Auf ein Wort, liebe Mediziner*innen

Nebel auf dem Weg; Künstlerin: Dörte Müller

Dieser Beitrag ist inspiriert durch einen Bericht, in dem eine Ärztin ihr Buch vorstellte, mit dem sie eine bessere Arzt-Patient*innen- Kommunikation anregen wollte. Ich habe das Buch nicht gelesen, mich aber direkt gefragt, ob es nicht an der Zeit wäre, dass Patient*innen darlegen, was SIE sich wünschen von ihrem Arzt / ihrer Ärztin. Denn bisher wird mir zu oft eher das beschrieben, von dem Ärzt*innen DENKEN, dass Patient*innen es sich wünschten. Daher nunmehr meine ganz persönlichen Gedanken dazu (ohne Anspruch auf Verallgemeinerung):

Liebe Mediziner*innen, ich habe kein Problem mit dem, was Ihr so gern als Euer „Fachchinesisch“ bezeichnet. Ich habe „meine“ Autoimmunerkrankung seit gut über 30 Jahren und kenne die meisten der medizinischen Fachbegriffe zu meinem Krankheitsbild recht gut. Ich kenne auch die meisten Eurer Therapievorstellungen zu meiner Erkrankung recht gut. Ich habe (heute würde ich sagen: leider) sehr viele davon ausprobiert. – Und sie als nicht wirklich hilfreich empfunden, ganz im Gegenteil. Ich habe in all diesen Jahren viele Erfahrungen gesammelt. Und ich möchte, dass Ihr meine Erfahrungen und meine Wünsche respektiert!

Denn genau da liegt mein Problem mit Euch: Ich verstehe etwas Anderes unter KOOPERATION, als Ihr. Für Euch heißt Kooperation: Ich habe brav genau das zu tun, was Ihr mir „vorschlagt“ (Medikamenteneinnahme in vorgeschriebener Dosis zum vorgeschriebenen Zeitpunkt) und Euch möglichst dankbar zu sein. Für mich heißt Kooperation: Wir überlegen gemeinsam, was für mich hilfreich sein könnte. Ihr beratet mich nach bestem Wissen – und ich entscheide.

Liebe Mediziner*innen, ich würde mir wünschen, dass Ihr nicht so oft so furchtbar beleidigt reagiert, wenn ich Euch sage, dass ICH die Therapieentscheidung treffe, nicht IHR, denn es geht um MEINEN Körper. Mein Leben. Und dafür bin ICH die Expertin, nicht Ihr. Ich bin ein Mensch, liebe Mediziner*innen, und kein zu behandelndes Objekt, oder irgendwie dumm, nur weil ich zufällig eine Erkrankung habe.

„Sie sind hier in einer renommierten Klinik …“

Ich würde mir wünschen, dass Ihr meine Fragen ehrlich beantwortet, also zugebt, was Ihr wisst – und was nicht. Dass Ihr aufhören würdet, zu versuchen, Nichtwissen mit Arroganz zu kaschieren. Ich reagiere nicht ehrerbietig, sondern äußerst ungehalten, wenn Ihr mir auf meine Frage nach möglichen Nebenwirkungen der von Euch empfohlenen medikamentösen Therapie antwortet: „Sie sind hier in einer renommierten Klinik, also verlassen Sie sich auf das, was Ihnen gesagt wird.“

Gut, diese Aussage ist jetzt ein Vierteljahrhundert her. Aber die Haltung, die dahinter steht, die begegnet mir immer noch. Die eine sagt mir, all ihre anderen Patient*innen wären dankbar für das, was sie ihnen anbiete, und mein Wunsch nach einer anderen Herangehensweise sei anmaßend und undankbar. Was ich überhaupt bei ihr wolle. Der andere unterstellt mir, ich WOLLE ja gar nicht gesund werden, wenn ich „die Schulmedizin ablehne“, weil ich etwas anderes wünsche, als Medikamente. Und nimmt sich erstaunliche 45 Minuten Zeit (die ihm niemand bezahlt) – … nur um mir alles Mögliche an den Kopf zu werfen und sich mit mir zu streiten.

Liebe Mediziner*innen, Ihr kennt den Nocebo-Effekt. Und Menschen wie ich, die mit Medikamenten und Operationen in ihrem bisherigen Leben eher schlechte Erfahrungen gemacht haben, reagieren auf diesen Effekt besonders stark. Warum also meint Ihr, Druck ausüben zu müssen, damit wir trotzdem unbedingt ein bestimmtes Medikament einnehmen? Und / oder uns operieren lassen?

Warum wollt Ihr alle, egal wo ich hingehe, mir immer unbedingt irgendetwas verschreiben? „Wenigstens ein Schmerzmittel! Ich verschreibe Ihnen alles. ALLES!“ Das war ein Zitat. Bei jeder Krankschreibung wegen eines Infekts hieß es: „Wollen Sie nicht doch ein Antibiotikum?“ NEIN! WILL ICH NICHT! Und ich will auch nicht, dass Ihr mir mit irgendeiner Impfung, „etwas Gutes tut“. Auch, wenn Ihr mir damit pflichtgemäß immer wieder kommt. Tatsächlich finde ich nämlich nicht, dass Ihr mir und meinem ja ohnehin aufgeputschten Immunsystem damit „etwas Gutes“ tätet.

Eine andere Herangehensweise?

Ich will eine andere Herangehensweise. Eine ganz andere. Und damit beiße ich bei Euch leider immer noch auf Granit. Und werde in Euren Augen zur „Querulantin“ und „Feindin“. Und das lasst Ihr mich durchaus auch spüren.

Ich will nicht Symptome unterdrücken, Schmerzen wegdrücken, mein Immunsystem supprimieren, um „zu funktionieren“. Ich sehe mein Immunsystem nicht als zu bekämpfenden Gegner an, wie Ihr es tut. Für mich sind meine Immunzellen keine Aufständischen, die ich unterdrücken muss, indem ich ihre Boten ausschalte. Das ist Euer Bild des Immunsystems: Beim Tumor schwingt sich eine „bösartige“ Zelle sozusagen zum Diktator des Gesamtsystems auf. Sie muss daher mit allen Waffen, die uns zur Verfügung stehen, aggressiv bekämpft werden. So wie man einen Diktator eben bekämpft: Mit Stahl und mit Chemie oder Strahlen. Bei der Autoimmunerkrankung sind es „aufständische Immunkrieger“, die plötzlich körpereigenes Gewebe angreifen. Die werden ebenfalls mit chemischen Waffen unterdrückt. Als „modern“ gilt es heutzutage, mit sogenannten Biologicals (gentechnisch hergestellte Medikamente mit „lebendem“ Zellmaterial) die Botenstoffe auszuschalten. Da es eine Menge Entzündungsbotenstoffe gibt, gibt es auch immer neue Medikamente in diesem finanziell sehr lukrativen Bereich.

