Corona: Gesprächsangebot einer Andersdenkenden

Künstlerin: Dörte Müller

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein Versuch, für mich die Hintergründe und Ursachen der sehr verschiedenen Bewertungen des Umgangs mit Corona zu beleuchten und zu verstehen. Ich hoffe, damit auch zum Verständnis meiner Sicht bei anderen beizutragen. Ich hole dabei etwas weiter aus, als man das bei dem Stichwort „Corona“ gewohnt ist und beschreibe verschiedene Stränge, die hier für mich eine Rolle spielen. Es ist meine Sicht und selbstverständlich muss niemand meine Bewertung und Wahrnehmung teilen. Wer bei dem Stichwort „Corona“ mit starken Ängsten oder sonstigen erheblichen Emotionen reagiert, sollte den Beitrag eher nicht lesen. Ich möchte niemanden verärgern. Mein Ziel ist im Gegenteil, mehr Verständnis zu schaffen. Über konstruktive Kommentare freue ich mich.

Die Bibel, Darwin und das Unterbewusstsein

„Macht euch die Erde untertan!“ Ich weiß noch, dass ich völlig entsetzt war, als vor vielen Jahren die Kanzlerin in einem Interview – gefragt nach ihrem Lieblingszitat aus der Bibel – diesen Satz nannte. Vielleicht war das für sie eine Möglichkeit, Christentum und Naturwissenschaft für sich zu verbinden. Ich weiß es nicht. Aber ich muss in letzter Zeit öfter daran denken, weil ich mich ja seit etlichen Monaten frage, warum die Corona-Politik so läuft, wie sie läuft. Inzwischen glaube ich, auch durch diese Blogs hier, das besser verstanden zu haben.

Ich stelle immer wieder fest, dass der überwiegende Anteil aller Menschen – zumindest in den Industrienationen – die Natur als etwas grundsätzlich Feindliches betrachtet. Auch mir ist das keineswegs fremd. So habe ich z.B. (eine mir unverständliche) Angst, von Tieren „angefallen“ zu werden; und eine Nacht alleine im Wald wäre mir unmöglich.

Wilde Natur scheint in dem Unterbewusstsein fast aller etwas Bedrohliches zu haben. Selbst bei Naturschützer*innen ist oft – zumindest unterschwellig – die Vorstellung da, die Natur einfach „machen zu lassen“, gehe nicht. Der Mensch könne es in jedem Fall besser. Und wenn der Mensch nicht eingreife, würde das verheerende Auswirkungen haben.

Entsprechend ist die als normal geltende Sicht auf Bakterien, Viren oder Parasiten, dass es sich um ganz widerliche „Waffen“ der Natur handele. Einen solchen „Angriff“ müssen wir selbstverständlich mit Gegenangriffen bekämpfen, um als Spezies zu überleben. Dass diese „Waffen“ der Natur für uns nicht unmittelbar sichtbar sind, macht sie noch heimtückischer.

Ich persönlich habe vor Viren und Bakterien relativ wenig Angst. Das dürfte in erster Linie der Tatsache zu verdanken sein, dass meine Mutter keine Angst davor hatte. Mir wurde eine entsprechende Angst daher nie, auch nicht unterschwellig, anerzogen.

Hinzu kommt aber, dass ich immer schon auch eine andere Stimme in mir gehabt habe. Die Stimme, die die Theorien Darwins bereits als Kind unlogisch fand. Die Stimme, die mir sagt „du bist ein Teil der Natur, und nicht GETRENNT von dieser„. Die Stimme, die dankbar ist für all wundervollen Gaben der Natur, und traurig, dass Menschen diese Gaben so wenig würdigen und stattdessen so oft zerstören. Weil sie meinen, die Erde wäre ihr „Untertan“.

Und diese Stimme wird lauter, je älter ich werde.

Das Gefühl der Trennung von der (als tendenziell böse wahrgenommenen) Natur ist aus meiner Sicht wesentlich ein Erbe der großen patriarchalischen Religionen und deshalb so verbreitet und auch in meinem Unterbewusstsein verankert. Darwin hat diese Religionen im Grunde durch einen neuen Mythos ersetzt und seine Ideen kamen (und kommen) bestimmten Interessen entgegen. Das macht seine Theorien vermutlich so langlebig. Sie wurden interpretiert als „survival of the fittest“, dienten der Rechtfertigung des „Rechts des Stärkeren“ und der Idee, dass es in dieser Welt zuvörderst um Konkurrenz und nicht um Kooperation geht. All das passte (und passt) in eine kapitalistische Welt.

Inzwischen gibt es zu meiner Freude jede Menge Bücher und Filme, die auf der Grundlage entsprechender Forschung, zeigen, dass in der Natur Kooperation evolutionär der wichtigere Faktor zu sein scheint. Und auch entsprechend verbreitet ist. Wir nur bisher zu selten den Blick dorthin gerichtet haben. Auch der Mensch ist ja, wie man inzwischen weiß, ein komplexes Kooperationssystem, das mehr Bakterien und sonstige Mikroorganismen beherbergt, als „eigene“ Zellen. Und ohne Bakterien auch gar nicht lebensfähig wäre.

Weil wir aber wissen, dass Bakterien auch krank machen können, sind wir ihnen gegenüber nicht etwa dankbar, sondern pauschal negativ eingestellt. Dabei ist bekannt, dass nicht ein Bakterium (oder Virus), sondern die Umgebung, die wir ihm bieten, bestimmt, ob (und wie sehr) es uns „krank macht“ oder nicht.

Aus meiner Sicht wäre es deshalb unbedingt sinnvoll, nicht ein Bakterium (oder Virus) zu „bekämpfen“, sondern für eine der Gesundheit förderliche Umgebung zu sorgen. Immer und überall. Aus meiner Sicht wäre es der Menschheit dienlich, den Fokus nicht auf das „gegen“, sondern auf das „mit“ zu legen. Mit der Natur. Und nicht mit riesigem Aufwand dagegen. Auch bei Corona.

Aus der gängigen Weltsicht heraus, befindet sich der Mensch in einem ständigen Überlebenskampf sowohl untereinander wie mit der Natur. Den Kampf mit der Natur hat er bisher nur deshalb überstanden, weil er dieser Natur kraft seiner Geistesgaben (wo auch immer die bei einem „Zufallsprodukt“ herkommen…;-)) überlegen sei. Das Virus ist nach dieser Wahrnehmung ein bedrohlicher Angriff aus der unberechenbaren und tendenziell feindlichen Natur, den man unbedingt „unter Kontrolle bekommen“ müsse.

Meine Sicht, wonach es eine Illusion ist, dass man ein Virus „unter Kontrolle bekommen“ könne, sondern mit ihm leben müsse, macht deshalb Angst. Das verstehe ich jetzt besser. Und auch, warum es der Politik in dieser Situation so schwer fällt, Hilflosigkeit und Ratlosigkeit zuzugeben. Das Gefühl von „Kontrollverlust“ weckt bei vielen Urängste. Die Illusion von Kontrolle ist bei den meisten von uns in fast jedem Lebensbereich erstaunlich ausgeprägt. Und ich verstehe, dass es beängstigend ist, wenn diese Illusion zerstört wird.

Mein Wunsch, statt einen Virus „zu bekämpfen“, den Fokus der Maßnahmen darauf zu legen, das Immunsystem des potentiellen „Wirts“ und die Natur zu stärken (indem man in diese weniger eingreift), das hieße wohl quasi „Kapitulation vor dem Feind“: Anzuerkennen, dass wir ein Teil der Natur sind, und es ein Irrweg sein könnte, sich die „Erde untertan zu machen“, weil der Mensch damit auf längere Sicht seine eigenen Lebensgrundlagen zerstört. Das wäre nicht einfach nur eine andere Corona-Politik, das wäre Revolution. Denn es wäre genau das Gegenteil von allem, was wir jetzt tun.

Keine Maßnahmen „gegen“ das Virus, sondern stattdessen Maßnahmen FÜR das Leben zu ergreifen, ist in der gängigen darwinistischen Weltsicht keine Option. Das wird mir inzwischen klar. Auch, dass die überwiegende Zahl der Menschen Maßnahmen einfordert, weil sie ihnen ein Gefühl der Sicherheit in einer als bedrohlich empfundenen Lage geben. Sie WOLLEN, dass der Staat, dass die Regierenden für sie „sorgen“. Und während ich sowohl die Masken, als auch die Schließung von Kulturstätten, die Verhinderung von Berufsausübung in vielen Branchen, von Tourismus, von Feiern (im Freien; gegen ein Feuerwerksverbot hätte ich allerdings nichts ;-)) oder Präsenzseminaren, das Schließen von Sportstätten, Cafés, usw. als „gegen das Leben“ empfinde – und damit als kontraproduktiv, sehen sie sie als wichtige Maßnahmen „gegen das Virus“. Und die Lage als so gefährlich, dass man keine Zeit verlieren dürfe, indem man erst lange das Für und Wider abwägt.

Die Haltung gegenüber „Autoritäten“

Viele suchen in dieser von ihnen als sehr beängstigend empfundenen Situation einer unsichtbaren Bedrohung, die jederzeit „zuschlagen“ kann, nach Leitlinien und Halt. Sie sind daher dankbar, wenn es „Expert*innen“ gibt, die diesem Wunsch nach Leitlinien nachkommen, und Regierende, die sich sicher zu sein scheinen, welchen „Expert*innen“ man vertrauen kann und welchen nicht.

Dass man seinen eigenen Gefühlen und Wahrnehmungen nicht vertrauen dürfe, sondern „Expertenwissen“ höher zu schätzen habe, ist in unserer Gesellschaft ohnehin Konsens.

Mir allerdings kommt eine solche Sichtweise so vor, als wäre ich einer Kirche gelandet, die von mir verlangt, das „überlegene Wissen ihrer Priester“ unhinterfragt zu akzeptieren. Und auch die Bewertung ohne wenn und aber zu akzeptieren, welche Priester*innen die „Wahrheit“ verkünden, und welche „Sektenführer*innen“ seien, die man meiden müsse.

Nur, ich mag das nicht einfach so akzeptieren. Viele Menschen finden es normal und selbstverständlich, „Obrigkeiten“ und „Autoritäten“ bedingungslos zu vertrauen. Andere sind da aus biografischen oder sonstigen Gründen weitaus kritischer. Bei mir ist es im Wesentlichen meine langjährige Beschäftigung mit Medizin. Bei der ich immer wieder darauf gestoßen bin, wie sehr hier finanzielle Interessen eine Rolle spielen, wie oft Verflechtungen und Interessen das Handeln bestimmen, und nicht der Leitsatz des Gemeinwohls. Das hat nichts damit zu tun, dass die Handelnden schlechte Menschen sind, sondern mit dem Bezahlungssystem in der Gesundheitspolitik und dem erheblichen Einfluss der Pharmaindustrie auf diesem Gebiet. Daher ist es für mich normal, mir medizinische Ratschläge immer auch unter diesem Gesichtspunkt anzuschauen und mir in jedem Fall verschiedene Meinungen und Experten anzuhören.

Ich vertraue nicht bedingungslos und entsprechend empfinde ich es als anmaßend und bevormundend, wenn Regierende sich wie „Eltern“ gerieren, die tief in mein Leben eingreifen und mir (notfalls mit Zwangsmitteln) sagen, was ich zu tun und zu lassen habe, mit der Begründung, dies sei „alternativlos“. Insbesondere dann, wenn sie behaupten, mich und alle anderen damit vor einer Gefahr schützen zu wollen, die ich als medial aufgebauscht und in Teilen konstruiert empfinde. (Dass ich das so empfinde, liegt natürlich auch an meiner grundsätzlich kritischen Haltung zu „Obrigkeit“.) Dann läuten bei mir Alarmglocken. Während andere diesen erzwungenen Schutz als fürsorglich ansehen und mich als „verantwortungslos“. Und vielleicht sehe ich mich hier auch tatsächlich zu wenig in der Verantwortung für andere.

Natürlich bin ich hier zudem auch inkonsistent. Denn auf anderen Gebieten hätte ich durchaus gerne mehr staatliche Eingriffe: Zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, damit dieser Planet auch künftig lebenswert bleibt. Nicht Eingriffe in das Leben Einzelner, sondern (weltweite) Vorgaben an die Wirtschaft, diesen Planeten nicht zu zerstören. Notfalls finanziell abgefederte Vorgaben. Corona zeigt für mich, hier geht Einiges, wenn man es denn politisch will.

Die Frage der Spiritualität

Hinzu kommt, dass die meisten Menschen (Darwin folgend) an eine zufällige Evolution glauben. Aus meiner Sicht tun sie das nicht, weil dies irgendwie wahrscheinlich wäre (das sich etwas so Komplexes, wie ein Mensch „zufällig“ gebildet hat, ist mathematisch unmöglich), sondern weil ihnen alles andere zu sehr nach den Religionen klingt. Und die hatten sie als aufgeklärte Menschen hinter sich zu lassen geglaubt. Die heutige Wissenschaft definiert sich geradezu aus dieser Abgrenzung heraus. Das hat Folgen für die Sicht auf das eigene Leben, auf den Tod und auch auf diese Welt, der man damit natürlich nicht trauen kann. Und es hat Folgen dahingehend, dass man die eigentlichen Fragen des Lebens nicht oder kaum erforscht, sondern sich auf die messbare Materie fokussiert, obwohl diese in unserem Universum eine geringe Rolle spielt.

