abc-Etüden 47.48.20; Wasser

Wasser ist für mich ein ganz besonderes Element. Das Element, aus dem das Leben kommt; das wir zum Leben zwingend benötigen; aus dem unsere Körper zum größten Teil bestehen.

Wasser, von uns Menschen oft vergeudet, verschmutzt, vergiftet, seiner Lebendigkeit beraubt. Wasser-Quellen, Lebenselixiere, von der Natur uns allen zur Verfügung gestellt – von Großkonzernen als ihr Eigentum angesehen, das kostbare Nass mit Süßungsmitteln und Farbstoffen verschandelnd und teuer verkaufend.

Ob Masaru Emoto mit seinen Wasserkristallen, Ulrich Warnke mit seinem „Bionischen Wasser“, den Wasserforscher Gerald Pollack, ich habe sie alle gelesen und noch in vielen weiteren Büchern zum Thema „Wasser“ gestöbert.

Wasser, das sich in fast jeder Hinsicht anders verhält, als man es physikalisch „erwarten“ würde. Wasser, über das als Ganzes ganz erstaunlich wenig bekannt ist. Wasser, über dessen Gedächtnis man immer noch streitet. Wasser, das in unserm Körper wohl größtenteils „Oberflächenwasser“ ist, H3O2, und damit geladen. Wasser, das Energie aus seiner Umgebung aufzunehmen scheint. Wasser, das nahezu nie „nur“ Wasser ist, weil es alles Wasserlösliche integriert.

Wasser, dessen Qualität in unserem Körper (und auf diesem Planeten) vielleicht der Schlüssel zu Gesundheit oder Krankheit ist? Wow! Faszinierend!

Etwas griesgrämig rufe ich mir in Erinnerung, das all das in der „Wissenschaft“ noch lange nicht „Mainstream“ ist.

Müsste zu diesem für diese Welt so unglaublich wichtigen einzigartigen Element nicht viel mehr Forschung betrieben werden? Müsste es nicht DAS Forschungsthema sein?! Es MÜSSTE, finde ich!

Aber es ist nicht lukrativ, gilt als „esoterisch“, also „igitt“. Die Ergebnisse würden vermutlich vielen IHR lukratives Geschäft verhageln. Wasser kann aus meiner Sicht „Wunder“ wirken, die bei näherem Hinsehen, vielleicht gar keine „Wunder“ sind. Und mir erscheint es leider kein Wunder, dass entsprechende Forschung genau deswegen so gerne mit dem Etikett der „Esoterik“ versehen und damit zum „Tabu“ erklärt wird.

Aber Wasser kann bekanntlich den härtesten Widerstand überwinden. …

Dank an Christiane für die Schreibeinladung ( Schreibeinladung für die Textwochen 47.48.20 | Wortspende von Café Weltenall | Irgendwas ist immer (wordpress.com) ) und an Ulli von Café Weltenall für die Wortspende!

Haltung zeigen

Künstlerin: Dörte Müller

Schon seit einigen Jahren fällt mir auf, wie oft es allenthalben heißt, man müsse „Haltung zeigen gegen …“. Ich bin dann immer ganz unglücklich. Nicht wegen der „Haltung“, sondern wegen des Wortes „gegen“.

Es gilt als tugendhaft, „Haltung zu zeigen gegen“ Menschen, die einem zu „rechts“, zu „links“, zu „islamisch“ (islamistisch) oder sonst irgendwie „extremistisch“ vorkommen. „Haltung“. „Klare Kante.“ Dem Menschen „mutig“ sagen, was man von ihm oder ihr hält. Das wird gefeiert. Ein Held, wer sich das traut!

Ich bin bei Heldentum immer etwas skeptisch. Und oft genug erscheint es mir nicht einmal besonders heldenhaft, wenn ich – sicher in der Mehrheitsmeinung eingebettet – einer „Randgruppe“ sage, was ich von ihr halte, so als Mensch. Dann wirkt das auf mich nicht mutig, sondern irgendwie billig. So, als käme es mir mehr auf die Anerkennung der anderen an, als darauf, etwas „Gutes“ zu bewirken. Welche Absicht steht hinter dem „Haltung zeigen“? Das ist für mich die Frage. Was will man erreichen?

