Regeln – oder: Verschiebt Corona unsere moralischen Bewertungen?

Künstlerin: Dörte Müller

Es gibt Regeln, die erscheinen den meisten Menschen intuitiv richtig und wichtig:

– Du sollst andere Menschen nicht (absichtlich) töten oder verletzten!

– Du sollst die natürlichen Lebensgrundlagen achten – und so mit den natürlichen Ressourcen umgehen, dass auch nachfolgende Generationen noch eine lebenswerte Umwelt vorfinden!

Ich zumindest würde das unterschreiben. Und tatsächlich gibt es bei Punkt 1 auch mehr oder weniger hohe Strafen, wenn jemand nachweisbar gegen dieses Gebot verstößt. Das gilt allerdings nur, wenn das Töten und Verletzen in einem relativ überschaubaren Maßstab bleibt – und einzelnen Personen zugeordnet werden kann. Gibt es wie in Syrien, dem Jemen oder manch afrikanischem Staat jahrelange Kriege mit Tausenden von Toten und Verletzten, scheint das niemanden so richtig zu interessieren, denn es mischen jede Menge Staaten mit – aus finanziellen oder machtpolitischen Interessen. In Deutschland sind diese Kriege nur dann wirklich auf der Agenda, wenn die Menschen, die aus der Kriegshölle geflohen sind, plötzlich bei uns landen. Die einen finden das dann unerwünscht. Die anderen meinen, dass diese Menschen nun schnell ihre traumatischen Erfahrungen „vergessen“ (leider funktioniert das so nicht), sich hier „integrieren“ und uns ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen sollten. Die Ursachen für die Fluchtbewegungen will man eigentlich nicht so genau wissen, als Weltgemeinschaft wirklich an Verbesserungen für die Situation in Afrika etc. arbeiten, schon gar nicht. Wäre auch viel zu teuer. Wer soll das bezahlen? Und überhaupt: Haben wir nicht ein Recht darauf, dass wir hier besser leben? Weil, ja weil … wir doch nun einmal hier leben – und „technologisch fortschrittlicher“ sind.

Und damit komme ich unmittelbar zum zweiten Punkt. Denn was heißt „technologisch fortschrittlicher“, wenn es um die Achtung der natürlichen Lebensgrundlagen geht? Was (ver)brauchen wir für diesen „Fortschritt“ und ist das wirklich immer ein „Fortschritt“? Oder schreiten wir v.a. fort von einer Harmonie mit unserer Umwelt? Immer weiter fort? Warum ist uns unsere Umwelt so egal? Wo bleibt der weltweite kontinuierliche medienwirksam unterstützte Aufschrei über die Zerstörung der Regenwälder? Wo bleibt der Aufschrei über die ständige weitere Verdichtung von Flächen in den Industrieländern? Wo der über umweltschädigen Abbau von Rohstoffen weltweit für einen oft völlig sinnfreien Konsum? Wo der über die Vergiftung unserer Böden und Grundwasser (das kostbarste Gut dieser Erde überhaupt!) durch den Pestizideinsatz und die Überdüngung in der konventionellen Landwirtschaft? Wo bleiben die täglichen allabendlichen Sondersendungen zu diesen Themen?! Wo der Ruf nach wirklich umweltfreundlichen Regeln und Einhaltung dieser Regeln? Die industrielle Landwirtschaft mit umweltschädlichen Monokulturen, die in erster Linie dem Tierfutteranbau dienen, wird nicht nur nicht sanktioniert,- sie wird subventioniert. Mit Steuergeldern. All das scheint kaum jemand zu stören.

Die von mir als Punkt 2 genannte Regel, bei der es um den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen geht, ist uns vielleicht abstrakt wichtig. Sehr abstrakt. Und sehr theoretisch. Alles viel zu teuer. Und JETZT auf irgendetwas verzichten, nur für spätere Generationen? Ziemlich viel verlangt, oder?!

Und jetzt kommt plötzlich Corona. Und auf einmal hat man auf die Schnelle ganz viele Regeln beschlossen, um „das Virus einzudämmen“. Und alle scheinen mitzumachen.

