
Vorab:
Ich habe bei Anja, die dankenswerter auf ihrem Blog immer wieder engagiert wichtige politische Themen anspricht, jetzt schon zum zweiten Mal Fragen aufgeworfen, die das Ziel haben, dass das Thema „Mitmenschlichkeit“ nicht womöglich zu einseitig betrachtet wird (hier und hier).
Ich möchte die Diskussion nunmehr gerne erweitern, indem ich dazu einlade, zu den aus meiner Sicht – wichtigen – Fragen hier zu kommentieren. Da es sich um ein komplexes Thema handelt, gerne auch mit eigenen Beiträgen auf euren Blogs, die ihr dann bei mir als Kommentar verlinken könnt.
Zu meinen inhaltlichen Positionen:
Bei dem mir durchaus auch eigenen Idealismus und meinem ausgeprägten Veränderungswillen hätte ich den derzeit flächendeckend stattfindenden Demonstrationen vor einigen Jahren vermutlich viel vorbehaltloser „Beifall geklatscht“, als ich das heutzutage tue.
Was nicht daran liegt, dass ich gegenüber Positionen, Meinungen und Verhaltensweisen milder geworden wäre in meinem Urteil, die andere Menschen als sich selbst gegenüber minderwertiger ansehen; und die meinen, andere Menschen wie Dreck behandeln (oder so titulieren) zu dürfen.
Sondern daran, dass ich Menschen gegenüber milder geworden bin in meinem Urteil. [Was seltsamerweise damit einhergeht, dass ich genervter reagiere, wenn behauptet wird, alles wäre doch schön in dieser Welt; und wir sollten nur auf das Schöne schauen, dann werde schon alles gut. Ich mag das oberflächliche Übertünchen von Differenzen nicht (mehr), die dann ja bestehen bleiben. Ich will sehen und erkennen, wo die eigentlichen (Verständnis-)Probleme liegen. Um sich dann vielleicht tatsächlich doch die Hand reichen zu können.]
Nun habe ich schon immer ein Problem gehabt mit einer reinen „Anti-Haltung“. Denn ein reines gegen andere kämpfen, ist nicht lösungsorientiert, sondern kriegsorientiert. Andere bekämpfen heißt, andere besiegen zu wollen.
Aber ein Gewinn für die Menschheit liegt nicht darin, Leuten, die man / frau aus irgendeinem Grund nicht mag, eine Niederlage beigebracht; denen geschadet, sie verletzt, unterdrückt oder gar vernichtet zu haben. Das alles sind Energien des Kriegs, die da gelebt werden. Und Krieg ist für die Humanität immer ein Verlust!
Besser handeln zu wollen, als die, die menschenverachtendes Gedankenschlecht (-„gut“ mag ich entsprechende Gedanken nicht nennen) verbreiten; heißt, es ihnen nicht nachzumachen!
Es bedeutet, Tätern vorzuleben, wie es besser geht.
Und nicht, es den Tätern nachzumachen, und damit selber zum Täter zu werden.
Es ihnen nicht nachzumachen, bedeutet nicht, das, was sie tun, zu verharmlosen; sondern eher das Gegenteil.
Es bedeutet, klar zu sagen: „Ich finde das, wie du dich da verhältst, nicht gut. Und deshalb, weil ich solches Verhalten nicht(!) mag, verhalte ICH mich tatsächlich gegenteilig. Und gegenteilig bedeutet, ICH kämpfe nicht gegen dich als Mensch. Und ich verweigere es auch, mir einen solchen Kampf von dir (oder anderen) aufzwingen zu lassen.“
Beim Beitrag „Aufstehen“ von Anja stand mein „Einwurf“ unter einem Eindruck, der bei mir durch das Lesen eines anderen Kommentars auf einem anderen Blog zu demselben Thema entstanden war. Einem Kommentar, der mir tatsächlich Angst gemacht hatte. Da Mitzi, auf deren Seite dieser Kommentar steht, mir (zu Recht) vorgeworfen hat, dass ich den Kommentar verkürzt wiedergegeben habe, und ohne dass ersichtlich ist, worauf genau die Kommentatorin geantwortet hat, hier der link, unter dem der gesamte Kommentarstrang nachlesbar ist.
Da stand unter anderem (die farblichen Hervorhebungen sind von mir):
„… Leute wie diese … (die mir schon in den „Pandemiekommentaren“ sehr negativ aufgefallen ist) halten sich für intelligent – sie mögen zwar gebildet sein, aber so gebildet dann offenbar auch wieder nicht, wenn sie tatsächlich immer noch keine faschistischen Herausforderungen sehen können oder wollen. Solche Menschen verabscheue ich zutiefst. ….
