Positive Psychologie – Eine Umkehrung. Oder: Hat die Krone einen Pferdefuß…?

gefertigt von Dörte Müller

„Also, fangen wir mal: Positive Psychologie. Was wissen Sie darüber?“

„Der Begründer hatte ursprünglich das Konzept der „erlernten Hilflosigkeit“ erforscht. Und sich dann überlegt, dass es ja vielleicht auch genau andersherum geht. Man also lernen kann, seine Resilienz, seine Widerstandskraft zu stärken.“

„Erlernte Hilflosigkeit. Erzählen Sie mir mehr darüber, Müller.“

„Die Versuche liefen mit Hunden. Die Tiere wurden völlig willkürlich Stromschlägen ausgesetzt, ohne dass sie die Chance hatten, das mit ihrem Verhalten irgendwie zu beeinflussen.
Irgendwann wurden sie apathisch. Haben sich in ihr Schicksal ergeben. Und als man ihnen dann die Möglichkeit gab, dem Käfig – und damit dem brutalen Setting, in dem sie sich befanden – zu entkommen, nahmen sie diese Möglichkeit gar nicht mehr wahr. Sie blieben quasi „freiwillig“ weiter in dem Käfig. Sie hatten „gelernt“, dass sie sowieso keine Chance haben.“

Interessantes Konzept, Müller. Ist das auf Menschen übertragbar? Ja? Gut.
Werden wir uns merken.
Und was können Menschen tun, um ihre Widerstandskraft zu stärken?“

Tanzen zum Beispiel ist ideal: Eine Super-Kombination aus moderater sportlicher Bewegung, Musik und Gemeinsamkeit. Das tut richtig gut.

„Alle Tanzveranstaltungen verbieten! Gemeinsames Musizieren auch! … Weiter.“

Sport mit anderen generell ist gesundheitsfördernd.“

„Verbieten! Weiter.“

Singen in Gemeinschaft. Wirkt auf psychischer und körperlicher Ebene sehr positiv.“

„Verbieten! Weiter.“

Sozialkontakte sind generell sehr wichtig. Zig wissenschaftliche Studien zeigen eindeutig, wie sehr soziale Isolation und Einsamkeit das Herzinfarktrisiko und das Schlaganfallrisiko erhöhen. Auch andere Krankheitsrisiken sind deutlich erhöht aufgrund der vermehrten Entzündungsprozesse und Stresshormone.“

„Sozialkontakte soweit wie irgend möglich reduzieren. Weiter.“

„Für Ältere besonders wichtig und erfüllend ist das Zusammensein mit ihrer Familie, insbesondere den Enkelkindern.“

„Alte Menschen isolieren. Besuche von Familienmitgliedern, insbesondere von Enkelkindern unbedingt verbieten! Weiter.“

Lachen ist gesundheitsfördernd.“

„Sorgen Sie dafür, dass die Leute nichts zu Lachen haben! Weiter.“

„Manchmal helfen auch schon Atemübungen. Tiefe Einatmung, lange Ausatmung. Viel frische Luft.“

„Verhindern!“

„Das Atmen verhindern?“

„Schulze, jetzt stellen Sie sich nicht so dumm! Verpflichten Sie die Menschen, sich eine Maske vor Mund und Nase zu binden. Fest! Schnellere und schlechtere Atmung steigert ordentlich die Stresshormone, nicht wahr? Also!

Anlächeln geht auch nicht mehr? So ein Pech aber auch… . Wo doch selbst flüchtige angenehme Sozialkontakte aufbauend wirken können, nicht wahr …?
Ach ja, und lassen Sie nicht die kleinen Kinder aus! Stress sollte man früh lernen, … Erlernte Hilflosigkeit … Schöner Begriff.
Weiter, Meier!“

„Ein Sinn im Leben wirkt positiv. Eine erfüllende Arbeit, insbesondere für Menschen, die sich das selbst aufgebaut haben.“

„Kleine und mittelständische Betriebe dicht machen! Treiben Sie möglichst viele in die Insolvenz! Sorgen Sie dafür, dass Leute ihre Arbeit verlieren und vielleicht dann auch ihre Wohnungen! Weiter.“