Ich frage mich das deshalb, weil das „Haltung zeigen“ nach meiner Wahrnehmung oft so erfolgt, dass dem Menschen aus der „Randgruppe“ gesagt oder bedeutet wird: „Du bist böse. Das, was du denkst, darfst du nicht denken. Wir wollen dich nicht.“

Mit welcher Erwartung sagt man das? Erwartet man, dass dieser Mensch dann reumütig nickt und antwortet „Danke für den Hinweis. Ich werde an mir arbeiten.“?

Ich fürchte, das widerspräche allen psychologischen Erfahrungen. Irgendwie erscheint es mir deutlich wahrscheinlicher, dass dieser Mensch wütend wird, sich unverstanden fühlt, seinerseits nun auch erst recht „Haltung zeigt“ und sich weiter radikalisiert. Was hat man dann durch die „Haltung“ gewonnen? Außer vielleicht, dass man sich gut und mutig fühlt, weil man sich getraut hat, dem anderen zu sagen, dass man ihn nicht mag und sein Verhalten „nicht toleriert“? Im Zweifel hat man damit erreicht, dass sich die Fronten weiter verhärten. Und dass man genau das verstärkt hat, was man eigentlich „weg haben“ wollte. (Statt den eigenen Anteil an der Situation wahrzunehmen, beschweren sich die „Haltung Zeigenden“ dann leider oft nur über die „Aggressivität“ der anderen Seite. Und sehen sich nun natürlich erst recht berechtigt oder gar in der Pflicht „Haltung zu zeigen“. Die Spirale dreht sich … .)

Können wir nicht stattdessen vielleicht besser „Haltung für“ etwas zeigen? Für Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe? Für gegenseitiges Verständnis?

Das bedingt ein offenes Ohr, auch gegenüber Menschen, deren Meinung man zunächst völlig daneben findet. Während es vielleicht manchmal mutig ist, Haltung „gegen“ jemanden zu zeigen, erscheint es mir wahrhaft groß und schwierig und auch mutig, Haltung für positive Werte zu zeigen, wenn das Gegenüber einem genau das nicht gerade leicht zu machen scheint.

Sich über „Deppen“ aufzuregen, ist einfach. Das kann jede*r. Aber wer kann oder will dem betreffenden „Deppen“ schon wirklich zuhören? Ihn als „Mensch“ betrachten, auch dann, wenn dieser Mensch vielleicht gerade eine These von sich gegeben hat, bei der sich einem der eigene Mageninhalt umdreht? Aber vielleicht hat sich dieser Mensch ja auch einfach nur ungeschickt ausgedrückt? Vielleicht habe ICH etwas in seine oder ihre Meinungsäußerung hineininterpretiert, was dieser Mensch überhaupt nicht mit seiner Äußerung meinte?

ZUHÖREN. Gefühle wahrnehmen und eigene Gefühle äußern. Aus meiner Sicht scheint das der einzige Weg zu sein, wenn man als Gesellschaft Radikalisierung und Extremismus „bekämpfen“ will. [Ich verstehe unter „Extremisten“ Menschen, die so in eine Idee bzw. Ideologie verfangen sind, dass sie meinen, sie täten etwas „Gutes“, wenn sie andere Menschen um dieser Ideologie wegen verletzen oder gar töten wollen.] Zuhören und versuchen, zu verstehen. Mit „klarer Kante“ und Stigmatisierung hingegen befördert man meines Erachtens bei der betreffenden Person oft genug genau die Gefühle, die überhaupt erst zu ihrer Radikalisierung geführt haben. Gefühle wie Wertlosigkeit. Außenseiter sein. Sich nicht gesehen fühlen. Sich von einer Mehrheit unterdrückt fühlen. Seiner Würde oder Ehre beraubt fühlen. Sich chancenlos fühlen.

Solche Gefühle machen anfällig für das Anwerben durch radikale Gruppierungen, die die Anerkennung zu bieten scheinen, die die Mehrheitsgesellschaft verweigert. Natürlich sind die Umstände, warum jemand in die Fänge einer solchen Gruppierung gerät, immer komplex. Aber ich persönlich glaube, „klare Kante“ ist häufig die schlechteste aller Möglichkeiten für die Mehrheitsgesellschaft, damit umzugehen. Insbesondere, wenn es um Personen geht, deren Radikalisierung sich vielleicht noch nicht total verfestigt hatte.

