Von Mainstream, Masken und Moral

Kein „Mainstram“; Künstlerin: Dörte Müller

Ich war schon immer etwas sonderbar. Schon als Kind wusste ich nicht, welches Spielzeug „man“ zu haben hatte, welche Klamotten „man“ zu tragen hatte. Später dann auch nicht, welche Musik „man“ zu hören, welche Bücher zu lesen oder welche Filme zu schauen hatte. Um „in“ zu sein. Ich weiß all das bis heute nicht.

Stephen King war hip? Nachdem ein Mitschüler mal ein Buch von ihm im Deutschunterricht vorgestellt hatte, wusste ich nur, dass ich ganz sicher nie nie niemals freiwillig auch nur ein Augenzwinkern in eines der Bücher von diesem Herrn stecken würde. Hingegen war ich völlig fasziniert, als wir in der Oberstufe Goethes Faust lasen. Schon damals war ich offensichtlich esoterisch angehaucht.

Mainstream? Ich hätte gar nicht gewusst, was das sein sollte. Und – es interessierte mich auch nicht. Noch heute schaue ich nur groß, wenn jemand mit einem Zitat aus irgendeinem Film kommt, den absolut jede*r gesehen hat. So was wie Star Trek oder Star Wars zum Beispiel. Jede*r, außer mir eben.

Trotzdem war ich nie unbeliebt. Auch in meinen Jobs nicht. Ich war und bin sehr politisch interessiert. In meinen Jobs ein Muss. Aber auch da stellte ich fest, dass ich irgendwann begann, mir mehr und mehr Fragen zu stellen. Fragen, die sich andere nicht zu stellen schienen.

Nachdem ich nicht mehr in diesen Jobs arbeite, wurden die Fragen mehr, schon alleine weil ich mehr Zeit habe, mir vertiefte Gedanken zu machen. Und ich stelle plötzlich fest, mit Fragen erregt man Anstoß. Wenn ich Mainstreammeinungen in Frage stelle, ziehen Menschen, die in diesem Strom schwimmen, sich von mir zurück. Reagieren verärgert. Wie kann ich etwas in Frage stellen, was doch jede*r denkt?

Da regt sich jemand auf über Menschen, die bei Demonstrationen im Freien keine Maske tragen, und erwartet meine Bestätigung für seine Entrüstung. Und ich sage, „Ich sehe das ganz anders, als Sie.“ Ups. Versteinerung. Da brauche ich mit einem Vortrag über den CO2-Gehalt unter diesen Masken, den Bakterien-, Viren- und Hefepopulationen, die man sich da züchtet – und einatmet, nicht zu kommen. Natürlich nicht. Ich habe bereits mit meinem „anders sehen“ längst verschissen. Schließlich hört man in den Medien jeden Tag nur Leute mit gegenteiligen Meinungen. Also ist klar, wo die Wahrheit ist.

Und, was mich wirklich umtreibt: Ich gelte plötzlich als moralisch verachtenswert mit meiner gegenteiligen Meinung. So wird es mir jeden Tag in den öffentlich rechtlichen Medien präsentiert.

Mein Leben lang war mir egal, was Mainstream war, und was nicht. Und es hat niemanden gestört, dass mir das egal war. Zwar darf ich auch heute noch Goethe einem Stephen King vorziehen. Aber mit meinen Meinungsäußerungen, da habe ich vorsichtig zu sein.

Denn heutzutage hat sich „der Mainstreammeinungsmensch“ zum moralisch besseren Menschen erkoren, so scheint es mir. Sich eine Maske des moralischen Anstands aufgesetzt, sich zur moralischen Instanz erhoben, an der sich jede*r zu messen habe. Wer das nicht tut, wird erbarmungslos gemobbt.

Das ist nicht erst seit Corona so, aber seitdem ist es sogar äußerlich erkennbar. Die Maske ist zum sichtbaren Symbol der „Anständigen“ geworden. Wie wissenschaftlich, objektiv, zahlen- und faktenbasiert das ist, das ist weniger entscheidend. Wer will das schon wirklich beurteilen? Wissenschaftler / Ärzte sind da durchaus unterschiedlicher Meinung. Aber die, die anderer Ansicht sind, sind damit nicht mehr „anständig“ und werden dementsprechend „selbstverständlich“ normalerweise nicht zitiert in den Medien.

Es ist nicht ganz neu, das Ganze: Bereits bei der Frage der Einführung der Masernimpfpflicht hatte ich laut offizieller medialer Version nicht etwa nur eine andere Meinung, sondern ich „gefährdete Menschenleben“.

Eine aus meiner Sicht äußerst gefährliche gesellschaftliche Entwicklung so ein Hauptstrom, der keine Nebenströme mehr zulässt. Und Menschen, die gegen den Strom schwimmen, der Hetze zum Fraß vorwirft.

Wie moralisch hochstehend ist jemand, der sich für moralisch „besser“ hält als andere, nur weil er tut, was ihm „von oben“ gesagt wird? Wie moralisch hochstehend sind Medien, die keine andere Ansicht mehr zulassen, als die von ihnen vorgegebene, die sie für „moralisch gut“ halten?

Sind das die Guten, weil sie der Meinung sind, das Gute zu fördern?! Oder sind das vielleicht eher die Anti-Mephistos? Und damit ein Teil jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft?!

Erziehung

In Reih und Glied…. ; Künstlerin: Dörte Müller

„Du mit deinem moralischen Zeigefinger…“, sagt mein Mann immer liebevoll, wenn ich mal wieder predige, dass man Menschen dazu bringen müsse, mehr zum Schutz ihrer Umwelt zu tun. (Dass ich zum „moralischen Zeigefinger“ neige, sieht man z.B. deutlich in meinem Beitrag „Die Krone der Schöpfung“ …;-)). Dabei kannst gerade Du es überhaupt nicht haben, wenn jemand Dich „erziehen“ will!“

Das stimmt. Es ist ein Grund, warum ich auf diese Corona-Diskussion so stark reagiere. Ich kann es nicht ausstehen, wenn ich das Gefühl habe, dass Leute meinen, mich erziehen zu müssen. Mich in ihrem Sinne „verbessern“ wollen: Hin zu mehr „Gehorsam“ und weniger Unabhängigkeit. Das geht gar nicht!

Aber beim Umweltschutz … wenigstens so ein klein wenig… . Das müsste doch möglich sein. Wäre schließlich zum Nutzen aller…!

Erziehung? Vom Verstand her weiß ich, dass das nicht klappen wird. Ich kann Menschen meine Bedürfnisse und Gefühle mitteilen. Aber, ob sie meinen Bedürfnissen folgen wollen, muss ich wohl ihnen überlassen. Denn sie haben möglicherweise ganz andere Bedürfnisse, sehen etwas ganz anderes als „zum Nutzen aller“ an. Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, zum Beispiel. Manch eine*r braucht auch einen „ordentlichen“ Garten, mag weder „Unkraut“ noch Insekten. Oder ärgert sich – so wie ich die letzten Wochen …-, wenn die Vögel doch tatsächlich ganz dreist alle Trauben wegfressen, bevor sie reif sind.;-).

Dennoch: Fast alle Menschen neigen dazu, andere „erziehen“ zu wollen. Jede*r ist immer der Meinung, genau zu wissen, was für andere (oder für alle) gut ist.

Erziehungsformen

Erziehung läuft über Strafe. Tatsächlich scheinen erschreckend viele Menschen es sehr zu mögen, andere zu bestrafen. Wer sich nicht „an die Regeln hält“, müsse bestraft werden. So heißt es bei diesen „Corona-Regeln“ oft. Ob eine Regel sinnvoll ist oder nicht – und wer eigentlich bestimmt, ob sie sinnvoll ist, das sind zweitrangige Fragen. Die Regel ist da. Also muss sie eingehalten werden. Und wer sie nicht einhält, ist zu erziehen, indem er bestraft wird. Und wenn die Regel noch gar nicht da ist, wie die Maskenpflicht bei den Großdemonstrationen im Freien gegen die Corona-Regeln, dann wird sie eben im Nachhinein geschaffen. Auch eine Art Strafmaßnahme (denn die Infektionszahlen hatten ja gar nicht zugenommen nach den Demos, Infektionsschutz konnte also nicht wirklich die Begründung sein…).

Selbst gegenüber anderen Staaten ist diese Art des Erziehungsversuchs sehr beliebt. Zumindest was Russland angeht, meinen erstaunlich viele Politiker*innen, sie müssten dieses Land „erziehen“ über Strafmaßnahmen (Sanktionen).

Solche Art „Erziehung“ überzeugt die „zu Erziehenden“ allerdings so gut wie nie. Sie tun vielleicht kurzzeitig, was von ihnen erwartet wird (andere Staaten tun auch das eher selten). Aber nicht, weil sie es nunmehr aus ganzem Herzen tun wollen, sondern weil sie die Strafe vermeiden wollen. Die innere Auflehnung gegen die „Erziehenden“ nimmt hingegen meistens zu.

Erziehung läuft über Verbote. „Mit denen lässt DU dich nicht auf der Straße blicken! Wir sind schließlich eine anständige Familie. Und mit solchem „Gesindel“ wollen wir nichts zu tun haben!“

Erziehung läuft über Angst machen. Das mag bei Kindern funktionieren: „Wenn du auf die heiße Herdplatte fast, wirst du großes Aua haben.“ Wenn das Kind die Liebe spürt, die hinter der Aussage steckt, wird es sich vielleicht von sich aus daran halten. Erwachsenen zu sagen, „Wenn du keine Maske trägst, wirst du dich mit einer ganz furchtbar gefährlichen Krankheit infizieren.“, ist anscheinend für viele, aber durchaus nicht für jede*n überzeugend. Erwachsene, die sich die Zeit nehmen, Statistiken zu lesen, nachzudenken und Fragen zu stellen, könnten sich hier als „schwer erziehbar“ erweisen. Zumal Liebe hinter der Aussage auch nicht wirklich spürbar ist. …

Erziehung läuft über Beschämung. Auslachen. Lächerlich machen. Auch das ist immer wieder sehr beliebt. Was gibt es nur alles für „absurde Verschwörungstheorien“, ha ha … ! Wie dumm manche Leute sind, ha ha … !

Erziehung läuft über Manipulation. Angst machen gehört dazu. Aber auch Schuldzuweisungen: „Du bist schuld, dass Mami traurig ist, wenn DU …“. „Du bist schuld, wenn andere sterben, weil DU keine Maske trägst.“

Erziehung läuft über Belohnungen. Lob. Anerkennung. Den Wunsch, „dazu zu gehören“.

Viele dieser „Erziehungsformen“ scheinen zunächst zu funktionieren. Menschen, denen man Angst gemacht hat, sind oft sehr bereit, alles Mögliche zu tun, was von ihnen erwartet wird. Wenn sie damit ihre Angst reduzieren können.

Aber wehe, sie kommen irgendwann auf den Gedanken, dass sie manipuliert wurden… ! Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand versucht hat, mir Angst zu machen, um mich zu manipulieren und für eigene Ziele zu instrumentalisieren, werde ich zum einen wütend und neige zum zweiten dazu, diesem jemand nie wieder irgendetwas zu glauben. Und das geht sicher nicht nur mir so.

