das ist völlig verständlich, da die Welt der Eltern und Großeltern ja auch genau so war.

Auch heute noch suchen sehr sehr viele Menschen die Sicherheit im Außen. In irgendwelchen „Schutzmaßnahmen“. Sie bauen Mauern, lehnen Flüchtlinge und Fremde ab – und geben oft an, das zum Schutz ihrer Kinder zu tun. Das erscheint gewissermaßen wie eine Verwechslung, denn sie geben ihren Kindern damit ihre Angst weiter – und eben gerade keinen echten Schutz. Keine Selbst-Sicherheit. Und schon gar nicht so etwas wie Gefühle von Geborgenheit und Glück. Auch das Bestreben der meisten Eltern, ihren Kindern zu einer möglichst „erfolgreichen“ Laufbahn zu verhelfen, damit sie in materiellem Wohlstand – und damit vermeintlich „sicher“ leben, hat aus meiner Sicht ihren Hintergrund in der von den Vorfahren erlebten Existenzangst.

Für Kinder, die Autonomie anstreben, ist das schwierig. Sie erleben, dass die wohlmeinenden und geliebten Eltern sie in eine Richtung drängen, in die sie eigentlich gar nicht selbst wollen. Sie bekommen vermittelt, dass Autonomie und „anders sein“ etwas ganz Gefährliches ist in dieser unsicheren Welt. Und irgendwann wissen sie gar nicht mehr, was sie eigentlich selbst wollen, welche Wünsche und Vorstellungen „eigen“ sind, und welche „fremd“. Sie sind sich ihrer selbst nicht (mehr) sicher. Sicher scheint nur zu sein, dass die Welt unsicher ist. Je nach Temperament kann es sein, dass Kinder diese Verwirrung nach außen tragen, oder nach innen und z.B. mit einer Autoimmunerkrankung reagieren.

Heutzutage gibt es Hunderte von Erziehungsratgebern, die einem sagen, dass es ganz wichtig ist, den Kindern von Geburt an (bzw. bereits in der Schwangerschaft) Urvertrauen und Sicherheit zu vermitteln. Und sie dann ab der Pubertät langsam ihren eigenen Weg gehen zu lassen, den man liebevoll begleitet, aber nicht zu lenken versucht. Für einen gelungenen und selbst-sicheren Start in das Leben, wäre das für Kinder tausendmal wichtiger, als noch so viel Geld auf dem Konto der Eltern.

Aber wie viele Eltern schaffen es schon, ihren Kindern dieses Sicherheitsgefühl mitzugeben? Ein Sicherheitsgefühl, das man in aller Regel selbst nicht hat?

Solange Eltern die Welt selbst als unsicher begreifen – und materiellen Wohlstand als Schutz vor dieser Unsicherheit ansehen -, werden wir diese Erde weiter ausbeuten. Kriege um begrenzte Ressourcen führen und einen Konsum weiter antreiben, dessen Ausmaß den Planeten zerstört. Leute werden Parteien wählen, die ihnen Sicherheit versprechen, indem sie Fremde ablehnen. In Wahrheit verstärken sie mit dieser Politik das Unsicherheitsgefühl ihrer Wähler. Denn plötzlich werden alle Fremden generell zu einer Bedrohung, vor der man Angst haben muss. Die Bereicherung, die fremde Menschen und Kulturen einem bieten, nimmt man dann gar nicht mehr wahr. Auch im Körper ist ja „fremd“ nicht automatisch gefährlich. Ganz im Gegenteil, beherbergen unsere Körper ja wohl mehr „fremde“ Mikroorganismen als „eigene“ Zellen und könnten ohne diese hilfreichen Winzlinge auch gar nicht überleben. Anders, als es in der Wahrnehmung vieler Menschen ist, sind Bakterien in aller Regel keine „unerwünschten Eindringlinge“ in die Integrität unseres Körpers, sondern für uns lebensnotwendige „Mitgeschöpfe“. Auch hier besteht viel Verwirrung.

Das Szenario eines Wohlstandsverlustes löst ohnehin in allen politischen Parteien Panik aus. Umweltschutz zulasten des Wirtschaftswachstums gilt als „no go“. Leider werden wir die Erde in nicht allzu ferner Zukunft zerstört haben, wenn wir so weiter machen. Eine Art Autoimmunerkrankung der gesamten Menschheit: Wir wissen, dass wir unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören, schaffen es aber nicht, damit aufzuhören. Lieber nehmen wir die Schmerzen in Kauf und versuchen, einen Teil der Symptome zu unterdrücken, als die Ursachen anzugehen. Denn man weiß nicht, ob das nicht noch schmerzhafter wäre.

Eine Verwirrung der Menschheit, die materiellen Wohlstand mit Glück verwechselt, weil sie ihr Sicherheitsgefühl verloren hat. Kriege sind menschengemacht. Aus meiner idealistischen Sicht könnten Menschen sich stattdessen auch ein Paradies erschaffen. Sie müssten sich nur tief im Innern sicher fühlen.