Corona – und die illusionäre Sehnsucht nach Sicherheit im Außen

Bedrohung …! ; Künstlerin: Dörte Müller

Ich fühle mich in den letzten Wochen oft an bestimmte Aspekte meiner Kindheit erinnert: Wenn Papa sagte „Ich weiß (besser als Du), was gut für Dich ist! Tu dies oder jenes (oder dies oder jenes nicht)!“ Diskussionen darüber ließ er nicht zu. Es war für ihn klar, dass er aufgrund seiner größeren Lebenserfahrung recht hatte. Ich war ja nur das kleine unwissende Kind. Und meine Gefühle, mein Wunsch und Willen zählten nicht. Er setzte seine Sicht autoritär durch. Er meinte es gut und wollte mich schützen. Aber: Er KONNTE nicht wissen, was gut für mich war. Denn er konnte die Welt nur aus der Brille seiner vielfältigen traumatischen Erfahrungen in seiner Kindheit sehen, insbesondere in der Kriegs- und Nachkriegszeit, in der er als Flüchtling Ablehnung, Herabwürdigung und wahrscheinlich noch Schlimmeres erleben musste. Für ihn stand Sicherheit an erster Stelle. Seine Weltsicht war von Angst vor äußeren Bedrohungen geprägt. Diese Weltsicht war aus seinen Lebenserfahrungen äußerst verständlich. Uns Kindern tat sie nicht gut. Aber es gab für mich keine Möglichkeit, dagegen anzukommen.

Seit Wochen höre ich in den Medien, es sei gut und wichtig für mich, Abstand von anderen zu halten, mir ständig die Hände zu desinfizieren und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Ich würde damit „Leben retten“. Diese Meinung entstammt einer Weltsicht, die an Wissenschaft und Politik die Verantwortung delegiert hat, für „Sicherheit“ zu sorgen. Und die es als Zumutung empfindet, wenn ihr illusionäres Sicherheitsgefühl plötzlich in Frage gestellt wird durch eine „Bedrohung“, die unberechenbar erscheint (ob „Terrorakte“ oder Viren). Sogenannte wissenschaftliche Expert/innen haben in dieser Weltsicht die Aufgabe, klar vorzugeben, was „richtig“ und was „falsch“ ist. Was „gut“ ist, und was „böse“. Zwischentöne machen die Dinge kompliziert und sind daher nicht erwünscht. Diese „Experten“ geben Richtschnur, Halt und Sicherheit. Ihre Meinung zu hinterfragen, ist ein Tabu, denn damit wäre die Sicherheit weg. Kritik an ihnen wird dementsprechend mit gesellschaftlicher Ausgrenzung sanktioniert. Sie haben damit eine ähnliche Funktion, wie Priester in früheren Gesellschaften.

Diese Weltsicht sieht Viren und Bakterien als böse und zu bekämpfenden „Feind“ an. Menschen sind in dieser Weltsicht tendenziell Objekte, die in der „Standardeinstellung“ alle gleich funktionieren. So wird man z.B. ab einem bestimmten Alter pauschal als „Corona-Risikogruppe“ definiert. Covid19 wurde zur gefährlichsten Bedrohung der Menschheit erklärt , die Auswirkungen gar mit dem 2. Weltkrieg verglichen.

Diskussionen über den Umgang mit Corona werden nicht zugelassen. Die „Experten“ (bestimmte Experten, andere werde nicht angehört ) wüssten kraft ihrer höheren Weisheit und mehr (oder im Fall von Corona eher weniger) wissenschaftlichen Studien, was gut für mich und die Menschheit sei. Die „Corona-Regeln“ werden autoritär mit staatlichen Machtmitteln durchgesetzt. Mein Gefühl, mein Wunsch und Wille zählen nicht. Ich bin ja nur die kleine unwissende Laiin. …

