Die Bösen

„Heute Nacht wollen wir sie brennen sehen. Einige Yachten in diesem Neureichen-Yachtclub am See. Bist du dabei?“

„Nein. Ich bin gegen Zerstörung.“

„Was bist denn du für eine?! Was willst du überhaupt in unserer Gruppe?“

„Ich dachte, ihr wollt eine bessere Welt erschaffen. Das ist auch mein Anliegen.“

„Ja, das wollen wir. Deswegen wollen wir die Dinger abfackeln. Es geht um die Symbolik dabei, verstehst du nicht?! Bahngleise lahmlegen. Autos anzünden. Scheiben einschmeißen. Bullen verprügeln. Pipelines zerstören. Das sind Symbole.
Wir wehren uns damit gegen übergriffige Gewalttäter und gegen einen Staat, der Menschen unterdrückt, mit Zwang agiert und Reiche bevorzugt.
Wir TUN was.“

„Ja, ihr tut was: Ihr zerstört das Eigentum anderer, quält MENSCHEN. Und schadet Umwelt und Klima.

Ihr tut das, um Symbole zu setzen? Und die Menschen, die ihr dabei quält, wohlmöglich tötet, sind euch egal? Ich finde das gefühllos, sadistisch.

Ihr habt eine Affinität zu Gewalt. Und was diese angeht, ist abspecken angesagt.
Ihr wollt Gewalttätigkeit mit Gewalttätigkeit „zerstören“?
Wie soll denn verdoppelte Gewalttätigkeit Gewalttätigkeit als solche reduzieren?! Mathematisch unmöglich … 🤔
Gewalttätigkeit minus Gewalttätigkeit könnte eine Lösung sein.

Ihr tut das, weil „man Gewalttäter stoppen müsse, sie „nicht einfach agieren lassen“ könne?“
Gewalttäter zu stoppen, ist keine schlechte Idee, die Kausalität zu eurem Tun allerdings hinkt. Wenn ihr WIRKLICH etwas tun wollt für eine bessere Welt:

Stoppt den Gewalttäter IN EUCH!!!

Gewalttätigkeit kann niemals „moralisch gut“ oder auch nur „gerechtfertigt“ sein. Denn sie quält, verletzt, tötet MENSCHEN. Menschen, wie ihr sie auch seid.

Ihr wollt Symbole schaffen für eine bessere Welt? Eine friedliche freundliche Welt? Eine Welt, in der sich alle Menschen sicher fühlen?
Wohl fühlen!
Ich bin dabei!

Warum aber tut ihr derzeit mit euren „Aktionen“ so oft ausgerechnet das genaue Gegenteil?!!!“

Lasst uns die Gewalttätigkeit wegfegen aus dieser Welt („besenrein“…)!

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Dies ist eine Fortsetzung zu meiner Etüde „Verpasste Chance?„. Zu meinem Erstaunen scheint diese Etüde teilweise missverstanden worden zu sein (als eine Art „Aschenbrödel-Geschichte“ = Frau / Mädchen träumt – zumindest heimlich – von dem reichen „Prinzen“, der sie heiratet 🤔…?).

Nein, sie ist kein „Aschenbrödel“! Sondern eine sich ihres Wertes sehr bewusste Frau. Eine „Umweltaktivistin“, die nicht verstehen kann, dass Menschen in Kauf nehmen, dass kostbare Bäume im tropischen Regenwald abgeholzt werden und seltene Tiere gejagt werden, nur zu dem Zweck, andere damit beeindrucken zu wollen, dass man sich so etwas Teures leisten könne.
Sie ist eine Frau, für die der Schmutzfleck auf dem Gold der Armaturen durchaus eine Metapher darstellt … .

Und jetzt ist dieser Engel in einer anderen Gruppe gelandet.

In einer, die zum Regenwald, der Jagd auf seltene Tiere und dem „schmutzigen“ Gold durchaus dieselbe Haltung hat, wie sie.
Einer Gruppe, in der sie aber ebensowenig glücklich ist … . Und hier wird sie deutlicher, weil es eigentlich doch IHRE Gruppe sein könnte … .

Und noch eine Anmerkung:

Für mich sind meine Etüden Kunstwerke. In die ich Zeit und Sorgfalt stecke, bevor ich sie ausstelle.
Seit einigen Monaten gestalte ich die Geschichten multidimensional. So dass man theoretisch auch beim zehnten Lesen noch neue Aspekte entdecken könnte.
Wie jeder Künstler freue ich mich, wenn Betrachtern, der ein oder andere Aspekt, die ein oder andere Metapher auffällt. Und ich freue mich auch, wenn die Geschichte einfach nur so gefällt und als solche genossen wird.
Kunst ist immer eine Frage des Geschmacks, der Interpretation und der eigenen Lust, sich auch auf vielleicht zunächst mal fremd erscheinende Stilrichtungen einzulassen.

Selbstverständlich muss niemandem alles gefallen. Man kann zu Kunst sehr kontroverse Meinungen haben (auch dazu, was „Kunst“ ist …).
Aber ich bitte noch einmal sehr darum, sich zu überlegen, ob es wirklich nötig ist, – nur, weil einem ein Kunstwerk nicht gefällt, – zu versuchen, einen Säureangriff darauf vorzunehmen.

Die aktuelle Schreibeinladung zu den abc-Etüden findet man hier: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/06/05/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-23-24-22-wortspende-von-annuschkas-northern-star/

Verpasste Chance?

