Gurus

„Guru“-Verehrung hat mich schon immer geärgert. Gerade auch im spirituellen Bereich konnte es mich regelrecht aggressiv machen, wenn – aus meiner Sicht insbesondere Frauen – den Typen, der da irgendetwas sagte, geradezu „anzubeten“ schienen. Ehrfürchtig an seinen Lippen hingen, und die Worte „des Herrn“ oft vollkommen unreflektiert nachplapperten.

Schon als Kind konnte ich mit der Verehrung anderer Menschen nichts anfangen. Warum andere sich Poster von Musikern oder Schauspielern an die Wände hingen, war mir schleierhaft.

Später dann verzichtete ich auf das Schreiben einer Doktorarbeit, weil ich die Art des „wissenschaftlichen“ Arbeitens, die dort verlangt wurde, nicht leiden konnte. Dieses „Zitieren“, was alle so toll fanden, war für mich nichts als nutzlose Zeitverschwendung, die mich vom Eigentlichen abhielt. Es kam doch nicht darauf an, wer irgendetwas gesagt hatte und wo, sondern, ob die Worte, die er gesagt hat, irgendwie sinnvoll waren. Diese ganze Zitiergeschichte kam mir albern vor. Ungefähr so, als führe ich auf eine Autobahn und rechts stünde ein Schild: „Für diesen Autobahnabschnitt hat Alois Wichtl den Boden vorbereitet. Adam Riese den Teer gegossen und Piccolo Zwergnase die Markierungen gesetzt. Schreiben Sie sich das gleich hier auf, denn wenn Sie die Autobahn wieder verlassen, müssen Sie für jeden Abschnitt genau angeben können, wer was gemacht hat. Sonst haben Sie eine Urheberrechtsverletzung begangen und müssen mit einer Geldbuße rechnen!“

Szenenwechsel:

Mir war in meinem Leben immer wieder von Menschen gesagt worden, dass ich eine besondere heilerische Begabung besäße. Meist waren es Menschen, denen ich zufällig begegnet war, und die von sich behaupteten, aufgrund einer Nahtoderfahrung o.ä. eine gewisse „Aurasichtigkeit“ zu besitzen.

Meine Antwort darauf war stets: „Ich weiß. Aber irgendwie komme ich nicht heran.“

Tatsächlich war ich froh, nicht „heran zu kommen“, denn ich wusste oder ahnte, welcher Art meine Gabe war. Und ich hatte Angst davor. Angst, weil es heißen würde, keine Kontrolle zu haben. Angst, weil es etwas sein würde, was ich mit meinem Verstand, auf den ich doch stets so stolz gewesen war, nicht würde begreifen können.

Seit gut zwei Jahren ist auf dieser Erde vieles in schneller Veränderung begriffen. Und auch bei mir. Meinem Körper ging es in der ersten Zeit fortlaufend und in schnellen Tempo immer schlechter. Die Stimme, die schon lange anzuklopfen schien und um Öffnung bat, wurde immer lauter.
Aber ich hätte gar nicht mehr gewusst, wie man das machte, „sich zu öffnen“.

Und dann, vor einigen Monaten, wurde ich nicht mehr gefragt. Ich wurde geöffnet. Mir wurde klar, dass es nicht mehr meine Entscheidung war. „Die Krone der Schöpfung“, ha ha ha. Irgendwo hatte ich letztens gelesen, dass das Universum Humor besitze. Und ja, das kann ich definitiv bestätigen … .

Jetzt habe ich sie also. Diese „besondere“ Gabe, die mich irgendwie „anders“ zu machen scheint.

Werde ich jetzt etwa auch zu einer dieser Gurus? Obwohl doch nicht ICH es bin, die besonders ist. Wohlmöglich denken Menschen jetzt, ALLES, was ich sage oder schreibe, müsste irgendwie besonders wichtig für sie sein? Und versuchen dann, meine Worte so zu interpretieren, dass sie auch auf sie zu passen scheinen?

Dabei weiß ich selber oft nicht so wirklich, auf wen meine Worte passen und warum.

Ich weiß lediglich, dass es immer irgendwo einen oder mehrere gibt, für den oder die genau diese Worte eine besondere Aussagekraft haben. Und dass genau diese Personen die enthaltene Botschaft SPÜREN.

Urteilen – Ein scharfes Schwert

Wenn wir über andere urteilen, was nehmen wir dann eigentlich als Maßstab?
Können wir etwas anderes als Maßstab nehmen, als uns selbst?

