Ganzheitliche Medizin

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Selbstverständlich glaube ich an „Wunder“.

Ich bin tatsächlich überzeugt, dass mein Körper durch die echte bedingungslose Liebe (m)eines Partners heilen würde.

Selbstverständlich bin ich bedürftig! Liebes bedürftig!!

Und ich bin überzeugt, dass Menschen, die versuchen, sich ihre Liebes Bedürftigkeit abzutrainieren, (in der irrigen Meinung, dadurch „stark“ zu sein,) nicht Teil der Lösung, sondern ein großer Teil des Problems sind.

Wichtig ist allerdings, dem Partner nicht das aufbürden zu wollen, was frau selber bei sich heilen muss. (Gilt umgekehrt natürlich genauso.)
Denn ein solcher Anspruch an den Partner wäre für ihn unerfüllbar und würde eine echte Partnerschaft unmöglich machen.

Als mein Ehemann im Herbst 2021 – für mich damals sehr überraschend – sich von mir trennte, machten wir auf meinen Wunsch am 31.10 (Samhain) noch ein gemeinsames Ritual:
Wir schrieben auf kleine Zettel, was wir gerne loslassen wollten; und warfen diese Zettel in ein Feuer. Wir hatten in unserer Feuerschale dem Holz zudem einige wohlriechende Kräuter zugefügt. Und übergaben unsere Zettel nun dem Feuer und dem Rauch jeweils mit den Worten: „Möge sich … auflösen in Luft und Liebe.“  

Da meine Erkrankung aus meiner Sicht auch Einiges mit meiner Kindheit zu tun hatte, hatte ich mich bereits seit einiger Zeit mit den Themen „Ahnenarbeit“ und „Kriegsenkel“ beschäftigt gehabt. Und so stand auf meinen Zetteln u.a. auch, dass ich alle negativen Gefühle, die ich noch im Zusammenhang mit meinen Eltern hatte, in Luft und Liebe aufgelöst haben wollte.
Das Ergebnis war in der Folge etwas „spooky“.

Aber mein Wunsch wurde mir erfüllt.

Allerdings nicht so, dass es irgendwie „schnipp“ gemacht hätte, und die negativen Gefühle wären weg… .

Eher im Gegenteil.

Mir wurde sehr deutlich gemacht, dass ich keine Heilung damit erreiche, wenn ich versuche, die negativen Gefühle einfach zu unterdrücken (mein Immunsystem zu unterdrücken …), und stattdessen nur auf das Gute zu schauen.

Denn in meinen Zellen war eben auch das gespeichert, was nicht gut war. Und das „wollte gesehen“ werden.
Es kam also sehr viel Wut und Kritik an meinen Eltern in mir hoch. Wut und Kritik, die ich auch äußerte. Teilweise schriftlich, teilweise in stummer „Zwiesprache“ mit ihren Seelen.

Und es war mir nicht möglich, diese Wut „per Willensentscheidung“ einfach „loszulassen“.

Und das, obwohl mir vom Verstand her ja schon vor dem Ritual längst klar gewesen war, dass sie in Vielem gar nicht so viel anders handeln konnten. Dass meine kindliche Erwartung, von meinen Eltern bedingungslos geliebt zu werden, für sie schlicht unerfüllbar war.
Woher sollten sie, die als Kinder den 2. Weltkrieg; die Flucht und Vertreibung und das am neuen Wohnort unerwünscht sein; erlebt hatten, die Ressourcen nehmen? Bei dem, was in ihren Zellen gespeichert war an Leid und erlebter Ungerechtigkeit?

Aber dieses Verstandeswissen führte eben nicht dazu, dass ich alleine dadurch meine Wut hätte per „Willen und Verstand“ loslassen können. Sondern, ich musste sie fühlen.
Ich musste das Unrecht, das MIR zugefügt worden war, anerkennen. [Ich hatte mir das bis dahin selten erlaubt, um andere nicht zu verletzen. Ich neigte sehr dazu, immer direkt zu versuchen, Verständnis für das Verhalten der anderen aufzubringen. Meine eigenen Bedürfnisse hatte ich dabei dann oft ignoriert, und den Protest meines Körpers gegen meine Ignoranz MIR selber gegenüber von meinem „Verstand“ unterdrücken lassen.]  