Schuldzuweisungen und Beschämungen führen bei den so „Behandelten“ ohnehin normalerweise nicht dazu, dass sie sich den „Erziehenden“ verbunden fühlen und künftig von ganzen Herzen auf deren Wünsche eingehen werden. Mit dieser „Erziehungsform“ schreckt man vielleicht die schweigende Mehrheit ab, sich wohlmöglich bei nächster Gelegenheit genauso zu verhalten, wie die Beschämten. Das kommt auf den persönlichen Charakter der Leute in der „schweigenden Mehrheit“ an. Manch eine*r macht gerne mit bei den Schuldzuweisungen und Beschämungen (Teile der sogenannten Comedy-Szene scheinen gar davon zu leben nach meinem Eindruck). Manch eine*r fühlt aber auch den eigenen Gerechtigkeitssinn angesprochen und solidarisiert sich „jetzt erst recht“ mit den „Ausgestoßenen“.

Belohnungen, Lob und Anerkennung funktionieren begrenzt, schleifen sich aber ab. Selbst schon bei Kindern, erst recht bei Erwachsenen.

Tja, irgendwie: Andere „zu erziehen“ erscheint den meisten Erwachsenen wichtig. Aber sobald man als Erwachsene*r merkt, dass andere einen selbst „erziehen“ wollen, reagieren die wenigsten Erwachsenen erfreut. Denn als „Erziehende*r“ maßt man sich ja immer an, es besser zu wissen / klüger zu sein, als die zu Erziehenden. Und diese empfinden die Ansicht, dass sie „erzogen“ werden müssten, dann eben meist auch als Anmaßung und Beleidigung – und sind entsprechend empört.

Deshalb ist es m.E. eher kontraproduktiv, wenn die Verantwortlichen in öffentlich rechtlichen Medien denken, sie müssten einen „Erziehungsauftrag“ erfüllen. Von wem auch immer sie meinen, diesen „Auftrag“ erhalten zu haben. Komischerweise wundern sie sich oft sehr, wenn die, die sie „erziehen“ wollten, darüber gar nicht so begeistert zu sein scheinen. Und finden deren Empörung dann wieder total unverschämt, denn schließlich wollten sie ja „nur das Beste“ für alle. Und selbstverständlich wissen sie auch ganz genau, was dieses Beste ist. … .

Was wollen wir erreichen mit unserer „Erziehung“?

Eigentlich streben die meisten Menschen doch an, glücklich zu sein. Und wollen das auch für ihre Kinder. Ist unsere Art, andere zu erziehen, vor diesem Hintergrund wirklich so toll? Ich habe den Verdacht, dass meist nicht einmal den „Erziehenden“ ihre Erziehungsversuche wirkliche Freude machen, wenn ich deren sorgenvollen und ernsten Gesichtsausdrücke bei ihren Äußerungen betrachte…(obwohl sie sich dabei natürlich sehr wichtig vorkommen). Denen, die Adressaten dieser Versuche sind, machen diese Erziehungsversuche meist noch viel weniger Freude. Als Kind kann man oft wenig dagegen tun und fügt sich mehr oder weniger. Es scheint halt dazu zu gehören. Als Erwachsener hingegen ist man verärgert, wenn man sich als Adressat eines Erziehungsversuchs anderer Erwachsener sieht, und fügt sich in der Regel nicht.

Denn Erziehung, wie wir sie praktizieren, fokussiert fast immer auf das, was wir als „Schwächen“ anderer Personen (oder auch von uns selbst) wahrnehmen. Wir beurteilen, was eine Schwäche oder ein Fehlverhalten einer anderen Person sei, und wollen diese „ausmerzen“. Das Fehlverhalten macht uns Sorgen. Wir spüren die „Last der Verantwortung“, dieses Fehlverhalten korrigieren zu müssen. Selbstverständlich zum Besten der betreffenden Person. Und zum Besten aller. So rechtfertigen wir unsere Erziehungsversuche.

Was genau aber ist ein „Fehlverhalten„? Und wer bestimmt das? Ich persönlich neige dazu zu sagen, Fehlverhalten ist alles, was andere Lebewesen quält (auch über Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen), – also z.B. Massentierhaltung … . Andere sehen dies ganz anders. Und würden sich von mir mit dieser Aussage schwer beleidigt fühlen. Insbesondere, wenn ich dann wohlmöglich auch noch behaupte, die Abschaffung der Massentierhaltung wäre auch zu ihrem Besten und würde sicherlich auch ihrem Charakter gut tun… . Und dem Planeten sowieso.

Gerade die Debatte um die Landwirtschaft zeigt es m.E. gut: Mit „moralischem Zeigefinger“ erreicht man nichts, sondern erzeugt verärgerte Landwirte. Mit „freiwilligen Selbstverpflichtungen“ erreicht man auch nichts, wenn diese nicht aus dem eigenen Wunsch der betreffenden Menschen heraus entstehen, wirklich etwas verändern zu wollen. Dieser Wunsch wiederum hat etwas mit den eigenen Werten und Bewertungen zu tun, denke ich.

Natürlich kann man eigene Werte den eigenen Kindern vermitteln, indem man sie ihnen vorlebt. Und bei anderen Erwachsenen? Denen kann man sie ebenfalls vorleben. Aber zwangsweise „überbraten“? Aus solchen Versuchen sind furchtbare Religions- und Ideologiekriege entstanden. Weil Menschen meinten, ihre Werte anderen (gewaltsam) aufdrängen zu müssen. Und sich dabei noch eingebildet haben, sie täten ein gutes Werk.

Wenn wir mit unserer „Erziehung“ wirklich eine bessere Welt anstreben, vielleicht sollten wir es genau anders herum versuchen? Vielleicht ist der gesamte Gedanke mit der schwächenorientierten Erziehung eigentlich ein „Fehlgedanke“? Ich mag die positive Psychologie, die ganz klar davon ausgeht, dass Erziehung stärkenorientiert sein sollte. Aus dieser Sicht sollten Erziehende vorhandene Stärken fördern bei den ihnen Anvertrauten, statt zu versuchen, deren echte oder vermeintliche „Schwächen“ auszumerzen.

Auf die Bereicherung schauen, nicht auf die Schwächen

Inzwischen würde ich persönlich sogar noch einen Schritt weiter gehen. Ich finde, Erziehung sollte in erster Linie dankbarkeitsbasiert sein. Nicht versuchen, das Kind in irgendeine Richtung zu „ziehen“, von der man aus dem eigenen Leben heraus denkt, es wäre für das Kind die „richtige“. Sondern täglich zu üben, die Bereicherung wahrzunehmen, die das eigene Kind bietet und dafür ihm und der Schöpfung unendlich dankbar zu sein. Und darauf vertrauen, dass das Kind die für sie oder ihn „richtige“ Richtung selbst finden wird… . Nicht sich auf die vermeintlichen Schwächen des Kindes zu konzentrieren, von denen man denkt, dass sie seinem späteren „Erfolg“ im Leben entgegen stehen könnten. Sondern das einzigartige Wunder sehen, das jedes Kind ist.

Ich hätte es durchaus toll gefunden, so erzogen zu werden!

Kinder, denen auf diese Art Selbstliebe vermittelt aber auch gleichzeitig Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung vorgelebt wird, werden vielleicht auch wundervolle dankbare Erwachsene werden. Die keinerlei Bedürfnis mehr haben werden, die o.g. „Erziehungsformen“ bei anderen (oder auch bei sich selbst) anzuwenden.

Utopie? Ja klar. Jedenfalls noch. Menschen in meinem Alter sind schließlich fast alle ganz anders aufgewachsen.

Und so gebe ich zu, ich muss noch ziemlich viel üben, um meinen „moralischen Zeigefinger“ zu stoppen und stattdessen die Bereicherung in den Menschen wahrzunehmen, die ihren Müll achtlos in die Gegend kippen… ! 😉 Tja, und manchmal will ich das auch gar nicht. Denn, auch wenn ich weiß, dass ich damit wenig bewirke: Manchmal tut es mir auch einfach nur saugut, meinem Ärger über Zeitgenossen, die ich als „ignorant“, „dumm“, „ihre Macht missbrauchend“ oder was auch immer ansehe, mal so richtig Luft zu machen… 🙂

Die „Krone“ der Schöpfung?

Künstlerin: Dörte Müller

Eines der Dinge, die ich an den von mir so oft gescholtenen öffentlich rechtlichen Medien ganz toll finde, sind die Naturdokus. „Planet Erde“, „Der blaue Planet“ o.ä., das sind oft spektakuläre Bilder von den Wundern dieser Erde. Die buntesten, exotischten, merkwürdigsten Geschöpfe in der Tiefsee oder auch in den Bäumen naturbelassener Wälder. Es scheint nichts zu geben, was es nicht gibt auf dieser Welt. Unglaublich faszinierend! Was für eine tolle Schöpfung!!!

„Um“welt oder „Mitwelt“?

… Und dann sehe ich die Bilder, wo über Tausende von Jahren auf dem Meeresboden gewachsene Korallensiedlungen durch Schleppnetzfischerei mal so eben unwiederbringlich zerstört wurden. Ich höre den „Umweltminister“ Brasiliens sagen, wie toll er das findet, den brasilianischen Regenwald roden lassen zu können, ohne dass großartig jemand protestiert. Der Präsident Brasiliens bezeichnet die Umweltbehörden gar als „Krebsgeschwür“.

Ich lese, wie viele Tonnen Pestizide selbst in Deutschland und sogar in Privatgärten immer noch jährlich ausgebracht werden, die unser Grundwasser vergiften. Ich höre, dass schon einer dieser Billionen von jährlich achtlos weggeworfenen Zigarettenstummeln rund 300 Liter Wasser verseuche und die Zigarettenfilter für einen großen Teil des Mikroplastiks in unseren Meeren verantwortlich seien. Ich sehe, wie viel Müll irgendwo von Leuten einfach in die Wälder oder in Gewässer gekippt wird. Wie viel Boden auch in Deutschland immer noch verdichtet wird. Wie Bohrinseln in Naturschutzgebieten stehen und weitere genehmigt werden. Wie Flüsse ausgebaggert werden, um sie für Großschifffahrt nutzbar zu machen. Wie viele Kreuzfahrtschiffe es gibt, die immer noch völlig ungefiltert ihre Abgase in die Luft blasen dürfen. Wie viel Müll jährlich produziert wird von den Industriestaaten, und wie viele als „Ressourcen“ angesehene Schätze der Erde permanent verantwortungslos ausgebeutet und verbraucht werden. Und so weiter … .

Und ich frage mich, sind Menschen die „Krone“ der Schöpfung? oder vielleicht doch eher ein „Corona-Virus“ der Schöpfung? Wobei die Corona-Viren ihren „Wirt“ normalerweise nicht zerstören. Wir Menschen hingegen tun das leider permanent und offenbar völlig gedankenlos. Haben wir nicht für die Menschheit weitaus wichtigere und drängendere Probleme zu lösen, als irgend so ein alles in allem doch eher harmloses Virus „zu bekämpfen“?

Die Natur hat uns so viele Wunder zu bieten. Und wir sehen diese nicht einmal, sondern definieren die Natur stattdessen als „bedrohlich“, „zu unterwerfen“, „zu bekämpfen“ und „auszubeuten“???

Vielleicht ist schon der Begriff „Um“welt ungünstig, weil er suggeriert, es gebe uns, und die Welt um uns herum? Statt uns als Teil dieser Welt zu sehen?