Wenn ich versuche, in den Schuhen eines anderen zu laufen, was kann ich spüren?
Meine eigenen Schmerzen. Nicht seine.

Wenn ich versuche, mich „in den anderen hineinzuversetzen“, was kann ich spüren?
Mich. Also genau das, was ich in den anderen hineinversetzt habe.

Wenn unser Schuh uns drückt. Und wir sehen eine andere Person, die die gleichen Schuhe zu tragen scheint, wie wir. Dann unterstellen wir, sie müsste dieselben Schmerzen in diesen Schuhen empfinden, wie wir. Weil wir der Meinung sind, jede Person hätte die gleichen Füße wie wir.
Aber wir Menschen haben alle völlig unterschiedliche Füße.
Und völlig unterschiedliche Schmerzen.

Wahrnehmen können wir ausschließlich die EIGENEN Schmerzen. Genau das möchten wir aber meist nicht. Weil wir aber irgendetwas tun wollen, versuchen wir stattdessen, unsere Schmerzen an den Füßen des anderen zu heilen. Versuchen, diesen von seinen Schmerzen zu retten. Und sehen nicht, dass unsere Ratschläge, welche Schuhe er besser tragen sollte, nur auf unsere Füße passen.

Wenn wir eine andere Person be- oder gar verurteilen, dann hat dieses Urteil immer etwas mit uns zu tun.
Wenn wir jemanden verehren, dann meinen wir in ihm oder ihr eine Eigenschaft zu erkennen, die wir gerne hätten.
Wenn wir jemanden verurteilen, dann meinen wir, in ihm eine Eigenschaft zu sehen, die wir zutiefst ablehnen.
Der Grund für diese tiefe Ablehnung kann aber nur in uns selber stecken.

Denn KENNEN tun wir AUSSCHLIESSLICH uns selbst.

Wir alle haben tief in uns irgendein Minderwertigkeitsgefühl. Denn wir alle haben irgendwann in dieser Welt schon einmal Dinge getan, von denen wir uns hinterher wünschten, wir hätten sie nicht getan.
Tief in uns versteckt sind Erinnerungen, die uns panische Angst machen.

Wenn jemand diese Erinnerungen in uns aufwühlt, reagieren wir oft reflexartig mit großer Wut oder sogar Hass. Wir verurteilen diese Person aufs Schärfste.

Das Schwert, das wir dabei gegen diese Person richten, richtet sich aber in Wahrheit immer gegen uns selbst. Es vergrößert die Wunde in UNS. Denn im Grunde verurteilen wir uns selbst. Wir verurteilen das, was wir von UNS in dem anderen sehen.

Wir denken, es gebe uns Macht, das Schwert im Außen zu führen. Es gibt uns einen „Kick“, andere zu verletzen. Wir sehen uns als „große“ machtvolle Krieger mit diesem Schwert.

Aber in Wahrheit verletzen wir vor allem uns selbst. Denn es sind wir selbst, die wir mit diesem Schwert bekämpfen. Jeder Kampf im Außen macht diese Wunde größer.

Solange wir das Schwert im Außen führen, kann diese Wunde niemals heilen.

Solange wir andere be- und verurteilen.

Es kostet Mut, sich die Wunden im eigenen Innern anzusehen.

Es kostet Mut, sich dem Ekel und dem Abscheu über einen selbst zu stellen, der einem zunächst begegnen wird.

Es kostet Mut.

Es geht ausschließlich alleine und in der Stille.

Und es braucht eine gewisse Zeit.

Aber wir alle werden gehalten und unterstützt bei diesem Prozess.
Es lohnt sich, sich dieser Unterstützung zu öffnen.
Gerade jetzt.
Denn es ist die Zeit des Aufräumens. Des Aufräumens, das der Heilung vorangehen muss.

Es ist die Zeit, alten Ballast abzuwerfen.

Um so das Neue, das jetzt kommen wird, im Wortsinne „unbeschwert“ und freudig willkommen heißen zu können.

Todesangst – Unsere Urangst

Foto von Aleksey Sokolenko von Pexels

Ich bin einmal von einer Ärztin gefragt worden, wovor ich mehr Angst hätte:
Vor dem Prozess des Sterbens oder vor dem Tod an sich (also dem, was nach dem Sterbeprozess kommt).
Wahrheitsgemäß antwortete ich, dass ich keine sonderliche Angst vor dem Sterben habe, aber große Angst vor dem, was danach kommen könnte.

