Ulli´s geträumtes Alphabet und meine daraus geträumte Stadt

Träume; Künstlerin: Dörte Müller

Vor einiger Zeit hatte Ulli von Café Weltenall einen Beitrag zum „geträumten Alphabet“ gepostet. Daraus war die Idee einer Meditation zu den einzelnen Buchstaben – und den daraus von Ulli erträumten Wörtern – geboren ( Erinnerung an das Alphabet des mutigen Träumens | (wordpress.com)). Jede*r für sich, zur gleichen Zeit 26 Abende lang.

Das erste Wort war Allgemeinwohl. Aus diesem Wort erstand vor meinen geschlossenen Augen eine kleine Stadt, in der sich alle Bewohner einfach WOHL fühlen. Also eine Stadt, in der das allgemeine Wohlbefinden für alle an allererster Stelle steht. Diese Stadt baute sich dann Buchstabe für Buchstabe in meinen abendlichen Meditationen weiter auf. Und das ist das Ergebnis:

Ich wandre durch die Straßen. Rechts und links stehen Häuser. Sie sind aus recycelten und recycelbaren oder rein natürlichen Materialien erbaut. Die meisten Fassaden und Dächer sind begrünt und bunt bepflanzt. Durch die Straßen schwirren Schmetterlinge in den verschiedensten Farben. Singvögel trällern fröhlich ihre Lieder. Der Duft von Blütennektar hängt in der Luft. Und lockt Bienen und andere bestäubende Insekten. Die Straßen sind nicht geteert, sondern wie Fußwege mit Platten gepflastert, damit Regen in den Rillen versickern kann. Viele Platten sind mit Kunstwerken verziert.

Die Häuser sehen unterschiedlich aus. Sie sind auch unterschiedlich groß und offenbar jeweils genau an die Bedürfnisse ihrer Bewohner angepasst. In den meisten Mehrfamilienhäusern gibt es einen großen Gemeinschaftsraum mit Zugang ins Freie. In diesen Räumen beobachte ich buntes Treiben: Mehrmals die Woche gemeinsame Veranstaltungen, Kaffee und Kuchen, gemeinsamen Gesang, Spiele o.ä.. Die Älteren und allein Lebenden, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, freuen sich besonders daran, weil sie so jederzeit Gesellschaft haben können. Man kennt sich in den Häusern, weiß um die jeweiligen Bedürfnisse und hilft sich gegenseitig.

Auf den Straßen sehe ich keine Autos. Die Leute gehen meist zu Fuß, einige fahren Fahrrad, Skates oder andere kleine Sportgeräte. Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, sind mit einer Art elektrischem Golfcabby unterwegs, die vor den Häusern zur freien Verfügung stehen und so konzipiert sind, dass sie auch von Menschen mit motorischen Einschränkungen problemlos genutzt werden können. Alle Einrichtungen der Stadt sind barrierefrei zugänglich. Für längere Wege gibt es kleine städtische Elektrobusse, die jederzeit angefordert werden können. Die Menschen haben offensichtlich Zeit. Niemand ist hektisch oder auch nur in Eile. Achtsam nehmen sie ihre Umgebung beim Gehen wahr und scheinen diese zu genießen.

In der Stadt sehe ich etliche kleine Parks mit Grünflächen und Spielplätzen sowie Sportgeräten für groß und klein. Alles ist gut besucht.

Überall sind Gemeinschaftsgärten. Man sagt mir, dass jede Person, die möchte, mithelfen kann, Gemüse und Obst zu ziehen. Alles, was über den eigenen Bedarf hinausgeht, wird jeweils in kleine Läden gebracht, wo jeder mitnehmen oder bestellen kann, was er oder sie braucht.

Ich frage, ob die Menschen nicht arbeiten müssen, und man schaut mich groß an. „Arbeit?“ Man erklärt mir, dass jede Person in der Stadt genau das tut, was sie besonders gut kann und besonders gerne mag oder auch einfach nur mal ausprobieren möchte. Alles, was dabei erzeugt und produziert wird, steht dem Allgemeinwohl zur Verfügung.