Plötzlich erscheint nichts zu teuer und kein Verzicht zu schwierig. Warum? Zu Beginn der Infektionswelle war eine gewisse Vorsicht nachvollziehbar, da man die Gefährlichkeit des Virus nicht wirklich einschätzen konnte. Aber ein „Lock-Down“ wegen der „vielen Toten“?! Wie viele Menschen tatsächlich an dem Virus gestorben sind, und nicht nur „in Zusammenhang mit dem Virus“ wird vermutlich immer ein Geheimnis bleiben, man hat das vorsichtshalber nicht untersucht. Ein offenes Geheimnis ist jedoch, dass Covid 19 nur deshalb überhaupt zu einer „Pandemie“ werden konnte, weil die WHO im Zusammenhang mit der Schweinegrippe vor etlichen Jahren die Definition der „Pandemie“ geändert hat, so dass auch milde Verläufe einer Infektionswelle zur Pandemie werden konnten. (In einem Pandemie-Fall wird der Erforschung eines Impfstoffs absoluter Vorrang eingeräumt.)

Natürlich steckt hinter jedem Todesfall ein Schicksal. Hinter JEDEM! Schaue ich die Nachrichten, scheint plötzlich nur noch hinter einem sogenannten Corona-Todesfall oder einer schwereren Erkrankung im Zusammenhang mit Corona ein Schicksal zu stecken. In Deutschland sterben laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr rund 900.000 Menschen. Aber wer nicht „in Zusammenhang mit Corona“ stirbt, ist uninteressant (und war dies im Grunde schon immer). Natürlich führte der „Lock-Down“ dazu, dass in Deutschland insgesamt seitdem weniger Menschen gestorben sind, als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das ist nicht verwunderlich. Wenn wir von heute auf Morgen das Rauchen, den Alkohol und das Autofahren verbieten würden, würde das die Todeszahlen sicher nochmal drastisch senken …. . Aber Menschen, die an so einer „banalen“ Todesursache sterben, sind nicht wirklich interessant, so scheint es.

Und nachdem man dann die Pandemie ausgerufen und viele Menschen furchtbar verunsichert und verängstigt hat, hat man ganz viele neue Regeln eingeführt. Regeln, die jeden Menschen zuallererst zur potentiellen Infektionsgefahr stempeln. Kommen Sie sich bloß nicht zu nahe!!!

Lange hat man diskutiert, ob man neben den „Abstandsregeln“, dem Gebot des exzessiven Händewaschens und Desinfizierens von allem Möglichen, auch nach einen „Mund-Nasen-Schutz“ einführen sollte. All diese „Gebote“ wirken recht merkwürdig, wenn man sich überlegt, wie Infektionen generell nur übertragen werden können (Einatmung, Zuführen über den Mund, offene Wunden oder Geschlechtsverkehr). Bei Covid 19 offenbar Einatmung einer gewissen Virenmenge über einen gewissen Zeitraum. Abstand macht Sinn gegenüber Menschen, die stark immungeschwächt sind. Auch das Händewaschen und Desinfizieren ist sinnvoll, wenn ich anschließend jemanden anfasse, der krank, verwundet oder immungeschwächt ist (weniger wegen Covid-19, das kaum jemand an den Händen tragen dürfte). Es ist also wichtig für Personal und Besucher in Krankenhäusern, Arztpraxen, Pflegeheimen usw. Für Kinder in Kita und Schule z.B. ist es völlig unsinnig, zerstört den natürlichen Säureschutzmantel der Haut und macht daher auf die Dauer anfälliger für kleinere Wunden und damit auch für Infektionen. Und der „Mund-Nasen-Schutz“? Lange wurde über die Einführung diskutiert. Viele „Experten“ rieten davon ab (und das will bei dem Corona-Hype schon etwas heißen). Man hat eine gewisse Pflicht dann trotzdem eingeführt. Nicht weil das Ding nachgewiesenermaßen vor Ansteckung schützt, sondern weil es anscheinend eine Art „Beruhigungspille“ für in Panik geratene Menschen war. Nachdem man ständig die angebliche Gefährlichkeit des Virus propagiert und mit entsprechenden Bildern unterlegt hatte, sind viele dafür anfällige Menschen in Panik geraten, dass sie jeden Moment sterben könnten. Da das Virus sich in Deutschland insgesamt kaum verbreitet hat (ich gelte im Bekanntenkreis immer noch als Star, weil die meisten niemanden sonst kennen, der das tatsächlich hatte….), ist der Mundschutz objektiv gesehen unsinnig. Er ist nicht nur unsinnig, er erschwert das Atmen, die zwischenmenschliche Kommunikation, verhindert das (gesehene) Lächeln und ist für jemand wie mich, die auf frische Luft angewiesen ist, äußerst unangenehm. Jeder Mensch beherbergt natürlicherweise in Mund- und Nasenraum etliche Viren und Bakterien, die dort normalerweise nicht stören. Wenn ich diese jedoch ständig in den Mundschutz puste, in dem ein feuchtwarmes Klima herrscht, werden einige sich gerne vermehren und vielleicht auch mit welchen austauschen, mit denen sie sonst keinen Kontakt gehabt hätten. Diesen Cocktail atme ich dann ein. Sinnvoll?

