Ein „Trick“, damit die neue (oder alte) Beziehung „gelingt“…

gemalt von Dörte Müller

Gibt es das? Einen solchen „Trick“?

Wenn sich ein Paar kennenlernt, könne man rasch ziemlich genau vorhersagen, ob es eine langjährige gelingende Partnerschaft werden wird, – sagt Martin Seligman* in seinen Büchern.

Wenn es eine solche Vorhersagemöglichkeit gibt, müsste man sich ja eigentlich nur so verhalten, wie die „guten“ Paare – und schon klappt`s, oder? Also zumindest rein abstrakt. Wie praxistauglich das dann tatsächlich ist, müsst ihr für euch selbst beurteilen…. :

Die o.g. Vorhersage erfolgt anhand der sogenannten „Losada-Rate“ (benannt nach ihrem Erforscher, wobei mir bei anderen Autoren teilweise andere Namen für dasselbe Phänomen begegnet sind).

Wenn die Losada-Rate eines Paares bei 1:5 liegt, sagt Seligman (bzw. Losada), dann werde die Beziehung langjährig gut und glücklich. Diese Rate von 1:5 sei dabei nicht nur für Partnerschaften, sondern auch für Freundschaften oder Eltern-Kind-Beziehungen optimal.
Im beruflichen Kontext läge die Rate bei 1:3. Wenn diese erreicht werde, empfänden die Mitarbeitenden das Betriebsklima als angenehm und arbeiteten gerne in dem betreffenden Betrieb.

Was heißt das nun?

Die Rate bezieht sich auf das optimale Verhältnis von Kritik und Wertschätzung in einer Beziehung.
Eine Losada-Rate von 1:5 bedeutet daher: Auf eine kritische Bemerkung gegenüber der anderen Person müssen insgesamt jeweils mindestens fünf aufbauende wertschätzende Bemerkungen bzw. Kommentare dieser Person gegenüber kommen.
Fünf… . Das könnte erklären, warum es so wenig langjährig glückliche Paare gibt… .

Denn die meisten Paare schaffen wohl nur eine Rate von 1:2. Spontan hätte ich gedacht, das wäre ja auch schon irgendwie gut, immerhin doppelt so viel Wertschätzung wie Kritik …, – aber es hält eine Beziehung auf Dauer offenbar nicht, jedenfalls nicht glücklich.
Im beruflichen Umfeld fehlen die wertschätzenden Kommentare nicht selten sogar ganz. Nach dem Motto „Nicht kritisiert ist genug gelobt.“. Manch Chef wundert sich dabei sogar noch, dass seine Mitarbeitenden nicht so engagiert sind, wie sie seiner Meinung nach sein könnten… .

Den meisten Menschen, die sich mit Kommunikation beschäftigen, ist bekannt, dass Bemerkungen als umso wertschätzender empfunden werden, je konkreter sie sind. Ein einfaches „Das hast du schön gemacht.“ zählt lange nicht so viel wie „Ich habe mich total gefreut, dass du das gestern … so und so … gemacht hast, denn damit hast du mir in … der und der … Hinsicht Arbeit abgenommen, was mich gerade gestern echt entlastet hat.“ Die wenigsten Menschen, auch die, die sich mit Kommunikation beschäftigen, setzen dieses Wissen allerdings wirklich um. Es ist nämlich in der Praxis gar nicht so einfach. Aber bei Menschen, die sich mit der Annahme von Anerkennung und Lob eher schwer tun (und das sind sehr viele), kommt meist nur konkretes Lob überhaupt an.

Zurück zu den Paarbeziehungen. Was mir besonders spannend erschien, und euch vielleicht auch: Anders, als man oft denkt, sei für eine gelungene Beziehung insgesamt weniger entscheidend, dem oder der anderen in einer schlechten Phase Trost zu spenden, als ihn oder ihr bei positiven Erlebnissen oder Vorhaben aktiv Zuspruch zu schenken.

