Von Mainstream, Masken und Moral

Kein „Mainstram“; Künstlerin: Dörte Müller

Ich war schon immer etwas sonderbar. Schon als Kind wusste ich nicht, welches Spielzeug „man“ zu haben hatte, welche Klamotten „man“ zu tragen hatte. Später dann auch nicht, welche Musik „man“ zu hören, welche Bücher zu lesen oder welche Filme zu schauen hatte. Um „in“ zu sein. Ich weiß all das bis heute nicht.

Stephen King war hip? Nachdem ein Mitschüler mal ein Buch von ihm im Deutschunterricht vorgestellt hatte, wusste ich nur, dass ich ganz sicher nie nie niemals freiwillig auch nur ein Augenzwinkern in eines der Bücher von diesem Herrn stecken würde. Hingegen war ich völlig fasziniert, als wir in der Oberstufe Goethes Faust lasen. Schon damals war ich offensichtlich esoterisch angehaucht.

Mainstream? Ich hätte gar nicht gewusst, was das sein sollte. Und – es interessierte mich auch nicht. Noch heute schaue ich nur groß, wenn jemand mit einem Zitat aus irgendeinem Film kommt, den absolut jede*r gesehen hat. So was wie Star Trek oder Star Wars zum Beispiel. Jede*r, außer mir eben.

Trotzdem war ich nie unbeliebt. Auch in meinen Jobs nicht. Ich war und bin sehr politisch interessiert. In meinen Jobs ein Muss. Aber auch da stellte ich fest, dass ich irgendwann begann, mir mehr und mehr Fragen zu stellen. Fragen, die sich andere nicht zu stellen schienen.

Nachdem ich nicht mehr in diesen Jobs arbeite, wurden die Fragen mehr, schon alleine weil ich mehr Zeit habe, mir vertiefte Gedanken zu machen. Und ich stelle plötzlich fest, mit Fragen erregt man Anstoß. Wenn ich Mainstreammeinungen in Frage stelle, ziehen Menschen, die in diesem Strom schwimmen, sich von mir zurück. Reagieren verärgert. Wie kann ich etwas in Frage stellen, was doch jede*r denkt?

Da regt sich jemand auf über Menschen, die bei Demonstrationen im Freien keine Maske tragen, und erwartet meine Bestätigung für seine Entrüstung. Und ich sage, „Ich sehe das ganz anders, als Sie.“ Ups. Versteinerung. Da brauche ich mit einem Vortrag über den CO2-Gehalt unter diesen Masken, den Bakterien-, Viren- und Hefepopulationen, die man sich da züchtet – und einatmet, nicht zu kommen. Natürlich nicht. Ich habe bereits mit meinem „anders sehen“ längst verschissen. Schließlich hört man in den Medien jeden Tag nur Leute mit gegenteiligen Meinungen. Also ist klar, wo die Wahrheit ist.

Und, was mich wirklich umtreibt: Ich gelte plötzlich als moralisch verachtenswert mit meiner gegenteiligen Meinung. So wird es mir jeden Tag in den öffentlich rechtlichen Medien präsentiert.

Mein Leben lang war mir egal, was Mainstream war, und was nicht. Und es hat niemanden gestört, dass mir das egal war. Zwar darf ich auch heute noch Goethe einem Stephen King vorziehen. Aber mit meinen Meinungsäußerungen, da habe ich vorsichtig zu sein.

Denn heutzutage hat sich „der Mainstreammeinungsmensch“ zum moralisch besseren Menschen erkoren, so scheint es mir. Sich eine Maske des moralischen Anstands aufgesetzt, sich zur moralischen Instanz erhoben, an der sich jede*r zu messen habe. Wer das nicht tut, wird erbarmungslos gemobbt.