Menschen wie ich, die sich und die Welt nicht als reine Zufallsprodukte ansehen, folgen offensichtlich einer Weltsicht, die so etwas wie Spiritualität zulässt und einbezieht. DAS aber will man in weiten Teilen von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft unter gar keinen Umständen. Die scharfe Abgrenzung zu „Esoterik“ ist für viele Wissenschaftler*innen Grundbedingung der Wissenschaftlichkeit. Also werden Menschen wie ich zu „esoterischen Spinnern“. Weil man uns als genau solche sieht. Wir weichen ab von einem langjährigen Konsens. Dass es auch mehr und mehr Wissenschaftler*innen gibt, insbesondere solche, die sich mit Quantenphysik beschäftigen, die diese Abgrenzung für veraltet halten, macht es aus der Sicht der Konservativen in der Wissenschaft nicht besser, vielleicht sogar eher noch schlimmer.

Denn in der gängigen Weltsicht gilt „Abgrenzung“ als positiv. Sie sieht es deshalb als normal und sogar als wichtig an, sich auch von Menschen abzugrenzen. Von Menschen mit „falschen“ Meinungen. In der spirituelleren Weltsicht hingegen gilt Trennung tendenziell als Illusion und das ständige Abgrenzen und gegenseitige Bekämpfen und Bekriegen als Irrweg.

Schuldzuweisungen

Das führt zu dem Punkt, der mir an der Corona-Geschichte überhaupt nicht gefällt: Durch das Narrativ, wir könnten das Virus „unter Kontrolle bekommen“, entsteht eine Art Zwang, Schuldige zu suchen, warum das denn immer noch nicht geklappt hat mit der Kontrolle. Ob „Maskenverweigerer“, die angeblich „den Tod anderer in Kauf nehmen“ oder „menschliches Versagen“ bei Ausbrüchen in Pflegeheimen, das „es nicht geben dürfe“. Gerade auch Politiker*innen sind hier mit „Schuldzuweisungen“ alles andere als zimperlich.

Dass nach den bisherigen Großdemonstrationen ohne Maske die Infektionszahlen nie signifikant stiegen, will niemand wissen. Dass man mit Schuldzuweisungen in Pflegeheimen nicht nur Menschen beleidigt, die sich meist aufopferungsvoll um andere gekümmert haben, sondern auch noch Gefahr läuft, dass Infektionen aus Angst vor Strafe und Stigmatisierung wohlmöglich verschwiegen werden, auch nicht.

„Schuldige“ zu haben, beruhigt die Menschen anscheinend. Es eröffnet die Möglichkeit, alles wäre „gut“, gebe es nur nicht diese Querulanten. Damit dürfen diese ihre andere Meinung auch selbstverständlich nicht sozial ungestraft verbreiten. Wer das tut, läuft Gefahr, ausgegrenzt und seiner Karriere und Freundschaften beraubt zu werden, denn er oder sie wird damit zu den „Schuldigen“ gezählt (vgl. zu diesem Punkt auch meinen kleinen Beitrag „Meinungsfreiheit…“).

Natürlich stört mich dieses „Schuldige“ suchen der anderen Seite genauso. Plakate mit Drosten, Gates oder sonstigen in Sträflingskleidung finde ich ebenso daneben, wie die Bezeichnung von Politiker*innen und Journalist*innen als „Verbrecher“.

Und ich glaube auch nicht, dass die verbreitete Hoffnung auf die „erlösende“ Impfung als Folge einer „Verschwörung“ einer Elite oder als Versuch, eine „Diktatur“ zu errichten, zu bewerten ist. (Meine Haltung zum Impfen allgemein siehe „Ein kleiner Pieks…“)

Das politische Handeln folgt vermutlich schlicht und einfach einer Weltsicht, die ich persönlich für veraltet halte. Und die aus meiner Sicht deutlich mehr den Interessen des globalen Kapitals, als denen der Menschen dient. Die aber die Weltsicht ist, der derzeit noch der weit überwiegende Teil der Menschen zu folgen scheint.

Ich bin überzeugt, dass sich das ändern wird. Dass wir uns derzeit in einer Phase des Übergangs befinden, die vielleicht auch dazu führt, dass gerade besonders hart gekämpft wird um Deutungshoheiten. Wenn langjährige „Gewissheiten“ plötzlich gar nicht mehr „gewiss“ erscheinen, wächst logischerweise die Unsicherheit. Einige versuchen, sich das zunutze zu machen, andere haben einfach Angst. Und wissen nicht mehr, was sie glauben sollen. Und ich persönlich habe mit dem Wort „sollen“ ein Problem … .

P.S.: Mein Lieblingszitat aus der Bibel ist übrigens „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“.

Schubladen und Feindbilder

Schubladen; Künstlerin: Dörte Müller

Wer gibt schon zu, „in Schubladen zu denken“? Niemand. Klingt irgendwie doof. So irrational. Aber unsere Gehirne tun genau das. Deshalb wirken sogenannte Frames so gut. Unsere Gehirne sind im Grundsatz „faul“. Sie hinterfragen normalerweise nicht, sondern sortieren zu. Gegen einen einmal von jemandem als Wahrheit akzeptierten Frame braucht man daher als andersdenkende Person nicht wirklich zu argumentieren zu versuchen. Man rennt gegen eine Mauer. (Fast jede*r versucht es trotzdem immer wieder, denn ansonsten müssten wir auf die Gefühle der Andersdenkenden eingehen, und das sind wir nicht gewohnt… .)

Diese prinzipiell ja ökonomische Vorgehensweise unseres Gehirns wäre vielleicht auch gar nicht so schlimm. Wenn wir nicht dazu tendieren würden, die Menschen, die wir in „die andere“ Schublade gestopft haben, gleichzeitig zum Feindbild zu erklären.

Solche Gedanken kommen mir dieser Tage sehr oft.

Für viele von uns ist Donald Trump das Feindbild und der „Spalter“ in Person. Ich habe auch immer dazu geneigt, alles, was mir an der amerikanischen Politik nicht gefiel, ihm persönlich in die Schuhe zu schieben. Während ich bei Obama für alles, was mir nicht gefiel, die Umstände und die schwierigen Mehrheitsverhältnisse verantwortlich gemacht habe. Obama wirkt eben als Mensch auf mich einfach deutlich sympathischer…. Allerdings bin mir ziemlich sicher, dass die Demokraten die Grundidee des „America first“, gar nicht so viel anders sehen, als Trump. Staatenlenker, die die echten oder vermeintlichen Interessen ihres Landes nicht an erster Stelle sehen, haben es in unserer derzeitigen Welt immer noch schwer. Denn diese Welt ist leider eine egoistische. Diese Welt lebt nach den Konzepten des „ich zuerst“ und „der Stärkere hat recht“. Für mich die Ursachen vieler, wenn nicht aller, unserer Probleme auf dieser Erde.

Der oder die Stärkeren, das sind natürlich auch die, für die es leichter ist, Frames zu setzen – und damit eine Mehrheit dazu zu bringen, der gewünschten Meinung zu folgen. Trump hat das sogar über Twitter „perfektioniert“. WARUM man letztlich einer bestimmten Ansicht folgt, hat m.E. aber immer tiefer liegende Gründe. Das hat etwas mit der eigenen Weltsicht zu tun. Mit Glaubenssätzen, Kindheitserfahrungen, der Anfälligkeit für bestimmte Ängste. Nur mit (rationalen) Argumenten, Studienergebnissen usw. hat es meist sehr wenig zu tun.

Bei Corona ist das gut sichtbar. Es gibt Studienergebnisse in die unterschiedlichsten Richtungen. Die Vorstellungen über die beste Vorgehensweise gehen auch bei Experten weit auseinander. Die Evidenz, dass Alltagsmasken tatsächlich den Schutz bieten, den sich die meisten Menschen davon zu versprechen scheinen, ist dünn bis nicht vorhanden. Mit Ausnahme von „Abstand“ und „Isolierung symptomatischer Personen“ weiß eigentlich niemand so richtig, was Schutz bietet und sinnvoll ist, und was nicht. Es gibt Vermutungen, Prognosen (und auch Studien), die je nach Weltsicht so oder so ausfallen.

Ich habe (vielleicht auch aufgrund der Kommentare zu meinem letzten Beitrag) durchaus Verständnis dafür, dass die Politik dazu neigt, im Zweifelsfall lieber zu viel als zu wenig zu tun und zu hoffen, das Ganze irgendwie in den Griff zu bekommen. Auch, wenn ich persönlich genau das für eine Illusion halte. Und natürlich habe ich viel Verständnis dafür, dass viele Menschen HOFFEN, dass die Maßnahmen schützen – und alleine wegen dieser Hoffnung geneigt sind, daran zu glauben.

Was MIR Angst macht, ist jedoch, dass die jeweils andere Seite zum Feindbild geworden ist.

Ich mag diese Verschwörungsidee nicht, nach der irgendeine „Weltelite“ das alles geplant habe. Ich kann verstehen, dass Menschen auf diese Idee kommen, weil sich vieles an dieser Pandemie so merkwürdig anzufühlen scheint. Sie suchen für sich nach einer Erklärung für bestimmte Handlungsweisen der Regierungen und der Medien, fragen sich dann, „wem nützt das Ganze“ und landen bei Bill Gates. Damit werden Bill Gates und andere zum Feindbild dieser Gruppen und das halte ich für gefährlich.

Genauso wenig mag ich das so verbreitete Narrativ, wonach „Maskenverweigerer“ und andere Kritiker der Corona-Maßnahmen „schuld sind“, dass sich weiterhin Menschen an dem Virus anstecken. Obwohl nicht erwiesen ist, dass Alltagsmasken einen wirklichen Schutz bieten (und so, wie sie meist gehandhabt werden, sogar eher das Gegenteil der Fall sein dürfte), sind Menschen ohne Maske längst zum Feindbild Nummer 1 geworden. Und das wird immer weiter geschürt mit Worten wie „verantwortungslos“, „unbelehrbar“ o.ä., wenn jemand wagt, den Nutzen von bestimmten Maßnahmen zu hinterfragen. So setzt man Frames, denen dann leider eben auch nicht mehr mit Argumenten begegnet werden kann.

Von Beginn an haben die Medien selten bis nie gefragt: „Nutzen die Maßnahmen oder schaden sie?“ Sondern „Werden sie eingehalten?“ Ständig wurde und wird suggeriert, dass, wer sie nicht einhält, damit allen schade, egal, um welche Maßnahme es gerade ging.

Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen darf, wird nicht nur gezwungen, überall ein Attest mit genauer Diagnose vorzuzeigen (normalerweise sollte die ärztliche Diagnose niemanden etwas angehen), sondern meist selbst trotz Attest angefeindet. Die anderen hören gar nicht zu, oder halten das Attest für „erschummelt“. Es kommt zu widerlichen Szenen, viele Betroffene trauen sich kaum noch in Geschäfte oder öffentliche Verkehrsmittel, nicht einmal zum Arzt.

Die Heftigkeit des Ganzen erinnert mich an Religionskriege. Nur, dass die Gewalt heute glücklicherweise meist eher verbaler Art ist.

Die Reaktionen wären nicht so heftig, wenn dahinter nicht starke Gefühle und Emotionen stünden: Angst. Die Angst vor dem eigenen Tod oder schwerer eigener Erkrankung, bzw. vor Tod oder Erkrankung geliebter Menschen.

Diese Angst wurde und wird politisch und medial mit Worten und Bildern extrem getriggert. Das wiederum ruft bei vielen von denen, die die Maßnahmen kritisch sehen, ein ungutes Gefühl hervor. Das Gefühl von „Da muss doch etwas dahinter stehen, wenn die das so befördern mit der Angst. Das macht man doch nicht als verantwortliche*r Politiker*in, wenn man damit nicht irgendetwas (Ungutes) bezwecken würde.“ Die Bill Gates – Theorie … .

Der von Medien und Politik gesetzte Frame, wonach Kritiker „egoistisch“ und „unsolidarisch“ seien, erhöht das Vertrauen von Kritiker*innen der Maßnahmen in Politik und Medien nicht gerade.

Menschen, die durch die Maßnahmen unmittelbar ihre wirtschaftliche Existenz bedroht sehen, wohlmöglich gar Gefahr laufen, in die Obdachlosigkeit zu rutschen, bewerten die Frage nach Egoismus und Solidarität möglicherweise ohnehin ganz anders. Und auch Ältere und Kranke, denen man in ihrer ohnehin nur noch begrenzten Lebensspanne viel von dem nimmt, wofür es sich für sie noch zu leben lohnte, hätten vielleicht lieber eine andere Art der Solidarität. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Mich stört diese selbstverständliche Annahme, dass es jeder älteren Person lieber sei, möglicherweise zu vereinsamen, als Coronaviren abzubekommen.

Tatsächlich geht es wohl auch weniger um das Wohlergehen der älteren Personen an sich, sondern darum, dass diese möglichst nicht die Intensivbetten „verstopfen“ sollen.

Gerade weil die Interessenlagen so vielfältig sind und das tatsächliche „Wissen“ so gering, hätte ich mir von Politik und Medien eine Kommunikation gewünscht, die sich jeder Schuldzuweisung enthält. Eine Kommunikation, die Fronten ab- und nicht aufgebaut hätte! Denn Fronten gibt es in dieser Welt ohnehin schon genug.