Wenn also „Schatz“ kommt, und begeistert von einer Idee zu einem neuen Projekt erzählt, was mache ich dann?
Seligman beschreibt vier verschiedene Reaktionsmöglichkeiten, die ich im Folgenden kurz darstelle und mit möglichen Beispielen unterlege:

  • aktiv destruktiv (Blickkontakt, wütend; aktives Zerstören der Motivation, Beschimpfen); Beispielreaktion – „Schon wieder so eine spinnerte Idee von dir! Du hast doch noch nie was wirklich fertig bekommen, oder nur was Hässliches, was keiner brauchen kann. Richtest nur Chaos an, und ICH muss dann alles wieder aufräumen.“ (NICHT gut für die Beziehung…!;-))
  • passiv destruktiv (kein Blickkontakt; Nicht Zuhören, mit den Gedanken bei sich und eigenen Problemen); Beispielspielreaktion – „Ich hatte einen sauanstrengenden Tag. Und dann kam im Büro auch noch so ein blöder Anruf.“ (Im „Akutfall“ aus meiner Sicht okay, das Nichtzuhören und nur bei sich sein sollte aber nicht zur Regel werden … .)
  • passiv konstruktiv (kein Blickkontakt; nur mit halbem Ohr Zuhören, ohne wirkliches Interesse); Beispielreaktion – „Das klingt gut. Mach das.“ (Nimmt „Schatz“ zuverlässig einen Teil des Elans und wird nach meiner Erfahrung von vielen Menschen sogar als unangenehmer empfunden, als die beiden anderen Varianten.)
  • aktiv konstruktiv (Blickkontakt, Lächeln, Freude und Interesse); Beispielreaktion – „Hey, das klingt super! Erzähl Näheres, was stellst du dir genau vor? Wie weit bist du schon? Kann ich irgendwo unterstützen?“ (JAAA, das klingt nach einer glücklichen Beziehung … .)

Also, das ist schon der ganze „Trick“:
– Insgesamt fünfmal so viele aufbauende wertschätzende Kommentare wie kritische Bemerkungen gegenüber der anderen Person.
– Konkrete Wertschätzung dieser Person gegenüber ausdrücken.
– Und Begeisterung und Elan dieser Person, wann immer möglich, aktiv konstruktiv unterstützen.
Dann klappt es auch mit dem Nachbarn … ;-).

Klingt eigentlich ganz einfach, oder?

Tja, aber wie die meisten „Tricks“ sieht es nur für die Zuschauenden einfach aus – und bedarf von den Handelnden in Wahrheit in aller Regel sehr viel Übung und Achtsamkeit.
So jedenfalls meine Erfahrung. …

Vielleicht kann ja trotzdem – oder gerade deshalb – jemand von euch einen Nutzen aus diesem Beitrag für sich ziehen. Ich würde mich freuen!

*P.S.: Martin Seligman gilt als Pionier der „positiven Psychologie“. Das oben Stehende bezieht sich zu einem großen Teil auf Inhalte aus seinen Büchern „Der Glücksfaktor – Warum Optimisten länger leben“ und „Flourish – Wie wir aufblühen“.

Schubladen und Feindbilder

Schubladen; Künstlerin: Dörte Müller

Wer gibt schon zu, „in Schubladen zu denken“? Niemand. Klingt irgendwie doof. So irrational. Aber unsere Gehirne tun genau das. Deshalb wirken sogenannte Frames so gut. Unsere Gehirne sind im Grundsatz „faul“. Sie hinterfragen normalerweise nicht, sondern sortieren zu. Gegen einen einmal von jemandem als Wahrheit akzeptierten Frame braucht man daher als andersdenkende Person nicht wirklich zu argumentieren zu versuchen. Man rennt gegen eine Mauer. (Fast jede*r versucht es trotzdem immer wieder, denn ansonsten müssten wir auf die Gefühle der Andersdenkenden eingehen, und das sind wir nicht gewohnt… .)

Diese prinzipiell ja ökonomische Vorgehensweise unseres Gehirns wäre vielleicht auch gar nicht so schlimm. Wenn wir nicht dazu tendieren würden, die Menschen, die wir in „die andere“ Schublade gestopft haben, gleichzeitig zum Feindbild zu erklären.