Kollateralschäden sind bei all diesen „Kriegen“ selbstverständlich in Kauf zu nehmen. Das empfindet Ihr als normal. So geht Ihr immer vor. Für Euch ist alles Krieg. Ob gegen Viren (wie zur Zeit weltweit), gegen Bakterien oder gegen körpereigene Zellen. Ihr habt immer noch das darwinistische Bild von Konkurrenz und Kampf und dem Recht des Stärkeren im Kopf. Und dieses Bild prägt Eure Medizin immer noch ebenso, wie es die weltweite Wirtschaft prägt.

Für mich hingegen war diese darwinistische Theorie noch nie logisch. Für mich ist der menschliche Körper ein Gesamtkunstwerk, das gerade bei Krankheit immer in seiner Gesamtheit betrachtet werden muss. Meinen Körper zu einem „Schlachtfeld“ zu machen, halte ich nicht (mehr) für eine gute Idee. Wie soll ich so „heil“ werden? Ganz werden?

Ich halte es für weise, mir vor einer Maßnahme zu überlegen, ob ich damit Kollateralschäden anrichte – und ob diese nicht vielleicht in ihren Auswirkungen das Ganze viel schlimmer machen.

Weisheit

Weisheit, liebe Mediziner*innen, ist etwas, was ich mir bei Eurer Vorgehensweise in deutlich größerem Ausmaß wünschen würde. Ihr habt so unglaublich viel Wissen angehäuft über irgendwelche Details, dass Ihr vor lauter Stolz über all die kleinsten Komponenten, die Ihr jetzt „kennt“, oft nicht mehr merkt, dass das ganze Wesen ein MENSCH ist. Ihr spezialisiert und spezialisiert Euch. Haltet Euch dann für hervorragende Expert*innen auf Eurem Gebiet und merkt nicht, dass Ihr zu eindimensional unterwegs seid und den Blick aufs Ganze verloren habt.

Ihr macht Euch lustig über Medizinsysteme, die Ihr für „primitiv“ oder „unwissenschaftlich“ haltet. Ob Schamanismus, TCM, Ayurveda, Homöopathie, Anthroposophie, Reiki, „Geistheilung“, biophysikalische Methoden usw., Ihr neigt dazu, all das zu belächeln. Als nicht belegt oder Humbug abzutun. Ihr merkt dabei nicht, dass Ihr mit dem, was Ihr für „wissenschaftlich“ haltet, bei Descartes und Darwin hängen geblieben seid. Dass Ihr grundlegende physikalische Erkenntnisse der letzten hundert Jahre vollständig ignoriert, weil sie nicht in Euer Weltbild passen. Ihr geht immer noch davon aus, dass Euer materialistisches, mechanistisches Weltbild die „Wirklichkeit“ widerspiegele. Und weigert Euch beharrlich, alle Evidenz dagegen auch nur zur Kenntnis zu nehmen.

Ihr seid fasziniert von Genetik und gebt Milliarden aus für Biotechnologie und die Erforschung von Antitumormitteln sowie von Impfstoffen, die an den Genen ansetzen. M-RNA, das ist gerade das Zauberwort für Eure Corona-Impfung. Ihr ignoriert dabei, dass die Epigenetik seit längerem zeigt, dass es die Umgebung ist, die über die Genexpression bestimmt – und nicht umgekehrt. Zytoplasma, wohl auch Darmflora und natürlich die Psyche. Es ist das „Milieu“, das in den meisten Fällen über Gesundheit oder Krankheit entscheidet. Die von Euch so verlachten medizinischen System wussten / wissen das alle.

All diese System bezogen Weisheit und Beobachtung in ihr Wissen ein. Ihr hingegen lehnt alles ab, was mit Bewusstsein, Weisheit, innerem Wissen zu tun hat, mit der Begründung, es sei nicht wissenschaftlich, weil man es nicht messen könne.

Ehrlich gesagt kommt mir Eure Wissenschaft so vor, als würdet Ihr ein Buch lesen, indem Ihr gewissenhaft jeden Buchstaben auf jeder Seite zählt und vermesst. So dass Ihr am Ende des Buches haargenau sagen könnt, wie oft welcher Buchstabe vorkam. Wie groß die Buchstaben jeweils waren, wie breit, welche Schriftart und wie viel Druckerschwärze welcher Qualität sie enthielten. Und vielleicht würdet Ihr noch eine Schätzung abgeben, wie lange es etwa brauchen werde, bis die Buchstaben auf dem Papier verblassten – und was man ggfs. dagegen tun könne.

Nur den Inhalt des Buches und die enthaltenen Gedanken, die hättet Ihr nicht bemerkt oder für irrelevant gehalten … . Schließlich konntet Ihr die nicht messen.

Wäre es nicht an der Zeit, das System wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen?

Liebe Mediziner*innen für Patient*innen wie mich ist es nicht so wichtig, ob „das Kind einen Namen hat“, wie Ihr mit Eurer ausgeklügelten Diagnostik oft zu glauben scheint. Denn diese Diagnostik dient selten der Ursachensuche, sondern der Auswahl der für diese Diagnose vorgesehenen Medikamente. Ich pfeife auf „leitliniengerechte“ Medizin (ich weiß, dass dürft Ihr nicht einfach tun, sonst bekommt Ihr erhebliche Unannehmlichkeiten). Diese „Leitlinien“ finde ich im Gegenteil sehr problematisch, weil sie im Prinzip vorschreiben, dass jeder Mensch mit gleichen Symptomen gleich behandelt werden müsse. Die bei Descartes und seiner Maschinenvorstellung des Menschen hängen gebliebene Medizin…. .

Liebe Mediziner*innen, Ihr könnt natürlich fragen, warum ich Euch überhaupt aufsuche, wenn ich das, was Ihr zu bieten habt, nicht will. Tatsächlich suche ich Euch inzwischen auch normalerweise nicht mehr auf, weil mir Euer Angebot eben so begrenzt erscheint.