Sie antwortete mir, dass das irrational sei, denn die meisten Menschen würden genau anders herum empfinden.

Ängste als „Mehrheitsentscheidungen“? Kann auf Ängste überhaupt irgendeine Form von „Rationalität“ anwendbar sein?

Irgendeine Angst, die mit Sterben und Tod zusammenhängt, ist aus meiner Sicht jedenfalls tief in uns Menschen verankert.

Es ist diese Angst, die uns irgendwie nach Halt suchen lässt. Aneinander, oder auch an irgendwelchen Ideen oder „Idealen“.

Es ist diese Angst, die dazu führt, dass wir „gut“ sein wollen.
Und das, was wir an uns ablehnen, lieber nach Außen projizieren. Auf irgendwelche anderen, die wir dann bekämpfen und uns einreden, damit wären wir „gut“. Denn wir bekämpfen ja „die Bösen“.
Irgendjemanden im Außen zu bekämpfen, macht uns jedoch wohl kaum „gut“. Überhaupt irgendwie im Außen „rummachen“ zu wollen (auch in bester Absicht), ist wohl meist nur eine Ablenkung von uns selber.

Unsere Angst wurde schon immer von „Priestern“ ausgenutzt, die uns erzählt haben: „Wenn du tust, was wir dir sagen, dann bist du gerettet!“

Ich persönlich glaube kaum, dass die Kirche den Menschen Angst vor der „Hölle“ machen musste, damit diese ihr „gefügig“ sind. Die Angst war bereits da, den Menschen irgendwie immanent. Und die Kirche bot ein Erlösungsversprechen von dieser Angst: „Wenn Du uns folgst, tust, was WIR dir sagen, dann bist Du vor der Hölle bewahrt und kommst stattdessen ins Paradies.“

Heute scheinen viele in ihrem Innern zu spüren, dass dieses Erlösungsversprechen trügerisch war.
Dass sie einer Institution gedient haben und von sich selbst (und damit vielleicht dem Näherkommen an eine tatsächliche Erlösung von dieser Angst) eher abgelenkt wurden.

Viele haben sich daher enttäuscht von der Kirche abgewandt. – Allerdings oftmals nur, um sich anderen „Priestern“ zuzuwenden, die auch wiederum Erlösung von der Urangst versprechen.

Diese heutigen „Priester“ nennen sich „Wissenschaftler“ und die Institution, die sie vertreten „DIE Wissenschaft“.

Sie haben sich auf das von der vorherigen Kirche insoweit umgekehrte Geschäftsmodell verlegt, als sie behaupten, man müsse vor dem, was nach dem Tod kommt, keine Angst haben. Denn da „gebe es NICHTS“.

Würden die meisten Menschen diese Aussage tatsächlich tief in ihrem Innern glauben, dann würden wohl nur noch wenige Angst vor Sterben oder Tod verspüren. Es wäre ein Einschlafen – und weg. Was sollte daran furchterregend sein?

Irgendetwas lässt uns aber vermuten, vielleicht sogar tief im Innern WISSEN, dass es nicht so ist. Und irgendetwas muss daran so schrecklich für uns sein, dass wir dieses Wissen unbedingt verdrängen wollen.

Wir uns lieber permanent ablenken mit allem möglichen Zeug, mit dem wir vor uns selbst behaupten, es würde uns „glücklich“ machen.

Wir fürchten kaum etwas mehr als Einsamkeit, weil wir ahnen, dass dann das Verdrängte auftauchen wird. Dann, wenn wir mit uns alleine sind. Ohne Ablenkung. Ohne „Arbeit“, ohne Fernseher, Radio, Bücher, Besuche etc..

Wir fürchten Schmerzen. Weil sie weh tun. Weil sie uns zum Innehalten zwingen. Weil sie uns an etwas erinnern, an was wir nicht erinnert werden wollen.

Also rennen wir im Fall von Schmerzen oder sonstiger „Krankheit“ zu DER Wissenschaft und bitten um „Erlösung“:
Bloß schnell weghaben dieses Ärgernis… . Bloß schnell wieder „funktionieren“. Bloß schnell sich wieder ablenken können von dem, was wir nicht wahrnehmen wollen.

Seit einiger Zeit nun fließen starke heilsame Energien ein. Sie zeigen sich bei vielen Menschen:
Schmerzen nehmen zu. Körperliche und seelische.

Es ist ein Geschenk. Es wird der Beginn von etwas Wunderbarem sein.