Was denkt ihr?

Immer wieder (zuletzt bei meinem Beitrag „Sonnenenergie„) stolpere ich über dieselben Fragen:

Wann ist es sinnvoll, einzugreifen – und wann schädlich?

Wenn mein eigener Staat kostbare Ressourcen der Menschheit verprasst, um Kriege zu führen, oder anderen beim Kriegsführen zu helfen. Wenn mein eigener Staat Menschen verfolgt, drangsaliert oder gar wegsperrt, nur, weil diese Menschen eine Meinung / Weltanschauung / Religion vertreten, von der bestimmte Organe meinen, dass sie „falsch“ sei.
Dann bin ich der Meinung, zumindest zu versuchen, irgendetwas gegen solches Unrecht zu tun, sei meine Gewissenspflicht. Denn irgendwie bin ich ja ein Teil „meines“ Staates.

Wenn aber ein mir unbekannter Mensch einen anderen beleidigt („real“ oder „virtuell“ z.B. in den sozialen Netzwerken), vergrößere ich dann vielleicht die ohnehin vorhandene Aggressionsenergie, wenn ich versuche, einzugreifen?

Wenn ich den, den ich als „Aggressor“ meine identifiziert zu haben, anklage, – und meine Motivation ist, diesen bestrafen zu wollen, dann vergrößere ich die Aggressionsenergie meines Erachtens, denn ich lebe damit nur die andere Seite derselben Medaille:

Nicht erst das bekannte Milgram-Experiment hat gezeigt, dass dafür anfällige Menschen ihnen innewohnende sadistische Gewalt-Neigungen ausleben, wenn man ihnen eine „moralische Rechtfertigung“ dafür bietet. Das war die Grundlage der Folterungen, wie sie katholische Geistliche einst vorgenommen haben, wie auch der Folterungen in jedem „Straflager“ dieser Welt.
Schon im Kolosseum hätte sich mancher Gewalt vermutlich behäbig in Zeitlupe anschauen mögen … .

Kann ich diese Aggressions-Energie auflösen, indem ich einfach gar nicht hinschaue, sondern stattdessen versuche, Liebe zu leben? Mich auf das Schöne, Liebe und Gute zu fokussieren, das ja auch in jedem Menschen lebt (auch in denen mit sadistischen Neigungen)?

Oder setzt das die falschen Anreize, und Liebe hieße, darauf hinzuweisen, dass man eine Handlung für „schlecht“ hält – ohne den ausführenden Menschen dafür zu verurteilen?

Oder ist das „besserwisserisches Gutmenschentum“, das viele erst recht auf die Palme bringt?

Was denkt ihr?

___________________________________________

Ein Beitrag zu den abc-Etüden, deren aktuelle Schreibeinladung hier https://365tageasatzaday.wordpress.com/2022/10/02/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-40-41-22-wortspende-von-werner-kastens/ zu finden ist.

Veröffentlicht von lachmitmaren

Ich bin voller Lebensfreude. Manchmal albern, manchmal ernst. Gute Zuhörerin. Vielseitig interessiert. Ich bin kritisch und hinterfrage die Dinge. Bin Volljuristin, staatlich geprüfte Heilpraktikerin, zertifizierte Lachyoga-Leiterin - Und Rheumatikerin seit gut 30 Jahren.

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28 Kommentare

  1. Ich denke: die offizielle Politik ist die eine Seite und die zwischenmenschlichen Beziehungen sollte man separat betrachten und klar davon trennen.

    Im Zwischenmenschlichen Bereich sollte man m.E. zumindest respektieren, ob jemand eine andere Meinung überhaupt hören will, denn jeder hat hier bei uns die Freiheit, eine andere Meinung nicht glauben zu wollen/müssen. Ein bewusstes Kundtun seiner anderslautenden Meinung, z.B. in Blogs wie diesen ist ja auch eine Art von Beeinflussung oder Beeinträchtigung, die vielleicht nicht jedermann will. Aber das kann man ja steuern, indem man in einer Content Note vorweg nimmt, was man sagen will und damit dem „Gegenüber“ die Freiheit lässt zu entscheiden, ob er sich näher mit dem Thema befassen will.