Aber der Punkt ist: Ich HÄTTE ja durchaus gerne Hilfe. Denn ich habe natürlich auch sehr sehr viele „alternative“ Heilmethoden ausprobiert, arbeite viel an meinem Bewusstsein, mit Ernährung ohnehin schon seit sehr vielen Jahren, habe Ausbildungen mit verschiedenen gesundheitlichen Ansätzen selbst absolviert – und habe dennoch DEN Schlüssel, mit dem ich die vor vielen Jahren erfolgte „Fehlprogrammierung“ in meinem System rückgängig gemacht bekomme, (noch) nicht gefunden. Entgegen der schulmedizinischen Prognosen bin ich immer noch überzeugt, dass ein solches Rückgängigmachen prinzipiell möglich ist. Und ich würde mir von Euch, liebe Mediziner*innen eben auch immer noch wünschen, dass Ihr genau in diese Richtung Eure künftigen Forschungsbemühungen lenkt.

Ja genau: In Richtung Bewusstsein, Energiekörper, Chakren, Frequenzen, Wasserstrukturen in lebenden Systemen, Energiequalitäten, Zusammenwirken von Psyche und Körper usw. Warum nur sind viele von Euch immer noch so verbohrt und ignorant, all das so pauschal abzulehnen?

„Eine psychosomatisch wirkende Therapie? Das ist doch nichts für Sie! Sie sind doch RICHTIG krank.“

Auch das ist ein wörtliches Zitat eines Arztes, der diese Aussage mit einem Gesichtsausdruck verband, als habe er mir ein Kompliment gemacht. Wenn ich der Meinung bin, dass meine Erkrankung auch etwas mit meiner Psyche zu tun hat, bin ich FALSCH krank??

Warum denkt Ihr immer noch, dass Psyche und Körper voneinander getrennt zu behandelnde Gebilde und alles, was mit der Psyche zu tun hat, irgendwie peinlich sei???

Und mit so etwas wie Chakren brauche ich Euch in aller Regel natürlich schon mal gar nicht zu kommen.

Liebe Mediziner*innen, merkt Ihr nicht, dass Ihr Euch mit dieser mauernden Einstellung von Teilen der Bevölkerung immer weiter weg bewegt? Ihr habt bei chronischen Erkrankungen wenig zu bieten. Und Ihr weigert Euch, das zu ändern? WARUM?

Ursachen?

Ja, es stimmt, Ihr habt in der Tumortherapie in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte erzielt und Ihr seid – zu Recht – stolz darauf. Aber der eigentlichen Frage, WARUM Tumorerkrankungen und Autoimmunerkrankungen seit Jahren so dramatisch zunehmen, der geht Ihr aus dem Weg. Stattdessen tut Ihr so, als sei Euer (Entschuldigung!) blödes Corona die Seuche des Jahrtausends, in deren Bekämpfung jetzt alle Anstrengungen gerichtet werden müssten. Haltet Ihr Tumor- oder Autoimmunerkrankungen für harmloser und weniger belastend als eine COViD-19-Erkrankung??? Was soll dieses Theater?

Müsstet Ihr Eure Anstrengungen und Forschungsbemühungen nicht viel mehr auf die Suche der möglichen Ursachen von Krebs und sonstigen schwerwiegenden Erkrankungen des Immunsystems richten, wenn Ihr der Menschheit wirklich einen großen Dienst erweisen wollt? Ihr behauptet zu wissen, was zumindest NICHT für die Zunahme dieser Erkrankungen verantwortlich sein könne: z.B. Impfungen, Zunahme elektromagnetischer Strahlung, 5G. Aber es sind Behauptungen, die mit „Wissenschaft“ nichts zu tun haben. Sie halten Euren eigenen wissenschaftlichen Standards nicht stand. Wieso wundert Ihr Euch, dass Menschen wie ich Euch diese Behauptungen nicht einfach so glauben?

Ja, ich weiß, Ihr seid eingebunden in die Zwänge von Pharmaindustrie, Gesundheitspolitik (die in Wahrheit Wirtschaftspolitik ist), und sonstigen wirtschaftlichen Vorgaben. Und dennoch: IST ES NICHT OFT AUCH EUER DENKEN, das Euch begrenzt? Und das eine echte Kommunikation mit Menschen wie mir nahezu unmöglich macht?

Liebe Mediziner*innen, die meisten von Euch WOLLEN doch helfen. Wieso weigert Ihr Euch dann so sehr, Euch in eine Richtung zu öffnen, die Euch bisher noch fremd ist? Wieso weigert Ihr Euch, wenigstens in Erwägung zu ziehen, dass genau dort vielleicht das wahre Potential für die Medizin der Zukunft liegen könnte???

Fakt, Fake-News oder beides?

Wir bauen uns die Welt, wie sie uns gefällt – oder vielmehr, wie wir sie sehen… ; Künstlerin: Dörte Müller

Man müsse sich entscheiden, so wird es mir in Medien, Politik und auch in vielen Blogs etc. suggeriert: „Vernünftige“ Menschen glauben an „harte wissenschaftliche Fakten“ und legen diese ihrer Weltsicht zugrunde. „Die anderen“, das sind „weltfremde Esoteriker*innen“, oder gar „Verschwörungstheoretiker*innen“, die ihren Gefühlen mehr trauen, als den „Fakten“, – und denen man deshalb nicht trauen könne… . Und die man bekehren müsse. Hin zu einer „wissenschaftlichen“ Weltsicht.

Frühere Geistesgrößen wie Pythagoras und Platon (auf die die Begriff der „Esoterik“ möglicherweise zurückgeht) oder auch Newton hätten eine solche Ab- und Ausgrenzung vermutlich absurd und sicherlich nicht besonders „vernünftig“ gefunden, denn sie waren beides. Wissenschaftler und Esoteriker. Und hoch intelligent. Und ich nehme an, dass sie ihre Bewertung dessen, was sie wahrnahmen, auch nicht zwingend als die einzig „richtige“ Bewertung ansahen.