Das ist nicht erst seit Corona so, aber seitdem ist es sogar äußerlich erkennbar. Die Maske ist zum sichtbaren Symbol der „Anständigen“ geworden. Wie wissenschaftlich, objektiv, zahlen- und faktenbasiert das ist, das ist weniger entscheidend. Wer will das schon wirklich beurteilen? Wissenschaftler / Ärzte sind da durchaus unterschiedlicher Meinung. Aber die, die anderer Ansicht sind, sind damit nicht mehr „anständig“ und werden dementsprechend „selbstverständlich“ normalerweise nicht zitiert in den Medien.

Es ist nicht ganz neu, das Ganze: Bereits bei der Frage der Einführung der Masernimpfpflicht hatte ich laut offizieller medialer Version nicht etwa nur eine andere Meinung, sondern ich „gefährdete Menschenleben“.

Eine aus meiner Sicht äußerst gefährliche gesellschaftliche Entwicklung so ein Hauptstrom, der keine Nebenströme mehr zulässt. Und Menschen, die gegen den Strom schwimmen, der Hetze zum Fraß vorwirft.

Wie moralisch hochstehend ist jemand, der sich für moralisch „besser“ hält als andere, nur weil er tut, was ihm „von oben“ gesagt wird? Wie moralisch hochstehend sind Medien, die keine andere Ansicht mehr zulassen, als die von ihnen vorgegebene, die sie für „moralisch gut“ halten?

Sind das die Guten, weil sie der Meinung sind, das Gute zu fördern?! Oder sind das vielleicht eher die Anti-Mephistos? Und damit ein Teil jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft?!

Erziehung

In Reih und Glied…. ; Künstlerin: Dörte Müller

„Du mit deinem moralischen Zeigefinger…“, sagt mein Mann immer liebevoll, wenn ich mal wieder predige, dass man Menschen dazu bringen müsse, mehr zum Schutz ihrer Umwelt zu tun. (Dass ich zum „moralischen Zeigefinger“ neige, sieht man z.B. deutlich in meinem Beitrag „Die Krone der Schöpfung“ …;-)). Dabei kannst gerade Du es überhaupt nicht haben, wenn jemand Dich „erziehen“ will!“

Das stimmt. Es ist ein Grund, warum ich auf diese Corona-Diskussion so stark reagiere. Ich kann es nicht ausstehen, wenn ich das Gefühl habe, dass Leute meinen, mich erziehen zu müssen. Mich in ihrem Sinne „verbessern“ wollen: Hin zu mehr „Gehorsam“ und weniger Unabhängigkeit. Das geht gar nicht!

Aber beim Umweltschutz … wenigstens so ein klein wenig… . Das müsste doch möglich sein. Wäre schließlich zum Nutzen aller…!

Erziehung? Vom Verstand her weiß ich, dass das nicht klappen wird. Ich kann Menschen meine Bedürfnisse und Gefühle mitteilen. Aber, ob sie meinen Bedürfnissen folgen wollen, muss ich wohl ihnen überlassen. Denn sie haben möglicherweise ganz andere Bedürfnisse, sehen etwas ganz anderes als „zum Nutzen aller“ an. Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, zum Beispiel. Manch eine*r braucht auch einen „ordentlichen“ Garten, mag weder „Unkraut“ noch Insekten. Oder ärgert sich – so wie ich die letzten Wochen …-, wenn die Vögel doch tatsächlich ganz dreist alle Trauben wegfressen, bevor sie reif sind.;-).

Dennoch: Fast alle Menschen neigen dazu, andere „erziehen“ zu wollen. Jede*r ist immer der Meinung, genau zu wissen, was für andere (oder für alle) gut ist.

