abc-Etüden; Textwoche 41.42.20

Auch ich mache jetzt mit bei Christianes Schreibeinladung. Die Wortspende kommt diesmal von Werner Kastens: Landvermesser, aussetzen, undankbar

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Irgendwie fühlte er sich nicht so richtig wohl hier. War er nicht undankbar, fragte er sich? Immerhin hatte man ihn ausgewählt. IHN, Udo Schröders, Landvermesser aus Deutschland. Es hatte Tausende von Bewerbern gegeben aus aller Welt, und ein verdammt hartes Auswahlverfahren. Aber zum Schluss war es eine politische Entscheidung gewesen. Jahrelang hatte man gerungen, in vielen Gremien immer wieder diskutiert. Es hatte Kriegsdrohungen gegeben und Kompromisse, auf die man sich mühsam geeinigt hatte. Und jetzt stand er hier und sollte diese Kompromisse umsetzen. Eine echte Pionierarbeit. Er würde jetzt den Mond vermessen, jedem Land der Erde ein bestimmtes Stück zuteilen. Natürlich nur den „wichtigen“ Ländern. Afrika zum Beispiel hatte nicht viel mitzureden gehabt. Das war nun einmal so auf der Erde.

Wem gehört der Mond, fragte er sich? In seinem Kopf hallte laut die Antwort: „Niemandem!“ Ebenso wie die Erde auch niemandem gehört, dachte er, auch wenn es bisher nur wenig Menschen gab, die das verstanden zu haben schienen.

„Mission aussetzen“ funkte er zur Erde, „ich kann das nicht!“ „Ja“, kam es zu seiner Überraschung zurück. „Mission aussetzen. Wir haben gerade die Nachricht erhalten, dass der amerikanische Präsident eine Neuverhandlung fordert. Er will ein größeres Stück. The greatest for the greatest, he had said.“ Udo fühlte, wie ihm übel wurde … .