
„Spüren Sie die Magie? Hören Sie, wie Sie mit Ihnen sprechen, die majestätischen Geschöpfe dieses Waldes? Nehmen Sie das Wispern Ihrer Blätter wahr? Sehen Sie das Spiel des Lichtes durch diese Blätter?
Atmen Sie! Nehmen Sie das Elixier des Lebens in Ihre Lungen auf. Genießen Sie mit allen Sinnen! Spüren Sie. Versuchen Sie eins zu werden mit Ihrer Umgebung.
Spricht vielleicht ein Baum besonders zu Ihnen?“
Es war lange her, seit er das letzte Mal mit einer Gruppe Erwachsener durch diesen Wald gewandert war, der für ihn ein Zauberwald war. Seit einigen Jahren gab er jede Woche Schulklassen aus der nahe gelegenen Grundschule eine Stunde Waldunterricht. Die Kinder hatten sich schnell eingelassen auf den Zauber des Waldes. Sie bestanden bei jedem Wetter auf ihrer „Magiestunde“.
Und einige hatten ihn gebeten, auch mal ihre Eltern durch den Wald zu führen, damit diese auch eine Beziehung zum Wald bekämen. Als er jetzt in die Gesichter der Gruppe sah, merkte er, was die Kinder gemeint hatten. Die meisten Eltern sahen ihn völlig verständnislos an. Manche wirkten sogar regelrecht verärgert.
„Was soll dieser Quatsch? Magie…, Sinne….“ fragte einer. „Lernen unsere Kinder bei Ihnen nichts Vernünftiges? Über den Ertrag des Holzes zum Beispiel? Also etwas, wo sie was von haben werden, im Leben?“
„Nun“, setzte er an.
„Apropos Sinne“ unterbrach ihn eine Mutter. „Ich habe uns etwas für den Geschmackssinn mitgebracht. Für jeden Geschmack. Herzhaft oder süß. Und auch Pralinen sind dabei – mit Geschmacksnoten von einheimischen Kräutern des Waldes.“
Alles scharte sich um das Essen. Und die Mutigen probierten sogar die Pralinen.
Sie zwinkerte ihm zu und sagte leise „Erwachsene lassen sich selten auf derselben Ebene erreichen wie Kinder. Sie sind lange nicht so offen.
Langsam heranführen – und bei Erwachsenen unbedingt den Bauch einbeziehen, sonst ernten Sie Widerstand… .“
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Wie üblich mit Dank an Christiane für ihre liebevolle Betreuung der Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 25.26.21 | Wortspende von Allerlei Gedanken | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind, und an Monika von Allerlei Gedanken für die Wortspende!