Beatmung hintenrum – abc-Extraetüde 22.21

Gestern habe ich in einer Wissenschaftssendung mal wieder etwas gehört, was meine „heilerische“ Phantasie beflügelt hat: Dass auch Säugetiere theoretisch über den Darm beatmet werden können. Die Tierversuche, die man dafür gemacht hat, fand ich ziemlich daneben. Aber ich bin ja sehr für Korsett-freies Denken in Medizin und Wissenschaft. Und so dampften meine Gedanken gleich los… .

… Und hielten Kurs aufs Mikrobiom. Auf die Billionen Bakterien, die in und auf unserem Körper leben, vor allem im Darm. Unsere Wohngemeinschaft mit ihrem enormen Einfluss auf unsere Gesundheit.

Wer mit „unseren“ Zellen zusammen wohnt, können wir (nur) indirekt beeinflussen. Über unsere Ernährung und unseren Lebensstil. Alles, was uns widerfährt, alles was uns stresst, hat auch Einfluss auf unsere „Mitbewohner“. Sie sind ein Teil von uns. Sehr lebendig. Sehr wichtig.

Mehrere Antibiotikabehandlungen vor dem 18. Lebensjahr können bei Frauen das Risiko im späteren Leben an Brustkrebs zu erkranken, statistisch verdoppeln.

Bereits eine einzige – schon dem Wortsinne nach gegen das Leben gerichtete – Antibiotikabehandlung kann das Mikrobiom nachhaltig negativ beeinträchtigen. So, als hätte man ein gesundes linksdrehendes Milieu in ein krankes rechtsdrehendes verwandelt.

Es dauert sehr lange, bis die Darmflora sich von Antibiotikabehandlungen erholt, wenn sie es überhaupt schafft. Nach Antibiotikabehandlungen können Fäulnisbakterien im Darm stark zunehmen, weil man im „Krieg“ gegen Krankheitserreger viele „gute“ Bakterien mit getötet – und damit ein Gleichgewicht zerstört hat.

Der Darm ähnelt dann plötzlich einer Baracke, in der die wenig Netten das Kommando übernommen haben. Zulasten des Gesamtsystems: Die Darmschleimhaut verändert sich, die Darmbarriere wird durchlässiger. Chronische Entzündungen, oftmals als solche gar nicht erkannt, nehmen zu. Machen müde und schlapp.

Man kann versuchen, mit einer mehrwöchigen komplett zuckerfreien und aus viel Rohkost bestehenden Ernährung gegenzusteuern. Aber die Begeisterung über „komplett zuckerfrei“ ist meist eher lau.

Wenn man also mit Antibiotika insgesamt endlich sorgsam umginge. Und – nach einer als unumgänglich angesehenen Antibiotika-Therapie standardmäßig den Darm „beatmen“ würde…?

Wahrscheinlich eine eher unangenehme Prozedur. Aber könnte es vielleicht über Sauerstofftherapien gelingen, den unerwünschten Fäulnisbakterien gar nicht erst das Terrain zu überlassen? Und damit vielleicht einigen chronischen Erkrankungen den Nährboden zu entziehen? In diese Richtung bin ich gedampft, gedanklich. …

Ich bin ohnehin großer Fan von Sauerstoff für Gesundheit. Auch hyperbare Sauerstofftherapien (Sauerstoffgabe bei erhöhtem Umgebungsdruck) sollten aus meiner Sicht viel öfter eingesetzt werden. Sie könnten vielleicht so manche Chemotherapie ersetzen.

Letzteres darf ich natürlich eigentlich nicht sagen, denn noch haben wir alles andere, als eine Korsett-freie Medizin und Wissenschaft. Menschen, die alternative Krebstherapien erforschen möchten, widerfährt selten Gutes.

Solche Forscher werden mit Hohn und Spott bedampft, in die Baracken oder gleich in die Obdachlosigkeit verbannt, – wenn sie nicht rechtsdrehend sofort wieder beidrehen und den von mächtigen Industrien vorgegebenen Kurs einschlagen. Verbotenes Terrain zu betreten, wird hart sanktioniert. Es gilt: Wenn rechtsdrehend gewollt ist, ist linksdrehend gefährlich … .

Forschungsfreiheit… ? Hintenrum kommend… würde ich sagen: Eher lau … . Aber auch diese Forschungs-Korsetts werden in nicht allzu ferner Zukunft sicher nur noch Relikte der Vergangenheit sein. Denn Systeme, die sich auf Dauer die Frischluftzufuhr selbst abschnüren, neigen zum Kollabieren … ;-).