Wir beten Technik an. Und scheinen die raffiniertesten Wunder der Natur nicht einmal wahrzunehmen, es sei denn, sie können als Anregung für technische Lösungen dienen. Elon Musk, der die Grenzen der technischen Möglichkeiten immer weiter verschieben möchte, gilt als Star. Dem dann selbst im Trinkwasserschutzgebiet von Landesregierungen mit Beteiligung der „Grünen“ der rote Teppich ausgerollt wird für seine Gigafabrik. Das Ganze wird dann noch als Umweltschutz verkauft, weil er ja Elektroautos bauen will. Nur leider schützen der Bau einer Gigafabrik und der Bau von Autos die Um-/Mitwelt nicht, sondern sie verbrauchen enorm viel „Ressourcen“ (also Güter dieser Erde, von denen Menschen zu denken scheinen, sie wären ihr Eigentum). Autos gibt es auf diesem Planeten bereits eine Menge. Und sie sind für uns nicht lebenswichtig. Trinkwasser schon. Und verseuchtes Trinkwasser ist verloren. Wir haben eine Überproduktion von Autos in Deutschland. Der man nicht damit begegnen kann, dass man ständig neue Kaufanreize schafft, sondern damit, dass man die Produktion reduziert. Und dadurch diesen Planeten entlastet. Es macht keinen Sinn, ständig Dinge zu produzieren, die kein Mensch wirklich braucht, und die bald darauf wieder „verschrottet“ werden. Am sinnlosesten erscheint mir das bei Waffen. Was ist das für eine Spezies, die auf den idiotischen Gedanken kommt, etwas massenhaft zu produzieren, was bei der Produktion jede Menge „Ressourcen“ verschlingt – und keinem anderen Zweck dient, als Teile der Schöpfung zu zerstören???

Echter Mitweltschutz hätte etwas mit Konsumverzicht zu tun, nicht mit Konsumankurbelung. Und schon gar nicht mit Waffenproduktion und -export.

Natürlich will das niemand. Konsumverzicht. Exporteinschränkungen. Schon gar nicht in einer Zeit, wo die Wirtschaft wegen der weltweiten Corona-Lockdowns ohnehin zu kämpfen hat. Aber wäre es nicht an der Zeit, sich ganz verstärkt Gedanken zu machen, wie man weltweit zu einer wirklich mitweltfreundlicheren Wirtschaft kommen könnte? Umweltschutz im Sinne von Mitweltschutz ist etwas sehr viel weiter Gehendes als Klimaschutz. Längst nicht alles, was uns als Klimaschutz verkauft wird, ist Umwelt-/Mitweltschutz (s. Tesla …). Aber echter Mitweltschutz wird immer auch dem Klima gut tun.

Wäre es nicht an der Zeit, unsere Haltung zu ändern? Die Wunder der Erde viel mehr zu sehen, zu würdigen und zu schützen? Wahrzunehmen, dass Leben auf Kooperation aufbaut und alles mit allem verbunden ist? Uns keine Masken vor das Gesicht zu hängen, sondern die Düfte der Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen – und dafür zu sorgen, dass wir die Luft, die wir zum Atmen brauchen, nicht ständig verschmutzen? Zu erkennen, dass wir reines klares Wasser zum Leben brauchen – und es kaum etwas Dümmeres gibt, als dieses Geschenk der Natur zu verunreinigen? Zu erkennen, dass Kampf und Krieg gegen andere Menschen und / oder die Natur ziemlich schlechte Ideen sind, die enorm viel Schaden anrichten?

Wäre es nicht an der Zeit, Abstand zu üben? Nicht von anderen Menschen oder der Natur, sondern von einer Haltung, die von Geldgier und Gier nach Macht über andere geprägt ist???

Natürlich geht all das nicht zwangsweise. Man wird weder Brasiliens Machtclique noch Landwirtschaftsgroßbetrieben mit Massentierhaltung in Deutschland eine andere Haltung „verordnen“ können. Man könnte Anreize anders setzen, also durch die Subventionspolitik in der Landwirtschaft nicht ausgerechnet die großen Betriebe fördern. Handelsabkommen mit Brasilien und anderen Staaten so ausgestalten, dass der Schutz natürlicher Ressourcen im Vordergrund steht.

Wie man an diesen Beispielen schon sieht, ist es meist nicht die „Schuld“ Einzelner, dass die Welt so ist, wie sie ist. Sondern weltweit steht für die meisten Menschen immer noch die Wirtschaft im Vordergrund und nicht der Schutz der Mitwelt. Jedenfalls nicht, wenn dieser zulasten der Wirtschaftsleistung gehen könnte.

Entfremdung

Für mich ist der Umgang mit diesem Virus ja auch ein Zeichen für unsere Entfremdung von unserer Mitwelt – und ein Grund, warum ich auf die verordneten Maßnahmen so negativ reagiere. Masken, Desinfizieren von allem Möglichen und Unmöglichem – und warten auf den vermeintlich „erlösenden“ Impfstoff: Die Um-/Mitwelt scheint extrem gefährlich. Der andere Mensch ebenso. Nur die von Menschen erfundene „Technik“, der Impfstoff, kann angeblich „retten“. Wenn jemand immunstärkende Mittel aus der Natur empfiehlt, Knoblauch, Thymian, Beeren, Cistustee, Vitamin D (Sonne) usw., gilt das als lächerlich. Man habe dann die „Gefährlichkeit“ des Virus nicht erkannt, verharmlose dieses auf „unverantwortliche“ Weise. So geht Entfremdung von allem Natürlichen.

Chancen?

Aber das Virus bietet zumindest die Chance, über einige Dinge nachzudenken, die vorher als völlig normal hingenommen wurden. Ob die Zustände in unserer Fleischindustrie, oder die schon lange kaputt gesparten Gesundheitssysteme in den meisten Staaten dieser Welt. Ob sich da wohl jetzt etwas tun wird zum Besseren?

Und vielleicht werden die Milliarden, die derzeit in die Forschung für einen Impfstoff gegen Corona fließen, künftig auch „sinnvoller“ ausgegeben: Zum Beispiel, im Einsatz für saubereres Trinkwasser weltweit? Da könnten Technik und Mitweltschutz vielleicht wirklich einmal segensreich zusammen spielen. Es müsste nur jemand bezahlen. Vielleicht wäre Elon Musk für eine entsprechende Aktion zu gewinnen… ;-)? Wer weiß!

Ich glaube ja schon, dass Menschen eigentlich sehr „machtvolle“ Wesen sind. Und als solche vielleicht auch das „Sahnehäubchen der Schöpfung“. Ich finde diesen Begriff schöner, als den der Krone, denn Sahne verbindet sich mit dem Gericht. Und macht dieses gleichzeitig ein bisschen feiner. Aber unsere volle Macht als Menschen werden wir wohl nur ausschöpfen können, wenn wir auch unsere Herzen nutzen und nicht nur unsere Gehirne. Da geht weltweit sicher noch Einiges… .

Aber es tut sich auch Einiges. So bin ich immer ganz begeistert, wenn ich in vielen Blogs lese (und auch in den Medien sehe), wie viele Menschen sich für andere Menschen und auch für die Natur engagieren. Sich als Teil der Schöpfung empfinden und diese Schöpfung als etwas sehen, was es zu bewahren und zu schützen gilt. Und nicht, als etwas, was man sich „untertan machen“, verbrauchen oder gar bekämpfen sollte.

DANKE Euch allen, die Ihr Euch engagiert für das Wohlbefinden anderer! Ob privat oder im Rahmen Eures Berufs oder auch mit kleinen Gedichten, Geschichten oder schönen Fotos in Euren Blogs, mit denen Ihr ein Lächeln auf die Gesichter Eurer Mitmenschen zaubert!!! Ich finde, Ihr seid die Sahnehäubchen der „Schöpfungsspeise“ und sorgt dafür, dass diese auf die Dauer immer feiner wird!!!

Bedürfnisse

Künstlerin: Dörte Müller

Es handelt sich hier um einen Nachtrag zu meinem Beitrag: Warum versuchen wir es nicht mal mit Kommunikations-Regeln statt mit Corona-Regeln?“

Es ist mir jetzt doch ein Bedürfnis…, noch einmal meine Bedürfnisse ausdrücklich zu benennen, die meine Haltung in dieser Corona-Geschichte prägen:

  1. Ich hätte das Gefühl haben wollen, zu Dingen, die das (Zusammen)Leben relativ stark beeinflussen, in den öffentlich rechtlichen Medien neutral, sachlich und ausgewogen informiert zu werden. Dazu hätte für mich z.B. gehört, dass man die täglich als „Infektionszahl“ veröffentlichte Zahl positiver Testergebnisse immer ins Verhältnis setzt mit der Anzahl der insgesamt an diesem Tag Getesteten. Die bloße Zahl der positiven Testergebnisse ermöglicht keine Aussage zum Infektionsgeschehen. Dazu hätte für mich auch gehört, dass man nicht pauschal von „Tausenden Toten“ spricht, die an dem Virus gestorben seien, sondern auch hier die Zahlen ins Verhältnis setzt. Also z.B.: In den 6 Monaten mit SARS-CoV2 in Deutschland sind unter den rund 450.000 insgesamt in diesem Zeitraum in Deutschland Verstorbenen rund 9.000 Verstorbene, die das Virus in sich trugen. Ob sie an (und nicht nur „mit“) dem Virus verstorben sind, ist bekannt bei … % Der Altersdurchschnitt verteilt sich wie folgt: …; bei … waren folgende Vorerkrankungen bekannt…. . Bei … % sind Beatmungen erfolgt. Beatmungen erfolgen bei CoVid-19 nach folgenden Kriterien … (Letzte Aussage fände ich deshalb wichtig, weil nach Kritiker*innen bei COVID-19 zu oft und zu schnell und damit auch zu lange beatmet wird, was für die Betroffenen u.U. ein höheres Risiko darstelle, als die Erkrankung an sich.)
  2. Ich hätte das Gefühl haben wollen, dass vor weitreichenden politischen Entscheidungen, die unser aller Leben treffen, verschiedenste Expert*innen aus unterschiedlichen Richtungen angehört werden. Und dass man in diesen Runden in sachlichen unaufgeregten Gesprächen offen diskutiert, welche Maßnahmen in der Situation sinnvoll und gut sein könnten. Und die Ergebnisse entsprechend öffentlich kommuniziert und begründet.
  3. Ich hätte nicht das Gefühl haben wollen, dass in dieser Sache von Beginn an medial in großem Stil Angst geschürt wird, und verbal mit Beschimpfungen und mehr oder weniger passenden Zuschreibungen Stimmung gemacht wird gegen Andersdenkende. So dass sich das Aggressionspotential auf beiden Seiten ständig weiter erhöht hat.
  4. Ein weiteres Bedürfnis von mir ist, meine Sauerstoffzufuhr nicht durch eine Maske vor meinem Gesicht erheblich behindern zu müssen. So etwas bewirkt bei mir leichte Panikanfälle und ist bei meiner ohnehin bestehenden schweren Autoimmunerkrankung für mich ein großes zusätzliches Erschwernis. Auch möchte ich gerne mal wieder das Lächeln meiner Mitmenschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln sehen … ;-).
  5. Ja, und mir ist es auch ein großes Bedürfnis, mein ohnehin überschießendes Immunsystem nicht durch eine Impfung zusätzlich reizen zu müssen – mit für mich unabsehbaren Folgen. (Bei der bisherigen offiziellen Rhetorik zu Corona, halte ich die Einführung der Pflichtimpfung leider für mehr als wahrscheinlich.)
  6. Und schlussendlich ist es mir ein Bedürfnis, dass in dieser Welt auch eine andere Haltung möglich wird: Eine Haltung, die Viren und Bakterien nicht pauschal als „böse“ und zu bekämpfen ansieht, sondern als etwas, was zu unserem Leben dazu gehört. Bakterien ermöglichen uns überhaupt erst unser Leben und auch längst nicht jedes Virus ist einfach nur schädlich. Im übrigen leben wir bekanntermaßen seit langem mit Corona-Viren und auch COVID19 wird uns wohl weiter begleiten.