Außerhalb der kleinen Stadt erkenne ich ausgedehnte Wälder. Außerdem etliche Felder und mehrere kleine Bauernhöfe. Auch dort arbeitet jede*r mit, der oder die mag und Talent dazu hat, wird mir berichtet. Der Anbau erfolgt in Permakultur. Neben Getreide und verschiedenstem Gemüseanbau gibt es auch eine kleine Schaf- und eine kleine Kuhherde, sowie Hühner. Diese liefern Milch, Eier, Wolle und gelegentlich auch Fleisch und Leder. Geschlachtet werden die Tiere in einem Anhänger, der auf das Feld gebracht wird. Ausschließlich die Tiere, die freiwillig in diesen Anhänger gehen. Auch mal Wildschweine oder Rotwild aus dem Wald. Alle Tiere werden mit großem Respekt und mit Liebe behandelt, ihr Opfer mit Dankbarkeit angenommen. Von dem betreffenden Tier wird dann selbstverständlich alles verwendet. Da niemand in der Stadt täglich Fleisch oder Wurst essen möchte, reicht es für alle. Es gibt eine kleine Mühle, in der das Getreide vermahlen wird. Wer gerne bäckt, bäckt für die mit, die das nicht so gut können. Gleiches gilt für das Kochen. Für den Anbau „exotischer“ Produkte, wie Kaffee oder Kakao z.B., gibt es Gewächshäuser, in denen die besonderen Anbaubedingungen nachgestellt werden.
Alle, die ich treffe, wirken sehr zufrieden. Sie fragen mich, ob es tatsächlich mal eine Zeit gegeben habe, in der die Menschen überall Mangel wahrgenommen hätten? Sie können sich das nicht vorstellen, denn es sei doch überall Fülle zu sehen. Es sei doch alles da, was man brauche, um glücklich zu sein. Für alles sei so wunderbar gesorgt von „Mutter Erde“. Sie strahlen mich an. Ich erkläre ihnen, dass die Menschen einen Mangel in ihrem Innern empfunden hätten, auch dann, wenn sie materiell im Überfluss lebten, oft sogar gerade dann. Viele hätten sich selbst als „mangelhaft“ empfunden, ebenso wie die Welt um sich herum, und sich und diese Welt „optimieren“ wollen. Viele hätten geglaubt, dass ihnen Konsum bei dieser „Selbstoptimierung“ helfen könne. Man versteht nicht so ganz, wie ich das Wort „Konsum“ meine und wieso man damit einen inneren Mangel beheben können sollte.

Durch die Stadt schlängelt sich ein Fluss mit Wasser so klar und sauber, das es jederzeit als Trinkwasser verwendet werden kann. Ich genieße das gurgelnde Plätschern, das der Fluss von sich gibt, während ich ein Stück an seinem natürlichen Ufer entlang spaziere. Er speist mehrere kleinere natürliche Seen, die im Sommer zum Baden und im Winter zum Schlittschuhlaufen einladen. Jetzt im Frühjahr sind nur wenige Menschen beim Schwimmen im kalten Wasser zu sehen.

Ich frage nach Schulen und man erklärt mir, dass die Kinder in den ersten Jahren eine Art gemeinsamen Grundlagenunterricht bekommen, der im Wesentlichen draußen im Wald und in der Natur stattfindet und Mathematik, Musik, Kunst, Bewegungselemente sowie Lese- und Schreibunterricht umfasst. In welchem Alter sie beginnen möchten, suchen sich die Kinder mit ihren Eltern zusammen selbst aus. Für die älteren Kinder gibt es überall unterschiedliche Lernangebote, die sie sich selbst je nach Lust und Neigung und Talent aussuchen können. Jede Person, die etwas besonders gut kann oder weiß, bietet an, Interessierte darin zu unterrichten. Auch Kinder, die eine besondere Begabung in einer Sache haben, können andere Kinder (und Erwachsene) darin unterrichten, wenn sie dies möchten. Zensuren gibt es nicht. Niemand wird „beurteilt“. Der Unterricht erfolgt individuell und liebevoll und ist im Wesentlichen ein begleitetes Selbstlernen, Erkunden und Ausprobieren. Das Wichtigste sei es, die natürliche Kreativität und Neugier der Kinder nicht zu beschneiden durch irgendwelche Vorgaben, sondern sie zu ermuntern. Wert lege man aber darauf, den Kindern zu zeigen, dass man mit gleichberechtigter Kooperation meist weiter komme, als wenn man etwas alleine tut.