Aber: KANN irgendjemand wirklich besser wissen, was gut für mich und meine Gesundheit ist, als ich selber? Ist diese Annahme nicht ziemlich anmaßend? Für mich entspringen die Corona-Regeln einer Weltsicht, die ich nicht teile. Viren und Bakterien gehören für mich zum Leben dazu. Sie ermöglichen unser Leben erst. Schließlich beherbergen unsere Körper weitaus mehr Bakterien und Viren als menschliche Zellen. Krankheit entsteht für mich aus einem Verlust des Gleichgewichts. Innerhalb unserer individuellen Körper, unserer Psyche und unserer Umwelt. Für mich ist es sinnlos und irgendwie dumm, Viren oder Bakterien bekämpfen oder gar ausrotten zu wollen, um Gesundheit zu erzielen. Für mich ist es sinnvoll, an einem Gleichgewicht zu arbeiten, um Gesundheit zu erzielen. Der Versuch des „Kampfes“ gegen einen Virus, ob durch „Abstandsregeln“, übertriebenes Desinfizieren oder Impfungen verstärkt bestehende Ungleichgewichte eher, als dass er langfristig die Gesundheit fördern kann. Krieg und Kampf sind für mich keine geeigneten Mittel zur Heilung. Sie machen nicht „ganz“, sondern spalten und zerstören. Gegen „das Böse“ zu kämpfen, mag einem hehr erscheinen. Aber „Gut“ und „Böse“ lassen sich in meiner Weltsicht nicht so einfach auseinanderhalten, wie uns das so gerne suggeriert wird: „Abstandsregeln“ können möglicherweise in gewissem Maß vor Ansteckung schützen – und verstärken gleichzeitig Depressionen und auch Ängste und schwächen so das Immunsystem vieler Menschen. Antibiotika können in bestimmten Fällen ein Segen sein. Ihr unkritischer und massenhafter Gebrauch ist längst zum Fluch geworden. Desinfektionsmittel in Krankenhäusern sind wichtig. Ständiges Desinfizieren der Hände und aller möglichen Flächen etc. wie es derzeit praktiziert wird, schädlich. Impfungen können in bestimmten Fällen sinnvoll sein, wegen der Risiken aufgrund der sogenannten „Impfhilfsstoffe“ (und des kaum vorhandenen Wissens unserer „Experten“ über das Immunsystem als System) sind Risiken und Nutzen aber in jedem einzelnen Fall genau abzuwägen. Ein Darm-Bakterium kann für viele Funktionen wichtig und im Übermaß dennoch schädlich sein. Eine wissenschaftliche Herangehensweise an Probleme erleichtert vieles. Eine Überhöhung wissenschaftlicher „Studien“ zu einer Art „Ersatzreligion“, die uns angeblich „objektive Wahrheiten“ und „eindeutige Fakten“ verspricht, ist gefährlich. Eine Sichtweise, wonach es „vernünftige und rücksichtsvolle“ Menschen gebe, die sich an die vorgegebenen Maßnahmen kritiklos halten, wenige Menschen, die sich „berechtigte“ Sorgen machten, und einen abzulehnenden Mix von Kritikern der Corona-Maßnahmen aus „Verschwörungstheoretiker/innen“, „Esoteriker/innen“, „Impfgegner/innen“ und „Rechtsradikalen“, finde ich mehr als bedenklich. Wer meint denn, Menschen in Kategorien einteilen und beurteilen zu dürfen, wer „berechtigt“ sei, Kritik zu äußern – und wer nicht?!!!!!

All diese Maßnahmen und Annahmen der „herrschenden Meinung“ entspringen für mich einer engen, auf die Illusion äußerer Sicherheit fixierten Weltsicht, die ich zwar in gewissen Umfang verstehen kann, die ich aber nicht teile. Dass versucht wird, diese mit Machtmitteln durchzusetzen, gegen die ich im Grunde nicht ankomme, macht mir Angst.

Corona-"Krise"

Krise…?; Künstlerin: Dörte Müller

Wenn ich abends die Nachrichten einschalte, erschrecke ich mich: Nahezu einziges Thema der Nachrichten ist seit geraumer Zeit, dass wir uns in einer „schlimmen Krise“ befänden.

Ich erschrecke mich, weil ich das Gefühl habe, dass unsere gesamte Journalistenschaft – vielleicht, weil viele zu jung sind; offensichtlich, weil sie alle sehr angepasst sind – sich nicht (mehr) als kritisch hinterfragende Journalist*innen zu verstehen scheinen. Sondern ausschließlich als Sprachrohr für eine „herrschende“ Meinung. Herrschend im Sinne von „beherrschend“ und andere Meinungen unterdrückend.