Wer … behauptet, man solle Menschenfeinden besser nicht mit Stärke und Entschlossenheit entgegentreten, weil es dann zu Strassenkämpfen kommen könnte, steht schon tief in der rechten Ecke … .Und braune Trolle überzeugen zu wollen klappt leider in den allermeisten Fällen nicht – wenn sie selbst nicht merken, was für einer gnadenlosen „Kultur“ der Unfreiheit und Bösartigkeit sie anhängen, kann man es ihnen schlecht argumentativ beibringen. Auch nicht an einem Fest der Kulturen, weil multikulti ist ja eins der Feindbilder, und Argumente mögen Faschisten schon mal gar nicht – genau wie die Coronaleugner, Massnahmengegner ….
Strassenkämpfe lassen sich übrigens sehr gut verhindern, wenn man Faschisten gar nicht erst stark werden lässt. Es ist höchste Zeit, dass das demokratisch gesinnte Deutschland aufsteht und dem braunen Mob zeigt, dass er eben nicht ist, was er so gern wäre: absoluter Herrscher der Welt!“
Die Frau, von der die Kommentatorin hier sagt, sie „verabscheue sie zutiefst“, ist dieser Kommentatorin persönlich nicht bekannt. Sie weiß nichts über sie, ihr Leben, ihre Lebensleistung. Es ist eine Frau, die mit Sicherheit nie in ihrem Leben AfD gewählt hat. Der es immer ein großes Anliegen war, sich für Benachteiligte einzusetzen. Die so mutig war und ist, gerade den von anderen Ausgegrenzten, denen, die es schwer haben, beizustehen (Roma, behinderten Menschen etc.).
Und dann schreibt jemand, sie „verabscheue“ einen solchen Menschen „zutiefst“, NUR, weil dieser Mensch in Sachen Corona eine andere Meinung hat; und so mutig ist, (sachlich und wertschätzend) zu schreiben, dass sie nichts davon hält, andere Menschen zu verurteilen???
IST es menschenfreundlich, andere Menschen zu verabscheuen?
Ist es demokratisch, Meinungen, die frau / man für falsch hält, dadurch zu bekämpfen, dass die Person, die diese Meinung geäußert hat, platt und beleidigend als „brauner Troll“ und ähnliches bezeichnet wird?
Ich hatte überlegt, auf den Kommentar zu antworten, hatte dann aber Angst, nur wieder Aggression, Ablehnung und Ausgrenzung ausgesetzt zu sein, also Menschenfeindlichkeit zu erfahren. Denn das ist kein schönes Gefühl. Zumal ich als „Maßnahmengegnerin“ und Ungeimpfte offenbar aus irgendwelchen Gründen ohnehin schon von manchen zum „Feindbild“ gemacht worden bin, auf die Aggressionen projiziert werden „dürften“, da sie ja „Feindin“ sei. Von der Kommentatorin war deutlich, dass sie absolut überzeugt ist, mit ihrem Kampf einer „guten Sache“ zu dienen (und ich hatte das Gefühl, dass sie ein sich Einlassen auf anderslautende Meinungen leider von vorneherein verweigern würde. Weil allein die Tatsache, dass jemand anderer Meinung ist als sie, diesen jemand ihrer Meinung nach zum „Faschisten“ mache???).
Ich befürchtete, mit einer Antwort Öl ins Feuer zu gießen. Denn offensichtlich gibt es in den meisten Menschen eine große Wut und erhebliches Aggressionspotential. Dass gerade Frauen oftmals viel Wut in sich tragen, finde ich sehr verständlich. Habe aber Angst davor, dass diese Wut gegen konkrete andere Menschen gerichtet wird, und damit viel Schaden anrichtet.
Nachdem ich nach längerem Überlegen nicht direkt auf den Kommentar geantwortet habe, war es mir dann aber doch ein Anliegen, ein Zeichen für Menschenfreundlichkeit (und gegen Hetze) zu setzen. Und mit dieser Diskussionseinladung hier für Demokratie zu demonstrieren; so, wie ich Menschenfreundlichkeit und Demokratie verstehe.
Mir ist dabei wichtig, dass hier nicht Argumente einander um die Ohren geschlagen werden. Wie wir bereits in der Corona-Debatte zur Genüge sehen konnten, bringt das nichts, weil Argumente und Fakten in den jeweiligen Meinungsblasen jeweils sehr anders interpretiert werden. Was im Grunde normal ist, da jeder Mensch alles, was er sieht und wahrnimmt, jeweils anhand des persönlichen Hintergrunds, und der eigenen Erfahrungen unterschiedlich wahrnimmt.
Da jeder Mensch durch Gefühle geprägt wurde. Und die sind nun einmal individuell.
Daher möchte ich hier meine Gefühle zu den derzeitigen Demonstrationen schildern:
Ich nehme wahr, dass viele Menschen Angst haben, dass noch mehr Mitmenschlichkeit in dieser Welt verloren geht. Sie deshalb auf die Straße gehen, um ein Zeichen für gegenseitige Wertschätzung aller Menschen zu setzen.
Das finde ich super!