Beim Spazieren durch die Stadt bemerke ich viele kleine Bühnen. Auf einigen wird Theater gespielt, auf manchen gesungen. Man sagt mir, einige Bühnen werden jeden Nachmittag oder Abend bespielt, für die anderen gilt: Alle, die wollen, können etwas aufführen, Theater, Musik, Sport, Zauberkunst etc.. Es gibt ein Stadtkommunikationssystem, in dem man die Aufführung bekannt geben kann. Wer gern zuschauen oder zuhören möchte und selbst nicht so mobil ist, kann dies anmelden und wird dann dort hingebracht.

Anderswo gibt es Möglichkeiten zum gemeinsamen Tanz oder gemeinsamem Gesang. Alles wird gern genutzt. Niemand stört sich an „falschen“ Klängen oder Tanzschritten. Ich bleibe zum Abend und erlebe, wie die Abende widerhallen von Musik und dem fröhlichen Lachen der Menschen.

***

Die einzelnen Buchstaben fügen sich in dieser Stadt wie folgt:

Bruttosozialglück: Es gibt in dieser Stadt kein Geld. Denn niemand ist interessiert daran, Eigentum zu vermehren. Stattdessen wollen alle das gemeinsame und damit auch das eigene Glück vermehren.

Die Stadt strahlt Charme aus und vibriert voller Lebensenergie (chi).

Die Menschen begegnen der Natur, der Erde und allen ihren Geschöpfen mit Demut und Dankbarkeit. Niemand hält sich für „besser“ oder „wichtiger“ als andere.

Alle wichtigen Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Jeder kann die eigenen Ideen einbringen. Nichts wird als abwegig angesehen. Nichts wird verlacht. Es gibt kein „ja, aber…“. Sondern jeweils ein JA!. Ideen bauen aufeinander auf. Werden weiter geführt, zusammen gemischt. Verbunden. Bis etwas Tragfähiges daraus entstanden ist = Einigung.

Die Menschen haben in sich Frieden gefunden. In ihrem eigenen Inneren. Und sie leben diesen Frieden daher auch nach außen.

Güte ist ein Grundgefühl und Hilfsbereitschaft eine Selbstverständlichkeit. Niemand, der oder die Hilfe benötigt, schämt sich deshalb – oder wird beschämt. Das Gefühl der Scham im Sinne einer Erniedrigung ist den Menschen überhaupt nicht mehr bekannt.

[Da „Ideale“ für mich zu sehr die Gefahr in sich bergen, in „Ideologien“ abzurutschen, habe ich hier stattdessen „Ideenreichtum“ eingesetzt und verweise hierfür, wie auch für das „Ja“ auf den Passus zu „Einigung“.]

Das wichtigste Element der Kommunikation ist das Zuhören. Ein großer Teil der Kommunikation verläuft stumm, einfach nur über Berührungen: Hände halten, Umarmungen, streicheln.

Liebe: Die Menschen haben endlich zur Selbstliebe gefunden. Und so ist die Nächstenliebe eine ganz einfache Selbstverständlichkeit geworden. Mitgefühl ist ein Teil dessen. Menschen, die sich selbst lieben, konkurrieren nicht einmal mehr um Partner*innen miteinander. Wenn sich jemand für eine andere Person entscheidet, wird das nicht als persönliche Zurückweisung und Erniedrigung empfunden, sondern als Ausdruck der Entscheidungsfreiheit jeder Person.

Im Umgang miteinander herrscht eine erfrischende Natürlichkeit und Offenheit. Niemand versucht, etwas vorzuspielen, was er oder sie nicht ist. Jede Person weiß, dass sie schön ist, so wie sie ist. Niemand putzt sich heraus oder versteckt sich hinter Fassaden.