Erziehungsformen

Erziehung läuft über Strafe. Tatsächlich scheinen erschreckend viele Menschen es sehr zu mögen, andere zu bestrafen. Wer sich nicht „an die Regeln hält“, müsse bestraft werden. So heißt es bei diesen „Corona-Regeln“ oft. Ob eine Regel sinnvoll ist oder nicht – und wer eigentlich bestimmt, ob sie sinnvoll ist, das sind zweitrangige Fragen. Die Regel ist da. Also muss sie eingehalten werden. Und wer sie nicht einhält, ist zu erziehen, indem er bestraft wird. Und wenn die Regel noch gar nicht da ist, wie die Maskenpflicht bei den Großdemonstrationen im Freien gegen die Corona-Regeln, dann wird sie eben im Nachhinein geschaffen. Auch eine Art Strafmaßnahme (denn die Infektionszahlen hatten ja gar nicht zugenommen nach den Demos, Infektionsschutz konnte also nicht wirklich die Begründung sein…).

Selbst gegenüber anderen Staaten ist diese Art des Erziehungsversuchs sehr beliebt. Zumindest was Russland angeht, meinen erstaunlich viele Politiker*innen, sie müssten dieses Land „erziehen“ über Strafmaßnahmen (Sanktionen).

Solche Art „Erziehung“ überzeugt die „zu Erziehenden“ allerdings so gut wie nie. Sie tun vielleicht kurzzeitig, was von ihnen erwartet wird (andere Staaten tun auch das eher selten). Aber nicht, weil sie es nunmehr aus ganzem Herzen tun wollen, sondern weil sie die Strafe vermeiden wollen. Die innere Auflehnung gegen die „Erziehenden“ nimmt hingegen meistens zu.

Erziehung läuft über Verbote. „Mit denen lässt DU dich nicht auf der Straße blicken! Wir sind schließlich eine anständige Familie. Und mit solchem „Gesindel“ wollen wir nichts zu tun haben!“

Erziehung läuft über Angst machen. Das mag bei Kindern funktionieren: „Wenn du auf die heiße Herdplatte fast, wirst du großes Aua haben.“ Wenn das Kind die Liebe spürt, die hinter der Aussage steckt, wird es sich vielleicht von sich aus daran halten. Erwachsenen zu sagen, „Wenn du keine Maske trägst, wirst du dich mit einer ganz furchtbar gefährlichen Krankheit infizieren.“, ist anscheinend für viele, aber durchaus nicht für jede*n überzeugend. Erwachsene, die sich die Zeit nehmen, Statistiken zu lesen, nachzudenken und Fragen zu stellen, könnten sich hier als „schwer erziehbar“ erweisen. Zumal Liebe hinter der Aussage auch nicht wirklich spürbar ist. …

Erziehung läuft über Beschämung. Auslachen. Lächerlich machen. Auch das ist immer wieder sehr beliebt. Was gibt es nur alles für „absurde Verschwörungstheorien“, ha ha … ! Wie dumm manche Leute sind, ha ha … !

Erziehung läuft über Manipulation. Angst machen gehört dazu. Aber auch Schuldzuweisungen: „Du bist schuld, dass Mami traurig ist, wenn DU …“. „Du bist schuld, wenn andere sterben, weil DU keine Maske trägst.“

Erziehung läuft über Belohnungen. Lob. Anerkennung. Den Wunsch, „dazu zu gehören“.

Viele dieser „Erziehungsformen“ scheinen zunächst zu funktionieren. Menschen, denen man Angst gemacht hat, sind oft sehr bereit, alles Mögliche zu tun, was von ihnen erwartet wird. Wenn sie damit ihre Angst reduzieren können.

Aber wehe, sie kommen irgendwann auf den Gedanken, dass sie manipuliert wurden… ! Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand versucht hat, mir Angst zu machen, um mich zu manipulieren und für eigene Ziele zu instrumentalisieren, werde ich zum einen wütend und neige zum zweiten dazu, diesem jemand nie wieder irgendetwas zu glauben. Und das geht sicher nicht nur mir so.

