Halloween

Eine Halloween-Party unter dem Motto „Biedermeier“?

Irritiert schaute Silke auf die Einladungskarte von ihrer Cousine. Was für ein ungewöhnliches Motto.
Aber egal.
Sie ging gerne zur Familie ihrer Cousine Jutta zu Besuch, auch unangemeldet. Jutta und ihr Mann kamen mit ihren Teenagerkindern einfach nicht vernünftig klar. Und Silke war immer gerne mit guten Erziehungstipps behilflich.
So freute sie sich schon auf die Party, wenn sie vor vielen Augen zeigen könnte, was sie alles über Erziehung wusste.

So aufgeräumt und sauber hatte sie es bei Jutta noch nie gesehen.
Jetzt kamen die Kinder zur Begrüßung der Gäste und Silke gingen die Augen über: Die Mädchen im Kleid, die Jungs im Anzug knicksten bzw. verbeugten sich artig vor den Gästen, deckten den Tisch und trugen die Speisen auf.

Sehr seltsam.

Nach dem Essen klatschte Jutta in die Hände und rief zur Hausmusik. Die Kinder würden flöten und singen.

Silke begann, sich zu gruseln.

Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.
Sie schien die Einzige zu sein, die das komisch fand. Alle außer ihr sangen fröhlich mit.

Plötzlich hörte sie die Kinder tuscheln: „Noch zwei Stunden bis Mitternacht.“ Dabei blickten sie vielsagend in ihre Richtung. Die anderen Gäste wiederholten die Worte leise und sahen dabei ebenfalls verstohlen zu Silke.
Silke wurde heiß und kalt.
Was hatten die vor?
Was ging hier vor?

Es war Halloween.

Ihr brach der Schweiß aus. Sie stürzte in den Flur, riss ihre Jacke von der Garderobe und rannte Nachhause.

Zurück ließ sie eine lauthals lachende Partygemeinde.
„Meint ihr nicht, dass es ein bisschen niederträchtig war, Silke so zu erschrecken?“ Jutta kicherte mit leicht schlechtem Gewissen. „Es ist Halloween, da gehört das Gruseln doch dazu.“ lachten die anderen.
„Und die „Biedermeieridylle“ dürfte gewirkt haben… . So schnell wird die euch sicher nicht mehr mit ihren „Erziehungstipps“ kommen!“

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Wie immer mit Dank an Christiane für ihre liebevolle Betreuung der Etüden! Die aktuelle Schreibeinladung ist hier zu finden https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/10/17/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-42-43-21-wortspende-von-puzzleblume/
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ID

„Es tut mir leid, Kate. Der Sensor hier sagt, Deine Handybezahlfunktion ist gesperrt. Ich kann Dir keinen Kaffee geben.“

Kate war Stammgast im Café Biedermeier und die Bedienung dort sah sie voller Mitgefühl an. Beide wussten, was das bedeutete: Nicht nur Kates Geld war ab jetzt flöten, sondern ihre gesamte Identität. Sie würde nichts mehr bezahlen können. Keine Wohnung. Kein Essen. Keine Kleidung. Niemand würde ihr mehr nahe kommen oder ihr gar helfen wollen. Denn Nähe zu ihr würde Abzug auf dem eigenen Konto bedeuten.

Wie betäubt verließ Kate das Café.
Was hatte sie falsch gemacht??!

Gut, von den fünf vorgeschriebenen Vorsorgeuntersuchungen hatte sie zwei geschwänzt. Sie hasste diese Untersuchungen. Und sie hatte einen Punktestand, bei dem sie sich das leisten konnte, dachte sie. Ja, sie hatte auch die Aufforderung ignoriert, sich gegen diese Krebsart impfen zu lassen, an der ihre Großmutter väterlicherseits verstorben war. Sie sah sich nicht gefährdet. Aber die normalen zwanzig Routineimpfungen hatte sie sich wie üblich geben lassen.

Und hieß es nicht, man würde vor einer endgültigen Löschung gewarnt, bekäme die Möglichkeit der Besserung?

Zuhause angekommen – in diesem Monat war es ja noch ihr Zuhause – machte sie als erstes ihren Computer an. Vielleicht ließ sich irgendwie recherchieren, was schief gelaufen war.

„Ihr Internetzugang ist gesperrt.“ sagte der Monitor.

Der Fernseher ging noch.
Die Nachrichten.
Da! Bilder von der Demonstration, auf der sie letzte Woche gewesen war. Es war um höhere Lohnzahlungen für die Logistik-Branche gegangen. Sie fand das wichtig. Aus Gerechtigkeitsgründen. Und auch, damit wieder mehr Lieferungen in die Läden kamen.
Die Demonstration war angemeldet und genehmigt gewesen.

„Der Verfassungsschutz hat ermittelt, dass auf dieser Demonstration einige niederträchtige Menschen waren, die unsere Demokratie in Frage stellen.“, hörte sie den Nachrichtensprecher sagen. „Die erforderlichen Maßnahmen wurden ergriffen.“

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Wer näher in die Thematik einsteigen möchte, für den könnten folgende links interessant sein: Norbert Häring, der sehr viel zu diesem Thema recherchiert hat, z.B. hier: https://norberthaering.de/die-regenten-der-welt/thales/
oder auch:
https://id2020.org/digital-health-id-rfp
https://www.weforum.org/press/2018/01/canada-to-test-advancements-in-biometrics-and-blockchain-to-welcome-international-travellers/
und – mit sehr plakativen Szenarien, bei denen u.a. die Bewunderung für China interessant ist … : https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/global/Documents/About-Deloitte/COVID-19/Thrive-scenarios-for-resilient-leaders.pdf
Auch diese Patentanmeldung (für Pfizer???) könnte interessant sein. Wenn ich es richtig verstehe, geht es darum, wie man sich das vorstellt mit einer „Überwachung“, die individualisierte Aufforderungen zu Impfungen / Vorsorgeuntersuchungen ermöglichen könnte: https://patentimages.storage.googleapis.com/68/80/73/6a17a66e9ec8c5/US11107588.pdf [Zu dem in dem Patent benannten Patentanwalt vgl hier (https://www.ipatent.co.il/iptrade/dr-gal-ehrlich/)]

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Im Dienste ihrer Majestät…

„Guten Tag, mein Name ist „Anleihe“. James Anleihe. Ich bin Geheimkünstler im Dienste ihrer Majestät.