Durch das ganz selbstverständlich wirkende Zusammenspiel von Mensch und Natur schwingt durch die Straßen eine Art natürlicher Poesie. Belebt durch die natürliche körperliche Sinnlichkeit der Bewohner*innen, die alle Sinne ihres Körpers als Geschenk erleben und genießen.

Querdenken ist erwünscht. Niemand versucht, andere von der eigenen Meinung oder Sichtweise zu überzeugen oder diese für „richtiger“ zu halten, als andere Sichtweisen. Man weiß, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt. Meinungs- und Ideenvielfalt wird deshalb als Grundbedingung angesehen, um sich weiterzuentwickeln, und auf der Basis verschiedenster Ansätze dann zu gemeinsamen Lösungen zu kommen. Selbstverständlich sind auch Richtungswechsel jederzeit möglich, wenn die Bewohner*innen erkennen, dass eine angestrebte Lösung sich in der Praxis als doch nicht ganz so gut herausstellt. Niemals geht es dabei darum, „Schuldige“ zu benennen für einen „Fehler“. Stattdessen schaut man sich die Folgen des Handelns an, um daraus zu lernen.

Die Menschen haben ihre Träume zu Wirklichkeit werden lassen. Zuvor allerdings hat es eine Zeit der Trauer und vieler Tränen gegeben, da das Alte verabschiedet werden musste. Menschen hatten sich sehr daran gewöhnt, materielles Eigentum als wichtigstes und erstrebenswertestes Gut zu betrachten. Es kam ihnen zunächst wie ein großer Verlust vor, stattdessen auf Glück zu setzen. Es gab zunächst großen Widerstand. Man verurteilte sich gegenseitig.

Aber heute verurteilt niemand mehr einen anderen. Jeder weiß, damit würde er oder sie auch ein Stück von sich selbst verurteilen. Urteilsfreiheit ist ebenso selbstverständlich wie das Vertrauen in die Natur und in die Mitmenschen. Das Vertrauen in die Schöpfung. Und wie die Demut gegenüber dieser Schöpfung. Die Menschen geben sich dem Fluss des Lebens hin und leben im Einklang mit der Natur, weil sie wissen, dass diese es gut mit ihnen meint. Sie verschwenden ihre Kraft und Energie nicht, um gegen die Natur zu arbeiten, diese „optimieren“ zu wollen und sich Sorgen um das morgen zu machen.

Sobald im Innern einer Person doch noch einmal ein gewisser Widerstand oder eine Unzufriedenheit aufkommt, z.B., weil sie sich mit anderen messen möchte, geht sie dieser Unzufriedenheit in ihrem eigenen Innern nach. Denn „Wettkampf“ gibt es in dieser Stadt vor allem gegen sich selbst, indem jeder versucht, in dem, was er oder sie besonders gut kann, noch besser zu werden. Und gleichzeitig Neues hinzuzulernen.

Das Unbekannte X steht bei mir für die Kenntnisse, die sich die Menschen inzwischen erworben haben: Zum Beispiel haben sie gelernt, wie man sich die freie Umgebungsenergie zunutze machen kann. Mit dieser betreiben sie ihr Stromsystem. Sie wissen auch, wie man Radioaktivität unschädlich machen kann. Auch für Abwasser und verbleibenden Müll haben sie intelligente Lösungen gefunden, die Planet und Menschen nicht belasten.