Eine einfache Weltsicht

Heutzutage ist Abgrenzung hingegen en vogue. Nicht nur zwischen Meinungen, sondern insbesondere auch zwischen Menschen. Eine Wissenschaft, die in ihrer Fixierung auf das messbare Detail immer einseitiger wurde, brauchte einen Gegenpol, so scheint es. Esoterik gilt heute als Synonym für „unwissenschaftlich“ und damit als „Unsinn“. Eine „Wissenschaft“, die sich ausschließlich auf das Außen konzentrierte, versucht(e) sich aufzuwerten, indem sie „das Innere“ abwertet(e). Inzwischen pocht in unserer Gesellschaft nahezu jede*r auf vermeintliche äußere „Fakten“, die niemand in Frage stellen dürfe. Wer sich auf „Fakten“ beruft, will in der Regel „wissenschaftlich“ und klug erscheinen. Wer die „Fakten leugnet“, ist damit automatisch „unwissenschaftlich“ und „dumm“. So wird es ständig suggeriert. Eine einfache Weltsicht.

Leider unterscheidet dabei kaum jemand zwischen „Fakten“ und „Bewertungen“. Es wird als selbstverständlich unterstellt, dass es unumstößliche und bewertungsfreie Fakten gibt und zwar jede Menge. Es ist der Traum von der „objektiven Wahrheit“.

Wahrheit? Oder Wahrnehmung?

Was gilt denn bei uns als Fakt?

Etwas, was durch eine „wissenschaftliche Studie eindeutig belegt ist“?

Ist es nicht bereits eine Bewertung, wozu ich eine Studie mache – und wozu nicht? Folge ich nicht bei dem Design der Studie und bei meiner Interpretation automatisch meiner Weltsicht, die ich ohnehin habe? Kann das dann „objektiv“, „wahr“, „nicht hinterfragbar“ sein?

Ich interessiere mich seit vielen Jahren für das Thema „gesunde Ernährung“ und finde es häufig geradezu lustig: Ob „vegan“, „Paleo“, „Rohkost“, „Vollwert“, usw., jede*r kann für die von ihm / ihr propagierte Ernährungsform auf Hunderte von Studien verweisen, wonach genau diese Ernährungsform jeweils die Gesündeste von allen sei. Manchmal werden für gegenteilige Ernährungsformen sogar die gleichen Studien zitiert, nur jeweils gegensätzlich interpretiert. Fakt? Oft heißt es auch: „Vor ein paar Jahren dachten wir noch aufgrund entsprechender Studien, z.B. zum Thema „Fette“, dass „gesättigte Fette“ sehr ungesund sind; heute „wissen“ wir aufgrund anderer Studien, dass das so nicht stimmt …“ . „Wissen?“ Es ist jeweils der aktuelle Stand der Forschung im Außen, der sich jederzeit wieder ändern kann. Natürlich ist es gut, wenn Forschung sich weiter entwickelt. Aber das heißt eben auch, was wir jetzt glauben, werden wir in einigen Jahren vielleicht schon nicht mehr glauben. Denn wir Menschen „wissen“ längst nicht so viel, wie viele Menschen „glauben“ (sorry, ich liebe solche Wortspielereien…). Ein Grund dafür könnte sein, dass die meisten Menschen heutzutage denken, es wäre klug, äußeren „Fakten“ und Bewertungen von „Experten“ mehr zu trauen, als der inneren Weisheit.

Wissen? Oder Manipulation?

Wünschenswert wäre für mich, wenn von diesen „Experten“ zumindest offen gelegt würde, was sie „wissen“, und was nicht. Wenn sie die Ganzheit des Systems jeweils ebenso im Blick haben würden, wie das Detail. Wenn sie „Weisheit“ genauso gelten lassen würden, wie äußere Messungen. Und wenn sie aufhören würden aus der Tatsache, dass es zu etwas keine Studien gibt, den logisch fehlerhaften Umkehrschluss zu ziehen, dass es das dann auch nicht gebe. Man kann z.B. aus fehlenden Langzeitstudien zu Impfnebenwirkungen nicht den Schluss ziehen, es gebe keine unerwünschten Langzeitwirkungen. Weil es für solche Wirkungen ja keine „Beweise“ gebe. Während man für die Gefährlichkeit von COVID-19 vermutlich bald „Beweise“ präsentieren wird. So etwas sind klassische (interessengeleitete) Zirkelschlüsse, die aber unter Verweis auf den „positivistischen“ Wissenschaftsbegriff bei uns als normal gelten und wenig hinterfragt werden. „Fakt“?

Nur Studien und Statistiken gelten zu lassen, hat für „interessierte Kreise“ den Vorteil, dass sie so anlegen und auslegen lassen können, wie es ihnen gefällt. Wenn sie das entsprechende Geld dazu habe. Sonst eher nicht, denn zu kleine Studien sind natürlich schon wegen der nicht repräsentativen Gruppe immer angreifbar.

Zahlen gelten bei uns gern als unumstößlicher Fakt. Was könnte „objektiver“ sein? Die gleiche Zahl kann allerdings je nachdem, in welchen Zusammenhang ich sie setze – oder eben nicht setze -, eine völlig andere Aussage beinhalten. Auch das sieht man in der Corona-Diskussion deutlich. „Objektiv“?

Geht so heutzutage „Wissenschaft“? Geht es wohlmöglich hauptsächlich darum, mit meinen Studien den Anschein zu erwecken, ich arbeite seriös und „faktenorientiert“?

Dogmatisch

Keine komische „Esoterik“, sondern „echte harte Wissenschaft“! Da glaubt man doch gleich viel mehr dran… . Wie das so ist mit dem „Glauben“ … ;-). Denn tatsächlich scheint mir persönlich das, was heutzutage so als „Wissenschaft“ verkauft wird, oft viel mehr mit Glauben zu tun zu haben, als mit Wissenschaft. Manches scheint gar sehr dogmatisch geworden zu sein. Ich habe im Internet unter „brandeins“ eine schöne Definition dazu gefunden: „Dogmatismus ist ein unselbständiges, von Glaubenslehren – den Dogmen – abhängiges Denken, im sozialpsychologischen Sinne eine Einstellung mit der starken Neigung, Auffassungen, die der eigenen widersprechen, strikt zurückzuweisen, ohne die Fähigkeit zu haben, Informationen anderer für sich selbst zu verwenden.“

Dogmatisches Denken wird von „Wissenschaftsjünger*innen“ gerne „Esoteriker*innen“ unterstellt, die angeblich irgendwelchen Gurus hinterher liefen und deren Glaubenslehren unhinterfragt übernähmen.