Solche Gedanken kommen mir dieser Tage sehr oft.

Für viele von uns ist Donald Trump das Feindbild und der „Spalter“ in Person. Ich habe auch immer dazu geneigt, alles, was mir an der amerikanischen Politik nicht gefiel, ihm persönlich in die Schuhe zu schieben. Während ich bei Obama für alles, was mir nicht gefiel, die Umstände und die schwierigen Mehrheitsverhältnisse verantwortlich gemacht habe. Obama wirkt eben als Mensch auf mich einfach deutlich sympathischer…. Allerdings bin mir ziemlich sicher, dass die Demokraten die Grundidee des „America first“, gar nicht so viel anders sehen, als Trump. Staatenlenker, die die echten oder vermeintlichen Interessen ihres Landes nicht an erster Stelle sehen, haben es in unserer derzeitigen Welt immer noch schwer. Denn diese Welt ist leider eine egoistische. Diese Welt lebt nach den Konzepten des „ich zuerst“ und „der Stärkere hat recht“. Für mich die Ursachen vieler, wenn nicht aller, unserer Probleme auf dieser Erde.

Der oder die Stärkeren, das sind natürlich auch die, für die es leichter ist, Frames zu setzen – und damit eine Mehrheit dazu zu bringen, der gewünschten Meinung zu folgen. Trump hat das sogar über Twitter „perfektioniert“. WARUM man letztlich einer bestimmten Ansicht folgt, hat m.E. aber immer tiefer liegende Gründe. Das hat etwas mit der eigenen Weltsicht zu tun. Mit Glaubenssätzen, Kindheitserfahrungen, der Anfälligkeit für bestimmte Ängste. Nur mit (rationalen) Argumenten, Studienergebnissen usw. hat es meist sehr wenig zu tun.

Bei Corona ist das gut sichtbar. Es gibt Studienergebnisse in die unterschiedlichsten Richtungen. Die Vorstellungen über die beste Vorgehensweise gehen auch bei Experten weit auseinander. Die Evidenz, dass Alltagsmasken tatsächlich den Schutz bieten, den sich die meisten Menschen davon zu versprechen scheinen, ist dünn bis nicht vorhanden. Mit Ausnahme von „Abstand“ und „Isolierung symptomatischer Personen“ weiß eigentlich niemand so richtig, was Schutz bietet und sinnvoll ist, und was nicht. Es gibt Vermutungen, Prognosen (und auch Studien), die je nach Weltsicht so oder so ausfallen.

Ich habe (vielleicht auch aufgrund der Kommentare zu meinem letzten Beitrag) durchaus Verständnis dafür, dass die Politik dazu neigt, im Zweifelsfall lieber zu viel als zu wenig zu tun und zu hoffen, das Ganze irgendwie in den Griff zu bekommen. Auch, wenn ich persönlich genau das für eine Illusion halte. Und natürlich habe ich viel Verständnis dafür, dass viele Menschen HOFFEN, dass die Maßnahmen schützen – und alleine wegen dieser Hoffnung geneigt sind, daran zu glauben.

Was MIR Angst macht, ist jedoch, dass die jeweils andere Seite zum Feindbild geworden ist.

Ich mag diese Verschwörungsidee nicht, nach der irgendeine „Weltelite“ das alles geplant habe. Ich kann verstehen, dass Menschen auf diese Idee kommen, weil sich vieles an dieser Pandemie so merkwürdig anzufühlen scheint. Sie suchen für sich nach einer Erklärung für bestimmte Handlungsweisen der Regierungen und der Medien, fragen sich dann, „wem nützt das Ganze“ und landen bei Bill Gates. Damit werden Bill Gates und andere zum Feindbild dieser Gruppen und das halte ich für gefährlich.