Erst in diesem Jahr 2024 jetzt spüre ich meinen Eltern gegenüber nur noch Liebe. Da ist Frieden. Und da ist diesbezüglich Heilung.

Aber das war ein Prozess!

Und meine Willensentscheidung lag eigentlich nur darin, diesen Prozess zuzulassen.

Aus meiner Sicht ist es eine der Voraussetzungen für eine echte Partnerschaft, dass beide diesen Prozess jeweils für sich durchlaufen haben.

Denn sonst werden die unverheilten Wunden und Schmerzen aus der eigenen Kindheit automatisch in die Partnerschaft hineingetragen.  
  

Meine Eltern hatten im Grunde kaum andere Möglichkeiten, als die Schmerzen und Wunden ihrer Kindheit in ihre Partnerschaft hineinzutragen. Mein Vater war – vermutlich aus einer verfehlten „Männlichkeitserziehung“ (die in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts leider gesamtgesellschaftlich als „normal“ und „richtig“ galt) nicht in der Lage über die seelischen Schmerzen und Verwundungen, die er als Kind / Jugendlicher erlebt hatte, überhaupt zu sprechen. Ich vermute, man hatte ihm beigebracht, er müsse „stark“ sein. Und eigene seelische Schmerzen, Verwundungen und Verletzlichkeit zu zeigen, sei „Schwäche“.
Seine (unbewusste) Strategie zur Verarbeitung seiner Traumata war daher aus meiner Sicht, dass er versuchte, Gefühle anderer nicht nahe an sich herankommen zu lassen. Sondern dass er preußisch pflichtbewusst versuchte, das zu erfüllen, was er – als streng katholisch Erzogener – als die ihm „vom Herrn“ auferlegte Pflicht ansah. Ich vermute, dass das das Verhalten war, für das er als Kind am ehesten so etwas wie Lob und besondere Anerkennung bekam.
Meine Mutter hingegen unterdrückte ihre eigene Liebes-Bedürftigkeit nicht (was ich gut finde). Sie zeigte deutlich, dass sie – ebenso wie ich – im Grunde nichts anderes als Liebe wollte.
Da mein Vater aber nicht in der Lage war, ihr großes Bedürfnis zu erfüllen (und ihm das auch als Untraumatisierter unmöglich gewesen wäre, denn ihr Bedürfnis wäre ja gewesen, dass er auch ihre Traumata heilt); versuchte sie dann irgendwann, sich dieses Bedürfnis wenigstens von ihren Kindern erfüllen zu lassen. Wenigstens von uns ihren Wert als Mensch bestätigt zu bekommen. Denn das ist eben für JEDEN Menschen sehr wichtig, von anderen den eigenen Wert bestätigt zu bekommen. [Und bitte, jetzt nicht mit Floskeln kommen, dass man / frau dazu erstmal den eigenen Wert selber kennen müsse. Denn das sind Floskeln, die ehrlich gesagt, selten hilfreich sind.]
In mir führte das zu einer Ambivalenz. Auf der einen Seite wollte ich ihr diesen Wunsch gerne erfüllen. Auf der anderen Seite fühlte ich mich von ihr emotional unter Druck gesetzt und für ihre Bedürfnisse missbraucht; – und in meinem Wert von ihr sozusagen darauf reduziert, dass ich ihre Bedürfnisse erfülle. Sprich, ich fühlte mich von ihr eben gerade nicht – bedingungslos – geliebt; sondern ihre Liebe zu mir schien mir unter die Bedingung gestellt, dass ich ihre Bedürfnisse erfülle.
Was mir ja in Wahrheit nicht einmal möglich war, denn das Loch in ihrem Herzen wegen der nicht vom eigenen Partner empfangenen Liebe und ihren eigenen Kindheitstraumata hätte ich niemals füllen können.
Meine Mutter, als ebenfalls in den 30er Jahren Geborene und streng katholisch, war in den Glauben hinein erzogen worden, dass Frauen sanft und duldsam und bescheiden zu sein; und „dem Herrn“ zu gehorchen hätten. Ich bin mir sicher, dass sie Wut gegen meinen Vater verspürte, weil er ihr so wenig Liebe zeigte. Aber irgendetwas in ihr war vermutlich schon als Kind gebrochen worden, denn es war ihr völlig unmöglich, Wut nach Außen zu zeigen. Im Gegenteil hatte sie vielleicht sogar Schuldgefühle, dass sie überhaupt Wut gegen ihren Mann empfand. Seit ich denken kann, litt sie unter Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren, was erst im Alter bei ihr zurückging. Und ich vermute schon, dass das auch etwas mit der Wut zu tun hatte, von der ihr nur möglich war, sie „in sich hineinzufressen“.

