Die Krake

Gefertigt von Dörte Müller

Wer ein klein wenig hinter die allzu bunten Kulissen unserer westlichen Welt schaut, bemerkt heutzutage leicht:

Die Finanzwirtschaft beherrscht die Welt. Ein Wirtschaftszweig, der nichts produziert, der keinen eigenen Nutzen für die Menschheit hat. Jedenfalls keinen positiven. Ein Wirtschaftszweig, der unzählige Leben auf dem Gewissen hat, ebenso wie den fortwährenden Raubbau an der Natur.

„Wirtschaftszweig“ ist der völlig falsche Begriff. Es ist kein „Zweig“. Es ist ein Monster. Ein extrem gefräßiges Monster.

Wenn man sich anschaut, wem die großen Digital- und Kriegswaffen-, die Pharma- und Ernährungs-, die Energie- und Mobilitätskonzerne dieser Welt gehören, wird man immer auf dieselben Namen stoßen. Konkurrenz ist bei den Großen längst eine Illusion. Die Anteilseigner sind immer dieselben, die Interessen damit vollkommen gleich.  

Die Anteileigner sind selbst Finanzkonzerne. Es sind Kapitalunternehmen, die ihren eigenen Anteilseignern wiederum zur Rendite verpflichtet sind.

Es geht um Wachstum. Überall. Denn ein Kapitalunternehmen, das nicht wächst, stirbt. Für das Kapitalunternehmen ist dabei irrelevant, ob sein Wachstum anderen das Leben kostet. (Kleinen inhabergeführten Unternehmen z.B., oder auch der Natur.)

Wenn man sich anschaut, von wem so viele angeblich öffentliche Institutionen „großzügig“ und meist zweckgebunden unterstützt werden, wird man immer auf dieselben Namen stoßen. Namen von Stiftungen. Dahinter stehen Namen, die wiederum mit den betreffenden Finanzkonzernen personelle Verflechtungen aufweisen.
In Form der Stiftung können diese als „gemeinnützig“ anerkannte Gelder verteilen. Und so Einfluss nehmen auf für ihre Konzerne wichtige Institutionen, deren Handlungen – und natürlich auch auf die von diesen Institutionen erfolgenden „Regulierungen“. Denn den großzügigen Geldgeber, von dem die eigene Existenz mehr oder weniger abhängig ist, will niemand verprellen.

Die großen Finanzkonzerne haben die sogenannte westliche Welt komplett im Griff. Schon lange. Es war nur bisher nicht so sichtbar.

Sie sind wie riesige Krakenmonster, die immer mehr fressen wollen. Immer mehr fressen müssen, denn sonst würden sie selbst sterben.

Der Ballon an von der Realwirtschaft völlig abgekoppelten Finanzprodukten ist unvorstellbar riesig. Und er kann jederzeit platzen. Tatsächlich bestand wohl in 2019 eine große Gefahr des Platzens, die nur abgewendet wurde, weil Politiker*innen über staatliche (bzw. im Fall der FED private) Institutionen seitdem Billionen in das System pumpen, um es irgendwie am Leben zu halten.

Voller Panik, dass ein Platzen die gesamte Wirtschaft und damit unseren „Wohlstand“ mit in den Abgrund reißen würde.

Denn das Krakenmonster ist getarnt als Goldenes Kalb, das „unseren Wohlstand sichert“. Der Glanz dieses Kalbes zieht viele an. Und gerade Politiker*innen neigen dazu, sich in seinem Glanze sonnen zu wollen.

Die Priester des Goldenen Kalbes versprechen, die menschliche Sucht nach Anerkennung zu erfüllen. Und nach Macht. Und nach Konsum, der beides „sichere“.

Die Menschen im „Westen“ können sich ein Leben ohne dieses Kalb nicht mehr vorstellen.
Aber sie leiden.

Glücklich sind sie nicht trotz all ihres „Wohlstands“.

Die Priester des Kalbes schreien: „Mehr!, Mehr! Wenn Ihr nur mehr von unseren „Segnungen“ bekommt, DANN seid ihr glücklich.“

Und so wollen die Leute mehr, immer mehr. Was sie erhalten an Anerkennung und Macht, ist ihnen aber niemals genug. Denn das eigentliche Loch, das sitzt in ihrem Innern. Und das wird nicht gefüllt.

Und die Krake schließt ihren Griff immer fester.

Es gibt Menschen, die trauen dem Goldenen Kalb nicht. Die sehen die Krake dahinter und sie sehen, dass beides nur Schmerz und Leid bringen kann.