Aber, wenn ich mit dem Finger auf andere zeige, zeigen immer vier Finger auf mich selbst… . Die allermeisten „Wissenschaftsjünger*innen“ scheinen mir die Lehren ihrer Gurus (ebenfalls) völlig unhinterfragt zu übernehmen. Gar nicht auf den Gedanken zu kommen, dass vielleicht nicht alles ganz so „wissenschaftlich“ ist, wie es daher zu kommen scheint. Aber sehr empört zu sein, wenn andere diese „Wissenschaftlichkeit“ zu hinterfragen wagen. („Der Mann ist schließlich Virologe, wie können Sie dessen Aussagen in Zweifel ziehen…?“)

Mit dem Label „Fake-News“ wird dann versucht, die Auffassung, die der eigenen widerspricht, als „absichtlich falsch“ zu brandmarken und damit als etwas, woran nur „Dummköpfe“ glauben.

Echte Wissenschaft oder interessengeleitete Überheblichkeit?

Haben „echte“ Wissenschaftler*innen so etwas nötig? Würden „echte“ Wissenschaftler*innen jemals unterstellen, dass nur die eigene Auffassung „richtig“ sein kann? Würden sie nicht eher den Diskurs lieben? Die Blickrichtung von außen, die immer die Chance bietet, die eigene Wahrnehmung zu erweitern? Statt zu versuchen, sich mit vermeintlich unhinterfragbaren Fakten in einer Wagenburg zu verschanzen? Braucht man das? Warum? Warum besteht heutzutage in Wissenschaft, Politik und auch Medien so eine Angst vor dem gleichberechtigten Diskurs?

Meiner Ansicht nach lassen sich Fakten und Fake-News nicht mehr seriös voneinander trennen, sobald ich einen „Fakt“ mit einer Bewertung verbinde, – was nahezu immer der Fall ist. wenn ich dann unterstelle, dass meine Bewertung die einzig Richtige ist und von niemandem in Frage gestellt werden kann, dann wird der Fakt zu Fake-News. So gibt es z.B. in der Maskenfrage wissenschaftliche Versuche unter Laborbedingungen, die für bestimmte Masken zeigen, dass sie die Verbreitung von Tröpfchen und manche sogar von Aerosolen einzudämmen vermögen. Daraus den Schluss zu ziehen, dass ohne Masken die Infektionsrate signifikant steigen würde, ist jedoch unwissenschaftlich, denn für eine Infektion spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. So hat sich nach den Demonstrationen am 1.8. oder am letzten Wochenende sowie bei einer Techno-Boots-Party in diesem Sommer in Berlin gezeigt, dass sich die Infektionsrate nach keiner der Veranstaltungen signifikant oder überhaupt erhöht hatte. Obwohl auf allen diesen Veranstaltungen große Menschenmengen waren, kaum Masken getragen wurden und auch der „Abstand“ nicht immer eingehalten wurde. (Da alle Veranstaltungen im Freien stattfanden, war eine Erhöhung der Infektionsrate aus meiner Sicht auch kaum zu erwarten.) Auch die verbreitete Aussage, dass Deutschland wegen der Maskenpflicht „so gut durch die Krise gekommen sei“, ist durch nichts belegt. Es handelt sich um eine bloße Behauptung, dass zwischen den beiden Fakten (Maskenpflicht und wenig an COVID-19 Verstorbene) eine Kausalität bestünde. Es gibt bei vielen Menschen den Wunsch, dass es da eine Kausalität gibt, weil sie damit das Gefühl haben, etwas „gegen Corona“ tun zu können. Und sie glauben daher gern, dass es sich um einem „Fakt“ handele.

Das, was jemand als Fakt ansieht, ist in aller Regel keine „objektive Wahrheit“, sondern seine Wahrnehmung der Welt. Also seine subjektive Wahrheit. An und für sich ist das bekannt für jede*n, der / die sich für Kognitionswissenschaften interessiert. Leider tun das offenbar die wenigsten Politiker*innen und Journalist*innen.

Was hindert, die Wahrnehmungen anderer Menschen, einfach stehen zu lassen? Warum werden die Leute mit der anderen Ansicht bekämpft und versucht, sie „zu bekehren“? Oder, wenn sie die „Bekehrung“ nicht zulassen, sie in die Ecke zu drängen? Ihnen symbolisch einen „Aluhut“ aufzusetzen mit der Absicht, sie so als „dumm“ zu erniedrigen?

Aus meiner Sicht gibt es dafür nur eine Erklärung: Weil es nämlich „in Wahrheit“ auch bei den „Verleihern“ des Aluhuts, den „Faktencheckern“ und denen, die so gerne mit dem Label der „Verschwörungstheoretiker*innen“ bei der Hand sind, um Gefühle geht. Und gerade nicht um Fakten. Es geht meines Erachtens um Angst und Irritation:

Esoteriker*innen“ im Wortsinn, also Menschen, die vor allem auf die eigene innere Wahrnehmung hören, irritieren in einer Welt, die die äußere Sicherheit „eindeutiger Fakten“ braucht. In einer Welt, die „gut“ und „böse“ eindeutig unterscheiden können möchte. Die „das Böse“ im Außen bekämpfen möchte – und nicht im eigenen Innern.

Leute, die nicht so richtig in irgendeine Schublade passen, die mehr auf ihre Gefühle und ihre innere Stimme hören, als auf das, was man ihnen sagt, scheinen wie ein störender Stachel zu wirken in dieser Gesellschaft.

Zumindest, solange der größte Teil dieser Gesellschaft wenig Zugang zu den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen hat. Und deshalb bereitwillig den äußeren Vorgaben folgt.

Ich persönlich bin jemand, die noch übt mit dem Zugang zu den eigenen Gefühlen. Aber durchaus schon jetzt am liebsten auf die eigene innere Stimme hört. Das gilt für die Ernährung ebenso wie für die Medizin und erst recht für Impfungen!

Denn das mit den „Fakten“, das erscheint mir persönlich leider viel zu manipulierbar. Natürlich sind auch Gefühle manipulierbar. Bei Angst geschieht das (nicht nur derzeit) in großem Stil. Häufig werden für diese Manipulation angebliche „Fakten“ genutzt. Auch bei Wut oder Hass geht das. Diese Manipulation ist aber nur möglich bei Menschen, deren Wahrnehmung im Wesentlichen nach außen gerichtet ist, die „Gurus“ oder „Experten“ brauchen, die ihnen sagen, was „richtig“ und was „falsch“ sei.