Genauso wenig mag ich das so verbreitete Narrativ, wonach „Maskenverweigerer“ und andere Kritiker der Corona-Maßnahmen „schuld sind“, dass sich weiterhin Menschen an dem Virus anstecken. Obwohl nicht erwiesen ist, dass Alltagsmasken einen wirklichen Schutz bieten (und so, wie sie meist gehandhabt werden, sogar eher das Gegenteil der Fall sein dürfte), sind Menschen ohne Maske längst zum Feindbild Nummer 1 geworden. Und das wird immer weiter geschürt mit Worten wie „verantwortungslos“, „unbelehrbar“ o.ä., wenn jemand wagt, den Nutzen von bestimmten Maßnahmen zu hinterfragen. So setzt man Frames, denen dann leider eben auch nicht mehr mit Argumenten begegnet werden kann.

Von Beginn an haben die Medien selten bis nie gefragt: „Nutzen die Maßnahmen oder schaden sie?“ Sondern „Werden sie eingehalten?“ Ständig wurde und wird suggeriert, dass, wer sie nicht einhält, damit allen schade, egal, um welche Maßnahme es gerade ging.

Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen darf, wird nicht nur gezwungen, überall ein Attest mit genauer Diagnose vorzuzeigen (normalerweise sollte die ärztliche Diagnose niemanden etwas angehen), sondern meist selbst trotz Attest angefeindet. Die anderen hören gar nicht zu, oder halten das Attest für „erschummelt“. Es kommt zu widerlichen Szenen, viele Betroffene trauen sich kaum noch in Geschäfte oder öffentliche Verkehrsmittel, nicht einmal zum Arzt.

Die Heftigkeit des Ganzen erinnert mich an Religionskriege. Nur, dass die Gewalt heute glücklicherweise meist eher verbaler Art ist.

Die Reaktionen wären nicht so heftig, wenn dahinter nicht starke Gefühle und Emotionen stünden: Angst. Die Angst vor dem eigenen Tod oder schwerer eigener Erkrankung, bzw. vor Tod oder Erkrankung geliebter Menschen.

Diese Angst wurde und wird politisch und medial mit Worten und Bildern extrem getriggert. Das wiederum ruft bei vielen von denen, die die Maßnahmen kritisch sehen, ein ungutes Gefühl hervor. Das Gefühl von „Da muss doch etwas dahinter stehen, wenn die das so befördern mit der Angst. Das macht man doch nicht als verantwortliche*r Politiker*in, wenn man damit nicht irgendetwas (Ungutes) bezwecken würde.“ Die Bill Gates – Theorie … .

Der von Medien und Politik gesetzte Frame, wonach Kritiker „egoistisch“ und „unsolidarisch“ seien, erhöht das Vertrauen von Kritiker*innen der Maßnahmen in Politik und Medien nicht gerade.

Menschen, die durch die Maßnahmen unmittelbar ihre wirtschaftliche Existenz bedroht sehen, wohlmöglich gar Gefahr laufen, in die Obdachlosigkeit zu rutschen, bewerten die Frage nach Egoismus und Solidarität möglicherweise ohnehin ganz anders. Und auch Ältere und Kranke, denen man in ihrer ohnehin nur noch begrenzten Lebensspanne viel von dem nimmt, wofür es sich für sie noch zu leben lohnte, hätten vielleicht lieber eine andere Art der Solidarität. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Mich stört diese selbstverständliche Annahme, dass es jeder älteren Person lieber sei, möglicherweise zu vereinsamen, als Coronaviren abzubekommen.

Tatsächlich geht es wohl auch weniger um das Wohlergehen der älteren Personen an sich, sondern darum, dass diese möglichst nicht die Intensivbetten „verstopfen“ sollen.

Gerade weil die Interessenlagen so vielfältig sind und das tatsächliche „Wissen“ so gering, hätte ich mir von Politik und Medien eine Kommunikation gewünscht, die sich jeder Schuldzuweisung enthält. Eine Kommunikation, die Fronten ab- und nicht aufgebaut hätte! Denn Fronten gibt es in dieser Welt ohnehin schon genug.