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    1. Danke für deine Antwort! Der zweite Teil deiner Antwort greift mein Dilemma auf: Denn ich nutze ja meinen Blog tatsächlich, um kundzutun, was ich für staatliches / gelenktes Unrecht halte. Das heißt, es ist ein bewusstes Kundtun meiner anderen Meinung, von der mir natürlich klar ist, dass die Mehrheit sie nicht hören möchte, weil diese Mehrheit etwas anderes glauben möchte. Etwas, was ich aus tiefster Seele für schädlich für die Menschheit halte. Und natürlich möchte ich, dass Menschen sich mit diesen Themen befassen und sich mit der Frage auseinandersetzen, ob ihre Meinung eine ist, mit der sie der Menschheit womöglich Schaden zufügen. Vielleicht kommen sie zu einem anderen Ergebnis als ich. Aber die Freiheit, irgendwo gar nicht hinzuschauen, weil man das als für einen selbst unangenehm empfindet, die hört aus meiner Sicht eben dort auf, wo Schäden entstehen, weil Gewalt „im Spiel“ ist. Ansonsten würden wir doch auch jedes Wegschauen im 3. Reich, soweit sich Gewalt(äußerungen) auf der zwischenmenschlichen Ebene abspielten, für legitim halten. Oder?

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      1. Hallo Maren, in Bezug auf Deinen letzten Satz „ Ansonsten würden wir doch auch jedes Wegschauen im 3. Reich, soweit sich Gewalt(äußerungen) auf der zwischenmenschlichen Ebene abspielten, für legitim halten.“ muss ich Dir sagen, dass ich gegen solcher Art Totschlag-Argumente eine tiefe Aversion habe. Denn ich spreche jedem die Legitimation ab, darüber zu richten, der eine solche Situation nicht selbst erlebt und durchgemacht hat. Ich habe solche Verhältnisse hautnah erlebt. In Nicaragua unter Somoza, wo Widersacher sehr schnell in einem nahe Managua gelegenen Vulkan ihr Ende fanden; im Irak unter Saddam Hussein, wo mit Gegnern gar nicht lange gefackelt wurde; und am perfidesten im Iran unter Khomeini. Was erwartest Du denn von der großen Mehrheit, wenn sie ständig in Angst leben, weil eine 10-Millionen-Stadt wie Teheran von nur 400 hochmotorisierten „Revolutionsgarden“ kontrolliert werden kann, die überall sofort auftauchen, wenn „Abweichler“ sich in Gruppen treffen oder eine Demo versuchen, und diese dann brutalstmöglich zusammenschlagen? Und wie sollen sich die Familien denn verhalten, wenn den Kindern im Kindergarten und in der Schule Waffen gezeigt werden mit der Frage „Habt ihr so etwas schon mal gesehen?“ und wenn die unschuldigen Kinder dann antworten „Ja, mein Papa hat so eine!“ und dann nicht mehr nach hause kommt?
        Die Realität kann doch nur der eigentliche Maßstab sein, das Stillehalten versuchen, zu verstehen. Was nützen den Menschen in solchen Situationen „fromme“ Gedanken über eine bessere Welt, wenn diese einfach nicht gegeben ist. Das ist über 40 Jahre her, seit die Mullahs im Iran an der macht sind, und auch die jetzigen Ansätze von Widerstand werden sie knallhart niederknüppeln.