Warum versuchen wir es nicht mal mit „Kommunikations-Regeln“ statt mit „Corona-Regeln“?

Gerne auch „sanktionsbewehrt“: Bei Verstoß 50 Ct in die Kaffeekasse…;-)?; Künstlerin: Dörte Müller

„Wir sollten mehr mit- als übereinander reden.“ Den Satz habe ich schon oft gehört. Nur erleben tue ich ihn selten – und schon gar nicht beim Thema „Corona“.

Miteinander ist etwas anderes als GEGENeinander!

Um mit einem heutzutage offenbar klassischen Missverständnis aufzuräumen: Miteinander reden heißt nicht, dass ich dem Gegenüber jetzt mal ordentlich die (eigene) Meinung sage, ihm sozusagen mit der eigenen Meinungskeule eins überbrate, damit auch dieser „Idiot“ endlich versteht, dass ICH recht habe…!

Ich habe dann nämlich gerade nicht versucht, MIT dem anderen zu reden, sondern GEGEN ihn. Es erscheint wenig verwunderlich, dass das dem Gegenüber meist nicht gefällt. Er holt seine eigene „Keule“ heraus, und das war’s dann mit der „Kommunikation“. Übrig bleibt dann nur die Erkenntnis, dass man mit dem / der anderen sowieso nicht reden könne – und der Streit, wer „schuld“ ist.

Echte Kommunikation hat viel mit Zuhören zu tun. Natürlich möchte man „die anderen“ von der eigenen Meinung überzeugen. Das liegt vermutlich in der Natur der Menschen. Und ich will das natürlich auch (schon alleine deshalb, damit diese Alltags-Gesichtsmasken endlich der Vergangenheit angehören… ;-)). Aber ich versuche zu verstehen, was die Menschen mit der „anderen Meinung“ antreiben könnte. Menschen, die so vehement die „Corona-Sicherheitsregeln“ einfordern, sie verschärfen und ständig kontrollieren wollen. Immer höhere Sanktionen gegen jede*n fordern, der / die gegen diese „Regeln“ verstößt.

Und ich wünschte mir, dass „die andere Seite“ mir genau das auch mitteilt. Was ist denn das eigene Bedürfnis, das hinter diesen Forderungen steht?

Ein existenzielles Sicherheitsbedürfnis aus Angst vor dem Tod durch das Virus? Dieser Angst könnte man mit einem neutraleren Blick, einer echten wissenschaftlichen Einordnung der vorliegenden wenigen Daten und Zahlen doch möglicherweise begegnen. Indem man sich die Todeszahlen unvoreingenommen anschaut und mit der jeweiligen Einwohnerzahl, der Zahl der positiv Getesteten, der Zahl der insgesamt Getesteten und den Todeszahlen aus anderen Ursachen ins Verhältnis setzt. Wenn man das ganz unvoreingenommen machen würde, könnte man eventuell auch erkennen, ob, und was die „Corona-Regeln“ gebracht haben könnten (in jeder Richtung). Auch könnte man dieser Angst medial begegnen, wenn man in den Berichten über Covid-19 die weit überwiegende Anzahl der ohne größere Komplikationen Gesundeten in den Vordergrund stellen würde, statt ständig Einzelfälle mit schweren Verläufen zu präsentieren.

Steht hinter diesen Forderungen das Bedürfnis, die Angst vor dem unsichtbaren Virus in Wut auf einen sichtbaren Feind umwandeln zu können? Nämlich auf die „Maskenverweigerer“, die damit in der Wahrnehmung der Befürworter sozusagen selbst zum Virus geworden sind? Zum „Sündenbock“, an dem man seinen Frust abreagieren kann? (Manch einer der wütenden Personen ist früher mit jedem grippalen Infekt zur Arbeit gegangen, nachdem sie sich „etwas eingeworfen hatten“, ohne sich je Gedanken zu machen, dass jeder Infekt Menschen mit schwachem ebenso wie Menschen mit überschießendem Immunsystem gefährden kann.)

Steht dahinter (insbesondere bei Politiker*innen) das Bedürfnis nach Machterhalt, oder -erlangung? Oder dem Erhalt von Ansehen, das man befürchtet zu verlieren, wenn man zugeben würde, sich geirrt zu haben? (S. dazu meinen Beitrag „Gesicht zeigen„).

Steht hinter diesen Forderungen die Meinung, wenn etwas staatlich vorgegeben sei, könne man selbstverständlich davon ausgehen, dass es gut und richtig und zum Wohle aller sei – und Menschen, die dagegen sind, damit das „Wohle aller“ gefährdeten und folglich „bekämpft“ werden müssten? Also vielleicht das Bedürfnis, „dem Staat“ und „den Experten“ unbedingt vertrauen zu wollen? Weil alles andere hieße, dass das Gefühl äußerer Sicherheit, an dem man sich bisher immer festgehalten hat, trügerisch war (vgl. meine Beiträge „Diese Welt ist eine sichere, oder?…“ und „Corona und die illusionäre Sehnsucht nach Sicherheit im außen„)?

Oder ist es gar nur ganz profan die Lust an der Abwertung Andersdenkender, weil man sich in der Mehrheit sicher und (moralisch) überlegen fühlt?

Ist es bei manch einem „Experten“ das Interesse, an dem Impfstoff mitzuverdienen? Oder die Sorge vor sozialer Ächtung, wenn man sich gegen die Mehrheitsmeinung stellt?

So ganz deutlich wird das in der öffentlichen Kommunikation nicht. Ich bemerke wenig „Ich-Botschaften„, in denen die Menschen mit der anderen Meinung mir mitteilen, welches Bedürfnis hinter ihrer Haltung steht und welche Gefühle. Das würde mein Verständnis fördern und mir eine echte Kommunikation mit Menschen anderer Ansichten erleichtern. Stattdessen jede Menge „Du-Botschaften“ im Sinne von „Du (also in dem Fall ich … ;-)) bist blöd.“

Auch habe ich wenig den Eindruck, dass MIR und MEINEN Bedürfnissen und Gefühlen offen und unvoreingenommen ZUGEHÖRT wird von den Menschen, die anderer Ansicht sind, als ich. Ganz im Gegenteil scheinen sie meine Motivation gerade nicht hören zu wollen. Warum eigentlich nicht? Weil man die eigene Ansicht unter keinen Umständen hinterfragen möchte? Es scheint so, denn statt Zuhören erlebe ich eher jede Menge klassische „Kommunikationskiller„, die geradezu systematisch angewendet zu werden scheinen:

Gewalttätige Kommunikation

Wer sich schon einmal mit der sogenannten „gewaltfreien Kommunikation“ nach Rosenberg beschäftigt hat, wird darauf gestoßen sein, dass es bestimmte typische Verhaltensweisen gibt, die jede echte Kommunikation nahezu unweigerlich verhindern. Kommunikationskiller.

Dazu gehören „moralische Urteile„. Man gibt dem anderen die Schuld. Bestimmt, wer RECHT hat. Definiert, wie der andere IST. All das kommt mir in der aktuellen Corona-Kommunikation sehr bekannt vor… . Besonders ärgerlich empfinde ich diese Versuche, zu definieren, wie ich bin. Nahezu täglich zu hören, was ich für ein Mensch bin, wenn ich die Corona-Regeln kritisiere. Dass ich Unrecht habe, ist selbstverständlich von vorneherein klar. Und ich habe das gefälligst auch endlich einzusehen.

Ein weiterer Kommunikationskiller sind „Vergleiche„, die oft der Erniedrigung dienen, Verallgemeinerungen verwenden und / oder falsche Maßstäbe verwenden. Auch dies ist verbreitet. Da werden z.B. plötzlich die Corona-Regeln mit der Gurt-Pflicht verglichen, nach dem Motto, wer gegen die Corona-Regeln sei, müsse ja „konsequenterweise“ jede staatliche Vorgabe ablehnen. Oder selbstverständlich auch gegen Hygieneregeln in Krankenhäusern sein. Ziemlich verquer, aber derzeit alles beliebte Vergleiche, die eine echte Kommunikation sofort zunichte machen. Weil unmittelbar deutlich wird, das Gegenüber will nicht wirklich kommunizieren, sondern abwerten.

Auch „Verantwortung weiterzugeben„, indem man die eigene Verantwortung an der Situation leugnet und stattdessen versucht, beim Gegenüber ein schlechtes Gewissen zu erzeugen, killt die Kommunikation. Das mit dem schlechten Gewissen läuft gerade auf eine Art ab, die ich als besonders perfide empfinde. Nicht nur, dass von Anfang an behauptet wurde, wer keine Maske trage, sei „unsolidarisch“ und gefährde andere. Inzwischen wird das kommunikativ auch noch mehr und mehr gemischt mit den beiden anderen „Killern“, den „moralischen Urteilen“ und den „Vergleichen“, indem wieder und wieder darauf hingewiesen wird, dass auch rechtsradikale Gruppierungen Demonstrationen gegen die Corona-Regeln angemeldet hätten. Offenbar will man damit implizieren, dass alle Kritiker*innen der Corona-Regeln eine Nähe zum Rechtsradikalismus hätten. Und damit an sich schon indiskutabel sind bzw. ein äußerst schlechtes Gewissen haben sollten, wenn sie sich nicht als rechtsradikal sehen, aber trotzdem ihre Meinung vertreten wollen. Den etablierten Parteien scheint dabei nicht aufzufallen, dass sie ihren Hafen für alle Corona-Kritiker*innen verweigern. Tatsächlich fühle ich mich in dieser Frage von keiner der etablierten Parteien vertreten. Das bedeutet nicht, dass ich deshalb eine „rechte“ Partei wählen würde. Aber, dass diese Parteien versuchen, hier offensichtlich brachliegendes Wähler*innenpotential für sich zu nutzen, erscheint mir naheliegend. Mit ihrer sehr einseitigen Kommunikation servieren die etablierten Parteien ein gewisses Wähler*innenpotential geradezu auf dem Silbertablett an „rechte Parteien“. Und kommen dabei aber ganz offensichtlich nicht auf den Gedanken, dass sie für entsprechende Wahlergebnisse eine gewisse eigene Verantwortung haben könnten.

Was genau verspricht man sich denn eigentlich von dieser doch sehr gewalttätigen Kommunikation in Sachen Corona? Gewaltfreie Kommunikation ist nicht einfach. Aber muss die Kommunikation hier wirklich derart gewalttätig sein – und vor „Killern“ nur so strotzen? Das ganze Thema wird doch damit immer schwieriger, und die Gefahr, dass wirklich Gewaltbereite Leute aufspringen, die mit Freiheitsrechten und bunter Vielfalt an sich wenig am Hut haben, immer größer.

Jetzt hat man in Berlin auch noch das Mittel der absoluten Nicht-Kommunikation gewählt: Demonstrationsverbot für die für diesen Samstag angemeldeten Demos gegen die Corona-Regeln. So etwas ist politisch selten klug. Kommunikativ sendet es ein aus meiner Sicht verheerendes Signal: Nicht nur: „Wir wollen Euch nicht zuhören.“ Sondern auch noch: „Wir wollen, dass Ihr Eure Meinung möglichst gar nicht erst ausdrücken könnt.“

Es sind doch dieselben Politiker*innen und Medienleute, die in vielen anderen Kontexten vor gewalttätiger Kommunikation warnen. Warum sind diese Menschen dann selber so oft so schlechtes Vorbild??? Und scheinen das nicht einmal zu bemerken?