Ich glaube, dass die Politik sich und uns mit einer anderen Kommunikation zu diesem Virus und auch zu ihren Maßnahmen einen großen Gefallen getan hätte. Einer Kommunikation, die die Frage der Gefährlichkeit des Virus von Anfang an etwas sachlicher und weniger marktschreierisch beurteilt hätte. Bei Donald Trump haben sich viele von uns immer wieder eine sachlichere Kommunikation gewünscht. Bei diesem Virus hingegen fällt vielen das Marktschreierische und Spalterische an der offiziellen Kommunikation nicht einmal auf.

Es ist ein Virus, der sich – unabhängig von den ergriffenen Maßnahmen – bei kälteren Temperaturen offenbar gut verbreiten kann; bei dem nicht erwiesen ist, dass Masken vor der Ansteckung schützen; bei dem man nicht weiß, wer, warum zum „Superspreader“ wird, und wie sich eine Ansteckung jeweils wirklich auswirkt.

Wie kann man da Menschen beschuldigen, mit ihrem „unverantwortlichen Handeln“ andere zu gefährden?! Das ist eine Beschuldigung, die auf bloßen vagen Vermutungen beruht (und der Hoffnung, mit dem eigenen Handeln „richtig“ zu liegen). Sind es nicht genau solche Schuldzuweisungen, die „unverantwortlich“ sind?! Was will man damit bezwecken? Einen Sündenbock kreieren?! Wenn Politik und Medien Menschen zu Sündenböcken für die Verbreitung einer ansteckenden Erkrankung machen, dann weckt das in mir sehr ungute Gefühle.

Warum kann man als Politiker*in heutzutage nicht zugeben, dass man nicht weiß, ob man mit den Maßnahmen richtig liegt, und damit das erreichen wird, was man sich erhofft? Dass man zu wenig über das Virus weiß und dass es sich auch nicht wirklich „eliminieren“ lassen wird, auch nicht durch Impfungen? Weil die Menschen sich dann nicht „gut betreut“ fühlen? Für wie erwachsen oder nicht erwachsen hält man denn die Menschen bei uns??

Die Aussage „Es liegt an uns allen, ob sich Covid-19 noch eindämmen lässt.“ geht von sehr vereinfachten Denkweisen aus (bzw. von einem völligen Kontaktverbot über die gesamte kalte Jahreszeit).

Liegt es nicht stattdessen an uns allen, ob sich diese Fronten weiter verhärten?! Und wäre es nicht im Interesse aller, dass sie es nicht tun?!! Eine ehrlichere Kommunikation von Politik und Medien würde ich persönlich da als sehr hilfreich empfinden. Sie würde es auch den Verschwörungstheorien schwerer machen.

Kein (politisches) Handeln ist jemals „alternativlos“. Das dürfte aus meiner Sicht gerne deutlicher werden!

Corona: Wie Kommunikation Verantwortlichkeiten verschleiern kann

Schattenspiele; Künstlerin Dörte Müller

„Die Lage ist sehr sehr ernst.“ „Das Virus fordert“, dass wir nahezu überall Masken tragen. „Das Virus lässt nicht mit sich spaßen.“ „Unsere Gesundheitsämter sind überlastet.“ „Es ist jetzt nicht die Zeit für Sozialkontakte.“

Tja, da wird ein Virus vermenschlicht und die Verantwortung für getroffene politische Entscheidungen diesem Virus zugeschoben (oder auf „unpassende Zeiten“ oder Ämter verwiesen). So, als ließe dieses böse Ding (und diese „schweren Zeiten“) einfach keine Alternativen.

Ehrliche Kommunikation der gestern verabredeten Maßnahmen, das wäre gewesen:

„Wir haben uns dafür entschieden, Restaurants, Hotels, Veranstaltungen, Sportstätten usw. bis auf Weiteres zu schließen. Wir wissen, dass wir damit unzählige wirtschaftliche Existenzen vernichten, was für die Betroffenen unzweifelhaft zu hohen existenziellen und psychischen Belastungen führen wird. Wir halten diese Berufsverbote dennoch für unumgänglich, weil wir Covid-19 für eine so gefährliche Erkrankung halten, dass uns jede Grundrechtseinschränkung gerechtfertigt erscheint, um die Ansteckungsgefahr an der Erkrankung einzudämmen.