Tja, aber jetzt gibt es diese „Regeln“. Und in den Medien wird ständig gezeigt, dass es doch tatsächlich Menschen gebe, die sich an diese Regeln nicht halten. Leute werden immer wieder gefragt, ob es Strafen geben solle. Und zu meinem Entsetzen sagen ein Großteil: „Ja, wenn es Regeln gibt, die nicht eingehalten werden, sollte das bestraft werden.“ Es geht nicht darum, ob eine Regel sinnvoll ist, sondern einzig und allein darum, dass es eine Regel gibt. Es gibt einige erschreckende psychologische Experimente, in der Menschen die Möglichkeit gegeben wurde, andere zu bestrafen. Es zeigt sich: Dieses „Bestrafenwollen“ von Andersdenkenden scheint fast eine Art menschliches Grundbedürfnis zu sein. Das erklärt den Erfolg von Diktaturen. Leider ist es auch in unserer „aufgeklärten westlichen demokratischen Gesellschaft“ sehr verbreitet: Interessant war der Aufschrei, als irgendein Fußballprofi zum Start der Liga ein Video in der Kabine gemacht hat, bei dem Hände geschüttelt wurden und es weitere „Regelverstöße“ gab. Skandal!!! Der Mann bekam „selbstverständlich“ Sanktionen zu spüren. Dass von den Spielern erwartet wurde, danach auf dem Fußballfeld in Zweikämpfe und Körperkontakt zu gehen, die Ansteckungsgefahr bei einem Handschlag ohnehin äußerst gering ist – und die Spieler alle auf Corona getestet worden waren, war irrelevant. In den letzten Wochen gab es in Berlin mehrere große Demonstrationen, bei denen „die Abstandsregeln“ nicht immer eingehalten wurden. Skandal! Große Besorgnis!!!! Ich nehme an, danach sind die Ansteckungs- und die Todeszahlen an Corona in Berlin in dramatischer Weise gestiegen. Oder? Oder …- nicht?! Völlig egal! Gerade in Deutschland gilt: Wo es Regeln gibt, sind diese einzuhalten. Kollateralschäden sind in Kauf zu nehmen. Wenn wir uns erstmal entschieden haben, dass ein Virus höchstgefährlich ist, dann IST es höchstgefährlich. Punkt. Wer das anders sieht, ist ein „Verschwörungstheoretiker“ o.ä.. Punkt. Für unsere Überzeugung stehen wir ein, und sind auch bereit, Tausende von wirtschaftlichen Existenzen zu vernichten. Einfach mal so. Weil das Virus eben so gefährlich ist…. Und irgendwo kommen dann plötzlich auch Milliarden an Euro´s her, um zumindest die größeren Betriebe über Wasser zu halten. Für viele kleinere wird es trotz aller (dann „versenkter“) Hilfen nicht reichen: Das „Erlebnis“ in Hotel und Restaurant etc. mit Masken, Abstand und ständigem Desinfizieren ist eben kein Erlebnis, was besonders verlockend scheint. Gleiches gilt für die zahlreichen kleinen Dienstleistungsbetriebe, Boutiquen etc.

Woher kommen diese Milliarden eigentlich plötzlich? Und warum waren die nie da für Umweltschutzprogramme, oder zur Friedenssicherung in den vielen Krisengebieten dieser Welt? Weil uns all das völlig egal ist?

Hauptsache WIR stecken uns nicht an einem Virus an, der – wie die meisten Infektionskrankheiten in bestimmten Fällen zu Komplikationen führen kann, die auch tödlich sein können. Insofern ist diese merkwürdige Ellbogenbegrüßung seit Corona vielleicht auch ein Sinnbild unserer Ellbogengesellschaft. Was gehen uns künftige Generationen an, wenn wir doch JETZT Gefahr laufen, uns an einem Virus anzustecken? Alles andere ist Peanuts dagegen, so scheint es.

