Demonstrationen gegen „Corona-Regeln“ und andere „Ungeheuer“lichkeiten

Mal in den Schuhen der anderen laufen … oder auch mal barfuß…? Künstlerin: Dörte Müller

In meinen Beiträgen „Die Welt ist eine sichere, oder…?“ und „November“ hatte ich es bereits anklingen lassen: Aus meiner Sicht leidet diese Welt unter einem „überschießenden Yang“. Einer völligen Überbetonung des „männlichen Elements“. Yang sieht überall Bedrohungen von außen. Gegner. „Ungeheuer“. Yang steht für Abgrenzung, Ausgrenzung, Krieg und Kampf. Für Härte und Strenge. Stärke und Machtdemonstration. Vernichtung des Gegners, auch wenn man dabei Kollateralschäden in Kauf nehmen muss.

So führen wir jetzt seit Monaten „Krieg“ gegen einen Virus. Und jede Person, die diesen „Krieg“ für übertrieben hält, wird gleich mit zum Gegner und ebenfalls bekämpft.

Letztes Wochenende gab es in Berlin eine größere Demo, deren Teilnehmer*innen deutlich machten, dass sie dieses Virus als für uns Menschen nicht ganz so bedrohlich ansehen. Die Empörung in Medien und Politik war riesig. Von allen Seiten wurden „harte Strafen“ gefordert. Auch dafür steht Yang.

Einfach mal ein Stück in den Schuhen der anderen laufen, also sich in deren Perspektive begeben, das ist dem Yang fremd. Barfuß, also versuchen, gar nicht zu urteilen / zu verurteilen, erst recht. Die Leute haben sich nicht an „die Regeln gehalten“, also sind sie zu bestrafen. Punkt. Gerade in Berlin sieht man es mit vielen Regeln sonst nicht immer ganz so eng. Aber bei Corona-Regeln, da gibt es kein Pardon.

Nun gibt es zugegebenermaßen ein zusätzliches Problem: Bei diesen Demos laufen anscheinend auch teilweise einige Menschen mit, die eine nationalistische Gesinnung zur Schau tragen.

Nationalismus (und auch Patriotismus) ist aus meiner Sicht komplett überschießendes Yang. Weil er Menschen bewertet, und Menschen der eigenen Nation für wertvoller hält, als Menschen anderer Herkunft. Weil er ausgrenzt. „Gegner“ im Außen zu brauchen scheint, die dann bekämpft werden. Ich halte so etwas für einen Irrweg.

Allerdings finde ich die mediale Reaktion darauf ebenfalls irgendwie merkwürdig. Da stellt sich eine*r nach dem oder der anderen in den Medien hin, zeigt mit den Fingern auf diese Leute und sagt mit großer Vehemenz und Verachtung: „Pfui, die sind böse!“ Und alle anderen Demonstrant*innen ebenfalls, weil sie sich nicht „abgegrenzt“ und diese Leute der Demonstration verwiesen hätten, was das Mindeste gewesen sei. Nun wäre es wahrscheinlich nicht so einfach gewesen, „diese Leute“ der Demonstration zu verweisen. Aber davon unabhängig stellt sich für mich noch eine andere Frage.

Die interviewten Politiker*innen und Journalist*innen scheinen es für ihre moralische Pflicht zu halten, diese Menschen als „böse“ zu bezeichnen. Abgrenzung, Ausgrenzung, „klare Kante gegen rechts“ gilt bei uns automatisch als gut und ganz wichtig. Das ist aufgrund der Gräueltaten von Nazis im 2. Weltkrieg verständlich und in Deutschland ein entsprechend schwieriges Thema.

Gerade, weil ich kein Fan rechtsnationalen Gedankenguts bin, möchte ich dieses Thema trotzdem aufwerfen. Weil ich mir nicht so sicher bin, dass das pauschale Ausgrenzen von Menschen die Beste aller Herangehensweise ist. Sich von Meinungen und Verhaltensweise abgrenzen, die man für eindeutig falsch hält, ja! Aber den ganzen Menschen ausgrenzen?