Ich glaube, dass die Politik sich und uns mit einer anderen Kommunikation zu diesem Virus und auch zu ihren Maßnahmen einen großen Gefallen getan hätte. Einer Kommunikation, die die Frage der Gefährlichkeit des Virus von Anfang an etwas sachlicher und weniger marktschreierisch beurteilt hätte. Bei Donald Trump haben sich viele von uns immer wieder eine sachlichere Kommunikation gewünscht. Bei diesem Virus hingegen fällt vielen das Marktschreierische und Spalterische an der offiziellen Kommunikation nicht einmal auf.

Es ist ein Virus, der sich – unabhängig von den ergriffenen Maßnahmen – bei kälteren Temperaturen offenbar gut verbreiten kann; bei dem nicht erwiesen ist, dass Masken vor der Ansteckung schützen; bei dem man nicht weiß, wer, warum zum „Superspreader“ wird, und wie sich eine Ansteckung jeweils wirklich auswirkt.

Wie kann man da Menschen beschuldigen, mit ihrem „unverantwortlichen Handeln“ andere zu gefährden?! Das ist eine Beschuldigung, die auf bloßen vagen Vermutungen beruht (und der Hoffnung, mit dem eigenen Handeln „richtig“ zu liegen). Sind es nicht genau solche Schuldzuweisungen, die „unverantwortlich“ sind?! Was will man damit bezwecken? Einen Sündenbock kreieren?! Wenn Politik und Medien Menschen zu Sündenböcken für die Verbreitung einer ansteckenden Erkrankung machen, dann weckt das in mir sehr ungute Gefühle.

Warum kann man als Politiker*in heutzutage nicht zugeben, dass man nicht weiß, ob man mit den Maßnahmen richtig liegt, und damit das erreichen wird, was man sich erhofft? Dass man zu wenig über das Virus weiß und dass es sich auch nicht wirklich „eliminieren“ lassen wird, auch nicht durch Impfungen? Weil die Menschen sich dann nicht „gut betreut“ fühlen? Für wie erwachsen oder nicht erwachsen hält man denn die Menschen bei uns??

Die Aussage „Es liegt an uns allen, ob sich Covid-19 noch eindämmen lässt.“ geht von sehr vereinfachten Denkweisen aus (bzw. von einem völligen Kontaktverbot über die gesamte kalte Jahreszeit).

Liegt es nicht stattdessen an uns allen, ob sich diese Fronten weiter verhärten?! Und wäre es nicht im Interesse aller, dass sie es nicht tun?!! Eine ehrlichere Kommunikation von Politik und Medien würde ich persönlich da als sehr hilfreich empfinden. Sie würde es auch den Verschwörungstheorien schwerer machen.

Kein (politisches) Handeln ist jemals „alternativlos“. Das dürfte aus meiner Sicht gerne deutlicher werden!

Corona: Wie Kommunikation Verantwortlichkeiten verschleiern kann

Schattenspiele; Künstlerin Dörte Müller

„Die Lage ist sehr sehr ernst.“ „Das Virus fordert“, dass wir nahezu überall Masken tragen. „Das Virus lässt nicht mit sich spaßen.“ „Unsere Gesundheitsämter sind überlastet.“ „Es ist jetzt nicht die Zeit für Sozialkontakte.“

Tja, da wird ein Virus vermenschlicht und die Verantwortung für getroffene politische Entscheidungen diesem Virus zugeschoben (oder auf „unpassende Zeiten“ oder Ämter verwiesen). So, als ließe dieses böse Ding (und diese „schweren Zeiten“) einfach keine Alternativen.

Ehrliche Kommunikation der gestern verabredeten Maßnahmen, das wäre gewesen:

„Wir haben uns dafür entschieden, Restaurants, Hotels, Veranstaltungen, Sportstätten usw. bis auf Weiteres zu schließen. Wir wissen, dass wir damit unzählige wirtschaftliche Existenzen vernichten, was für die Betroffenen unzweifelhaft zu hohen existenziellen und psychischen Belastungen führen wird. Wir halten diese Berufsverbote dennoch für unumgänglich, weil wir Covid-19 für eine so gefährliche Erkrankung halten, dass uns jede Grundrechtseinschränkung gerechtfertigt erscheint, um die Ansteckungsgefahr an der Erkrankung einzudämmen.

Unsere Einschätzung der extremen Gefährlichkeit (trotz im Verhältnis zur Gesamtsterblichkeit in Deutschland sehr niedriger Todeszahlen an dieser Erkrankung) beruht auf folgenden Zahlen … und Prognosen … (, wobei uns bekannt ist, dass die Prognosen von Herrn Drosten bereits in der „ersten Corona-Welle“ nicht zutrafen und auch bei der Schweinegrippe sehr weit daneben lagen).

Wir gehen davon aus, dass unser Gesundheitssystem überfordert werden könnte, wenn wir diese Maßnahmen jetzt nicht ergreifen, weil … . Diese Prognose stützt sich auf folgende Fakten … . Unter „Überforderung“ verstehen wir …. .

Wir halten die jetzt getroffenen Maßnahmen für geeignet, die Ansteckungsgefahr an Covid-19 zu reduzieren, weil … .

Dass die Mehrzahl der betroffenen Restaurant- und Hotelbetreiber*innen, ebenso wie die Veranstaltungsbranche über die letzten Monate hohen Aufwand betrieben hat, um alle vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen vorbildlich umzusetzen, ist uns bekannt. Wir halten dies für nicht ausreichend, weil wir nicht wissen, wo und wie die Menschen sich tatsächlich anstecken. Dass wir dies nicht wissen, nehmen wir zum Anlass, ALLES zu schließen. Eine Abwägung im Einzelnen ist uns nicht zumutbar, weil … .

Die vorbeugende und immunstärkende Wirkung von Sport, gerade auch von gemeinschaftlich betriebenem Sport ist uns bekannt. Wir halten es dennoch für unumgänglich, alle Sportstätten und Schwimmhallen zu schließen, weil … .

Die immunschwächende und Lebenssinn zerstörende Wirkung mangelnder Sozialkontakte gerade auch bei älteren Menschen ist uns bekannt. Wir wissen, wie schädlich und Depressionen fördernd eine solche starke Eindämmung von Sozialkontakten, auch von gemeinsamen Sport oder sonstigen Veranstaltungen ist (nicht nur, aber ganz besonders für ältere Menschen). Wir haben das und auch die aufgrund der Einschränkungen zu erwartenden höheren Todesfälle an anderen Erkrankungen sehr sorgsam abgewogen, als wir unsere Maßnahmen beschlossen haben. Wir halten diese Einschränkungen dennoch für absolut unumgänglich, weil …. .

Wir wissen, dass wir trotz der zugesagten 11 Milliarden „Staatshilfe“ einen großen Teil der jetzt zwangsweise von uns geschlossenen Betriebe nicht und schon gar nicht über einen längeren Zeitraum werden retten können. Aber … .

Psychische Hilfestellungen für die Betroffenen, denen wir mit diesen Maßnahmen teilweise das Lebenswerk zerstören, halten wir nicht für notwendig, weil … .

Wir wissen, dass das Geld für diese Staatshilfen nicht vom Himmel fällt, sondern erwirtschaftet werden müsste. Wir wissen, dass unsere Maßnahmen dafür sorgen, dass stattdessen über längere Zeit deutlich weniger erwirtschaftet werden kann. Die daraus entstehenden Belastungen werden also in voller Höhe den nachfolgenden Generationen aufgebürdet und müssen anderswo irgendwann wieder eingespart werden. Das halten wir für gerechtfertigt, weil … .

Die Möglichkeit, die Betriebe offen zu lassen und stattdessen mehr Geld in das Gesundheitssystem zu stecken, das aufgewendete Geld also nicht zu „verbrennen“, sondern eher zukunftsfördernd einzusetzen, haben wir nicht gewählt, weil … .

Obwohl auch Virologen immer wieder darauf hinweisen, dass wir mit dem Virus leben lernen müssen, da dieser nicht plötzlich wieder verschwinden wird (auch nicht durch einen oder fünf Impfstoffe…), halten wir die jetzt getroffenen Maßnahmen für unumgänglich, weil … .

Wir erhoffen uns, dass wir die Ansteckungszahlen über den Winter auf einem Niveau halten können, von dem wir aus … Gründen annehmen, dass … . Diese Hoffnung gründet sich auf folgende Überlegungen … , denen folgende Fakten zugrunde liegen….

Wir haben bei unserem Vorgehen folgendes klares Ziel vor Augen … . Wenn sich unsere Überlegungen so nicht erfüllen, werden wir (den Lockdown bis zum Frühjahr verlängern …. ?! Und dann jedes Jahr wieder über das Winterhalbjahr …???) … .

Obwohl auch viele Ärzte empfehlen, sich bei einer Erkrankung, die bei dem weit überwiegenden Teil der Betroffenen mit wenig oder gar keinen Symptomen verläuft, auf die Risikogruppen zu konzentrieren, meinen wir, dass die Gesundheitsämter jeden Kontakt nachverfolgen sollten, weil … .

Obwohl unser Gesundheitssystem (zum Glück) nicht vergleichbar ist mit dem in vielen unserer Nachbarländer, machen wir deren Erfahrungen in überfüllten Krankenhäusern (anders als in jeder bisherigen Krankheitswelle, wie Grippe o.ä.) für uns bei Covid-19 zum Maßstab, weil … .

Wir wissen, dass Viruserkrankungen im Herbst / Winter generell zunehmen und dass manche unserer Maßnahmen (ständiges Lüften im Unterricht / ständiges Maskentragen) diese Viruserkrankungen befördern werden. Gerade auch bei Kindern, von denen wir andererseits wissen, dass sie für Covid-19 wenig anfällig sind. Wir halten dies für hinnehmbar, denn … .

Obwohl wir nicht wissen, wie und wo Menschen sich tatsächlich an Covid-19 anstecken (s.o.), halten wir das Tragen von Alltagsmasken und all unsere sonstigen Maßnahmen für unumgänglich, weil … . Hierzu verweisen wir auf folgende Studien …, wobei wir die Studien …, die auf die negativen Folgen verweisen selbstverständlich dagegen abgewogen haben.

Wir halten Covid-19 für eine durch politische Maßnahmen verhinderbare Erkrankung, weil … . Wir sind der Ansicht, dass ALLE Möglichkeiten zur „Verhinderung“ ergriffen werden sollten. Unabhängig von einem Wirksamkeitsnachweis. Und unabhängig von den Schäden und Kosten, die durch diese Maßnahmen entstehen.

Die jährlich rund 230.000 Todesfälle durch Krebserkrankungen und rund 350.000 Todesfälle durch Herz-/Kreislauferkrankungen in Deutschland sehen wir hingegen als unabwendbares Schicksal an, die durch politische Maßnahmen, wie z.B. Pestizidverbote oder Reduzierung der Strahlenbelastungen o.ä., nicht beeinflusst werden können. Wir kommen zu dieser Einschätzung, weil ….

Leider sehe ich eine solche Kommunikation und Begründung nicht. Stattdessen wird mit der Platitüde von dem „Ernst der Lage“ Alternativlosigkeit suggeriert. Damit versuchen die politischen Entscheidungsträger, sich gewissermaßen aus der Verantwortung zu stehlen: „Wir konnten ja nicht anders … .“

Doch, Ihr könntet anders! Das nicht zuzugeben, ist feige und verantwortungslos. Es heißt noch nicht, dass Ihr zwingend anders müsst, aber ich möchte wenigstens diese Abwägung sehen. Ich möchte sehen, dass Ihr all den Menschen ins Auge blicken könnt, deren Existenz Ihr zerstört, weil Ihr mit gutem Gewissen sagen könnt, dass Ihr wirklich alles abgewogen habt. Ich möchte den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bei staatlichen Eingriffen auch bei Covid-19 gewahrt sehen!!!

Denn aus meiner Sicht sind nicht „die Zeiten schwer“. Sondern wir Menschen machen uns diese Zeit schwer. Schwerer, als jede Generation vor uns sich „solche Zeiten“ vermutlich gemacht hätte.

Meine Meinung. Und Eure?

„Es ist wichtig, dass die Leute Angst haben!“ Geht´s noch?!

Künstlerin: Dörte Müller

Eine Psychologin wurde befragt. Zur Frage der Maskenpflicht, ob das nicht Menschen auch Angst mache. Ja, das mache Angst. Das sei ja auch ein wichtiger Grund für diese Maskenpflicht, „es ist wichtig, dass die Leute Angst haben!“ Wichtig, dass die Leute Angst haben??? Und das von einer Psychologin?! Ich hing fast unter der Decke vor Wut. Als Psychologin sollte sie doch wissen, was Angst mit Menschen macht! Und aus Menschen machen kann!

Und dann kam von ihr auch noch das tolle Argument mit der Evolution. Wir Menschen wären ja längst ausgestorben, wenn wir keine Angst hätten. Dann wären bereits in der Steinzeit alle Menschen vom Säbelzahntiger gefressen und damit ausgerottet worden.

Diese Säbelzahntigerstory wird gerade von Psychologen erstaunlich oft bemüht. Ich hätte mir gedacht, dass Psychologen eigentlich klar sein sollte, dass zwischen Angst, und der Fähigkeit, ein Risiko richtig einschätzen zu können, ein himmelweiter Unterschied besteht. Und ich glaube, die Frau war auch noch in der Lehre tätig. Himmelnochmal macht mich das wütend… . Denn jede Person, die schon mal Angst hatte, oder sich näher damit beschäftigt, weiß, dass Angst vor abstrakten Gefahren genau diese Fähigkeit blockiert. Die Fähigkeit, das Risiko einer abstrakten Gefahr realistisch einzuschätzen. Genau das ist das Wesen der Angst. Sie überhöht das Risiko dramatisch. [Angst vor einer konkreten Gefahr (also wenn der Säbelzahntiger mir direkt gegenüber steht und mich angreift) ist natürlich anders zu bewerten. Da überhöht Angst das Risiko nicht, sie erhöht aber auch nicht unbedingt die Überlebenschancen. Sehr komplex sind Ängste aufgrund erlittener Traumatisierungen, die ich aber hier nicht thematisieren möchte.]