Ich erschrecke mich, weil sie nicht zu wissen scheinen, wie das Unterbewusstsein funktioniert, und was Hypnose ist. (Den Menschen jeden Tag stundenlang – und mit entsprechenden Bildern hinterlegt – einzutrichtern, dass sie Angst haben sollen, ist eine äußerst wirkungsvolle und sehr grausame Hypnose. Eine Hypnose, die in der Langzeitauswirkung extremistischen Strömungen zugute kommen dürfte – und auch deshalb für mich so erschreckend ist.)

Ich erschrecke mich, weil diese Journalist*innen jeden Abend fragen, ob es wohlmöglich „immer noch Menschen gebe, die sich nicht an die Vorschriften“ halten – und weil sie zu meinen scheinen, dass diese Menschen „bestraft“ werden müssten. Ich erschrecke mich nicht, weil ICH mich nicht „an die Vorschriften halte“ (ich kann das Haus wegen meiner Grunderkrankung ohnehin nur schwer verlassen), sondern weil mich solche Fragen ungut an Denunziantentum erinnern: Wer sich nicht 100 %ig an die Vorschriften einer Obrigkeit hält, ist zu bestrafen.

Ich bin irritiert, weil der Mann vom Robert-Koch-Institut, der offenbar derjenige ist, dessen Empfehlungen die Politik folgt, nahezu in Tränen ausbricht vor Empörung, dass es immer noch Menschen gebe (darunter auch Ärzte), die „ihm nicht glauben“. Sprich, die seine Wahrnehmung und Sicht der Dinge nicht für die einzig Mögliche und auch nicht unbedingt für die Richtige halten.

Ich bin irritiert, als die Medien fast stolz vom zweiten „Corona-Toten“ in Berlin berichten. In einer Großstadt wie Berlin sterben jeden Tag Menschen. Junge und Alte. An allem Möglichen. Der erste „Corona-Tote“, war über 90 Jahre alt und multimorbid, also an verschiedenen Erkrankungen leidend. In meinem ganzen Leben hatte ich noch nicht erlebt, dass über den Tod eines über 90-Jährigen – nicht prominent in der Öffentlichkeit stehenden – multimorbiden Menschen in den Medien berichtet wurde … . Corona machts möglich … . Auch der zweite Tote war offenbar ein älterer Mann. Gestern Abend wurde in den Regionalnachrichten ein kurzer Ausschnitt aus einer Sitzung gezeigt, in der die Berliner Gesundheitssenatorin mit hysterischer Stimme eine Quarantäne für alle über 70ig-Jährigen fordert. In was für einem schlechten Film bin ich da gelandet?!!! Hatten Filme wie „Outbreak“ so einen fatalen Einfluss auf das Unterbewusstsein der Menschen, dass sie weltweit völlig aus der Balance geraten zu sein scheinen?

„Seid solidarisch! Lasst Menschen, insbesondere alte und kranke Menschen vereinsamen! Nähert Euch ihnen nicht! Gebt ihnen keine Umarmung! Berührt sie nicht!“ Was geht in Menschen vor, die solche menschenverachtenden Vorgaben machen – und das auch noch ausrechnet als „Solidarität“ verkaufen? Ist es diesen Menschen egal, wenn alte Leute an Einsamkeit leiden und sterben? Machen sie ihre eigene Todesangst zum Maßstab aller Dinge?

Menschen sterben – irgendwann. Alle. Der Tod gehört nun einmal zum Leben, auch wenn uns das nicht passt. Viren gehören ebenfalls zum Leben, manche haben sogar wichtige „Funktionen“ für uns und unser Leben. Bakterien ohnehin. Einen „Kampf“ gegen einen Virus kann man nicht gewinnen, ohne große Kollateralschäden anzurichten. Aber: Man kann für Heilung sorgen. In sich und in der Umwelt. Zum Nutzen aller.

Corona ist ein Virus und keine Krise. Die derzeitige „Krise“ ist die rasante Verbreitung von Angst. Und die ist menschengemacht.

So meine Meinung.