Bin ich denn wirklich moralisch höher stehender (als „die“), wenn ich ja letztlich ebenfalls andere Menschen als „böse“ bezeichne und ausgrenze? In dem Fall schon, weil ja klar ist, dass „solche Leute“ „böse“ sind? Durch und durch? Ich habe das auch lange gedacht und geäußert, aber inzwischen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob mir dieses Urteil wirklich zusteht. Wenn ich Menschen, die ich nicht einmal kenne, ausgrenze und als durch und durch „böse“ herabwürdige mit der Begründung, dass diese andere Menschen ausgrenzen und herabwürdigen, schaue ich da nicht einfach nur in einen Spiegel?

Und vor allem: Glaubt wirklich irgendjemand, er oder sie würde auch nur eine*n Rechtsradikale*n „bekehren“, indem er oder sie mit dem Finger auf diese Person zeigt und ruft „Böse!“? Besteht nicht eher die Gefahr, dass genau das Gegenteil passiert, sich Strukturen verfestigen? Dass man Menschen, die sich ohnehin schon als außerhalb der (Mehrheits-)Gesellschaft stehend und unverstanden wahrnehmen, erst recht in diese Ecke drängt? Müsste man Menschen, die sich „verirrt“ zu haben scheinen, nicht gerade ganz anders begegnen, wenn man Rechtsradikalismus wirklich eindämmen möchte? Sich viel mehr die Ursachen anschauen?

Ähnlich wie bei Erkrankungen des menschlichen Körpers, bin ich auch bei gesellschaftlichen Erkrankungen sehr dafür, nicht nur Symptome zu unterdrücken und zu bekämpfen, sondern Ursachen zu suchen, damit Körper bzw. Gesellschaft wirklich heilen können. Und dann bräuchte man auch nicht mehr so viel Angst vor einem Wiederaufflammen zu haben.

Natürlich kann ich Meinungen und Verhaltensweisen anderer Menschen teilweise „unerträglich“ finden. Und das auch sagen. Aber ich muss sie ja auch nicht „tragen“. Nicht einmal, wenn dieser Mensch zufällig mit mir in der gleichen Demonstration herumlaufen sollte, es in dieser Demonstration aber um ein ganz anderes Thema geht. (Normalerweise werden z.B. in 1. Mai-Demonstrationen all die friedlich Demonstrierenden auch nicht für möglicherweise mitlaufende Leute „des schwarzen Blocks“ und deren eventuelle Straftaten verantwortlich gemacht.)

Ich halte es für sehr wichtig, sich dagegen zu wehren, wenn jemand versucht, mir oder anderen seine radikale Gesinnung aufzuzwingen, mit dem Anspruch, dass ich diese zu teilen haben. Straftaten aus dem radikalen Milieu („rechts“ aber auch „links“) erheben ja oftmals diesen Anspruch, angeblich für „eine gerechte Sache zu kämpfen“. Was doch jede*r teilen müsse. Nein, ich teile das nicht! Ich finde solche Straftaten schlimm!

Ich mag es generell nicht, wenn jemand mir seine oder ihre Meinung aufzwingen möchte. Ich diese „mitzutragen“ habe. Was Meinungen und fremde Wahrnehmungen angeht, bin ich sehr Yang. Da halte ich es für wichtig, meine eigenen Grenzen zu verteidigen. Möglichst aber ohne den Menschen, der die andere Meinung hat, deswegen zu verurteilen und zu bekämpfen. Da versuche ich zumindest, Yin zu sein. (Auch, wenn das nicht immer klappt.)

Und das gilt auch gegenüber Politik und Medien. Auch deren Meinung möchte ich mir nicht aufzwingen lassen (ohne deshalb die dort arbeitenden Leute zu bekämpfen oder zu bespucken). Den Anspruch der öffentlich rechtlichen Medien, dass jeder „vernünftige“ Mensch die dort vertretenen Meinungen zu teilen habe, halte ich für vermessen. Ich „trage“ meine eigene Meinung und Wahrnehmung von der Welt.