Ich nahm das als kleines Kind alles irgendwie wahr, wie kleine Kinder ja oft ein gutes Gespür dafür haben, dass irgendwas nicht „stimmt“. Und schon damals reagierte ich mit einem ausgeprägten „helfen wollen – heilen wollen“.
Ich verstand nicht, warum es so wenig echte Harmonie Zuhause gab, es hätte doch alles so einfach sein können, wenn mein Vater sich /sein Verhalten nur geändert hätte. Er müsste doch nur seiner Familie liebevolle Zuwendung zeigen. Schließlich war ich sicher, dass er durchaus Zuwendung empfand.
Ich verstand nicht, dass es ihm nicht möglich war, sein Verhalten mit einer Willensentscheidung zu ändern.
Das alles überforderte mich. Was vermutlich zu den Kopfschmerzen beigetragen hat, die mich als Kind so oft quälten. Und die vom Hausarzt leider mit Breitbandantibiotika „behandelt“ wurden. Was mein Immunsystem dann zusätzlich auf körperlicher Ebene irritierte und schädigte.
Vermutlich kam dieser Arzt aber auch deshalb auf diese Breitbandantibiotika, weil psychische Erkrankungen – damals noch deutlich ausgeprägter als heute – eben leider als Makel angesehen wurden / werden; während (angeblich rein) physische Erkrankungen eher als annehmbar galten. Und ich vermute, dass auch ich, selbst als kleines Kind, empört gewesen wäre, wenn der Arzt mir „Überforderung“ diagnostiziert hätte.   


Vieles von dem, was ich gerade beschrieben habe, hatte ich „auf Verstandesebene“ schon länger verstanden.

Aber diese Verstandesebene reichte nicht, um wirklich Frieden, Heilung und echte ungetrübte Liebe in meiner Beziehung zu meinen Eltern empfinden zu können.

Das ist erst durch den die letzten zwei Jahre von mir durchlebten Prozess möglich geworden, für den ich (vielleicht mit dem damaligen Ritual) zugelassen habe, aus anderen Dimensionen dabei geführt und begleitet zu werden.

Es zeigte sich in diesem Prozess immer wieder, dass ich eine Tendenz hatte, „gut“ sein zu wollen, und der Meinung war, wenn ich Verhalten meiner Eltern (öffentlich) kritisiere, tue ich „Schlechtes“. So, als „dürfe“ ich meine Eltern nicht kritisieren. Als würde ich sie mit meiner Kritik als Menschen herabwerten.

Und es war ein Prozess, zu verstehen, dass es für MICH wichtig war, mir genau anzuschauen, was MIR nicht gut getan hat an ihrem Verhalten. Und zu verstehen, dass ich sie keineswegs damit entwerte oder gar als Menschen verurteile / verdamme, wenn ich das, was an ihrem Verhalten nicht gut war, aufzeige.
Das wiederum wird aber erst dann wirklich „verständlich“, wenn frau / man begriffen hat, dass die wenigsten unschönen Verhaltensweisen echte Willensentscheidungen waren / sind. Und dass es bei durch Traumata entstandenen unschönen Verhaltensweisen leider auch unmöglich ist, diese durch eine Willensentscheidung einfach mal zu ändern.

Es ging also in dem Prozess darum, Verständnis für meine Eltern und ihr Verhalten nicht nur auf Verstandesebene, sondern auch auf Herzensebene zu bekommen.
Und dafür musste ich zunächst mal zulassen, Verständnis für MICH und MEINE Bedürfnisse zu bekommen. Und von meinen Eltern auch einzufordern.

Denn dieses Verständnis auf Herzensebene ist immer ein beidseitiges.