Schuldzuweisungen und Beschämungen führen bei den so „Behandelten“ ohnehin normalerweise nicht dazu, dass sie sich den „Erziehenden“ verbunden fühlen und künftig von ganzen Herzen auf deren Wünsche eingehen werden. Mit dieser „Erziehungsform“ schreckt man vielleicht die schweigende Mehrheit ab, sich wohlmöglich bei nächster Gelegenheit genauso zu verhalten, wie die Beschämten. Das kommt auf den persönlichen Charakter der Leute in der „schweigenden Mehrheit“ an. Manch eine*r macht gerne mit bei den Schuldzuweisungen und Beschämungen (Teile der sogenannten Comedy-Szene scheinen gar davon zu leben nach meinem Eindruck). Manch eine*r fühlt aber auch den eigenen Gerechtigkeitssinn angesprochen und solidarisiert sich „jetzt erst recht“ mit den „Ausgestoßenen“.

Belohnungen, Lob und Anerkennung funktionieren begrenzt, schleifen sich aber ab. Selbst schon bei Kindern, erst recht bei Erwachsenen.

Tja, irgendwie: Andere „zu erziehen“ erscheint den meisten Erwachsenen wichtig. Aber sobald man als Erwachsene*r merkt, dass andere einen selbst „erziehen“ wollen, reagieren die wenigsten Erwachsenen erfreut. Denn als „Erziehende*r“ maßt man sich ja immer an, es besser zu wissen / klüger zu sein, als die zu Erziehenden. Und diese empfinden die Ansicht, dass sie „erzogen“ werden müssten, dann eben meist auch als Anmaßung und Beleidigung – und sind entsprechend empört.

Deshalb ist es m.E. eher kontraproduktiv, wenn die Verantwortlichen in öffentlich rechtlichen Medien denken, sie müssten einen „Erziehungsauftrag“ erfüllen. Von wem auch immer sie meinen, diesen „Auftrag“ erhalten zu haben. Komischerweise wundern sie sich oft sehr, wenn die, die sie „erziehen“ wollten, darüber gar nicht so begeistert zu sein scheinen. Und finden deren Empörung dann wieder total unverschämt, denn schließlich wollten sie ja „nur das Beste“ für alle. Und selbstverständlich wissen sie auch ganz genau, was dieses Beste ist. … .

Was wollen wir erreichen mit unserer „Erziehung“?

Eigentlich streben die meisten Menschen doch an, glücklich zu sein. Und wollen das auch für ihre Kinder. Ist unsere Art, andere zu erziehen, vor diesem Hintergrund wirklich so toll? Ich habe den Verdacht, dass meist nicht einmal den „Erziehenden“ ihre Erziehungsversuche wirkliche Freude machen, wenn ich deren sorgenvollen und ernsten Gesichtsausdrücke bei ihren Äußerungen betrachte…(obwohl sie sich dabei natürlich sehr wichtig vorkommen). Denen, die Adressaten dieser Versuche sind, machen diese Erziehungsversuche meist noch viel weniger Freude. Als Kind kann man oft wenig dagegen tun und fügt sich mehr oder weniger. Es scheint halt dazu zu gehören. Als Erwachsener hingegen ist man verärgert, wenn man sich als Adressat eines Erziehungsversuchs anderer Erwachsener sieht, und fügt sich in der Regel nicht.

Denn Erziehung, wie wir sie praktizieren, fokussiert fast immer auf das, was wir als „Schwächen“ anderer Personen (oder auch von uns selbst) wahrnehmen. Wir beurteilen, was eine Schwäche oder ein Fehlverhalten einer anderen Person sei, und wollen diese „ausmerzen“. Das Fehlverhalten macht uns Sorgen. Wir spüren die „Last der Verantwortung“, dieses Fehlverhalten korrigieren zu müssen. Selbstverständlich zum Besten der betreffenden Person. Und zum Besten aller. So rechtfertigen wir unsere Erziehungsversuche.