Kunst und Kultur haben positiven Einfluss.“

„Dicht machen! Weiter.“

Urlaubsreisen, Neues kennenlernen.“

„Reisen verbieten! Weiter.“

„Aufenthalte in der Natur.“

„Machen Sie Ausgangssperren! Schicken Sie die Leute in Quarantäne Zuhause, so oft es geht! Weiter.“

„Manchen hilft auch, sich eine kleine Ruheinsel Zuhause zu schaffen. Täglich zu meditieren.“

„Sorgen Sie dafür, dass es Zuhause keine Ruheinseln gibt! Erfinden Sie „Homeschooling“!  Weiter.“

„Der unbedingte Glaube an die eigenen Selbstheilungskräfte. Spiritualität. Beides kann selbst schwerste Erkrankungen, wie Tumore im Endstadium tatsächlich heilen. Auch dazu gibt es mittlerweile vielfache Forschung.“

Selbstheilungskräfte. Spiritualität. Brrr.
Lächerlich machen! Weiter.

Selbstwirksamkeit: Das Wissen, die eigene Situation durch eigenes Handeln verändern und verbessern zu können.“

„Schmidt! Erlernte Hilflosigkeit! Es muss völlig egal sein, was die Leute machen. Sie können sich noch so bemühen, sich an alle Regeln zu halten. Es wird nichts ändern. WIR ÄNDERN DIE REGELN. Immer wieder. Es muss verwirrend sein und bleiben. Irrational wirken. Mal dürfen sie kurzzeitig etwas mehr, dann wieder sperren wir sie ein.
Völlig unabhängig von ihrem Verhalten, natürlich. Weiter.“

Gemeinsamkeit. Die Gewissheit, dass die Menschen, die man liebt, auf der eigenen Seite stehen.“

„Ja, wir brauchen Spaltung! Aber das ist nicht schwer. Es wird Menschen geben, denen unsere Art, ihre GESUNDHEIT ZU SCHÜTZEN aus irgendwelchen Gründen nicht gefällt. DAS sind die Bösen.
Sorgen wir dafür, dass die nach Kräften bekämpft werden!“

„Wie denn das?“

„Krause, Sie Anfänger! Der Beginn des Ganzen ist entscheidend. Den dürfen Sie nicht verpatzen! ANGST, PANIK! DAS müssen Sie schon richtig eindrucksvoll hinbekommen.
Die Leute dürfen nicht dazu kommen, ihren Neokortex einzuschalten. Die Amygdala! Die brauchen wir. Das Reptiliengehirn. Kampf oder Flucht.
Wer in Panik ist, ist auch im Kampfmodus. Da brauchen wir nur noch die geeigneten Bösen präsentieren.
Und wenn die erstmal begonnen haben gegen diese Bösen zu kämpfen, werden sie sich immer mehr mit unserer Sache identifizieren
.
Eine win – win – Situation. Für uns. Ha ha … .Gelernte Aggression… . Übrigens auch ein typischer Umgang mit dem Gefühl der Hilflosigkeit … .  

Man kann den Vagusnerven, also die Entspannungsreaktion, trainieren. Aber man kann natürlich auch umgekehrt die Stressreaktion trainieren. Irgendwann reichen nur noch kleine Reize und der Organismus, das Nervensystem ist in Dauerstress, der sich immer weiter erhöht.

Tja, da werden die Herzinfarkte wohl ein „klein wenig“ zunehmen … wie traurig … .“

„Geht es Ihnen darum? Um die Herzinfarkte?“

„Ein Nebenprodukt, würde ich sagen. Erstmal geht es jetzt um die Impfung.“

„Impfung? Das ist doch was Positives. Das passt doch gar nicht zu Ihnen.“

„Es geht natürlich nicht um eine Impfung, wie Sie sie kennen, Schröder.
Ich wollte da schon lange mal was ausprobieren. Und jetzt ist DIE Gelegenheit. Ein wenig, nennen wir es mal „Zauberei“, – und der Körper der Leute wird das, was er bekämpfen soll, vorher erst selber produzieren. Genial, oder?“

„Es wird Leute geben, die das gar nicht genial finden werden, sondern unheimlich.“