Und meine Meinung bezüglich des Corona-Virus ist, dass die Bedeutung, die diesem durch Lock-down, „Corona-Regeln“ und tägliche Berichterstattung für unser Leben gegeben wurde und wird, weit überdimensioniert und in dieser „überschießenden“ Form für uns sehr schädlich ist.

Dafür halte ich das, was uns überall als „DER RETTER“ präsentiert wird, für sehr viel problematischer, als es gemeinhin dargestellt wird: Ein vermutlich in Windeseile durchgepeitschter „neuartiger“ Impfstoff, dessen Nebenwirkungen und Langzeitwirkungen auf das Immunsystem der Geimpften in keinster Weise absehbar sind (vgl. hierzu auch meinen Beitrag „Ein kleiner Pieks…„).

Selbstverständlich muss niemand meine Meinung teilen. Aber von öffentlich rechtlichen Medien, die sich auch nur einen Hauch des Anspruchs auf „neutrale“ Berichterstattung bewahrt haben, würde ich schon erwarten, dass sie sich auch nicht verteufeln…. . Ein wenig mehr Yin gerade auch in Politik und Medien täte dieser Welt gut, finde ich …. !

Hierarchie der Ängste – Angst vor Corona als erwünschtes Vorbild?

Das Unterbewusstsein und die Wellen … ; Künstlerin: Dörte Müller

In den letzten Jahren gab es zwei Sorten von Ängsten, über die bei uns sehr viel geredet und geschrieben wurde / wird: Die Angst vor Fremden (Migranten / Flüchtlingen) und die Angst vor Corona.

Vor fünf Jahren war oft von „Flüchtlingsströmen“ die Rede. „Flüchtlingswellen“, die uns „überrollen“ und uns gefährlich werden. Es wurden „Obergrenzen“ diskutiert. Und viele Menschen hatten Angst.

Seit gut sechs Monaten findet nunmehr in Politik und Medien eigentlich nichts anderes mehr statt, als Corona. Jeden einzelnen Tag gibt es eine neue Welle. Also nicht eine Welle im Sinne stark erhöhter Infektionszahlen, sondern eine mediale Welle. Und was für eine … .

Ich persönlich habe im Allgemeinen keine Angst vor Fremden. Ich bin früher, als ich noch fitter war, gerne gereist, weil ich fremde Kulturen spannend finde. Ich habe auch keine Angst vor Viren. Weder den Masern noch Covid 19.

Aber ich verstehe, dass das bei vielen Menschen anders ist:

Fremde, die plötzlich in großer Anzahl im „eigenen“ Land auftauchten, verheißten im Laufe der Menschheitsgeschichte selten bis nie etwas Gutes. Die schlechten Erfahrungen, die gemacht wurden (vielleicht auch von den eigenen Vorfahren gemacht wurden), sind im kollektiven Menschheitsgedächtnis abgespeichert. Fast bei allen Menschen überall auf der Welt gibt es daher eine latente Angst und ein Gefühl von Unwohlsein, wenn plötzlich ganz viele Fremde dort ankommen. Erst, wenn man diese Fremden kennen gelernt hat, sie einem also nicht mehr wirklich „fremd“ sind, hat diese Angst eine Chance, sich zu verlieren.

Auch die Angst vor Infektionen ist im kollektiven Menschheitsgedächtnis abgespeichert. Es gab eben immer mal wieder Infektionswellen, denen eine große Anzahl Menschen zum Opfer gefallen ist. Meist in Zeiten, in denen ohnehin aufgrund von Kriegen, Hungersnöten, verseuchtem Trinkwasser und mangelnder Möglichkeiten für persönliche Hygiene, das natürliche Gleichgewicht in Mensch und Umwelt völlig aus dem Tritt geraten war. Diese Angst hätte vermutlich eine Chance, sich zu verlieren, wenn wir Menschen am Gleichgewicht in uns und um uns herum arbeiten würden.