Was genau aber ist ein „Fehlverhalten„? Und wer bestimmt das? Ich persönlich neige dazu zu sagen, Fehlverhalten ist alles, was andere Lebewesen quält (auch über Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen), – also z.B. Massentierhaltung … . Andere sehen dies ganz anders. Und würden sich von mir mit dieser Aussage schwer beleidigt fühlen. Insbesondere, wenn ich dann wohlmöglich auch noch behaupte, die Abschaffung der Massentierhaltung wäre auch zu ihrem Besten und würde sicherlich auch ihrem Charakter gut tun… . Und dem Planeten sowieso.

Gerade die Debatte um die Landwirtschaft zeigt es m.E. gut: Mit „moralischem Zeigefinger“ erreicht man nichts, sondern erzeugt verärgerte Landwirte. Mit „freiwilligen Selbstverpflichtungen“ erreicht man auch nichts, wenn diese nicht aus dem eigenen Wunsch der betreffenden Menschen heraus entstehen, wirklich etwas verändern zu wollen. Dieser Wunsch wiederum hat etwas mit den eigenen Werten und Bewertungen zu tun, denke ich.

Natürlich kann man eigene Werte den eigenen Kindern vermitteln, indem man sie ihnen vorlebt. Und bei anderen Erwachsenen? Denen kann man sie ebenfalls vorleben. Aber zwangsweise „überbraten“? Aus solchen Versuchen sind furchtbare Religions- und Ideologiekriege entstanden. Weil Menschen meinten, ihre Werte anderen (gewaltsam) aufdrängen zu müssen. Und sich dabei noch eingebildet haben, sie täten ein gutes Werk.

Wenn wir mit unserer „Erziehung“ wirklich eine bessere Welt anstreben, vielleicht sollten wir es genau anders herum versuchen? Vielleicht ist der gesamte Gedanke mit der schwächenorientierten Erziehung eigentlich ein „Fehlgedanke“? Ich mag die positive Psychologie, die ganz klar davon ausgeht, dass Erziehung stärkenorientiert sein sollte. Aus dieser Sicht sollten Erziehende vorhandene Stärken fördern bei den ihnen Anvertrauten, statt zu versuchen, deren echte oder vermeintliche „Schwächen“ auszumerzen.

Auf die Bereicherung schauen, nicht auf die Schwächen

Inzwischen würde ich persönlich sogar noch einen Schritt weiter gehen. Ich finde, Erziehung sollte in erster Linie dankbarkeitsbasiert sein. Nicht versuchen, das Kind in irgendeine Richtung zu „ziehen“, von der man aus dem eigenen Leben heraus denkt, es wäre für das Kind die „richtige“. Sondern täglich zu üben, die Bereicherung wahrzunehmen, die das eigene Kind bietet und dafür ihm und der Schöpfung unendlich dankbar zu sein. Und darauf vertrauen, dass das Kind die für sie oder ihn „richtige“ Richtung selbst finden wird… . Nicht sich auf die vermeintlichen Schwächen des Kindes zu konzentrieren, von denen man denkt, dass sie seinem späteren „Erfolg“ im Leben entgegen stehen könnten. Sondern das einzigartige Wunder sehen, das jedes Kind ist.

Ich hätte es durchaus toll gefunden, so erzogen zu werden!

Kinder, denen auf diese Art Selbstliebe vermittelt aber auch gleichzeitig Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung vorgelebt wird, werden vielleicht auch wundervolle dankbare Erwachsene werden. Die keinerlei Bedürfnis mehr haben werden, die o.g. „Erziehungsformen“ bei anderen (oder auch bei sich selbst) anzuwenden.

Utopie? Ja klar. Jedenfalls noch. Menschen in meinem Alter sind schließlich fast alle ganz anders aufgewachsen.