„Natürlich Schuster, das ist Teil des Konzepts. Die werden den Leuten Angst machen vor der Spritze. Vor Mikroblutungen, Herzmuskelentzündungen, Autoimmunerkrankungen, Unfruchtbarkeit, erhöhter Infektanfälligkeit, zerstörtem Immunsystem usw.. Prima.“

„Haben die Spritzen denn solche Nebenwirkungen?“

„Wer weiß das schon…? Die Blinddarmentzündung, die Blasenentzündung, wer bringt das schon mit der Spritze in Verbindung? Der Herzinfarkt, der Schlaganfall zwei Monate später. Ein Zusammenhang mit der Spritze? Die Leute sind schon immer gestorben an solchen Dingen … . Autoimmunerkrankungen, Tumore. Das nimmt doch alles schon lange zu, wie soll da ein Zusammenhang …?“

„Aber wenn es doch die Angst vor diesen Nebenwirkungen gibt, wird doch kaum jemand solch eine Spritze akzeptieren?“

„Ach Neumann! Die Menschen mögen Herausforderungen. Sie wissen doch, die positive Psychologie: Das Gefühl, eine Herausforderung gemeistert zu haben, bringt Glückshormone. Und eine Herausforderung ist es nur, wenn es ein wenig Mut erfordert… .. Und dann noch dieses Gemeinschaftsgefühl, dieses Gefühl, etwas Gutes getan zu haben. Die Menschen lieben es, Gutes zu tun!“

„Aber irgendwo im Unterbewusstsein bleibt vielleicht doch auch eine Angst vor dieser Spritze. Erst recht, wenn es immer mehr dieser Spritzen werden.“

„Perfekt, oder Bayer? Im Unterbewusstsein bleibt eine Angst. Erst recht, wenn wir immer neue Tanten Mu`s auftreten lassen, die dann natürlich resistent sind gegen die Spritze, ha ha… .
Und irgendwann wird diese Angst vielleicht in Aggression umschlagen. Gegen alles und jeden. Denn was man einmal im Körper hat, wird man ja nicht wieder los. Das kann schon mal unangenehme Gefühle machen. Die sich dann nach Außen Bahn brechen. Eine Frage der Zeit. Und wir haben Zeit… . Wir verdienen gut daran, ha ha … .“

„Aber wenn dann überall Aggression und Chaos herrscht?“

„Dann, König, kommt unsere Stunde.
Denn … dann … werden wir härtere Maßnahmen ergreifen … müssen!!!
Leider, leider …, ha ha … .

Ach, Müller, Meier, Schulze, haben Sie nicht Lust, mich für einen Ethikpreis vorzuschlagen? Ich finde, ich bin der geeignete Kandidat.“

„Ja, das sind Sie zweifellos, Mister Te…flon. Wer wüsste mehr über Ethik, als Sie?!“    

 

Ja, der Meister der Umkehrung kennt sich sehr gut aus in der menschlichen Psyche. Aber vom menschlichen Herzen versteht er nichts. Denn tief in diesen Herzen ist das WISSEN um die LIEBE verankert. Und deshalb können wir Mister Te…flon getrost in den Küchenschrank stellen zu den anderen Pfannen – und uns ab und zu mal ein Ei drauf backen … 😉.

Und ich bin überzeugt: Auch all die Meier, Müller, Schulzes, die laut plätschernden Bäche, die drostentativ irgendwas „erklärenden“ Professoren, die gehobelten Spähne, die Kretschmänner und die kurzen Männer, die von einer Mücke gestochenen Steine usw., in Deutschland und Österreich und überall sonst auf der Welt, werden bald feststellen, dass der Menschenversuch mit der erlernten Hilflosigkeit nicht das ist, wonach ihr Herz sich sehnt…. .😉💖💕

Ein „Trick“, damit die neue (oder alte) Beziehung „gelingt“…

gemalt von Dörte Müller

Gibt es das? Einen solchen „Trick“?

Wenn sich ein Paar kennenlernt, könne man rasch ziemlich genau vorhersagen, ob es eine langjährige gelingende Partnerschaft werden wird, – sagt Martin Seligman* in seinen Büchern.

