Grenzenlos

Gefertigt von Dörte Müller

Als ich in meiner Etüde „Der Lehrstuhl“ die Nazivergangenheit späterer hochrangiger Mediziner thematisiert habe, ging es mir nicht um die Frage von individueller „Schuld“. (Das Wort „Schuld“ mag ich ohnehin nicht.)

Es ging mir um die Frage der ethischen Grenzen von Forschung. Und vor allem darum, ob Forschung in der Lage ist, sich solche Grenzen zu setzen, wenn sie von Außen nicht gesetzt werden. Wenn die jeweilige Regierung die Forschung – aus welchen Gründen auch immer – gar ermuntert. Wird es dann Grenzen geben? Kann es dann Grenzen geben?

Die Geschichte zeigt meines Erachtens, dass es immer Forscher geben wird, die alles probieren, was möglich ist. Aus Forscherdrang, aus „Ruhmesdrang“, aus Neugier, oder auch mit der echten Intention die Welt und die Menschen „besser“ zu machen.

Wie groß ist in der Forschung die Achtung vor dem Leben?

Das erste Mal stolperte ich über diese Frage vor Jahrzehnten. Ich hatte gemeinsam mit einer Schulfreundin auf dem Gymnasium ein Referat zum Thema „Tierversuche“ gehalten. Es war ihre Idee gewesen. Damals gab es ja noch kein Internet, so dass die Recherche direkter war, man sich schlechter innerlich distanzieren konnte. Ich weiß nicht mehr, wo wir überall waren, aber ich erinnere mich noch an unser Empfinden von blankem Entsetzen bei dem, was wir sahen.
Diese Freundin studierte nach dem Abi ein naturwissenschaftliches Fach mit dem erklärten Wunsch, in die Forschung zu gehen. Bei einem unserer spärlichen (jetzt schon lange nicht mehr vorhandenen) Kontakte später, fragte ich nach Tierversuchen. „Ja.“, sagte sie. Auf meinen Blick – und den Hinweis auf unser gemeinsames Schulreferat – folgte ein Schulterzucken. Das gehöre halt dazu und mache ihr auch nichts aus.

Wahrscheinlich ist es so: Bei den ersten Malen fühlt man sich noch unwohl. Irgendwann gewöhnt man sich dran. Und findet es normal. Es gehört halt dazu.

Die Achtung vor dem Lebendigen, vor dem Schmerz und vor der Würde des anderen Lebewesens ist verdrängt. Man tut es ja aus „guten“ Beweggründen, denn man möchte für die Menschheit was erreichen (und / oder für die eigene Karriere).

Menschenversuche sind aus meiner Sicht letztendlich nur eine Eskalationsstufe weiter. Jede medizinische Studie ist ein Menschenversuch, nur dass die Teilnehmer normalerweise (anders als die Tiere) vorab ihr Einverständnis erklären. Inzwischen hat man – von der Politik gedeckt und sogar forciert – auch dieses Einverständnis bezüglich der laufenden Megastudie für obsolet erklärt.
Wo wird das hinführen?

Gerade habe ich das Buch „Geheilt“ von Jeffrey Rediger ausgelesen. Der Mann lehrt an der Harvard Medical School. Er hat viele Preise für seinen Ansatz ganzheitlicher Medizin und für seine Forschungsergebnisse bekommen. Das Buch hat mich begeistert. Ungefähr 95 % des Inhalts konnte ich voll unterschreiben.

Bis … ich zum letzten Kapitel kam. Wo er u.a. seine Vision der Medizin im Jahr 2049 darstellt.
Mir wurde übel:
Eine KI, die in medizinischer Hinsicht absolut alles über die Menschen weiß. Von den Erkrankungen ihrer Großtanten und sonstigen Verwandten über die gesamte Ernährung, alle medizinischen Parameter, ihren Stress im Leben usw.. Das erschien ihm paradiesisch .
Mit anderen Worten: Eine KI, die dem Mensch (und „seinem“ Arzt) sagt: „Sie haben eine genetische Vorbelastung für Tumorerkrankungen x, y, z, alpha, omega, denn die alle sind in ihrer weitläufigen Verwandtschaft schon einmal vorgekommen.. . Nehmen Sie unsere maßgeschneiderten Impfungen gegen diese Tumore, dann sind Sie geschützt.“
Auf dem immer bei sich zu führenden Tablet erscheinen dann vermutlich ständig Hinweise, die daran erinnern, dass man Impfung a, b, c aufzufrischen und Medikamente 4,5,6,7,13,16 zu nehmen habe. Beim zweiten Glas Wein ertönt vielleicht ein schriller Signalton, der einen dazu erziehen soll, bei einem Glas zu bleiben. Man kann sich vieles vorstellen.
Rediger nennt das „wohlwollende, informationsbezogene Präsenz der KI“.
Ich nenne es Alptraum-Szenario… .