Und so gebe ich zu, ich muss noch ziemlich viel üben, um meinen „moralischen Zeigefinger“ zu stoppen und stattdessen die Bereicherung in den Menschen wahrzunehmen, die ihren Müll achtlos in die Gegend kippen… ! 😉 Tja, und manchmal will ich das auch gar nicht. Denn, auch wenn ich weiß, dass ich damit wenig bewirke: Manchmal tut es mir auch einfach nur saugut, meinem Ärger über Zeitgenossen, die ich als „ignorant“, „dumm“, „ihre Macht missbrauchend“ oder was auch immer ansehe, mal so richtig Luft zu machen… 🙂

Die „Krone“ der Schöpfung?

Künstlerin: Dörte Müller

Eines der Dinge, die ich an den von mir so oft gescholtenen öffentlich rechtlichen Medien ganz toll finde, sind die Naturdokus. „Planet Erde“, „Der blaue Planet“ o.ä., das sind oft spektakuläre Bilder von den Wundern dieser Erde. Die buntesten, exotischten, merkwürdigsten Geschöpfe in der Tiefsee oder auch in den Bäumen naturbelassener Wälder. Es scheint nichts zu geben, was es nicht gibt auf dieser Welt. Unglaublich faszinierend! Was für eine tolle Schöpfung!!!

„Um“welt oder „Mitwelt“?

… Und dann sehe ich die Bilder, wo über Tausende von Jahren auf dem Meeresboden gewachsene Korallensiedlungen durch Schleppnetzfischerei mal so eben unwiederbringlich zerstört wurden. Ich höre den „Umweltminister“ Brasiliens sagen, wie toll er das findet, den brasilianischen Regenwald roden lassen zu können, ohne dass großartig jemand protestiert. Der Präsident Brasiliens bezeichnet die Umweltbehörden gar als „Krebsgeschwür“.

Ich lese, wie viele Tonnen Pestizide selbst in Deutschland und sogar in Privatgärten immer noch jährlich ausgebracht werden, die unser Grundwasser vergiften. Ich höre, dass schon einer dieser Billionen von jährlich achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln rund 300 Liter Wasser verseuche und die Zigarettenfilter für einen großen Teil des Mikroplastiks in unseren Meeren verantwortlich seien. Ich sehe, wie viel Müll irgendwo von Leuten einfach in die Wälder oder in Gewässer gekippt wird. Wie viel Boden auch in Deutschland immer noch verdichtet wird. Wie Bohrinseln in Naturschutzgebieten stehen und weitere genehmigt werden. Wie Flüsse ausgebaggert werden, um sie für Großschifffahrt nutzbar zu machen. Wie viele Kreuzfahrtschiffe es gibt, die immer noch völlig ungefiltert ihre Abgase in die Luft blasen dürfen. Wie viel Müll jährlich produziert wird von den Industriestaaten, und wie viele als „Ressourcen“ angesehene Schätze der Erde permanent verantwortungslos ausgebeutet und verbraucht werden. Und so weiter … .

Und ich frage mich, sind Menschen die „Krone“ der Schöpfung? oder vielleicht doch eher ein „Corona-Virus“ der Schöpfung? Wobei die Corona-Viren ihren „Wirt“ normalerweise nicht zerstören. Wir Menschen hingegen tun das leider permanent und offenbar völlig gedankenlos. Haben wir nicht für die Menschheit weitaus wichtigere und drängendere Probleme zu lösen, als irgend so ein alles in allem doch eher harmloses Virus „zu bekämpfen“?

Die Natur hat uns so viele Wunder zu bieten. Und wir sehen diese nicht einmal, sondern definieren die Natur stattdessen als „bedrohlich“, „zu unterwerfen“, „zu bekämpfen“ und „auszubeuten“???

Vielleicht ist schon der Begriff „Um“welt ungünstig, weil er suggeriert, es gebe uns, und die Welt um uns herum? Statt uns als Teil dieser Welt zu sehen?