Ich stelle mir vor, in den Steinzeithöhlen wären Fernseher gelaufen. In denen jeden Tag berichtet würde, dass da draußen gefährliche Säbelzahntiger ihr Unwesen trieben, die hinter jedem Busch lauern könnten, nur darauf aus, den nächsten unvorsichtigen Menschen anzufallen, der den Fehler gemacht habe, das Ganze nicht „ernst genug zu nehmen“. Diese Berichte sind unterlegt mit Bildern von zerfleischten Menschen, die ebenfalls jeden Abend wieder gezeigt werden. Gewürzt mit ein bis zwei Interviews (mit Bildern) mit Menschen, die dem Säbelzahntiger gerade noch schwer verletzt entkommen konnten. Was wäre wohl passiert? Genau! Die Steinzeitmenschen hätten Angst bekommen vor diesem Säbelzahntiger, der hinter jedem Busch stecken könnte, panische Angst.

Und nein, sie hätten die Evolution nicht voran getrieben. Sie wären in ihren Höhlen verhungert.

Vielleicht wäre der ein oder andere Mensch auch noch vorher an Herz-/ Kreislauferkrankungen gestorben. Psycholog*innen dürfte bekannt sein, dass Angst auch zu körperlichen Veränderungen führt. Dauerhafte Ausschüttungen von Stresshormonen tun dem Körper bekanntermaßen absolut nicht gut. Gerade in den Industrienationen haben wir damit ohnehin ein Problem. Dauerhafter erhöhter Stress gilt als einer der Hauptrisikofaktoren für viele Erkrankungen. Für das Jahr 2018 gibt das Statistische Bundesamt an, dass in Deutschland rund 345.300 Menschen an Herz-/ Kreislauferkrankungen gestorben seien. Wie bereits in den Vorjahren ist das die häufigste Todesart in Deutschland. 230.000 seien an Krebs gestorben und 71.700 an Erkrankungen des Atmungssystems (ja, es gab schon vor COVID-19 Erkrankungen des Atmungssystems, die gar nicht so selten waren und auch nicht wirklich harmloser). Insgesamt verstarben 954.874 Menschen in 2018.

An Angststörungen leidet laut Statistischem Bundesland gut jede vierte Person mindestens einmal im Leben. Das sind in Deutschland rund 20 Millionen Menschen! Und eine Angststörung ist nicht einfach nur eine „Störung“, sondern etwas, was die Betroffenen komplett aus ihrem Leben werfen kann.

Angst ist eine Emotion, für die Menschen sehr anfällig sind, die sehr ansteckend ist, und die verheerende Auswirkungen haben kann. Für den einzelnen betroffenen Menschen und auch für das Miteinander der Menschen.

„Es ist gut, dass die Menschen Angst haben“ – vor COVID-19. Geht`s noch, Frau Psychologin?! Sie sagen damit implizit, dass Sie es sinnvoll finden, Menschen über Angst machen zu einem Verhalten zu „erziehen“, von dem Sie meinen, dass es ein wünschenswertes Verhalten sei. Gruselig!

Ich muss zugeben, dass ich nicht weiß, ob die Dame danach auch noch irgendetwas gesagt hat, was vielleicht bei mir auf Verständnis gestoßen wäre. Ich war nach diesem Eingangsstatement so angefressen, dass ich den Fernseher wutentbrannt ausgeschaltet habe … .

Von Mainstream, Masken und Moral

Kein „Mainstram“; Künstlerin: Dörte Müller

Ich war schon immer etwas sonderbar. Schon als Kind wusste ich nicht, welches Spielzeug „man“ zu haben hatte, welche Klamotten „man“ zu tragen hatte. Später dann auch nicht, welche Musik „man“ zu hören, welche Bücher zu lesen oder welche Filme zu schauen hatte. Um „in“ zu sein. Ich weiß all das bis heute nicht.

Stephen King war hip? Nachdem ein Mitschüler mal ein Buch von ihm im Deutschunterricht vorgestellt hatte, wusste ich nur, dass ich ganz sicher nie nie niemals freiwillig auch nur ein Augenzwinkern in eines der Bücher von diesem Herrn stecken würde. Hingegen war ich völlig fasziniert, als wir in der Oberstufe Goethes Faust lasen. Schon damals war ich offensichtlich esoterisch angehaucht.

Mainstream? Ich hätte gar nicht gewusst, was das sein sollte. Und – es interessierte mich auch nicht. Noch heute schaue ich nur groß, wenn jemand mit einem Zitat aus irgendeinem Film kommt, den absolut jede*r gesehen hat. So was wie Star Trek oder Star Wars zum Beispiel. Jede*r, außer mir eben.

Trotzdem war ich nie unbeliebt. Auch in meinen Jobs nicht. Ich war und bin sehr politisch interessiert. In meinen Jobs ein Muss. Aber auch da stellte ich fest, dass ich irgendwann begann, mir mehr und mehr Fragen zu stellen. Fragen, die sich andere nicht zu stellen schienen.

Nachdem ich nicht mehr in diesen Jobs arbeite, wurden die Fragen mehr, schon alleine weil ich mehr Zeit habe, mir vertiefte Gedanken zu machen. Und ich stelle plötzlich fest, mit Fragen erregt man Anstoß. Wenn ich Mainstreammeinungen in Frage stelle, ziehen Menschen, die in diesem Strom schwimmen, sich von mir zurück. Reagieren verärgert. Wie kann ich etwas in Frage stellen, was doch jede*r denkt?

Da regt sich jemand auf über Menschen, die bei Demonstrationen im Freien keine Maske tragen, und erwartet meine Bestätigung für seine Entrüstung. Und ich sage, „Ich sehe das ganz anders, als Sie.“ Ups. Versteinerung. Da brauche ich mit einem Vortrag über den CO2-Gehalt unter diesen Masken, den Bakterien-, Viren- und Hefepopulationen, die man sich da züchtet – und einatmet, nicht zu kommen. Natürlich nicht. Ich habe bereits mit meinem „anders sehen“ längst verschissen. Schließlich hört man in den Medien jeden Tag nur Leute mit gegenteiligen Meinungen. Also ist klar, wo die Wahrheit ist.

Und, was mich wirklich umtreibt: Ich gelte plötzlich als moralisch verachtenswert mit meiner gegenteiligen Meinung. So wird es mir jeden Tag in den öffentlich rechtlichen Medien präsentiert.

Mein Leben lang war mir egal, was Mainstream war, und was nicht. Und es hat niemanden gestört, dass mir das egal war. Zwar darf ich auch heute noch Goethe einem Stephen King vorziehen. Aber mit meinen Meinungsäußerungen, da habe ich vorsichtig zu sein.

Denn heutzutage hat sich „der Mainstreammeinungsmensch“ zum moralisch besseren Menschen erkoren, so scheint es mir. Sich eine Maske des moralischen Anstands aufgesetzt, sich zur moralischen Instanz erhoben, an der sich jede*r zu messen habe. Wer das nicht tut, wird erbarmungslos gemobbt.

Das ist nicht erst seit Corona so, aber seitdem ist es sogar äußerlich erkennbar. Die Maske ist zum sichtbaren Symbol der „Anständigen“ geworden. Wie wissenschaftlich, objektiv, zahlen- und faktenbasiert das ist, das ist weniger entscheidend. Wer will das schon wirklich beurteilen? Wissenschaftler / Ärzte sind da durchaus unterschiedlicher Meinung. Aber die, die anderer Ansicht sind, sind damit nicht mehr „anständig“ und werden dementsprechend „selbstverständlich“ normalerweise nicht zitiert in den Medien.

Es ist nicht ganz neu, das Ganze: Bereits bei der Frage der Einführung der Masernimpfpflicht hatte ich laut offizieller medialer Version nicht etwa nur eine andere Meinung, sondern ich „gefährdete Menschenleben“.

Eine aus meiner Sicht äußerst gefährliche gesellschaftliche Entwicklung so ein Hauptstrom, der keine Nebenströme mehr zulässt. Und Menschen, die gegen den Strom schwimmen, der Hetze zum Fraß vorwirft.

Wie moralisch hochstehend ist jemand, der sich für moralisch „besser“ hält als andere, nur weil er tut, was ihm „von oben“ gesagt wird? Wie moralisch hochstehend sind Medien, die keine andere Ansicht mehr zulassen, als die von ihnen vorgegebene, die sie für „moralisch gut“ halten?

Sind das die Guten, weil sie der Meinung sind, das Gute zu fördern?! Oder sind das vielleicht eher die Anti-Mephistos? Und damit ein Teil jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft?!

Erziehung

In Reih und Glied…. ; Künstlerin: Dörte Müller

„Du mit deinem moralischen Zeigefinger…“, sagt mein Mann immer liebevoll, wenn ich mal wieder predige, dass man Menschen dazu bringen müsse, mehr zum Schutz ihrer Umwelt zu tun. (Dass ich zum „moralischen Zeigefinger“ neige, sieht man z.B. deutlich in meinem Beitrag „Die Krone der Schöpfung“ …;-)). Dabei kannst gerade Du es überhaupt nicht haben, wenn jemand Dich „erziehen“ will!“

Das stimmt. Es ist ein Grund, warum ich auf diese Corona-Diskussion so stark reagiere. Ich kann es nicht ausstehen, wenn ich das Gefühl habe, dass Leute meinen, mich erziehen zu müssen. Mich in ihrem Sinne „verbessern“ wollen: Hin zu mehr „Gehorsam“ und weniger Unabhängigkeit. Das geht gar nicht!

Aber beim Umweltschutz … wenigstens so ein klein wenig… . Das müsste doch möglich sein. Wäre schließlich zum Nutzen aller…!

Erziehung? Vom Verstand her weiß ich, dass das nicht klappen wird. Ich kann Menschen meine Bedürfnisse und Gefühle mitteilen. Aber, ob sie meinen Bedürfnissen folgen wollen, muss ich wohl ihnen überlassen. Denn sie haben möglicherweise ganz andere Bedürfnisse, sehen etwas ganz anderes als „zum Nutzen aller“ an. Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, zum Beispiel. Manch eine*r braucht auch einen „ordentlichen“ Garten, mag weder „Unkraut“ noch Insekten. Oder ärgert sich – so wie ich die letzten Wochen …-, wenn die Vögel doch tatsächlich ganz dreist alle Trauben wegfressen, bevor sie reif sind.;-).

Dennoch: Fast alle Menschen neigen dazu, andere „erziehen“ zu wollen. Jede*r ist immer der Meinung, genau zu wissen, was für andere (oder für alle) gut ist.

Erziehungsformen

Erziehung läuft über Strafe. Tatsächlich scheinen erschreckend viele Menschen es sehr zu mögen, andere zu bestrafen. Wer sich nicht „an die Regeln hält“, müsse bestraft werden. So heißt es bei diesen „Corona-Regeln“ oft. Ob eine Regel sinnvoll ist oder nicht – und wer eigentlich bestimmt, ob sie sinnvoll ist, das sind zweitrangige Fragen. Die Regel ist da. Also muss sie eingehalten werden. Und wer sie nicht einhält, ist zu erziehen, indem er bestraft wird. Und wenn die Regel noch gar nicht da ist, wie die Maskenpflicht bei den Großdemonstrationen im Freien gegen die Corona-Regeln, dann wird sie eben im Nachhinein geschaffen. Auch eine Art Strafmaßnahme (denn die Infektionszahlen hatten ja gar nicht zugenommen nach den Demos, Infektionsschutz konnte also nicht wirklich die Begründung sein…).

Selbst gegenüber anderen Staaten ist diese Art des Erziehungsversuchs sehr beliebt. Zumindest was Russland angeht, meinen erstaunlich viele Politiker*innen, sie müssten dieses Land „erziehen“ über Strafmaßnahmen (Sanktionen).

Solche Art „Erziehung“ überzeugt die „zu Erziehenden“ allerdings so gut wie nie. Sie tun vielleicht kurzzeitig, was von ihnen erwartet wird (andere Staaten tun auch das eher selten). Aber nicht, weil sie es nunmehr aus ganzem Herzen tun wollen, sondern weil sie die Strafe vermeiden wollen. Die innere Auflehnung gegen die „Erziehenden“ nimmt hingegen meistens zu.

Erziehung läuft über Verbote. „Mit denen lässt DU dich nicht auf der Straße blicken! Wir sind schließlich eine anständige Familie. Und mit solchem „Gesindel“ wollen wir nichts zu tun haben!“

Erziehung läuft über Angst machen. Das mag bei Kindern funktionieren: „Wenn du auf die heiße Herdplatte fast, wirst du großes Aua haben.“ Wenn das Kind die Liebe spürt, die hinter der Aussage steckt, wird es sich vielleicht von sich aus daran halten. Erwachsenen zu sagen, „Wenn du keine Maske trägst, wirst du dich mit einer ganz furchtbar gefährlichen Krankheit infizieren.“, ist anscheinend für viele, aber durchaus nicht für jede*n überzeugend. Erwachsene, die sich die Zeit nehmen, Statistiken zu lesen, nachzudenken und Fragen zu stellen, könnten sich hier als „schwer erziehbar“ erweisen. Zumal Liebe hinter der Aussage auch nicht wirklich spürbar ist. …

Erziehung läuft über Beschämung. Auslachen. Lächerlich machen. Auch das ist immer wieder sehr beliebt. Was gibt es nur alles für „absurde Verschwörungstheorien“, ha ha … ! Wie dumm manche Leute sind, ha ha … !