Das tun wir nicht. Natürlich nicht.

Mir erscheinen beide Ängste in gewisser Weise ähnlich. Aber merkwürdigerweise bekommen wir inzwischen einen deutlichen Wertunterschied zwischen den beiden genannten Ängsten vermittelt:

Menschen mit Angst vor Fremden gelten in Deutschland als irgendwie dubios. Wer diese Angst zu laut äußert, läuft Gefahr, als „rechts“ und „intolerant“ beschimpft zu werden. So, als würden die Schimpfenden erwarten, dass man seine Angst wie einen Mantel einfach ablegen könne und das jetzt gefälligst mal tun solle.

Ich habe eine Menge Ängste, die ich gerne los würde. Leider funktioniert das mit dem Ablegen wie einen Mantel nicht … . Und dabei ist es natürlich völlig egal, ob eine Angst „objektiv gerechtfertigt“ ist, oder nicht. Ängste sind nicht „objektiv“ und auch nicht „rational“ und es hilft herzlich wenig, ihnen so begegnen zu wollen. Wer das denkt, hat von der Natur der Angst wenig verstanden. Ängste haben etwas mit unserem Unterbewusstsein zu tun. Sie sprechen besonders auf emotionsgeladene Bilder an, die sich unserem Unterbewusstsein einprägen. Auch häufige Wiederholung prägt sich natürlich ein und ist ein gutes Mittel, um Ängste weiter zu schüren und zu vergrößern. Ein emotional erzähltes persönliches Schicksal, mit dem wir in Resonanz gehen können. All das wirkt angstverstärkend. Es handelt sich im Grunde um eine Form von Massenhypnose, wie sie bei uns selbstverständlich geworden ist.

Ängste haben in unserer Gesellschaft dennoch normalerweise ein eher schlechtes Image. Angst steht einem strahlenden Erfolg, wie er bei uns als erstrebenswert gilt, tendenziell entgegen. Man solle Ängste also möglichst „loslassen“. Viele Menschen scheinen zu denken, es wäre eine Willensentscheidung, ob man Angst hat, oder nicht.

Nur bei Corona, da ist alles ganz anders. Da hat die Angst plötzlich ein vorzügliches Image. Und man soll sie auch unter keinen Umständen „loslassen“. Da gilt es als rational und vernünftig, so viel Angst, wie nur irgend möglich zu haben. Da werden jeden Tag Bilder gezeigt, die diese Angst immer fester im Unterbewusstsein untermauern sollen. Bilder von überfüllten Krankenhäusern, Friedhöfen bis hin zu Sargträgern, die in voller Schutzmontur einen Sarg zum Friedhof tragen: Ein Virus, das so gefährlich und heimtückisch ist, dass es noch aus dem Sarg krabbeln könnte …, so scheint es suggeriert zu werden.

Menschen, die ohnehin latente Angst vor Infektionen haben, werden so jeden Tag neu angetriggert. Sie besprühen alles Mögliche und Unmögliche mit Desinfektionsmitteln, waschen sich tausendmal die Hände, tragen Masken und Visiere – und empören sich über jede Person, die keine Angst hat. Sie sehen diese Menschen als Gefahr für sich an. So werden Menschen zu Gegnern. Stellvertretend für das unsichtbare Virus.

Und auch das wird jeden Tag in den Medien geschürt: Feiernde Jugendliche ohne Abstand und Maske?! Das muss bestraft werden! So hart, wie möglich! Überhaupt müsse viel mehr kontrolliert werden.

