Diskussionseinladung: Mitmenschlichkeit; erste Erkenntnisse

Zunächst vielen herzlichen Dank für eure Kommentare zu meinem vorherigen Beitrag. Auch zu diesem Folge-Beitrag (bitte zuende lesen, auch wenn er sehr lang ist) lade ich wieder herzlich dazu ein, eure Gefühle dazu in Kommentaren oder bei mir als Kommentar verlinkten eigenen Beiträgen zu dem Thema zu hinterlassen.

Für mich stellen sich derzeit zu den Ursachen, die der Spaltung der Menschen in kaum miteinander redende Gruppen zugrunde liegen, verschiedene Ebenen dar; aber ich vermute, dass es noch sehr viel mehr Ebenen dazu gibt.

Wie ihr das von mir gewohnt seid, umschiffe ich keine Tabus. Transparenz und (auch gegenseitiges) Verständnis zu verbessern, bedeutet, Schicht um Schicht von Transparenz „Verschleierndem“ wegzuziehen, wie ich das schon seit einiger Zeit tue. Und ich hoffe auf eifriges Mitwegziehen der Schleier auch durch andere hier …!   


Die erste Ebene bei mir bezüglich der derzeitigen Demonstrationsaufrufe war das, was auch Marco ähnlich in seinem Kommentar bei mir beschreibt. Abwehr aus dem intuitiven Gefühl heraus: „Das ist ganz klar gelenkt. Und was manipulativ „von Oben“ gelenkt ist, ist mit äußerster Vorsicht zu betrachten.“ Zudem erschien mir die sehr große Aufregung über den Begriff „Remigration“ insofern nicht ganz verständlich, weil ich persönlich keinen sehr großen Unterschied von diesem Begriff zu dem Begriff „Rückführung“ sehe, den die Bundesregierung in dem vor kurzen beschlossenen „Rückführungsverbesserungsgesetz“ benutzt. (BMI – Alle Meldungen – Rückführungsverbesserungsgesetz im Bundestag beschlossen)
Gleichzeitig war da aber bei mir auch von Beginn an das Gefühl, dass zumindest ein sehr großer Teil der Demonstrierenden für genau die Werte kämpfen will, dir auch mir sehr wichtig sind: Mitmenschlichkeit, Toleranz, Demokratie, Menschenrechte (für JEDEN Menschen). Dass aber, indem die AfD`ler zu den personifizierten „Bösen“ gemacht worden waren, diese Demonstrationen dadurch die Energien von Ausgrenzung, Kampf, Menschenunfreundlichkeit; also die genau gegenteiligen Energien dessen, was doch eigentlich gewollt war, mit sich trugen.

Die Begründung „„Ablenkungsmanöver“ der Bundesregierung“ scheint mir aber zu kurz gegriffen.

Die zweite Ebene war daher – auch bei mir – „Davos“. Dass ich diese Globalisierungs-Elite-Treffen für problematisch halte, ist bei mir interessanterweise erst dadurch entstanden, dass in der Corona-Debatte ständig „von Oben“ auf „Verschwörungstheoretiker“ geschimpft wurde. Ich wäre ohne diesen „Hinweis“ gar nicht auf den Gedanken einer „Verschwörung“ gekommen; aber dass dieser Frame ständig kam, war für mich nur dadurch erklärbar, dass es offenbar irgendwo schon länger Absprachen gibt für eine globale gezielte Lenkung der Menschen dieser Welt. Und dass diese Kräfte mit diesem Frame verhindern wollten, „entdeckt“ zu werden, durch Nachfragen und Hinterfragungen. Denn sonst hätte es dieses Frames ja logischerweise nicht „bedurft“. Und es war ja dann auch ersichtlich, dass der WEF über die Jahre mehr und mehr Netzwerke weltweit gebildet und verstärkt hat, und sich auch der Leit-Medien insbesondere in Deutschland intensiv „angenommen“ hatte.
Und auch dieses schon lange andauernde „überprüfen Sie die Quellen einer Information, Sie dürfen nur den Quellen trauen, die WIR Ihnen als „seriös“ präsentieren“ …, das mit geballter Bildungs- und Medienmacht in die Köpfe der Menschen injiziert worden war, machte logischerweise äußerst skeptisch bezüglich der Demokratiefreundlichkeit derer, die das vorantrieben. (Denn von Außen vorzugeben, welche Quellen man / frau als seriös zu akzeptieren habe, gibt den das Vorgebenden die Macht zu Manipulationen jeglicher Art und kann zu Machtmissbrauch übelster Sorte führen.)
Allerdings vermute ich durchaus, dass es auch „auf der anderen Seite“ globale Absprachen gibt. Mit denen das Patriarchat versucht, seine alten Privilegien zu behalten, sich an seiner Macht (und deren jahrtausendelangem Missbrauch) festklammert.
Sprich: Ich vermute, dass es auf beiden Seiten sehr problematische Netzwerke gibt.