Unsere Einschätzung der extremen Gefährlichkeit (trotz im Verhältnis zur Gesamtsterblichkeit in Deutschland sehr niedriger Todeszahlen an dieser Erkrankung) beruht auf folgenden Zahlen … und Prognosen … (, wobei uns bekannt ist, dass die Prognosen von Herrn Drosten bereits in der „ersten Corona-Welle“ nicht zutrafen und auch bei der Schweinegrippe sehr weit daneben lagen).

Wir gehen davon aus, dass unser Gesundheitssystem überfordert werden könnte, wenn wir diese Maßnahmen jetzt nicht ergreifen, weil … . Diese Prognose stützt sich auf folgende Fakten … . Unter „Überforderung“ verstehen wir …. .

Wir halten die jetzt getroffenen Maßnahmen für geeignet, die Ansteckungsgefahr an Covid-19 zu reduzieren, weil … .

Dass die Mehrzahl der betroffenen Restaurant- und Hotelbetreiber*innen, ebenso wie die Veranstaltungsbranche über die letzten Monate hohen Aufwand betrieben hat, um alle vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen vorbildlich umzusetzen, ist uns bekannt. Wir halten dies für nicht ausreichend, weil wir nicht wissen, wo und wie die Menschen sich tatsächlich anstecken. Dass wir dies nicht wissen, nehmen wir zum Anlass, ALLES zu schließen. Eine Abwägung im Einzelnen ist uns nicht zumutbar, weil … .

Die vorbeugende und immunstärkende Wirkung von Sport, gerade auch von gemeinschaftlich betriebenem Sport ist uns bekannt. Wir halten es dennoch für unumgänglich, alle Sportstätten und Schwimmhallen zu schließen, weil … .

Die immunschwächende und Lebenssinn zerstörende Wirkung mangelnder Sozialkontakte gerade auch bei älteren Menschen ist uns bekannt. Wir wissen, wie schädlich und Depressionen fördernd eine solche starke Eindämmung von Sozialkontakten, auch von gemeinsamen Sport oder sonstigen Veranstaltungen ist (nicht nur, aber ganz besonders für ältere Menschen). Wir haben das und auch die aufgrund der Einschränkungen zu erwartenden höheren Todesfälle an anderen Erkrankungen sehr sorgsam abgewogen, als wir unsere Maßnahmen beschlossen haben. Wir halten diese Einschränkungen dennoch für absolut unumgänglich, weil …. .

Wir wissen, dass wir trotz der zugesagten 11 Milliarden „Staatshilfe“ einen großen Teil der jetzt zwangsweise von uns geschlossenen Betriebe nicht und schon gar nicht über einen längeren Zeitraum werden retten können. Aber … .

Psychische Hilfestellungen für die Betroffenen, denen wir mit diesen Maßnahmen teilweise das Lebenswerk zerstören, halten wir nicht für notwendig, weil … .

Wir wissen, dass das Geld für diese Staatshilfen nicht vom Himmel fällt, sondern erwirtschaftet werden müsste. Wir wissen, dass unsere Maßnahmen dafür sorgen, dass stattdessen über längere Zeit deutlich weniger erwirtschaftet werden kann. Die daraus entstehenden Belastungen werden also in voller Höhe den nachfolgenden Generationen aufgebürdet und müssen anderswo irgendwann wieder eingespart werden. Das halten wir für gerechtfertigt, weil … .

Die Möglichkeit, die Betriebe offen zu lassen und stattdessen mehr Geld in das Gesundheitssystem zu stecken, das aufgewendete Geld also nicht zu „verbrennen“, sondern eher zukunftsfördernd einzusetzen, haben wir nicht gewählt, weil … .

Obwohl auch Virologen immer wieder darauf hinweisen, dass wir mit dem Virus leben lernen müssen, da dieser nicht plötzlich wieder verschwinden wird (auch nicht durch einen oder fünf Impfstoffe…), halten wir die jetzt getroffenen Maßnahmen für unumgänglich, weil … .