Der YinYangAusgleich war Grundvoraussetzung, um in dieser Stadt anzukommen.
Denn über die letzten Tausende von Jahren war das Yin immer mehr an den Rand gedrängt worden und fast nicht mehr existent. Das Yang war völlig aus dem Ruder gelaufen und hatte sogar seinen eigenen Yin-Kern versucht zu zerstören. Es wollte herrschen um jeden Preis. Es hatte Technik und Waffensysteme hervorgebracht, die Kontrolle und Macht über alle Menschen an sich reißen wollten.
Aber das Yin kam zurück. Die Menschen begannen wieder, auf ihr Inneres zu hören. Auf ihre Intuition zu vertrauen. Ihre innere Weisheit wieder wahrzunehmen. Sie hörten auf, sich im Außen von Ängsten und von irgendwelchen aufgebauten Szenarien mitreißen zu lassen. Sie besannen sich auf ihre Verbindung mit der Natur, statt sich Angst vor dieser einreden zu lassen. Sie kamen wieder in Kontakt mit der ihnen inne wohnenden Liebe. Sie kamen wieder in Kontakt mit dem nährenden weiblichen Element in ihnen. – Und sie sagten einfach „nein“ zu denen, die Macht über sie wollten.
Es wurden immer mehr, die dieses „nein“ zur Macht und „JA“ zu Liebe sagten.
Denn sie hatten verstanden, dass sie mit ihrem Inneren das Äußere gestalten. Und dass dieses von allen gemeinsam gestaltete Äußere dann wieder auf das Innere jedes Einzelnen zurückwirkte. Dass im Innern bestehende Angst, Wut und Aggression über die Rückwirkung im Außen so zu einer Spirale der Zerstörung werden kann.
Dass sich diese Spirale aber auch gegensätzlich nutzen ließ, nämlich um Liebe zu verbreiten. So gab es immer mehr Menschen, die übten, sich innerlich zu reinigen von Angst, Wut und Aggression. Und die so Platz schufen für die Liebe in ihnen. Je mehr Menschen begannen, diese Liebe nach Außen auszustrahlen, desto mehr Liebe kam zu ihnen allen zurück.
Diese Spirale der Liebe ließ sich irgendwann auch von dem machtbesessenen Yang, das sich über die Zeit so sehr selbst übersteigert hatte, nicht mehr unterdrücken.
Und so brach dieses völlig aufgeblasene künstlich erzeugte Mega-Yang endlich in sich zusammen. Und darunter kam wieder das wahre Yang zum Vorschein. Das Yang, das sich seines Yin-Kerns wohl bewusst ist und in vollkommener Harmonie mit dem Yin lebt, welches wiederum ihrerseits ihren Yang-Kern kennt und versteht.

Mit dem Zusammenbruch dieses technokratischen machtbesessenen Yang-Kolosses kam die Zuversicht der Menschen wieder. Sie zerlegten alle Waffen und Waffensysteme dieser Welt in ihre Bestandteile und nutzten die gewonnenen Rohstoffe für den Bau von Brücken, Brücken auch im übertragenen Sinn.
Und sie begannen, sich die Zukunft aufzubauen, die sie wirklich wollten.

**************************************

Vielleicht hat der ein oder die andere von euch Lust, an dieser Zukunft mitzudenken / – träumen / -bauen? Mit eigenen Visionen, Wünschen, Vorstellungen, die natürlich auch ganz anders aussehen können, als meine? Ich würde das toll finden!!!

P.S.: Den „Schlachtanhänger“, in den die Tiere freiwillig gehen, habe ich mir übrigens nicht ausgedacht, wobei es sich in dem realen Fall auf Schweine bezog.

Menschenbilder – oder: Auf dem Weg in eine gesündere Welt?

Gute Besserung?; Künstlerin: Dörte Müller

Die meisten Menschen scheinen sich einig zu sein, dass unsere derzeitige Gesellschaft fast weltweit in gewisser Weise krank ist. Nein, ich meine nicht Corona. Sondern die Ungerechtigkeiten in der Welt. Die gigantischen Umweltprobleme. Kriege. Ausbeutungen. Unterdrückung von Frauen. „Anbetung“ von Macht und Geld. Die Welt ist schon seit langer Zeit in vieler Hinsicht völlig aus dem Gleichgewicht.

Es muss sich etwas ändern. Da würde ich dem gerade viel zitierten Klaus Schwab recht geben. Ohne sein Buch zum „Great Reset“ oder zur „4. industriellen Revolution“ gelesen zu haben, haben mir die Interviews mit ihm – die ich gelesen habe – den Eindruck vermittelt, er setze dabei vor allem auf KI und wolle den Kapitalismus im Grundsatz beibehalten (aber privates Vermögen teilweise umverteilen). Und das scheint mir tatsächlich auch der Ansatz zu sein, den die meisten westlichen Regierungen derzeit verfolgen.