Liebe Politiker*innen, liebe Medienvertreter*innen, bevor Sie sich das nächste Mal über Mobbing auf Schulhöfen beklagen, habe ich einen großen Wunsch an Sie: Bitte stellen Sie sich einmal die Frage, ob Sie sich eigentlich als „Vorbild“ in der Gesellschaft sehen. Falls ja, bitte versuchen Sie einmal so unvoreingenommen, wie es Ihnen möglich ist, „in den Spiegel zu schauen“ und sich ganz ehrlich zu fragen, welches (Vor-)Bild Sie in Sachen „Kommunikation“ abgeben (wollen)!

Und bitte, liebe Kritiker*innen der Corona-Maßnahmen bleibt friedlich! Kommuniziert gewaltfrei!

Schwarz / Weiß

Ein philosophischer Artikel…

Künstlerin: Dörte Müller

Schwarz oder Weiß. Besser oder schlechter. Klug oder dumm. Dick oder dünn. Sportlich oder unsportlich. Gesund oder „behindert“. „Hässlich“ oder hübsch. Ordentlich oder „schlampig“. Reich oder arm.

Physische Mauern und psychisches „Mobbing“: Brauchen Menschen wirklich die Abgrenzung zu anderen? Das „Gegeneinander“ anstelle eines Miteinanders? Das Bewerten und Abwerten? Oft auch das innerliche Sichselbstabwerten?

Ich sehne mich eigentlich schon mein Leben lang nach einem Miteinander, nach vollkommener Harmonie – und neige trotzdem dazu, andere Menschen zu bewerten. Mich selbst natürlich ohnehin. Wieso tue ich das eigentlich?

Ich sehe entsetzt, dass Menschen sich nach ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder gar ihrer Nation bewerten. Und Menschen, die jeweils anders sind, abwerten. Das erscheint mir absurd. Schließlich hat jeder Mensch eine ganz eigene individuelle Hautfarbe, die Nation ist mehr oder weniger Zufall, und die Religion meist einfach von den Eltern übernommen. Besonders merkwürdig ist das Gegeneinander bei den drei großen monotheistischen Religionen, die doch eigentlich alle an denselben Gott glauben, aber teilweise meinen, ihr „Glaube“ sei „besser“, als ein anderer. Die „Heiligen Schriften“ werden dabei nicht auf eine Harmonie stiftende Art ausgelegt, sondern „Gott“ werden sehr menschliche (männliche) Eigenarten zugeschrieben: Wie Rachsucht, unbedingten Gehorsam erwartend, Menschen in „besser“ und „schlechter“ einteilend, Männer als „Premiummodell“ (und der weiblichen Hälfte der Bevölkerung als überlegen) ansehend.

Abgrenzung ist ein Mittel der Identitätsstiftung, so heißt es in der Psychologie. Manche nehmen dazu ihren Fußballverein, andere gleich die ganze Nation.

Bei mir sind es meine Meinungen und Ansichten, mit denen ich mich von anderen abzugrenzen suche. Und das ist nicht nur bei mir so. In nahezu jeder Kabarettsendung kann ich beobachten, wie Menschen mit „anderen Ansichten“ pauschal herabgewürdigt werden. Der „Aluhut“ (eine Art „Anti-Auszeichnung“) ist für mich geradezu ein Synonym dafür geworden, wie Menschen mit einer rein materialistisch „wissenschaftlichen“ Ansicht versuchen, Menschen mit vollständig anderen Ansichten lächerlich zu machen. Natürlich scheint es wirklich manch krude Meinung zu geben. Na und? Die rein materialistische Ansicht ist mit der physikalischen Forschung der letzten hundert Jahre schon lange nicht mehr so ganz vereinbar. Wo ist also das Recht ihrer Anhänger, sich über andere Ansichten lustig zu machen? Der Gegensatz „Wissenschaft“ – „Esoterik“ ist längst veraltet, denn viele neuere wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen uralte „esoterische“ Weisheiten. Es gibt daher auch immer mehr Physiker, die zeigen, dass Wissenschaft und Spiritualität vereinbar sein können. Das ist allerdings im sogenannten „Mainstream“ noch nicht wirklich angekommen, weil es nicht zu dem dortigen Weltbild passt.

Wir leben in einer Welt der Dualität: 0 oder 1. Richtig oder falsch. Schwarz oder weiß. Männlich oder weiblich. Yin oder Yang. Aber: Schon bei „männlich“ oder „weiblich“ zeigt sich deutlich, dass es Zwischentöne gibt. „Richtig“ oder „Falsch“ ist immer eine Frage der subjektiven Wahrnehmung und Bewertung. Das mit den „objektiven Fakten“ ist so eine Sache… . erst recht in einem Universum, von dem für uns 95 % buchstäblich im „Dunkeln“ liegen. Wir also nur 5 % unserer Umgebung (und damit auch von uns selbst) bisher halbwegs verstehen. Vielleicht ist das mit der Dualität zu einfach gedacht. Unserem Wunsch entsprungen, uns abzugrenzen.

Wenn wir lernen würden, Zwischentöne zuzulassen, bräuchten wir keine „Experten“ mehr, die uns erklären, was ihrer Ansicht nach „richtig“ oder „falsch“ ist. Es ist das, was mich an unseren heutigen Medien und an der Politik am meisten aufregt: Ich habe das Gefühl, mir soll vorgegeben werden, was ich für „richtig“ oder „falsch“ zu halten habe. Und solche Vorgaben, die halte ich tatsächlich für falsch. Warum sollte ich mir die Wahrnehmung irgendeines anderen Menschen zu eigen machen, wenn sie meiner eigenen Wahrnehmung nicht entspricht?

Ich liebe das chinesische Yin-/Yang-Symbol: Ja, es gibt Unterschiede (0 und 1…), aber diese ergänzen sich zu perfekter Harmonie. Keiner ist „besser“ oder „schlechter“, „wertvoller“ oder „minderwertiger“. Schwarz ist genauso gut wie weiß und im Grunde genommen ist beides bunt.

Wir haben auf dieser Welt seit langem eine starke Überbewertung des Yang: Aktivität zählt mehr, als Muße. Konkurrenz deutlich mehr, als Kooperation. Technik deutlich mehr als Natur. Der sogenannte „Verstand“ mehr als Gefühle. Letzteres ist vermutlich eines der Hauptmissverständnisse unserer Zeit (jedenfalls aus meiner Sicht): Bewusstseinsforscher gehen davon aus, dass der Mensch zu rund 95 % von seinem Unterbewusstsein gesteuert wird (für mich ist es kein Zufall, dass die Zahl identisch ist mit dem, was Kosmologen und Physiker als den für uns nicht sichtbaren Anteil des Universums identifiziert haben). Also letztlich von seinen Gefühlen. Zu 95 %! Unser Verstand kontrolliert unsere Gefühle nicht, sondern unsere Gefühle steuern, was wir wahrnehmen und entscheiden.

Und ja, das ist vielleicht das, was uns Menschen wirklich ausmacht, was uns unsere Identität gibt: Unsere Gefühle. Angst, Wut, vielleicht auch Trauer. Die darunter liegende Sehnsucht nach Liebe. Solange wir das für „Schwächen“ halten, und möglichst „stark“ sein wollen, suchen wir Menschen unsere Identität vermutlich in der Abgrenzung nach außen. Und denken, es könnte ein irgendwie erstrebenswertes Ziel sein, „to make America (oder was oder wen auch immer) great again“.

Regeln – oder: Verschiebt Corona unsere moralischen Bewertungen?

Künstlerin: Dörte Müller

Es gibt Regeln, die erscheinen den meisten Menschen intuitiv richtig und wichtig:

– Du sollst andere Menschen nicht (absichtlich) töten oder verletzten!

– Du sollst die natürlichen Lebensgrundlagen achten – und so mit den natürlichen Ressourcen umgehen, dass auch nachfolgende Generationen noch eine lebenswerte Umwelt vorfinden!

Ich zumindest würde das unterschreiben. Und tatsächlich gibt es bei Punkt 1 auch mehr oder weniger hohe Strafen, wenn jemand nachweisbar gegen dieses Gebot verstößt. Das gilt allerdings nur, wenn das Töten und Verletzen in einem relativ überschaubaren Maßstab bleibt – und einzelnen Personen zugeordnet werden kann. Gibt es wie in Syrien, dem Jemen oder manch afrikanischem Staat jahrelange Kriege mit Tausenden von Toten und Verletzten, scheint das niemanden so richtig zu interessieren, denn es mischen jede Menge Staaten mit – aus finanziellen oder machtpolitischen Interessen. In Deutschland sind diese Kriege nur dann wirklich auf der Agenda, wenn die Menschen, die aus der Kriegshölle geflohen sind, plötzlich bei uns landen. Die einen finden das dann unerwünscht. Die anderen meinen, dass diese Menschen nun schnell ihre traumatischen Erfahrungen „vergessen“ (leider funktioniert das so nicht), sich hier „integrieren“ und uns ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen sollten. Die Ursachen für die Fluchtbewegungen will man eigentlich nicht so genau wissen, als Weltgemeinschaft wirklich an Verbesserungen für die Situation in Afrika etc. arbeiten, schon gar nicht. Wäre auch viel zu teuer. Wer soll das bezahlen? Und überhaupt: Haben wir nicht ein Recht darauf, dass wir hier besser leben? Weil, ja weil … wir doch nun einmal hier leben – und „technologisch fortschrittlicher“ sind.

Und damit komme ich unmittelbar zum zweiten Punkt. Denn was heißt „technologisch fortschrittlicher“, wenn es um die Achtung der natürlichen Lebensgrundlagen geht? Was (ver)brauchen wir für diesen „Fortschritt“ und ist das wirklich immer ein „Fortschritt“? Oder schreiten wir v.a. fort von einer Harmonie mit unserer Umwelt? Immer weiter fort? Warum ist uns unsere Umwelt so egal? Wo bleibt der weltweite kontinuierliche medienwirksam unterstützte Aufschrei über die Zerstörung der Regenwälder? Wo bleibt der Aufschrei über die ständige weitere Verdichtung von Flächen in den Industrieländern? Wo der über umweltschädigen Abbau von Rohstoffen weltweit für einen oft völlig sinnfreien Konsum? Wo der über die Vergiftung unserer Böden und Grundwasser (das kostbarste Gut dieser Erde überhaupt!) durch den Pestizideinsatz und die Überdüngung in der konventionellen Landwirtschaft? Wo bleiben die täglichen allabendlichen Sondersendungen zu diesen Themen?! Wo der Ruf nach wirklich umweltfreundlichen Regeln und Einhaltung dieser Regeln? Die industrielle Landwirtschaft mit umweltschädlichen Monokulturen, die in erster Linie dem Tierfutteranbau dienen, wird nicht nur nicht sanktioniert,- sie wird subventioniert. Mit Steuergeldern. All das scheint kaum jemand zu stören.

Die von mir als Punkt 2 genannte Regel, bei der es um den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen geht, ist uns vielleicht abstrakt wichtig. Sehr abstrakt. Und sehr theoretisch. Alles viel zu teuer. Und JETZT auf irgendetwas verzichten, nur für spätere Generationen? Ziemlich viel verlangt, oder?!

Und jetzt kommt plötzlich Corona. Und auf einmal hat man auf die Schnelle ganz viele Regeln beschlossen, um „das Virus einzudämmen“. Und alle scheinen mitzumachen.