Wir erhoffen uns, dass wir die Ansteckungszahlen über den Winter auf einem Niveau halten können, von dem wir aus … Gründen annehmen, dass … . Diese Hoffnung gründet sich auf folgende Überlegungen … , denen folgende Fakten zugrunde liegen….

Wir haben bei unserem Vorgehen folgendes klares Ziel vor Augen … . Wenn sich unsere Überlegungen so nicht erfüllen, werden wir (den Lockdown bis zum Frühjahr verlängern …. ?! Und dann jedes Jahr wieder über das Winterhalbjahr …???) … .

Obwohl auch viele Ärzte empfehlen, sich bei einer Erkrankung, die bei dem weit überwiegenden Teil der Betroffenen mit wenig oder gar keinen Symptomen verläuft, auf die Risikogruppen zu konzentrieren, meinen wir, dass die Gesundheitsämter jeden Kontakt nachverfolgen sollten, weil … .

Obwohl unser Gesundheitssystem (zum Glück) nicht vergleichbar ist mit dem in vielen unserer Nachbarländer, machen wir deren Erfahrungen in überfüllten Krankenhäusern (anders als in jeder bisherigen Krankheitswelle, wie Grippe o.ä.) für uns bei Covid-19 zum Maßstab, weil … .

Wir wissen, dass Viruserkrankungen im Herbst / Winter generell zunehmen und dass manche unserer Maßnahmen (ständiges Lüften im Unterricht / ständiges Maskentragen) diese Viruserkrankungen befördern werden. Gerade auch bei Kindern, von denen wir andererseits wissen, dass sie für Covid-19 wenig anfällig sind. Wir halten dies für hinnehmbar, denn … .

Obwohl wir nicht wissen, wie und wo Menschen sich tatsächlich an Covid-19 anstecken (s.o.), halten wir das Tragen von Alltagsmasken und all unsere sonstigen Maßnahmen für unumgänglich, weil … . Hierzu verweisen wir auf folgende Studien …, wobei wir die Studien …, die auf die negativen Folgen verweisen selbstverständlich dagegen abgewogen haben.

Wir halten Covid-19 für eine durch politische Maßnahmen verhinderbare Erkrankung, weil … . Wir sind der Ansicht, dass ALLE Möglichkeiten zur „Verhinderung“ ergriffen werden sollten. Unabhängig von einem Wirksamkeitsnachweis. Und unabhängig von den Schäden und Kosten, die durch diese Maßnahmen entstehen.

Die jährlich rund 230.000 Todesfälle durch Krebserkrankungen und rund 350.000 Todesfälle durch Herz-/Kreislauferkrankungen in Deutschland sehen wir hingegen als unabwendbares Schicksal an, die durch politische Maßnahmen, wie z.B. Pestizidverbote oder Reduzierung der Strahlenbelastungen o.ä., nicht beeinflusst werden können. Wir kommen zu dieser Einschätzung, weil ….

Leider sehe ich eine solche Kommunikation und Begründung nicht. Stattdessen wird mit der Platitüde von dem „Ernst der Lage“ Alternativlosigkeit suggeriert. Damit versuchen die politischen Entscheidungsträger, sich gewissermaßen aus der Verantwortung zu stehlen: „Wir konnten ja nicht anders … .“

Doch, Ihr könntet anders! Das nicht zuzugeben, ist feige und verantwortungslos. Es heißt noch nicht, dass Ihr zwingend anders müsst, aber ich möchte wenigstens diese Abwägung sehen. Ich möchte sehen, dass Ihr all den Menschen ins Auge blicken könnt, deren Existenz Ihr zerstört, weil Ihr mit gutem Gewissen sagen könnt, dass Ihr wirklich alles abgewogen habt. Ich möchte den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bei staatlichen Eingriffen auch bei Covid-19 gewahrt sehen!!!

Denn aus meiner Sicht sind nicht „die Zeiten schwer“. Sondern wir Menschen machen uns diese Zeit schwer. Schwerer, als jede Generation vor uns sich „solche Zeiten“ vermutlich gemacht hätte.

Meine Meinung. Und Eure?