Wenn es eine solche Vorhersagemöglichkeit gibt, müsste man sich ja eigentlich nur so verhalten, wie die „guten“ Paare – und schon klappt`s, oder? Also zumindest rein abstrakt. Wie praxistauglich das dann tatsächlich ist, müsst ihr für euch selbst beurteilen…. :

Die o.g. Vorhersage erfolgt anhand der sogenannten „Losada-Rate“ (benannt nach ihrem Erforscher, wobei mir bei anderen Autoren teilweise andere Namen für dasselbe Phänomen begegnet sind).

Wenn die Losada-Rate eines Paares bei 1:5 liegt, sagt Seligman (bzw. Losada), dann werde die Beziehung langjährig gut und glücklich. Diese Rate von 1:5 sei dabei nicht nur für Partnerschaften, sondern auch für Freundschaften oder Eltern-Kind-Beziehungen optimal.
Im beruflichen Kontext läge die Rate bei 1:3. Wenn diese erreicht werde, empfänden die Mitarbeitenden das Betriebsklima als angenehm und arbeiteten gerne in dem betreffenden Betrieb.

Was heißt das nun?

Die Rate bezieht sich auf das optimale Verhältnis von Kritik und Wertschätzung in einer Beziehung.
Eine Losada-Rate von 1:5 bedeutet daher: Auf eine kritische Bemerkung gegenüber der anderen Person müssen insgesamt jeweils mindestens fünf aufbauende wertschätzende Bemerkungen bzw. Kommentare dieser Person gegenüber kommen.
Fünf… . Das könnte erklären, warum es so wenig langjährig glückliche Paare gibt… .

Denn die meisten Paare schaffen wohl nur eine Rate von 1:2. Spontan hätte ich gedacht, das wäre ja auch schon irgendwie gut, immerhin doppelt so viel Wertschätzung wie Kritik …, – aber es hält eine Beziehung auf Dauer offenbar nicht, jedenfalls nicht glücklich.
Im beruflichen Umfeld fehlen die wertschätzenden Kommentare nicht selten sogar ganz. Nach dem Motto „Nicht kritisiert ist genug gelobt.“. Manch Chef wundert sich dabei sogar noch, dass seine Mitarbeitenden nicht so engagiert sind, wie sie seiner Meinung nach sein könnten… .

Den meisten Menschen, die sich mit Kommunikation beschäftigen, ist bekannt, dass Bemerkungen als umso wertschätzender empfunden werden, je konkreter sie sind. Ein einfaches „Das hast du schön gemacht.“ zählt lange nicht so viel wie „Ich habe mich total gefreut, dass du das gestern … so und so … gemacht hast, denn damit hast du mir in … der und der … Hinsicht Arbeit abgenommen, was mich gerade gestern echt entlastet hat.“ Die wenigsten Menschen, auch die, die sich mit Kommunikation beschäftigen, setzen dieses Wissen allerdings wirklich um. Es ist nämlich in der Praxis gar nicht so einfach. Aber bei Menschen, die sich mit der Annahme von Anerkennung und Lob eher schwer tun (und das sind sehr viele), kommt meist nur konkretes Lob überhaupt an.

Zurück zu den Paarbeziehungen. Was mir besonders spannend erschien, und euch vielleicht auch: Anders, als man oft denkt, sei für eine gelungene Beziehung insgesamt weniger entscheidend, dem oder der anderen in einer schlechten Phase Trost zu spenden, als ihn oder ihr bei positiven Erlebnissen oder Vorhaben aktiv Zuspruch zu schenken.

Wenn also „Schatz“ kommt, und begeistert von einer Idee zu einem neuen Projekt erzählt, was mache ich dann?
Seligman beschreibt vier verschiedene Reaktionsmöglichkeiten, die ich im Folgenden kurz darstelle und mit möglichen Beispielen unterlege:

  • aktiv destruktiv (Blickkontakt, wütend; aktives Zerstören der Motivation, Beschimpfen); Beispielreaktion – „Schon wieder so eine spinnerte Idee von dir! Du hast doch noch nie was wirklich fertig bekommen, oder nur was Hässliches, was keiner brauchen kann. Richtest nur Chaos an, und ICH muss dann alles wieder aufräumen.“ (NICHT gut für die Beziehung…!;-))
  • passiv destruktiv (kein Blickkontakt; Nicht Zuhören, mit den Gedanken bei sich und eigenen Problemen); Beispielspielreaktion – „Ich hatte einen sauanstrengenden Tag. Und dann kam im Büro auch noch so ein blöder Anruf.“ (Im „Akutfall“ aus meiner Sicht okay, das Nichtzuhören und nur bei sich sein sollte aber nicht zur Regel werden … .)
  • passiv konstruktiv (kein Blickkontakt; nur mit halbem Ohr Zuhören, ohne wirkliches Interesse); Beispielreaktion – „Das klingt gut. Mach das.“ (Nimmt „Schatz“ zuverlässig einen Teil des Elans und wird nach meiner Erfahrung von vielen Menschen sogar als unangenehmer empfunden, als die beiden anderen Varianten.)
  • aktiv konstruktiv (Blickkontakt, Lächeln, Freude und Interesse); Beispielreaktion – „Hey, das klingt super! Erzähl Näheres, was stellst du dir genau vor? Wie weit bist du schon? Kann ich irgendwo unterstützen?“ (JAAA, das klingt nach einer glücklichen Beziehung … .)

Also, das ist schon der ganze „Trick“:
– Insgesamt fünfmal so viele aufbauende wertschätzende Kommentare wie kritische Bemerkungen gegenüber der anderen Person.
– Konkrete Wertschätzung dieser Person gegenüber ausdrücken.
– Und Begeisterung und Elan dieser Person, wann immer möglich, aktiv konstruktiv unterstützen.
Dann klappt es auch mit dem Nachbarn … ;-).

Klingt eigentlich ganz einfach, oder?

Tja, aber wie die meisten „Tricks“ sieht es nur für die Zuschauenden einfach aus – und bedarf von den Handelnden in Wahrheit in aller Regel sehr viel Übung und Achtsamkeit.
So jedenfalls meine Erfahrung. …

Vielleicht kann ja trotzdem – oder gerade deshalb – jemand von euch einen Nutzen aus diesem Beitrag für sich ziehen. Ich würde mich freuen!

*P.S.: Martin Seligman gilt als Pionier der „positiven Psychologie“. Das oben Stehende bezieht sich zu einem großen Teil auf Inhalte aus seinen Büchern „Der Glücksfaktor – Warum Optimisten länger leben“ und „Flourish – Wie wir aufblühen“.

Erziehung

In Reih und Glied…. ; Künstlerin: Dörte Müller

„Du mit deinem moralischen Zeigefinger…“, sagt mein Mann immer liebevoll, wenn ich mal wieder predige, dass man Menschen dazu bringen müsse, mehr zum Schutz ihrer Umwelt zu tun. (Dass ich zum „moralischen Zeigefinger“ neige, sieht man z.B. deutlich in meinem Beitrag „Die Krone der Schöpfung“ …;-)). Dabei kannst gerade Du es überhaupt nicht haben, wenn jemand Dich „erziehen“ will!“

Das stimmt. Es ist ein Grund, warum ich auf diese Corona-Diskussion so stark reagiere. Ich kann es nicht ausstehen, wenn ich das Gefühl habe, dass Leute meinen, mich erziehen zu müssen. Mich in ihrem Sinne „verbessern“ wollen: Hin zu mehr „Gehorsam“ und weniger Unabhängigkeit. Das geht gar nicht!

Aber beim Umweltschutz … wenigstens so ein klein wenig… . Das müsste doch möglich sein. Wäre schließlich zum Nutzen aller…!

Erziehung? Vom Verstand her weiß ich, dass das nicht klappen wird. Ich kann Menschen meine Bedürfnisse und Gefühle mitteilen. Aber, ob sie meinen Bedürfnissen folgen wollen, muss ich wohl ihnen überlassen. Denn sie haben möglicherweise ganz andere Bedürfnisse, sehen etwas ganz anderes als „zum Nutzen aller“ an. Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten, zum Beispiel. Manch eine*r braucht auch einen „ordentlichen“ Garten, mag weder „Unkraut“ noch Insekten. Oder ärgert sich – so wie ich die letzten Wochen …-, wenn die Vögel doch tatsächlich ganz dreist alle Trauben wegfressen, bevor sie reif sind.;-).