Abstand und Maske werden zur höchsten Staatsbürgerpflicht. Politiker*innen und Journalist*innen, die Videoüberwachungen in sogenannten kriminalitätsgefährdeten Standorten früher kritisch kommentiert haben, werden zu Kontrollfreaks, die ständige Polizeipräsenz fordern, damit jeder Verstoß gegen „Corona-Regeln“ geahndet werde. „Was denken die sich denn?! Sehen die keine Nachrichten?“ empört sich die Berliner Gesundheitssenatorin über die Feiernden. Genau! Es ist ein Virus, das in weiten Teilen (nur) in den Nachrichten und sonstigen Medien stattfindet. Wie in einer Art Parallelrealität. Selbst für mich. Obwohl ich ja schon „positiv“ war. Ohne diesen alles entscheidenden Test wäre ich eben einfach davon ausgegangen, mir irgendeinen „normalen“ Infekt eingefangen zu haben, wie es schon mal passiert, wenn man aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ich war dann eigentlich ganz zufrieden, dass der Test „positiv“ war, denn das hieß, dass mich dieser ganze Hype von jetzt an überhaupt gar nichts mehr anginge. Was sollte ein besserer Schutz sein, als eine durchgemachte Infektion? Dachte ich, aber da habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Bei Corona müsse zunächst ein „zuverlässiger“ Antikörpertest her. Die derzeitigen seien nicht „zuverlässig“. Also für die Impfstudien natürlich schon, sonst könnte man die schlecht durchführen. Aber ansonsten völlig unzuverlässig. Und eine durchgemachte Infektion? Ja, die schützt, natürlich, normalerweise, klar, aber bei Corona…? Da warten wir dann doch besser auf die Impfung, denn DA ist der Schutz dann natürlich erwiesen… (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …).

Bei Corona zähle ich plötzlich zu den „Bösen“, weil ich keine Angst habe. Obwohl ich Corona schon hatte, werde ich selbstverständlich nicht von diesen tollen Regeln ausgenommen. Damit könnte ich ja ein schlechtes Vorbild abgeben. Und die Angst, die Angst scheint auf gar keinen Fall abnehmen zu dürfen. Sie nimmt ja automatisch ab, wenn man „den Gegner“ kennt. Und Menschen, die die Erkrankung bereits hatten, sehen diesen „Gegner“ nicht mehr unbedingt als besonders gefährlich an.

Letztens gab es in den Nachrichten eine Zahl, die ich sehr interessant fand. Insbesondere die Art, wie darüber berichtet wurde: Es gebe jetzt rund 600.000 Menschen weltweit, die mit (nicht „an“, denn das weiß man nicht) Covid 19 gestorben seien. Wow, dachte ich, eigentlich doch eine schöne Nachricht. Nachdem Virologen zu Beginn der Erkrankung von Millionen Toten nur für Deutschland ausgegangen waren, gab es jetzt nach rund acht Monaten mit dem Virus nur 600.000 Menschen weltweit, die im Zusammenhang mit dem Virus gestorben waren. Verkündet wurde diese Zahl in den Nachrichten mit dem Zusatz: „Eine Zahl, die betroffen macht.“ Warum? Weil überhaupt Menschen daran sterben? Die allermeisten Menschen, die sich angesteckt haben, sterben nicht. Das weiß man längst. Vielleicht hätte man diese Zahl einfach mal ins Verhältnis setzen sollen zu anderen Zahlen. Zum Beispiel zu der „normalen“ jährlichen Gesamttodeszahl, die wohl so bei 55 Millionen Menschen liegt. 55 Millionen. Denn ja, Menschen sterben. Jeden Tag. Und plötzlich kommt einem diese Zahl von 600.000 in gut acht Monaten dann nicht mehr ganz so groß vor, zumal darunter sehr viele Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen sein werden, die immer noch mit weitem Abstand Todesursache Nummer 1 sind (also „Corona-Tote“, die eigentlich an einer Herzerkrankung gestorben sind).

Warum erscheint die Berichterstattung hinsichtlich Corona vielfach so unseriös? Warum versucht man auf Teufel komm raus, das Ganze hochzuspielen, statt Menschen tendenziell zu beruhigen? Lust am Skandal? Machtinteressen? Oder doch die Impfung, die unbedingt durchgesetzt werden soll? (vgl meinen Beitrag „Ein kleiner Pieks – zuallererst nicht schaden“). Vermutlich alles drei – und die auch bei den handelnden Personen latente Angst vor Infektionen.