Wir beten Technik an. Und scheinen die raffiniertesten Wunder der Natur nicht einmal wahrzunehmen, es sei denn, sie können als Anregung für technische Lösungen dienen. Elon Musk, der die Grenzen der technischen Möglichkeiten immer weiter verschieben möchte, gilt als Star. Dem dann selbst im Trinkwasserschutzgebiet von Landesregierungen mit Beteiligung der „Grünen“ der rote Teppich ausgerollt wird für seine Gigafabrik. Das Ganze wird dann noch als Umweltschutz verkauft, weil er ja Elektroautos bauen will. Nur leider schützen der Bau einer Gigafabrik und der Bau von Autos die Um-/Mitwelt nicht, sondern sie verbrauchen enorm viel „Ressourcen“ (also Güter dieser Erde, von denen Menschen zu denken scheinen, sie wären ihr Eigentum). Autos gibt es auf diesem Planeten bereits eine Menge. Und sie sind für uns nicht lebenswichtig. Trinkwasser schon. Und verseuchtes Trinkwasser ist verloren. Wir haben eine Überproduktion von Autos in Deutschland. Der man nicht damit begegnen kann, dass man ständig neue Kaufanreize schafft, sondern damit, dass man die Produktion reduziert. Und dadurch diesen Planeten entlastet. Es macht keinen Sinn, ständig Dinge zu produzieren, die kein Mensch wirklich braucht, und die bald darauf wieder „verschrottet“ werden. Am sinnlosesten erscheint mir das bei Waffen. Was ist das für eine Spezies, die auf den idiotischen Gedanken kommt, etwas massenhaft zu produzieren, was bei der Produktion jede Menge „Ressourcen“ verschlingt – und keinem anderen Zweck dient, als Teile der Schöpfung zu zerstören???

Echter Mitweltschutz hätte etwas mit Konsumverzicht zu tun, nicht mit Konsumankurbelung. Und schon gar nicht mit Waffenproduktion und -export.

Natürlich will das niemand. Konsumverzicht. Exporteinschränkungen. Schon gar nicht in einer Zeit, wo die Wirtschaft wegen der weltweiten Corona-Lockdowns ohnehin zu kämpfen hat. Aber wäre es nicht an der Zeit, sich ganz verstärkt Gedanken zu machen, wie man weltweit zu einer wirklich mitweltfreundlicheren Wirtschaft kommen könnte? Umweltschutz im Sinne von Mitweltschutz ist etwas sehr viel weiter Gehendes als Klimaschutz. Längst nicht alles, was uns als Klimaschutz verkauft wird, ist Umwelt-/Mitweltschutz (s. Tesla …). Aber echter Mitweltschutz wird immer auch dem Klima gut tun.

Wäre es nicht an der Zeit, unsere Haltung zu ändern? Die Wunder der Erde viel mehr zu sehen, zu würdigen und zu schützen? Wahrzunehmen, dass Leben auf Kooperation aufbaut und alles mit allem verbunden ist? Uns keine Masken vor das Gesicht zu hängen, sondern die Düfte der Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen – und dafür zu sorgen, dass wir die Luft, die wir zum Atmen brauchen, nicht ständig verschmutzen? Zu erkennen, dass wir reines klares Wasser zum Leben brauchen – und es kaum etwas Dümmeres gibt, als dieses Geschenk der Natur zu verunreinigen? Zu erkennen, dass Kampf und Krieg gegen andere Menschen und / oder die Natur ziemlich schlechte Ideen sind, die enorm viel Schaden anrichten?

Wäre es nicht an der Zeit, Abstand zu üben? Nicht von anderen Menschen oder der Natur, sondern von einer Haltung, die von Geldgier und Gier nach Macht über andere geprägt ist???

Natürlich geht all das nicht zwangsweise. Man wird weder Brasiliens Machtclique noch Landwirtschaftsgroßbetrieben mit Massentierhaltung in Deutschland eine andere Haltung „verordnen“ können. Man könnte Anreize anders setzen, also durch die Subventionspolitik in der Landwirtschaft nicht ausgerechnet die großen Betriebe fördern. Handelsabkommen mit Brasilien und anderen Staaten so ausgestalten, dass der Schutz natürlicher Ressourcen im Vordergrund steht.