Wann fangen wir an, nicht mehr ständig eine neue Sau durchs mediale Dorf zu treiben (Schweinegrippe, EHEC, Ebola …Corona)? Wann widmen wir uns in Politik, Medien und Gesellschaft endlich den Themen, die die Welt wirklich zu einer besseren umgestalten können? Wann fangen wir an, uns wirklich um unsere Umwelt zu kümmern? Und Umweltschutz heißt nicht nur Klimaschutz!!!! Fangen wir damit überhaupt irgendwann an – oder sind wir einfach zu „skandalgeil“, um konstruktiv sein zu können?

Corona – und die illusionäre Sehnsucht nach Sicherheit im Außen

Bedrohung …! ; Künstlerin: Dörte Müller

Ich fühle mich in den letzten Wochen oft an bestimmte Aspekte meiner Kindheit erinnert: Wenn Papa sagte „Ich weiß (besser als Du), was gut für Dich ist! Tu dies oder jenes (oder dies oder jenes nicht)!“ Diskussionen darüber ließ er nicht zu. Es war für ihn klar, dass er aufgrund seiner größeren Lebenserfahrung recht hatte. Ich war ja nur das kleine unwissende Kind. Und meine Gefühle, mein Wunsch und Willen zählten nicht. Er setzte seine Sicht autoritär durch. Er meinte es gut und wollte mich schützen. Aber: Er KONNTE nicht wissen, was gut für mich war. Denn er konnte die Welt nur aus der Brille seiner vielfältigen traumatischen Erfahrungen in seiner Kindheit sehen, insbesondere in der Kriegs- und Nachkriegszeit, in der er als Flüchtling Ablehnung, Herabwürdigung und wahrscheinlich noch Schlimmeres erleben musste. Für ihn stand Sicherheit an erster Stelle. Seine Weltsicht war von Angst vor äußeren Bedrohungen geprägt. Diese Weltsicht war aus seinen Lebenserfahrungen äußerst verständlich. Uns Kindern tat sie nicht gut. Aber es gab für mich keine Möglichkeit, dagegen anzukommen.

Seit Wochen höre ich in den Medien, es sei gut und wichtig für mich, Abstand von anderen zu halten, mir ständig die Hände zu desinfizieren und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Ich würde damit „Leben retten“. Diese Meinung entstammt einer Weltsicht, die an Wissenschaft und Politik die Verantwortung delegiert hat, für „Sicherheit“ zu sorgen. Und die es als Zumutung empfindet, wenn ihr illusionäres Sicherheitsgefühl plötzlich in Frage gestellt wird durch eine „Bedrohung“, die unberechenbar erscheint (ob „Terrorakte“ oder Viren). Sogenannte wissenschaftliche Expert/innen haben in dieser Weltsicht die Aufgabe, klar vorzugeben, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Was „gut“ ist, und was „böse“. Zwischentöne machen die Dinge kompliziert und sind daher nicht erwünscht. Diese „Experten“ geben Richtschnur, Halt und Sicherheit. Ihre Meinung zu hinterfragen, ist ein Tabu, denn damit wäre die Sicherheit weg. Kritik an ihnen wird dementsprechend mit gesellschaftlicher Ausgrenzung sanktioniert. Sie haben damit eine ähnliche Funktion, wie Priester in früheren Gesellschaften.

Diese Weltsicht sieht Viren und Bakterien als böse und zu bekämpfenden „Feind“ an. Menschen sind in dieser Weltsicht tendenziell Objekte, die in der „Standardeinstellung“ alle gleich funktionieren. So wird man z.B. ab einem bestimmten Alter pauschal als „Corona-Risikogruppe“ definiert. Covid19 wurde zur gefährlichsten Bedrohung der Menschheit erklärt , die Auswirkungen gar mit dem 2. Weltkrieg verglichen.