        Seit ich 18 bin und damals den Wehrdienst verweigert hatte, ist mir diese argumentative Ausdeutung ehrlich gesagt zuwider. Damals musste man noch schriftlich begründen, warum man nicht Soldat werden wollte. Nach „eingehender“ Prüfung durch eine hochrangige Kommission wurde man vor ein „Tribunal“ gerufen, zu einer mündlichen Verhandlung. Und auch die endete immer mit einem Totschlag-Argument: „Was würden Sie denn tun, wenn ein fremder Soldat Ihre Eltern mit Erschiessung bedroht. Würden Sie nicht versuchen, dies zu verhindern, indem Sie Ihrerseits zu einer Waffe griffen?“
        Ja, und zack biste durchgefallen. Abgelehnt.

        Ich will mit dem Ganzen sagen: der Wunsch und der Wille eines Einzelnen mag moralisch das Richtige sein, aber so lange die Umstände gegen einen sind, bleibt einem vielfach nur die Ohnmacht.
        Und Widerhall finden doch eher wohl nur die, die glaubhaft über eigenes Erleben berichten können.

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      2. Lieber Werner, ganz herzlichen Dank für deine eindrucksvollen Schilderungen von solchen schrecklichen Verhältnissen!!! Nein, ich möchte nicht darüber „richten“, wenn jemand aus Angst um Leib und Leben wegschaut, schon gar nicht würde ich jemals jemanden dafür verurteilen! Ich bin ja ohnehin der Meinung, dass wir Menschen viel zu häufig über andere urteilen und richten. Und ja, natürlich war „hinsehen“ im 3. Reich mit Lebensgefahr verbunden, und ich verurteile daher niemanden dafür, wenn er oder sie es vorgezogen hat, wegzuschauen.

        Aber wir Menschen sind ja ein lernendes System. Also ein System, das auch aus Fehlern lernen kann. Und jetzt leben wir in einem Staat, in dem Hinschauen immer noch unangenehm sein kann, aber bei staatlich ausgeübtem Unrecht normalerweise nicht mit Lebensgefahr verbunden ist.
        Wenn also jetzt staatlicherseits diskriminiert wird, sollte man dann nicht hinschauen, um eben genau das Abdriften in solche furchtbaren Umstände, wie du sie beschreibst, in jedem Fall zu verhindern? Ich frage mich oft, wie es wohl gewesen wäre, wenn ganz zu Beginn eines solchen Unrechtsstaats sehr viele aufgestanden wären, ihre Stimme erhoben hätten und klar gesagt hätten: Nein! Hätte es diese Staaten dann überhaupt in der Form jemals gegeben? Hätte die Propaganda, mit der das Volk überzogen wurde, so erfolgreich sein können, wenn sich bereits ganz zu Beginn erheblicher Widerstand formiert hätte? Gemeinsamer Widerstand aller Andersdenkenden?

        Ich weiß es nicht. Wie du auch sagst, der Wunsch und der Wille eines Einzelnen kann selten genug bewirken. Aber, und das ist ja mein Ansatz, er oder sie kann versuchen, andere dazu zu bringen, hinzuschauen, wenn staatlich gelenktes Unrecht geschieht. Und noch sind wir in einer Situation, wo es vermutlich ausreichen wird, wenn sehr viele Menschen hinschauen – und sagen „So nicht!“. Oder auch „Nie wieder Krieg! Keine Waffen!“ Aber noch schauen eben zu viele weg … .

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      3. Ja, unsere Kartenhäuser sind nicht auf festem Grund gebaut, da gebe ich Dir recht.
        Aber ich denke, dass da nur ein wirklicher Paradigma-Wechsel Änderung bewirken kann,
        wenn ALLE es wollen, oder wenn es als Staatsziel festgeschrieben wird.
        Dazu gehört auch, dass das kirchlich geprägte Denken in Schwarz oder Weiss, in Gut oder Böse endlich mal ad acta gelegt wird.
        Wie sollen wir uns denn befreien, wenn wir nicht die uralten Fesseln sprengen?