Ja, es wird mehr Infektionen geben, wenn man auf alle „Corona-Regeln“ verzichtet. Insbesondere in Krankenhäusern, in Alten- und Pflegeheimen sollte man das sicher nicht tun. Das Virus ist offenbar sehr ansteckend. Und es wird auch mehr Tote geben, wenn die Infektionszahlen stark steigen, natürlich. Vermutlich keine Massen, aber sicher mehr, als jetzt. Ich kann verstehen, dass Politiker*innen das nicht wollen.

Die Frage ist für mich, wo WILL man hin? Alles auf die Karte der Impfung zu setzen, erscheint mir ein gefährliches Spiel. Was, wenn die Impfung nicht funktioniert? Auf ewig Masken- und Abstandspflicht / Lock-Down? Oder einfach so tun, als hätte sie funktioniert – und nicht mehr drüber reden? Das könnte einen Versuch wert sein, aber dann bräuchte man die Impfung nicht, denn DAS wäre auch jetzt möglich … ;-). Und was, wenn die Impfung vermeintlich funktioniert – und man in einigen Jahren feststellt, dass es sehr ernsthafte unerwünschte Nebenwirkungen gibt? So tun, als wären es keine Nebenwirkungen der Impfung, sondern die Zunahme von Leukämie, Lymphdrüsenkrebs, Autoimmunerkrankungen, neurologischen Erkrankungen oder was sonst noch so passieren könnte, wenn man zu unbedarft ins Immunsystem eingreift, käme von irgendwoher? Aber ganz sicher nicht von der Impfung?

Immer nach dem Motto: Hauptsache, wir haben bewiesen, dass wir Infektionskrankheiten „erfolgreich bekämpfen“ können. Alles andere ist dann zweitrangig. … Und alle Ängste, die nicht mit Infektionskrankheiten zu tun haben, die kriegen wir auch noch „bekämpft“. Wir sind schließlich die Krone der Schöpfung…!

Kleine Kügelchen und große doppelt blinde Studien

Künstlerin: Dörte Müller

Es ist aus meiner Sicht auffällig, dass Menschen, die starke „Impfgläubige“ sind (vgl. hierzu meinen Beitrag „Ein kleiner Pieks …“), meist gleichzeitig als vehemente Gegner/innen der Homöopathie auftreten.

Das ist allerdings auch nicht besonders verwunderlich, denn es handelt sich um Menschen, die einer dualistischen materialistischen Weltsicht folgen, wie es vor nicht allzu langer Zeit als „wissenschaftlich“ galt. Inzwischen gibt es in der Physik vielfache Theorien zu neuen Weltbildern, die allerdings noch nicht gesichert sind. Nur eines scheint ziemlich eindeutig: Das materialistische Weltbild, das die letzten Jahrhunderte bei uns vorherrschte, stimmt so nicht. Gerade weil sich das immer deutlicher zeigt, scheinen die Anhänger dieser alten Sicht jedoch immer härtere Bandagen anzuziehen. Immer häufiger stellt sich jemand in den Medien hin, bezeichnet Homöopathie als „nachgewiesenermaßen unwissenschaftlich“ oder gar als „Abzocke“ und die Anhänger/innen dieser Methode als naiv.

Die Begründungen dieser Kritiker/innen möchte ich mir im Folgenden mal etwas genauer anschauen:

Für Menschen mit einer materialistischen Weltsicht sind „randomisierte placebokontrollierte Doppelblindstudien“ DER Goldstandard in der Medizin.

Diese Weltsicht geht davon aus, dass Menschen „in der Standardeinstellung“ alle gleichartig funktionieren. Dass die verschiedenen körperlichen „Bauteile“ gegeneinander abgegrenzt und abgrenzbar sind, man also wie bei einer Maschine defekte Teile nur austauschen brauche oder auf chemische Weise wieder in Gang setzen könne.