Und sie tanzen nicht mit um das Kalb. Sie versuchen zu warnen, rufen immer lauter: „Seht ihr denn die Krake nicht? Spürt ihr den Würgegriff denn nicht?“

Aber die Priester sagen ihren Anhängern: „Die, die nicht mittanzen, die sind Schuld an eurem Leid! Würden die auch die von uns vorgeschriebenen Riten um das Goldene Kalb ausführen, denn wäre das Kalb besänftigt. Und es ginge allen gut.“

Und so kämpfen die, die das Goldene Kalb anbeten, gegen die, das nicht tun. Der Krake gefällt das Spektakel. Denn sie ist zwar sichtbar, aber die Leute sind mit ihrem Kampf gegen die nicht Mittanzenden so beschäftigt, dass sie die Krake nicht wahrnehmen. Ihren Würgegriff missdeuten.

Ich bin eine von denen, die immer unbedingt retten wollen. Helfen, heilen, Ich mag es nicht, wenn Menschen leiden. Ich leide dann mit.

Und so stehe ich da, und rufe immer wieder:

„Sehr ihr denn nicht, dass diese Spritze ein Produkt der Krake ist?? Versteht ihr denn nicht, dass die Krake NICHT an eurer Gesundheit interessiert ist, denn die würde IHREM Überleben nichts nutzen? Die Krake wächst, wenn ihr krank und abhängig seid!

Was ihr „boostert“ ist nichts anderes, als ein zutiefst krankes System, dessen Krankheit ansteckend ist!“

Bei meinem Ruf geht es mir nicht darum, ob einzelne Menschen „gut“ oder „böse“ sind, denn das kann und will ich nicht beurteilen. Diese Menschen hängen in einem System fest. Und dieses System, das halte ich nicht für gut.

Mein Ruf verhallt. Ich frage mich: „Ist es überhaupt wirklich meine Aufgabe, andere zu retten? Stelle ich nicht immer wieder fest, dass es mir gar nicht gut tut, mich zu sehr um das Wohlergehen anderer zu kümmern, statt um das eigene? Erst recht, wenn diese Menschen überhaupt nicht gerettet werden WOLLEN?

Und ist es nicht auch ihr gutes Recht, NICHT gerettet werden zu wollen?

Sollte ich nicht einfach nur MICH rüsten für den zu erwartenden Zusammenbruch des Systems?“  

Und die Kinder?? Wenigstens die Kinder …?
Was soll ich machen??

Kann ich mich denn überhaupt „rüsten“? Wie???

Vermutlich nur mit Gottvertrauen.

Was passiert, wenn das System zusammenbricht??

Es gibt überall schon Samen für Neues. Haben sie schon gekeimt? Sind die Pflänzchen schon groß genug?  

Sollte ich vielleicht sogar dankbar sei, dass das Spritzen-Theater den Zusammenbruch hinauszögert – bis das Neue lebensfähig ist?

Wie kann ich dazu beitragen, das Keimen zu unterstützen? Kann ich meine Talente irgendwie nutzbringend einsetzen?

Oder reicht es, einfach nur das Loslassen zu üben??? Loslassen von ALLEM, was ich kannte und gewohnt war?

Ich tue mich schwer.            

Loslassen

Künstlerin: Dörte Müller

Viele Menschen fasten gerade, indem sie bis Ostern auf irgendeine liebgewordene Gewohnheit verzichten. Süßigkeiten, Fernsehen etc.

Mir wurde am Wochenende klar, dass es mir auch sehr gut tun würde, etwas loszulassen: Meine Erwartungen. Meine Erwartungen, dass Dinge sich so entwickeln müssten, wie ich es gerne hätte. Meine Erwartung, dass andere Menschen sich so verhalten sollten, wie ich es für richtig halte.

Denn, wenn Dinge sich anders entwickeln, als ich es gerne hätte, stresst mich das. Wenn Menschen sich anders verhalten, ärgert mich das. Beides ist meinem eigenen Glück nicht zuträglich. Und eigentlich auch völlig unsinnig, denn ich kann das Meiste ja nicht beeinflussen.

Wenn ich meine eigenen Erwartungen loslassen könnte, – dann würde ich wohl auch aufhören, zu denken, dass ich mich nach echten oder vermeintlichen Erwartungen anderer richten müsste. Das täte mir gut.

Es wäre also eine sehr gute Idee, loszulassen. Wenn das nur nicht so verdammt schwierig wäre. Erwartungen scheinen irgendwie ein großer Teil meines Lebens zu sein. Und nicht nur meines. Wenn ich mir die Nachrichten o.ä. anschaue, hat ständig jede*r Erwartungen oder gar Forderungen an irgendwas oder irgendwen. Eigentlich alles ziemlich unsinnig.

Also habe ich mir vorgenommen, das jetzt zu üben, mit dem loslassen. Und für einen einfachen Einstieg lasse ich als Erstes die Erwartung los, dass das sofort klappt mit dem Loslassen aller Erwartungen … :-).