Ganzheitliche Medizin IV

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Da ich so oft über den „toxischen Anteil der Männlichkeit“ schreibe, denken manche vielleicht, ich hätte ein generelles Problem mit Männern. Oder hätte in meinem Leben sehr schlechte Erfahrungen gemacht.

Das wäre ein Missverständnis! Mit dem „toxischen Anteil der Männlichkeit“ meine ich keine konkreten Männer, sondern dieses religiös / politisch geprägte Denken in Macht und Machtstrategie – statt in Liebe.
Ein Denken, das in der derzeitigen Welt durchaus auch sehr viele Frauen geprägt hat. Manchmal scheint dieses Denken bei einer Frau in Führungsposition sogar ausgeprägter zu sein, als bei Männern. Was u.a. aber auch daran liegt, dass sie als Frau in dieser Macht und „Stärke“ anbetenden Welt, gar nicht in diese Positionen gewählt worden wären, wenn sie in erster Linie Liebe und Rücksicht gelebt hätten. Dann hätte es nämlich geheißen: „Was für ein naives Ding. Für eine Führungsposition total ungeeignet, die lässt sich doch sofort überrollen, statt die Interessen des Landes / Unternehmens aggressiv zu vertreten, – und Stärke zu demonstrieren.“



Ich habe in meinem persönlichen Leben Männer, die mich sehr liebevoll unterstützen. Was es mir überhaupt erst ermöglicht, trotz meiner Schwerbehinderung das Leben so zu führen, wie ich es führe. Männer an sich finde ich also ganz und gar nicht „toxisch“.

In meinen beiden Ehen haben beide Männer ihre eigenen Bedürfnisse mir zuliebe vermutlich mehr unterdrückt, als ich meine Bedürfnisse ihnen (und der lieben Harmonie wegen) unterdrückt habe. Meine beiden Ehezeiten waren für mich weitgehend angenehme Erfahrungen. Beide Männer haben viel gegeben.

Dass es trotzdem beide Male nicht von Dauer war, ist aus meiner heutigen Sicht richtig gewesen und sinnvoll.

Und damit komme ich zu einem weiteren Thema, das für Autoimmunerkrankungen ganzheitlich gesehen, aus meiner Sicht eine Rolle spielt:

Das Lernen, zwischen „selbst“ und „fremd“ zu unterscheiden.


Aus heutiger Sicht gab es zwischen meinem Nochehemann und mir einen Bereich, in dem wir uns sehr ähnlich waren und dementsprechend gut verstanden haben. Es gab / gibt aber bei uns beiden etliche andere Anteile, in denen wir überhaupt nicht zusammen passen.
Und unsere Ehe konnte keinen Bestand haben, weil sie nur auf einen Teilbereich unserer jeweiligen Persönlichkeiten aufbaute; und wir das, wo wir uns nicht etwa ergänzten, sondern schlicht nicht kongruent waren, in uns jeweils unterdrückten.

Allerdings war das bei mir (und ich vermute auch bei ihm) keine wirklich bewusste Entscheidung, etwas zu unterdrücken.

Wir waren uns unserer jeweils ureigenen Bedürfnisse gar nicht wirklich richtig bewusst.
Wir beide hatten das Bedürfnis, geliebt zu werden. Und auch das Bedürfnis, Liebe zu geben.
Und wir nahmen wohl an, dass das reiche.

Es reichte nicht. Da es keine gute Idee ist, einen Teil des eigenen Selbst einem anderen Menschen zuliebe zu unterdrücken, weil das letztlich (auf unbewusster Ebene) zu Ressentiments führt gegen den Menschen, für den man das (vermeintlich) tut.

Um das nicht zu tun, muss man / frau aber erstmal wissen, was genau das eigene Selbst eigentlich ist.