Dahinter steht für mich ein bestimmtes Menschenbild, (das auch hinter dem Denken stehen dürfte, das den derzeitigen Umgang mit Corona bestimmt):

Mensch und Natur sind zwei völlig voneinander getrennte Entitäten.
Die Natur ist etwas Gefährliches, wenn der Mensch sie nicht mit seinen technischen Mitteln „unter Kontrolle bringen“ kann.
Der Mensch selbst ist ebenfalls etwas Gefährliches.
Sein Körper ist getrennt von seinem „Verstand“ und diesem gegenüber etwas Minderwertiges / Sündiges. Kein Wunderwerk, das in einem komplexen Gleichgewicht voller Lebendigkeit und Selbstheilungskräften eingebunden ist. Sondern eine störanfällige Maschine, die man im Bedarfsfall unbedingt „Experten“ anvertrauen sollte. Und die von diesen mit Eingriffen von außen wieder funktionsfähig gemacht werden muss.
Der menschliche Geist wiederum ist zu schlimmen Gräueltaten fähig. Er handelt oft nicht „vernünftig“.
Nach diesem Menschenbild gibt es die Vorstellung einer objektiven „Vernunft“, an die die Menschen heran geführt werden müssten.
Gefühle seien per se gefährlich. Menschen werden daher davon abgehalten, auf ihr Gefühl zu hören. Sowohl Geist wie Gefühle der Massen müssen aus dieser Sicht von außen gesteuert und unter Kontrolle gehalten werden.
Man weiß, dass Menschenmassen verführbar sind, und man weiß vom „Herdentrieb“ der Menschen. Man versucht, diesen zu nutzen, um sicherzustellen, dass sie zum „Guten“ und „moralisch Richtigem“ verführt werden. Hierfür braucht es Eliten, die das Volk führen, und ihm sagen, was es zu glauben, zu fühlen und zu tun hat.
Wer sich widerspenstig zeigt, ist potentiell gefährlich und damit zu bekämpfen – und wieder unter Kontrolle zu bringen. Wenn einmal die Kontrolle verloren ist, dann werden aus dieser Sicht desaströse Szenarien Wirklichkeit: Es droht ein „exponentielles Wachstum des Bösen“ (das scheint die Lehre aus der Nazizeit).
Die Eliten sollten möglichst „objektiv“ und „moralisch integer“ sein oder zumindest so wahrgenommen werden, was man am ehesten „der Wissenschaft“ zutraut. Denn diese gilt per se als „objektiv“. Das mache sie aus.
Noch „objektiver“ ist KI. Die allerdings wiederum von jemandem programmiert werden muss…. . Man glaubt, dass die Eliten so integer seien, dass sie diese Tatsache nicht für sich ausnutzen würden.

Der Glaube an die KI hat aus Sicht des bestehenden Systems den Vorteil, dass man weit möglichste Kontrolle über die Menschen bekommt, sie im wahrsten Sinne des Wortes „berechenbarer“ werden. Gleichzeitig kann man weiterhin dem Kapitalismus und dem Wachstumsgedanken frönen. Muss also nicht wirklich über das bestehende System hinaus denken oder als Angehörige*r der derzeitigen Elite stärkere Einschnitte für das eigene Leben befürchten.