Erziehung läuft über Manipulation. Angst machen gehört dazu. Aber auch Schuldzuweisungen: „Du bist schuld, dass Mami traurig ist, wenn DU …“. „Du bist schuld, wenn andere sterben, weil DU keine Maske trägst.“

Erziehung läuft über Belohnungen. Lob. Anerkennung. Den Wunsch, „dazu zu gehören“.

Viele dieser „Erziehungsformen“ scheinen zunächst zu funktionieren. Menschen, denen man Angst gemacht hat, sind oft sehr bereit, alles Mögliche zu tun, was von ihnen erwartet wird. Wenn sie damit ihre Angst reduzieren können.

Aber wehe, sie kommen irgendwann auf den Gedanken, dass sie manipuliert wurden… ! Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand versucht hat, mir Angst zu machen, um mich zu manipulieren und für eigene Ziele zu instrumentalisieren, werde ich zum einen wütend und neige zum zweiten dazu, diesem jemand nie wieder irgendetwas zu glauben. Und das geht sicher nicht nur mir so.

Schuldzuweisungen und Beschämungen führen bei den so „Behandelten“ ohnehin normalerweise nicht dazu, dass sie sich den „Erziehenden“ verbunden fühlen und künftig von ganzen Herzen auf deren Wünsche eingehen werden. Mit dieser „Erziehungsform“ schreckt man vielleicht die schweigende Mehrheit ab, sich wohlmöglich bei nächster Gelegenheit genauso zu verhalten, wie die Beschämten. Das kommt auf den persönlichen Charakter der Leute in der „schweigenden Mehrheit“ an. Manch eine*r macht gerne mit bei den Schuldzuweisungen und Beschämungen (Teile der sogenannten Comedy-Szene scheinen gar davon zu leben nach meinem Eindruck). Manch eine*r fühlt aber auch den eigenen Gerechtigkeitssinn angesprochen und solidarisiert sich „jetzt erst recht“ mit den „Ausgestoßenen“.

Belohnungen, Lob und Anerkennung funktionieren begrenzt, schleifen sich aber ab. Selbst schon bei Kindern, erst recht bei Erwachsenen.

Tja, irgendwie: Andere „zu erziehen“ erscheint den meisten Erwachsenen wichtig. Aber sobald man als Erwachsene*r merkt, dass andere einen selbst „erziehen“ wollen, reagieren die wenigsten Erwachsenen erfreut. Denn als „Erziehende*r“ maßt man sich ja immer an, es besser zu wissen / klüger zu sein, als die zu Erziehenden. Und diese empfinden die Ansicht, dass sie „erzogen“ werden müssten, dann eben meist auch als Anmaßung und Beleidigung – und sind entsprechend empört.

Deshalb ist es m.E. eher kontraproduktiv, wenn die Verantwortlichen in öffentlich rechtlichen Medien denken, sie müssten einen „Erziehungsauftrag“ erfüllen. Von wem auch immer sie meinen, diesen „Auftrag“ erhalten zu haben. Komischerweise wundern sie sich oft sehr, wenn die, die sie „erziehen“ wollten, darüber gar nicht so begeistert zu sein scheinen. Und finden deren Empörung dann wieder total unverschämt, denn schließlich wollten sie ja „nur das Beste“ für alle. Und selbstverständlich wissen sie auch ganz genau, was dieses Beste ist. … .

Was wollen wir erreichen mit unserer „Erziehung“?

Eigentlich streben die meisten Menschen doch an, glücklich zu sein. Und wollen das auch für ihre Kinder. Ist unsere Art, andere zu erziehen, vor diesem Hintergrund wirklich so toll? Ich habe den Verdacht, dass meist nicht einmal den „Erziehenden“ ihre Erziehungsversuche wirkliche Freude machen, wenn ich deren sorgenvollen und ernsten Gesichtsausdrücke bei ihren Äußerungen betrachte…(obwohl sie sich dabei natürlich sehr wichtig vorkommen). Denen, die Adressaten dieser Versuche sind, machen diese Erziehungsversuche meist noch viel weniger Freude. Als Kind kann man oft wenig dagegen tun und fügt sich mehr oder weniger. Es scheint halt dazu zu gehören. Als Erwachsener hingegen ist man verärgert, wenn man sich als Adressat eines Erziehungsversuchs anderer Erwachsener sieht, und fügt sich in der Regel nicht.

Denn Erziehung, wie wir sie praktizieren, fokussiert fast immer auf das, was wir als „Schwächen“ anderer Personen (oder auch von uns selbst) wahrnehmen. Wir beurteilen, was eine Schwäche oder ein Fehlverhalten einer anderen Person sei, und wollen diese „ausmerzen“. Das Fehlverhalten macht uns Sorgen. Wir spüren die „Last der Verantwortung“, dieses Fehlverhalten korrigieren zu müssen. Selbstverständlich zum Besten der betreffenden Person. Und zum Besten aller. So rechtfertigen wir unsere Erziehungsversuche.

Was genau aber ist ein „Fehlverhalten„? Und wer bestimmt das? Ich persönlich neige dazu zu sagen, Fehlverhalten ist alles, was andere Lebewesen quält (auch über Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen), – also z.B. Massentierhaltung … . Andere sehen dies ganz anders. Und würden sich von mir mit dieser Aussage schwer beleidigt fühlen. Insbesondere, wenn ich dann wohlmöglich auch noch behaupte, die Abschaffung der Massentierhaltung wäre auch zu ihrem Besten und würde sicherlich auch ihrem Charakter gut tun… . Und dem Planeten sowieso.

Gerade die Debatte um die Landwirtschaft zeigt es m.E. gut: Mit „moralischem Zeigefinger“ erreicht man nichts, sondern erzeugt verärgerte Landwirte. Mit „freiwilligen Selbstverpflichtungen“ erreicht man auch nichts, wenn diese nicht aus dem eigenen Wunsch der betreffenden Menschen heraus entstehen, wirklich etwas verändern zu wollen. Dieser Wunsch wiederum hat etwas mit den eigenen Werten und Bewertungen zu tun, denke ich.

Natürlich kann man eigene Werte den eigenen Kindern vermitteln, indem man sie ihnen vorlebt. Und bei anderen Erwachsenen? Denen kann man sie ebenfalls vorleben. Aber zwangsweise „überbraten“? Aus solchen Versuchen sind furchtbare Religions- und Ideologiekriege entstanden. Weil Menschen meinten, ihre Werte anderen (gewaltsam) aufdrängen zu müssen. Und sich dabei noch eingebildet haben, sie täten ein gutes Werk.

Wenn wir mit unserer „Erziehung“ wirklich eine bessere Welt anstreben, vielleicht sollten wir es genau anders herum versuchen? Vielleicht ist der gesamte Gedanke mit der schwächenorientierten Erziehung eigentlich ein „Fehlgedanke“? Ich mag die positive Psychologie, die ganz klar davon ausgeht, dass Erziehung stärkenorientiert sein sollte. Aus dieser Sicht sollten Erziehende vorhandene Stärken fördern bei den ihnen Anvertrauten, statt zu versuchen, deren echte oder vermeintliche „Schwächen“ auszumerzen.

Auf die Bereicherung schauen, nicht auf die Schwächen

Inzwischen würde ich persönlich sogar noch einen Schritt weiter gehen. Ich finde, Erziehung sollte in erster Linie dankbarkeitsbasiert sein. Nicht versuchen, das Kind in irgendeine Richtung zu „ziehen“, von der man aus dem eigenen Leben heraus denkt, es wäre für das Kind die „richtige“. Sondern täglich zu üben, die Bereicherung wahrzunehmen, die das eigene Kind bietet und dafür ihm und der Schöpfung unendlich dankbar zu sein. Und darauf vertrauen, dass das Kind die für sie oder ihn „richtige“ Richtung selbst finden wird… . Nicht sich auf die vermeintlichen Schwächen des Kindes zu konzentrieren, von denen man denkt, dass sie seinem späteren „Erfolg“ im Leben entgegen stehen könnten. Sondern das einzigartige Wunder sehen, das jedes Kind ist.

Ich hätte es durchaus toll gefunden, so erzogen zu werden!

Kinder, denen auf diese Art Selbstliebe vermittelt aber auch gleichzeitig Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung vorgelebt wird, werden vielleicht auch wundervolle dankbare Erwachsene werden. Die keinerlei Bedürfnis mehr haben werden, die o.g. „Erziehungsformen“ bei anderen (oder auch bei sich selbst) anzuwenden.

Utopie? Ja klar. Jedenfalls noch. Menschen in meinem Alter sind schließlich fast alle ganz anders aufgewachsen.

Und so gebe ich zu, ich muss noch ziemlich viel üben, um meinen „moralischen Zeigefinger“ zu stoppen und stattdessen die Bereicherung in den Menschen wahrzunehmen, die ihren Müll achtlos in die Gegend kippen… ! 😉 Tja, und manchmal will ich das auch gar nicht. Denn, auch wenn ich weiß, dass ich damit wenig bewirke: Manchmal tut es mir auch einfach nur saugut, meinem Ärger über Zeitgenossen, die ich als „ignorant“, „dumm“, „ihre Macht missbrauchend“ oder was auch immer ansehe, mal so richtig Luft zu machen… 🙂

Die „Krone“ der Schöpfung?

Künstlerin: Dörte Müller

Eines der Dinge, die ich an den von mir so oft gescholtenen öffentlich rechtlichen Medien ganz toll finde, sind die Naturdokus. „Planet Erde“, „Der blaue Planet“ o.ä., das sind oft spektakuläre Bilder von den Wundern dieser Erde. Die buntesten, exotischten, merkwürdigsten Geschöpfe in der Tiefsee oder auch in den Bäumen naturbelassener Wälder. Es scheint nichts zu geben, was es nicht gibt auf dieser Welt. Unglaublich faszinierend! Was für eine tolle Schöpfung!!!

„Um“welt oder „Mitwelt“?

… Und dann sehe ich die Bilder, wo über Tausende von Jahren auf dem Meeresboden gewachsene Korallensiedlungen durch Schleppnetzfischerei mal so eben unwiederbringlich zerstört wurden. Ich höre den „Umweltminister“ Brasiliens sagen, wie toll er das findet, den brasilianischen Regenwald roden lassen zu können, ohne dass großartig jemand protestiert. Der Präsident Brasiliens bezeichnet die Umweltbehörden gar als „Krebsgeschwür“.

Ich lese, wie viele Tonnen Pestizide selbst in Deutschland und sogar in Privatgärten immer noch jährlich ausgebracht werden, die unser Grundwasser vergiften. Ich höre, dass schon einer dieser Billionen von jährlich achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln rund 300 Liter Wasser verseuche und die Zigarettenfilter für einen großen Teil des Mikroplastiks in unseren Meeren verantwortlich seien. Ich sehe, wie viel Müll irgendwo von Leuten einfach in die Wälder oder in Gewässer gekippt wird. Wie viel Boden auch in Deutschland immer noch verdichtet wird. Wie Bohrinseln in Naturschutzgebieten stehen und weitere genehmigt werden. Wie Flüsse ausgebaggert werden, um sie für Großschifffahrt nutzbar zu machen. Wie viele Kreuzfahrtschiffe es gibt, die immer noch völlig ungefiltert ihre Abgase in die Luft blasen dürfen. Wie viel Müll jährlich produziert wird von den Industriestaaten, und wie viele als „Ressourcen“ angesehene Schätze der Erde permanent verantwortungslos ausgebeutet und verbraucht werden. Und so weiter … .

Und ich frage mich, sind Menschen die „Krone“ der Schöpfung? oder vielleicht doch eher ein „Corona-Virus“ der Schöpfung? Wobei die Corona-Viren ihren „Wirt“ normalerweise nicht zerstören. Wir Menschen hingegen tun das leider permanent und offenbar völlig gedankenlos. Haben wir nicht für die Menschheit weitaus wichtigere und drängendere Probleme zu lösen, als irgend so ein alles in allem doch eher harmloses Virus „zu bekämpfen“?

Die Natur hat uns so viele Wunder zu bieten. Und wir sehen diese nicht einmal, sondern definieren die Natur stattdessen als „bedrohlich“, „zu unterwerfen“, „zu bekämpfen“ und „auszubeuten“???

Vielleicht ist schon der Begriff „Um“welt ungünstig, weil er suggeriert, es gebe uns, und die Welt um uns herum? Statt uns als Teil dieser Welt zu sehen?

