
Die beiden hätten es schwer gehabt mit den Menschen des Bildungsbürgertums. Der Schicht, der sie beide selber entstammten, – und für die ihre Mission gedacht war.
Gerade die Menschen, die in einem Teil von sich durchaus deutlich spürten, dass dieses Paar anders war, als andere Menschen, hätten alles ihnen Mögliche versucht, um die beiden klein zu halten:
Diese Frau und dieser Mann („Jesus“) hatten oft gezeigt, dass sie „das Imperium“ kritisch sahen. Vieles für klar verbesserungswürdig hielten: In die Richtung, dass die Mächtigen den Menschen dienen sollten – und nicht die Menschen den Mächtigen, als deren „Kanonenfutter“, „Reichtumsvergrößerer“ und „Claqueure / Applaudateure“.
So dass die beiden bei denen, die diesen Mächtigen folgten, nicht beliebt waren.
Manche folgten diesen Mächtigen wegen des Solds, den sie von diesen erhielten; und weil sie nicht wussten, wie sie sich sonst ihren Lebensunterhalt verdienen könnten.
Andere, weil sie sich dadurch eigenen Ruhm für ihre Werke versprachen. Denn in der Gesellschaft verbreitet, aufwendig beworben und unterstützt, wurde von den Mächtigen logischerweise nur das, was diesen nutzte. Also richteten die, die Karriere machen wollten, ihre Werke danach aus, dass diese den Mächtigen gefielen.
Diejenigen Menschen, die von Politik nicht viel verstanden, aber große Angst davor hatten, unliebsamen Tatsachen ins Auge zu schauen; redeten sich ein, dass der Kaiser ein „guter Mann“ sei. Der nur das Beste für sein Volk wolle.
Sie meinten, es gäbe keinen Grund, dem Kaiser nicht vorbehaltlos zu vertrauen. Das sei ein kluger Mann, – denn sonst wäre er ja nicht Kaiser -, der besser als sie selber wüsste, was gut für sie sei.
Und die, die anderes über den Kaiser behaupteten – und sie damit verunsicherten -, seien bösartige „Verschwörungstheoretiker“, deren Ziel die Spaltung der Gesellschaft sei. „Verschwörungstheoretiker“ und „Querdenker“. Wer dem Kaiser treu ergeben ist, müsse „Haltung zeigen“ und solche „Querdenker“ standhaft bekämpfen. Oder ihnen zumindest die kalte Schulter zeigen und sie ignorieren.
Diesen „Standhaften“ war es auch deshalb wichtig, dem Kaiser zu zeigen, dass sie ihm treu sind, dass sie „gute“ Menschen sind, weil sie wussten, dass der Kaiser Macht hatte. Und er durchaus auch häufig gezeigt hatte, dass er seine Macht auch dafür nutzte, die, die ihn zu kritisieren wagten, hart (und ungerecht) zu „bestrafen“ (denn die obersten Gerichte hatte der Kaiser zuvor längst mit ihm treuen Statthaltern besetzt).
Und so fühlten sich sicherer und in einer insgesamt unsicheren Welt zumindest einigermaßen geschützt, wenn sie dem Kaiser ihre Treue zeigten – und alles taten, was dieser von ihnen verlangte.
Aber auch die anderen, die Religiösen, die das Imperium ebenfalls kritisch sahen, und den Kaiser nicht so sehr mochten; waren ebenfalls äußerst empört über „Jesus“. Denn dieses Paar machte ja sehr deutlich, dass es ein ganz anderes Verständnis als sie hatte – von dem, den diese anderen als ihren Gott und Herrn anbeteten.
Die Gottgläubigen empörte, dass dieses Paar es wagte, die Schriften, die ihnen heilig waren, sehr anders auszulegen, als sie. Nichts davon wortwörtlich zu nehmen und als unhinterfragbaren „Fakt“ einfach nur zu akzeptieren.
Solche, wie dieses Paar, seien „Gotteslästerer“, „Ketzer“ und „Häretiker“, schimpften sie bei sich und öffentlich.
Und sie beeilten sich, ihrem Herrn und Gott zu zeigen, dass sie ihm treu seien. Dass sie standhaft gegen diesen „Jesus“ kämpfen, der es wagt, in Frage zu stellen, was all die Altvorderen verkündet hatten.
Es war ihnen sehr wichtig, so öffentlich zu zeigen, dass sie „gute Menschen“ sind. Denn ihr Herr und Gott hatte ebenfalls schon häufig gezeigt, dass er die, die ihn zu kritisieren wagten, hart (und ungerecht) bestrafte.