Diese Weltsicht sieht Menschen als Objekte. Sie interessiert sich nicht für die Ursachen einer Erkrankung, sondern sieht den Zweck der Medizin im Wesentlichen darin, störende Symptome zu beseitigen. Anders können Doppelblindstudien nicht funktionieren, denn Ursachen sind sehr individuell und können sehr unterschiedlich sein. Nur Symptome sind vergleichbar. Da Doppelblindstudien ausreichend große Vergleichsgruppen voraussetzen, kann es nur um Symptome gehen.

Diese Weltsicht blendet das Bewusstsein des Menschen aus, da sie es als zu vernachlässigen ansieht. Der Placebo-Effekt, also die Heilung allein über das Bewusstsein, wird zu etwas Minderwertigem, potentiell eher Störendem in dieser Weltsicht. Denn in dieser Weltsicht kann nur heilen, was einen (nachweisbaren) Wirkstoff besitzt.

Bereits hier zeigt sich: Etwas an dieser Weltsicht kann nicht stimmen, denn der Placebo-Effekt existiert nun einmal. Es gibt keinen einzigen (biochemischen) Wirkstoff auf dieser Welt, auf den mehr Heilungen oder Linderungen zurück geführt werden könnten, als auf den Placebo-Effekt. Der Placebo-Effekt ist mit sehr sehr weitem Abstand das mächtigste „Heilmittel“ dieser Welt, im Grunde sogar das Einzige, denn auch das tollste Medikament wird nicht wirklich helfen, wenn jemand absolut überzeugt ist, dass er an einer Krankheit sterben wird. Dazu ist der Placebo-Effekt auch noch das kostengünstigste Heilmittel der Welt.

Man könnte denken, das wäre ein Grund dafür, in der Medizin in allererster Linie auf dieses Heilmittel zu setzen: Das Mächtigste und das kostengünstigste der Welt. Für jeden Gesundheitspolitiker müsste das doch der absolute Jackpot sein.

Aber nein!

Ganz im Gegenteil scheinen diese Tatsachen irgendwie zu stören. Deshalb wird der Placebo-Effekt gerne mit dem Wort „nur“ versehen. Das war „nur“ der Placebo-Effekt, wenn bei einer „nicht anerkannten“ Therapie Heilerfolge sichtbar sind. Viele Menschen denken, der Placebo-Effekt sei etwas Minderwertiges, etwas für leicht zu beeindruckende Naivlinge, die auf ein Scheinmedikament „hereinfallen“ – und wollen selbstverständlich für sich das Medikament mit dem „echten Wirkstoff“. (Es erinnert mich ein wenig an „Markenware“, die ihren vermeintlich höheren Wert durch Marketing erhalten hat – und nur deshalb begehrter ist. Für den „echten Wirkstoff“ gibt es eben eindeutig mehr Marketing, als für das Placebo …)

Tja. Ich persönlich habe eine andere Weltsicht. Für mich sind Menschen mit einem Bewusstsein ausgestattete Subjekte und keine Objekte. Das Bewusstsein spielt in meiner Weltsicht sogar die Hauptrolle. Heilung geschieht für mich über das Bewusstsein. Ich möchte keine Symptomunterdrückung, sondern Heilung von einer Erkrankung. Dafür muss ich mich auf die Ursachensuche begeben, die sehr individuell ist. Mein Körper besteht für mich auch nicht in erster Linie aus voneinander abgrenzbaren „Bauteilen“, sondern ist gemeinsam mit meinem Bewusstsein ein Gesamtsystem. Ein Gesamtkunstwerk, in dem alles mit allem verbunden ist.

Doppelblindstudien sind für meine Weltsicht keineswegs „Goldstandard“, sondern ein für medizinische Zwecke eher ungeeignetes Instrument, das nur in bestimmten Fällen ein interessantes Hilfsmittel darstellt. Ein Hilfsmittel. Mehr nicht. „Goldstandard“ ist für mich die Heilung. Was sonst?

