Westliche Werte

gemalt von Dörte Müller

Amerika ist zurück auf der Weltbühne! Freuten sich die NATO-Staaten. Man werde jetzt wieder offensiv die westlichen Werte vertreten gegenüber Staaten wie Russland und China.

Westliche Werte … .

Was genau ist denn das? Machtpolitik? Die Annahme, dass eine Mehrheit, die sich für stärker hält, einer Minderheit vorschreiben dürfe, wie diese zu leben habe, woran sie zu glauben habe und woran nicht? „Offensiv“ die eigenen Werte vertreten, notfalls mit Gewalt(androhung) … ?

Ist das nicht genau das, was „der Westen“ immer den Han-Chinesen (also der chinesischen Mehrheitsbevölkerung) vorgeworfen hat? Dass sie ihren vielfältigen Minderheiten mehr oder weniger rigide Vorschriften zur Anpassung machen, notfalls mit Gewalt(androhung)?

Oder habe ich da was falsch verstanden …?

Natürlich ist es ein sehr amerikanisches Vorgehen, dieses „offensiv“. Man hält sich für die mächtigste und stärkste Nation der Welt, die daher allen anderen Nationen vorschreiben dürfe, was diese zu tun und zu lassen hätten.

Dieser „westliche Wert“, wonach Mehrheiten Minderheiten vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen und zu glauben haben, hat auch in Deutschland wieder erheblich an Einfluss gewonnen.

Was heißt „wieder“? Wahrscheinlich war es nie anders, nur dass die Mehrheiten plötzlich „wieder“ deutlich offensichtlicher „offensivgeneriert wurden und werden… .

Wenn es um „amerikanische Werte“ geht, lese ich erstaunlich oft, dass diese von amerikanischen Unternehmen verkörpert werden. Die amerikanische „Kultur“ wäre demnach eine „unternehmerische Kultur“: Es ist der Wunsch, „etwas Großes zu erschaffen“. Besser zu sein, als „die Konkurrenz“. Eine „Vision“ umzusetzen. Reich und bedeutend zu werden / sein.

Wenn „die Konkurrenz“ blöderweise dieselben „Werte“ hat, muss man eben zur Not zu unfairen Mitteln greifen, um zu zeigen, dass man „besser“ ist. „Ellbogen“ gelten in der amerikanischen „Kultur“ ja nicht als verwerflich, sondern als durchsetzungsstark. Zimperlichkeit ist hinderlich. Wenn die Führungen in Russland und China ähnlich denken, ist das allerdings unverschämt.

Damit die „Zuschauer“ dann nicht etwa verwirrt werden, muss man natürlich sicherstellen, dass sie eindeutig unterscheiden können, wer die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind.

Dafür muss man die Berichterstattung „beherrschen“, also weitgehend kontrollieren, was berichtet wird, und was nicht. Welche Fragen gestellt werden, und welche nicht. Welche Bilder gezeigt werden, und welche nicht.

Wer den deutschen und internationalen Nachrichtenagenturen ihre Nachrichten „serviert“, hat da den entscheidenden Fuß in der Tür. Denn alle sogenannten „Qualitäts“- Medien (eleganter Begriff, oder …?) übernehmen die Nachrichten aus diesen Agenturen. Zeit, andere Quellen zu recherchieren, fehlt meist – und wer würde den betreffenden Journalisten und Redakteuren dann auch „grünes Licht“ geben, dass diese selbst recherchierten Quellen „das Richtige“ aussagen? Dann doch lieber dpa etc. Da weiß man, die Nachrichten sind von „den Richtigen“ serviert. Von denen mit den „westlichen Werten“ … .

