abc-Etüde 23./24.21 – Paradies

Sie lagen auf der Picknickdecke und philosophierten verwegen vor sich hin:

„Wenn du das Paradies erschaffen könntest, Anna, wie würde es aussehen?“

„Definitiv eine Wiese mit ganz vielen verschiedenen Blumenwundern. In unterschiedlichsten Formen und Farben zum Nichtsattsehenkönnen.“

„Umschwirrt von summenden Bienen und Hummeln.“

„Jaa! Sonne, kleine Wolken am Himmel. Und – ich will eine sanfte Windbrise.“

„Lach! Ich auch! Und schattenspendende Bäume in der Nähe, falls es in der Sonne irgendwann zu warm werden sollte.“

„Duftende Rosensträucher.“

„Bunte Schmetterlinge in der Luft.“

„Und Vogelgezwitscher.“

„Unbedingt! Ein kleiner Springbrunnen nahebei und schillernde Libellen überm Wasser würden mir auch gefallen.“

„Und das Ganze, lieber Tom, zusammen mit dem wundervollsten Menschen der Welt!“

„Also eigentlich …“, freute er sich … .

„Genau! Eigentlich haargenau so, wie wir es gerade haben!“

Die zwei strahlten sich an und versanken in einem langen und innigen Kuss.

💋💋💋

Aus dem sie plötzlich aufschraken, als eine schrille Stimme in der Nähe erklang:

„HIER willst du picknicken, Karlo? Hast du wenigstens vorher recherchiert, was hier alles blüht? Ich bin Hochallergikerin! Ist das dahinten etwa eine Eiche?! Wohlmöglich ist die von diesen furchtbaren Eichenprozessionsspinnern befallen. Das wäre der Supergau für mich!
Dieses Gesumme hier macht mich wahnsinnig! Da soll ich ein Picknick genießen?! Spinnst du? Und bestimmt gibt es auf dieser Wiese auch noch Zecken?!
Ich will hier weg! Ganz schnell…!“

**********************************************

Wie immer mit Dank an Christiane für ihre liebevolle Betreuung der Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 23.24.21 | Wortspende von nellindreams | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind, und an Ellen von Nellindreams für die diesmalige Wortspende.

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

Beteilige dich an der Unterhaltung

31 Kommentare

  1. Krasser kann die Gegenüberstellung ja nicht sein, – so sehr, daß man/frau sich ein herzliches Lachen nicht verkneifen kann. Dabei wäre es ja eher etwas zum Weinen. Ja, wer keine Probleme hat, macht sich welche…Und ein „Paar“ zu sein, bedeutet, wie man hier liest, nicht immer den „Himmel auf Erden“.

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    1. Lachen ist super! 🙂 Ich freue mich immer, wenn meine Geschichten auch zum Lachen anregen … .
      Es ist wohl eine Sache der persönlichen Betrachtung und auch der persönlichen Erfahrung. Ich kenne tatsächlich einige Allergikerinnen (das nimmt ja leider immer mehr zu …), die dadurch einen ganz anderen Blick auf die Natur – und insbesondere auf Wiesen – haben, als ich. Während Wiesen für mich wunderschön sind (in der Etüde stand unser eigener kleiner Garten gewissermaßen Pate, das sagt wahrscheinlich schon alles ;-)… .), sehen andere diese als etwas potentiell „Feindseliges“ an.

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      1. Also beruht diese Etüde auf Beobachtung und Erfahrung, ist nicht frei erfunden. Wie gut, daß ich in dem Sinne keine Allergien habe. Wer darunter leidet, sieht die Natur natürlich mit anderen Augen. Allerdings, dieser schrille Ton der Stimme deutet darauf hin, daß hinter der äußeren Allergie wohl auch eine seelische steckt.

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  2. Also auf einer Wiese mich von Hummeln und Bienen umschwirren zu lassen, hielte ich für nicht so paradiesisch. Und Ameisen am Po mag ich auch nicht. Da müsste also dann schon für Sorge getragen werden, dass alle Flug- und Krabbelgäste sich harmlos verhalten.

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    1. Lach! Die meisten Hummeln und Bienen sind nach meiner Erfahrung nette „Zeitgenossinnen“. Ich finde, sie haben so etwas süß Flauschiges 🙂. Ameisen können allerdings auch nach meiner Erfahrung manchmal etwas „bissig“ sein. Aber Ameisensäure soll ja gut sein gegen Rheuma …😇😉

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  3. Ich wünsche mir, dass es beide Seiten gibt, und noch viel mehr, und das für noch lange, denn wenn man sich überlegt, wie hoch der Rückgang an Insekten schon ist, ist das eine Frage der weiteren Zukunft, bis wir blühende Wiesen nur noch in Aufzeichnungen sehen können.
    Mit dem verliebten Paar schwelge ich und die nörgelnde Dame tut mir leid; der sie begleitende Mann allerdings auch … 😉
    Danke dir für deine Etüde! 😀
    Abendgrüße 😀

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    1. Danke dir für den schönen Kommentar! Ja, wir Menschen brauchen Insekten, wenn wir blühende Wiesen und natürliche Nahrung weiterhin haben wollen.
      Das Gute an der Liebe ist, dass sie wahrscheinlich ohnehin jede Umgebung zum Paradies werden lässt 😃. Wohingegen nörgeln wahrscheinlich die schönste Umgebung verderben kann, aber trotzdem halt leider so gut wie jedem auch mal passieren kann… 😇
      Herzliche Abendgrüße zurück 💕🌈

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  4. Und das Morgensterngedicht:

    Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
    wäre besser ohne sie daran;
    darum seh‘ er, wie er ohne diese
    (meistens mindstens) leben kann.

    Kaum dass er gelegt sich auf die Gräser,
    naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm,
    naht der Tausendfuß und Ohrenbläser,
    und die Hummel ruft zum Sturm.

    Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
    tut drum besser, wieder aufzustehn
    und dafür in andre Paradiese
    (beispielshalber: weg) zu gehn.

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      1. Tolle Etüde! Tolles Morgenstern-Gedicht dazu! Die Etüde ist ein wunderbar kompakter Spiegel des Alltags – in dem manche sich leider nicht sehen, sonst würden sie … zu Hause bleiben? Sich nicht von derart mäkeligen Damen das Freiluftvergnügen vermiesen lassen? Mir tut der Begleiter der Dame auch leid!

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      2. Danke dir, liebe Ellen! Ich bin auch ganz begeistert von diesem Morgensterngedicht, das so gut zu meinem Text passt! 😃💞.
        Der Begleiter kennt die Dame ja wahrscheinlich… vielleicht mag er sogar ihre etwas schwierige Art…😉? 🦋🌈

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