***********************************

Der Gegenentwurf sieht Mensch und Natur als zusammengehörig und stellt den längst verloren gegangenen Bezug zu „Mutter Erde“ wieder her. Die Ansicht der „Gleichberechtigung“ von „Mutter Erde“ mit „Vater Gott“ führt zu einem anderen Stellenwert des Weiblichen an sich.
Statt dem Versuch, diese „unter Kontrolle zu bringen“, herrscht Dankbarkeit und Demut gegenüber der Erde und der Natur, die uns unser Leben überhaupt erst ermöglichen (und der Frauen, die dieses Leben weiter geben).
Körper und Geist sind untrennbar verbunden und beide stellen ein vom menschlichen Verstand nicht erfassbares „Wunder“ dar, das – auch hinsichtlich der schier unglaublichen körperlichen Selbstheilungskräfte – ebenfalls Dankbarkeit und Demut erzeugen kann (und Lust erzeugen darf). Experte für den eigenen Körper ist selbstverständlich jeder Mensch selbst. Die eigene Intuition immer der wichtigste Ratgeber.
Dass Mensch und Natur auch zerstörerische Aspekte haben, ist aus dieser Sicht kein Grund, sie sich untertan machen zu wollen, sie kontrollieren und beherrschen zu wollen. Aus dieser Sicht ist es die Verantwortung jedes Menschen selbst, seine eigenen zerstörerischen Anteile zu erkennen und zu bearbeiten. Um dann den in sich selbst erzeugten Frieden auch nach außen ausstrahlen zu können.
Eine absichtliche groß angelegte Manipulation des Bewusstseins anderer Menschen wird abgelehnt und als etwas Negatives und tendenziell Gefährliches angesehen. Der Glaube an eine objektive Wahrheit im Außen als eine Illusion, die von Menschen mit Eigeninteressen ausgenutzt werden kann und wird.
Menschen, die sich selbst für eine Elite halten, und meinen, anderen etwas vorschreiben und sie kontrollieren zu dürfen / müssen, sind aus dieser Weltsicht heraus NIEMALS moralisch besonders integer. Wer Macht über andere ausüben und diese kontrollieren möchte, hat im Gegenteil noch sehr viel an sich zu arbeiten. Um die eigene Sucht nach Macht in Liebe umzuwandeln. Die große Aufgabe unserer Zeit aus dieser Sicht, bei der sich gerade die Menschen, die sich für eine Elite halten, als die größten Bremsklötze erweisen.
Künstliche Intelligenz dient aus dieser Sicht nicht in erster Linie dem Menschen, sondern Kapitalinteressen. Und ist genauso kalt wie diese.
Technik und Geld sollten den Menschen dienen – und sie nicht beherrschen.
Eine Menschheit, deren Daseinszweck darin gesehen wird, der Technik und vor allem dem Geld zu dienen, ist ihres Menschseins beraubt.

Die Weiterführung des Kapitalismusgedankens scheint daher aus diesem anderen Menschenbild heraus ebenso wenig der richtige Weg zur Gesundung der Welt wie der Glaube an Eliten (zu denen die „herrschende Klasse“ sich tendenziell immer auch selbst zählt). Und der Glaube an KI schon mal gar nicht.

*********************************

Jeder Mensch hat (noch) die freie Entscheidungsmöglichkeit, welchem Menschenbild er oder sie folgen möchte. Welche Zukunft er oder sie der Menschheit wünscht.

Stell dir vor, EINIGE Menschen wollen Macht über andere ausüben – und niemand gibt sie ihnen.

Der Titel meines Blogs

Künstlerin: Dörte Müller

„Ich lache mich gesund.“ Irgendwie passt das nicht mehr so richtig zu dem, was ich schreibe – und auch zu mir:

Zum Einen habe ich erkennen müssen, dass das mit dem „gesund“ eine Wunschvorstellung von mir ist, die möglicherweise etwas zu hoch gegriffen sein könnte … .

Zum Andern ist mir im letzten Jahr klar geworden, dass Lachen zwar schön ist, aber nicht immer hilft. Dass Lachen – wie alles – zwei Seiten hat, und es gar nicht unbedingt so gut tut, Dinge einfach „weg lachen“ zu wollen.

Als ich den Blog im Sommer 2019 begonnen hatte, hatte ich mich gerade über längere Zeit intensiv mit Glücksforschung und mit positiver Psychologie beschäftigt und war fasziniert von dem Konzept. Noch faszinierter und glücklicher war ich dann, als ich nach dem Lehrgang zur Lachyoga-Leiterin mich so gut fühlte und so niedrige Entzündungswerte im Blut hatte, wie sie schon seit vielen Jahren bei mir nicht mehr gemessen worden waren. Und das ganz ohne Medikamente! Ein Wert, den all die Medikamente vorher schon lange nicht mehr geschafft hatten.

Ich war begeistert. Und natürlich sofort der Meinung, diese tolle „Medizin“ auch allen anderen nahe bringen zu müssen – real und eben auch virtuell über diesen Blog … . In dem ich dann vorhatte, von meinen Erfahrungen zu berichten.