Ihr ganzes Wesen traf ihn mitten ins Herz. So etwas hatte er noch nie erlebt – und er hatte wahrlich schon viel erlebt. Sie hatte so etwas, ihm fiel kein besserer Begriff ein, so etwas Engelhaftes, fast Ätherisches. Völlig anders, als alle anderen Frauen, die er kannte.

Er war Erfolg gewohnt. Nicht nur bei Frauen. Er wusste, was er zu bieten hatte, und zeigte das auch. Er war sich sicher, auch diese Frau beeindrucken zu können. Nur bei ihr war es ihm wichtiger, als jemals zuvor.

Sie mochte das Meer. Und so lud er sie in den sehr exklusiven Yachtclub, in dem er Mitglied war, zum Frühstück.

Selten hatte er ein Frühstück zu zweit so genossen wie mit dieser fast unwirklichen Schönheit. Sie strahlte Anmut und Sinnlichkeit aus, war humorvoll und intelligent.

Er erkannte sich selbst nicht wieder, weil er tatsächlich weiche Knie hatte, als er sie nach dem Essen durch seine Luxusyacht führte.

Aber: Das teuerste Leder, das edelste Holz, die goldenen Armaturen, der Whirlpool, die Bar. Nichts beeindruckte sie, sie schien völlig desinteressiert an seinen Gütern.
Ihr Blick blieb auf einem Fleck an den Armaturen hängen, und er beeilte sich, ihr zu erklären, dass er seinem Putzdienst die „Leviten lesen werde“, weil er die schließlich dafür bezahle, dass seine Yacht glänze und nicht nur besenrein aussehe.

Sie lächelte.

– Und ging von Bord.
Sah sich noch einmal um und sagte mit ihrem wahrhaft bezaubernden Lächeln:

„Ciao Bello … . Das hier ist nicht meine Welt.
Aber, wenn du wahrhaft mutig bist, und komplett umkehrst. Diesen völlig unsinnigen Überluxus abspeckst, den kein Mensch braucht.
Und dein Leben von jetzt an etwas Sinnvollem widmest. Deine ganze Kraft und Energie einsetzt, um zur Heilung dieser Welt beizutragen.
Dann … könnte das mit uns was werden… .“

Ein gehauchter Kuss in seine Richtung.

Und der Engel verschwand.

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Ein Beitrag zu den abc-Etüden, deren aktuelle Schreibeinladung hier https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/06/05/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-23-24-22-wortspende-von-annuschkas-northern-star/ zu finden ist.

Lachyoga – eine kleine Werbung …

Eine Werbung für Yachtclubs? Nein! Warum auch?

Nein, hier kommt eine Werbung für Lachclubs 😃!

Lachen ist gesund. Das weiß jede*r.

Ich will hier nicht all die gesundheitlichen Vorteile von „Lachyoga“ einzeln aufzählen zur erhöhten Sauerstoffaufnahme durchs vertiefte Atmen beim Lachen, die Zwerchfellmassage usw..
Auch nicht die ganzen wissenschaftlichen Studien, die hochoffiziell nachweisen, wie Stresshormone und Entzündungswerte durch „Lachyoga“ sinken, und die das Immunsystem „pushenden“ Faktoren, wie z.B. die natürlichen „Killerzellen“ im Blut ansteigen.

Denn, was das „Lachyoga“ aus meiner Sicht so besonders wertvoll macht, ist eigentlich etwas anderes:
Es macht Freude. Und – Es weckt das Kind im Erwachsenen.

Man kann zu so ziemlich allem Lachübungen erfinden.

Wie wäre es mit einem „besenrein-Lachen“?:
Alle stellen sich vor, wie sie den Dreck aus dieser Welt wegfegen, den die meisten Menschen schon lange gerne loswürden. Und dann machen sie lachend genau das…!

Ihr versteht, wie ich das meine mit dem Kind?

Die „aufgeweckten Kinder“ erfüllen beim Lachyoga eine sehr wichtige Aufgabe:

Sie helfen, dass der Popanz abgespeckt wird, den viele Erwachsene mit sich herumtragen.
Der Popanz aus „Wichtigkeit“ und „Arroganz“ und der Meinung, eine „Autorität“ darstellen zu müssen.

Dieser Popanz, der davon abhängig ist, dass Menschen ihn füttern. Und der deshalb große Angst hat, dass seine tatsächliche Wertlosigkeit erkannt wird. Denn der Popanz fürchtet um sein „Leben“, wenn seine Wertlosigkeit entlarvt ist und niemand ihn mehr füttert.
Und so setzt er alles daran, die kindliche Freude zu hemmen in dem Menschen, der das Pech hat, ihn mit sich herumzutragen… . Flüstert ihm ein, dass man den Ausdruck kindlicher Freude durch Erwachsene als „lächerlich“, „albern“ oder „peinlich“ zu empfinden habe.

Und merkt dabei nicht, dass peinlich nur er selbst ist.
Und dass seine Angst, sich mit kindlicher Freude lächerlich zu machen – einfach lächerlich ist!

😃😃😃

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Ein Beitrag zu den von Christiane betreuten abc-Etüden, deren aktuelle Schreibeinladung hier https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/06/05/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-23-24-22-wortspende-von-annuschkas-northern-star/ zu finden ist.