Diskussionen über den Umgang mit Corona werden nicht zugelassen. Die „Experten“ (bestimmte Experten, andere werde nicht angehört ) wüssten kraft ihrer höheren Weisheit und mehr (oder im Fall von Corona eher weniger) wissenschaftlichen Studien, was gut für mich und die Menschheit sei. Die „Corona-Regeln“ werden autoritär mit staatlichen Machtmitteln durchgesetzt. Mein Gefühl, mein Wunsch und Wille zählen nicht. Ich bin ja nur die kleine unwissende Laiin. …

Aber: KANN irgendjemand wirklich besser wissen, was gut für mich und meine Gesundheit ist, als ich selber? Ist diese Annahme nicht ziemlich anmaßend? Für mich entspringen die Corona-Regeln einer Weltsicht, die ich nicht teile. Viren und Bakterien gehören für mich zum Leben dazu. Sie ermöglichen unser Leben erst. Schließlich beherbergen unsere Körper weitaus mehr Bakterien und Viren als menschliche Zellen. Krankheit entsteht für mich aus einem Verlust des Gleichgewichts. Innerhalb unserer individuellen Körper, unserer Psyche und unserer Umwelt. Für mich ist es sinnlos und irgendwie dumm, Viren oder Bakterien bekämpfen oder gar ausrotten zu wollen, um Gesundheit zu erzielen. Für mich ist es sinnvoll, an einem Gleichgewicht zu arbeiten, um Gesundheit zu erzielen. Der Versuch des „Kampfes“ gegen einen Virus, ob durch „Abstandsregeln“, übertriebenes Desinfizieren oder Impfungen verstärkt bestehende Ungleichgewichte eher, als dass er langfristig die Gesundheit fördern kann. Krieg und Kampf sind für mich keine geeigneten Mittel zur Heilung. Sie machen nicht „ganz“, sondern spalten und zerstören. Gegen „das Böse“ zu kämpfen, mag einem hehr erscheinen. Aber „Gut“ und „Böse“ lassen sich in meiner Weltsicht nicht so einfach auseinanderhalten, wie uns das so gerne suggeriert wird: „Abstandsregeln“ können möglicherweise in gewissem Maß vor Ansteckung schützen – und verstärken gleichzeitig Depressionen und auch Ängste und schwächen so das Immunsystem vieler Menschen. Antibiotika können in bestimmten Fällen ein Segen sein. Ihr unkritischer und massenhafter Gebrauch ist längst zum Fluch geworden. Desinfektionsmittel in Krankenhäusern sind wichtig. Ständiges Desinfizieren der Hände und aller möglichen Flächen etc. wie es derzeit praktiziert wird, schädlich. Impfungen können in bestimmten Fällen sinnvoll sein, wegen der Risiken aufgrund der sogenannten „Impfhilfsstoffe“ (und des kaum vorhandenen Wissens unserer „Experten“ über das Immunsystem als System) sind Risiken und Nutzen aber in jedem einzelnen Fall genau abzuwägen. Ein Darm-Bakterium kann für viele Funktionen wichtig und im Übermaß dennoch schädlich sein. Eine wissenschaftliche Herangehensweise an Probleme erleichtert vieles. Eine Überhöhung wissenschaftlicher „Studien“ zu einer Art „Ersatzreligion“, die uns angeblich „objektive Wahrheiten“ und „eindeutige Fakten“ verspricht, ist gefährlich. Eine Sichtweise, wonach es „vernünftige und rücksichtsvolle“ Menschen gebe, die sich an die vorgegebenen Maßnahmen kritiklos halten, wenige Menschen, die sich „berechtigte“ Sorgen machten, und einen abzulehnenden Mix von Kritikern der Corona-Maßnahmen aus „Verschwörungstheoretiker/innen“, „Esoteriker/innen“, „Impfgegner/innen“ und „Rechtsradikalen“, finde ich mehr als bedenklich. Wer meint denn, Menschen in Kategorien einteilen und beurteilen zu dürfen, wer „berechtigt“ sei, Kritik zu äußern – und wer nicht?!!!!!

All diese Maßnahmen und Annahmen der „herrschenden Meinung“ entspringen für mich einer engen, auf die Illusion äußerer Sicherheit fixierten Weltsicht, die ich zwar in gewissen Umfang verstehen kann, die ich aber nicht teile. Dass versucht wird, diese mit Machtmitteln durchzusetzen, gegen die ich im Grunde nicht ankomme, macht mir Angst.

Corona-"Krise"

Krise…?; Künstlerin: Dörte Müller

Wenn ich abends die Nachrichten einschalte, erschrecke ich mich: Nahezu einziges Thema der Nachrichten ist seit geraumer Zeit, dass wir uns in einer „schlimmen Krise“ befänden.