Wir beten Technik an. Und scheinen die raffiniertesten Wunder der Natur nicht einmal wahrzunehmen, es sei denn, sie können als Anregung für technische Lösungen dienen. Elon Musk, der die Grenzen der technischen Möglichkeiten immer weiter verschieben möchte, gilt als Star. Dem dann selbst im Trinkwasserschutzgebiet von Landesregierungen mit Beteiligung der „Grünen“ der rote Teppich ausgerollt wird für seine Gigafabrik. Das Ganze wird dann noch als Umweltschutz verkauft, weil er ja Elektroautos bauen will. Nur leider schützen der Bau einer Gigafabrik und der Bau von Autos die Um-/Mitwelt nicht, sondern sie verbrauchen enorm viel „Ressourcen“ (also Güter dieser Erde, von denen Menschen zu denken scheinen, sie wären ihr Eigentum). Autos gibt es auf diesem Planeten bereits eine Menge. Und sie sind für uns nicht lebenswichtig. Trinkwasser schon. Und verseuchtes Trinkwasser ist verloren. Wir haben eine Überproduktion von Autos in Deutschland. Der man nicht damit begegnen kann, dass man ständig neue Kaufanreize schafft, sondern damit, dass man die Produktion reduziert. Und dadurch diesen Planeten entlastet. Es macht keinen Sinn, ständig Dinge zu produzieren, die kein Mensch wirklich braucht, und die bald darauf wieder „verschrottet“ werden. Am sinnlosesten erscheint mir das bei Waffen. Was ist das für eine Spezies, die auf den idiotischen Gedanken kommt, etwas massenhaft zu produzieren, was bei der Produktion jede Menge „Ressourcen“ verschlingt – und keinem anderen Zweck dient, als Teile der Schöpfung zu zerstören???

Echter Mitweltschutz hätte etwas mit Konsumverzicht zu tun, nicht mit Konsumankurbelung. Und schon gar nicht mit Waffenproduktion und -export.

Natürlich will das niemand. Konsumverzicht. Exporteinschränkungen. Schon gar nicht in einer Zeit, wo die Wirtschaft wegen der weltweiten Corona-Lockdowns ohnehin zu kämpfen hat. Aber wäre es nicht an der Zeit, sich ganz verstärkt Gedanken zu machen, wie man weltweit zu einer wirklich mitweltfreundlicheren Wirtschaft kommen könnte? Umweltschutz im Sinne von Mitweltschutz ist etwas sehr viel weiter Gehendes als Klimaschutz. Längst nicht alles, was uns als Klimaschutz verkauft wird, ist Umwelt-/Mitweltschutz (s. Tesla …). Aber echter Mitweltschutz wird immer auch dem Klima gut tun.

Wäre es nicht an der Zeit, unsere Haltung zu ändern? Die Wunder der Erde viel mehr zu sehen, zu würdigen und zu schützen? Wahrzunehmen, dass Leben auf Kooperation aufbaut und alles mit allem verbunden ist? Uns keine Masken vor das Gesicht zu hängen, sondern die Düfte der Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen – und dafür zu sorgen, dass wir die Luft, die wir zum Atmen brauchen, nicht ständig verschmutzen? Zu erkennen, dass wir reines klares Wasser zum Leben brauchen – und es kaum etwas Dümmeres gibt, als dieses Geschenk der Natur zu verunreinigen? Zu erkennen, dass Kampf und Krieg gegen andere Menschen und / oder die Natur ziemlich schlechte Ideen sind, die enorm viel Schaden anrichten?

Wäre es nicht an der Zeit, Abstand zu üben? Nicht von anderen Menschen oder der Natur, sondern von einer Haltung, die von Geldgier und Gier nach Macht über andere geprägt ist???

Natürlich geht all das nicht zwangsweise. Man wird weder Brasiliens Machtclique noch Landwirtschaftsgroßbetrieben mit Massentierhaltung in Deutschland eine andere Haltung „verordnen“ können. Man könnte Anreize anders setzen, also durch die Subventionspolitik in der Landwirtschaft nicht ausgerechnet die großen Betriebe fördern. Handelsabkommen mit Brasilien und anderen Staaten so ausgestalten, dass der Schutz natürlicher Ressourcen im Vordergrund steht.

Wie man an diesen Beispielen schon sieht, ist es meist nicht die „Schuld“ Einzelner, dass die Welt so ist, wie sie ist. Sondern weltweit steht für die meisten Menschen immer noch die Wirtschaft im Vordergrund und nicht der Schutz der Mitwelt. Jedenfalls nicht, wenn dieser zulasten der Wirtschaftsleistung gehen könnte.

Entfremdung

Für mich ist der Umgang mit diesem Virus ja auch ein Zeichen für unsere Entfremdung von unserer Mitwelt – und ein Grund, warum ich auf die verordneten Maßnahmen so negativ reagiere. Masken, Desinfizieren von allem Möglichen und Unmöglichem – und warten auf den vermeintlich „erlösenden“ Impfstoff: Die Um-/Mitwelt scheint extrem gefährlich. Der andere Mensch ebenso. Nur die von Menschen erfundene „Technik“, der Impfstoff, kann angeblich „retten“. Wenn jemand immunstärkende Mittel aus der Natur empfiehlt, Knoblauch, Thymian, Beeren, Cistustee, Vitamin D (Sonne) usw., gilt das als lächerlich. Man habe dann die „Gefährlichkeit“ des Virus nicht erkannt, verharmlose dieses auf „unverantwortliche“ Weise. So geht Entfremdung von allem Natürlichen.

Chancen?

Aber das Virus bietet zumindest die Chance, über einige Dinge nachzudenken, die vorher als völlig normal hingenommen wurden. Ob die Zustände in unserer Fleischindustrie, oder die schon lange kaputt gesparten Gesundheitssysteme in den meisten Staaten dieser Welt. Ob sich da wohl jetzt etwas tun wird zum Besseren?

Und vielleicht werden die Milliarden, die derzeit in die Forschung für einen Impfstoff gegen Corona fließen, künftig auch „sinnvoller“ ausgegeben: Zum Beispiel, im Einsatz für saubereres Trinkwasser weltweit? Da könnten Technik und Mitweltschutz vielleicht wirklich einmal segensreich zusammen spielen. Es müsste nur jemand bezahlen. Vielleicht wäre Elon Musk für eine entsprechende Aktion zu gewinnen… ;-)? Wer weiß!

Ich glaube ja schon, dass Menschen eigentlich sehr „machtvolle“ Wesen sind. Und als solche vielleicht auch das „Sahnehäubchen der Schöpfung“. Ich finde diesen Begriff schöner, als den der Krone, denn Sahne verbindet sich mit dem Gericht. Und macht dieses gleichzeitig ein bisschen feiner. Aber unsere volle Macht als Menschen werden wir wohl nur ausschöpfen können, wenn wir auch unsere Herzen nutzen und nicht nur unsere Gehirne. Da geht weltweit sicher noch Einiges… .

Aber es tut sich auch Einiges. So bin ich immer ganz begeistert, wenn ich in vielen Blogs lese (und auch in den Medien sehe), wie viele Menschen sich für andere Menschen und auch für die Natur engagieren. Sich als Teil der Schöpfung empfinden und diese Schöpfung als etwas sehen, was es zu bewahren und zu schützen gilt. Und nicht, als etwas, was man sich „untertan machen“, verbrauchen oder gar bekämpfen sollte.

DANKE Euch allen, die Ihr Euch engagiert für das Wohlbefinden anderer! Ob privat oder im Rahmen Eures Berufs oder auch mit kleinen Gedichten, Geschichten oder schönen Fotos in Euren Blogs, mit denen Ihr ein Lächeln auf die Gesichter Eurer Mitmenschen zaubert!!! Ich finde, Ihr seid die Sahnehäubchen der „Schöpfungsspeise“ und sorgt dafür, dass diese auf die Dauer immer feiner wird!!!

Fakt, Fake-News oder beides?

Wir bauen uns die Welt, wie sie uns gefällt – oder vielmehr, wie wir sie sehen… ; Künstlerin: Dörte Müller

Man müsse sich entscheiden, so wird es mir in Medien, Politik und auch in vielen Blogs etc. suggeriert: „Vernünftige“ Menschen glauben an „harte wissenschaftliche Fakten“ und legen diese ihrer Weltsicht zugrunde. „Die anderen“, das sind „weltfremde Esoteriker*innen“, oder gar „Verschwörungstheoretiker*innen“, die ihren Gefühlen mehr trauen, als den „Fakten“, – und denen man deshalb nicht trauen könne… . Und die man bekehren müsse. Hin zu einer „wissenschaftlichen“ Weltsicht.

Frühere Geistesgrößen wie Pythagoras und Platon (auf die die Begriff der „Esoterik“ möglicherweise zurückgeht) oder auch Newton hätten eine solche Ab- und Ausgrenzung vermutlich absurd und sicherlich nicht besonders „vernünftig“ gefunden, denn sie waren beides. Wissenschaftler und Esoteriker. Und hoch intelligent. Und ich nehme an, dass sie ihre Bewertung dessen, was sie wahrnahmen, auch nicht zwingend als die einzig „richtige“ Bewertung ansahen.

Eine einfache Weltsicht

Heutzutage ist Abgrenzung hingegen en vogue. Nicht nur zwischen Meinungen, sondern insbesondere auch zwischen Menschen. Eine Wissenschaft, die in ihrer Fixierung auf das messbare Detail immer einseitiger wurde, brauchte einen Gegenpol, so scheint es. Esoterik gilt heute als Synonym für „unwissenschaftlich“ und damit als „Unsinn“. Eine „Wissenschaft“, die sich ausschließlich auf das Außen konzentrierte, versucht(e) sich aufzuwerten, indem sie „das Innere“ abwertet(e). Inzwischen pocht in unserer Gesellschaft nahezu jede*r auf vermeintliche äußere „Fakten“, die niemand in Frage stellen dürfe. Wer sich auf „Fakten“ beruft, will in der Regel „wissenschaftlich“ und klug erscheinen. Wer die „Fakten leugnet“, ist damit automatisch „unwissenschaftlich“ und „dumm“. So wird es ständig suggeriert. Eine einfache Weltsicht.

Leider unterscheidet dabei kaum jemand zwischen „Fakten“ und „Bewertungen“. Es wird als selbstverständlich unterstellt, dass es unumstößliche und bewertungsfreie Fakten gibt und zwar jede Menge. Es ist der Traum von der „objektiven Wahrheit“.

Wahrheit? Oder Wahrnehmung?

Was gilt denn bei uns als Fakt?

Etwas, was durch eine „wissenschaftliche Studie eindeutig belegt ist“?

Ist es nicht bereits eine Bewertung, wozu ich eine Studie mache – und wozu nicht? Folge ich nicht bei dem Design der Studie und bei meiner Interpretation automatisch meiner Weltsicht, die ich ohnehin habe? Kann das dann „objektiv“, „wahr“, „nicht hinterfragbar“ sein?

Ich interessiere mich seit vielen Jahren für das Thema „gesunde Ernährung“ und finde es häufig geradezu lustig: Ob „vegan“, „Paleo“, „Rohkost“, „Vollwert“, usw., jede*r kann für die von ihm / ihr propagierte Ernährungsform auf Hunderte von Studien verweisen, wonach genau diese Ernährungsform jeweils die Gesündeste von allen sei. Manchmal werden für gegenteilige Ernährungsformen sogar die gleichen Studien zitiert, nur jeweils gegensätzlich interpretiert. Fakt? Oft heißt es auch: „Vor ein paar Jahren dachten wir noch aufgrund entsprechender Studien, z.B. zum Thema „Fette“, dass „gesättigte Fette“ sehr ungesund sind; heute „wissen“ wir aufgrund anderer Studien, dass das so nicht stimmt …“ . „Wissen?“ Es ist jeweils der aktuelle Stand der Forschung im Außen, der sich jederzeit wieder ändern kann. Natürlich ist es gut, wenn Forschung sich weiter entwickelt. Aber das heißt eben auch, was wir jetzt glauben, werden wir in einigen Jahren vielleicht schon nicht mehr glauben. Denn wir Menschen „wissen“ längst nicht so viel, wie viele Menschen „glauben“ (sorry, ich liebe solche Wortspielereien…). Ein Grund dafür könnte sein, dass die meisten Menschen heutzutage denken, es wäre klug, äußeren „Fakten“ und Bewertungen von „Experten“ mehr zu trauen, als der inneren Weisheit.

Wissen? Oder Manipulation?

Wünschenswert wäre für mich, wenn von diesen „Experten“ zumindest offen gelegt würde, was sie „wissen“, und was nicht. Wenn sie die Ganzheit des Systems jeweils ebenso im Blick haben würden, wie das Detail. Wenn sie „Weisheit“ genauso gelten lassen würden, wie äußere Messungen. Und wenn sie aufhören würden aus der Tatsache, dass es zu etwas keine Studien gibt, den logisch fehlerhaften Umkehrschluss zu ziehen, dass es das dann auch nicht gebe. Man kann z.B. aus fehlenden Langzeitstudien zu Impfnebenwirkungen nicht den Schluss ziehen, es gebe keine unerwünschten Langzeitwirkungen. Weil es für solche Wirkungen ja keine „Beweise“ gebe. Während man für die Gefährlichkeit von COVID-19 vermutlich bald „Beweise“ präsentieren wird. So etwas sind klassische (interessengeleitete) Zirkelschlüsse, die aber unter Verweis auf den „positivistischen“ Wissenschaftsbegriff bei uns als normal gelten und wenig hinterfragt werden. „Fakt“?

Nur Studien und Statistiken gelten zu lassen, hat für „interessierte Kreise“ den Vorteil, dass sie so anlegen und auslegen lassen können, wie es ihnen gefällt. Wenn sie das entsprechende Geld dazu habe. Sonst eher nicht, denn zu kleine Studien sind natürlich schon wegen der nicht repräsentativen Gruppe immer angreifbar.