Im Großen (bei „echten“ „Extremisten“) wie im Kleinen (bei gerne so genannten „Maskenverweigerern“, die erstaunlich vielen Menschen als neue „Extremisten“ gelten) bin ich der Meinung: Die meisten Menschen sind bunt und haben viele unterschiedliche Facetten und Motivationen. Ihnen EIN Label anzukleben, das einem dann ermöglicht, diesen Menschen mit „gutem moralischen Gewissen“ zu verurteilen, heißt aus meiner Sicht, sich die Sache ziemlich zu vereinfachen, sie manchmal vielleicht sogar auch zu verdrehen. Ohne damit etwas zu gewinnen, wenn man als Mehrheitsgesellschaft tatsächlich an der Zunahme „positiver“ Werte interessiert sein sollte. Andere zu verurteilen, weil sie bestimmte Dinge anders sehen, anders bewerten, als man selbst. Das spricht aus meiner Sicht selten dafür, dass man als (Ver-)Urteilende*r ein moralisch besserer Mensch ist.

Dieses gegenseitige Nichtzuhören, das man jeweils dem oder der anderen vorwirft. Meist voller Empörung – und ohne zu merken, wie wenig man diesem oder dieser gerade selber zugehört hat. Jeweils gefangen im eigenen Bunker. Das ist derzeit sehr in. Und längst nicht nur gegenüber „Extremisten“.

Spricht das wenigstens dafür, dass man sich seiner Sache sehr sicher ist? Zum Beispiel, weil man sich in der Mehrheit befindet? Oder spricht es nicht vielleicht sogar eher dafür, dass man sich seiner Sache überhaupt nicht sicher ist? Und genau deshalb – obwohl man sich in der Mehrheit befindet – Widerspruch, andere Ansichten, nicht dulden mag und kann? Weil man befürchtet, diese Mehrheit sonst möglicherweise zu verlieren?

Ich weiß es nicht. Aber immer, wenn ein Politiker sagt, man müsse als Mehrheitsgesellschaft „Haltung zeigen gegen …“ beschleicht mich ein ungutes Gefühl.

abc-Etüden; Textwochen 47.48.20; Weisheit

Wie jeden Morgen machte sie sich auf, um in der geheimnisvollen Bibliothek des kleinen alten Klosters zu stöbern. Seit diese öffentlich zugänglich war, war sie hier zu finden. Immer auf der Suche nach Erkenntnis. Wo konnte sie näher dran sein als hier? Texte lesend, die heilige Männer vor langer Zeit aufgeschrieben hatten… . Voller Ehrfurcht.

Aber als sie heute Morgen das Kloster betreten wollte, war wie aus dem Nichts plötzlich ein alterslos erscheinender merkwürdig gekleideter barfüßiger Mann vor ihr aufgetaucht. „Möchtest du die Quelle der Weisheit und Erkenntnis finden?“ hatte er sie gefragt. Und dann hatte er sie mitgenommen. Nicht in das Kloster, sondern in den nahen Wald.

Inzwischen fragte sie sich, warum sie ihm so naiv gefolgt war. Immer dichter wurde das Gestrüpp, durch das er sie führte. Ihm schien das nichts auszumachen. Aber sie fühlte sich von den Zweigen geschlagen, blieb an Dornen hängen und bekam Angst vor Zeckenbissen. Sollte es Zecken nicht gerade in solch einer Umgebung zahlreich geben? Und wer weiß, was noch?! Sie wurde griesgrämig und wollte umkehren. Aber irgendwie schien es kein Zurück mehr zu geben. Was machte sie hier bloß? All ihre Freundinnen würden sie für verrückt erklären.

„Wie heißt du?“ fragte sie den Mann. „Menschen haben mir verschiedene Namen gegeben, je nach Zeitalter und Kultur.“ antwortete er und half ihr liebevoll durch das Gestrüpp. „???“

Und dann waren sie plötzlich angekommen. Wasser plätscherte sanft aus einem Felsvorsprung und ergoss sich in einen tiefblauen klaren See. Wunderschön sah die Szene aus und es duftete, wie nur ganz reines Wasser duftet. „Das ist die Quelle der Weisheit?“ fragte sie staunend und zugleich ungläubig. „Blick in den See, dann siehst du die Quelle.“ antwortete er. Sie sah hinein, konnte aber nichts anderes erkennen, als ihr eigenes Spiegelbild.

Fragend blickte sie auf. Doch er war verschwunden.

Mit herzlichem Dank an Christiane (https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/11/15/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-47-48-20-wortspende-von-cafe-weltenall/) für die Schreibeinladung und an Café Weltenall für die Wortspende!