Rediger freut sich auch sehr über die, wie er es nennt „technologischen Veränderungen„, die es 2049 schon lange gegeben haben werde: „Inzwischen können problemlos Nanobots in die Blutbahn injiziert werden, um entstehende Krebszellen aufzuspüren und zu vernichten, Gefäßwände auszubessern, alt werdende Zellen zu beseitigen, eine kranke Schilddrüse oder ein krankes Herz zu reparieren und vieles mehr.“ schreibt er (S. 506 f.).

Nanobots… . Wenn man schon weit vor 2049 so weit sein will, muss man sich beeilen. Bis man dahin gekommen ist, wird es Opfer geben. Natürlich. Die Dinger lagern sich wohlmöglich im Herzvorhof an, oder im Gehirn oder in den Ovarien … . Das wäre alles nicht so gut. Aber mit der fixen Idee, die Menschheit irgendwann vor Krebs schützen zu können, wären solche Opfer aus Sicht der Forschung mit Sicherheit akzeptabel.

Wenn man diesen Allmachtstraum träumt (und da wird Rediger ja nicht gerade der einzige sein…):

Kann es da nicht äußerst nützlich sein, jetzt schon mal zu testen, wie sich Nanopartikel, die man in den Muskel spritzt, im Körper verteilen? Wo sie sich eventuell anlagern? Wie lange? Was man noch verbessern müsste, damit man Nanobots tatsächlich „zirkulieren“ lassen könnte?

Ist das der Grund, warum BionTec / Pfizer verschiedene Nanopartikel in ihren Impfstoffen testen? Und v.a., ist das der Grund, warum die Politik unbedingt will, dass JEDE Person DIESE Impfstoffe bekommt, (während die Vektorimpfstoffe ja eine deutlich schlechtere Presse bekommen)?
Ist der tiefere Grund für die aufgezwungenen PCR- und sonstigen Tests (wie es ja in alternativen Medien schon lange vorhergesagt wird) tatsächlich darin zu sehen, dass das genetische Material der Menschheit Gold wert ist?

Ich weiß es nicht. Aber die von Rediger skizzierten Forschungsträume lassen mich Schlimmes befürchten.
Und ich bin mir sicher, ER meint es gut.
Das macht es noch gruseliger.

Menschenbilder – oder: Auf dem Weg in eine gesündere Welt?

Gute Besserung?; Künstlerin: Dörte Müller

Die meisten Menschen scheinen sich einig zu sein, dass unsere derzeitige Gesellschaft fast weltweit in gewisser Weise krank ist. Nein, ich meine nicht Corona. Sondern die Ungerechtigkeiten in der Welt. Die gigantischen Umweltprobleme. Kriege. Ausbeutungen. Unterdrückung von Frauen. „Anbetung“ von Macht und Geld. Die Welt ist schon seit langer Zeit in vieler Hinsicht völlig aus dem Gleichgewicht.

Es muss sich etwas ändern. Da würde ich dem gerade viel zitierten Klaus Schwab recht geben. Ohne sein Buch zum „Great Reset“ oder zur „4. industriellen Revolution“ gelesen zu haben, haben mir die Interviews mit ihm – die ich gelesen habe – den Eindruck vermittelt, er setze dabei vor allem auf KI und wolle den Kapitalismus im Grundsatz beibehalten (aber privates Vermögen teilweise umverteilen). Und das scheint mir tatsächlich auch der Ansatz zu sein, den die meisten westlichen Regierungen derzeit verfolgen.

Dahinter steht für mich ein bestimmtes Menschenbild, (das auch hinter dem Denken stehen dürfte, das den derzeitigen Umgang mit Corona bestimmt):

Mensch und Natur sind zwei völlig voneinander getrennte Entitäten.
Die Natur ist etwas Gefährliches, wenn der Mensch sie nicht mit seinen technischen Mitteln „unter Kontrolle bringen“ kann.
Der Mensch selbst ist ebenfalls etwas Gefährliches.
Sein Körper ist getrennt von seinem „Verstand“ und diesem gegenüber etwas Minderwertiges / Sündiges. Kein Wunderwerk, das in einem komplexen Gleichgewicht voller Lebendigkeit und Selbstheilungskräften eingebunden ist. Sondern eine störanfällige Maschine, die man im Bedarfsfall unbedingt „Experten“ anvertrauen sollte. Und die von diesen mit Eingriffen von außen wieder funktionsfähig gemacht werden muss.
Der menschliche Geist wiederum ist zu schlimmen Gräueltaten fähig. Er handelt oft nicht „vernünftig“.
Nach diesem Menschenbild gibt es die Vorstellung einer objektiven „Vernunft“, an die die Menschen heran geführt werden müssten.
Gefühle seien per se gefährlich. Menschen werden daher davon abgehalten, auf ihr Gefühl zu hören. Sowohl Geist wie Gefühle der Massen müssen aus dieser Sicht von außen gesteuert und unter Kontrolle gehalten werden.
Man weiß, dass Menschenmassen verführbar sind, und man weiß vom „Herdentrieb“ der Menschen. Man versucht, diesen zu nutzen, um sicherzustellen, dass sie zum „Guten“ und „moralisch Richtigem“ verführt werden. Hierfür braucht es Eliten, die das Volk führen, und ihm sagen, was es zu glauben, zu fühlen und zu tun hat.
Wer sich widerspenstig zeigt, ist potentiell gefährlich und damit zu bekämpfen – und wieder unter Kontrolle zu bringen. Wenn einmal die Kontrolle verloren ist, dann werden aus dieser Sicht desaströse Szenarien Wirklichkeit: Es droht ein „exponentielles Wachstum des Bösen“ (das scheint die Lehre aus der Nazizeit).
Die Eliten sollten möglichst „objektiv“ und „moralisch integer“ sein oder zumindest so wahrgenommen werden, was man am ehesten „der Wissenschaft“ zutraut. Denn diese gilt per se als „objektiv“. Das mache sie aus.
Noch „objektiver“ ist KI. Die allerdings wiederum von jemandem programmiert werden muss…. . Man glaubt, dass die Eliten so integer seien, dass sie diese Tatsache nicht für sich ausnutzen würden.