Plötzlich erscheint nichts zu teuer und kein Verzicht zu schwierig. Warum? Zu Beginn der Infektionswelle war eine gewisse Vorsicht nachvollziehbar, da man die Gefährlichkeit des Virus nicht wirklich einschätzen konnte. Aber ein „Lock-Down“ wegen der „vielen Toten“?! Wie viele Menschen tatsächlich an dem Virus gestorben sind, und nicht nur „in Zusammenhang mit dem Virus“ wird vermutlich immer ein Geheimnis bleiben, man hat das vorsichtshalber nicht untersucht. Ein offenes Geheimnis ist jedoch, dass Covid 19 nur deshalb überhaupt zu einer „Pandemie“ werden konnte, weil die WHO im Zusammenhang mit der Schweinegrippe vor etlichen Jahren die Definition der „Pandemie“ geändert hat, so dass auch milde Verläufe einer Infektionswelle zur Pandemie werden konnten. (In einem Pandemie-Fall wird der Erforschung eines Impfstoffs absoluter Vorrang eingeräumt.)

Natürlich steckt hinter jedem Todesfall ein Schicksal. Hinter JEDEM! Schaue ich die Nachrichten, scheint plötzlich nur noch hinter einem sogenannten Corona-Todesfall oder einer schwereren Erkrankung im Zusammenhang mit Corona ein Schicksal zu stecken. In Deutschland sterben laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr rund 900.000 Menschen. Aber wer nicht „in Zusammenhang mit Corona“ stirbt, ist uninteressant (und war dies im Grunde schon immer). Natürlich führte der „Lock-Down“ dazu, dass in Deutschland insgesamt seitdem weniger Menschen gestorben sind, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ist nicht verwunderlich. Wenn wir von heute auf Morgen das Rauchen, den Alkohol und das Autofahren verbieten würden, würde das die Todeszahlen sicher nochmal drastisch senken …. . Aber Menschen, die an so einer „banalen“ Todesursache sterben, sind nicht wirklich interessant, so scheint es.

Und nachdem man dann die Pandemie ausgerufen und viele Menschen furchtbar verunsichert und verängstigt hat, hat man ganz viele neue Regeln eingeführt. Regeln, die jeden Menschen zuallererst zur potentiellen Infektionsgefahr stempeln. Kommen Sie sich bloß nicht zu nahe!!!

Lange hat man diskutiert, ob man neben den „Abstandsregeln“, dem Gebot des exzessiven Händewaschens und Desinfizierens von allem Möglichen, auch nach einen „Mund-Nasen-Schutz“ einführen sollte. All diese „Gebote“ wirken recht merkwürdig, wenn man sich überlegt, wie Infektionen generell nur übertragen werden können (Einatmung, Zuführen über den Mund, offene Wunden oder Geschlechtsverkehr). Bei Covid 19 offenbar Einatmung einer gewissen Virenmenge über einen gewissen Zeitraum. Abstand macht Sinn gegenüber Menschen, die stark immungeschwächt sind. Auch das Händewaschen und Desinfizieren ist sinnvoll, wenn ich anschließend jemanden anfasse, der krank, verwundet oder immungeschwächt ist (weniger wegen Covid-19, das kaum jemand an den Händen tragen dürfte). Es ist also wichtig für Personal und Besucher in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeheimen usw. Für Kinder in Kita und Schule z.B. ist es völlig unsinnig, zerstört den natürlichen Säureschutzmantel der Haut und macht daher auf die Dauer anfälliger für kleinere Wunden und damit auch für Infektionen. Und der „Mund-Nasen-Schutz“? Lange wurde über die Einführung diskutiert. Viele „Experten“ rieten davon ab (und das will bei dem Corona-Hype schon etwas heißen). Man hat eine gewisse Pflicht dann trotzdem eingeführt. Nicht weil das Ding nachgewiesenermaßen vor Ansteckung schützt, sondern weil es anscheinend eine Art „Beruhigungspille“ für in Panik geratene Menschen war. Nachdem man ständig die angebliche Gefährlichkeit des Virus propagiert und mit entsprechenden Bildern unterlegt hatte, sind viele dafür anfällige Menschen in Panik geraten, dass sie jeden Moment sterben könnten. Da das Virus sich in Deutschland insgesamt kaum verbreitet hat (ich gelte im Bekanntenkreis immer noch als Star, weil die meisten niemanden sonst kennen, der das tatsächlich hatte….), ist der Mundschutz objektiv gesehen unsinnig. Er ist nicht nur unsinnig, er erschwert das Atmen, die zwischenmenschliche Kommunikation, verhindert das (gesehene) Lächeln und ist für jemand wie mich, die auf frische Luft angewiesen ist, äußerst unangenehm. Jeder Mensch beherbergt natürlicherweise in Mund- und Nasenraum etliche Viren und Bakterien, die dort normalerweise nicht stören. Wenn ich diese jedoch ständig in den Mundschutz puste, in dem ein feuchtwarmes Klima herrscht, werden einige sich gerne vermehren und vielleicht auch mit welchen austauschen, mit denen sie sonst keinen Kontakt gehabt hätten. Diesen Cocktail atme ich dann ein. Sinnvoll?

Tja, aber jetzt gibt es diese „Regeln“. Und in den Medien wird ständig gezeigt, dass es doch tatsächlich Menschen gebe, die sich an diese Regeln nicht halten. Leute werden immer wieder gefragt, ob es Strafen geben solle. Und zu meinem Entsetzen sagen ein Großteil: „Ja, wenn es Regeln gibt, die nicht eingehalten werden, sollte das bestraft werden.“ Es geht nicht darum, ob eine Regel sinnvoll ist, sondern einzig und allein darum, dass es eine Regel gibt. Es gibt einige erschreckende psychologische Experimente, in der Menschen die Möglichkeit gegeben wurde, andere zu bestrafen. Es zeigt sich: Dieses „Bestrafenwollen“ von Andersdenkenden scheint fast eine Art menschliches Grundbedürfnis zu sein. Das erklärt den Erfolg von Diktaturen. Leider ist es auch in unserer „aufgeklärten westlichen demokratischen Gesellschaft“ sehr verbreitet: Interessant war der Aufschrei, als irgendein Fußballprofi zum Start der Liga ein Video in der Kabine gemacht hat, bei dem Hände geschüttelt wurden und es weitere „Regelverstöße“ gab. Skandal!!! Der Mann bekam „selbstverständlich“ Sanktionen zu spüren. Dass von den Spielern erwartet wurde, danach auf dem Fußballfeld in Zweikämpfe und Körperkontakt zu gehen, die Ansteckungsgefahr bei einem Handschlag ohnehin äußerst gering ist – und die Spieler alle auf Corona getestet worden waren, war irrelevant. In den letzten Wochen gab es in Berlin mehrere große Demonstrationen, bei denen „die Abstandsregeln“ nicht immer eingehalten wurden. Skandal! Große Besorgnis!!!! Ich nehme an, danach sind die Ansteckungs- und die Todeszahlen an Corona in Berlin in dramatischer Weise gestiegen. Oder? Oder …- nicht?! Völlig egal! Gerade in Deutschland gilt: Wo es Regeln gibt, sind diese einzuhalten. Kollateralschäden sind in Kauf zu nehmen. Wenn wir uns erstmal entschieden haben, dass ein Virus höchstgefährlich ist, dann IST es höchstgefährlich. Punkt. Wer das anders sieht, ist ein „Verschwörungstheoretiker“ o.ä.. Punkt. Für unsere Überzeugung stehen wir ein, und sind auch bereit, Tausende von wirtschaftlichen Existenzen zu vernichten. Einfach mal so. Weil das Virus eben so gefährlich ist…. Und irgendwo kommen dann plötzlich auch Milliarden an Euro´s her, um zumindest die größeren Betriebe über Wasser zu halten. Für viele kleinere wird es trotz aller (dann „versenkter“) Hilfen nicht reichen: Das „Erlebnis“ in Hotel und Restaurant etc. mit Masken, Abstand und ständigem Desinfizieren ist eben kein Erlebnis, was besonders verlockend scheint. Gleiches gilt für die zahlreichen kleinen Dienstleistungsbetriebe, Boutiquen etc.

Woher kommen diese Milliarden eigentlich plötzlich? Und warum waren die nie da für Umweltschutzprogramme, oder zur Friedenssicherung in den vielen Krisengebieten dieser Welt? Weil uns all das völlig egal ist?

Hauptsache WIR stecken uns nicht an einem Virus an, der – wie die meisten Infektionskrankheiten in bestimmten Fällen zu Komplikationen führen kann, die auch tödlich sein können. Insofern ist diese merkwürdige Ellbogenbegrüßung seit Corona vielleicht auch ein Sinnbild unserer Ellbogengesellschaft. Was gehen uns künftige Generationen an, wenn wir doch JETZT Gefahr laufen, uns an einem Virus anzustecken? Alles andere ist Peanuts dagegen, so scheint es.

Wann fangen wir an, nicht mehr ständig eine neue Sau durchs mediale Dorf zu treiben (Schweinegrippe, EHEC, Ebola …Corona)? Wann widmen wir uns in Politik, Medien und Gesellschaft endlich den Themen, die die Welt wirklich zu einer besseren umgestalten können? Wann fangen wir an, uns wirklich um unsere Umwelt zu kümmern? Und Umweltschutz heißt nicht nur Klimaschutz!!!! Fangen wir damit überhaupt irgendwann an – oder sind wir einfach zu „skandalgeil“, um konstruktiv sein zu können?

Erdüberlastungstag

Der einsame Rufer… Künstlerin: Dörte Müller

Vor 1 1/2 Monaten war „Erdüberlastungstag“. Der Tag, an dem rein rechnerisch für dieses Jahr die nachwachsenden Ressourcen aufgebraucht sind, die die Erde in einem Jahr zur Verfügung stellt. An dem entsprechenden Tag wurde das in vielen Nachrichtensendungen erwähnt. Auch die Tatsache, dass wir drei Erden bräuchten, wenn alle Menschen auf der Erde so leben würden, wie die Deutschen – und fünf, wenn sie so leben würden wie die Amerikaner.

Die Erkenntnis ist nicht neu. Was folgt darauf??? In den Nachrichtensendungen, die ich gesehen habe, folgte darauf ein Satz zur Klimadebatte.

Klimaschutz ist unbedingt notwendig, aber ja nur ein Teilaspekt des Themas. Tatsache ist, dass die Industrienationen über ihre Verhältnisse leben. Nicht nur über ihre, sondern über die globalen Verhältnisse. Zum Schaden aller. Ganz im Sinne eines „America first“ gingen die USA dabei bereits lange lange vor Trump mit äußerst schlechtem Beispiel voran.

Wir wissen alle längst, dass es so nicht weiter geht. Nicht weiter gehen kann – und wir fördern gnadenlos den Konsum. Wirtschaftswachstum einschränken zugunsten der globalen Ressourcen? Urrrgh!! Geht gar nicht …

Wer zumindest ein schlechtes Gewissen hat, und dieses beruhigen will, versucht sich in der Illusion des ressourcenschonenden Wachstums. Letztendlich ist das ein Widerspruch in sich.

Aber immerhin: Es gibt inzwischen mehr ökologisch hergestellte Kleidung und diese gilt auch nicht mehr als langweilig. Es gibt viele kleinere Projekte zum Energiesparen und auch sonst viele gute Ideen von Privatleuten bzw. kleinen Unternehmen, wie man in Zukunft ressourcenschonender leben kann. Es gibt begrünte Städte, energieautarke Dörfer und ähnliche Leuchtturmprojekte.