Ich erschrecke mich, weil ich das Gefühl habe, dass unsere gesamte Journalistenschaft – vielleicht, weil viele zu jung sind; offensichtlich, weil sie alle sehr angepasst sind – sich nicht (mehr) als kritisch hinterfragende Journalist*innen zu verstehen scheinen. Sondern ausschließlich als Sprachrohr für eine „herrschende“ Meinung. Herrschend im Sinne von „beherrschend“ und andere Meinungen unterdrückend.

Ich erschrecke mich, weil sie nicht zu wissen scheinen, wie das Unterbewusstsein funktioniert, und was Hypnose ist. (Den Menschen jeden Tag stundenlang – und mit entsprechenden Bildern hinterlegt – einzutrichtern, dass sie Angst haben sollen, ist eine äußerst wirkungsvolle und sehr grausame Hypnose. Eine Hypnose, die in der Langzeitauswirkung extremistischen Strömungen zugute kommen dürfte – und auch deshalb für mich so erschreckend ist.)

Ich erschrecke mich, weil diese Journalist*innen jeden Abend fragen, ob es wohlmöglich „immer noch Menschen gebe, die sich nicht an die Vorschriften“ halten – und weil sie zu meinen scheinen, dass diese Menschen „bestraft“ werden müssten. Ich erschrecke mich nicht, weil ICH mich nicht „an die Vorschriften halte“ (ich kann das Haus wegen meiner Grunderkrankung ohnehin nur schwer verlassen), sondern weil mich solche Fragen ungut an Denunziantentum erinnern: Wer sich nicht 100 %ig an die Vorschriften einer Obrigkeit hält, ist zu bestrafen.

Ich bin irritiert, weil der Mann vom Robert-Koch-Institut, der offenbar derjenige ist, dessen Empfehlungen die Politik folgt, nahezu in Tränen ausbricht vor Empörung, dass es immer noch Menschen gebe (darunter auch Ärzte), die „ihm nicht glauben“. Sprich, die seine Wahrnehmung und Sicht der Dinge nicht für die einzig Mögliche und auch nicht unbedingt für die Richtige halten.

Ich bin irritiert, als die Medien fast stolz vom zweiten „Corona-Toten“ in Berlin berichten. In einer Großstadt wie Berlin sterben jeden Tag Menschen. Junge und Alte. An allem Möglichen. Der erste „Corona-Tote“, war über 90 Jahre alt und multimorbid, also an verschiedenen Erkrankungen leidend. In meinem ganzen Leben hatte ich noch nicht erlebt, dass über den Tod eines über 90-Jährigen – nicht prominent in der Öffentlichkeit stehenden – multimorbiden Menschen in den Medien berichtet wurde … . Corona machts möglich … . Auch der zweite Tote war offenbar ein älterer Mann. Gestern Abend wurde in den Regionalnachrichten ein kurzer Ausschnitt aus einer Sitzung gezeigt, in der die Berliner Gesundheitssenatorin mit hysterischer Stimme eine Quarantäne für alle über 70ig-Jährigen fordert. In was für einem schlechten Film bin ich da gelandet?!!! Hatten Filme wie „Outbreak“ so einen fatalen Einfluss auf das Unterbewusstsein der Menschen, dass sie weltweit völlig aus der Balance geraten zu sein scheinen?

„Seid solidarisch! Lasst Menschen, insbesondere alte und kranke Menschen vereinsamen! Nähert Euch ihnen nicht! Gebt ihnen keine Umarmung! Berührt sie nicht!“ Was geht in Menschen vor, die solche menschenverachtenden Vorgaben machen – und das auch noch ausrechnet als „Solidarität“ verkaufen? Ist es diesen Menschen egal, wenn alte Leute an Einsamkeit leiden und sterben? Machen sie ihre eigene Todesangst zum Maßstab aller Dinge?

Menschen sterben – irgendwann. Alle. Der Tod gehört nun einmal zum Leben, auch wenn uns das nicht passt. Viren gehören ebenfalls zum Leben, manche haben sogar wichtige „Funktionen“ für uns und unser Leben. Bakterien ohnehin. Einen „Kampf“ gegen einen Virus kann man nicht gewinnen, ohne große Kollateralschäden anzurichten. Aber: Man kann für Heilung sorgen. In sich und in der Umwelt. Zum Nutzen aller.

Corona ist ein Virus und keine Krise. Die derzeitige „Krise“ ist die rasante Verbreitung von Angst. Und die ist menschengemacht.

So meine Meinung.