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  2. Vielleicht hilft dein Satz im vorigen Beitrag: „mit dem Leben gehen“. Das bedeutet zB, wenn ein Mensch von einem anderen wegen einer Meinungsäußerung ungerecht angegriffen, diesem moralisch beizustehen, egal ob man seine Ansichten teilt. Ich habe das als äußerst wohltuend erlebt in der Zeit, als ich mein Entsetzen über die COVID-Maßnahmen auf meinem Blog herausschrie und deshalb von „Freunden“ beschimpft und „entfreundet“ wurde. Eine Leserin schrieb mir daraufhin einen wunderbar tröstlichen Brief, der gar nicht auf die C-Frage einging. Ihr Zuspruch gab mir meine Kraft zurück.
    Ein anderes Beispiel: als während des Jugo-Kriegs alle die Serben beschimpften, unterstützte ich eine Organisation, die serbischen Waisenkindern aus der Kraina finanziell half, sowie einen serbischen Künstler. Das tat mir gut, und es tat auch den so schwer Diskriminierten gut.

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    1. Danke dir, liebe Gerda! Ja moralischen Beistand empfinden Menschen, die von anderen angegriffen werden, ganz sicher als wohltuend, das denke ich auch. Vielleicht fehlt es daran noch generell zu sehr.

      Vielleicht wird „moralischer Beistand“ von uns Menschen aber auch manchmal missverstanden, und führt dann zu Haltungen, wie sie z.B. die deutsche BReg gegenüber der Ukraine / Russland einnimmt. Denn gerade bei moralischem Beistand gegenüber uns unbekannten Dritten kennen wir ja die Hintergründe des Konflikts meist überhaupt nicht. Und manchmal wird dann mit eigentlich „gut gemeintem“ Beistand der Konflikt einfach nur angeheizt, was dann wiederum allen Beteiligten sehr schadet.

      Waisenkindern und Künstlern zu helfen, erscheint mir aber in jedem Fall immer eine gute Sache.

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      1. Der „Ukraine moralisch beizustehen“ ist was ganz anderes als Menschen moralisch beizustehen. Ich neige übrigens dazu, solchen Menschen beizustehen, denen sonst niemand beisteht -wie in dem Beispiel den serbisch-bosnischen Kindern,für die es sonst nirgends Sympathie gab. Das sind winzige Korrekturen

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      2. Ich hatte meinen Einwurf zur Ukraine nicht auf dich bezogen gemeint, freue mich aber trotzdem, dass du darauf geantwortet hast, denn das sind wichtige Klarstellungen zum Thema „moralischer Beistand“, finde ich.

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  3. Liebe Maren, ich mag die Fragen, die du stellst, dass du den Finger auf wunde Punkte legst, ich nehme dir auch deine Ernsthaftigkeit ab. Aber die Art, in der du das tust, ist so gar nicht meins. Ich denke schon länger darüber nach (nicht erst seit den Sommeretüden): Welche Themen ich öffentlich (und in welcher Form) diskutieren will, ist meine Privatentscheidung, und ich lasse mich äußerst ungern bedrängen – danke, Werner. Das hat dazu geführt, dass ich ungefähr seit Corona aufgehört habe, die meisten „aufgeregten“ Blogs zu lesen, die, in denen im Text wie in den Kommentaren die Meinungen hochkochen und alle sich gegenseitig irgendwie anschreien und missverstehen (zu wollen scheinen). Ich bin im Allgemeinen dazu zu introvertiert, um das zu genießen. Ich habe den Glauben an den Nutzen solcher Posts verloren – nicht aber, um das noch mal zu wiederholen, an den Nutzen des Infrage-Stellens an sich.
    Mir fiel dazu das „Gelassenheitsgebet“ ein, dessen erste Zeilen so bekannt sind, dass ich sie schon oft als von Franz von Assisi stammend gefunden habe:
    Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
    und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
    Danke dir für deine Etüde.
    Frühabendgrüße 🌦️🌻🍃👍

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    1. Liebe Christiane, das finde ich interessant, dass du das mit dem Anschreien und dem „aufgeregt“ sagst. Denn tatsächlich empfinde ich meine Texte (im Gegensatz zu manch anderen) ganz und gar nicht als „aufgeregt“. Und Anschreien will ich in meinen Texten erst recht niemanden. Im Gegenteil ist es mir ein großes Anliegen, meine Texte möglichst sachlich zu halten. Und ehrlich gesagt, bin ich der Meinung, dass mir das auch gelingt.
      Gleichzeitig habe ich den Anspruch an mich selbst, anspruchsvolle Texte zu schreiben, eben wirklich zum Nachdenken anzuregen (immer auch mich selbst).