Zielgruppe für das „reale“ Lachyoga waren die, die meiner Meinung nach vom Lachen in gesundheitlicher Hinsicht besonders profitieren konnten, also ältere Menschen und Autoimmunerkrankte. Fehlt(e) nur noch ein passender Raum. Da ich vorhatte, das Ganze ehrenamtlich anzubieten, sollte der Raum natürlich nichts kosten.

Als Erstes erfuhr ich dann, dass das mit dem ehrenamtlich von Kolleg*innen gar nicht so gerne gesehen wird. Was ich verstehen kann, denn wer mit Lachyoga den eigenen Lebensunterhalt bestreitet, findet kostenlose „Konkurrenz“ natürlich nicht so toll. Auch wurde mir bedeutet, dass Menschen Dinge, die sie geschenkt bekommen, fast nie so zu schätzen wissen, wie Dinge, für die sie bezahlt haben. Hm. Wahrscheinlich stimmt das. Leider.

Na ja, das Finanzielle ließe sich regeln, zur Not über einen Spendentopf. Das mit dem Raum für feste Lachyoga-Angebote war schon schwieriger. Zumal ich die niedrigen Entzündungswerte leider so nicht halten konnte. Und dementsprechend auch nicht in der Stimmung war zum Klinkenputzen.

Also übte ich erstmal in der Gymnastikgruppe meiner Mutter. Dabei stellte ich fest, dass das vielen der alten Damen Spaß machte. Bei einigen hatte ich aber auch den Eindruck, dass sie nur mitmachten, um mir einen Gefallen zu tun, und sich eigentlich sehr unwohl dabei fühlten. Das war nicht der Sinn der Sache – und der positiven Energie, die das Lachyoga verströmen kann, auch nicht zuträglich. Aus dem Lebenslauf der betreffenden Damen heraus aber mehr als nachvollziehbar.

Meine vorherige Vorstellung, Menschen im Seniorenwohnheim, die ich gar nicht kannte, mehr oder weniger ungefragt mit Lachyoga zu „erfreuen“, erschien mir plötzlich naiv.

Ja, und dann kam 2020. Und alles war ohnehin ganz anders. Durch den Tod meiner Mutter im ersten Lockdown und allem, was damit zusammenhing, war mir mein eigenes Lachen unerwarteterweise selbst ziemlich vergangen. Plötzlich konnte ich sogar verstehen, dass es Menschen gibt, die von Lachyoga genervt sind, weil sie sich einfach nicht danach fühlen. Vorher fand ich, „man müsse sich halt nur darauf einlassen“. Und konnte gar nicht verstehen, was daran schwer sein sollte.

Jetzt verstehe ich das gut: Selbst wenn es erlaubt gewesen wäre, Lachyoga anzubieten, hätte ich 2020 nicht die „Lachenergie“ (und auch nicht den körperlichen Zustand) gehabt, die nach meiner Erfahrung erforderlich ist, um die Teilnehmer*innen mitzureißen.

Dafür hat mir das Jahr ermöglicht, in anderer Hinsicht an mir zu arbeiten und dabei auch das ein oder andere zu erkennen und vielleicht auch aufzulösen, das ich vorher einfach mit Lachen zugedeckt hätte. Das Jahr hat mich auch „mutiger“ gemacht. In dem Sinne, dass ich mir viel mehr erlaubt habe, meine Meinung auch dann zu vertreten, wenn ich klar von der Mehrheitsmeinung abweiche. Ich habe bemerkt, dass mir das gut tut. Vermutlich sogar besser, als einfach nur zu lachen. … .

Auch, wenn mein Blogname „Ich lache mich gesund“ also nicht mehr ganz dem bei mir aktuellen Stand entspricht, werde ich ihn (erstmal) beibehalten. Denn Ganzheitlichkeit und insbesondere Ganzheitlichkeit in der Medizin sind für mich weiterhin DIE Themen meines Blogs. Und Lachyoga, Humor allgemein und auch Glückforschung halte ich nach wie vor für wichtige Aspekte der Ganzheitlichkeit.

Außerdem: Wer weiß schon, was passiert, wenn dieser ganze Lockdown-Wahnsinn endlich wieder beendet wird? Vielleicht werde ich mich ja doch noch gesund (oder zumindest gesünder) lachen…??? 🙂