Und in einer insgesamt unsicheren Welt fühlten die Gottgläubigen sich sicherer, sich unter den Schutz eines mächtigen Gottes zu stellen. Und ob dieser „Jesus“ ein Mensch war, der Wahrhaftigkeit, Ehrlichkeit und Liebe lebte, interessierte sie da wenig.
Die Messias-Gläubigen hatten zudem alle sehr genaue Vorstellungen von einem „Messias“, der ihnen in ihren Schriften angekündigt worden war. Und auf den warteten sie. Dass er sie „erlöse“, ohne dass sie etwas anderes dafür tun müssten, als an ihn zu „glauben“.
Jemand, die und der keine Wunder wirkte in der Form, die sie unter „Wunder“ verstanden; nicht wenigstens übers Wasser gehen konnte – und nicht einmal allwissend, sondern nur etwas wissender, war -, empfanden sie als für sie irrelevant.
Und eine Frau! Das an sich wäre ja schon „Gotteslästerung“. (Und selbst, wenn diese Frau, dieses Paar, Wunder gewirkt hätte; hätte das lediglich dazu geführt, dass sie immer mehr dieser Wunder als „Beweis“ für irgendwas gefordert hätten. Sie hätten „Jesus“ dann allenfalls wegen dieser „Wunder“ verehrt; den Inhalt der vermittelten Botschaften, auf den es eigentlich ankam, hätten sie hingegen mehr oder weniger ignoriert.)
Und etlichen waren diese Frau und dieser Mann, dieser „Jesus“ auch schlicht unheimlich.
Ihnen war von klein auf beigebracht worden, wie diese Welt angeblich sei. Und dieser „Jesus“ war so ganz anders als alle anderen. Die beiden passten in keine der den „normalen“ Menschen bekannten Schubladen.
Und das machte manchen Menschen Angst. Denn alleine schon mit ihrem Sein und ihrer sehr außergewöhnlichen medialen Begabung stellte dieses Paar vermeintliche „Gewissheiten“ über diese Welt deutlich in Frage.
Also versuchten etliche, diesen „Jesus“ entweder zu ignorieren; oder sie schielten danach, wie andere auf diesen „Jesus“ reagierten. Da sie nicht den Mut hatten, auf ihre eigenen Gefühle zu hören, schien es ihnen sicherer, sich an Verhalten und Meinung anderer zu orientieren.
Und etliche versuchten auch, sich selbst zu „beweisen“, dass dieser „Jesus“ doch auch gar nicht anders oder gar „besser“ und wissender sei als sie.
Ständig suchten sie irgendwas, was sie am Wirken dieses „Jesus“ meinten, kritisieren zu können.
Statt von dem Paar zu lernen, wollten sie es immer wieder „auf die Probe stellen“.
Sie lasen die Werke der Frau nicht mit dem Fokus, von den Inhalten zu lernen. Sondern mit dem Fokus, was sie kritisieren könnten. Und seien es Äußerlichkeiten (zu lange Texte, zu anspruchsvoll, zu unfreundlich etc.).
Diese Frau verhielt sich ohnehin nicht so, wie Frauen laut der „heiligen Schriften“ doch zu sein hätten.
Und sie verweigerte es auch, Regeln, Vorgaben und Gebote des weltlichen Kaisers nur deswegen zu erfüllen, weil es ein „Gebot“ war.
Aber sowohl die Kaisertreuen wie die Gottesgläubigen waren empört, dass „Jesus“ solche „Ge- und Verbote“ weniger ernst nahm, als sie.
„Ihr heilt am Sabbat??! Ihr habt euch an Regeln und Gebote zu halten! Wir tun das schließlich auch … ..“
„Jesus“ versuchte wiederholt, deutlich zu machen, dass „Gebote“ kein Selbstzweck sein sollten! Weder „göttliche“ noch weltliche!
Sondern dass Menschen schauen und nachspüren müssen, ob das jeweilige Ge- / Verbot in dem betreffenden Kontext wirklich der Liebe dient! Oder vielleicht mehr schadet als nutzt.
Aber die Menschen wollten das nicht hören. Sie fühlten sich sicherer mit klaren Vorgaben. Wie kleine Kinder wollten sie, dass ihnen jemand sagte: „Tu dies! Und unterlasse jenes!“
Selber zu entscheiden, selber Verantwortung zu übernehmen, das trauten sie sich entweder nicht zu. Oder es war ihnen zu anstrengend.
Es ist halt viel bequemer, sich an die Worte eines anderen zu halten, statt selber zu denken.
Und „Jesus“ konnte ihnen noch so oft sagen, dass sie die Worte der „heiligen Schriften“ nicht wörtlich nehmen sollten, sondern lernen müssen, die Inhalte zu verstehen!