Wie man an diesen Beispielen schon sieht, ist es meist nicht die „Schuld“ Einzelner, dass die Welt so ist, wie sie ist. Sondern weltweit steht für die meisten Menschen immer noch die Wirtschaft im Vordergrund und nicht der Schutz der Mitwelt. Jedenfalls nicht, wenn dieser zulasten der Wirtschaftsleistung gehen könnte.

Entfremdung

Für mich ist der Umgang mit diesem Virus ja auch ein Zeichen für unsere Entfremdung von unserer Mitwelt – und ein Grund, warum ich auf die verordneten Maßnahmen so negativ reagiere. Masken, Desinfizieren von allem Möglichen und Unmöglichem – und warten auf den vermeintlich „erlösenden“ Impfstoff: Die Um-/Mitwelt scheint extrem gefährlich. Der andere Mensch ebenso. Nur die von Menschen erfundene „Technik“, der Impfstoff, kann angeblich „retten“. Wenn jemand immunstärkende Mittel aus der Natur empfiehlt, Knoblauch, Thymian, Beeren, Cistustee, Vitamin D (Sonne) usw., gilt das als lächerlich. Man habe dann die „Gefährlichkeit“ des Virus nicht erkannt, verharmlose dieses auf „unverantwortliche“ Weise. So geht Entfremdung von allem Natürlichen.

Chancen?

Aber das Virus bietet zumindest die Chance, über einige Dinge nachzudenken, die vorher als völlig normal hingenommen wurden. Ob die Zustände in unserer Fleischindustrie, oder die schon lange kaputt gesparten Gesundheitssysteme in den meisten Staaten dieser Welt. Ob sich da wohl jetzt etwas tun wird zum Besseren?

Und vielleicht werden die Milliarden, die derzeit in die Forschung für einen Impfstoff gegen Corona fließen, künftig auch „sinnvoller“ ausgegeben: Zum Beispiel, im Einsatz für saubereres Trinkwasser weltweit? Da könnten Technik und Mitweltschutz vielleicht wirklich einmal segensreich zusammen spielen. Es müsste nur jemand bezahlen. Vielleicht wäre Elon Musk für eine entsprechende Aktion zu gewinnen… ;-)? Wer weiß!

Ich glaube ja schon, dass Menschen eigentlich sehr „machtvolle“ Wesen sind. Und als solche vielleicht auch das „Sahnehäubchen der Schöpfung“. Ich finde diesen Begriff schöner, als den der Krone, denn Sahne verbindet sich mit dem Gericht. Und macht dieses gleichzeitig ein bisschen feiner. Aber unsere volle Macht als Menschen werden wir wohl nur ausschöpfen können, wenn wir auch unsere Herzen nutzen und nicht nur unsere Gehirne. Da geht weltweit sicher noch Einiges… .

Aber es tut sich auch Einiges. So bin ich immer ganz begeistert, wenn ich in vielen Blogs lese (und auch in den Medien sehe), wie viele Menschen sich für andere Menschen und auch für die Natur engagieren. Sich als Teil der Schöpfung empfinden und diese Schöpfung als etwas sehen, was es zu bewahren und zu schützen gilt. Und nicht, als etwas, was man sich „untertan machen“, verbrauchen oder gar bekämpfen sollte.

DANKE Euch allen, die Ihr Euch engagiert für das Wohlbefinden anderer! Ob privat oder im Rahmen Eures Berufs oder auch mit kleinen Gedichten, Geschichten oder schönen Fotos in Euren Blogs, mit denen Ihr ein Lächeln auf die Gesichter Eurer Mitmenschen zaubert!!! Ich finde, Ihr seid die Sahnehäubchen der „Schöpfungsspeise“ und sorgt dafür, dass diese auf die Dauer immer feiner wird!!!