YouTube und andere in den USA erdachte „soziale“ Netzwerke verkörpern diese „westlichen Werte“ inzwischen in hohem Maße, stelle ich fest: Die einzigen YouTube-Videos, die ich vergleichsweise „regelmäßig“ angeschaut habe in dieser „Pandemie“ waren die von Gunnar Kaiser. Der hat es geschafft, einfach nur mit guten, intellektuell anspruchsvollen, Gesprächen mit interessanten Gesprächspartnern aus den unterschiedlichsten Bereichen von Naturwissenschaft, Medizin, Philosophie, Psychologie etc. eine Anhängerschaft von weit über 100.000 Nutzern zu erzielen. Die Gespräche hatten größtenteils ein Niveau, das aus meiner Sicht in den „Qualitätsmedien“ nur „seltene Perlen“ erreichen.
YouTube hat ihm nun vor Kurzem mitgeteilt, dass sein Kanal von der Monetarisierung ausgeschlossen wird. Begründet wurde das damit, dass man Verantwortung für die community habe, dass die gesendeten Inhalte „sicher“ seien.
„Sicher“ ist in dem Zusammenhang natürlich ein interessantes Wort. Offensichtlich will man „sicher stellen“, dass möglichst wenige Menschen mit „unerwünschtem Gedankengut“ in Berührung kommen können.

Ich glaube nicht, dass man hier zwischen dem Vorgehen von Staaten – und dem Vorgehen von Unternehmen (mit dem Einfluss von Staaten) – unterscheiden muss.
Warum nur fallen mir insbesondere zwei – andere große Nationen ein, denen man solche Art von Internet-Zensur nachsagt … ? Über die man sich „im Westen“ sehr aufzuregen pflegt? Komisch … .

Menschen mit den „falschen“ Ansichten zu Corona die Möglichkeit zur „finanziellen“ Existenz zu nehmen, scheint ohnehin als „elegante“ Methode entdeckt worden zu sein, diese Menschen zum Schweigen zu bringen. Man kündigt ihnen einfach das Bankkonto und andere Banken verweigern eine Konto-Eröffnung. Nein, eine „Gesinnungsprüfung“ nehme man selbstverständlich nicht vor. Aber man wolle eben auch nicht jede*n als Kunden.
Ohne Konto ist man in Deutschland quasi nicht existent, hat keine Möglichkeit, geschäftlich tätig zu sein.
Es ist die Art von „Sanktionen„, die man auch gerne gegenüber Staaten wie Russland und Weissrussland von Seiten der USA und Europa einsetzt… . Wenn man seiner „westlichen Empörung“ darüber Ausdruck verleihen will, dass diese ihre innenpolitische Opposition gewaltsam unterdrücken. Weil das doch den „westlichen Werten“ widerspreche.

Apropos „innenpolitischer Opposition“. Da gibt es in Deutschland ja noch den Inlandsgeheimdienst („Verfassungsschutz“), der vor Kurzem die Aufgabe bekommen hat, Menschen mit „falschen“ Ansichten zu „westlichen Werten“ genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn die gefährdeten angeblich die „westlichen Werte“ von „Freiheit und Demokratie“.
Weil sie sich für „Freiheit und Demokratie“ einsetzen … .
Was aber natürlich nur scheinheilig sei, … oder so ähnlich… .
Denn in Wirklichkeit sind Menschen, die sich lautstark für Freiheit und Demokratie einsetzen, natürlich GEGEN genau diese Werte. Ja, wenn ich mir meinen Beitrag so durchlese, scheint mir zumindest dieser Schluss nicht so ganz fernliegend … .

Und was hat das Ganze jetzt mit dem zu tun, was man Russland und China „beibringen“ will?

Keine Ahnung! Irgendwie glaube ich, DAS alles, also DIESE „westlichen Werte“ das kennen und können die schon selber … .

P.S.: Mir ist bewusst, dass es in den genannten Staaten gravierende Menschenrechtsverletzungen gibt. Westliche Drohgebärden und Aufrüstung werden allerdings kaum dazu führen, dass diese Staaten geneigt sein werden, ihrer innenpolitischen Opposition mehr Raum zu geben. Und woher „der Westen“ seinen „moralischen Anspruch“ zur „Weltführerschaft“ nimmt, wenn er es nicht einmal schafft, den eigenen Ansprüchen wenigstens selbst gerecht zu werden…, tja … .