Zahlen gelten bei uns gern als unumstößlicher Fakt. Was könnte „objektiver“ sein? Die gleiche Zahl kann allerdings je nachdem, in welchen Zusammenhang ich sie setze – oder eben nicht setze -, eine völlig andere Aussage beinhalten. Auch das sieht man in der Corona-Diskussion deutlich. „Objektiv“?

Geht so heutzutage „Wissenschaft“? Geht es wohlmöglich hauptsächlich darum, mit meinen Studien den Anschein zu erwecken, ich arbeite seriös und „faktenorientiert“?

Dogmatisch

Keine komische „Esoterik“, sondern „echte harte Wissenschaft“! Da glaubt man doch gleich viel mehr dran… . Wie das so ist mit dem „Glauben“ … ;-). Denn tatsächlich scheint mir persönlich das, was heutzutage so als „Wissenschaft“ verkauft wird, oft viel mehr mit Glauben zu tun zu haben, als mit Wissenschaft. Manches scheint gar sehr dogmatisch geworden zu sein. Ich habe im Internet unter „brandeins“ eine schöne Definition dazu gefunden: „Dogmatismus ist ein unselbständiges, von Glaubenslehren – den Dogmen – abhängiges Denken, im sozialpsychologischen Sinne eine Einstellung mit der starken Neigung, Auffassungen, die der eigenen widersprechen, strikt zurückzuweisen, ohne die Fähigkeit zu haben, Informationen anderer für sich selbst zu verwenden.“

Dogmatisches Denken wird von „Wissenschaftsjünger*innen“ gerne „Esoteriker*innen“ unterstellt, die angeblich irgendwelchen Gurus hinterher liefen und deren Glaubenslehren unhinterfragt übernähmen.

Aber, wenn ich mit dem Finger auf andere zeige, zeigen immer vier Finger auf mich selbst… . Die allermeisten „Wissenschaftsjünger*innen“ scheinen mir die Lehren ihrer Gurus (ebenfalls) völlig unhinterfragt zu übernehmen. Gar nicht auf den Gedanken zu kommen, dass vielleicht nicht alles ganz so „wissenschaftlich“ ist, wie es daher zu kommen scheint. Aber sehr empört zu sein, wenn andere diese „Wissenschaftlichkeit“ zu hinterfragen wagen. („Der Mann ist schließlich Virologe, wie können Sie dessen Aussagen in Zweifel ziehen…?“)

Mit dem Label „Fake-News“ wird dann versucht, die Auffassung, die der eigenen widerspricht, als „absichtlich falsch“ zu brandmarken und damit als etwas, woran nur „Dummköpfe“ glauben.

Echte Wissenschaft oder interessengeleitete Überheblichkeit?

Haben „echte“ Wissenschaftler*innen so etwas nötig? Würden „echte“ Wissenschaftler*innen jemals unterstellen, dass nur die eigene Auffassung „richtig“ sein kann? Würden sie nicht eher den Diskurs lieben? Die Blickrichtung von außen, die immer die Chance bietet, die eigene Wahrnehmung zu erweitern? Statt zu versuchen, sich mit vermeintlich unhinterfragbaren Fakten in einer Wagenburg zu verschanzen? Braucht man das? Warum? Warum besteht heutzutage in Wissenschaft, Politik und auch Medien so eine Angst vor dem gleichberechtigten Diskurs?

Meiner Ansicht nach lassen sich Fakten und Fake-News nicht mehr seriös voneinander trennen, sobald ich einen „Fakt“ mit einer Bewertung verbinde, – was nahezu immer der Fall ist. wenn ich dann unterstelle, dass meine Bewertung die einzig Richtige ist und von niemandem in Frage gestellt werden kann, dann wird der Fakt zu Fake-News. So gibt es z.B. in der Maskenfrage wissenschaftliche Versuche unter Laborbedingungen, die für bestimmte Masken zeigen, dass sie die Verbreitung von Tröpfchen und manche sogar von Aerosolen einzudämmen vermögen. Daraus den Schluss zu ziehen, dass ohne Masken die Infektionsrate signifikant steigen würde, ist jedoch unwissenschaftlich, denn für eine Infektion spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. So hat sich nach den Demonstrationen am 1.8. oder am letzten Wochenende sowie bei einer Techno-Boots-Party in diesem Sommer in Berlin gezeigt, dass sich die Infektionsrate nach keiner der Veranstaltungen signifikant oder überhaupt erhöht hatte. Obwohl auf allen diesen Veranstaltungen große Menschenmengen waren, kaum Masken getragen wurden und auch der „Abstand“ nicht immer eingehalten wurde. (Da alle Veranstaltungen im Freien stattfanden, war eine Erhöhung der Infektionsrate aus meiner Sicht auch kaum zu erwarten.) Auch die verbreitete Aussage, dass Deutschland wegen der Maskenpflicht „so gut durch die Krise gekommen sei“, ist durch nichts belegt. Es handelt sich um eine bloße Behauptung, dass zwischen den beiden Fakten (Maskenpflicht und wenig an COVID-19 Verstorbene) eine Kausalität bestünde. Es gibt bei vielen Menschen den Wunsch, dass es da eine Kausalität gibt, weil sie damit das Gefühl haben, etwas „gegen Corona“ tun zu können. Und sie glauben daher gern, dass es sich um einem „Fakt“ handele.

Das, was jemand als Fakt ansieht, ist in aller Regel keine „objektive Wahrheit“, sondern seine Wahrnehmung der Welt. Also seine subjektive Wahrheit. An und für sich ist das bekannt für jede*n, der / die sich für Kognitionswissenschaften interessiert. Leider tun das offenbar die wenigsten Politiker*innen und Journalist*innen.

Was hindert, die Wahrnehmungen anderer Menschen, einfach stehen zu lassen? Warum werden die Leute mit der anderen Ansicht bekämpft und versucht, sie „zu bekehren“? Oder, wenn sie die „Bekehrung“ nicht zulassen, sie in die Ecke zu drängen? Ihnen symbolisch einen „Aluhut“ aufzusetzen mit der Absicht, sie so als „dumm“ zu erniedrigen?

Aus meiner Sicht gibt es dafür nur eine Erklärung: Weil es nämlich „in Wahrheit“ auch bei den „Verleihern“ des Aluhuts, den „Faktencheckern“ und denen, die so gerne mit dem Label der „Verschwörungstheoretiker*innen“ bei der Hand sind, um Gefühle geht. Und gerade nicht um Fakten. Es geht meines Erachtens um Angst und Irritation:

Esoteriker*innen“ im Wortsinn, also Menschen, die vor allem auf die eigene innere Wahrnehmung hören, irritieren in einer Welt, die die äußere Sicherheit „eindeutiger Fakten“ braucht. In einer Welt, die „gut“ und „böse“ eindeutig unterscheiden können möchte. Die „das Böse“ im Außen bekämpfen möchte – und nicht im eigenen Innern.

Leute, die nicht so richtig in irgendeine Schublade passen, die mehr auf ihre Gefühle und ihre innere Stimme hören, als auf das, was man ihnen sagt, scheinen wie ein störender Stachel zu wirken in dieser Gesellschaft.

Zumindest, solange der größte Teil dieser Gesellschaft wenig Zugang zu den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen hat. Und deshalb bereitwillig den äußeren Vorgaben folgt.

Ich persönlich bin jemand, die noch übt mit dem Zugang zu den eigenen Gefühlen. Aber durchaus schon jetzt am liebsten auf die eigene innere Stimme hört. Das gilt für die Ernährung ebenso wie für die Medizin und erst recht für Impfungen!

Denn das mit den „Fakten“, das erscheint mir persönlich leider viel zu manipulierbar. Natürlich sind auch Gefühle manipulierbar. Bei Angst geschieht das (nicht nur derzeit) in großem Stil. Häufig werden für diese Manipulation angebliche „Fakten“ genutzt. Auch bei Wut oder Hass geht das. Diese Manipulation ist aber nur möglich bei Menschen, deren Wahrnehmung im Wesentlichen nach außen gerichtet ist, die „Gurus“ oder „Experten“ brauchen, die ihnen sagen, was „richtig“ und was „falsch“ sei.

Ist das das eigentliche Problem? Das plötzlich immer mehr Menschen auftauchen, die ihrer eigenen Wahrnehmung folgen? Und sich nicht mehr so viel von außen sagen lassen? „Unverbesserlich“ sind? (Diesen Ausdruck des Berliner Bürgermeisters fand ich sehr vielsagend … .)

Wer Zugang zur eigenen (Körper-)Weisheit hat, braucht keine Ernährungsstudien. Und vermutlich auch keine Impfung gegen COVID-19. Er muss sich nicht sagen lassen, welchen „Fakten“-Bewertungen er zu glauben hat, und welchen nicht. Er traut sich, der eigenen inneren Bewertung zu folgen.

Fakt? Oder Fake-News? Selbst schon die Auswahl, wie oft ein „Fakt“ (wie z.B. ein Video) gezeigt wird, und welche „Fakten“ überhaupt gezeigt werden, und welche nicht, sind Bewertungen. Und als solche wirken sie manipulativ.

Die problematischen Fake-News, das sind für mich deshalb nicht die eindeutigen „Falschaussagen“, Theorien von „Echsenmenschen“, oder was auch immer es da gibt. Da ist für mich unmittelbar erkennbar, ob ich das nachvollziehbar finde, oder nicht. Problematisch finde ich die Aussagen, die so tun, als seien sie faktenbasiert und wissenschaftlich und unzweifelhaft „richtig“, mir unter diesem Mantel aber im Grunde nur eine bestimmte Bewertung „verkaufen“ wollen. Meine Wahrnehmung in eine bestimmte Richtung drängen wollen. Denn da brauche ich Zeit, die Möglichkeit zum Nachdenken und oft auch etwas Hintergrundwissen, um zu erkennen, dass man die Sache vielleicht auch ganz anders sehen könnte.

Echte Wissenschaft heißt für mich deshalb Fragen zuzulassen. Alles immer und immer wieder auch selbst zu hinterfragen. Ein*e echte*r Wissenschaftler*in wird für mich skeptisch, wenn jemand etwas als „unumstößlichen Fakt“ darstellt. Und echte Wissenschaft ist für mich kein Gegensatz zu Esoterik. Warum denn?

Dieses Bedürfnis, Menschen in „gut“ und „böse“, „vernünftig“ und „unvernünftig“, „klug“ und „dumm“, „wissenschaftlich faktenorientiert“ und „esoterisch verschwörungstheoretisch“ zu trennen, das Politik und Medien zu haben scheinen, halte ich für fatal. Solche Entwertungen anderer Menschen haben schon viel Leid auf dieser Welt hervor gebracht. Und sie erscheinen mir so unnötig!

Bedürfnisse

Künstlerin: Dörte Müller

Es handelt sich hier um einen Nachtrag zu meinem Beitrag: Warum versuchen wir es nicht mal mit Kommunikations-Regeln statt mit Corona-Regeln?“

Es ist mir jetzt doch ein Bedürfnis…, noch einmal meine Bedürfnisse ausdrücklich zu benennen, die meine Haltung in dieser Corona-Geschichte prägen:

  1. Ich hätte das Gefühl haben wollen, zu Dingen, die das (Zusammen)Leben relativ stark beeinflussen, in den öffentlich rechtlichen Medien neutral, sachlich und ausgewogen informiert zu werden. Dazu hätte für mich z.B. gehört, dass man die täglich als „Infektionszahl“ veröffentlichte Zahl positiver Testergebnisse immer ins Verhältnis setzt mit der Anzahl der insgesamt an diesem Tag Getesteten. Die bloße Zahl der positiven Testergebnisse ermöglicht keine Aussage zum Infektionsgeschehen. Dazu hätte für mich auch gehört, dass man nicht pauschal von „Tausenden Toten“ spricht, die an dem Virus gestorben seien, sondern auch hier die Zahlen ins Verhältnis setzt. Also z.B.: In den 6 Monaten mit SARS-CoV2 in Deutschland sind unter den rund 450.000 insgesamt in diesem Zeitraum in Deutschland Verstorbenen rund 9.000 Verstorbene, die das Virus in sich trugen. Ob sie an (und nicht nur „mit“) dem Virus verstorben sind, ist bekannt bei … % Der Altersdurchschnitt verteilt sich wie folgt: …; bei … waren folgende Vorerkrankungen bekannt…. . Bei … % sind Beatmungen erfolgt. Beatmungen erfolgen bei CoVid-19 nach folgenden Kriterien … (Letzte Aussage fände ich deshalb wichtig, weil nach Kritiker*innen bei COVID-19 zu oft und zu schnell und damit auch zu lange beatmet wird, was für die Betroffenen u.U. ein höheres Risiko darstelle, als die Erkrankung an sich.)
  2. Ich hätte das Gefühl haben wollen, dass vor weitreichenden politischen Entscheidungen, die unser aller Leben treffen, verschiedenste Expert*innen aus unterschiedlichen Richtungen angehört werden. Und dass man in diesen Runden in sachlichen unaufgeregten Gesprächen offen diskutiert, welche Maßnahmen in der Situation sinnvoll und gut sein könnten. Und die Ergebnisse entsprechend öffentlich kommuniziert und begründet.
  3. Ich hätte nicht das Gefühl haben wollen, dass in dieser Sache von Beginn an medial in großem Stil Angst geschürt wird, und verbal mit Beschimpfungen und mehr oder weniger passenden Zuschreibungen Stimmung gemacht wird gegen Andersdenkende. So dass sich das Aggressionspotential auf beiden Seiten ständig weiter erhöht hat.
  4. Ein weiteres Bedürfnis von mir ist, meine Sauerstoffzufuhr nicht durch eine Maske vor meinem Gesicht erheblich behindern zu müssen. So etwas bewirkt bei mir leichte Panikanfälle und ist bei meiner ohnehin bestehenden schweren Autoimmunerkrankung für mich ein großes zusätzliches Erschwernis. Auch möchte ich gerne mal wieder das Lächeln meiner Mitmenschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln sehen … ;-).
  5. Ja, und mir ist es auch ein großes Bedürfnis, mein ohnehin überschießendes Immunsystem nicht durch eine Impfung zusätzlich reizen zu müssen – mit für mich unabsehbaren Folgen. (Bei der bisherigen offiziellen Rhetorik zu Corona, halte ich die Einführung der Pflichtimpfung leider für mehr als wahrscheinlich.)
  6. Und schlussendlich ist es mir ein Bedürfnis, dass in dieser Welt auch eine andere Haltung möglich wird: Eine Haltung, die Viren und Bakterien nicht pauschal als „böse“ und zu bekämpfen ansieht, sondern als etwas, was zu unserem Leben dazu gehört. Bakterien ermöglichen uns überhaupt erst unser Leben und auch längst nicht jedes Virus ist einfach nur schädlich. Im übrigen leben wir bekanntermaßen seit langem mit Corona-Viren und auch COVID19 wird uns wohl weiter begleiten.

