
Unauffällig stupste er seinen Kumpel an und wies dabei mit dem Kopf in Richtung eines bestimmten Touristen.
Der mollige Mann schien das ideale Opfer. Er hatte sich etwas von seiner Gruppe entfernt. Und: Er hatte seine Kamera auf einen Pfosten gestellt und sich drei Meter davor posiert. Die Kamera sah neu und wertvoll aus. Verlockend!
Sie waren ein eingespieltes Team. Während der eine den Mann ablenkte, sprang der andere zu dem Pfosten mit der Kamera, riss diese blitzschnell an sich. Und weg waren sie.
Es dauerte einen Moment, bis der Mann realisierte, was passiert war. Er fühlte sich wie blockiert. Was sollte er tun? Die Kamera war wirklich teuer gewesen. Und diese beiden Halunken würden nicht einmal etwas damit anfangen können!
Wütend eilte er zu dem einheimischen Reiseleiter seiner Gruppe und schilderte diesem den Diebstahl. Sah er da etwa ein leichtes Grinsen in dessen Gesicht? Das wurde ja immer schlimmer!
Und jetzt fragte der auch noch, ob er zufällig etwas zu Essen in seinem Rucksack mit sich führe. Sah er so aus, als würde er die Hälfte des Frühstücksbuffets mitgehen lassen?! Und was hatte das Eine überhaupt mit dem Anderen…? „Ja“, sagte er kleinlaut.
„Dann packen Sie das mal aus.“ antwortete der Reiseleiter. „Nein, ein Apfel wird nicht reichen. Das Wurstbrötchen sollten Sie schon dazu geben und unbedingt die Banane. Bieten Sie alles den beiden an! Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie die Kamera sofort zurück bekommen.“
Und so geschah es.
Die Mitreisenden machten begeistert Fotos von der Übergabe. Und der Reiseleiter grinste inzwischen breit:
„Die Affen in dieser Gegend sind verdammt intelligente Tiere. Sie wissen genau, was sie klauen müssen, um im Gegenzug möglichst viel Essbares angeboten zu bekommen. Handel – … oder Erpressung? Jedenfalls haben sie die Menschen und deren Eigenarten sehr genau beobachtet … und viel gelernt.“
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Inspiriert durch einen Bericht über eine Art „Affen-Mafia“ in der Nähe eines bestimmten Tempels auf Bali, wonach dort Makakenaffen Touristen bestehlen, um das Diebesgut anschließend gegen Essen einzutauschen.
Wie immer mit Dank an Christiane für ihre Mühe mit den Etüden, deren Regeln man hier findet (Schreibeinladung für die Textwochen 06.07.21 | Wortspende von Wortman | Irgendwas ist immer (wordpress.com) ), und an Wortman für die Wortspende.