Lieben Dank an Christiane für die Schreibeinladung (https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/10/18/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-43-44-20-wortspende-von-mutiger-leben/) und an Mutiger leben für die Textspende: Schmutzfink, fabelhaft, mopsen
„Du spielst ja schon wieder in der Pfütze, mein süßer kleiner Schmutzfink.“ hörte er die Mutter auf dem Spielplatz dahinten liebevoll zu ihrem kleinen Sohn sagen. „Schmutzfink“ dachte er, während er mit seinem Jutebeutel auf die Parkbank mit dem zerschlissenen Schlafsack zuging, „der Begriff passt zu MIR.“. Es war lange her, dass er in seiner Penthousewohnung unter der Farblicht-Regendusche gestanden hatte. Damals. Als erfolgreicher Werbetexter hatte er ein Leben auf der Überholspur geführt. Tolle Wohnung, jede Menge Geld, superschöne Frau, großer Freundeskreis. „Freunde“, dachte er bitter.
Eine Routineuntersuchung beim Arzt. Die Diagnose dort hatte ihn wie ein Fallbeil getroffen. Ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. IHM konnte so etwas doch nicht passieren! Allen anderen, aber ihm nicht! Er war doch unangreifbar! Top in Form. Eigentlich unsterblich. Das Fallbeil zerschmetterte sein Innerstes. Seine Gewissheit.
Sein Körper wurde mit den modernen Medikamenten geheilt. Um seine Seele kümmerte sich niemand. Sein Leben zerbröselte vor seinen Füßen. Seine Kreativität war ihm ebenso abhanden gekommen, wie sein Job. Seine Frau war noch schneller weg gewesen, als sein gesamtes Erspartes. Er konnte die Wohnung nicht mehr bezahlen und bekam auch keine andere. Die wenigen „Freunde“, die während der Krankheit noch zu ihm gehalten hatten, hatten ihm längst den Rücken gekehrt. Mit einem auf der Verliererstraße wollte niemand etwas zu tun haben. Erfolg war das, was in seinen Kreisen gezählt hatte.
„Das Leben kann hart sein.“ dachte er, während er sich auf die Bank setzte. Er warf einen verstohlenen Blick in seinen Jutebeutel. Na ja, immerhin war der Tag fabelhaft gelaufen: Gleich fünf Geldbörsen hatte er mopsen können. Die letzte hatte der Mutter dahinten auf dem Spielplatz gehört. „War er deshalb ein schlechter Mensch?“ fragte er sich. Von irgendetwas musste er leben … .
