abc-Etüden; Textwochen 41.42.20; Nummer 2

Ein zweiter Text zu der Wortspende: Landvermesser, undankbar, aussetzen. Die Regeln zu den Etüden findet Ihr bei Christiane unter https://wordpress.com/read/feeds/23737740/posts/2946695473

Gedankenlos…

Mit äußerster Sorgfalt kam er seiner Aufgabe nach. Es kam auf jeden Zentimeter an, das wusste er. Ansonsten würde etwas Schlimmes passieren. Das musste er um jeden Preis verhindern. Er arbeitete sehr konzentriert. 

‚Louis“ schrie seine Mutter, als sie ins Wohnzimmer trat. ‚Bist du wahnsinnig geworden?!“ Ihre Stimme überschlug sich fast: „Wie kannst du das schöne Parkett mit dem schwarzen Filzstift ruinieren?! Das darf doch nicht wahr sein!“ „Ich habe es für uns alle getan“, sagte er mit dünnen Stimmchen, aber auch ein klein wenig stolz. „Ich bin Landvermesser.“ Das Wort hatte er erst vor Kurzem gelernt. „Ja klar“, antwortete sie bitter. „Und ich bin wahrscheinlich undankbar, weil du es doch für uns alle getan hast. “ Sie hasste sich selbst für diese Reaktion. Wie konnte sie einem kleinen Kind auch noch mit Sarkasmus kommen?! Aber sie würde ihn dringend besser erziehen müssen. Ihm beibringen,  dass man Respekt vor Dingen haben müsse. Nicht einfach aus lauter Gedankenlosigkeit etwas zerstören könne.

„Louis“ setzte sie an. Aber er kam ihr weinend zuvor: „Ich wollte, dass du genug Raum hast für dich!“ Ihr Gesicht war ein Fragezeichen. „Gestern, da, da habe ich zufällig gehört, wie, wie du mit deiner Freundin Ann telefoniert hast.“ schluchzte er weiter. „Jaa?!“, sagte sie gedehnt. „Ja, und da, da hast du gesagt, seit du im Homeoffice bist, würdest du Mila und mich manchmal am liebsten aussetzen, weil du einfach keinen Raum mehr hast für dich.. . und, und deshalb habe ich den Raum jetzt ganz gerecht verteilt, Mama …“

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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11 Kommentare

      1. Und Du beschreibst total schön, ohne es explizit zu benennen, wie die Reibung zwischen kindlichem und erwachsenem Denken entsteht, wie wörtlich und unmittelbar Kinder Dinge auffassen und wie verschwurbelt Erwachsene im Vergleich dazu ticken. Gefällt mir sehr gut.

        Gefällt 1 Person

  1. Oh! Uff! Na, das ist eine wirklich überraschende Begründung – und ein Kind, das sich für gleichwertig mit der Mutter(!) hält. Wow! Tolle Geschichte, gefällt mir sehr!
    Verblüffte Grüße
    Christiane 😀

    Gefällt 1 Person

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