      Meine Texte sind inhaltlich äußerst vielfältig und beziehen sich längst nicht nur auf Corona oder Ukraine. So ganz klar ist mir der Grund für deinen Widerwillen gegen meine Texte also nicht. Vielleicht ist es tatsächlich, weil ich den Finger eben immer wieder auch in Wunden lege (ich bin Therapeutin, und das heilerisch tätig sein wollen, gehört irgendwie zu mir, auch wenn mir klar ist, dass bisher nur wenige Menschen bereit sind, etwas als wertvoll anzusehen, was sie kostenlos bekommen …).

      Ja, ich habe Veränderungswillen, das stimmt. Mut habe ich auch, ganz klar. Gelassenheit habe ich auch. Deshalb klage ich weniger, als die meisten anderen.

      Danke für deinen Kommentar (dass du kommentierst, ist keine Forderung, die ich an dich erheben würde, wenn du eigentlich nicht diskutieren willst)

      Viele Grüße!

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      1. Maren, ich verspreche dir, dass ich es aufkläre, wenn ich weiß, wie ich es formulieren kann. Ich KANN sagen, dass deine oben formulierte Selbstbeschreibung nicht mit meinem Eindruck von dir und deinen Texten übereinstimmt, und das heißt, entweder hast du einen Balken im Auge oder ich – oder wir beide, was am wahrscheinlichsten ist 😉 Und nein, ich sage nicht deswegen nicht mehr, weil das hier eine öffentliche Kommentarspalte ist und ich dir nicht auf die Füße treten will, ich könnte es auch in einer Privatmail nicht formulieren. Das wiederum bedeutet für mich, dass ich mir an irgendeinem Punkt auf die Schliche kommen muss, um zu wissen, warum ich so reagiere, damit ich bezogen auf diesen Punkt besser schlafe.
        Du hast um Kommentare gebeten, also kommentiere ich, selbst wenn ich nur sagen kann, dass es mir so aufstößt, dass ich nichts sagen kann 😉 Sorry. 😉

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  4. zum Gutmenschentum und der Liebe fällt mir ein kürzliches Treffen ein:

    Im Grunde dachte ich bisher auch, dass man Agressoren oder negativ schwingenden Menschen einfach mit Liebe begegnen sollte. Die Dinge stehen lässt, die Meinungen nicht (ver)-urteilt, lächelt und darüber hinweg geht, so gut man das eben kann. Dass es besser ist, sich nicht in Wallung verführen zu lassen, ruhig zu bleiben. Hinnehmen, was man nicht ändern kann.

    Dann lernte ich eine Frau kennen, die genau so war. Sie sass mir an einem Tisch gegenüber und lebte genau diese Eigenschaften. Sie liess sich durch nichts reizen, sie war gelassen, freundlich und liebevoll. Sie strahlte Frieden aus. Während wir anderen alle unser Essen und ein Getränk genossen, labte sie sich an Wasser. Aus Essen machte sie sich nichts (mehr). Sie war eher mager als schlank. Schnell drehten sich die Themen um Corona, impfen und Maske tragen. Die Gemüter waren erhitzt, Meinungen prasselten aufeinander. Die wassertrinkende Frau erzählte uns friedlich, dass Maske tragen Akzeptanz gegenüber dem Anderen wäre, der sich dann sicherer fühlt. Sie zeigte uns ihre Maske, setzte sie am Tisch auf und erklärte, wie man sie in Höhe und Dichte verschieben konnte. Sie nimmt die Maske einfach hin mit Liebe, dort wo es erwartet wird. Sie liess sich auch impfen, denn das gehört ebenfalls zur Akzeptanz und ist wichtig für ihre Freiheit, wenn sie z.B. reisen möchte. Je länger ich dieser Frau zuhörte, desto mehr stellte ich fest, dass ich mich geirrt habe.