Der Glaube an die KI hat aus Sicht des bestehenden Systems den Vorteil, dass man weit möglichste Kontrolle über die Menschen bekommt, sie im wahrsten Sinne des Wortes „berechenbarer“ werden. Gleichzeitig kann man weiterhin dem Kapitalismus und dem Wachstumsgedanken frönen. Muss also nicht wirklich über das bestehende System hinaus denken oder als Angehörige*r der derzeitigen Elite stärkere Einschnitte für das eigene Leben befürchten.

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Der Gegenentwurf sieht Mensch und Natur als zusammengehörig und stellt den längst verloren gegangenen Bezug zu „Mutter Erde“ wieder her. Die Ansicht der „Gleichberechtigung“ von „Mutter Erde“ mit „Vater Gott“ führt zu einem anderen Stellenwert des Weiblichen an sich.
Statt dem Versuch, diese „unter Kontrolle zu bringen“, herrscht Dankbarkeit und Demut gegenüber der Erde und der Natur, die uns unser Leben überhaupt erst ermöglichen (und der Frauen, die dieses Leben weiter geben).
Körper und Geist sind untrennbar verbunden und beide stellen ein vom menschlichen Verstand nicht erfassbares „Wunder“ dar, das – auch hinsichtlich der schier unglaublichen körperlichen Selbstheilungskräfte – ebenfalls Dankbarkeit und Demut erzeugen kann (und Lust erzeugen darf). Experte für den eigenen Körper ist selbstverständlich jeder Mensch selbst. Die eigene Intuition immer der wichtigste Ratgeber.
Dass Mensch und Natur auch zerstörerische Aspekte haben, ist aus dieser Sicht kein Grund, sie sich untertan machen zu wollen, sie kontrollieren und beherrschen zu wollen. Aus dieser Sicht ist es die Verantwortung jedes Menschen selbst, seine eigenen zerstörerischen Anteile zu erkennen und zu bearbeiten. Um dann den in sich selbst erzeugten Frieden auch nach außen ausstrahlen zu können.
Eine absichtliche groß angelegte Manipulation des Bewusstseins anderer Menschen wird abgelehnt und als etwas Negatives und tendenziell Gefährliches angesehen. Der Glaube an eine objektive Wahrheit im Außen als eine Illusion, die von Menschen mit Eigeninteressen ausgenutzt werden kann und wird.
Menschen, die sich selbst für eine Elite halten, und meinen, anderen etwas vorschreiben und sie kontrollieren zu dürfen / müssen, sind aus dieser Weltsicht heraus NIEMALS moralisch besonders integer. Wer Macht über andere ausüben und diese kontrollieren möchte, hat im Gegenteil noch sehr viel an sich zu arbeiten. Um die eigene Sucht nach Macht in Liebe umzuwandeln. Die große Aufgabe unserer Zeit aus dieser Sicht, bei der sich gerade die Menschen, die sich für eine Elite halten, als die größten Bremsklötze erweisen.
Künstliche Intelligenz dient aus dieser Sicht nicht in erster Linie dem Menschen, sondern Kapitalinteressen. Und ist genauso kalt wie diese.
Technik und Geld sollten den Menschen dienen – und sie nicht beherrschen.
Eine Menschheit, deren Daseinszweck darin gesehen wird, der Technik und vor allem dem Geld zu dienen, ist ihres Menschseins beraubt.

Die Weiterführung des Kapitalismusgedankens scheint daher aus diesem anderen Menschenbild heraus ebenso wenig der richtige Weg zur Gesundung der Welt wie der Glaube an Eliten (zu denen die „herrschende Klasse“ sich tendenziell immer auch selbst zählt). Und der Glaube an KI schon mal gar nicht.

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Jeder Mensch hat (noch) die freie Entscheidungsmöglichkeit, welchem Menschenbild er oder sie folgen möchte. Welche Zukunft er oder sie der Menschheit wünscht.

Stell dir vor, EINIGE Menschen wollen Macht über andere ausüben – und niemand gibt sie ihnen.