Leider werden die Erkenntnisse daraus nicht flächendeckend umgesetzt. Der kommende Strukturwandel in der Lausitz gebe eine gute Möglichkeit, hier eine echte Modellregion entstehen zu lassen, alles umzusetzen, was man auf dem Gebiet der Ökologie bisher weiß. Leider scheint das zu weit von der Wirklichkeit entfernt zu sein, um in die politische Debatte auch nur einbezogen zu werden. Dabei gebe es den Menschen dort einen neuen Grund, stolz auf sich und die Region zu sein (den Menschen dort nur zu sagen, dass der Bergbau, für den sie teilweise seit Generationen geschuftet haben, nicht mehr gebraucht werde, ist demgegenüber wenig wertschätzend… und es erscheint mir persönlich auch wenig überraschend, dass sich das in den Wahlergebnissen niederschlägt.).

Das Hauptproblem in den Industrienationen ist aber, dass wir uns insgesamt viel zu viel Kleidung, Elektronik, Auto`s usw. „gönnen“. Unser totaler Überkonsum wird nicht wirklich in Frage gestellt. Schließlich gilt insbesondere die Autoindustrie als Rückgrat unseres Wohlstands.

Gerade gab es viele Berichte über die Internationale Funkausstellung in Berlin. Mit sooo vielen „tollen“ neuen Produkten. Hersteller berichten stolz, dass die Menschen bereit wären, ihre alten noch funktionstüchtigen Haushaltsmaschinen wegzugeben zugunsten etwas energiesparender neuerer Produkte. So bekommt der Konsum ein „grünes Label“. Tatsache ist aber, dass das Wegwerfen noch funktionsfähiger Produkte Müll erzeugt, Plastikmüll, Elektronikschrott, „Sondermüll“. Die Produktion neuer Produkte verbraucht Ressourcen, die es auf diesem Planeten eben nicht unbegrenzt gibt. Der Verkauf dieser Produkte dient eben nicht der Umwelt oder gar dem Klima, sondern der Wirtschaft.

Auch was die Land- und Forstwirtschaft angeht, sind die Weichen weltweit nicht auf Ökologie, sondern nach wie vor voll auf Ökonomie gestellt. Wider besseres Wissen! Und Europa kann gegenüber einem brasilianischen Präsidenten, der der Meinung ist, der Regenwald gehöre ihm bzw. „seinem Land“, nicht wirklich glaubwürdig auftreten, so lange auch hier ganz klar gilt „economy first“.

Klimaschutz wird nur dort wirklich gefördert, wo es nicht zulasten des Wirtschaftswachstums geht. Das gilt für die Umstellung auf erneuerbare Energie ebenso wie für die Vermarktung von Elektromobilität. Elektromobilität hat mit Ressourcenschonung nur bedingt etwas zu tun, der ständige Bau neuer Fahrzeuge gar nichts.

Echter Umwelt– und Klimaschutz wird Wohlstandsverluste bedingen. Ich warte immer noch auf den Tag, wo man endlich beginnt darüber zu diskutieren. Denn: Wäre das wirklich sooo furchtbar? Ja, ich weiß: Für Menschen ist es ganz schlimm, etwas zu verlieren, was sie einmal hatten. Da nehmen sie lieber in Kauf, die ganze Erde zu verlieren, dass bemerkt man schließlich nicht so schnell…

Aber Tatsache ist doch, dass die Menschen in den Industrienationen nicht wirklich glücklicher sind, als in ärmeren Staaten. Als würden sie den Zustand der Erde spiegeln (aus meiner Sicht tun sie dies auch), sind viele völlig überlastet. Fühlen sich ausgebrannt und müde vom ständigen Stress. Suchen verzweifelt nach Glück, Zufriedenheit und Ruhe. All das fände man in der intakten Natur. Und ganz sicher nicht im Konsum!!!

Das Problem ist, wir haben bisher kein Modell für eine andere Wirtschafts- und Lebensweise, als die, die wir gewohnt sind. Aber wäre es nicht endlich an der Zeit, mit Entwürfen zu beginnen?? Bevor die Erde an der einen Seite überschwemmt und an der anderen ausgedörrt und abgebrannt ist???

Diese Welt ist eine sichere, oder? -Oder nicht?

Künstlerin: Dörte Müller

Während ich mehr oder weniger geduldig warte, dass sich meine Körperstatik wieder verbessert (s. meine Beiträge zum Atlaswirbel), mache ich natürlich auch noch vieles andere für meine Gesundheit. Ich experimentiere mit kleinen Mengen Wasserstoffperoxid und mit Wasserstoffwasser. Ich arbeite mit Phantasiereisen, Familienaufstellung etc., und ich werde nochmal einen neuen Homöopathieversuch machen. Vor allem arbeite ich aber an den geistig seelischen Hintergründen meiner Erkrankung:

Es gibt bei Autoimmunerkrankungen gewissermaßen nahe liegende Themen, wie unterdrückte Wut (oft schon über mehrere Generationen im Familiensystem) und starke – aber ebenfalls unterdrückte – Autonomiebestrebungen. Wenn man die Symbolik der Erkrankung betrachtet, kann man beide Themen herauslesen: Das Immunsystem möchte das „Selbst“ aggressiv schützen, kann aber zwischen „eigen“ und „fremd“ nicht mehr unterscheiden. Man will Autonomie, weiß aber nicht wie. Die Wut richtet sich nicht nach außen, sondern der „Kampf“ spielt sich im eigenen Körper ab.

Aus meiner persönlichen Sicht steht dahinter im Grunde das Thema „Sicherheit“. Und dieses Thema hat aus meiner Sicht nicht nur mit meiner Erkrankung, sondern auch mit der politischen Lage weltweit und damit auch mit dem Zustand unseres Planeten eine Menge zu tun.

Warum? Nun, meine Eltern z.B. gehören zu der Generation, die den zweiten Weltkrieg als Kinder noch erlebt haben, inklusive Flucht / Vertreibung, also Verlust der Heimat und des gesamten Besitzes. Meine Großeltern haben auch den ersten Weltkrieg noch erlebt. Die Welt war für meine Vorfahren von frühester Kindheit an eine zutiefst unsichere und beängstigende. Ähnlich, wie auch heute noch in allen Kriegs- und Krisengebieten. In der Nachkriegszeit galt also alles Bestreben dem Thema Sicherheit: Zuvorderst ein sicherer Arbeitsplatz (ob der den eigenen Neigungen entsprach, war unwichtig), eine bescheidene aber eigene Wohnung. Der Versuch, so viel wie möglich zu sparen, um den Kindern den Start in eine sicherere Zukunft zu ermöglichen.

Was den Kindern vor diesem Hintergrund natürlich nicht vermittelt werden konnte, war das Gefühl von Sicherheit. Urvertrauen. Ein „Du lebst in einer sicheren Welt. Alles ist gut!“. Ganz im Gegenteil, indem die Sicherheit in Schutzmaßnahmen im Außen gesucht wurde, wurde implizit ganz klar vermittelt, dass die Welt an sich furchtbar unsicher und gefährlich ist, und man Angst haben muss, wenn man nicht sehr vorsichtig ist und sich gut schützt. Das ist völlig verständlich, da die Welt der Eltern und Großeltern ja auch genau so war.

Auch heute noch suchen sehr sehr viele Menschen die Sicherheit im Außen. In irgendwelchen „Schutzmaßnahmen“. Sie bauen Mauern, lehnen Flüchtlinge und Fremde ab – und geben oft an, das zum Schutz ihrer Kinder zu tun. Das erscheint gewissermaßen wie eine Verwechslung, denn sie geben ihren Kindern damit ihre Angst weiter – und eben gerade keinen echten Schutz. Keine Selbst-Sicherheit. Und schon gar nicht so etwas wie Gefühle von Geborgenheit und Glück. Auch das Bestreben der meisten Eltern, ihren Kindern zu einer möglichst „erfolgreichen“ Laufbahn zu verhelfen, damit sie in materiellem Wohlstand – und damit vermeintlich „sicher“ leben, hat aus meiner Sicht ihren Hintergrund in der von den Vorfahren erlebten Existenzangst.

Für Kinder, die Autonomie anstreben, ist das schwierig. Sie erleben, dass die wohlmeinenden und geliebten Eltern sie in eine Richtung drängen, in die sie eigentlich gar nicht selbst wollen. Sie bekommen vermittelt, dass Autonomie und „anders sein“ etwas ganz Gefährliches ist in dieser unsicheren Welt. Und irgendwann wissen sie gar nicht mehr, was sie eigentlich selbst wollen, welche Wünsche und Vorstellungen „eigen“ sind, und welche „fremd“. Sie sind sich ihrer selbst nicht (mehr) sicher. Sicher scheint nur zu sein, dass die Welt unsicher ist. Je nach Temperament kann es sein, dass Kinder diese Verwirrung nach außen tragen, oder nach innen und z.B. mit einer Autoimmunerkrankung reagieren.

Heutzutage gibt es Hunderte von Erziehungsratgebern, die einem sagen, dass es ganz wichtig ist, den Kindern von Geburt an (bzw. bereits in der Schwangerschaft) Urvertrauen und Sicherheit zu vermitteln. Und sie dann ab der Pubertät langsam ihren eigenen Weg gehen zu lassen, den man liebevoll begleitet, aber nicht zu lenken versucht. Für einen gelungenen und selbst-sicheren Start in das Leben, wäre das für Kinder tausendmal wichtiger, als noch so viel Geld auf dem Konto der Eltern.

Aber wie viele Eltern schaffen es schon, ihren Kindern dieses Sicherheitsgefühl mitzugeben? Ein Sicherheitsgefühl, das man in aller Regel selbst nicht hat?

Solange Eltern die Welt selbst als unsicher begreifen – und materiellen Wohlstand als Schutz vor dieser Unsicherheit ansehen -, werden wir diese Erde weiter ausbeuten. Kriege um begrenzte Ressourcen führen und einen Konsum weiter antreiben, dessen Ausmaß den Planeten zerstört. Leute werden Parteien wählen, die ihnen Sicherheit versprechen, indem sie Fremde ablehnen. In Wahrheit verstärken sie mit dieser Politik das Unsicherheitsgefühl ihrer Wähler. Denn plötzlich werden alle Fremden generell zu einer Bedrohung, vor der man Angst haben muss. Die Bereicherung, die fremde Menschen und Kulturen einem bieten, nimmt man dann gar nicht mehr wahr. Auch im Körper ist ja „fremd“ nicht automatisch gefährlich. Ganz im Gegenteil, beherbergen unsere Körper ja wohl mehr „fremde“ Mikroorganismen als „eigene“ Zellen und könnten ohne diese hilfreichen Winzlinge auch gar nicht überleben. Anders, als es in der Wahrnehmung vieler Menschen ist, sind Bakterien in aller Regel keine „unerwünschten Eindringlinge“ in die Integrität unseres Körpers, sondern für uns lebensnotwendige „Mitgeschöpfe“. Auch hier besteht viel Verwirrung.

Das Szenario eines Wohlstandsverlustes löst ohnehin in allen politischen Parteien Panik aus. Umweltschutz zulasten des Wirtschaftswachstums gilt als „no go“. Leider werden wir die Erde in nicht allzu ferner Zukunft zerstört haben, wenn wir so weiter machen. Eine Art Autoimmunerkrankung der gesamten Menschheit: Wir wissen, dass wir unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstören, schaffen es aber nicht, damit aufzuhören. Lieber nehmen wir die Schmerzen in Kauf und versuchen, einen Teil der Symptome zu unterdrücken, als die Ursachen anzugehen. Denn man weiß nicht, ob das nicht noch schmerzhafter wäre.