Sie fragen, wer die „Majestät“ ist?
Majestät ist das Wichtigste auf der Welt, was sonst…?
Also: Unser Geld natürlich!!!

Sie fragen, wer „uns“ ist?
Ich bin Geheimkünstler. Ich habe Geheimnisse …

Meine Kunst besteht darin, die Macht der Majestät – und damit auch meine und die meiner Freunde – zu vergrößern.
Das ist nicht mehr so einfach heutzutage, sage ich Ihnen.
Seit dieser Finanzkrise damals haben einige Menschen bemerkt, dass unsere kunstvoll gestalteten Papiere oft gar nicht so wertvoll sind, wie wir den Käufern stets suggeriert haben.

Wir alle in der Branche haben seitdem echte Schwierigkeiten. Wir tanzen auf einem Vulkan.
Vielen gefällt das.
Wer liebt sie nicht, die Spannung und das Risiko? Gehen wir nicht deshalb ins Kino…?
Nun ja, ich sage Ihnen, wir stehen wirklich am Abgrund. Eigentlich hingen wir, hing ich, schon an einem Seil über dem Abgrund. Und das Seil drohte zu reißen.

Aber dann… . Dann, im Februar 2020 gelang mir ein echter Coup im Dienste ihrer Majestät: Ich konnte zum ersten Mal seit sechs Jahren eine Nachranganleihe mit unendlicher Laufzeit platzieren, die beim Unterschreiten gewisser Kapitalschwellen entwertet wird.

Das klingt für Sie sperrig? Das soll es auch … .

Kunst muss man nicht verstehen. Man muss sie mögen!
Und das tun die Leute: Das Papier ist zehnfach überzeichnet. Wegen der hohen Nachfrage habe ich das Emissionsvolumen bereits von 1 auf 1,25 Mrd. € aufgestockt. Im gleichen Monat habe ich einen neuen Großaktionär für mein Haus gewonnen.

Meinen gerührten Martini habe ich mir wirklich verdient, sage ich Ihnen.

Wer der Bösewicht ist, gegen den ich kämpfe im Dienste ihrer Majestät?
Na der, der ständig eine Katze streichelt. Wer denn sonst?“

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Inspiriert durch diesen Artikel über James von Moltke (seit 2017 CFO der Deutschen Bank) https://www.finance-magazin.de/koepfe/james-von-moltke/, wonach dieser eben im Februar 2020 besagte Nachranganleihe emittiert hat.
Und natürlich durch die deutsche Übersetzung des englischen Begriffs „bond“, die mir irgendwie passend erschien … .
[Selbstverständlich will ich dem James v.M. mit dem Text nicht unterstellen, dass er keine Katzen oder Katzenliebhaber mag … . Vermutlich streichelt „der Böse“ in den neueren James Bond – Filmen ohnehin schon lange keine Katze mehr. Mein letzter Bond-Film liegt schon etwas länger zurück. 😉😎]

Zur Erläuterung: Nachranganleihen sind Unternehmensanleihen, die im Fall einer Insolvenz des Unternehmens nachrangig bedient werden. Also ein hohes Risiko aufweisen.
Sie waren bei den ausgebenden Unternehmen v.a. deshalb beliebt, weil sie früher zu 100 % als Eigenkapital in der eigenen Bilanz ausgewiesen werden durften. Das war einer der Punkte, der in der sogenannten Finanzkrise zu großen Problemen geführt hatte, denn das ausgewiesene Eigenkapital war ja in Wahrheit so gar nicht vorhanden. Man hat das deshalb 2013 zu regulieren versucht (Basel III), indem der prozentuale Anteil, zu dem solche Anleihen als Eigenkapital ausgewiesen werden durften, sukzessive zurückgeführt werden und ab 2022 eigentlich ganz ausgeschlossen sein sollte.
„Wegen Corona“ hat man diesen Zeitpunkt allerdings inzwischen auf 2023 verlegt. Ich könnte mir also gut vorstellen, dass die jetzige Anleihe der Dt. Bank half, ihre Bilanz noch einmal ein wenig zu schönen – in der Erwartung, dass die Politik die großen Finanzinstitute nicht in die Insolvenz gehen lassen wird, und 2023 vielleicht dann doch auch nicht das Enddatum sein wird … . 🤔 Auch die Anleger dürften die Erwartung haben, dass zur Not eben die Steuerzahler einspringen werden. (Das ist schließlich nur fair, oder 😉?)
Es handelt sich hier zwar nur um eine vergleichsweise geringe Summe – aber ja auch nur um einen kleinen Ausschnitt aus der großen Welt der „Geheimkunst“… .

Wie immer mit herzlichem Dank an Christiane für ihre liebevolle Betreuung der Etüden, deren aktuelle Einladung hier https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/10/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-40-41-21-wortspende-von-umgebucht/ zu finden ist. Und an Yvonne für die Wortspende!