Und was von dem eigenen Verhalten einem eigentlich „fremd“ ist. Wo man / frau etwas nur tut, um sich an (vermeintliche) Erwartungen anzupassen; aus dem Bedürfnis heraus, geliebt zu werden.
Wenn ich aus diesem Bedürfnis heraus etwas in mir unterdrücke, dann ist das, was ich damit gebe, aber keine echte ungetrübte Liebe.


Was das eigene Selbst ist. Was die ur-eigenen Bedürfnisse eigentlich genau sind. Das ist, insbesondere, wenn man / frau in einer engen Beziehung lebt, aber nicht so einfach zu erkennen.

Für mich war es daher nach der Trennung im Sinne meiner Heilungsarbeit sehr wichtig, zu erkunden:
Was habe ich getan, weil es meine eigenen Bedürfnisse waren, meiner eigenen Persönlichkeit entsprach?
Und was, weil ich (vermeintliche) Erwartungen erfüllen / Harmonie nicht gefährden wollte?

Und es war eben auch ganz besonders wichtig, mir meiner Traumata und der durch Erziehung / Religion etc. in mich injizierten schädlichen Glaubenssätze bewusst zu werden.

Denn, wenn ich nicht sehe, dass bestimmte meiner Verhaltensweisen Reaktionen auf schädliche Fremdeinwirkungen sind, kann ich zum Einen gar nicht versuchen, daran zu arbeiten; und belaste zum Zweiten damit eine Partnerschaft von vorneherein.
Denn dann wird dem Partner persönlich übel genommen, wenn er (oder sie) problematisches Verhalten kritisiert: Wenn ich dieses Verhalten nicht als auf etwas von Außen Injiziertem Beruhendes erkannt habe, halte ich es für einen Teil meiner eigenen Persönlichkeit. Und dann werte ich Kritik an diesem Verhalten als persönlichen Angriff gegen mich. Angriff auf etwas, was von mir vermeintlich überhaupt nicht änderbar ist.

Wenn es sich tatsächlich um einen Teil der eigenen Persönlichkeit handelt, und der / die Partner*in diesen Persönlichkeitsanteil problematisch und schlecht findet und „ändern“ will, dann kann es sein, dass der / die Partner*in aus einem eigenen unerkannten Trauma / Glaubenssatz heraus handelt.
Oder: Dass die beiden Menschen als Partner überhaupt nicht zusammen passen.

Wenn es aber kein eigener Persönlichkeitsanteil ist, sondern etwas Trauma induziertes, unter dem man / frau im Grunde selber nur leidet, dann ist es wichtig, eingestehen zu können, dass man / frau in dem betreffenden Punkt tatsächlich ein Problem hat. An dem es für die Partnerschaft wichtig wäre, (vielleicht auch mit Hilfe des Partners / der Partnerin) zu arbeiten.
Echte Liebe setzt das Vertrauen voraus, dabei nicht verletzt zu werden.



Meine Heilarbeit hat mir sehr deutlich gemacht, dass diese Traumata längst nicht immer „nur“ individuelle sind. Sondern dass es generationenübergreifende Traumata (z.B. aus Erlebnissen von Krieg / Vertreibung / Flucht etc.) gibt, die teils erhebliche Auswirkungen auf meinen Körper und meine Psyche hatten. Und dass es eben auch Traumata der Weiblichkeit und auch der Männlichkeit an sich gibt.

Und klar wünsche ich mir, dass (m)ein Partner sich auch den ihn beeinflussenden Traumata seiner Ahnen – und auch den Traumata der Männlichkeit an sich – widmet.  Und dass er bereit ist, sich den „toxischen Anteil der Männlichkeit“ anzuschauen. Und sich der Empfindung zu öffnen, wieviel Leid das in Frauen erzeugt (hat).