Dennoch: Fast alle Menschen neigen dazu, andere „erziehen“ zu wollen. Jede*r ist immer der Meinung, genau zu wissen, was für andere (oder für alle) gut ist.

Erziehungsformen

Erziehung läuft über Strafe. Tatsächlich scheinen erschreckend viele Menschen es sehr zu mögen, andere zu bestrafen. Wer sich nicht „an die Regeln hält“, müsse bestraft werden. So heißt es bei diesen „Corona-Regeln“ oft. Ob eine Regel sinnvoll ist oder nicht – und wer eigentlich bestimmt, ob sie sinnvoll ist, das sind zweitrangige Fragen. Die Regel ist da. Also muss sie eingehalten werden. Und wer sie nicht einhält, ist zu erziehen, indem er bestraft wird. Und wenn die Regel noch gar nicht da ist, wie die Maskenpflicht bei den Großdemonstrationen im Freien gegen die Corona-Regeln, dann wird sie eben im Nachhinein geschaffen. Auch eine Art Strafmaßnahme (denn die Infektionszahlen hatten ja gar nicht zugenommen nach den Demos, Infektionsschutz konnte also nicht wirklich die Begründung sein…).

Selbst gegenüber anderen Staaten ist diese Art des Erziehungsversuchs sehr beliebt. Zumindest was Russland angeht, meinen erstaunlich viele Politiker*innen, sie müssten dieses Land „erziehen“ über Strafmaßnahmen (Sanktionen).

Solche Art „Erziehung“ überzeugt die „zu Erziehenden“ allerdings so gut wie nie. Sie tun vielleicht kurzzeitig, was von ihnen erwartet wird (andere Staaten tun auch das eher selten). Aber nicht, weil sie es nunmehr aus ganzem Herzen tun wollen, sondern weil sie die Strafe vermeiden wollen. Die innere Auflehnung gegen die „Erziehenden“ nimmt hingegen meistens zu.

Erziehung läuft über Verbote. „Mit denen lässt DU dich nicht auf der Straße blicken! Wir sind schließlich eine anständige Familie. Und mit solchem „Gesindel“ wollen wir nichts zu tun haben!“

Erziehung läuft über Angst machen. Das mag bei Kindern funktionieren: „Wenn du auf die heiße Herdplatte fast, wirst du großes Aua haben.“ Wenn das Kind die Liebe spürt, die hinter der Aussage steckt, wird es sich vielleicht von sich aus daran halten. Erwachsenen zu sagen, „Wenn du keine Maske trägst, wirst du dich mit einer ganz furchtbar gefährlichen Krankheit infizieren.“, ist anscheinend für viele, aber durchaus nicht für jede*n überzeugend. Erwachsene, die sich die Zeit nehmen, Statistiken zu lesen, nachzudenken und Fragen zu stellen, könnten sich hier als „schwer erziehbar“ erweisen. Zumal Liebe hinter der Aussage auch nicht wirklich spürbar ist. …

Erziehung läuft über Beschämung. Auslachen. Lächerlich machen. Auch das ist immer wieder sehr beliebt. Was gibt es nur alles für „absurde Verschwörungstheorien“, ha ha … ! Wie dumm manche Leute sind, ha ha … !

Erziehung läuft über Manipulation. Angst machen gehört dazu. Aber auch Schuldzuweisungen: „Du bist schuld, dass Mami traurig ist, wenn DU …“. „Du bist schuld, wenn andere sterben, weil DU keine Maske trägst.“

Erziehung läuft über Belohnungen. Lob. Anerkennung. Den Wunsch, „dazu zu gehören“.

Viele dieser „Erziehungsformen“ scheinen zunächst zu funktionieren. Menschen, denen man Angst gemacht hat, sind oft sehr bereit, alles Mögliche zu tun, was von ihnen erwartet wird. Wenn sie damit ihre Angst reduzieren können.

Aber wehe, sie kommen irgendwann auf den Gedanken, dass sie manipuliert wurden… ! Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand versucht hat, mir Angst zu machen, um mich zu manipulieren und für eigene Ziele zu instrumentalisieren, werde ich zum einen wütend und neige zum zweiten dazu, diesem jemand nie wieder irgendetwas zu glauben. Und das geht sicher nicht nur mir so.

