
Triggerwarnung: Missbrauch, Kirche, Elternreaktion
„Alfons! Jetzt stochere nicht so in deinem Joghurt herum! Weißt du, wie viel Mühe es mich gekostet hat, Joghurt zu bekommen für uns? Was ist denn bloß los mit dir?“
„Ich … ich, Mutter heute beim Ministrantenunterricht beim Herrn Pfarrer …“
„Ja?!“
„Ich sollte noch etwas länger bleiben. Und dann .., dann…“
„Ja, was denn nun?!“
„Dann … dann musste ich mich ausziehen. Ganz. Und der Herr Pfarrer hat zugesehen und sich in die Soutane gegriffen – und … und irgendwie dampfte er…“
„Alfons!!!“
„Aua!“
„Die Ohrfeige hast du verdient! Wie kannst du nur so etwas Widerwertiges sagen! Der Pfarrer ist ein guter Mann. Ein Mann der Kirche. Ein Mann Gottes. Und du! So eine schmutzige Phantasie. Pfui! Ich schäme mich für dich. Was sollen die Leute denken, wenn sie erfahren würden, was du für einer bist? Oh oh! In der Hölle wirst du schmoren, für so etwas! Missratenes Kind! Sag so etwas bloß nie nie wieder!!!“
Heute lebt Alfons im Altenheim. Er hatte nie eigene Kinder. Immer wenn eine Frau sich für ihn interessierte, erklang eine Stimme im Hinterkopf, die ihm sagte, dass er nicht genug sei für sie. Für niemanden. Irgendwie fühlte er sich missraten. Also blieb er allein.
Schon lange trägt er ein rückenstützendes medizinisches Korsett. Es hilft ihm dabei, ein wenig aufrechter zu gehen, als sein eigener Körper das ermöglicht.
An den Pfarrer in seiner Kindheit kann er sich nicht erinnern.
Aber von Joghurt war ihm sein Leben lang übel geworden, auch von dem mit der rechtsdrehenden Milchsäure.
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Wie immer mit Dank für Christiane für die Schreibeinladung und für ihre Mühe mit den abc-Etüden, deren Regeln hier Schreibeinladung für die Textwochen 18.19.21 | Wortspende vom Bodenlosz-Archiv | Irgendwas ist immer (wordpress.com) zu finden sind. Und an Nina von Bodenlosz-Archiv für die Wortspende.