Ist das das eigentliche Problem? Das plötzlich immer mehr Menschen auftauchen, die ihrer eigenen Wahrnehmung folgen? Und sich nicht mehr so viel von außen sagen lassen? „Unverbesserlich“ sind? (Diesen Ausdruck des Berliner Bürgermeisters fand ich sehr vielsagend … .)

Wer Zugang zur eigenen (Körper-)Weisheit hat, braucht keine Ernährungsstudien. Und vermutlich auch keine Impfung gegen COVID-19. Er muss sich nicht sagen lassen, welchen „Fakten“-Bewertungen er zu glauben hat, und welchen nicht. Er traut sich, der eigenen inneren Bewertung zu folgen.

Fakt? Oder Fake-News? Selbst schon die Auswahl, wie oft ein „Fakt“ (wie z.B. ein Video) gezeigt wird, und welche „Fakten“ überhaupt gezeigt werden, und welche nicht, sind Bewertungen. Und als solche wirken sie manipulativ.

Die problematischen Fake-News, das sind für mich deshalb nicht die eindeutigen „Falschaussagen“, Theorien von „Echsenmenschen“, oder was auch immer es da gibt. Da ist für mich unmittelbar erkennbar, ob ich das nachvollziehbar finde, oder nicht. Problematisch finde ich die Aussagen, die so tun, als seien sie faktenbasiert und wissenschaftlich und unzweifelhaft „richtig“, mir unter diesem Mantel aber im Grunde nur eine bestimmte Bewertung „verkaufen“ wollen. Meine Wahrnehmung in eine bestimmte Richtung drängen wollen. Denn da brauche ich Zeit, die Möglichkeit zum Nachdenken und oft auch etwas Hintergrundwissen, um zu erkennen, dass man die Sache vielleicht auch ganz anders sehen könnte.

Echte Wissenschaft heißt für mich deshalb Fragen zuzulassen. Alles immer und immer wieder auch selbst zu hinterfragen. Ein*e echte*r Wissenschaftler*in wird für mich skeptisch, wenn jemand etwas als „unumstößlichen Fakt“ darstellt. Und echte Wissenschaft ist für mich kein Gegensatz zu Esoterik. Warum denn?

Dieses Bedürfnis, Menschen in „gut“ und „böse“, „vernünftig“ und „unvernünftig“, „klug“ und „dumm“, „wissenschaftlich faktenorientiert“ und „esoterisch verschwörungstheoretisch“ zu trennen, das Politik und Medien zu haben scheinen, halte ich für fatal. Solche Entwertungen anderer Menschen haben schon viel Leid auf dieser Welt hervor gebracht. Und sie erscheinen mir so unnötig!

Kleine Kügelchen und große doppelt blinde Studien

Künstlerin: Dörte Müller

Es ist aus meiner Sicht auffällig, dass Menschen, die starke „Impfgläubige“ sind (vgl. hierzu meinen Beitrag „Ein kleiner Pieks …“), meist gleichzeitig als vehemente Gegner/innen der Homöopathie auftreten.

Das ist allerdings auch nicht besonders verwunderlich, denn es handelt sich um Menschen, die einer dualistischen materialistischen Weltsicht folgen, wie es vor nicht allzu langer Zeit als „wissenschaftlich“ galt. Inzwischen gibt es in der Physik vielfache Theorien zu neuen Weltbildern, die allerdings noch nicht gesichert sind. Nur eines scheint ziemlich eindeutig: Das materialistische Weltbild, das die letzten Jahrhunderte bei uns vorherrschte, stimmt so nicht. Gerade weil sich das immer deutlicher zeigt, scheinen die Anhänger dieser alten Sicht jedoch immer härtere Bandagen anzuziehen. Immer häufiger stellt sich jemand in den Medien hin, bezeichnet Homöopathie als „nachgewiesenermaßen unwissenschaftlich“ oder gar als „Abzocke“ und die Anhänger/innen dieser Methode als naiv.

Die Begründungen dieser Kritiker/innen möchte ich mir im Folgenden mal etwas genauer anschauen:

Für Menschen mit einer materialistischen Weltsicht sind „randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudien“ DER Goldstandard in der Medizin.

Diese Weltsicht geht davon aus, dass Menschen „in der Standardeinstellung“ alle gleichartig funktionieren. Dass die verschiedenen körperlichen „Bauteile“ gegeneinander abgegrenzt und abgrenzbar sind, man also wie bei einer Maschine defekte Teile nur austauschen brauche oder auf chemische Weise wieder in Gang setzen könne.

Diese Weltsicht sieht Menschen als Objekte. Sie interessiert sich nicht für die Ursachen einer Erkrankung, sondern sieht den Zweck der Medizin im Wesentlichen darin, störende Symptome zu beseitigen. Anders können Doppelblindstudien nicht funktionieren, denn Ursachen sind sehr individuell und können sehr unterschiedlich sein. Nur Symptome sind vergleichbar. Da Doppelblindstudien ausreichend große Vergleichsgruppen voraussetzen, kann es nur um Symptome gehen.

Diese Weltsicht blendet das Bewusstsein des Menschen aus, da sie es als zu vernachlässigen ansieht. Der Placebo-Effekt, also die Heilung allein über das Bewusstsein, wird zu etwas Minderwertigem, potentiell eher Störendem in dieser Weltsicht. Denn in dieser Weltsicht kann nur heilen, was einen (nachweisbaren) Wirkstoff besitzt.

Bereits hier zeigt sich: Etwas an dieser Weltsicht kann nicht stimmen, denn der Placebo-Effekt existiert nun einmal. Es gibt keinen einzigen (biochemischen) Wirkstoff auf dieser Welt, auf den mehr Heilungen oder Linderungen zurück geführt werden könnten, als auf den Placebo-Effekt. Der Placebo-Effekt ist mit sehr sehr weitem Abstand das mächtigste „Heilmittel“ dieser Welt, im Grunde sogar das Einzige, denn auch das tollste Medikament wird nicht wirklich helfen, wenn jemand absolut überzeugt ist, dass er an einer Krankheit sterben wird. Dazu ist der Placebo-Effekt auch noch das kostengünstigste Heilmittel der Welt.

Man könnte denken, das wäre ein Grund dafür, in der Medizin in allererster Linie auf dieses Heilmittel zu setzen: Das Mächtigste und das kostengünstigste der Welt. Für jeden Gesundheitspolitiker müsste das doch der absolute Jackpot sein.