Schuldzuweisungen und Beschämungen führen bei den so „Behandelten“ ohnehin normalerweise nicht dazu, dass sie sich den „Erziehenden“ verbunden fühlen und künftig von ganzen Herzen auf deren Wünsche eingehen werden. Mit dieser „Erziehungsform“ schreckt man vielleicht die schweigende Mehrheit ab, sich wohlmöglich bei nächster Gelegenheit genauso zu verhalten, wie die Beschämten. Das kommt auf den persönlichen Charakter der Leute in der „schweigenden Mehrheit“ an. Manch eine*r macht gerne mit bei den Schuldzuweisungen und Beschämungen (Teile der sogenannten Comedy-Szene scheinen gar davon zu leben nach meinem Eindruck). Manch eine*r fühlt aber auch den eigenen Gerechtigkeitssinn angesprochen und solidarisiert sich „jetzt erst recht“ mit den „Ausgestoßenen“.

Belohnungen, Lob und Anerkennung funktionieren begrenzt, schleifen sich aber ab. Selbst schon bei Kindern, erst recht bei Erwachsenen.

Tja, irgendwie: Andere „zu erziehen“ erscheint den meisten Erwachsenen wichtig. Aber sobald man als Erwachsene*r merkt, dass andere einen selbst „erziehen“ wollen, reagieren die wenigsten Erwachsenen erfreut. Denn als „Erziehende*r“ maßt man sich ja immer an, es besser zu wissen / klüger zu sein, als die zu Erziehenden. Und diese empfinden die Ansicht, dass sie „erzogen“ werden müssten, dann eben meist auch als Anmaßung und Beleidigung – und sind entsprechend empört.

Deshalb ist es m.E. eher kontraproduktiv, wenn die Verantwortlichen in öffentlich rechtlichen Medien denken, sie müssten einen „Erziehungsauftrag“ erfüllen. Von wem auch immer sie meinen, diesen „Auftrag“ erhalten zu haben. Komischerweise wundern sie sich oft sehr, wenn die, die sie „erziehen“ wollten, darüber gar nicht so begeistert zu sein scheinen. Und finden deren Empörung dann wieder total unverschämt, denn schließlich wollten sie ja „nur das Beste“ für alle. Und selbstverständlich wissen sie auch ganz genau, was dieses Beste ist. … .

Was wollen wir erreichen mit unserer „Erziehung“?

Eigentlich streben die meisten Menschen doch an, glücklich zu sein. Und wollen das auch für ihre Kinder. Ist unsere Art, andere zu erziehen, vor diesem Hintergrund wirklich so toll? Ich habe den Verdacht, dass meist nicht einmal den „Erziehenden“ ihre Erziehungsversuche wirkliche Freude machen, wenn ich deren sorgenvollen und ernsten Gesichtsausdrücke bei ihren Äußerungen betrachte…(obwohl sie sich dabei natürlich sehr wichtig vorkommen). Denen, die Adressaten dieser Versuche sind, machen diese Erziehungsversuche meist noch viel weniger Freude. Als Kind kann man oft wenig dagegen tun und fügt sich mehr oder weniger. Es scheint halt dazu zu gehören. Als Erwachsener hingegen ist man verärgert, wenn man sich als Adressat eines Erziehungsversuchs anderer Erwachsener sieht, und fügt sich in der Regel nicht.

Denn Erziehung, wie wir sie praktizieren, fokussiert fast immer auf das, was wir als „Schwächen“ anderer Personen (oder auch von uns selbst) wahrnehmen. Wir beurteilen, was eine Schwäche oder ein Fehlverhalten einer anderen Person sei, und wollen diese „ausmerzen“. Das Fehlverhalten macht uns Sorgen. Wir spüren die „Last der Verantwortung“, dieses Fehlverhalten korrigieren zu müssen. Selbstverständlich zum Besten der betreffenden Person. Und zum Besten aller. So rechtfertigen wir unsere Erziehungsversuche.