Ich nehme aber auch leider ziemlich verbreitet eine Energie wahr, die mich erinnert an die Geschichte im Neuen Testament, in der eine Menschenmenge danach hechelt, die von ihnen als „sündig“ angesehene Person zu bestrafen, zu steinigen. Und dieses verbreitete andere bestrafen Wollen, macht mir Angst. Jesus hat der Menschenmenge damals verdeutlicht, dass auch von ihnen NIEMAND fehlerfrei ist. Eine Erkenntnis, von der mir sehr wichtig ist, dass alle Menschen dieser Welt sie wieder verinnerlichen: Niemand von euch ist fehlerfrei!
Erhebt euch nicht über andere! Ihr einen, erhebt euch nicht über Migranten! Und ihr anderen, erhebt euch nicht über die, die Angst vor Fremden haben (denn das ist letztlich eine Eigenschaft, die die meisten Menschen in dieser Welt haben, wenn plötzlich sehr viele Fremde auftauchen).
Und nein, ich „verharmlose“ nicht.
Andere Menschen zu verachten, ist niemals harmlos. Niemals. Und genau deshalb verachte ich auch weder die „woken Linken“, noch „die Rechten“, sondern sehe in ihnen allen den MENSCHEN.
Wenn ihr eure Meinungen dazu postet, dann bitte nicht (mir) schreiben, wie „böse“ „die Rechten“ sind, und dass ich das doch zu erkennen hätte. Und auch nicht (von der anderen Seite kommend), dass „die woke Linke“ „zu dumm“ sei, um sich in einem Spiegel zu erkennen.
Sondern überlegt euch bitte vor euren Kommentaren und Beiträgen sehr sehr gründlich, welche Energien ihr mit euren Beiträgen und Kommentaren fördert:
Die der Menschenfreundlichkeit und des Verständnisses aller Menschen untereinander?
Oder gibt es da [und das gilt für beide Seiten!], – wenn ihr ganz ehrlich zu euch seid – irgendeinen Anteil in euch, der aus einem vielleicht ganz anderen Grund (bisher unbewusst) womöglich stattdessen die Energien des andere bestrafen Wollens, des andere dominieren Wollens, der Gewalttätigkeit fördert?
Möchtet ihr eine Einheitsmeinung erzwingen, wie Menschen sich eurer Meinung nach zu verhalten haben?
Oder möchtet ihr Meinungsvielfalt, um daraus lernen zu können, dass vielleicht auch ganz Anderes wichtig sein könnte, als euch bisher aufgrund eures eigenen notwendigerweise eingeschränkten Hintergrunds möglich war, zu erkennen?
Um es bildhaft zu sagen: In den Medien habe ich derzeit leider das Gefühl, dort will man einen „Einheitsrasen“ im Gedankengut der Menschheit, aus dem jedes vermeintliche Unkraut aggressiv zu entfernen sei. Während ICH ein Fan bunter Wiesen bin. Und Wildkräuter in meinem Garten nur entferne, wenn sie schönes Anderes überwuchern.
Es scheinen mir in dieser Welt allzu viele Menschen Monokulturen toll zu finden. Wobei sie dann wieder aggressiv gegen Schädlinge kämpfen. Während ICH Monokulturen an sich für schädlich und unnatürlich halte. Und den natürlich gewachsenen Wald, in den Menschen möglichst wenig eingegriffen haben, als für mich sehr viel erholsamer empfinde.
Mir ist klar, dass das Wort „Propaganda“, das ich in meinem ersten Kommentar bei Anja benutzt habe, für manche von euch ein Reizwort ist. Das, was ich dabei mit „propagandistisch“ meine, ist, dass seit dem seltsamen Treffen in Potsdam in allen Medien und auf allen Kanälen nicht nur ständig darüber berichtet wird. Sondern, dass dies ständig mit der Aufforderung verbunden wurde (und wird), „gegen rechts zu kämpfen“; Menschen ständig dazu aufgefordert werden, die Hörner zu zeigen, wie die Stiere.
Für MICH wäre eine normale und einer Demokratie würdige Reaktion auf das Treffen gewesen, wenn man / frau stattdessen in allen Medien fragt, „Was ist schief gelaufen, dass in dieser Welt so viele Menschen andere Menschen als ihnen gegenüber minderwertig / als verabscheuenswert ansehen? Dass so viele Menschen in dieser Welt Feindbilder haben (und anscheinend nicht bereit sind, diese zu überdenken)? Dass so viele Menschen andere Menschen in Schubladen (DIE Migranten; DIE Rechten; DIE Linken; etc.) tun und diese MENSCHEN „weg haben wollen“ aus dieser Welt?“
Es schafft ein „Gemeinschaftsgefühl“ gegen andere zu kämpfen. Aber ein solches „Gemeinschaftsgefühl“ hat keinen echten Wert. Weil das dann gemeinsame Ziel des Krieges ein sehr schädliches für diese Welt ist.
Die AfD wird nicht der Untergang dieser Welt sein. Das Kämpfen gegen andere Menschen, als die vermeintlich „Bösen“ allerdings wird der Untergang dieser Welt sein, wenn Menschen DAVON nicht ablassen.