    Wenn meine Meinung von der allgemeinen Meinung abweicht, dann kann ich meinen Mitmenschen auf gar keinen Fall mit so viel Akzeptanz und Liebe begegnen, dass ich Maske trage und mich impfen lasse. Denn dann verleugne ich mich selbst. Ich bin ein Mensch und ich habe Emotionen und Gefühle. Auch negative Gefühle. und postitive Gefühle. Das zeigt sich auch am Essen. Essen und Trinken ist wichtig und kann auch sinnlich sein. Wenn ich das spüre, dann lebe ich.
    Allein von Liebe und Frieden kann und will ich nicht leben. Das ist nur in der Theorie für mich möglich. Im wahren Leben brauche ich Gefühl, verschiedene Meinungen, Austausch, es muss prickeln und auch mal lodern. negativ und positiv.

    Diese Frau kommt mir jetzt im Nachhinein, trotz Gutmenschentum und Liebe wie innerlich tot vor.

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    1. Liebe Monika, ich danke dir sehr(!) für deinen Kommentar!!! Denn genau das ist für mich auch der Punkt: Hat „blinde“ Akzeptanz wirklich etwas mit „Liebe“ zu tun? Oder ist das nicht selten eher die Angst, irgendwo „anzuecken“, die hinter einer solchen als Lebe getarnten Haltung steht?

      Ich bin der Meinung, dass sich Liebe gerade dadurch auszeichnet, dass sie bereit ist, auch in für sie unangenehme Situationen zu gehen, wenn das dem Wohle aller dient (die deutlich leichtere Konfliktvermeidungsstrategie hat doch nichts mit „Liebe“ zu tun..).

      Und dafür zu kämpfen, dass es in dieser Welt irgendwann keine „herrschenden“ Meinungen mehr gibt, die andere Meinungen unterdrücken und auszugrenzen versuchen, das ist zum Wohle aller. Davon bin ich überzeugt.

      Ich bin daher der Meinung, dass bloße Akzeptanz überhaupt nichts mit Liebe zu tun hat (eher vielleicht mit kindlichem „brav“ sein wollen). Und das Argument: „Ich tue das, weil andere sich damit wohler fühlen.“ ist ja ohnehin ein Scheinargument, zumal es Menschen wie du und ich gibt, die sich damit überhaupt nicht wohler, sondern ganz erheblich unwohler fühlen, wenn sie in maskierte Gesichter blicken (müssen). Wo war also im Fall dieser Dame die Liebe dir gegenüber?!

      Ganz herzliche Grüße an dich !!! 💖💖💖

      Maren

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  5. Liebe Maren, man darf immer seine eigene Meinung kundtun. Wir leben in einem freien Land, wenns manchmal dabei auch viele Hürden zu meistern gilt.
    Und im Realen kann man es sowieso, sollte man es auch. Da steht man sich gegenüber, kann reagieren, schlucken oder verteidigen.
    Virtuell hatte ich ein Erlebnis, eine Bloggerin griff mich regelrecht an, eben das, was ich geschrieben hatte. Ich habe mich darauf nicht verteidigt, denn ich schreibe nur das, was ich auch vertreten kann. Und da bin ich der Meinung, wer meine Meinung nicht lesen will, sie unmöglich findet, der solle meine Seite meiden. So einfach ist das!
    Zum Weltgeschehen muss man sich einfach einbringen mit Worten. Man kann nicht alles hinnehmen, dann wären wir von Anfang an verloren. So haben wir doch wenigstens etwas für unser eigenes Gewissen getan – geschrieben! Und vielleicht klickt es ja dann bei manch Leserin, mach Leser, dass es zumindest eine Überlegung wert ist. Aggression sollte man immer mit Liebe begegnen, denn sonst ist man ja von vornherein auf Krawall aus. Das klingt leicht, doch ist es wohl mit das Schwerste.
    Doch alles lässt sich gütlich einigen! Wenn man es doch in dieser Welt endlich begreifen würde….
    Dank zu dir von mir ❤