Bedürfnisse

Künstlerin: Dörte Müller

Es handelt sich hier um einen Nachtrag zu meinem Beitrag: Warum versuchen wir es nicht mal mit Kommunikations-Regeln statt mit Corona-Regeln?“

Es ist mir jetzt doch ein Bedürfnis…, noch einmal meine Bedürfnisse ausdrücklich zu benennen, die meine Haltung in dieser Corona-Geschichte prägen:

  1. Ich hätte das Gefühl haben wollen, zu Dingen, die das (Zusammen)Leben relativ stark beeinflussen, in den öffentlich rechtlichen Medien neutral, sachlich und ausgewogen informiert zu werden. Dazu hätte für mich z.B. gehört, dass man die täglich als „Infektionszahl“ veröffentlichte Zahl positiver Testergebnisse immer ins Verhältnis setzt mit der Anzahl der insgesamt an diesem Tag Getesteten. Die bloße Zahl der positiven Testergebnisse ermöglicht keine Aussage zum Infektionsgeschehen. Dazu hätte für mich auch gehört, dass man nicht pauschal von „Tausenden Toten“ spricht, die an dem Virus gestorben seien, sondern auch hier die Zahlen ins Verhältnis setzt. Also z.B.: In den 6 Monaten mit SARS-CoV2 in Deutschland sind unter den rund 450.000 insgesamt in diesem Zeitraum in Deutschland Verstorbenen rund 9.000 Verstorbene, die das Virus in sich trugen. Ob sie an (und nicht nur „mit“) dem Virus verstorben sind, ist bekannt bei … % Der Altersdurchschnitt verteilt sich wie folgt: …; bei … waren folgende Vorerkrankungen bekannt…. . Bei … % sind Beatmungen erfolgt. Beatmungen erfolgen bei CoVid-19 nach folgenden Kriterien … (Letzte Aussage fände ich deshalb wichtig, weil nach Kritiker*innen bei COVID-19 zu oft und zu schnell und damit auch zu lange beatmet wird, was für die Betroffenen u.U. ein höheres Risiko darstelle, als die Erkrankung an sich.)
  2. Ich hätte das Gefühl haben wollen, dass vor weitreichenden politischen Entscheidungen, die unser aller Leben treffen, verschiedenste Expert*innen aus unterschiedlichen Richtungen angehört werden. Und dass man in diesen Runden in sachlichen unaufgeregten Gesprächen offen diskutiert, welche Maßnahmen in der Situation sinnvoll und gut sein könnten. Und die Ergebnisse entsprechend öffentlich kommuniziert und begründet.
  3. Ich hätte nicht das Gefühl haben wollen, dass in dieser Sache von Beginn an medial in großem Stil Angst geschürt wird, und verbal mit Beschimpfungen und mehr oder weniger passenden Zuschreibungen Stimmung gemacht wird gegen Andersdenkende. So dass sich das Aggressionspotential auf beiden Seiten ständig weiter erhöht hat.
  4. Ein weiteres Bedürfnis von mir ist, meine Sauerstoffzufuhr nicht durch eine Maske vor meinem Gesicht erheblich behindern zu müssen. So etwas bewirkt bei mir leichte Panikanfälle und ist bei meiner ohnehin bestehenden schweren Autoimmunerkrankung für mich ein großes zusätzliches Erschwernis. Auch möchte ich gerne mal wieder das Lächeln meiner Mitmenschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln sehen … ;-).
  5. Ja, und mir ist es auch ein großes Bedürfnis, mein ohnehin überschießendes Immunsystem nicht durch eine Impfung zusätzlich reizen zu müssen – mit für mich unabsehbaren Folgen. (Bei der bisherigen offiziellen Rhetorik zu Corona, halte ich die Einführung der Pflichtimpfung leider für mehr als wahrscheinlich.)
  6. Und schlussendlich ist es mir ein Bedürfnis, dass in dieser Welt auch eine andere Haltung möglich wird: Eine Haltung, die Viren und Bakterien nicht pauschal als „böse“ und zu bekämpfen ansieht, sondern als etwas, was zu unserem Leben dazu gehört. Bakterien ermöglichen uns überhaupt erst unser Leben und auch längst nicht jedes Virus ist einfach nur schädlich. Im übrigen leben wir bekanntermaßen seit langem mit Corona-Viren und auch COVID19 wird uns wohl weiter begleiten.