Die dritte Ebene war dann wiederum eine ganz andere. Ich sah mir den Beitrag an, den Ulrike bei mir im Kommentar verlinkt hatte. Und seltsamerweise tauchten bei mir auf dem Bildschirm dabei am Rand lauter Bilder von riesenbusigen sehr spärlich bekleideten Damen auf. Ich war davon so genervt, dass ich dem Kommentator nicht richtig zuhörte und den Beitrag dann auch nicht zuende ansah. Was mir mindestens dreierlei zeigte:
Erstens, wie leicht man / frau sich ablenken lässt von irgendwelchen Bildern und nicht mehr richtig zuhört.
Zweitens, wie leicht man / frau dazu neigt, irgendwelche zufällig neben einem Sprecher (oder Autor) stehenden Bilder dann auf diesen Sprecher (Autor) zu projizieren. Denn automatisch kam bei mir der Gedanke „das sind bestimmt dessen „perverse“ Phantasien“; was logischerweise völliger Blödsinn ist.

Drittens aber brachte es mich darauf, dass einer der Punkte, den ich bei der AfD für sehr problematisch halte, eben der ist, dass dort aus meiner Sicht ein patriarchales Weltbild gepflegt wird. Und nachdem ich selber jetzt schon etliche Beiträge gepostet habe, die sich explizit gegen das Patriarchat und ein aus meiner Sicht völlig fehlgeleitetes „Männlichkeits“-Bild richten, kann ich logischerweise gut verstehen, dass es gerade Frauen besonders wichtig ist, gegen dieses Denken in Macht und Unterdrückung zu demonstrieren. Denn das ist mir auch wichtig.


Die vierte Ebene ist eine, die mir Ursache vieler Probleme zu sein scheint. Und die selber wiederum etliche verschiedene Unterebenen hat.

Ich persönlich habe nie so wirklich verstanden, warum manche Menschen stolz darauf sind, Deutsche zu sein (oder stolz darauf sind, Türke zu sein, Amerikaner oder was auch immer). Denn das ist ja kein eigenes Verdienst. Und für mich gilt, ich kann stolz sein auf eigene Leistungen und Verdienste. Aber ich kann mir doch nicht die Leistungen oder Verdienste irgendwelcher anderer lebender oder längst toter Menschen ans Revers heften, nur, weil die zufällig ebenfalls in Deutschland geboren wurden.
Genauso, wie ich nicht stolz bin auf die Leistungen irgendwelcher anderen, denn es sind nicht MEINE Leistungen; fühle ich mich auch nicht schuldig für die Gräueltaten irgendwelcher anderer lebender oder längst toter Menschen, nur weil die zufällig ebenfalls in Deutschland geboren wurden. Denn die haben die entsprechende Schuld auf sich geladen mit ihren Taten, nicht ich. Ich hefte mir weder fremde Leistungen noch fremde Schuld ans Revers.
In Deutschland ist es seltsamerweise so, dass es eine Gruppe gibt, die tendenziell der AfD nahe steht, der „Nationalstolz“ wichtig ist. Was auch immer das eigentlich für ein seltsames Konstrukt ist. Und klar, wenn man meint, stolz sein zu „müssen“ auf die Leistungen anderer, nur weil die zufällig ebenfalls Deutsche waren (und ihre Leistungen vielleicht „im Namen Deutschlands“, – was auch immer das ist,- erbracht haben), DANN muss man sich logischerweise umgekehrt auch die Schuld ans Revers heften, die andere Deutsche „im Namen Deutschlands“ auf sich geladen haben.

Es gibt in Deutschland eine große Gruppe Menschen, die aus irgendwelchen Gründen meint, sich eine „Nationalschuld“ ans Revers heften zu müssen. Die aber wiederum sehr empört sind über „Nationalstolz“. Dabei ist doch beides die jeweilige Kehrseite derselben Medaille. Einer Medaille, die aus meiner Sicht an und für sich unsinnig ist. Denn ich kann (und sollte!) aus dem lernen, was andere besonders gut (also nachahmenswert) oder besonders schlecht (also unbedingt zu vermeiden) getan haben.
Aber schuldig fühlen müssen Menschen sich, wenn sie selber irgendeine furchtbare Tat begangen haben. Und stolz sein können Menschen auf eigene gute Leistungen. Das gilt selbst bezüglich der eigenen Kinder. Ich kann stolz darauf sein, meinem Kind mit meinem eigenen Leben Gutes vorgelebt zu haben, und es so erzogen zu haben, dass es prima Startbedingungen hatte. Denn das sind dann meine Leistungen. Die Leistungen des erwachsenen „Kindes“ aber sind dessen Leistungen. Und die Fehlleistungen des erwachsenen „Kindes“ dessen Fehlleistungen. Schon gar nicht braucht jemand stolz sein auf die Leistungen der eigenen Großeltern, (oder sich für deren echte oder vermeintliche Fehlleistungen zu schämen); denn das war deren Leben. Es geht hier aber für jeden Menschen immer um das eigene Leben. Die eigenen Leistungen.