Was genau aber ist ein „Fehlverhalten„? Und wer bestimmt das? Ich persönlich neige dazu zu sagen, Fehlverhalten ist alles, was andere Lebewesen quält (auch über Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen), – also z.B. Massentierhaltung … . Andere sehen dies ganz anders. Und würden sich von mir mit dieser Aussage schwer beleidigt fühlen. Insbesondere, wenn ich dann wohlmöglich auch noch behaupte, die Abschaffung der Massentierhaltung wäre auch zu ihrem Besten und würde sicherlich auch ihrem Charakter gut tun… . Und dem Planeten sowieso.

Gerade die Debatte um die Landwirtschaft zeigt es m.E. gut: Mit „moralischem Zeigefinger“ erreicht man nichts, sondern erzeugt verärgerte Landwirte. Mit „freiwilligen Selbstverpflichtungen“ erreicht man auch nichts, wenn diese nicht aus dem eigenen Wunsch der betreffenden Menschen heraus entstehen, wirklich etwas verändern zu wollen. Dieser Wunsch wiederum hat etwas mit den eigenen Werten und Bewertungen zu tun, denke ich.

Natürlich kann man eigene Werte den eigenen Kindern vermitteln, indem man sie ihnen vorlebt. Und bei anderen Erwachsenen? Denen kann man sie ebenfalls vorleben. Aber zwangsweise „überbraten“? Aus solchen Versuchen sind furchtbare Religions- und Ideologiekriege entstanden. Weil Menschen meinten, ihre Werte anderen (gewaltsam) aufdrängen zu müssen. Und sich dabei noch eingebildet haben, sie täten ein gutes Werk.

Wenn wir mit unserer „Erziehung“ wirklich eine bessere Welt anstreben, vielleicht sollten wir es genau anders herum versuchen? Vielleicht ist der gesamte Gedanke mit der schwächenorientierten Erziehung eigentlich ein „Fehlgedanke“? Ich mag die positive Psychologie, die ganz klar davon ausgeht, dass Erziehung stärkenorientiert sein sollte. Aus dieser Sicht sollten Erziehende vorhandene Stärken fördern bei den ihnen Anvertrauten, statt zu versuchen, deren echte oder vermeintliche „Schwächen“ auszumerzen.

Auf die Bereicherung schauen, nicht auf die Schwächen

Inzwischen würde ich persönlich sogar noch einen Schritt weiter gehen. Ich finde, Erziehung sollte in erster Linie dankbarkeitsbasiert sein. Nicht versuchen, das Kind in irgendeine Richtung zu „ziehen“, von der man aus dem eigenen Leben heraus denkt, es wäre für das Kind die „richtige“. Sondern täglich zu üben, die Bereicherung wahrzunehmen, die das eigene Kind bietet und dafür ihm und der Schöpfung unendlich dankbar zu sein. Und darauf vertrauen, dass das Kind die für sie oder ihn „richtige“ Richtung selbst finden wird… . Nicht sich auf die vermeintlichen Schwächen des Kindes zu konzentrieren, von denen man denkt, dass sie seinem späteren „Erfolg“ im Leben entgegen stehen könnten. Sondern das einzigartige Wunder sehen, das jedes Kind ist.

Ich hätte es durchaus toll gefunden, so erzogen zu werden!

Kinder, denen auf diese Art Selbstliebe vermittelt aber auch gleichzeitig Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung vorgelebt wird, werden vielleicht auch wundervolle dankbare Erwachsene werden. Die keinerlei Bedürfnis mehr haben werden, die o.g. „Erziehungsformen“ bei anderen (oder auch bei sich selbst) anzuwenden.

Utopie? Ja klar. Jedenfalls noch. Menschen in meinem Alter sind schließlich fast alle ganz anders aufgewachsen.

Und so gebe ich zu, ich muss noch ziemlich viel üben, um meinen „moralischen Zeigefinger“ zu stoppen und stattdessen die Bereicherung in den Menschen wahrzunehmen, die ihren Müll achtlos in die Gegend kippen… ! 😉 Tja, und manchmal will ich das auch gar nicht. Denn, auch wenn ich weiß, dass ich damit wenig bewirke: Manchmal tut es mir auch einfach nur saugut, meinem Ärger über Zeitgenossen, die ich als „ignorant“, „dumm“, „ihre Macht missbrauchend“ oder was auch immer ansehe, mal so richtig Luft zu machen… 🙂