Selbstverständlich bin ich dann auch bereit, mir den „toxischen Anteil der Weiblichkeit“ anzuschauen. Tatsächlich vermute ich ja durchaus, dass der Ausgleich für die größere Verletzlichkeit von Frauen auf körperlicher Ebene in einer größeren Verletzlichkeit von Männern auf Gefühlsebene besteht. Männer also auf Gefühlsebene von Frauen stärker verletzbar sind, als umgekehrt. Und ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass jemand wie ich – neugierig, wie ich bin -, in uralter Zeit (vielleicht im Matriarchat) ausprobiert hat, wie verletzlich Männer da wohl sind, und was passiert, wenn ich es ausreize. Dass also der so furchtbar schädliche Versuch vieler Männer, sich gegen Gefühle abzuschotten, letztlich eine Reaktion auf eine uralte Traumaerfahrung ist. Die in ihnen zwar nicht mehr bewusst gespeichert ist, die aber zu den Auswüchsen des Patriarchats beigetragen hat. Und vielleicht dazu beiträgt, dass es nach wie vor eine unbewusste Angst in vielen Männern davor gibt, das Patriarchat loszulassen; und aufzuhören, Frauen und (ihre eigenen) Gefühle zu unterdrücken.

Traumata sind Fremdeinwirkungen, die aber ganz erheblichen Einfluss auf unser jeweiliges Selbst haben. Weil sie dazu führen, dass wir einen Teil unseres Selbsts unterdrücken und stattdessen etwas anderes leben, was gar nicht „unsers“ ist.

Es ist / war auch für mich nicht ganz einfach, zu erkennen, was an meinem Verhalten bin wirklich ICH, und was ist Trauma induziert? Wo habe ich mich also nur angepasst, weil in meinen Zellen irgendein Schmerz / irgendeine furchtbare Angst gespeichert war, die gar nicht MEINE waren, sondern mir epigenetisch vererbt wurden? Und wo habe ich mich vielleicht andersrum nur aus Wut und Widerstand gegen Verhaltensweisen meiner Eltern, mit denen sie mir Schmerzen zugefügt haben, in ein Verhalten hineingesteigert, das ebenfalls eigentlich gar nicht MEINS ist?

Das Thema „selbst – fremd“ ist nicht nur ein Thema in Partnerschaften, sondern aus meiner Sicht auch ein Thema von Frauen untereinander.

Und da habe ich bisher noch nicht die Erkenntnisse, die ich gerne hätte, um meine Heilung weiter vorantreiben zu können:

Ich persönlich brauche, um mich wohlzufühlen, das Gefühl von Verbundenheit und echt interessiertem aufeinander Eingehen. Small-Talk-Runden, Klatsch und Tratsch, sind nicht meins. Wohl fühle ich mich, wenn Gespräche vertrauensvoll in die Tiefe gehen.
Nicht wohl fühle ich mich, wenn ich mich vertrauensvoll geöffnet habe, mein Gegenüber das aber nicht tut.
Ebenso fühle ich mich nicht wohl, wenn mein Gegenüber mir zwar immer sehr bereitwillig und ausgiebig die eigenen Probleme schildert, aber nicht bereit ist, mir zuzuhören; sich meine Probleme (möglichst wertungsfrei) anzuhören.
Bei ersteren habe ich das Gefühl, gegen eine Mauer zu rennen. Dass die betreffende Frau also meint, ihr Selbst vor mir schützen oder verbarrikadieren zu „müssen“. Was mir das Gefühl gibt, zurückgestoßen und abgelehnt zu werden.
Oder, dass sie „Herrschaftswissen“ über mich haben will. Was in mir Ärger auslöst.
Bei denen, die immer nur ihre eigenen Probleme über mich „auskippten“ hingegen, fühlte ich mich energetisch ausgesaugt und ausgenutzt.

Ich fühlte mich in Runden mit anderen Frauen (insbesondere, wenn es um sogenannte „spirituelle“ Themen ging) nicht selten total fremd. Unwohl und irgendwie andersartig, als die anderen. Und hatte oft das Gefühl, da wird irgendetwas „aufgedrückt“, und alle anderen in der Gruppe sind davon emotional total bewegt; während ich Ablehnung spüre gegen das, was mir da „aufgedrückt“ erscheint.
Wenn Frauenrunden sehr emotional werden, fühle ich mich ohnehin überfordert. Ich kann mit heftigen Tränenausbrüchen oder gar Theatralik nicht umgehen.  