Das, was mir derzeit große Sorgen macht, ist, dass Leute (von welcher Seite auch immer), die meinen, sie wären „Eliten“, sich anmaßen, selbstherrlich über das Leben sehr vieler anderer bestimmen zu dürfen.
NIEMAND hat das Recht sich über andere zu erheben. Zu meinen, die eigene „hohe Intelligenz“ gebe einem das „Recht“ über die Köpfe des „einfachen“ Volkes hinweg zu bestimmen, was „gut“ für diese sei; ist in einer Demokratie ein „no go“!
Sich selbst aufgrund der eigenen „Intelligenz“ für so „höherwertig“ zu halten, dass man meint, über das „einfache Volk“, deren Leben, deren Schicksal nach eigenem Gut- oder Schlechtdünken bestimmen dürfe, ist eine sehr schlimme Verblendung.
Eine Verblendung, die zeigt, dass es diesen angeblichen „Eliten“ ganz erheblich an Weisheit fehlt!
Solcherart Verblendungen führen in Dystopien! Immer!

Und dieses sehr ungute Gefühl, was bei etlichen Menschen entstanden ist, die intuitiv spüren: „Hier wird Macht sehr ungut missbraucht.“; das wird wiederum jeweils von „der anderen Seite“ aus deren eigenen Machtinteressen heraus ausgenutzt.


Anders, als viele andere Globalisierungskritiker*innen glaube ich, dass es den – tendenziell ursprünglich eher „links“ gewesenes – Gedankengut übernommen habenden „Davos-Eliten“ nicht so sehr darum geht, in die eigene Tasche zu wirtschaften.
Sondern, dass sie wirklich der Meinung sind, mit ihrem Tun eine „bessere Welt“ erschaffen zu können. Und ich glaube auch, dass ihr bisheriges Tun tatsächlich viel Gutes hatte, denn es hat viele der alten schädlichen Strukturen aufgebrochen.

Aber, wer antritt, um die Welt zu verbessern (wie ich es ja auch selber tue), führt stattdessen die Welt in eine Dystopie, – verschlimmbessert also stattdessen ganz erheblich, – wenn er / sie die Fähigkeit verliert, zur ehrlichen Selbstreflexion.
Wenn die Fähigkeit verloren gegangen ist, sich immer und immer wieder selbst zu fragen, „Tue ich hier wirklich Gutes? Oder hat mein Tun auch ganz erhebliche Schattenseiten? Tue ich möglicherweise sogar genau das selber, was ich doch gerade bei anderen als schädlich wahrgenommen habe; tue ich also möglicherweise genau das selber, wogegen ich doch eigentlich angetreten bin? Missbrauche ich meine Macht möglicherweise selber in ganz schlimmer Weise?“   


In dem Gesamtsystem Menschheit ist sehr viel Wut.
Ich halte nichts davon, davor einfach die Augen zuzumachen, und sich stattdessen einseitig auf das Schöne (was es ja auch gibt) zu fokussieren. Denn ein solches Verhalten macht die Wut nicht weg. Die, die leiden, fühlen sich durch dieses Wegsehen der anderen im Stich gelassen. Und das vergrößert die Wut der Leidenden, und damit die Gesamtwut.
Schon gar nicht halte ich was davon, wenn diese Wut zwangsweise von anderen unterdrückt wird (wie es den Frauen jahrtausendelang im Patriarchat passiert ist; und wie es jetzt tendenziell gegenüber den AfD-Wählern gemacht wird). Denn (mit Zwang) unterdrückte Wut hat die Tendenz, irgendwann überzukochen.
Ebenfalls schon gar nicht halte ich was davon, wenn diese Wut gegen andere MENSCHEN gerichtet wird. Gezielt gegen andere Menschen gerichtete Wut, erzeugt automatisch Gegenwut. Vergrößert also insgesamt die Wut.


Wut aufzulösen klappt nur, indem echte Weiblichkeit wieder in ihre Kraft kommt: Menschen das FÜHLEN wieder gelernt haben. Das einander Zuhören – ohne zu verurteilen. Das sich Öffnen und ehrliche Beschreiben der eigenen Hintergründe, erlittenen Verletzungen, Ängste.
Es setzt voraus, dass Menschen erkannt und verinnerlicht haben, dass es keine „Stärke“ ist, andere zu verletzen (wie es ihnen im Patriarchat beigebracht wurde), sondern eine menschliche Schwäche.

Wer echte Weiblichkeit wieder in ihre Kraft bringen will, zieht sich nicht das Patriarchat (in etwas verändertem Gewand) an, indem sie / er versucht „stark“ und „hart“ zu erscheinen. Denn damit lebt frau / man die verkorksten Vorstellungen des Patriarchats weiter.   

Wirklich stark und souverän ist, den Mut zu haben, die eigene Verletzlichkeit zu zeigen; den Mut zu haben, sich Blößen zu geben. (Niemand ist unfehlbar. Niemand ist fehlerfrei. Warum also vortäuschen und vorlügen, eine Person zu sein, die niemals etwas falsch / schlecht machen würde?)

Und apropos Fehler: Ich habe gelegentlich geschrieben, dass ich daran arbeite, Schadprogrammierungen aus dem Unterbewusstsein der Menschen „zu löschen“. Das war ein Fehler. Denn von mit Zwang durchgesetzten Löschungen halte ich nichts.
Es geht mir darum, Schadprogrammierungen aufzulösen – in Luft und Liebe.