Eine Verwirrung der Menschheit, die materiellen Wohlstand mit Glück verwechselt, weil sie ihr Sicherheitsgefühl verloren hat. Kriege sind menschengemacht. Aus meiner idealistischen Sicht könnten Menschen sich stattdessen auch ein Paradies erschaffen. Sie müssten sich nur tief im Innern sicher fühlen.

Lachen und Wertschätzung in Politik und Gesellschaft

Und noch einmal Wertschätzung. Aber diesmal geht es mir um Politik. Um das Denken in unseren Gesellschaften. Fehlende Wertschätzung ist aus meiner Sicht das, was maßgeblich für die „Erkrankung“ unserer Gesellschaften verantwortlich ist. Denn auch global gesehen empfinde ich eine Art „Autoimmunerkrankung“. „Entzündungen“. Sichtbar an der Klimaerwärmung, zunehmenden Klimakatastrophen, wie Dürren oder Überflutungen, Waldbränden, aber auch an zunehmenden Radikalisierungen verschiedenster Art von Menschen in eigentlich wohlhabenden Staaten.

Da ich überzeugt bin, dass auf dieser Welt alles miteinander zusammenhängt (und die moderne Physik bestätigt das ja auch), finde ich den Vergleich mit den zunehmenden Autoimmunerkrankungen bei Menschen in den Industriestaaten gar nicht so abwegig. Ähnlich wie ich es auch in „Meine etwas andere Theorie zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen“ beschrieben habe, scheinen mir aber auch hier die Überwärmung und die Überreaktionen Symptom und nicht Ursache einer Erkrankung zu sein.

Ursache ist aus meiner Sicht tatsächlich die in den Industriestaaten verbreitete „Religion“, wonach der Mensch ein Zufallsprodukt der Evolution sei, irgendwie zufällig entstanden, zufällig hat er dann auch noch ein Bewusstsein entwickelt (das ist besonders merkwürdig), und nach dem Tod im Nichts versinkt er ins Nichts. Oder so ähnlich. Die Seele sei eine Illusion, ein Phantasieprodukt von leicht beeindruckbaren Menschen, die irgendeine Hoffnung für sich bräuchten, um das Leben nicht als sinnlos zu empfinden.

Diese „Religion“ scheint mir dabei nicht ganz zufällig entstanden zu sein. Sie war Voraussetzung für das äußerst materialistische und konsumorientierte Denken in den Industriestaaten, in denen alles der Priorität untergeordnet wird, den materiellen Wohlstand zu sichern.

Ich empfinde die Pfeiler, auf denen diese „Religion“ steht, als sehr wackelig: Mathematisch ist das mit dem Zufall schlichtweg unmöglich (das gilt für die ganze Evolution). Physikalisch kann ein Urknall, der ja als Entstehung unseres Universums gilt, nicht aus einem „Nichts“ entstanden sein. Wie denn? Und unser Bewusstsein, das ja nun einmal eine Energie ist, kann nach unserem Tod auch nicht einfach so verschwinden. Das widerspräche dem Grundsatz der Energieerhaltung der Physik.

Die Prinzipien, auf denen unsere angeblich so objektive wissenschaftliche Weltsicht gründet, erscheinen mir persönlich also weder objektiv noch wissenschaftlich.

Das Problem an dieser Weltsicht ist, dass ihren Anhängern der Schutz der natürlichen Ressourcen, die Wertschätzung von „Mutter Erde“ und auch die Wertschätzung anderer Menschen nicht wichtig erscheinen. Warum sollen sie auf irgendetwas Rücksicht nehmen, oder das gar wert schätzen, was rein zufällig entstanden ist und keinen tieferen Sinn hat? Warum sollen sie mit den Ressourcen der Erde sparsam umgehen, wenn sie doch nur einmal kurz leben und dabei möglichst viel „Spaß“ haben wollen? (Wie kann ein „Zufallsprodukt“ eigentlich so etwas wie Spaß empfinden...?!)

Tja, warum? Vielleicht, weil viele Menschen tief im Innern dann doch spüren, dass die Wertschätzung anderer, das Eintreten für Schwächere und für die Umwelt sich gut anfühlen. Denn glücklicherweise nimmt das ehrenamtliche Engagement in den Industriestaaten durchaus zu. Viele Menschen spüren bzw. wissen, dass die materialistische Weltsicht erhebliche Schwächen hat. Trotzdem ist sie in Politik und Gesellschaft immer noch vorherrschend. Um nicht zu sagen allein- herrschend. Politische Entscheidungen werden immer unter der Prämisse gefällt, dass auf keinen Fall unser Wirtschaftswachstum und damit unser Wohlstand gefährdet werden darf. Das gilt für jede der bekannten Parteien bei uns. Wertschätzung der Umwelt spielt in politischen Entscheidungen offensichtlich eine nachgelagerte Rolle (oder gar keine, je nach Partei).

Bezüglich Wertschätzung von Personen, scheint es die allgemeine Ansicht zu ein, dass diese sich vor allem über Geld ausdrücke. Und dass, obwohl x Studien belegen, dass Gehaltserhöhungen, Boni etc. – wenn überhaupt -, dann nur ganz kurz, zu einem höheren Zufriedenheitsgefühl beitragen.

Echte Wertschätzung drückt sich nach meinem Verständnis anders aus. Darin, dass ich der Person vermittele, dass ich sie als Person sehe und schätze. Ihre persönliche Leistung und auch die von ihr zu überwindenden Herausforderungen wahrnehme und anerkenne. Das ist leider äußerst wenig verbreitet.

Wenn ich mir Nachrichten anhöre, sehe oder lese, Interviews, Comedy, politisches Kabarett oder was auch immer. Es geht fast immer darum, andere Menschen (negativ) zu bewerten, schlecht zu machen, sich über sie lustig zu machen. Unsere Medien vermitteln, dass es cool und wichtig sei, andere zu kritisieren. Journalist(inn)en haben meist den Anspruch an sich selbst, kritischen Journalismus zu pflegen.

Leider geht es dabei aber selten um eine echte inhaltliche Auseinandersetzung mit einer Sachentscheidung. Dafür müsste man sich bei jeder wichtigen Frage anschauen, prüfen und diskutieren, welche Konsequenzen eine bestimmte Entscheidung hat, und welche eine andere hätte. Kurz- und langfristig. Auf die Umwelt und auf die betroffenen Personen.

In unserer heutigen schnelllebigen Zeit ist das natürlich idealistisches Wunschdenken, dass Entscheidungen in der Form getroffen (oder getroffene Entscheidungen in der Form hinterfragt) werden. Politiker(innen) meinen, schnelle Entscheidungen treffen zu müssen, man will schließlich „Handlungsfähigkeit beweisen“. Eine Lieblingsfrage von Journalist(inn)en ist, warum „immer noch nichts passiert sei, wo die Missstände doch bekannt seien“.

Wir lieben es, „Druck zu machen“, und wir lieben es, auf die Fehler der anderen zu schauen, und nicht auf ihre guten Seiten. Das fängt schon an bei Berufsgruppen, wie zum Beispiel der Polizei. Ich finde, die Polizei macht einen sehr harten, extrem stressigen und gefährlichen Job für eher wenig Geld und sehr wenig Wertschätzung. In den Nachrichten erscheint die Polizei vor allem dann, wenn jemand von ihnen einen Fehler gemacht hat. Natürlich müssen Fehler thematisiert werden. Aber wenn geschätzt rund 80 % gut läuft und vielleicht 20 % nicht so gut (das ist eine grobe Schätzung von mir, die nicht mit irgendwelchen Daten belegt ist), erscheint es mir wenig wert schätzend, wenn sich 90 % der Berichterstattung ausschließlich auf die Fehler fokussiert. Zumal ich denke, dass genau solch eine mangelnde Wertschätzung Mitglieder der Polizei eher in die falsche Richtung treiben.

Ähnlich ist es bei Lehrer(inne)n. Auch das eine Berufsgruppe, bei der Eltern gern jeden echten oder vermeintlichen Fehler aufspießen. Hohes Engagement hingegen für selbstverständlich halten und selten anerkennen.

Bezüglich der Paketzusteller hat sich inzwischen herum gesprochen, dass die einen anstrengenden und unterbezahlten Job machen, trotzdem nehmen die Beschwerden über diese Leute ständig zu.

Und es gibt noch zig andere Beispiele.

Sich über Politiker(innen) lustig zu machen, scheint heutzutage ohnehin zum guten Stil zu gehören. Politisches Kabarett lebt davon, diese als total unfähig darzustellen. Sich mit echten Sachfragen auseinanderzusetzen, wäre hingegen viel zu komplex und auch nicht wirklich lustig. Und die Leute mögen es, wenn sie sich über die vermeintlich Mächtigen lustig machen können. Jedenfalls im Kabarett. Im wirklichen Leben führt das vermutlich eher zu Politikverdrossenheit und Radikalisierung. Leider sind auch die meisten Politiker(innen) selbst ein katastrophales Vorbild, was gegenseitige Wertschätzung als Mensch angeht. Aber wenn man sich selbst innerhalb einer Partei nicht wert schätzt, wie kann man dann erwarten, dass die Wähler es tun?

Gegenseitige Wertschätzung von Menschen anderer Berufe, anderer Herkunft, anderer Hautfarbe, anderer Lebensgeschichten, das wäre so wichtig für das Glücksempfinden in unseren Gesellschaften!

Und natürlich Wertschätzung unserer Umwelt. Unserer natürlichen Ressourcen! Der Gaben, die uns von „Mutter Erde“ kostenlos zur Verfügung gestellt werden! Wertschätzung von Tieren (das schließt Massentierhaltung aus!). Gesellschaften, die das Wirtschaftswachstum an erste Stelle setzen, beuten die natürlichen Ressourcen rücksichtslos aus. Sie vermüllen Landschaften und Ozeane, vergiften das Trinkwasser, also unser aller Lebensgrundlage mit Pestiziden, Nitraten und sonstigen Chemikalien. Sie überfischen die Meere, zerstören den Regenwald, um dort billiges genmanipuliertes Tierfutter anzubauen. Bauen Kies, Sand, seltene Erden und sonstige Rohstoffe ab – ohne jede Rücksicht auf die Natur. Sie bringen das gesamte Ökosystem vollkommen aus dem Gleichgewicht, erzeugen auf diese Art von allem viel zu viel – und werfen einen großen Teil als Müll wieder weg, der dann ebenfalls in der Umwelt landet.

Zu einem großen Teil sind das die sogenannten „entwickelten“ Staaten, die als Vorbilder gelten weltweit. Vorbilder in Sachen Wertschätzung leider nicht!!!

Warum eigentlich nicht? Ach ja, wegen dem Wirtschaftswachstum… Aus irgendeinem Grund gehen die Menschen bisher fast weltweit davon aus, dass Wirtschaftswachstum das Beste für die Menschheit sei.

Ich bin hingegen überzeugt, dass gegenseitige Wertschätzung und Wertschätzung unserer Umwelt, der gesamten Natur das Beste für die Menschheit ist! Aber für mich sind Menschen auch keine seelenlosen Zufallsprodukte… (Tiere auch nicht…).

Dieser Beitrag hatte jetzt nicht so viel mit Lachen zu tun… Aber ich bin überzeugt, dass Veränderungen letztlich bei jedem einzelnen beginnen. Und wertschätzendes gemeinsames Lachen zu üben – anstelle eines sich übereinander lustig machen, kann ein Anfang sein.