Lange Jahre (eigentlich meine gesamte Schulzeit) wurde mir immer wieder gesagt, ich sei zu zurückhaltend, zu ruhig, zu „schüchtern“. Dass ich in den letzten Jahren den Vorwurf bekam, zu selbst-bewusst zu sein, war für mich eine neue Erfahrung. Aber tatsächlich habe ich auch erst seit einigen Jahren zumindest in einigen Bereichen ein gutes Bewusstsein meines Selbst`s. Und das scheinen seltsamerweise gerade Frauen nicht selten anderen Frauen tendenziell eher übel zu nehmen.

Aus irgendeinem Grund betrachten Frauen andere Frauen häufig total kritisch und nehmen ihnen Verhaltensweisen übel, die sie einem Mann nicht übel nehmen würden. Und Frauen können anderen Frauen gegenüber sehr fies und abwertend und ausgrenzend sein. In Konkurrenz um Männer. Aber auch in Konkurrenz um Freundinnen. Oder um „Beliebtheit“ im Kolleginnenkreis.   

Ich weiß nicht, ob es schon im Matriarchat schädliches Konkurrenzdenken zwischen Frauen gab. Jedenfalls scheint Konkurrenzdenken (im Sinne von andere weg haben wollen; bzw. „Konkurrentinnen“ schwach halten wollen) ein sehr tief sitzendes Problem in der Weiblichkeit zu sein.


Ich vermag bei dem, was ich (entsprechend dem, wie ich es bei der Männlichkeit bezeichnet habe), als „toxischen Anteil der Weiblichkeit“ bezeichne, nicht mehr wirklich zu erkennen, was davon ist tatsächlich aus der Weiblichkeit selbst gekommen? Und was „gelerntes“ Verhalten, das eine Reaktion beziehungsweise Anpassung war an die Unterdrückungsherrschaft durch die Männlichkeit im Patriarchat? Aufgrund der vielen Schichten Leid und Schmerzen und Unterdrückung, die der Weiblichkeit jahrtausendelang zugefügt wurde, ist das eigentlich Weibliche für mich kaum noch wirklich zu erkennen. Und damit auch nicht, ob aus der Weiblichkeit selbst möglicherweise auch etwas Problematisches gekommen ist, was immer noch wirkt, und was ich mir deshalb als Frau näher anschauen sollte. Um das tun zu können, brauche ich männliche Hilfe. Das „Wegräumen“ der von der Männlichkeit zugefügten dicken Schichten Leid und Schmerzen.
Das „Wegräumen“ des „toxischen Anteils der Männlichkeit“.
Das wieder selbstverständliche vorbehaltlose Öffnen aller Männer für liebevolle Gefühle.
Um dadurch (gemeinsam) erkennen zu können, ob unter diesem zugefügten Leid noch etwas Anderes ebenfalls Problematisches liegt, das von der Weiblichkeit zu bearbeiten wäre.

Ein solches Vorgehen ist das, was ich mit „sich ergänzen“ von Partnern meine. Statt sich in gegenseitigen Schuldvorwürfen („Duuuu…!“) und „Rechtfertigungen“ zu ergehen, gemeinsam aufzuräumen. Jede*r seins. Aber mit Unterstützung des jeweils anderen. Da, wo es alleine schwierig bis unmöglich wird.  

Und das meine ich nicht nur auf die individuelle Partnerschaft bezogen.




Ob und wann eine Fortsetzung folgt weiß ich noch nicht. Da es mir bisher noch nicht möglich war, die übrigen mit Autoimmunerkrankungen zusammenhängenden Themen so tief zu durchdringen, dass es Sinn macht, meine Erkenntnisse „der Allgemeinheit“ anzubieten.