Und damit komme ich zu den „kleinen Kügelchen“ (oder Tropfen): Die Homöopathie ist in meiner Weltsicht insofern eine der fortschrittlichsten Heilmethoden, weil ihr Begründer Hahnemann bereits damals intuitiv geahnt zu haben scheint, dass unser Universum (und damit auch wir) auf Information beruht. Das ist eine Hypothese, die die moderne Physik mehr und mehr zu bestätigen scheint und kann daher aus meiner Sicht als äußerst moderner Ansatz gelten.

Es geht in der Homöopathie nicht darum, ob ein biochemischer Wirkstoff in einem Kügelchen nachweisbar ist, sondern um die (physikalische) Information, die dieses Kügelchen meinem erkrankten System möglicherweise gibt.

„Wissenschaftliche Studien“, die behaupten, Homöopathie könne deshalb nicht wirken, WEIL sie keinen biochemisch nachweisbaren Wirkstoff enthält, unterliegen einem klassischen Zirkelschluss: Wenn ich überzeugt bin, dass nur helfen könne, was einen „Wirkstoff“ enthält, MUSS ich zwangsläufig zu dem Ergebnis kommen, dass etwas, das keinen Wirkstoff enthält, auch nicht hilft. Eine solche „Studie“ sagt etwas über die Weltsicht der Studienleitung, aber nichts über die Wirksamkeit oder Unwirksamkeit der Homöopathie. Sie „schafft“ nicht etwa „Wissen“, sondern stützt sich auf vorgefasste einseitige Meinungen und ist damit im Grunde wertlos.

Homöopathie ist, wenn man sie kunstgerecht ausführt, nicht symptomorientiert, sondern versucht, die Ursachen der Erkrankung zu ergründen und dann darauf aufbauend einen Heilimpuls zu setzen. Eine solche vollkommen individuelle Heilkunst ist Doppelblindstudien nicht zugänglich. Das gilt auch für viele Bereiche der TCM oder des Ayurveda. Diese Heilkünste sind zutiefst individuell. Sie schauen sich den gesamten Menschen inklusive seiner Umwelt, seiner Gewohnheiten, seiner Ernährung etc. an, bevor sie eine Intervention vornehmen. Eine gleiche Behandlungen nur wegen der vordergründigen Gleichartigkeit des Symptoms ohne näheres Ansehen der Person wäre in all diesen Systemen ein grober ärztlicher Fehler. Echte Heilung ist ein sehr subjektiver Vorgang. Diesen „objektiv“ messen zu wollen, aus meiner Sicht eine Sackgasse, die einem vieles verbauen kann. Und die Menschen letztlich entmenschlicht, weil sie sie zu Objekten degradiert.

Gute Homöopathie ist schwierig. Man braucht für die Anamnese sehr gute Menschenkenntnis (auch von sich selbst) und psychologisches Geschick. Und ich würde mich auch nicht dafür verbürgen, dass die vielfach sichtbaren Erfolge der Homöopathie zwingend über den Placebo-Effekt hinausgehen. Aber: Selbst wenn die Homöopathie „nur“ ein Mittel wäre, das den Placebo-Effekt wirksam werden lässt – ohne jegliche schädliche Wirkung und mit geringen Kosten: Was könnte es Besseres geben?

Und was könnte es für einen Grund geben, Homöopathie zu bekämpfen von Seiten einiger Gesundheitspolitiker und verstärkt auch von Seiten der Medien???!

Ja, ich weiß: Wir haben das Bezahlsystem in unserem Gesundheitswesen auf Doppelblindstudien aufgebaut, es wirkte so schön objektiv und gerecht. Aber vielleicht lag genau hier ein Denkfehler? Vielleicht wäre es viel gerechter, heilungsfördernder und gesünder, z.B. menschliche Zuwendung besser zu bezahlen, statt doppelblind getesteter Medikamente???! Vielleicht sollten wir unser gesamtes Bezahlsystem im Gesundheitswesen einmal auf den Prüfstand stellen?

Und dann könnte man als Gesundheitspolitiker vielleicht auch einem „Siegeszug“ kleiner Zucker-Kügelchen ganz entspannt entgegen sehen … .