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    1. Vielen lieben Dank, liebe Edith für deinen so liebevoll unterstützenden Kommentar!!! Das tut wohl! Ja, ich denke auch, man kann / darf nicht alles hinnehmen, denn das hätte nichts mit Liebe zu tun. Auch ich hoffe immer, dass es vielleicht eben doch bei dem einen Leser oder der anderen Leserin etwas bewirkt. Denn, wenn ich das Radio anschalte (Fernsehen tue ich nicht mehr derzeit), bekomme ich nahezu immer EINE Meinung serviert. Diese Meinung finde ich dann auf vielen Blogs in einer Art wieder, die mir wie „nachgebetet“ vorkommt. Nicht selten in genau der (mir fällt gerade kein passenderes Wort ein) fundamentalistischen Art, in der sie auch im Radio „vorgebetet“ wird („Putins Angriffskrieg“ mit besonderer Betonung …, DAS ist der BÖSE … .). Und da ist es mir einfach ein Anliegen, gerade denen, die fast nur solche Meinungen hören (und sie dadurch oft „automatisch“ für „richtig“ halten), die Möglichkeit zu bieten, einfach nur mal darüber nachzudenken, ob es nicht auch anders sein könnte.

      Es gibt eine Übung, die nennt sich „The work“ und da geht es darum, zu schauen, ob nicht auch das genaue Gegenteil der bisherigen eigenen Annahme genauso „wahr“ sein könnte. Und wie du, bin auch ich überzeugt, wenn man / frau das verinnerlichen würde, lebten wir in einer besseren Welt. Diese bessere Welt ist es, worum es mir geht.

      Herzlichen Gruß und Dank! 💝

      Maren

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      1. Ich verstehe dich nur zu gut! Menschen sind unterschiedlich, demnach auch das unterschiedliche Denken. Aber man muss nicht dieses Vorgefertigte nachleben, in dieses noch reinblasen, damit sich es aufblähen kann, sich darauf nicht verlassen. Warum nur hat man beispielsweise dem Ukraine- Chef so schnell mit Waffen beliefert. Es kam aus vielen Ländern auch die Meinung, dass man erst mal reden sollte. Umso mehr wird nun aufs Volk abgeladen…
        Ich danke dir immer wieder für dein offenes Denken – ich jedenfalls fühle mich darin bestätigt.
        Herzlichst, Edith ❤

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  6. Liebe Maren,
    wie oft habe ich mir diese Fragen – „Kann ich diese Aggressions-Energie auflösen, indem ich einfach gar nicht hinschaue, sondern stattdessen versuche, Liebe zu leben? Mich auf das Schöne, Liebe und Gute zu fokussieren, das ja auch in jedem Menschen lebt (auch in denen mit sadistischen Neigungen)? – gestellt. Ein ewiges Hin und Her zwischen Ja und Nein. Inzwischen bin ich bei einem eindeutigen Ja angelangt und bleibe dabei. Der Grund ist die damit der Qualität unseres Denkens verbundene Energie. Unser Denken ist – wie alles in diesem Universum – reine Energie. Die Farbe und der Klang meines Denkens spiegelt sich in meiner Umgebung wider und kommt auch am äußersten Rand des Universums (hat es einen?) zuverlässig an. Denken produziert Resonanz … So glaube ich fest daran, dass die Summe aller positiven Gedanken auch Positives bewirken kann.
    Gleichzeitig verweigere ich dem Grausigen, dem Bedrohlichen meine Aufmerksamkeit. Aber genau das erleben wir ja seit Jahren, insbesondere den beiden zurückliegenden, dann nämlich mithilfe der Medien unsere Aufmerksamkeit genau darauf fokussiert und gebunden wird. Ist leider weitreichend gelungen!
    Doch in meinem Leben bestimme ICH den Fokus. ICH lasse mich nicht fokussieren. Wie ich auch vieles andere nicht zulasse.
    Ich sehe es auch nicht als Ignoranz, wenn ich eben keine Nachrichten verfolge oder Tageszeitung lese, mich an Unterhaltungen beteilige, bei denen sich die meisten Menschen leider nur allzu offen demgegenüber zeigen, was propagiert wird. Ich weiß, es ist da, aber deshalb muss ich mich nicht damit befassen. Zumal ich auch die Berichterstattung in Zweifel ziehe, da es gar nicht so wenige andere Aussagen gibt von Menschen, die beispielsweise in der Ukraine leben.