Aber nein!

Ganz im Gegenteil scheinen diese Tatsachen irgendwie zu stören. Deshalb wird der Placebo-Effekt gerne mit dem Wort „nur“ versehen. Das war „nur“ der Placebo-Effekt, wenn bei einer „nicht anerkannten“ Therapie Heilerfolge sichtbar sind. Viele Menschen denken, der Placebo-Effekt sei etwas Minderwertiges, etwas für leicht zu beeindruckende Naivlinge, die auf ein Scheinmedikament „hereinfallen“ – und wollen selbstverständlich für sich das Medikament mit dem „echten Wirkstoff“. (Es erinnert mich ein wenig an „Markenware“, die ihren vermeintlich höheren Wert durch Marketing erhalten hat – und nur deshalb begehrter ist. Für den „echten Wirkstoff“ gibt es eben eindeutig mehr Marketing, als für das Placebo …)

Tja. Ich persönlich habe eine andere Weltsicht. Für mich sind Menschen mit einem Bewusstsein ausgestattete Subjekte und keine Objekte. Das Bewusstsein spielt in meiner Weltsicht sogar die Hauptrolle. Heilung geschieht für mich über das Bewusstsein. Ich möchte keine Symptomunterdrückung, sondern Heilung von einer Erkrankung. Dafür muss ich mich auf die Ursachensuche begeben, die sehr individuell ist. Mein Körper besteht für mich auch nicht in erster Linie aus voneinander abgrenzbaren „Bauteilen“, sondern ist gemeinsam mit meinem Bewusstsein ein Gesamtsystem. Ein Gesamtkunstwerk, in dem alles mit allem verbunden ist.

Doppelblindstudien sind für meine Weltsicht keineswegs „Goldstandard“, sondern ein für medizinische Zwecke eher ungeeignetes Instrument, das nur in bestimmten Fällen ein interessantes Hilfsmittel darstellt. Ein Hilfsmittel. Mehr nicht. „Goldstandard“ ist für mich die Heilung. Was sonst?

Und damit komme ich zu den „kleinen Kügelchen“ (oder Tropfen): Die Homöopathie ist in meiner Weltsicht insofern eine der fortschrittlichsten Heilmethoden, weil ihr Begründer Hahnemann bereits damals intuitiv geahnt zu haben scheint, dass unser Universum (und damit auch wir) auf Information beruht. Das ist eine Hypothese, die die moderne Physik mehr und mehr zu bestätigen scheint und kann daher aus meiner Sicht als äußerst moderner Ansatz gelten.

Es geht in der Homöopathie nicht darum, ob ein biochemischer Wirkstoff in einem Kügelchen nachweisbar ist, sondern um die (physikalische) Information, die dieses Kügelchen meinem erkrankten System möglicherweise gibt.

„Wissenschaftliche Studien“, die behaupten, Homöopathie könne deshalb nicht wirken, WEIL sie keinen biochemisch nachweisbaren Wirkstoff enthält, unterliegen einem klassischen Zirkelschluss: Wenn ich überzeugt bin, dass nur helfen könne, was einen „Wirkstoff“ enthält, MUSS ich zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, dass etwas, das keinen Wirkstoff enthält, auch nicht hilft. Eine solche „Studie“ sagt etwas über die Weltsicht der Studienleitung, aber nichts über die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit der Homöopathie. Sie „schafft“ nicht etwa „Wissen“, sondern stützt sich auf vorgefasste einseitige Meinungen und ist damit im Grunde wertlos.

Homöopathie ist, wenn man sie kunstgerecht ausführt, nicht symptomorientiert, sondern versucht, die Ursachen der Erkrankung zu ergründen und dann darauf aufbauend einen Heilimpuls zu setzen. Eine solche vollkommen individuelle Heilkunst ist Doppelblindstudien nicht zugänglich. Das gilt auch für viele Bereiche der TCM oder des Ayurveda. Diese Heilkünste sind zutiefst individuell. Sie schauen sich den gesamten Menschen inklusive seiner Umwelt, seiner Gewohnheiten, seiner Ernährung etc. an, bevor sie eine Intervention vornehmen. Eine gleiche Behandlungen nur wegen der vordergründigen Gleichartigkeit des Symptoms ohne näheres Ansehen der Person wäre in all diesen Systemen ein grober ärztlicher Fehler. Echte Heilung ist ein sehr subjektiver Vorgang. Diesen „objektiv“ messen zu wollen, aus meiner Sicht eine Sackgasse, die einem vieles verbauen kann. Und die Menschen letztlich entmenschlicht, weil sie sie zu Objekten degradiert.

Gute Homöopathie ist schwierig. Man braucht für die Anamnese sehr gute Menschenkenntnis (auch von sich selbst) und psychologisches Geschick. Und ich würde mich auch nicht dafür verbürgen, dass die vielfach sichtbaren Erfolge der Homöopathie zwingend über den Placebo-Effekt hinausgehen. Aber: Selbst wenn die Homöopathie „nur“ ein Mittel wäre, das den Placebo-Effekt wirksam werden lässt – ohne jegliche schädliche Wirkung und mit geringen Kosten: Was könnte es Besseres geben?

Und was könnte es für einen Grund geben, Homöopathie zu bekämpfen von Seiten einiger Gesundheitspolitiker und verstärkt auch von Seiten der Medien???!

Ja, ich weiß: Wir haben das Bezahlsystem in unserem Gesundheitswesen auf Doppelblindstudien aufgebaut, es wirkte so schön objektiv und gerecht. Aber vielleicht lag genau hier ein Denkfehler? Vielleicht wäre es viel gerechter, heilungsfördernder und gesünder, z.B. menschliche Zuwendung besser zu bezahlen, statt doppelblind getesteter Medikamente???! Vielleicht sollten wir unser gesamtes Bezahlsystem im Gesundheitswesen einmal auf den Prüfstand stellen?

Und dann könnte man als Gesundheitspolitiker vielleicht auch einem „Siegeszug“ kleiner Zucker-Kügelchen ganz entspannt entgegen sehen … .

Schwarz / Weiß

Ein philosophischer Artikel…

Künstlerin: Dörte Müller

Schwarz oder Weiß. Besser oder schlechter. Klug oder dumm. Dick oder dünn. Sportlich oder unsportlich. Gesund oder „behindert“. „Hässlich“ oder hübsch. Ordentlich oder „schlampig“. Reich oder arm.