Dass sie lernen müssen, dass sie nicht einfach darauf vertrauen können, dass jemand ein „guter, oder gar allwissender Mensch / Experte / Gott“ sei! Sondern dringend lernen müssen, sich anzuschauen, ob all das, was von dem jeweiligen Menschen / Gott / Experten kommt, wirklich so „gut“ ist.
Dass sie lernen müssen, zu VERSTEHEN! Statt nachzuplappern!
Sie hatten Ohren, aber sie wollten die Botschaft nicht hören.
Stattdessen versuchten sie, sich über „Jesus“ lustig zu machen: „Die haben weder Theologie noch Philosophie noch Psychologie studiert und doch behaupten sie, in all diesen Gebieten weit mehr zu wissen, als all die, die diese Fächer jahrelang an menschengemachten Institutionen studiert haben??! Dieses „Jesus-Paar“ behauptet, mehr zu wissen, als all die „Schriftgelehrten“, Experten und Priester? Ist ja lächerlich.
Da nimmt sich wohl jemand selbst sehr wichtig …“
Vielleicht spotteten sie auch: „Diese Frau hält sich wohl für die Königin von Jerusalem…“ Und den Mann verhöhnten sie vielleicht, indem sie meinten: „Der hört auf seine Frau. Der steht unter ihrem Pantoffel, der hat eine „Dornenkrone“ auf: Sie bekränzt sich selber mit der Schönheit der Rose und dem angenehmen Duft. Und für ihn bleiben nur die Dornen übrig von dem Rosenkranz; ha ha …“
Obwohl die beiden so immer wieder verletzt wurden (statt dass die Menschen ihre Hilfestellungen annahmen); hatten sie lange gedacht: Selbst wenn der Samen, den sie beide säten, nur bei einer Handvoll Menschen auf fruchtbaren Boden fiel;
wären es diese Menschen nicht wert, dass sie weitermachten?
Und bei einigen von denen, bei denen der Samen zunächst auf felsigen Grund gefallen ist, würde der Wind ihn nach einiger Zeit vielleicht doch noch auf fruchtbaren Boden wehen und Frucht bringen. So hoffte insbesondere SIE.
Aber der schlimme Spott mit der „Dornenkrone“ hätte IHN vermutlich so sehr verletzt und frustriert, dass ER aus diesem Verletztheits- und Frustriertgefühl heraus IHR dann schließlich gesagt hätte:
„Du bist völlig naiv, auf die Einsichtsfähigkeit dieser Menschen zu hoffen. Darauf zu setzen, dass hier irgendjemand wirklich die Reife besitzt, die für echte und ehrliche Selbst-Reflexion erforderlich ist.
Du siehst doch, dass die hier überhaupt nicht wissen, was echte Größe ist. Die kommen sich „groß“ und „stark“ vor, wenn sie jemanden verspotten.
Und die WOLLEN doch auch überhaupt nicht wissen, was echte Größe ist!!!
Die meinen doch hier, sie wären „groß“, wenn sie „standhaft“ gegen alles kämpfen, was sie irritiert, und was eine Änderung ihrer Denkweisen erfordert!
Oder sie sind gar so dumm und unreif, dass sie sich für „groß“ halten, wenn sie irgendwelche anderen Menschen besiegt und womöglich vernichtet haben.
Die beten hier doch alle Macht an, – und nicht Liebe!!!
Denen ist doch fast allen Liebe gar nicht WIRKLICH wichtig.
Sondern wichtig ist denen fast allen doch nur, es sich mit irgendwelchen Wesen nicht zu verscherzen, die mächtig sind. (Oder die sie für mächtig halten.)
Bei denen kannst du mit deiner naiven Hoffnung auf Einsichtsfähigkeit gar nichts bewegen.
Um bei denen etwas zu bewegen, – damit sie diese Welt nicht völlig vernichten in ihrer dämonischen Zerstörungswut und ihrer bodenlosen Dummheit und Ignoranz,- braucht es Drohungen. Und Angst vor schlimmen Strafen. Eine andere Sprache verstehen die hier nicht.“
Und dann hätte ER, verletzt und frustriert, wie ER war, den Menschen und Leuten hier vielleicht gesagt:
„Ihr habt zwar die Macht und die Möglichkeiten, unsere leiblichen Körper hier zu verletzen und zu zerstören. Unsere leiblichen Körper sind Eurer dämonischen Zerstörungssucht in dieser Welt machtlos ausgeliefert. Aber hinter uns steht etwas, das ist sehr viel mächtiger, als wir beide!!!
Und es kann sein, dass es für EUCH sehr unangenehm wird, dessen Zorn zu spüren zu bekommen – wenn Ihr nicht endlich bereit seid, EURE Denkweisen zu ändern, EUCH zu wandeln!!!“
Was würde dann wohl geschehen?
Fortsetzung folgt.