    So beantworte ich Deine Fragen mit einem klaren JA! Es ist möglich, und möglichst viele Menschen sollten versuchen, in der Liebe zu bleiben und auf sie zu vertrauen.

    Herzliche Grüße
    Wilma ☀️

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    1. Liebe Wilma, ganz herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort, über die ich mich freue! Wie ich schon bei Monika geschrieben habe, bin ich selbst allerdings inzwischen eher zu der Auffassung gelangt, dass Liebe eben gerade auch heißt, dahin zu schauen, wo Liebe (bisher) nicht gelebt wird. Ich bin zu dieser Auffassung auch durch Erfahrungen im persönlichen Bereich gelangt: Da haben sich Menschen mir gegenüber sehr unschön und unfair verhalten. Ich habe immer wieder in einer Art darauf reagiert, die ich für „in der Liebe bleiben“ gehalten habe. Ich habe also zwar gesagt, dass ich das Verhalten nicht gut fand, dass ich aber weiß, dass diese Menschen einen guten Kern haben. Und habe auch Dritten gegenüber immer wieder diesen guten Kern von ihnen herausgehoben. Der „Erfolg“ war leider nicht, dass ich (wie ich gehofft hatte), „das Gute“ in ihnen vergrößert habe, sondern sie fühlten sich anscheinend bestätigt, und trieben ihr unschönes „Spiel“ immer ungenierter und in immer größeren Ausmaß weiter.
      Vermutlich wäre es für alle Beteiligten also viel besser gewesen, wenn ich ihnen von Anfang an deutlich gemacht hätte, dass ich es sehr wohl wahrnehme, dass sie sich mir gegenüber wie die hinterletzten „Arschlöcher“ (sorry …) benehmen – und dass ich das nicht akzeptiere!
      Denn noch ist die Welt eben leider nicht soweit, dass ich auf die Liebe aller vertrauen kann. Ich habe eher den Eindruck, sehr viele Menschen leben derzeit leider (noch) nicht Liebe – und brauchen tatsächlich einen Wegweiser dorthin. Den sie aber nicht bekommen, wenn ich versuche, alles, was schadet, was Schmerzen auslöst, was Liebevolles blockiert, Kontakte verhindert oder zumindest hemmt etc., wenn ich versuche, all das einfach nur zu ignorieren – und in die andere Richtung zu schauen.

      Wie du hoffe ich sehr, dass es in nicht allzu ferner Zukunft gelungen sein wird, alle Spaltungen endlich überwunden zu haben und sich in Liebe zu umarmen!
      💝💖

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      1. Liebe Maren,
        an unserem Einsatz wird es jedenfalls nicht mangeln. So hart und schwer und leider auch sehr schmerzhaft es ist und noch eine Zeit lang bleibt, die Liebe wird siegen. Einziger Wermutstropfen: Wir werden vielleicht nicht lange genug leben, um es mitzuerleben und genießen zu dürfen.
        Herzlichst
        Wilma 💖

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