Physische Mauern und psychisches „Mobbing“: Brauchen Menschen wirklich die Abgrenzung zu anderen? Das „Gegeneinander“ anstelle eines Miteinanders? Das Bewerten und Abwerten? Oft auch das innerliche Sichselbstabwerten?

Ich sehne mich eigentlich schon mein Leben lang nach einem Miteinander, nach vollkommener Harmonie – und neige trotzdem dazu, andere Menschen zu bewerten. Mich selbst natürlich ohnehin. Wieso tue ich das eigentlich?

Ich sehe entsetzt, dass Menschen sich nach ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder gar ihrer Nation bewerten. Und Menschen, die jeweils anders sind, abwerten. Das erscheint mir absurd. Schließlich hat jeder Mensch eine ganz eigene individuelle Hautfarbe, die Nation ist mehr oder weniger Zufall, und die Religion meist einfach von den Eltern übernommen. Besonders merkwürdig ist das Gegeneinander bei den drei großen monotheistischen Religionen, die doch eigentlich alle an denselben Gott glauben, aber teilweise meinen, ihr „Glaube“ sei „besser“, als ein anderer. Die „Heiligen Schriften“ werden dabei nicht auf eine Harmonie stiftende Art ausgelegt, sondern „Gott“ werden sehr menschliche (männliche) Eigenarten zugeschrieben: Wie Rachsucht, unbedingten Gehorsam erwartend, Menschen in „besser“ und „schlechter“ einteilend, Männer als „Premiummodell“ (und der weiblichen Hälfte der Bevölkerung als überlegen) ansehend.

Abgrenzung ist ein Mittel der Identitätsstiftung, so heißt es in der Psychologie. Manche nehmen dazu ihren Fußballverein, andere gleich die ganze Nation.

Bei mir sind es meine Meinungen und Ansichten, mit denen ich mich von anderen abzugrenzen suche. Und das ist nicht nur bei mir so. In nahezu jeder Kabarettsendung kann ich beobachten, wie Menschen mit „anderen Ansichten“ pauschal herabgewürdigt werden. Der „Aluhut“ (eine Art „Anti-Auszeichnung“) ist für mich geradezu ein Synonym dafür geworden, wie Menschen mit einer rein materialistisch „wissenschaftlichen“ Ansicht versuchen, Menschen mit vollständig anderen Ansichten lächerlich zu machen. Natürlich scheint es wirklich manch krude Meinung zu geben. Na und? Die rein materialistische Ansicht ist mit der physikalischen Forschung der letzten hundert Jahre schon lange nicht mehr so ganz vereinbar. Wo ist also das Recht ihrer Anhänger, sich über andere Ansichten lustig zu machen? Der Gegensatz „Wissenschaft“ – „Esoterik“ ist längst veraltet, denn viele neuere wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen uralte „esoterische“ Weisheiten. Es gibt daher auch immer mehr Physiker, die zeigen, dass Wissenschaft und Spiritualität vereinbar sein können. Das ist allerdings im sogenannten „Mainstream“ noch nicht wirklich angekommen, weil es nicht zu dem dortigen Weltbild passt.

Wir leben in einer Welt der Dualität: 0 oder 1. Richtig oder falsch. Schwarz oder weiß. Männlich oder weiblich. Yin oder Yang. Aber: Schon bei „männlich“ oder „weiblich“ zeigt sich deutlich, dass es Zwischentöne gibt. „Richtig“ oder „Falsch“ ist immer eine Frage der subjektiven Wahrnehmung und Bewertung. Das mit den „objektiven Fakten“ ist so eine Sache… . erst recht in einem Universum, von dem für uns 95 % buchstäblich im „Dunkeln“ liegen. Wir also nur 5 % unserer Umgebung (und damit auch von uns selbst) bisher halbwegs verstehen. Vielleicht ist das mit der Dualität zu einfach gedacht. Unserem Wunsch entsprungen, uns abzugrenzen.

Wenn wir lernen würden, Zwischentöne zuzulassen, bräuchten wir keine „Experten“ mehr, die uns erklären, was ihrer Ansicht nach „richtig“ oder „falsch“ ist. Es ist das, was mich an unseren heutigen Medien und an der Politik am meisten aufregt: Ich habe das Gefühl, mir soll vorgegeben werden, was ich für „richtig“ oder „falsch“ zu halten habe. Und solche Vorgaben, die halte ich tatsächlich für falsch. Warum sollte ich mir die Wahrnehmung irgendeines anderen Menschen zu eigen machen, wenn sie meiner eigenen Wahrnehmung nicht entspricht?

Ich liebe das chinesische Yin-/Yang-Symbol: Ja, es gibt Unterschiede (0 und 1…), aber diese ergänzen sich zu perfekter Harmonie. Keiner ist „besser“ oder „schlechter“, „wertvoller“ oder „minderwertiger“. Schwarz ist genauso gut wie weiß und im Grunde genommen ist beides bunt.

Wir haben auf dieser Welt seit langem eine starke Überbewertung des Yang: Aktivität zählt mehr, als Muße. Konkurrenz deutlich mehr, als Kooperation. Technik deutlich mehr als Natur. Der sogenannte „Verstand“ mehr als Gefühle. Letzteres ist vermutlich eines der Hauptmissverständnisse unserer Zeit (jedenfalls aus meiner Sicht): Bewusstseinsforscher gehen davon aus, dass der Mensch zu rund 95 % von seinem Unterbewusstsein gesteuert wird (für mich ist es kein Zufall, dass die Zahl identisch ist mit dem, was Kosmologen und Physiker als den für uns nicht sichtbaren Anteil des Universums identifiziert haben). Also letztlich von seinen Gefühlen. Zu 95 %! Unser Verstand kontrolliert unsere Gefühle nicht, sondern unsere Gefühle steuern, was wir wahrnehmen und entscheiden.

Und ja, das ist vielleicht das, was uns Menschen wirklich ausmacht, was uns unsere Identität gibt: Unsere Gefühle. Angst, Wut, vielleicht auch Trauer. Die darunter liegende Sehnsucht nach Liebe. Solange wir das für „Schwächen“ halten, und möglichst „stark“ sein wollen, suchen wir Menschen unsere Identität vermutlich in der Abgrenzung nach außen. Und denken, es könnte ein irgendwie erstrebenswertes Ziel sein, „to make America (oder was oder wen auch immer) great again“.