Warum versuchen wir es nicht mal mit „Kommunikations-Regeln“ statt mit „Corona-Regeln“?

Gerne auch „sanktionsbewehrt“: Bei Verstoß 50 Ct in die Kaffeekasse…;-)?; Künstlerin: Dörte Müller

„Wir sollten mehr mit- als übereinander reden.“ Den Satz habe ich schon oft gehört. Nur erleben tue ich ihn selten – und schon gar nicht beim Thema „Corona“.

Miteinander ist etwas anderes als GEGENeinander!

Um mit einem heutzutage offenbar klassischen Missverständnis aufzuräumen: Miteinander reden heißt nicht, dass ich dem Gegenüber jetzt mal ordentlich die (eigene) Meinung sage, ihm sozusagen mit der eigenen Meinungskeule eins überbrate, damit auch dieser „Idiot“ endlich versteht, dass ICH recht habe…!

Ich habe dann nämlich gerade nicht versucht, MIT dem anderen zu reden, sondern GEGEN ihn. Es erscheint wenig verwunderlich, dass das dem Gegenüber meist nicht gefällt. Er holt seine eigene „Keule“ heraus, und das war’s dann mit der „Kommunikation“. Übrig bleibt dann nur die Erkenntnis, dass man mit dem / der anderen sowieso nicht reden könne – und der Streit, wer „schuld“ ist.

Echte Kommunikation hat viel mit Zuhören zu tun. Natürlich möchte man „die anderen“ von der eigenen Meinung überzeugen. Das liegt vermutlich in der Natur der Menschen. Und ich will das natürlich auch (schon alleine deshalb, damit diese Alltags-Gesichtsmasken endlich der Vergangenheit angehören… ;-)). Aber ich versuche zu verstehen, was die Menschen mit der „anderen Meinung“ antreiben könnte. Menschen, die so vehement die „Corona-Sicherheitsregeln“ einfordern, sie verschärfen und ständig kontrollieren wollen. Immer höhere Sanktionen gegen jede*n fordern, der / die gegen diese „Regeln“ verstößt.

Und ich wünschte mir, dass „die andere Seite“ mir genau das auch mitteilt. Was ist denn das eigene Bedürfnis, das hinter diesen Forderungen steht?

Ein existenzielles Sicherheitsbedürfnis aus Angst vor dem Tod durch das Virus? Dieser Angst könnte man mit einem neutraleren Blick, einer echten wissenschaftlichen Einordnung der vorliegenden wenigen Daten und Zahlen doch möglicherweise begegnen. Indem man sich die Todeszahlen unvoreingenommen anschaut und mit der jeweiligen Einwohnerzahl, der Zahl der positiv Getesteten, der Zahl der insgesamt Getesteten und den Todeszahlen aus anderen Ursachen ins Verhältnis setzt. Wenn man das ganz unvoreingenommen machen würde, könnte man eventuell auch erkennen, ob, und was die „Corona-Regeln“ gebracht haben könnten (in jeder Richtung). Auch könnte man dieser Angst medial begegnen, wenn man in den Berichten über Covid-19 die weit überwiegende Anzahl der ohne größere Komplikationen Gesundeten in den Vordergrund stellen würde, statt ständig Einzelfälle mit schweren Verläufen zu präsentieren.

Steht hinter diesen Forderungen das Bedürfnis, die Angst vor dem unsichtbaren Virus in Wut auf einen sichtbaren Feind umwandeln zu können? Nämlich auf die „Maskenverweigerer“, die damit in der Wahrnehmung der Befürworter sozusagen selbst zum Virus geworden sind? Zum „Sündenbock“, an dem man seinen Frust abreagieren kann? (Manch einer der wütenden Personen ist früher mit jedem grippalen Infekt zur Arbeit gegangen, nachdem sie sich „etwas eingeworfen hatten“, ohne sich je Gedanken zu machen, dass jeder Infekt Menschen mit schwachem ebenso wie Menschen mit überschießendem Immunsystem gefährden kann.)

Steht dahinter (insbesondere bei Politiker*innen) das Bedürfnis nach Machterhalt, oder -erlangung? Oder dem Erhalt von Ansehen, das man befürchtet zu verlieren, wenn man zugeben würde, sich geirrt zu haben? (S. dazu meinen Beitrag „Gesicht zeigen„).

Steht hinter diesen Forderungen die Meinung, wenn etwas staatlich vorgegeben sei, könne man selbstverständlich davon ausgehen, dass es gut und richtig und zum Wohle aller sei – und Menschen, die dagegen sind, damit das „Wohle aller“ gefährdeten und folglich „bekämpft“ werden müssten? Also vielleicht das Bedürfnis, „dem Staat“ und „den Experten“ unbedingt vertrauen zu wollen? Weil alles andere hieße, dass das Gefühl äußerer Sicherheit, an dem man sich bisher immer festgehalten hat, trügerisch war (vgl. meine Beiträge „Diese Welt ist eine sichere, oder?…“ und „Corona und die illusionäre Sehnsucht nach Sicherheit im außen„)?

Oder ist es gar nur ganz profan die Lust an der Abwertung Andersdenkender, weil man sich in der Mehrheit sicher und (moralisch) überlegen fühlt?

Ist es bei manch einem „Experten“ das Interesse, an dem Impfstoff mitzuverdienen? Oder die Sorge vor sozialer Ächtung, wenn man sich gegen die Mehrheitsmeinung stellt?

So ganz deutlich wird das in der öffentlichen Kommunikation nicht. Ich bemerke wenig „Ich-Botschaften„, in denen die Menschen mit der anderen Meinung mir mitteilen, welches Bedürfnis hinter ihrer Haltung steht und welche Gefühle. Das würde mein Verständnis fördern und mir eine echte Kommunikation mit Menschen anderer Ansichten erleichtern. Stattdessen jede Menge „Du-Botschaften“ im Sinne von „Du (also in dem Fall ich … ;-)) bist blöd.“

Auch habe ich wenig den Eindruck, dass MIR und MEINEN Bedürfnissen und Gefühlen offen und unvoreingenommen ZUGEHÖRT wird von den Menschen, die anderer Ansicht sind, als ich. Ganz im Gegenteil scheinen sie meine Motivation gerade nicht hören zu wollen. Warum eigentlich nicht? Weil man die eigene Ansicht unter keinen Umständen hinterfragen möchte? Es scheint so, denn statt Zuhören erlebe ich eher jede Menge klassische „Kommunikationskiller„, die geradezu systematisch angewendet zu werden scheinen:

Gewalttätige Kommunikation

Wer sich schon einmal mit der sogenannten „gewaltfreien Kommunikation“ nach Rosenberg beschäftigt hat, wird darauf gestoßen sein, dass es bestimmte typische Verhaltensweisen gibt, die jede echte Kommunikation nahezu unweigerlich verhindern. Kommunikationskiller.

Dazu gehören „moralische Urteile„. Man gibt dem anderen die Schuld. Bestimmt, wer RECHT hat. Definiert, wie der andere IST. All das kommt mir in der aktuellen Corona-Kommunikation sehr bekannt vor… . Besonders ärgerlich empfinde ich diese Versuche, zu definieren, wie ich bin. Nahezu täglich zu hören, was ich für ein Mensch bin, wenn ich die Corona-Regeln kritisiere. Dass ich Unrecht habe, ist selbstverständlich von vorneherein klar. Und ich habe das gefälligst auch endlich einzusehen.

Ein weiterer Kommunikationskiller sind „Vergleiche„, die oft der Erniedrigung dienen, Verallgemeinerungen verwenden und / oder falsche Maßstäbe verwenden. Auch dies ist verbreitet. Da werden z.B. plötzlich die Corona-Regeln mit der Gurt-Pflicht verglichen, nach dem Motto, wer gegen die Corona-Regeln sei, müsse ja „konsequenterweise“ jede staatliche Vorgabe ablehnen. Oder selbstverständlich auch gegen Hygieneregeln in Krankenhäusern sein. Ziemlich verquer, aber derzeit alles beliebte Vergleiche, die eine echte Kommunikation sofort zunichte machen. Weil unmittelbar deutlich wird, das Gegenüber will nicht wirklich kommunizieren, sondern abwerten.

Auch „Verantwortung weiterzugeben„, indem man die eigene Verantwortung an der Situation leugnet und stattdessen versucht, beim Gegenüber ein schlechtes Gewissen zu erzeugen, killt die Kommunikation. Das mit dem schlechten Gewissen läuft gerade auf eine Art ab, die ich als besonders perfide empfinde. Nicht nur, dass von Anfang an behauptet wurde, wer keine Maske trage, sei „unsolidarisch“ und gefährde andere. Inzwischen wird das kommunikativ auch noch mehr und mehr gemischt mit den beiden anderen „Killern“, den „moralischen Urteilen“ und den „Vergleichen“, indem wieder und wieder darauf hingewiesen wird, dass auch rechtsradikale Gruppierungen Demonstrationen gegen die Corona-Regeln angemeldet hätten. Offenbar will man damit implizieren, dass alle Kritiker*innen der Corona-Regeln eine Nähe zum Rechtsradikalismus hätten. Und damit an sich schon indiskutabel sind bzw. ein äußerst schlechtes Gewissen haben sollten, wenn sie sich nicht als rechtsradikal sehen, aber trotzdem ihre Meinung vertreten wollen. Den etablierten Parteien scheint dabei nicht aufzufallen, dass sie ihren Hafen für alle Corona-Kritiker*innen verweigern. Tatsächlich fühle ich mich in dieser Frage von keiner der etablierten Parteien vertreten. Das bedeutet nicht, dass ich deshalb eine „rechte“ Partei wählen würde. Aber, dass diese Parteien versuchen, hier offensichtlich brachliegendes Wähler*innenpotential für sich zu nutzen, erscheint mir naheliegend. Mit ihrer sehr einseitigen Kommunikation servieren die etablierten Parteien ein gewisses Wähler*innenpotential geradezu auf dem Silbertablett an „rechte Parteien“. Und kommen dabei aber ganz offensichtlich nicht auf den Gedanken, dass sie für entsprechende Wahlergebnisse eine gewisse eigene Verantwortung haben könnten.

Was genau verspricht man sich denn eigentlich von dieser doch sehr gewalttätigen Kommunikation in Sachen Corona? Gewaltfreie Kommunikation ist nicht einfach. Aber muss die Kommunikation hier wirklich derart gewalttätig sein – und vor „Killern“ nur so strotzen? Das ganze Thema wird doch damit immer schwieriger, und die Gefahr, dass wirklich Gewaltbereite Leute aufspringen, die mit Freiheitsrechten und bunter Vielfalt an sich wenig am Hut haben, immer größer.

Jetzt hat man in Berlin auch noch das Mittel der absoluten Nicht-Kommunikation gewählt: Demonstrationsverbot für die für diesen Samstag angemeldeten Demos gegen die Corona-Regeln. So etwas ist politisch selten klug. Kommunikativ sendet es ein aus meiner Sicht verheerendes Signal: Nicht nur: „Wir wollen Euch nicht zuhören.“ Sondern auch noch: „Wir wollen, dass Ihr Eure Meinung möglichst gar nicht erst ausdrücken könnt.“

Es sind doch dieselben Politiker*innen und Medienleute, die in vielen anderen Kontexten vor gewalttätiger Kommunikation warnen. Warum sind diese Menschen dann selber so oft so schlechtes Vorbild??? Und scheinen das nicht einmal zu bemerken?

Liebe Politiker*innen, liebe Medienvertreter*innen, bevor Sie sich das nächste Mal über Mobbing auf Schulhöfen beklagen, habe ich einen großen Wunsch an Sie: Bitte stellen Sie sich einmal die Frage, ob Sie sich eigentlich als „Vorbild“ in der Gesellschaft sehen. Falls ja, bitte versuchen Sie einmal so unvoreingenommen, wie es Ihnen möglich ist, „in den Spiegel zu schauen“ und sich ganz ehrlich zu fragen, welches (Vor-)Bild Sie in Sachen „Kommunikation“ abgeben (wollen)!

Und bitte, liebe Kritiker*innen der Corona-Maßnahmen bleibt friedlich! Kommuniziert gewaltfrei!