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Ich habe gerade mal zu hyperbaren Sauerstofftherapien nachgelesen, die es ja durchaus an einigen, aber aus meiner Sicht viel zu wenig Kliniken gibt. Zumindest eine davon erforscht den Nutzen dieser Therapien auch für schwere chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa in besonders schweren Fällen. Das ginge schon in Richtung meiner Gedanken zum „beatmeten Darm“… .

Ich bin überzeugt, dass die Therapie bei den meisten entzündlichen Erkrankungen, vielen Tumorerkrankungen und sicherlich auch schweren Viruserkrankungen sehr hilfreich wäre. Natürlich ist sie teuer und personalintensiv. Aber relativ nebenwirkungsfrei, was man von vielen ebenfalls teuren Standardtherapien dieser Erkrankungen nicht gerade behaupten kann. …

Wie immer mit Dank an Christiane für ihre liebevolle Betreuung der Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwoche 22.21 | Extraetüden | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind. Und an die Wortspender der letzten beiden Runden.

Extraetüde 05.21; Date mit Marktwert

Wie immer mit Dank an Christiane, bei der auch die Regeln der Extraetüden zu finden sind (Schreibeinladung für die Textwoche 05.21 | Extraetüden | Irgendwas ist immer (wordpress.com) ).

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Da! Die orangene Rose war das verabredete Erkennungszeichen. Aber sie hätte ihn auch so gefunden. Es war ein teures Restaurant, das er ausgesucht hatte. Das Ambiente erschien ihr geschmackvoll. Aus den Lautsprechern erklang gedämpfte klassische Musik. Jeder Tisch war besetzt und sie wurde umfangen von einem angenehmen Stimmengewirr. Aus der Küche drang der Hauch verführerischer Düfte nach verschiedenen Aromen.

Alles ließ sie auf einen schönen Abend hoffen. Sie ging auf seinen Tisch zu. 

„Theo?“

Er nickte. Mit selbstgefälligem Grinsen musterte er ihren Körper, während sie sich zu ihm setzte.

„Hey, du hast doch eine Superfigur, Simone! Ich hatte schon befürchtet, du wärst wohlmöglich fett, nachdem du auf meine Frage nach dem Gewicht nicht geantwortet hast. Aber jedes Gramm sitzt, wo es hingehört. Ganz nach meinem Geschmack.“ 

Oh. Vielleicht würde der Abend doch nicht so schön. 

„Bist du in der Fleischindustrie? So interessiert, wie du am Fettanteil deiner Mitmenschen zu sein scheinst?“

Sein Grinsen erlosch. „Nein, ich arbeite in der Investmentbranche. Das solltest du in meinem Profil eigentlich gelesen haben. Ich bin das, was man ein High-Flyer nennt. Und in meiner spärlichen Freizeit möchte ich etwas Schönes anzuschauen haben. Etwas, was man auch seinen Freunden zeigen kann, ohne sich zu blamieren. Und du? Kunstbranche stand in deinem Profil. Galeristin? Oder bist du wohlmöglich bloß einfache Künstlerin? Wenn du so chaotisch bist, dass du nicht einmal mein Profil richtig gelesen hast?“ 

Hach! „High-Flyer“. Lächerlich! Was hatte sie, was hatte nur irgendjemand an seinem Profil interessant finden können?! Eingebildeter Fatzke. 

Sie richtete sich auf. 

„Genau genommen bin ich Headhunterin. Zu meinen Kunden gehören einige Dax-Unternehmen. Sie schätzen mein unkonventionelles Vorgehen. Sie, mein Lieber, waren für einen Vorstandsposten im Gespräch. Aber da braucht man heutzutage vor allem soziale Kompetenz. Weichmütig ist gefragt, nicht cholerisch. Empathie, Teamfähigkeit, Kreativität, ein modernes Frauenbild. Ich fürchte, Sie würden das nicht wirklich gebacken kriegen. Genau genommen haben Sie es gerade ziemlich vergeigt… . Einen schönen Abend noch!“

Draußen auf der Straße lachte sie laut los. Zetermordio nochmal war sein erschüttertes Gesicht schön anzuschauen gewesen…. !

Wie gut, dass „einfache Künstlerinnen“ kreativ sind, dachte sie lachend, während sie im Handy checkte, was die Gegend noch so zu bieten hatte. Der Abend war ja noch jung. Und sie hatte jetzt Lust auf laute Musik und Tanzen mit ganz vielen Menschen zusammen. Vorher vielleicht noch irgendwo in eine Bar? „Das Leben ist einfach schön! Und ich bin jung genug, es in vollen Zügen zu genießen.“ sagte sie sich und zog los.