abc-Etüde 25./26.21 – Zielkonflikt

„Hmm, die ist ja lecker! Diese Kombination Schokolade und Kaffeegeschmack. Absolut unwiderstehlich für mich!“

„Ja, diese Praline ist etwas ganz Besonderes.“

„Und dass Sie ausschließlich zertifiziert nachhaltige Produkte verkaufen, gefällt mir sehr. Sie haben ja auch schon einige Auszeichnungen dafür erhalten, wie ich an Ihren Wänden sehe. Da kann ich endlich mal mit gutem Gewissen konsumieren. Kaffee und Kakao stammen aus ökologischem Anbau, nehme ich an?“

„Kaffee? Kakao? Wie wollte das nachhaltig sein? Ist Ihnen bewusst, wieviel Wasser der Anbau von Kaffee und Kakao verbraucht? Wieviel Regenwald für die Plantagen geopfert wird, wie hoch der CO2-Abdruck ist, wenn Sie auch noch den Transport einberechnen?“

„Jaa, schon…, ich dachte, deshalb wären diese Pralinen so teuer, um das zu kompensieren.“

„So leicht geht das nicht zu kompensieren. Nein, die sind so teuer, weil sie so aufwendig herzustellen sind. Wissen Sie, herzhaft ist leicht. Hefe bringt da das gewünschte Umami-Aroma. Aber Kaffee und Kakao! Das sind so komplexe Aromen. Da mussten unsere Lebensmittelchemiker richtig lange dran arbeiten, da sind schon so einige E-Nummern drin, ha ha. Und dann noch diesen Schmelz. Alles aus unserem Labor. Das ist echte Chemie-Kunst! —-
Hey, wo wollen Sie denn hin?! —-
Komischer Vogel! Erst tut er so, als wäre ihm Nachhaltigkeit wichtig, und er wolle Gutes tun. Findet die Kostprobe lecker. Und dann wandert der hier einfach raus, ohne was zu kaufen. Und mit einem Gesicht, als hätte ich ihm etwas Ekelhaftes verkaufen wollen! Dabei machen wir uns diese Arbeit doch schließlich nur, damit Leute wie er auch künftig nicht verzichten müssen auf den Geschmack von Kaffee und Kakao.“

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Wie immer mit Dank an Christiane für ihre liebevolle Betreuung der Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 25.26.21 | Wortspende von Allerlei Gedanken | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind und an Monika von Allerlei Gedanken für die diesmalige Wortspende!