Solange ich nur im „Geben“ war, versuchte, ihnen Verständnis entgegen zu bringen; ohne dass meine Bedürfnisse gesehen wurden, habe ich in mir etwas unterdrückt. Daher war es notwendig, dass ich kritisierte, was MIR schlecht tat.

Ich lernte also, dass eine Vorbedingung für echte Liebe ist, das Verhalten eines anderen kritisieren zu dürfen, wenn dieses Verhalten mir Schaden zugefügt hat. Dass ich dann allerdings selbstverständlich auch zulassen muss, mir ehrlich, offen und vorurteilsfrei anzuhören, was die andere Person zu ihrem Verhalten gebracht hat.
Welcher von dieser Person z.B. erlebte Schmerz (oder z.B. welcher ihr anerzogene Glaubenssatz, der sie denken ließ, etwas Gutes zu tun), hinter dem Verhalten stand.
Und genauso, wie ich erwarte, dass mein Schmerz von anderen nicht klein geredet wird – oder ich irgendwie herabgewürdigt werde, weil ich einem mir anerzogenen Glaubenssatz unhinterfragt gefolgt bin -; muss ich selbstverständlich auch die Bereitschaft haben, den Schmerz der anderen Person nicht etwa kleinzureden, oder diese Person irgendwie herabzuwürdigen (z.B. als dumm, weil sie unhinterfragt einem Glaubenssatz gefolgt ist).


Dass ich den Schmerz der anderen Person anerkennen kann, bedingt wiederum, dass die andere Person bereit ist, mir auch tatsächlich offen und ehrlich mitzuteilen, welche Wunden und Schmerzen (oder sonstiges) hinter ihrem Verhalten standen.

Auf Seelenebene (also von Verstorbenen) wird diese Bereitschaft vermutlich oftmals bestehen (ich zumindest habe es von meinen Eltern so wahrgenommen).

Auf der Ebene der Lebenden bin ich dabei aber bisher leider noch sehr oft an Mauern gestoßen.

Kritik am Verhalten wird leider noch meist als persönliche Beleidigung und Entwertung der eigenen Person aufgefasst.
Und Kritik wird sehr oft auch beleidigend und entwertend geäußert.

In Partnerschaften ist beides ein – mit jeder Wiederholung fataler werdender – Liebes-Killer.

[Auch bezüglich der Kritikfähigkeit (und das ist mir auch an mir selbst immer wieder gezeigt worden) gilt aber: Das sind keine einfachen Willensentscheidungen. Die Willensentscheidung ist immer nur die, die eigene Veränderung zuzulassen.]


Ein sehr viel subtiler wirkender Liebes-Killer in Partnerschaften ist, wenn ein Partner sich nicht authentisch zeigt, sondern in eine Rolle schlüpft, von der er oder sie denkt, damit besonders „zu gefallen“. Letztens las ich mal irgendwo die Frage: „Was für einen Mann wünschen sich Frauen? Einen Cowboy, einen Softie, einen Abenteurer, einen … ?“ Ich habe die einzelnen genannten Rollen vergessen, aber ich dachte: „Wie furchtbar! Ich will doch keinen Mann, der mir eine Rolle vorspielt, von der er meint, mir so besonders gut zu gefallen! Ich will doch keinen Mann, der meint, sein wahres Gesicht vor mir hinter einer Maske verbergen zu müssen; aus Angst, ich würde sein wahres Gesicht hässlich finden! Ich will einen Mann, der den Mut hat, sich mir so zu zeigen wir er ist. Verletzlich. Ehrlich. Echt.“
Zumal jemand, der oder die in eine Rolle schlüpft, von der er oder sie vermutet, der anderen Person besonders gut zu gefallen; vermeintlich dieser Person „zuliebe“ einen Teil des eigenen Ichs aufgibt. Und dann automatisch innerlich der Partnerin / dem Partner mehr und mehr vorwerfen wird, ganz viel gegeben – einen Teil des eigenen Ichs – und keine angemessene „Gegenleistung“ bekommen zu haben. Und damit vermittelt der / die „Schauspieler*in“ (unbewusst) dem anderen Menschen nicht die Energie der Liebe, sondern die Energie innerer Ressentiments. Und das ist nicht heilend.

Fortsetzung folgt.